TECHNISCHES GEBIET
[0001] Bei der Erfindung wird ausgegangen von einem Polymercompound nach dem Oberbegriff
von Patentanspruch 1 sowie von einem Verfahren zur Herstellung eines Polymercompounds
nach dem Oberbegriff von Patentanspruch 14. Der Polymercompound enthält eine Polymermatrix,
in die als Füllstoff elektrisch leitende Teilchen, wie Leitfähigkeitsruss und/oder
Metallpulver und/oder elektrisch halbleitende Teilchen, wie etwa SiC oder ZnO, eingebettet
sind. Dieser Polymercompound weist eine nichtlineare Strom-Spannungs-Kennlinie auf,
welche vom Füllstoffgehalt und der Dispersion des Füllstoffs beeinflusst wird. Der
durch die Strom-Spannungs-Kennlinie bestimmte spezifische Widerstand und andere elektrische
Eigenschaften können in Abhängigkeit von der Stärke eines am Polymercompound anliegenden
elektrischen Feldes im allgemeinen nur über den Füllstoffgehalt und den Dispersionsgrad
beeinflusst werden.
[0002] Der Polymercompound kann mit Vorteil als Basismaterial in spannungsbegrenzenden Widerständen
(Varistoren) eingesetzt werden oder als feldsteuerndes Material in energietechnischen
Anlagen und Apparaten, wie insbesondere in Kabelendverschlüssen oder in Kabelverbindungsmuffen.
STAND DER TECHNIK
[0003] Ein Polymercompound der eingangs genannten Art und ein Verfahren der eingangs genannten
Art sind in einem Aufsatz von R. Strümpler et al. "Smart Varistor Composites" Proc.of
the 8
th CIMTEC Ceramic Congress. June 1994 sowie in EP 875 087 B1 und WO 99/56290 A1 beschrieben.
Als Füllstoff sind in diesem Polymercompound dotierte und gesinterte Teilchen von
Zinkoxid vorgesehen.
[0004] Typische Dotierstoffe sind Metalle, wie sie bei der Herstellung von Metalloxid-Varistoren
verwendet werden und typischerweise Bi, Cr, Co, Mn und Sb umfassen. Dotiertes ZnO-Pulver
wird bei 800 bis 1300°C gesintert. Durch geeignet bemessene Sintertemperaturen und
-zeiten werden erwünschte elektrische Eigenschaften des Füllstoffs erreicht. Nach
dem Sintern weist jedes Teilchen eine elektrische Leitfähigkeit auf, welche sich in
Abgängigkeit von einem angelegten elektrischen Feld nichtlinear ändert. Jedes Teilchen
wirkt daher als kleiner Varistor. Durch die geeignet bemessenen Sinterbedingungen
kann das nichtlineare Verhalten des Füllstoffs innerhalb bestimmter Grenzen eingestellt
werden. Die nichtlinearen elektrischen Eigenschaften des Polymercompounds können daher
während der Herstellung des Compounds nicht nur über den Füllstoffgehalt und den Dispersionsgrad
sondern auch über die Sinterbedingungen des Füllstoffs eingestellt werden.
KURZE DARSTELLUNG DER ERFINDUNG
[0005] Der Erfindung, wie sie in den Patentansprüchen angegeben ist, liegt die Aufgabe zugrunde,
einen Polymercompound der eingangs genannten Art zu schaffen, dessen nichtlinearen
elektrischen Eigenschaften während des Herstellprozesses in einfacher Weise eingestellt
werden können und ein Verfahren zur Herstellung eines solchen Polymercompounds anzugeben,
mit dem in wirtschaftlicher Weise Polymercompounds mit vorgegebenen nichtlinearen
elektrischen Eigenschaften gefertigt werden können.
[0006] Beim erfindungsgemässen Polymercompound enthält der Füllstoff mindestens zwei Füllstoffkomponenten
mit voneinander abweichenden nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinien. Durch Auswahl
geeignet bemessener Mengen dieser Füllstoffkomponenten kann so ein Polymercompound
mit einer von diesen beiden Kennlinien abweichenden nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinie
erreicht werden. Der erfindungsgemässe Polymercompound zeichnet sich daher dadurch
aus, dass er trotz genau definierter nichtlinearer elektrischer Eigenschaften mit
geringem Aufwand hergestellt werden kann. Aus einem kleinen Basissatz an Füllstoffkomponenten
jeweils mit definierter nichtlinearer Strom-Spannungs-Kennlinie können Polymercompounds
mit nahezu beliebig ausgebildeten Strom-Spannungs-Kennlinien gefertigt werden.
[0007] Durch die Kombination der beiden Füllstoffkomponenten können dem Polymercompound
nicht nur vorbestimmte elektrische Eigenschaften verliehen werden, es kann dadurch
auch dessen Wärmeleitfähigkeit ganz entscheidend beeinflusst werden. Bei der Verwendung
von Polymercompounds als Feldsteuermaterial etwa in Kabelgarnituren ist dies besonders
wichtig, da wegen dielektrischer Verluste im Polymercompound und wegen elektrischer
Verluste im metallischen Leiter die Kabelgarnitur stark erwärmt wird. Die im allgemeinen
geringe Wärmeleitfähigkeit des Polymers wird aufgehoben durch geeignet ausgewählte
Füllstoffkomponenten, welche neben dem guten elektrischen Verhalten dem Polymercompound
auch ausreichend gute Wärmeleitfähigkeit geben.
[0008] Bei Anwendungen des Polymercompounds, bei denen wie bei Überspannungsableitern oder
Feldsteuermaterial nichtlineares elektrisches Verhalten im Vordergrund steht, ist
es besonders vorteilhaft, wenn die beiden Füllstoffkomponenten jeweils von einem dotierten,
gesinterten Metalloxid mit Korngrenzen enthaltenden Teilchen gebildet sind und sich
voneinder unterscheiden durch abweichende Stöchiometrie der Dotierstoffe und/oder
durch voneinander abweichende, durch unterschiedliche Sinterbedingungen hervorgerufene
Korngrenzenstrukturen mit unterschiedlichen Korngrössen. Das Metalloxid ist im allgemeinen
Zinkoxid, kann mit Vorteil aber auch Zinndioxid oder Titandioxid sein. Die voneinander
abweichenden Strom-Spannungs-Kennlinien können erreicht werden durch unterschiedliche
Gewichtsanteile der Dotierstoffe, d.h. durch unterschiedliche Rezepturen der beiden
Füllstoffkomponenten oder durch unterschiedlich Bedingungen beim Sintern der Füllstoffkomponenten.
Die Sinterbedingungen umfassen vor allem die Sintertemperatur, die Verweildauer, die
Gaszusammensetzung der Sinteratmosphäre sowie die Aufheiz- und Abkühlraten. Im allgemeinen
kann durch Erhöhen der Sintertemperatur die Leitfähigkeit von mit mehreren Metallen
dotiertem pulverförmigem Zinkoxid bei einer vorgegebenen elektrischen Feldstärke erhöht
werden.
[0009] Um die Strom-Spannungs-Kennlinie zu verändern, kann der Polymercompound elektrisch
leitendes oder elektrisch halbleitendes Material, wie etwa Leitfähigkeitsruss oder
Metallpulver, enthalten. Durch dieses Material wird vor allem aber eine bessere Kontaktierung
der einzelnen Teilchen der nichtlineares elektrisches Verhalten aufweisenden Füllstoffkomponenten
erreicht. Die Energieaufnahme des Polymercompounds wird so wesentlich erhöht. Ein
einen erfindungsgemässen Polymercompound enthaltender Überspannungsableiter zeichnet
sich dann durch eine hohe Impulsfestigkeit aus. Um eine ausreichende Wirkung zu erreichen,
sollte der Anteil an Zusatzkomponente 0,01 bis 15 Volumenprozent des Polymercompounds
betragen.
[0010] Zur Lösung feldsteuernder Aufgaben ist es von besonderem Vorteil, wenn die Zusatzkomponente
Teilchen mit einem grossen Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis enthält, wie insbesondere
Nanotubes. Wird die Polymermatrix bei der Herstellung des Polymercompounds etwa durch
Spritzgiessen in einer Vorzugsrichtung ausgerichtet, so könnnen wegen des grossen
Länge-zu-Durchmesser-Verhältnisses diese Teilchen in Vorzugsrichtung orientiert und
so in einfacher Weise ein Polymercompound mit anisotropen elektrische Eigenschaften
erreicht werden. Ein solches Material kann mit Vorteil zur Lösung von Feldsteueraufgaben
in Kabelverbindungsmuffen oder in Kabelendverschlüssen eingesetzt werden.
[0011] Wird als Füllstoff dotiertes Metalloxid, wie etwa dotiertes Zinkoxid eingesetzt,
so weist der Polymercompound eine hohe Dielektrizitätszahl auf. Der erfindungsgemässe
Polymercompound kann dann in einfacher Weise ein elektrisches Feld steuern. Ein solche
Feldsteuerung kann beispielsweise die Homogenisierung der Verteilung elektrischer
Felder energietechnischer Anlagen oder Apparate im Normalbetrieb betreffen. Die feldsteuernde
Funktion des erfindungsgemässen Polymers kann dadurch verbessert werden, dass der
Füllstoff eine Zusatzkomponente aufweist aus einem Material mit einer hohen Dielektrizitätszahl.
Solche Zusatzkomponenten sind beispielsweise BaTiO
3 oder TiO
2.
[0012] Die Polymermatrix enthält typischerweise ein einzelnes Polymer oder ein Gemisch von
Polymeren. Das dielektrische Verhalten des Polymercompounds kann dadurch weiter verbessert
werden, wenn das einzelne Polymer oder mindestens eines der Polymere des Gemischs
polare Gruppen enthält und/oder ein intrinsisch elektrisch leitfähiges Polymer ist.
Ein typisches Polymer mit polaren Gruppen ist zum Beispiel ein Polyamid. Der Anteil
an polare Gruppen enthaltendem Polymer und/oder intrinsisch elektrisch leitfähigem
Polymer beträgt mit Vorteil 0,01 bis 50 Volumenprozent der Polymermatrix.
[0013] Im Polymercompound kann zusätzlich ein Additiv vorgesehen sein, welches mindestens
einen Stabilisator, ein Flammschutzmittel und/oder ein Verarbeitungshilfsmittel enthält.
Der Anteil dieses Additivs kann zwischen 0,01 bis 5 Volumenprozent des Polymercompounds
betragen.
[0014] Ein flammgeschützter Polymercompound kann dann besonders wirtschaftlich gefertigt
werden, wenn er als Flammschutzmittel wirkendes Aluminium- und/oder Magnesiumhydroxid
enthält. Da aus Gründen des Flammschutzes die Polymermatrix in vielen Fällen einen
vorgegebenen LOI (Limited Oxygen Index)-Wert nicht unterschreiten darf (je kleiner
der LOI-Wert, umso leichter kann der Polymercompound brennen), kann durch den Einsatz
der preiswert erhältlichen Hydroxide der LOI-Wert in äusserst kostengünstiger Weise
erhöht werden.
[0015] Eine gute mechanische Festigkeit weist der Polymercompound dann auf, wenn zusätzlich
ein die Haftung zwischen Polymer und Füllstoff erhöhender Haftvermittler vorgesehen
ist. Der Anteil an Haftvermittler sollte zwischen 0,01 bis 5 Volumenprozent des Polymercompounds
betragen. Der Haftvermittler, welcher vorzugsweise als Silan ausgebildet ist, koppelt
die Polymermatrix fest an den Füllstoff an. Rissbildung im Polymercompound aufgrund
mangelnder Haftung der Polymermatrix am Füllstoff und dadurch eingeleiteter Materialbruch
wird so mit grosser Sicherheit vermieden. Zugleich verbessert der Haftvermittler die
elektrischen Eigenschaften des erfindungsgemässen Polymercompounds ganz wesentlich.
Dies vor allem deswegen, da durch die verbesserte Haftung die Bildung kleiner Hohlräume
im Polymercompound vermieden und so das Risiko des Auftretens unerwünschten Teilentladungen
bei der Einwirkung eines starken elektrischen Feldes ganz wesentlich reduziert wird.
Diese Wirkung ist besonders vorteilhaft bei einem Polymercompound auf der Basis eines
elastomeren Polymers, so wie er etwa als Feldsteuerelement für Kabelendverschlüsse
oder Kabelverbindungsmuffen eingesetzt wird, da dann der Compound stark verformt werden
kann, ohne dass unerwünschte Hohlraum- oder Rissbildung auftritt.
[0016] Beim erfindungsgemässen Verfahren zur Herstellung eines Polymercompounds wird der
Füllstoff aus einem Basissatz von mindestens zwei Füllstoffkomponenten mit voneinander
abweichenden nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinien gemischt. Hierbei wird das Mischungsverhältnis
der Komponenten derart ausgewählt, dass das Polymercompound die vorbestimmte Kennlinie
aufweist. Der Polymercompound kann nun ohne umfangreiche Voruntersuchungen in einfacher
und wirtschaftlicher Weise gefertigt werden. Für eine besonders einfache Fertigung
empfiehlt es sich, dass das Mischungsverhältnis ausgewählt wird aus einem vorbestimmten
Kennlinienfeld von Polymercompounds, von denen zwei jeweils höchstens eine der mindestens
zwei Füllstoffkomponenten enthalten und mindestens ein weiterer die mindestens zwei
mit einem vorgegebenen Verhältnis gemischten Füllstoffkomponenten.
KURZE BESCHREIBUNG DER ZEICHNUNGEN
[0017] Anhand von Zeichnungen werden Ausführungsbeispiele der Erfindung erläutert. Hierbei
zeigen alle Figuren DC-Strom-Spannungs-Kennlinien von Polymercompounds nach dem Stand
der Technik und nach der Erfindung (Kennlinienfelder).
WEGE ZUR AUSFÜHRUNG DER ERFINDUNG
[0018] Nach bekannten, beispielsweise im einleitend genannten Stand der Technik beschriebenen
Verfahren wurden Varistorpulver R1, R2, S1 und S2 hergestellt. Die Pulver enthielten
als Hauptbestandteil (mehr als 90 Molprozent) gesintertes Zinkoxid, welches mit Zusatzstoffen,
vorwiegend Sb, Bi, Co, Mn und Cr, (insgesamt weniger als 10 Molprozent) dotiert war.
Das Varistorpulver R1 wies einen kleineren Bismutanteil auf als das Varistorpulver
R2. Die Pulver R1 und R2 wurden unter gleichen Sinterbedingungen hergestellt, nämlich
durch Sintern bei ca. 1100°C in einem Keramikrohr eines Drehrohrofens. Die Pulver
S1 und S2 hatten die gleiche Zusammensetzung, wurden aber bei unterschiedlichen Sinterbedingungen
hergestellt. Das Pulver S1 wurde durch einen kontinuierlichen Sinterprozess in einem
Drehrohrofen bei einer maximalen Sintertemperatur von ca. 1070 °C hergestellt, das
Pulver S2 in einem Chargen-Ofen bei maximalen Sintertemperatur von ca 1200 °C und
einer Verweilzeit der Chargen im Ofen von ca. 18 Stunden. Durch Sieben, dem gegebenenfalls
Mahlen voranging, wurden die Teilchengrössen der Pulver auf Werte eingeschränkt, die
typischerweise zwischen 32 und 125 µm lagen.
[0019] Aus den Varistorpulvern wurden Mischungen hergestellt, deren Zusammensetzungen aus
der nachfolgenden Tabelle ersichtlich sind:
| Füllstoff |
Füllstoffkomponente in Gew% |
| |
R1 |
R2 |
S1 |
S2 |
| R1 |
100 |
- |
- |
- |
| R82 |
80 |
20 |
|
|
| R55 |
50 |
50 |
- |
- |
| R28 |
20 |
80 |
- |
- |
| R2 |
.- |
100 |
- |
- |
| S1 |
- |
- |
100 |
- |
| S73 |
.- |
- |
70 |
30 |
| S37 |
- |
- |
30 |
70 |
| S2 |
- |
- |
- |
100 |
[0020] In eine als elektrisch isolierendes Rohr ausgebildete Form aus Kunststoff mit einem
Innendurchmesser von 1 bis 2 Zentimetern wurde auf einer Höhe von 2 bis 5 Millimeter
Füllstoff eingefüllt. Um eine Vergleichsbasis zu haben, wurden stets die gleichen
Füllstoffmengen, beispielsweise 50 Vol% des herzustellenden Compounds, eingefüllt.
Der Füllstoff wurde unter Vakuum mit Öl, beispielsweise einem Silikon- oder Esteröl,
getränkt und so einem Polymercompound vergleichbare Probekörper gebildet. Diese Probekörper
wurden oben und unten im vertikal gehaltenen Rohr mit Elektroden kontaktiert und flüssigkeitsdicht
abgeschlossen.
[0021] Als Matrixmaterial wurde Öl eingesetzt, da so in besonders einfacher Weise Probekörper
gefertigt werden konnten. Anstelle von Öl kann aber auch ein Duromer, ein Elastomer,
ein Thermoplast, ein Copolymer, ein thermoplastisches Elastomer oder ein Gel oder
eine Mischung mindestens zweier dieser Stoffe verwendet werden.
[0022] An die beiden Elektroden wurde eine variable Gleichspannungsquelle angelegt. Durch
Verändern der Höhe der Gleichspannung wurde das im zugeordneten Probekörper wirkende
elektrische Feld E [V/mm] eingestellt und der im Probekörper fliessende Strom gemessen.
Über die hieraus ermittelte Stromdichte J [A/cm
2] wurden so die aus den Figuren 1 und 2 ersichtlichen DC-Strom-Spannungs-Kennlinien
gewonnen.
[0023] Aus Fig.1 ist ersichtlich, dass die durch Mischen der zwei unterschiedliche Stöchiometrie
aufweisenden Füllstoffkomponenten R1 und R2 gebildeten Füllstoffe R82, R55 und R28
zu Probekörpern führen, deren DC-Strom-Spannungs-Kennlinien einem Kennlinienfeld angehören,
welches von den beiden Kennlinien der mit R1 und R2 gefüllten Probekörper begrenzt
ist. Durch Veränderung des Mischungsverhältnisses der beiden Füllstoffkomponenten
wurden so in einfacher Weise Probekörper mit Kennlinien erreicht, die zwischen den
beiden Grenz-Kennlinien liegen.
[0024] Entsprechend ist aus Fig.3 ersichtlich, dass die durch Mischen der zwei bei unterschiedlichen
Sinterbedingungen erzeugten Füllstoffkomponenten S1 und S2 gebildeten Füllstoffe S73
und S37 zu Probekörpern führen, deren DC-Strom-Spannungs-Kennlinien einem Kennlinienfeld
angehören, welches von den beiden Kennlinien der mit S1 und S2 gefüllten Probekörpern
begrenzt ist. Durch Veränderung des Mischungsverhältnisses der beiden Füllstoffkomponenten
wurden auch mit diesen Füllstoffen in einfacher Weise Probekörper mit Kennlinien erreicht,
die zwischen den beiden Grenz-Kennlinien liegen.
[0025] Soll nun ein Polymercompound mit einer vorgegebenen Kennlinie hergestellt werden,
so kann aus einem in entsprechender Weise für Polymercompounds ermittelten Kennlinienfeld
das Mischungsverhältnis bestimmt werden. Durch Mischen der Füllstoffkomponenten gemäss
diesem Mischungsverhältnis wird der Füllstoff erstellt und der gewünschte Polymercompound
durch Mischen des Füllstoffs mit Polymer, beispielsweise Silikon, gefertigt.
[0026] Entsprechendes gilt auch für Polymercompounds mit Füllstoffen, welche durch Mischen
der Füllstoffkomponenten R1 oder R2 und S1 oder S2 oder durch Mischen von drei oder
vier dieser Füllstoffkomponenten erreicht werden.
[0027] Die Füllstoffkomponenten müssen nicht notwendigerweise von ZnO-Pulver gebildet sein.
Sie können auch ein anderes pulverförmiges Material mit nichtlinearer Strom-Spannungs-Kennlinie,
wie etwa dotiertes Siliciumcarbid, Zinndioxid oder Titandioxid, enthalten.
[0028] Durch geeignete Zugabe von elektrisch leitendem oder elektrisch halbleitendem Material,
beispielsweise Si, kann die elektrische Leitfähigkeit des Polymercompounds im Bereich
kleiner elektrischer Feldstärken um mehrere Grössenordnungen erhöht werden, und so
ein Polymer mit einer flach verlaufenden DC-Strom-Spannungs-Kennlinie erreicht werden.
1. Polymercompound mit einer nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinie aus einer Polymermatrix
und einem in die Matrix eingebetten Füllstoff mit einer nichtlinearen Strom-Spannungskennlinie,
dadurch gekennzeichnet, dass der Füllstoff mindestens zwei Füllstoffkomponenten enthält mit voneinander abweichenden
nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinien.
2. Polymercompound nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die beiden Füllstoffkomponenten jeweils von einem dotierten, gesinterten Metalloxid
mit Korngrenzen enthaltenden Teilchen gebildet sind und sich voneinder unterscheiden
durch abweichende Stöchiometrie der Dotierstoffe und/oder durch voneinander abweichende,
durch unterschiedliche Sinterbedingungen hervorgerufene Korngrenzenstrukturen.
3. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Polymercompound zusätzlich elektrisch leitendes oder elektrisch halbleitendes
Material enthält.
4. Polymercompound nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das elektrisch leitende oder elektrisch halbleitende Material Teilchen mit einem
grossen Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis enthält, wie insbesondere Nanotubes.
5. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass der Füllstoff eine Zusatzkomponente aufweist aus einem Material mit einer hohen Dielektrizitätszahl.
6. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Polymercompound zusätzlich ein Additiv enthält, welches mindestens einen Stabilisator,
ein Flammschutzmittel und/oder ein Verarbeitungshilfsmittel enthält.
7. Polymercompound nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Additiv 0,01 bis 5 Volumenprozent des Polymercompounds beträgt.
8. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass der Polymercompound zusätzlich als Flammschutzmittel wirkendes Aluminium- und/oder
Magnesiumhydroxid enthält.
9. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass der Polymercompound zusätzlich einen die Haftung zwischen Polymer und Füllstoff erhöhenden
Haftvermittler enthält.
10. Polymercompound nach Anspruchs 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an Haftvermittler 0,01 bis 5 Volumenprozent des Polymercompounds beträgt.
11. Polymercompound nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Polymermatrix ein einzelnes Polymer oder ein Gemisch von Polymeren enthält.
12. Polymercompound nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, dass das einzelne Polymer oder mindestens eines der Polymere des Gemischs polaren Gruppen
enthält und/oder ein intrinsisch elektrisch leitfähiges Polymer ist.
13. Polymercompound nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Anteil an polare Gruppen enthaltendem Polymer und/oder intrinsisch elektrisch
leitfähigem Polymer 0,01 bis 50 Volumenprozent der Polymermatrix beträgt.
14. Verfahren zur Herstellung eines Polymercompounds mit einer vorbestimmten nichtlinearen
Strom-Spannungs-Kennlinie durch Mischen eines Polymers und eines Füllstoffs mit einer
nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinie, dadurch gekennzeichnet, dass aus einem Basissatz von mindestens zwei Füllstoffkomponenten mit voneinander abweichenden
nichtlinearen Strom-Spannungs-Kennlinien der Füllstoff gemischt wird, wobei das Mischungsverhältnis
der Komponenten derart gewählt wird, dass das Polymercompound die vorbestimmte Kennlinie
aufweist.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass das Mischungsverhältnis gewählt wird aus einem vorbestimmten Kennlinienfeld von mindestens
drei Polymercompounds, von denen zwei jeweils höchstens eine der mindestens zwei Füllstoffkomponenten
enthalten und ein dritter die mindestens zwei mit einem vorgegebenen Verhältnis gemischten
Füllstoffkomponenten