(57) Bei einem Verfahren zur Bestimmung der kinematischen Kenngrößen eines Flugobjektes,
insbesondere eines ballistisch fliegenden, rollenden Flugobjektes, soll für einen
bestimmten Bahnabschnitt vom Boden aus die Flugbahn, im Flugobjekt der Beschleunigungsvektors
und in radialer Richtung zur Rollachse des Flugobjektes die Komponente des Erdmagnetfeldes
ermittelt werden. Die Messungen werden mit Zeitstempel zur Auswertung registriert.
Das Ergebnis der Meßdatenauswertung umfasst zumindest:
die Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung, jeweils erdbezogen,
die Eulerwinkel,
die kinematischen Anstellwinkel,
die Beschleunigung und die Drehrate, jeweils
objektbezogen.
Ferner wird die im Fluggebiet bekannte Richtung des Erdmagnetfeldes genutzt, welche,
für das Verfahren typisch, auf die Rollebene des Flugobjektes projiziert für die Auswertung
verwendet wird.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bestimmung der kinematischen Kenngrößen
eines Flugobjektes, insbesondere eines ballistisch fliegenden, rollenden Flugobjektes,
sowie eine Vorrichtung hierfür.
[0002] Ballistische Schußtafeln und die dazugehörigen aerodynamischen Modelle werden bei
der Entwicklung der Flugobjekte, wie Geschosse oder Raketen, zunächst theoretisch
erarbeitet, im Strömungskanal aktualisiert und schließlich durch Vermessung der Flugbahn
beim Nachweisschießen aktualisiert. Für nur Massepunkt-Modelle ist die vom Boden aus
vermessene Flugbahn hierzu ausreichend. Dabei werden zur Flugbahnmessung Folgeradarsysteme
oder elektro-optische Trackingssysteme eingesetzt.
Wird hingegen ein 6-DOF(Freiheitsgrade)-Modell zur Beschreibung benötigt, so sind
neben den Flugbahndaten zusätzliche kinematische Kenngrößen, wie z.B. Anstellwinkel,
Raumlage usw., erforderlich, welche nur mit dem Einsatz zusätzlicher Meßmittel direkt
erfaßt bzw. indirekt ermittelt werden können.
[0003] Die Verwendung einer inertialen Lagereferenz, z.B. ein Kreiselsystem oder ein Strapped-Down-System,
ist hierbei ein probates Mittel. Jedoch wegen der hohen mechanischen Belastung der
Sensorik beim Start sind besondere Anforderungen an diese Systeme zu stellen, weshalb
diese auch sehr teuer sind. Da die Sensorik mit jedem Schuß verloren geht, ist dies
ein besonders gravierender Nachteil für die Verwendung dieser Systeme. Weitere Nachteile
sind, daß den Referenzsystemen eine definierte Anfangslage zu geben ist bzw. diese
Anfangslage zu erkennen und für die weitere Auswertung zu verwenden ist.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der o.g. Art zu entwickeln,
bei welchem diese Nachteile vermieden werden.
[0005] Zur Lösung dieser Aufgabe führt, dass für einen bestimmten Bahnabschnitt vom Boden
aus die Flugbahn, im Flugobjekt der Beschleunigungsvektors und in radialer Richtung
zur Rollachse des Flugobjektes die Komponente des Erdmagnetfeldes ermittelt und die
Messungen mit Zeitstempel zur Auswertung registriert werden, wobei das Ergebnis der
Meßdatenauswertung zumindest umfaßt:
die Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung, jeweils
erdbezogen,
die Eulerwinkel,
die kinematischen Anstellwinkel,
die Beschleunigung und die Drehrate, jeweils
objektbezogen und wobei
die im Fluggebiet bekannte Richtung des Erdmagnetfeldes, welche, für das Verfahren
typisch, auf die Rollebene des Flugobjektes projiziert für die Auswertung verwendet
wird.
[0006] Das Verfahren verwendet an Bord der Flugobjekte eine preisgünstige, im Hinblick auf
die mechanische Belastung robuste Sensorausstattung. Diese setzt sich zusammen aus
Beschleunigungsmessern zur Messung der inertialen Beschleunigung und Magnetfeldsensoren
zur Messung der in radialer Richtung zur Rollachse wirksamen Komponente des Erdmagnetfeldes.
Die Mindestausstattung für ein rollendes Flugobjekt besteht aus drei, vorzugsweise
zueinander orthogonal messenden Beschleunigungssensoren und einem Magnetfeldsensor.
Bei rollstabilisierten Flugobjekten wird zudem ein zweiter Magnetfeldsensor eingesetzt.
Hinzukommen eine Funkübertragung und Spannungsversorgung. Diese elektronische Einrichtung
wird beim Start des Flugobjektes aktiviert. Sie arbeitet während des Fluges autonom.
Die Meßdaten werden über Funk zur Bodenstation übertragen, welche auch die vom Boden
aus gemessenen Flugbahndaten sammelt. Alle Meßdaten werden mit Zeitstempel registriert.
[0007] Die am Boden verwendete Meß-, Empfangs-, Registrier- und Auswerteausstattungen sind
konventionelle Einrichtungen.
[0008] Im Anschluß an den Meßvorgang werden die registrierten Daten off-line ausgewertet.
Grundsätzlich läßt das Verfahren auch die on-line Auswertung zu, wobei dann eine geringere
Genauigkeit der Ergebnisse zu erwarten ist.
[0009] Die vom Boden aus gemessenen Flugbahndaten werden geglättet sowie daraus die Geschwindigkeit
und Bahnbeschleunigung berechnet. Ferner werden die Bahnwinkel bestimmt. Mit diesen
Ergebnissen sowie den zusätzlichen, an Bord des Flugobjektes gemessenen Beschleunigungskomponenten
und der Messung der auf die Rollebene bezogene Komponente des Erdmagnetfeldes werden
die Lage des Flugobjektes im Raum, die Anstellwinkel sowie seine Drehraten berechnet.
Die Berechnung stützt sich hauptsächlich auf durch die Eulermatrix beschriebene Transformation
der Bahnbeschleunigung vom erdfesten in das objektbezogene Koordinatensystem sowie
den aus der Magnetfeldmessung ermittelten Rollwinkel. Weitere mathematische Beziehungen
zwischen den flugkinematischen Größen werden zur Verbesserung der Genauigkeit genutzt.
Zur Auswertung eignen sich Methoden der stochastischen Filterung, wie Glättungsalgorithmen
oder 'Extended Kalman'-Filter, oder auch Methoden der deterministischen Mathematik,
wie Gradientenverfahren oder Optimierungsstrategien.
[0010] Das Verfahren ist mit den verwendeten Meßgrößen und deren Entwicklung entlang der
Flugbahn überbestimmt. Es können daher zusätzlich systematische Meßfehler der Beschleunigungsgeber
und auch deren Einbaufehler identifiziert werden. Das gilt auch für den Magnetfeldsensor
im rollenden Flugobjekt, eingeschränkt für die beiden Magnetfeldsensoren im rollstabilisierten
Flugobjekt.
[0011] Die Identifizierbarkeit der systematischen Fehler der Sensorausstattung an Bord des
Flugobjektes läßt eine weniger genaue Einbaujustierung der Sensoren bei der Fertigung
zu, was die Fertigungs- und Montageschritte vereinfacht.
[0012] Das Verfahren kann auf die gesamte Flugbahn des Flugobjektes oder auch nur für Teilabschnitte
der Flugbahn angewandt werden.
1. Verfahren zur Bestimmung der kinematischen Kenngrößen eines Flugobjektes, insbesondere
eines ballistisch fliegenden, rollenden Flugobjektes,
dadurch gekennzeichnet,
daß für einen bestimmten Bahnabschnitt vom Boden aus die Flugbahn, im Flugobjekt der
Beschleunigungsvektors und in radialer Richtung zur Rollachse des Flugobjektes die
Komponente des Erdmagnetfeldes ermittelt und die Messungen mit Zeitstempel zur Auswertung
registriert werden, wobei das Ergebnis der Meßdatenauswertung zumindest umfaßt:
die Position, Geschwindigkeit, Beschleunigung, jeweils erdbezogen,
die Eulerwinkel,
die kinematischen Anstellwinkel,
die Beschleunigung und die Drehrate, jeweils
objektbezogen und wobei
die im Fluggebiet bekannte Richtung des Erdmagnetfeldes, welche, für das Verfahren
typisch, auf die Rollebene des Flugobjektes projiziert für die Auswertung verwendet
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß für rollstabilisierte Flugobjekte durch Verwendung einer weiteren in radialer Richtung
zur Rollachse, vorzugsweise orthogonal zur ersten Messung, gemessene Komponente des
Erdmagnetfeldes verwendet wird, wobei auch deren Messung mit Zeitstempel registriert
vorliegt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch eine gleichzeitiger Bestimmung von systematischem Fehler und Einbaufehler der Beschleunigungsgeber
und gleichzeitiger Ermittlung des Einbaufehlers des Magnetfeldsensors durch Auswertung der registrierten Meßdaten.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 - 3, gekennzeichnet durch eine automatischer Erkennung des singulären Falles, daß die Rollachse des Flugobkjektes
parallel zum Erdmagnetfeld ausgerichtet ist und daher das Verfahren nach Anspruch
1 oder Anspruch 2 keine eindeutige Lösung liefern kann.
5. Verfahren nach wenigstens einem der Ansprüche 1 - 4, gekennzeichnet durch eine Verwendung einer zusätzlichen Helligkeitsmessung in radialer Richtung zur Rollachse,
damit beim rollenden Flugobjekt auch im singulären Fall eine eindeutige Lösung existiert,
wobei auch diese Messung mit Zeitstempel registriert zur Auswertung vorliegt.
6. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch eine Meßausstattung an Bord des rollenden Flugobjektes, bestehend aus der Mindestaustattung
von drei vorzugsweise orthogonal zueinander eingebauten und nur einem Magnetfeldsensor
mit Meßachse in einer radialen Richtung zur Rollachse des Flugobjektes.
7. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach Anspruch 2, gekennzeichnet durch eine Meßausstattung an Bord des rollstabilisierten Flugobjektes, bestehend aus der
Mindestausstattung von nur drei vorzugsweise orthogonal zueinander eingebauten und
nur zwei Magnetfeldsensoren, deren Meßachsen in radialer Richtung zur Rollachse, vorzugsweise
orthogonal zueinander, liegen.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6 oder 7, gekennzeichnet durch eine Elektronikausstattung des Flugobjektes bestehend zusätzlich aus einer Telemetriesendeeinrichtung
und einer Spannungsversorgung.
9. Vorrichtung nach Anspruch 8, gekennzeichnet durch zusätzlich einen Prozessor und gegebenenfalls auch einen Funkempfänger.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, gekennzeichnet durch zusätzlich einen GPS (Global-Positioning-System)-Empfänger.