[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein gepanzertes Fahrzeug nach den im Oberbegriff des
Patentanspruchs 1 angegebenen Merkmalen.
[0002] Ein derartiges Fahrzeug setzt sich aus den üblichen Teilen wie Antriebsmotor, Getrieben,
Radsätzen oder Kettenlaufwerk, einem Besatzungsraum und einem Gehäuse, das alle Ein-
und Anbauten aufnimmt, zusammen. Insbesondere bei einem Schützenkampffahrzeug werden
mit dem Fahrzeug mehrere Soldaten transportiert, die schnell über einen Heckausstieg
aussteigen und aufsitzen können. Bei einem anderen Fahrzeugtyp, dem gepanzerten Transport-Kraftfahrzeug,
abgekürzt GTK, wird das Fahrzeug in Module eingeteilt und ein sogenanntes Missionsmodul
austauschbar auf dem Chassis untergebracht. Verschiedene Bewaffnungen und Ausrüstungen
können dann als Modul austauschbar auf dem Fahrzeug wechselweise mitgeführt werden.
[0003] Nach dem Stand der Technik sind verschiedene Vorschläge zum Aufbau von Fahrzeugen
mit Mörserbewaffnung, bei denen der Waffenbetrieb unter Panzerschutz für die Besatzung
erfolgt.
[0004] In einer Firmenschrift der Fa. MaK System Gesellschaft vom März 1999 mit dem Titel
"Panzermörser 120mm le Ivb Wiesel 2" wird ein Kettenfahrzeug Typ Wiesel 2 gezeigt,
bei dem eine Mörserwaffe mittig vom Fahrzeug am Heck eingebaut ist. Der Ein- und Ausstieg
der Soldaten erfolgt hier durch Dachluken.
[0005] In einer Firmenschrift der Fa. Bofors Weapon Systems, Schweden, Nr. PB-04-486-E-I,
wird ein Doppelrohr-Vorderladermörser am Heck eines Kettenfahrzeugs gezeigt, bei dem
die beiden Waffen in geringem Abstand voneinander zusammengebaut sind.
[0006] In einer Firmenschrift der Fa. Patria Hägglunds Oy, Finnland, zu einem Mörser-Turmsystem
AMOS (AMOS = Advanced Mortar System) wird eine Doppelmörserwaffe in einer gemeinsamen
Waffenwiege gezeigt, die als Hinterladerwaffe in einem Turm am Fahrzeug eingebaut
ist.
[0007] Diese bekannten Doppelrohr-Mörserwaffen weisen zum Beispiel folgende Nachteile auf.
[0008] Bei der Hinterlader-Mörserwaffe als Turmlösung ist ein grösserer Integrationsaufwand
gegenüber einer Vorderlader-Mörserwaffe erforderlich.
[0009] Die weitere bekannte Lösung (Bofors) mit Doppelrohr-Vorderlader hat eine Waffenwiege
als Lagerung für beide Waffenrohre, so dass keine Redundanz bei dem Richtantrieb besteht
und die Rohre nicht unabhängig voneinander gerichtet werden können. Ebenfalls ist
die Doppelanlage mittig am Fahrzeugheck realisiert, so dass ein Heckausstieg bei gegeben
Maßen nicht realisierbar ist.
[0010] Aus der DE 19927656A1 ist ein gepanzertes gattungsgemäßes Transportkraftfahrzeug
bekannt, welches jedoch mit einem unbemannten Schartenturm einschliesslich Lafette
und Bordmaschinenwaffe als Bewaffnung ausgerüstet ist, der von der Besatzung aus dem
Fahrzeuginneren fernbedient wird.
[0011] Aufgabe der Erfindung ist es, zwei Mörserwaffen, vorzugsweise 120 mm redundant in
ein bekanntes Fahrzeug zu integrieren. Dabei sollen der Heckausstieg des Fahrzeugs
nicht beeinträchtigt werden, Vorderlader-Mörser zum Einsatz kommen und der gesamte
Betrieb der Mörserwaffen unter Panzerschutz für die Besatzung erfolgen.
[0012] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die kennzeichnenden Merkmale des Anspruchs
1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung gehen aus den Merkmalen der Unteransprüche
hervor.
[0013] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass am Fahrzeugheck bzw. am heckseitigen
Ende des Missionsmoduls, welches auf dem Fahrzeug eingebaut ist, an beiden Seiten
links und rechts am Heck jeweils eine Pivot gelagerte vorzugsweise 120mm-Mörserwaffe
mit einer jeweiligen Rücklaufeinrichtung angebaut sind. Beide Mörserwaffen haben jeweils
eine Richtanlage, die über eine Steuerung und Rechneranlage koordiniert und angesteuert
wird, so daß zum Beispiel beide Waffen das gleiche Ziel bekämpfen können. Bei Bedarf
können die Waffen auch so gerichtet werden, dass eine gleichzeitige Detonation im
Zielgebiet mit nacheinander und parallel verschossenen Granaten erreicht wird, womit
die Feuerwirkung erheblich erhöht wird. Für diese Betriebsweise werden mehrere Munitionen
für jede Waffe in einem zugeordneten automatisierten Magazin vorgehalten.
[0014] Die Vorteile der Erfindung liegen in der höheren Feuerkraft mit zwei Waffen gegenüber
einer Waffe am Fahrzeug und der Redundanz der 2-Waffen-Ausführung, da auch bei Ausfall
einer Waffe die Kampfkraft erhalten bleibt. Durch die Anbringung am Heck mittels Pivot-Lagerung
werden nur geringe Änderungen beim Anbau der Waffe an einem Basisfahrzeug erforderlich.
Vor allem kann der Heckausstieg unverändert für die Besatzung (7,8) oder sonstige
Funktionen beibehalten werden, da die Waffen links und rechts vom Heckausstieg angebaut
sind. Vorteilhaft ist auch, daß jede einzelne Waffe lieferbar vorhanden ist und nicht
für den vorliegenden Zweck umgebaut oder entwickelt werden muss. Durch das Vorderladerprinzip
des Mörsers gibt es keine Schussgasbelastung für die Bediener und Besatzung im Gegensatz
zur Verwendung einer Mörserwaffe mit Verschluß und Hinterladung. Durch den automatisierten
Munitionsfluss mittels automatisiertem Magazin wird eine Erhöhung der Schussfolge
erreicht die über derjenigen mit manueller Bedienung liegt. Weitere Vorteile ergeben
sich aus den Unteransprüchen.
[0015] Ausführungsbeispiele der Erfindung sind in den Zeichnungen schematisch dargestellt
und werden im folgenden näher beschrieben. Es zeigen:
- Figur 1:
- Eine Teil-Draufsicht im Schnitt des Fahrzeuges mit Waffenanlage
- Figur 2:
- die Ansicht der Figur 1 in einer Perspektive
- Figur 3:
- eine Seitenansicht des Fahrzeugs gemäß Figur 1
- Figur 4:
- eine rückwärtige Ansicht des Fahrzeugs gemäß Figur 1
- Figur 5:
- einen Fahrzeug-Querschnitt mit Detail Ladeschütze und Magazin links
- Figur 6:
- einen Fahrzeug-Querschnitt mit Ladeschütze und Magazin rechts
- Figur 7:
- eine Teil-Draufsicht des Fahrzeuges im Schnitt mit Ladeschützen links und rechts
[0016] Die Figuren 1 bis 4 zeigen den Anbau von zwei 120mm Mörser-Waffenanlagen (3) am Heck
(2) eines Missionsmoduls bzw. am Heck des Fahrzeugs (1). Das Fahrzeug bewegt sich
in Fahrtrichtung (4) nach vorn. Durch die Anbringung der Waffen (3) am Heck ist der
Heckausstieg (5) gewährleistet. Gleichzeitig ist eine vollständige Redundanz aller
Waffenfunktionen (Laden, Richten, Schießen) gegeben. Jede Wafenanlage (3) ist mittels
eines seitenrichtbaren Pivots (6) am Heck (2) des Fahrzeugs gelagert. Das Laden der
Waffe erfolgt in Indexposition mit 0° Seite und 0° Höhe. Vor jedem Schuß wird die
Waffe in eine Schießposition gerichtet. Nach dem Schießen wird wieder in die Ladeposition
gerichtet, wobei das Waffenrohr (3a) in die Lademulde (15) im Fahrzeugdach geschwenkt
wird. Das Laden der Waffe erfolgt durch die Ladeklappe (14) (Figur 7) in die Rohrmündung
nach dem Vorderladerprinzip. In Figur 3 ist das Mörserrohr in verschiedene Höhen gerichtet.
In den Figuren 1 und 4 ist das rechte Rohr in Seite aus der Indexlage heraus gerichtet.
[0017] In den Figuren 6 und 7 wird der automatisierte Munitionsfluß und die Anordnung von
zwei Ladeschützen (7, 8) dargestellt, die die Vorbereitung von Munitionen (9) durchführen.
Die beispielhaft dargestellte asymetrische Anordnung des Munitionsflusses sieht je
ein Magazin (10, 11) für jeden Ladeschützen (7, 8) vor. Alternativ wäre auch die Bedienung
von zwei symmetrisch angeordneten Magazinen durch einen Ladeschützen bei dann größerem
Zeitbedarf möglich. Das Vorbereiten der Munitionen, das zumindest aus dem Abnehmen
von Treibladungskörpern vom Leitwerksschaft der Munition und ggf. auch der Zündereinstellung
besteht, welches alternativ auch induktiv und fernbedient erfolgen kann, erfordert
eine entsprechend angepasste und aufrechte Sitzposition des Ladeschützen im Fahrzeug.
[0018] In der Figur 5 ist das in Fahrtrichtung (4) linke Magazin (11) mit zugeordnetem Ladeschützen
(7)dargestellt. Das Magazin (11) ist bezüglich der Fahrzeugmitte und -längsachse so
positioniert, daß die Sitzposition des Ladeschützen (7) eine ergonomische Bedienung
des Magazins (11) erlaubt.
[0019] In Figur 6 ist das zweite rechte Magazin (10) mit einem zugeordneten Ladeschützen
(8) unter den gleichen Randbedingungen wie das linke Magazin dargestellt. Bei diesem
Magazin ermöglicht ein Durchladerohr (13) das Durchschieben der Munition durch eine
Ladeklappe (14) in das Waffenrohr (3a). Bei dem Magazin (11) wird die Munition direkt
durch eine entsprechende Ladeklappe (14) in das Waffenrohr (3a) geschoben. Die Anordnung
der beiden Magazine ist auch vertauscht möglich je nach Platzbedarf für weitere Einbauten.
Die Anordnung und die Grösse der beiden Magazine (10, 11) samt Ladeschützen ist in
Bezug auf das Fahrzeuggehäuse so gewählt, daß ein Durchgang nach hinten durch den
Heckausstieg (2) und umgekehrt sichergestellt ist. Die Lagerung der Munition erfolgt
zum Beispiel am einfachsten horizontal bezogen auf ihre Hauptrichtung in elektrisch
angetriebenen Bandmagazinen. Zum Laden der Munition aus den Magazinen in das jeweilige
Waffenrohr werden Ansetzer (16) benutzt, die zum Beispiel als Kettenansetzer ausgeführt
werden.
[0020] Die Zuführung der Munition durch Ansetzer (16), der Transport der Munition in den
automatisierten Magazinen (10, 11), das Richten der beiden Waffen in Höhe und Seite
und ggf. das Abfeuern wird von einem Systemrechner (nicht dargestellt) gesteuert.
Die Ladeschützen bereiten lediglich die Munitionen vor für das Verschießen. Auch das
Aufmunitionieren der Magazine (10, 11) mit Munitionen, die fallweise an weiteren Magazinen
(12) im Fahrzeug untergebracht werden können, oder auch von außerhalb des Fahrzeuges
liegt im Aufgabenbereich der Ladeschützen.
Bezugszeichenliste
[0021]
- 1
- Fahrzeug
- 2
- Heck
- 3
- Mörser-Waffenanlage
- 3a
- Waffenrohr
- 4
- Fahrtrichtung
- 5
- Heckausstieg
- 6
- Pivot
- 7
- Ladeschütze
- 8
- Ladeschütze
- 9
- Munition
- 10
- Magazin
- 11
- Magazin
- 12
- weiteres Magazin
- 13
- Durchladerohr
- 14
- Ladeklappe
- 15
- Lademulde
- 16
- Ansetzer
1. Gepanzertes Fahrzeug (1) mit einem Radfahr- oder Kettenlaufwerk und einem Antrieb
zur Fortbewegung sowie einem Fahrzeugaufbau zur Aufnahme und Einbau aller Komponenten
für den Betrieb des Fahrzeugs (1) einschließlich einer Fahrzeugbesatzung (7,8) und
einem Heckausstieg (5) am Heck des Fahrzeugs (1),
dadurch gekennzeichnet,
dass am Heck des Fahrzeugs (1) an beiden Seiten links und rechts von dem Heckausstieg
(5) jeweils eine unter Panzerschutz bedien- und ladbare Mörserwaffenanlage (3) mit
Waffenrohr (3a) und Pivot-Lafette (6), Richtantrieben und Abfeuerung angeordnet ist.
2. Fahrzeug nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass beide Mörserwaffenanlagen (3) mittels einer Steuer- und Rechnereinrichtung am Fahrzeug
in ihrem Abschussverhalten eingerichtet und koordiniert werden können, zum Beispiel
mit gleicher Ausrichtung der Rohre.
3. Fahrzeug nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass für jede Mörserwaffe (3) ein automatisiertes Magazin (10,11) mit Vorhaltung von mehreren
Munitionen (9) eingebaut ist.
4. Fahrzeug nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens eines der zwei automatisierten Magazine (10,11) die manuelle Einstellung
der darin untergebrachten Munitionen (9), zum Beispiel eine Treibladungseinstellung,
ermöglicht.
5. Fahrzeug nach einem der Ansprüche 1- 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die beiden Mörserwaffen (3) eine gemeinsame oder jeweils eine getrennte Waffenrichtanlage
haben oder eine Kombination aus beiden.
6. Fahrzeug nach einem der Ansprüche 1 - 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Magazine (10,11) so angeordnet sind, dass ein Durchgang durch den Heckausstieg
(5) und die manuelle Einstellung der Munition (9) durch Ladeschützen (7,8) möglich
ist.
7. Fahrzeug nach einem der Ansprüche 1 - 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass für die Anordnung der Magazine (10,11) im Fahrzeug (1) ein Durchladerohr (13) eingebaut
ist.
8. Fahrzeug nach einem der'Ansprüche 1 - 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die zur Anwendung kommenden Magazine (10,11) als elektrisch angetriebene Bandmagazine
ausgeführt sind.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 - 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Hineinschieben der Munition in das jeweilige Waffenrohr mittels Kettenansetzer
(16) erfolgt.