[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Sicherheitsbindung mit elektronischer Auswerteeinheit
zum Halten einer Person oder eines Gegenstandes auf einem weiteren Gegenstand. Dies
ist immer dann erforderlich, wenn eine Person oder ein Gegenstand im Normalfall fest
mit dem weiteren Gegenstand verbunden sein muss, es aus Sicherheitsgründen jedoch
notwendig ist, diese Verbindung in bestimmten Situationen zu lösen. Überschreitet,
z.B. beim Skifahren, die vom Schuh auf die Bindung wirkende Kraft einen eingestellten
Grenzwert so wird die Verbindung zwischen Schuh und Bindung gelöst.
[0002] Solche Bindungssysteme sind aus dem Ski- und Snowboardsport bekannt. Bei bekannten
Systemen besteht jedoch nicht die Möglichkeit aufgrund eines Ereignisses zwei oder
mehr Bindungen zu öffnen. Der hier gewählte Aufbau ermöglicht aufgrund seiner Eigenschaften
ein gezieltes Öffnen mehrerer Bindungen.
Bei bisher bekannten Sicherheitsbindungssystemen mit elektronischer Auswerteeinheit
z.B. WO 93/03803 erfolgt die Freigabe des Schuhs aus der Bindung durch elektromotorische
Öffnung des Fersenautomaten bei Überschreiten der maximal zulässigen Momente M
z bzw. M
y. Ziel der WO 93/03803 ist es, die Auslösecharakteristik unabhängig von auf die Auslösemechanik
wirkenden Beschleunigungskräften zu machen.
Bei gebräuchlichen rein mechanischen Bindungssystemen erfolgt die Freigabe des Schuhs
aus der Bindung am Vorderbacken durch eine Rotationsbewegung, am Fersenautomaten durch
eine Kipp-, Klapp-, Schwenk- oder Drehbewegung. Das Auslösemoment wird hier durch
Federkräfte eingestellt. Die Auslösung dieser Sicherheitsbindungssysteme erfolgt nur
bei Überschreiten des eingestellten Grenzwerts, nicht jedoch bei längerem Einwirken
einer mitunter bereits gesundheitsgefährdenden Kraft unterhalb des Grenzwerts. In
der Offenlegungsschrift DE19822953A1 wird bereits eine Anpassung der Auslösekraft
in Abhängigkeit unterschiedlicher Parameter der Fahrweise beschrieben. Diese Anpassung
erfolgt auf mechanischem Weg.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde den Schutz des Benutzers der Bindung zu
verbessern, sowie Relativbewegungen des zu haltenden Gegenstandes in der Bindung zu
minimieren. Desweiteren soll die Stromaufnahme bisher bekannter elektromechanischer
Bindungssystem weiter reduziert werden. Grundsätzlich soll die Zuverlässigkeit durch
eine einfachere mechanische Konstruktion erhöht werden. Darüber hinaus soll es möglich
sein, mehrere Sicherheitsbindungen zu Sicherheitsbindungsgruppen zusammenzufassen.
[0004] Diese Aufgabe wird hinsichtlich ihres Anordnungsaspektes durch eine Sicherheitsbindung
mit den Merkmalen des Anspruchs 1, eine Sicherheitsbindungsgruppe mit den Merkmalen
des Anspruchs 14 gelöst.
[0005] Um diese Aufgabe erfindungsgemäß zu lösen wird mittels Sensoren, z.B. Halbleiterdehnmessstreifen,
die über den zu haltenden Gegenstand, z.B. einen Schuh, in die Bindungseinheit eingeleitete
Kraft und darüber hinaus auch die Beschleunigung z.B. mittels Halbleiter G-Sensoren,
erfasst. Diese Signale werden durch eine in diesem Anwendungsbereich neuartige Methode
verarbeitet und bewertet. Die Sensorsignale werden aufbereitet und einer digitalen
Auswerteeinheit zur Verfügung gestellt. Im Gegensatz zu bisher bekannten elektronischen
Bindungssystemen z.B. WO 93/03803, bei denen lediglich eine Auswertung von Sensorsignalen
bezüglich der eingeleiteten absoluten Kräfte bzw. Beschleunigungen beschrieben wird,
werden hier erfindungsgemäß die Signale mittels verschiedener Auswertealgorithmen
bewertet. Die Bewertung erfolgt anhand voreingestellter
[0006] Parameter, die z.B. bei Skibindungen fahrdynamisch angepasst werden d.h. es entstehen
fahrsituationsabhängige Auslösegrenzwerte.
[0007] Die DE19822953A1 beschreibt eine Skibindung mit fahrsituationsabhängiger Anpassung
der Auslösekräfte durch eine mechanische Vorrichtung. Diese Verstellung beruht auf
der Annahme, dass der Sportler im typischen Fahrbetrieb eine Vorlagehaltung einnimmt
und somit die Bindung höhere Auslösegrenzwerte hat. Bei untypischen Fahrsituationen,
öffnet die Bindung dagegen leichter. Diese Lösung berücksichtigt nicht, die tatsächliche
Fahrdynamik, d.h. bereits im Stand kann eine Vorlage des Sportlers vorliegen und somit
nicht der gewünschte niedrigere Auslösgrenzwert wirken. Selbst in typischen Fahrsituationen
kommt es zu Lastwechseln an der Bindung, so dass selbst bei sportiver Fahrweise ein
reduzierter Auslösegrenzwert zu einem ungewollten Auslösen der Bindung führen kann
z.B. durch Bodenunebenheiten. Im Gegensatz dazu dient bei der erfindungsgemäßen Lösung
die Auswertung der Sensorsignale dazu ein exaktes Bild von der jeweiligen Fahrsituation
zu zeichnen. Es werden nicht nur zeitdiskrete einzelne Werte der Sensorsignale in
Betracht gezogen, sondern auch gemittelte Werte, bzw. Wertefolgen über ein bestimmtes
Zeitintervall betrachtet. Diese Werte bzw. Wertefolgen dienen zur Berechnung der verschiedenen
zu bewertenden Größen. Zu jeder dieser zu bewertenden Größen wird ein max. zulässiger
Grenzwert bestimmt und in ein geeignetes Speichermedium z.B. ein EEPROM parametriert.
Diese max. zulässigen Grenzwerte werden fahrsituationsabhängig nach unten angepasst.
Diese Anpassung erfolgt selbstverständlich automatisch anhand der Verfahren der Regelungstechnik.
Dadurch wird ein stark verbesserter Schutz des Sportlers erreicht. Ein weiterer ökonomischer
Vorteil besteht darin, dass ein einziges Bindungsmodell alle Skifahrertypen Typ1-Typ3
und Typ3a gemäß DIN ISO 8061 erfasst. Ein weiterer erfindsgemäßer Vorteil besteht
darin, dass nahezu beliebige externe Einflüsse gezielt das Auslöseverhalten der Bindung
verändern können. So kann z.B. bei einer Fahrradbindung die Drehfrequenz der Pedale
die Auslösegrenzwerte der Pedale beeinflussen.
[0008] Eine Reduktion der Energieaufnahme wird erfindungsgemäß erreicht durch eine zyklische
Zu- und Abschaltung der Sensoren. Durch eine ausreichend hohe Abfragefrequenz ist
eine sichere Funktion gewährleistet. Eine weitere Energiereduktion erfolgt erfindungsgemäß
durch ein konstruktives Element, welches beispielsweise durch tordieren dieses Elements
potentielle Energie speichert. Die Aufbringung der Energie erfolgt automatisch bei
der Herstellung des Betriebszustandes der Bindung. Dieses Element dient gleichzeitig
zur mechanischen Entkopplung der auf den Auslösemechanismus wirkenden Kräfte und Beschleunigungen.
Extern auf die Bindung wirkende Kräfte haben dadurch keinen Einfluss auf die Auslösecharakteristik
der Mechanik. Durch die oben genannten Energieeinsparmaßnahmen ergibt sich der Vorteil,
dass die Verfügbarkeitsdauer der verwendeten Energiespeicher, beispielsweise Li-Ion
Akkumulatoren, erhöht wird. Zum Laden der Akkumulatoren können die Batteriefächer
einfach abgenommen werden und an ein Ladegerät angeschlossen werden.
[0009] Ein weiterer Vorteil der erfindungsgemäßen Lösung besteht darin, dass sowohl vordere
als auch hintere Haltevorrichtung mit einem eigenen Auslöseelement ausgelöst wird.
Die Auslösung erfolgt aufgrund eines Ereignisses generell an vorderer und hinterer
Haltevorrichtung. Der Vorteil besteht darin, dass eine Redundanz des Auslösemechanismus
gegeben ist. Trotz dieser erzielten Vorteile ergibt sich eine sehr einfache mechanische
Konstruktion des Gesamtsystems. Dies führt zu einem kostenoptimierten Produkt.
[0010] Ein gleichzeitiges Öffnen mehrerer gekoppelter Sicherheitsbindungen (Sicherheitsbindungsgruppe)
durch ein Auslöseereignis an einer Bindung wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass
zwei oder mehrere Bindungseinheiten durch einen Kommunikationsbus verbunden sind.
Beispielsweise kann bei einer Snowboardbindung eine Grenzwertüberschreitung an der
Haltevorrichtung für den rechten Fuß die Auslösung der rechten und linken Haltevorrichtung
bewirken.
[0011] Bei der in DE19822953A1 beschriebenen Art der Befestigung findet stets eine unerwünschte
Relativbewegung des Schuhs zur Bindung durch dynamische Fahrbelastungen statt. Die
Relativbewegung beispielsweise eines Schuhs in der Bindung wird erfindungsgemäß dadurch
ausgeschlossen, dass die Schuhhaltevorrichtungen im Betriebsmodus kraft- und formschlüssig
mit dem Schuh verbunden sind. Die Schuhhaltevorrichtungen sind im Betriebsmodus an
einem zentralen fixierten Bauteil der Bindung formschlüssig verankert. Im Auslösemodus
wird diese Verbindung gelöst, dadurch erfolgt eine vollständige Freigabe des Schuhs
aus der Bindung. Der hier gefundene Aufbau der Bindung bietet auch bei Fahrsituationen
größter dynamischer Belastungen eine absolut starre Fixierung des Schuhs in der Bindung.
Dies garantiert dem Sportler eine stets definierte Position auf dem Sportgerät und
somit größtmögliche Kontrolle über das selbe.
[0012] Bei bisher bekannten und gebräuchlichen Bindungssystemen, stehen dem Benutzer keine
Hilfskräfte zur Verfügung, die die Bindung im Auslösefall aktiv öffnen. Dies wird
hier erfindungsgemäß gelöst durch vier Federelemente je Bindungseinheit, welche im
Auslösefall die in Ihnen gespeicherte Energie freigeben und die Bindung aktiv translatorisch
öffnen. Darüberhinaus ist die Gesamtkonstruktion so gewählt, dass beispielsweise die
beim Sturz eines Skifahrers auftretende kinetische Energie zur Unterstützung der translatorischen
Öffnung der Bindung beiträgt.
[0013] Vorteile und Zweckmäßigkeiten der Erfindung ergeben sich im Übrigen aus den Unteransprüchen
sowie der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen anhand der Figuren.
Insbesondere zeigen Figuren 1-5 in schematischer Form eine Anordnung, bei der das
erfinderische Prinzip der Sicherheitsbindung auf eine Skibindung angewandt wurde.
Dabei zeigen im Detail:
Fig.1: Seitenansicht einer erfindungsgemäßen Bindung.
Fig.2: Draufsicht einer erfindungsgemäßen Bindung unter Weglassung von Batteriefach,
vorderer Haltevorrichtung und hinterer Haltevorrichtung.
Fig.3: Vergrößerte Detailzeichnungen aus Fig. 1 und Fig.2
Fig.4: schematische Darstellung der Elemente der vorderen Bindungseinheit in verschiedenen
Ansichten.
Fig.5: schematische Darstellung der Elemente der hinteren Bindungseinheit in verschiedenen
Ansichten.
Fig.6: Diagramme zur näheren Erläuterung der Auswertealgorithmen.
Fig.7: Blockdiagramm der elektronischen Auswerteeinheit.
[0014] Die Bindung besteht im Wesentlichen aus folgenden Einzelteilen.
- Zentralblock Pos.1
- Auswerteeinheit Pos.1'
- Riegelzapfen Pos.2
- Führungsschienen Pos.3
- Vorderer Fixklotz Pos.4
- Hinterer Fixklotz Pos.4'
- Haltestift Pos.5
- Vordere Führungsplatte Pos.6
- Hintere Führungsplatte Pos.6'
- Vorderer Torsionsstab mit Sensoraufnehmer Pos.7
- Hinterer Torsionsstab mit Längenverstellung Pos.7'
- Hinterer Sensoraufnehmer Pos.7"
- Sensor Pos.7"'
- Vordere Haltevorrichtung Pos.8
- Batteriefach Pos.9
- Feder Pos.10
- Führungshülse Pos.11
- Schablone Pos.12
- Gegenlager Pos.13
- Haken Pos.14
- Hintere Haltevorrichtung Pos.15
- Riegel Pos.16
- Scharnier Pos.17
- Verschlussplatte Pos.18
- Aretierfeder Pos.19
- Führungsstift Pos.22
- Abstandsgeber Pos.23
- Microcontrollereinheit (MCU) Pos.24
Mechanischer Grundaufbau:
[0015] Hinterer Fixklotz 4'und Vorderer Fixklotz 4 sind fest mit dem Ski verbunden. Die
Führungsschienen 3 sind im vorderen Fixklotz 4 fest verankert, während eine Lagerung
im hinteren Fixklotz 4' eine Axialbewegung zuläßt. Dies ermöglicht eine optimale Biegelinie
des Skis. Der Zentralblock 1 mit Riegelzapfen 2 ist auf den Führungsschienen 3 fixiert.
Im Zentralblock 1 integriert ist die elektronische Auswerteeinheit 1', sowie der Auslösemechanismus
und die Anzeige- und Einstelleinheit. Die vordere Haltevorrichtung 8 und die vordere
Führungsplatte 6 sind über den vorderen Torsionsstab mit Sensoraufnehmer 7 fest verbunden.
Hintere Haltevorrichtung 15 und hintere Führungsplatte 6' sind über den hinteren Sensoraufnehmer
7" fest verbunden. Die vordere Führungsplatte 6 ist im geschlossenen Zustand, über
den vorderen Torsionsstab mit Sensoraufnehmer 7, lösbar mit dem Zentralblock 1 verbunden.
Die hintere Führungsplatte 6' ist im geschlossenen Zustand, über den hinteren Torsionsstab
mit Längenverstellung 7', lösbar mit dem Zentralblock 1 verbunden. Die Längenanpassung
der Bindung an die Schuhsohlenlänge erfolgt über die Einstellung des Abstands zwischen
Zentralblock und hinterer Führungsplatte mittels Abstandsgebern 23. Die mechanische
Fixierung findet am Langloch des hinteren Torsionsstabes mit Längenverstellung 7'
statt.
Betriebszustand:
[0016] Vordere Führungsplatte 6 und hintere Führungsplatte 6' mit den zugehörigen Haltevorrichtungen
werden auf den Führungsschienen 3 in Richtung Zentralblock 1 geschoben. Durch diese
Bewegung werden die Hülsen der Torsionsstäbe 7 und 7' über die Riegelzapfen 2 geführt.
In den Riegelzapfen 2 befindet sich eine Schablone 12. In den Hülsen der Torsionsstäbe
7 und 7' je ein Führungsstift 22. Durch Axialbewegung der Hülsen der Torsionsstäbe
7 und 7' über die Riegelzapfen 2 folgen die Führungsstifte 22 der Schablone 12 und
tordieren die Torsionsstäbe 7 und 7'. Die Torsionsenergie wird in den Torsionsstäben
7 und 7'gespeichert. Bei Erreichen der Endstellung greifen die als Haken 14 ausgebildeten
Enden der Hülsen der Torsionsstäbe 7 und 7' in entsprechende Gegenlager 13 im Zentralblock
1. Um ein Zurückdrehen zu verhindern wird die Anordnung durch die Haltestifte 5 fixiert.
Durch die relative Längsbewegung der Führungsplatten 6 und 6' zum Zentralblock 1 werden
die Federn 10 gespannt. Die Haken 14 verhindern, dass die gespannten Federn 10 die
Bindung wieder öffnen. Im Betriebszustand befindet sich die hintere Haltevorrichtung
15 in horizontaler Position. Eine in Scharnier 17 integrierte Feder ist bestrebt die
hintere Haltevorrichtung 15 in Einstiegsposition zu bringen. Um dies während des Betriebs
zu verhindern, drückt die Aretierfeder 19 den Riegel 16 in eine Verankerung des hinteren
Sensoraufnehmers 7".
Auslösen der Bindung:
[0017] Der vordere Torsionsstab mit Sensoraufnehmer 7 sowie der hintere Sensoraufnehmer
7", tragen die Sensoren 7"'. Durch eine differenziell kleine relative Bewegung der
Haltevorrichtungen 8 bzw. 15 zu den jeweiligen Führungsplatten 6 bzw. 6' wird eine
Kraft auf die Sensoren 7''' eingeleitet. Diese Kraft verursacht Sensorausgangssignale.
Die Sensorausgangssignale werden aufbereitet, der Auswerteeinheit 1' zugeführt und
ausgewertet. Wird eines der unter den Punkten a.) - d.) (siehe unten) aufgeführten
Kriterien überschritten, werden die Haltestifte 5 betätigt. Dies kann z.B. elektromechanisch
erfolgen. Die Fixierung der Torsionsstäbe 7 und 7' wird dadurch aufgehoben, die Haken
14 springen aus ihren Gegenlagern 13. Die Torsionsstäbe 7 und 7' entspannen sich und
gleiten, forciert durch Federn 10, von den Riegelzapfen 2. Die Bindung öffnet durch
Längsbewegung der vorderen und hinteren Führungsplatte 6 und 6' auf den Führungsschienen
3.
Einsteigen des Skifahrers in die Bindung:
[0018] Um die Bindung aus dem Betriebszustand in Einstiegsposition zu bringen, ist der Riegel
16 aus der Verankerung des hinteren Sensoraufnehmer 7" zu ziehen. Die hintere Haltevorrichtung
15 schwenkt nach oben. Der Einstieg erfolgt nun durch niedertreten der hinteren Haltevorrichtung
15 mit dem Schuh. Bei Erreichen der Endposition gleitet der Riegel 16 wieder in die
Verankerung am Sensoraufnehmer 7". Die Bindung befindet sich im Betriebszustand.
Längenanpassung der Bindung auf Schuhsohlenlänge:
[0019] Die Längenanpassung erfolgt über die hintere Führungsplatte 6'. Ein Langloch im hinteren
Torsionsstab 7' ermöglicht eine stufenlose Anpassung an die Schuhsohlenlänge. Mittels
zwei Klemmschrauben wird die eingestellte Länge kraftschlüssig fixiert. Der Leerraum
zwischen Zentralblock 1 und hinterer Führungsplatte 6'wird durch einfügen von Abstandsgebern
23 gefüllt.
[0020] Die in Fig.7 schematisch dargestellte elektronische Auswerteeinheit erfasst zyklisch
durch Sensoren die zwischen Schuh und Bindung wirkenden Kräfte in Form von elektrischen
Messsignalen. Diese werden mit Hilfe einer Mikro-Controller-Einheit (MCU) 24 hinsichtlich
ihrer Dynamik bewertet.
a.) Bewertung der Krafteinwirkung Fig.6 Diagramm a:
Zyklischer Vergleich der an den Sensoren gemessenen Werte mit einem voreingestellten
Grenzwert. Bei Überschreiten des einstellbaren Kraftgrenzwertes A erfolgt die Auslösung
der Bindung. Beispielsweise kann ein einzelner Sensorwert mit dem errechneten Auslösegrenzwert
A verglichen werden. Dies stellt den einfachsten Fall dar. Es können aber auch Signale
mehrerer Sensoren oder mehrere Signale eines Sensors oder eine beliebige Kombination
davon zur Auswertung herangezogen werden.
b.) Bewertung der summierten Krafteinwirkung im Zeitintervall Δt Fig.6 Diagramm b:
Zyklischer Vergleich der an den Sensoren gemessenen Werte mit einem weiteren voreingestellten
Grenzwert. Dieser Grenzwert stellt die maximal zulässige Impulsbelastung des Sportlers
dar. Der wirkende Impuls wird als die Summe der eingeleiteten Kraft über ein Zeitintervall
von der MCU errechnet. Bei Überschreiten des einstellbaren Impulsgrenzwertes B erfolgt
die Auslösung der Bindung. Beispielsweise kann ein Folge einzelner Sensorwerte summiert
werden. Das Ergebnis der Summation wird mit dem errechneten Auslösegrenzwert B verglichen.
c.) Bewertung der Differenzen der Krafteinwirkung im Zeitintervall Δt Fig.6 Diagramm
c:
Zyklische Erfassung der an den Sensoren gemessenen Kraft bzw. Beschleunigung und die
daraus errechnete Dynamik der eingeleiteten Kraft/Beschleunigung. Bei Überschreiten
des einstellbaren Differenzengrenzwertes C erfolgt eine Auslösung der Bindung. Beispielsweise
wird die Differenz zweier aufeinanderfolgender Messreihen, bestehend aus dem Mittelwert
von je 5 Sensoreinzelmesswerten, errechnet. Übersteigt die Differenz den errechneten
Grenzwert C erfolgt eine Auslösung der Bindung.
d.) Die Messwerte der Beschleunigungssensorik geben Aufschluss über die aktuelle Fahrsituation
(Stehen, moderates Fahren, forciertes Fahren, Rennfahren). Diese Information dient
zur Anpassung der Grenzwerte A, B und C. Beispielsweise löst die Bindung im Stand
schon bei einer relativ geringen statischen Kraft F aus, wohingegen diese Kraft bei
forcierter Fahrweise noch keine Auslösung zur Folge hat. Der nach DIN ISO 8061-4 bzw.
-5 eingestellte maximale Grenzwert A wird durch die fahrsituationsabhängige Grenzwertanpassung
nicht überschritten.
[0021] Wird in den Fällen a.) oder b.) der jeweils eingestellte Grenzwert erreicht bzw.
im Falle c.) eine unzulässig hohe Dynamik detektiert, so erfolgt eine Auslösung der
Bindung.
[0022] Die Ausführung der Erfindung ist nicht auf die genannten Beispiele der Ski- oder
Snowboardbindungen beschränkt, sonder in einer Vielzahl von Abwandlungen für die verschiedenen
Arten von Sicherheitsbindungen möglich.
1. Sicherheitsbindung mit Haltevorrichtungen (8, 15) zum Verbinden einer Person bzw.
eines ersten Gegenstandes mit einem weiteren Gegenstand,
gekennzeichnet durch
- eine Erfassungseinheit zum Erfassen, der durch die Person bzw. durch den ersten Gegenstand verursachten, in der Sicherheitsbindung wirkenden Ereignisse
und
- eine Auswerteeinheit zum Auswerten von Auftretenden Ereignissen und bei der
- aufgrund eines Ereignisses welches die Voreingestellten oder errechneten Grenzwerte
überschreitet eine bestehende Verbindung zwischen der Person bzw. dem ersten Gegenstand
und dem weiteren Gegenstand gelöst wird.
2. Sicherheitsbindung nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die Verbindung zwischen der Person bzw. dem ersten Gegenstand und dem weiteren Gegenstand
durch das gleichzeitige Auslösen aller Haltevorrichtungen (8, 15) gelöst wird.
3. Sicherheitsbindung nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die Erfassung und Auswertung der durch die Person bzw. durch den ersten Gegenstand
verursachten, in der Sicherheitsbindung wirkenden Kräfte und Beschleunigungen durch
eine Microcontrollereinheit MCU (24) stattfindet.
4. Sicherheitsbindung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die MCU die Auslösung der Haltevorrichtungen steuert.
5. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 1 - 4,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die Sicherheitsbindung eine Ski- oder Snowboardbindung ist, und daß
- die Abstimmung der Sicherheitsbindung nach Fahrertypklassifizierung DIN ISO 8061
Anhang A.2 softwaremäßig erfolgt.
6. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 1 - 5,
dadurch gekennzeichnet daß,
- dieSicherheitsbindung eine Ski- oder Snowboardbindung ist, und daß
- die Einstellung von Auslösedrehmomenten nach DIN ISO 8061 4-5 softwaremäßig erfolgt.
7. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 3 - 6,
dadurch gekennzeichnet daß,
- mindestens ein Sensor (7''') zur Erfassung der durch die Person bzw. den ersten
Gegenstand verursachten in der Sicherheitsbindung wirkenden Beschleunigungen vorhanden
ist.
8. Sicherheitsbindung nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die erfassten Beschleunigungswerte von der MCU zur dynamischen Anpassung der Auslösegrenzwerte
entsprechend der Fahrsituation genutzt werden.
9. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 2 -8,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die zum Auslösen der Haltevorrichtung benötigte Energie in einer mechanischen Vorrichtung
beim Betriebsbereitmachen der Bindung erfolgt.
10. Sicherheitsbindung nach Anspruch 9,
dadurch gekennzeichnet daß,
- die Energiespeicherung durch Aufziehen eines Torsionsstabs (7, 7') erfolgt.
11. Sicherheitsbindung nach Anspruch 9 oder 10,
dadurch gekennzeichnet daß,
- beim Betriebsbereitmachen der Sicherheitsbindung die Hülsen der Torsionsstäbe (7,
7') in einer Schablone (12) über den Riegelzapfen (2) geführt werden.
12. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 9 - 11,
dadurch gekennzeichnet daß,
- während des Betriebszustandes formschlüssige Verbindungen zwischen Zentralblock
(1) und Haltevorrichtungen (8, 15) eine Relativbewegung der zu haltenden Person oder
des zu haltenden Gegenstandes an dem weiteren Gegenstand verhindern.
13. Sicherheitsbindung nach einem der Ansprüche 1 - 10,
dadurch gekennzeichnet daß,
- eine vordere Haltevorrichtung (8) und eine hintere Haltevorrichtung (15) vorhanden
sind und das Öffnen der Sicherheitsbindung durch einen zum weiteren Gegenstand relative
Längsbewegung der vorderen und hinteren Haltevorrichtungen stattfindet.
14. Sicherheitsbindungsgruppe,
dadurch gekennzeichnet dass,
- zwei oder mehr Sicherheitsbindungen nach einem der Ansprüche 1 - 13 über Kommunikationseinrichtungen
miteinander verbunden sind.
15. Sicherheitsbindungsgruppe nach Anspruch 14,
dadurch gekennzeichnet dass,
- die Verbindung zwischen der Person bzw. dem ersten Gegenstand und dem weiteren Gegenstand
durch das gleichzeitig Auslösen ausgewählter Haltevorrichtungen der zwei oder mehreren
Sicherheitsbindungen gelöst wird.
16. Sicherheitsbindungsgruppe nach Anspruch 14 oder 15,
dadurch gekennzeichnet dass,
- die Auslösungen der ausgewählten Haltevorrichtungen der Situation entsprechend zeitversetzt
stattfinden.