[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Kontrolle der Drehmomentabgabe eines Anlassers
während des Anlassens einer mit dem Anlasser gekoppelten Brennkraftmaschine. Ferner
betrifft die Erfindung einen Fahrzeugantrieb enthaltend eine Brennkraftmaschine, einen
mit der Brennkraftmaschine gekoppelten Anlasser sowie einen Regler zur Kontrolle der
Drehmomentabgabe des Anlassers während des Anlassvorgangs der Brennkraftmaschine.
[0002] Kraftfahrzeuge mit Verbrennungsmotor weisen in der Regel einen Anlasser bzw. Starter
auf, mit dessen Hilfe die Brennkraftmaschine angelassen wird. Derzeit sind Startermotoren
in Entwicklung, mittels derer eine Brennkraftmaschine innerhalb weniger Millisekunden
vom Stillstand auf die Leerlaufdrehzahl von zum Beispiel 800 U/min gebracht werden
kann. Derartige elektrische Maschinen werden häufig mit einer Generatorfunktion kombiniert,
weshalb diese auch als (integrierte) Starter-Generatoren (engl.: starter generator
S/A) bezeichnet werden.
[0003] Derartige Starter-Generatoren sind zum Beispiel aus der US 6 073 713 und der US 6
002 219 bekannt. Ferner ist aus der EP 0 903 492 A2 ein Verfahren zur Ansteuerung
eines Starter-Generators bekannt, bei welchem ein Regler das während des Anlassens
der Brennkraftmaschine von dem Anlasser abgegebene Drehmoment kontrolliert. Dabei
wird die Kühlmitteltemperatur der Brennkraftmaschine überwacht und bei kalten Motor
eine geringere Leistungsabgabe der elektrischen Maschine vorgegeben. Durch diese Maßnahme
soll auf ein verändertes Verhalten einer kalten Brennkraftmaschine im Vergleich zu
einer warmgelaufenen Brennkraftmaschine reagiert werden.
[0004] Die Leistungsfähigkeit moderner elektrischer Maschinen kann dazu genutzt werden,
die Brennkraftmaschine schon während kurzer Stillstandszeiten, zum Beispiel vor einer
Verkehrsampel, auszuschalten und hierdurch Kraftstoff zu sparen. Die rasche Reaktion
des Anlassers ermöglicht nämlich ein schnelles erneutes Anlassen der Brennkraftmaschine,
so dass ein quasi verzögerungsloses Anfahren erfolgen kann. Das während des Anlassens
von dem Anlasser an die Brennkraftmaschine abgegebene Drehmoment wird dabei in Abhängigkeit
von bestimmten Betriebsparametern gemäß einem vorgegebenen Drehmomentverlauf kontrolliert,
um Beschädigungen zu vermeiden und ein schnelles und komfortables Anlassen der Brennkraftmaschine
zu gewährleisten. Eine derartige Regelung der Drehmomentabgabe des Anlassers erfolgt
üblicherweise rückgekoppelt anhand einer Messung der erreichten Drehzahl der Brennkraftmaschine.
Dabei tritt jedoch das Problem auf, dass die in der Praxis eingesetzten Schaltungen
zur Drehzahlerfassung die Motordrehzahl nur oberhalb einer gewissen Drehzahlschwelle
und mit einer bestimmten Zeitverzögerung erkennen können. Diese Zeitverzögerung entsteht
u.a. durch die Erfassung der Rohdaten, durch die anschließende Signalfilterung und
durch Übertragungsverzögerungen. Alle Einflussgrößen zusammen können zu einer Drehzahlerfassung
führen, bei der das erste nutzbare Drehzahlsignal erst sehr spät zur Verfügung steht.
Typischerweise kann die angestrebte Leerlaufdrehzahl bereits zu 70% erreicht sein,
bis die ersten Signale vorliegen.
[0005] Vor diesem Hintergrund bestand eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung darin, ein
Verfahren und eine Vorrichtung zur Kontrolle der Drehmomentabgabe eines Anlassers
bereitzustellen, durch welches bzw. durch welche ein verbessertes und sichereres Anlassverhalten
unter Beibehaltung der bekannten Drehzahlmessmethoden gewährleistet wird.
[0006] Diese Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Patentanspruchs 1 sowie
durch einen Fahrzeugantrieb mit den Merkmalen des Patentanspruchs 5 gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen sind in den Unteransprüchen enthalten.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren zur Kontrolle der Drehmomentabgabe eines Anlassers,
insbesondere eines Anlassers vom leistungsstarken Typ des Anlasser-Generators, während
des Anlassens einer mit dem Anlasser gekoppelten Brennkraftmaschine beruht zunächst
darauf, dass Drehzahlsensoren die Drehzahl der Brennkraftmaschine erfassen. In Abhängigkeit
von wenigstens einem Motorbetriebsparameter - z.B. von der erreichten und von den
Drehzahlsensoren signalisierten Drehzahl der Brennkraftmaschine - wird bei dem Verfahren
von einer zunächst vorgenommenen, nicht rückgekoppelten Steuerung der Drehmomentabgabe,
bei welcher keine Berücksichtigung des Drehzahlsignals erfolgt, auf eine rückgekoppelte
Regelung der Drehmomentabgabe umgeschaltet, bei welcher die von den Drehzahlsensoren
signalisierte Drehzahl berücksichtigt wird.
[0008] Anders als die bekannten Verfahren arbeitet das erläuterte Verfahren somit während
des Anlassvorgangs nicht durchgehend mit einer rückgekoppelten Regelung. Vielmehr
geht einer derartigen Regelung zunächst eine Phase mit nicht rückgekoppelter Steuerung
voraus. Diese Steuerungsphase erstreckt sich wenigstens auf den Zeitraum, in welchem
von den Drehzahlsensoren noch kein verwertbares Drehzahlsignal bereitgestellt wird.
Anstatt - wie bei herkömmlichen rückgekoppelten Regelungen bekannt - in diesem Zeitraum
mit einem fehlerhaften Drehzahlsignal zu arbeiten, wird bei dem erfindungsgemäßen
Verfahren nicht auf das Drehzahlsignal zurückgegriffen und statt dessen eine nicht
rückgekoppelte Steuerung vorgenommen. Hierdurch lässt sich ein besseres Anlassverhalten
des Anlassers erzielen als bei einer rückgekoppelten Regelung mit möglicherweise fehlerhaften
sensorischen Eingaben. Sobald von den Drehzahlsensoren verwertbare Signale geliefert
werden, kann auf die rückgekoppelte Regelung umgeschaltet werden, deren ordnungsgemäße
Funktion dann sichergestellt ist.
[0009] Vorzugsweise gibt die nicht rückgekoppelte Steuerung rein zeitabhängige Stellsignale
an den Anlasser ab. Das heißt, dass die Stellsignale als Zeitabläufe in der Steuerung
gespeichert sind und ihr Verlauf weder von der Drehzahl noch von sonstigen Variablen
außer der Zeit abhängt. Die für einen jeweiligen Fahrzeugantrieb optimalen Steuerungsverläufe
kann der Fachmann durch theoretische Berechnungen oder mit Hilfe einfacher Versuche
gewinnen.
[0010] Die rückgekoppelte Regelung in der zweiten Phase des Anlassens erfolgt vorzugsweise
in Abhängigkeit von einem Fehlersignal, welches definiert ist als die Differenz zwischen
einem vorgegebenen gewünschten Drehzahlverlauf und der gemessenen Drehzahl. Da die
gemessene Drehzahl in der zweiten Phase des Anlassens zuverlässig von den Drehzahlsensoren
bereitgestellt wird, kann die Regelung das genannte Fehlersignal minimieren, so dass
die Drehzahl der Brennkraftmaschine bestmöglich dem vorgegebenen Drehzahlverlauf folgt.
[0011] Die Umschaltung von der nicht rückgekoppelten Steuerung auf die rückgekoppelte Regelung
wird in vorteilhafter Weise bei Erreichen einer vorgegebenen Drehzahl vorgenommen.
Das Erreichen dieser Drehzahl wird dabei mit Hilfe der Drehzahlsignale der Drehzahlsensoren
überwacht. Dabei muss sichergestellt werden, dass eine Verwendung dieses Drehzahlsignals
erst erfolgt, wenn es einen stabilen und zuverlässigen Wert erreicht hat.
[0012] Alternativ können jedoch auch andere Motorbetriebsparameter für die Initiierung der
Umschaltung herangezogen werden, wobei als Motorbetriebsparameter z.B. die seit dem
Starten des Anlassers vergangene Zeit oder ein Signal der Drehmomentsensoren betreffend
die Gültigkeit der ermittelten Drehmomentsignale usw. verwendet werden können.
[0013] Der Übergang zwischen nicht rückgekoppeltem und rückgekoppelten Betrieb kann durch
einen Dämpfungsterm im Rückkopplungsregler derart gestaltet werden, dass zu schelle
Regelsprünge oder Überschwinger vermieden werden.
[0014] Die Erfindung betrifft weiterhin einen Fahrzeugantrieb, welcher eine Brennkraftmaschine,
einen mit der Brennkraftmaschine gekoppelten Anlasser, einen Regler zur Kontrolle
der Drehmomentabgabe des Anlassers während des Anlassvorganges der Brennkraftmaschine
sowie mindestens einen mit dem Regler gekoppelten Drehzahlsensor zur Erfassung der
Drehzahl der Brennkraftmaschine enthält. Der genannte Regler ist dabei so eingerichtet,
dass er ein Verfahren der oben erläuterten Art durchführen kann. Das heißt, dass der
Regler funktionell aus zwei Modulen besteht, von denen das eine eine nicht rückgekoppelte
Steuerung während der ersten Phase des Anlassens und das zweite eine rückgekoppelte
Regelung während der anschließenden zweiten Phase des Anlassens vornimmt. Der Regler
kann darüber hinaus so ausgestaltet werden, dass die bevorzugten Ausführungsformen
des erläuterten Verfahrens implementiert werden.
[0015] Bei dem Anlasser des erfindungsgemäßen Fahrzeugantriebs handelt es sich vorzugsweise
um einen integrierten Anlasser-Generator. Ein derartiger Anlasser-Generator hat aufgrund
seiner Leistungsfähigkeit erhebliche Vorteile und ermöglicht einen kraftstoffsparenden
Betrieb des Fahrzeugs. Gleichzeitig ist es bei einer derartigen elektrischen Maschine
jedoch erforderlich, die Drehmomentabgabe während des Anlassvorganges möglichst genau
zu kontrollieren, um Beschädigungen vorzubeugen.
[0016] Im Folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren beispielhaft näher erläutert.
Es zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung der Komponenten eines erfindungsgemäßen Fahrzeugantriebs;
und
- Fig. 2
- eine schematische Darstellung des Drehzahlverlaufs während des Anlassvorganges.
[0017] Der in Fig. 1 dargestellte Fahrzeugantrieb enthält eine Brennkraftmaschine 1, welche
eine Ausgangswelle antreibt. Auf der Ausgangswelle ist eine elektrische Maschine 2
in Form eines Anlasser-Generators angeordnet, welche sowohl als Motor als auch als
Generator betrieben werden kann. Die Ausgangswelle der Maschine 2 ist über eine Kupplung
3 an ein Getriebe 5 gekoppelt, durch welches verschiedene Übersetzungen eingestellt
werden können. An der Ausgangsseite des Getriebes 5 wird das Antriebsdrehmoment an
die Räder 6 des Fahrzeugs weitergegeben. Während des Anlassvorganges der Brennkraftmaschine
1 ist die Kupplung 3 geöffnet, um Brennkraftmaschine und Anlasser von dem Getriebe
5 zu trennen.
[0018] Der Anlasser-Generator 2 stellt eine elektrische Maschine modernen Typs dar, welche
so leistungsfähig ist, dass die Brennkraftmaschine 1 innerhalb von Millisekunden angelassen
werden kann. Um hierbei auftretende Beschädigungen und ein nachteiliges Verhalten
zu vermeiden, wird der Anlasser 2 von einem Regler 4 kontrolliert. Der Regler 4 erhält
von an der Brennkraftmaschine 1 angeordneten Drehzahlsensoren 7 ein Drehzahlsignal,
welches die aktuelle Drehzahl n der Brennkraftmaschine 1 anzeigt. Dabei ist jedoch
zu beachten, dass beim Anlassen der Brennkraftmaschine 1 aufgrund technischer Effekte
erst sehr stark verzögert ein verwertbares Drehzahlsignal von den Drehzahlsensoren
7 bereitgestellt wird. Diese Situation ist schematisch in Fig. 2 illustriert. Fig.
2 zeigt einen typischen Verlauf der Drehzahl n (vertikale Achse) über der Zeit t (horizontale
Achse) während eines Anlassvorganges. Dabei ist ersichtlich, dass das erste verwertbare
Drehzahlsignal n
1 erst dann zur Verfügung steht, wenn die Drehzahl bereits etwa 70% ihres Maximalwertes,
d.h. der Leerlaufdrehzahl n
idle erreicht hat. Über den größten Teil des Anlassvorganges steht dem Regler 4 somit
kein nutzbares Drehzahlsignal zur Verfügung.
[0019] Während bei herkömmlichen Reglern dessenungeachtet eine rückgekoppelte Regelung der
Drehmomentabgabe der Maschine 2 erfolgt, enthält der erfindungsgemäße Regler 4 drei
verschiedene Module zur Erfüllung der Regelungsaufgabe. Das erste Modul 4a entspricht
einer rückgekoppelten Regelung, die als Eingangssignal ein Fehlersignal erhält, welches
als Differenz zwischen der gemessenen Drehzahl n und einem Soll-Drehzahlverlauf n
d definiert ist. Daneben ist jedoch auch ein Modul 4b zur Durchführung einer nicht
rückgekoppelten Steuerung vorgesehen, deren Ausgangssignal allein von der Zeit t abhängt.
Die Umschaltung zwischen den beiden genannten Modulen 4a, 4b wird von einem Auswahlmodul
4c vorgenommen, welches in der ersten Phase des Anlassens das Stellsignal der nicht
rückgekoppelten Steuerung 4b und in der anschließenden Phase des Anlassvorgangs das
Stellsignal des rückgekoppelten Reglers 4a zur Maschine 2 weiterleitet. Das Umschaltmodul
4c überwacht dabei das Drehzahlsignal und nimmt die Umschaltung in dem Moment vor,
in dem ein erstes (brauchbares) Drehzahlsignal detektiert wird.
[0020] Durch die zweigeteilte Arbeitsweise des Reglers 4 lässt sich insgesamt eine bessere
Kontrolle der elektrischen Maschine 2 erreichen, da nicht mit fehlerhaften Drehzahlsignalen
in der ersten Phase des Anlassens gearbeitet wird.
1. Verfahren zur Kontrolle der Drehmomentabgabe eines Anlassers (2) während des Anlassvorganges
einer mit dem Anlasser gekoppelten Brennkraftmaschine (1), wobei Drehzahlsensoren
(7) die Drehzahl (n) der Brennkraftmaschine erfassen, dadurch gekennzeichnet, dass in Abhängigkeit von wenigstens einem Motorbetriebsparameter von einer anfänglichen,
bezüglich der Drehzahl nicht rückgekoppelten Steuerung (4b) der Drehmomentabgabe auf
eine bezüglich der Drehzahl rückgekoppelte Regelung (4a) der Drehmomentabgabe umgeschaltet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der nicht rückgekoppelten Steuerung (4b) rein zeitabhängige Stellsignale an den
Anlasser (2) abgegeben werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die rückgekoppelte Regelung (4a) in Abhängigkeit von einem Fehlersignal bestehend
aus der Differenz zwischen der gemessenen Drehzahl (n) und einem vorgegebenen Drehzahlverlauf
(nd) erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass von der nicht rückgekoppelten Steuerung (4b) zur rückgekoppelten Regelung (4a) bei
Erreichen einer vorgegebenen Drehzahl umgeschaltet wird.
5. Fahrzeugantrieb, enthaltend
a) eine Brennkraftmaschine (1),
b) einen mit der Brennkraftmaschine gekoppelten Anlasser (2),
c) einen Regler (4) zur Kontrolle der Drehmomentabgabe des Anlassers (2) während des
Anlassens der Brennkraftmaschine (1),
d) einen mit dem Regler (4) gekoppelten Drehzahlsensor (7) zur Erfassung der Drehzahl
der Brennkraftmaschine (1),
dadurch gekennzeichnet, dass der Regler (4) ein Regelmodul (4b) für eine nicht rückgekoppelte Steuerung der Drehmomentabgabe
des Anlassers sowie ein Regelmodul (4a) für eine Rückkopplungsregelung abhängig von
der Drehzahl des Verbrennungsmotors sowie eine Umschalteinheit (4c) aufweist, die
während des Anlassvorganges abhängig von wenigstens einem Motorbetriebsparameter die
Regelung von dem nicht rückgekoppelten Steuerungsmodul (4b) auf das Rückkopplungsregelmodul
(4a) umgeschaltet.
6. Fahrzeugantrieb nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei dem Anlasser um einen integrierten Anlasser-Generator (2) handelt.