[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren gemäß Oberbegriff Patentanspruch 1.
[0002] Bei Friedhöfen, die in Böden mit schlechter Wasserdurchlässigkeit angelegt wurden,
bereitet das in die Gräber eindringende und sich dort stauende Sickerwasser oftmals
große Probleme. Als Folge der Stauwasseransammlung und des damit einhergehenden Sauerstoffmangels
ist eine vollständige Verwesung der Leichen nicht gewährleistet (Problem der "Wachsleichen").
Es besteht hier ein erheblicher Sanierungsbedarf. Betroffen sind insbesondere viele
ältere Friedhöfe, bei denen aufwendige und groß angelegte Sanierungsmaßnahmen, die
auch nur mit schwererem Gerät durchführbar wären, schon aus Platz- und Kostengründen
ausscheiden.
[0003] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren aufzuzeigen, mit dem ein kostengünstiges
Sanieren von Gräbern möglich ist. Zur Lösung dieser Aufgabe ist ein Verfahren entsprechend
dem Patentanspruch 1 ausgebildet.
[0004] Der mit dem erfindungsgemäßen Verfahren unterhalb der eigentlichen Grabgrubensohle
geschaffene Pufferraum ermöglicht eine vorübergehende Aufnahme von größeren Mengen
an Sickerwasser, die insbesondere in der kühleren Jahreszeit durch die fehlende oder
verminderte Verdunstung an die Umgebung anfallen, so daß dieses im Pufferraum zwischengespeicherte
Sickerwasser langsam in den umgebenden Boden versickern kann, und zwar auch dann,
wenn dieser Boden nur eine geringe Durchlässigkeit aufweist. Ein Überfluten des Grabgrubenbereichs
und des Sarginnenraumes oberhalb des Pufferraumes mit Sickerwasser ist wirksam verhindert.
Das erfindungsgemäße Verfahren hat den großen Vorteil, daß mit ihm auch im Grabbestand
eines Friedhofes und dort gezielt nach Bedarf, d.h. ggfls. auch beschränkt auf einzelne
Gräber eine Sanierung durchgeführt werden, was im Einzelfall die Sanierungskosten
erheblich verringert. Der die Grabgrube umgebende standfeste natürliche Boden bleibt
bei dem Verfahren erhalten, was für eine sichere Fundamentierung der Grabsteine von
entscheidender Bedeutung ist.
[0005] Weiterbildungen der Erfindung sind Gegenstand der Unteransprüche. Die Erfindung wird
im folgenden anhand der Figuren an einem Ausführungsbeispiel näher erläutert.
[0006] Es zeigen:
- Fig. 1
- vier Grabgruben gemäß der Erfindung im Querschnitt;
- Fig. 2
- in einem Mengen-Zeitdiagramm den Niederschlag und die von dem Pufferraum aufgenommene
Sickerwassermengen über einen Zeitraum von mehreren Monaten.
[0007] In der Figur 1 ist eine obere Bodenschicht 1 mit geringer Durchlässigkeit dargestellt.
In dieser Bodenschicht 1 ist eine Grabgrube 2 ausgehoben, und zwar mit einer Tiefe,
die über das Niveau einer vorgeschriebenen Grabgrubensohle 3 hinausgeht, so daß unterhalb
dieser Grabgrubensohle 3, auf der der Sarg 4 aufsteht, ein Pufferraum 2' entsteht,
der zur vorübergehenden Aufnahme von Sickerwasser dient. Der Aushub erfolgt derart,
daß ein die jeweilige Grabgrube umgebender standfester bzw. nicht geöffneter Bodenbereich
aus dem natürlichen Boden 1 erhalten bleibt. Der Pufferraum 2' ist mit einem geeigneten
Material, welches bei ausreichender Standfestigkeit möglichst große Hohlräume oder
einen hohen Grobporenanteil garantiert, ausgefüllt, beispielsweise mit Kies, vorzugsweise
auch zumindest teilweise mit Sand als Filtermedium. Zur weiteren Filterung und Bindung
etwaiger bei der Verwesung austretender Schadstoffe, sind dem Filtermedium beispielsweise
noch zusätzliche Bindemittel oder Adsorptionsstoffe (z.B. Aktivkohle) zugesetzt.
[0008] Die Tiefe des Pufferraumes 2' und damit das Volumen dieses Pufferraumes sind unter
Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse und der Sickerleistung des Bodens 1
so gewählt, daß das in niederschlagsreichen und kälteren Monaten verstärkt anfallende
Sickerwasser möglichst vollständig im Pufferraum 2' solange zwischengespeichert wird,
bis es in trockeneren Witterungsperioden vom Boden 1 aufgenommen wird und in tiefere
Bodenschichten versickert. Die Grabgrubensohle 3 liegt beispielsweise bei einer Tiefe
von 190 cm und der Boden des Pufferraumes 2' auf einer Tiefe von 225 cm, so daß sich
z.B. bei einem Grobporenanteil von 25 % und einer Grabgrubengröße von 2,05 m x 0,85
m für den Pufferraum 2' ein Speichervolumen von ca. 150 Liter ergibt.
[0009] Die Figur 2 zeigt in einer Graphik die über eine längere Zeitperiode gemessene Niederschlagsmenge
als Kurve 5. Weiterhin ist in dieser Graphik mit der Kurve 6 die vom Pufferraum 2'
aufgenommene Stau- oder Sickerwassermenge dargestellt, wobei der deutliche Anstieg
der Sickerwassermenge im Pufferraum 2' während der kälteren Jahreszeit festzustellen
ist, in der die Sickerwassermenge durch die fehlende Verdunstung in die Umgebung ansteigt.
Berücksichtigt ist in Kurve 6 ein Sickerwasser-Einzugsbereich der Grabgrube von 5
qm und eine Absickerung von 10 I/Tag in den schlecht durchlässigen Untergrund.
[0010] Zur Unterstützung des mit dem Pufferraum 2' angestrebten Sanierungseffektes wird
die Grabgrube 2 mit einem Material verfüllt, welches einerseits aufgrund eines hohen
Grobporenanteils eine gute Wasserdurchlässigkeit gewährleistet, andererseits aber
aufgrund eines geringen Anteils von Ton oder Schluff auch ein gewisses Wasserrückhaltevermögen
aufweist. Größere Niederschlagsmengen werden durch ein derart beschaffenes Material
rasch abgeführt in den Pufferraum unter der Grabgrubensohle, kleinere Niederschläge
dagegen jedoch noch im oberen Teil gebunden und der Verdunstung zugeführt. Ein derartiges
Material ist beispielsweise schwach lehmiger Sand oder schwach schluffiger Sand, der
durch Bodenaustausch zum Verfüllen der Grabgrube 2 verwendet wird.
[0011] Mit 7 ist in der Figur 1 noch eine Drainagebohrung angedeutet, die ausgehend von
dem Boden des Pufferraumes 2' vertikal nach unten in den Untergrund eingebracht ist,
und zwar bis in eine Schicht 8 mit größerer Wasserdurchlässigkeit.
[0012] Die Drainagebohrung 7 besitzt einen Querschnitt, der auf jeden Fall kleiner ist als
die Breite der sich senkrecht zur Zeichenebene der Figur 1 erstreckenden Grabgrube
2. Die Drainagebohrung 7, die mit leichtem Gerät erstellt werden kann und von der
auch mehrere ausgehend vom Pufferraum 2' vorgesehen sein können, ist wiederum mit
einem Material verfüllt, welches einen hohen Grobporenanteil garantiert und daher
für Wasser möglichst gut durchlässig ist.
[0013] Die Erfindung wurde voranstehend an einem Ausführungsbeispiel beschrieben. Es versteht
sich, daß zahlreiche Änderungen sowie Abwandlungen möglich sind, ohne daß dadurch
der der Erfindung zugrundeliegende Erfindungsgedanke verlassen wird. So ist es beispielsweise
auch möglich, den Pufferraum 2' durch Verwendung eines anderen, einen hohen Anteil
an Poren oder Hohlräumen garantierenden Materials auszufüllen, beispielsweise mit
entsprechenden, Hohlräume bildenden Formkörpern aus einem beständigen Material, z.
B. aus Beton.
Bezugszeichenliste
[0014]
- 1
- natürliche Bodenschicht, schlecht wasserdurchlässig
- 2
- Grabgrube
- 2'
- Pufferraum
- 3
- Grabgrubensohle
- 4
- Sarg
- 5
- Verlaufskurve Niederschlagsmenge
- 6
- Verlaufskurve Stauwassermenge
- 7
- Drainagebohrung
- 8
- natürliche Bodenschicht, gut wasserdurchlässig
1. Verfahren zur Sanierung von Gräbern, dadurch gekennzeichnet, daß eine Grabgrube (2) bis unterhalb ein der Grabgrubensohle (3) entsprechendes Niveau
so abgetieft wird, daß um die gesamte Grabgrube (2) ein diese umgebender ungeöffneter
und standfester Bodenbereich verbleibt, und daß der beim Abtiefen entstehende Raum
zur Schaffung eines Pufferraumes (2') für anfallendes Sickerwasser bis auf Höhe der
Grabgrubensohle (3) mit einem Material verfüllt wird, welches einen hohen Anteil an
Grobporen und/oder Hohlräumen aufweist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Erstellung des Pufferraumes Kies und/oder Sand verwendet wird, dem beispielsweise
weitere filternde oder adsorbierende Stoffe (wie Aktivkohle) zugesetzt sind.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ausgehend von dem Pufferraum (2') wenigstens eine Drainagebohrung (7) in den Boden
(1) eingebracht wird, vorzugsweise bis auf eine zur Wasserführung geeignete Bodenschicht
(8).
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Grabgrube oberhalb des Pufferraumes (2') mit einem Material verfüllt wird, welches
einerseits aufgrund eines hohen Grobporenanteils eine gute Wasserdurchlässigkeit gewährleistet,
andererseits aber aufgrund eines geringen Anteils von Ton oder Schluff auch ein gewisses
Wasserrückhaltevermögen besitzt, beispielsweise mit schwach lehmigen Sand oder schwach
schluffigen Sand.