[0001] Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist ein Verfahren zur chargenweisen Herstellung
von großen Zuckerkristallen mit Kristallgrößen über 5 mm, vorzugsweise über 8 mm durch
Verdampfungskristallisation in einem Kristallisationsbehälter, wobei zwischen den
wachsenden Zuckerkristallen und der übersättigten Zuckerlösung eine Relativbewegung
hergestellt wird, welche die wachsenden Zuckerkristalle in der Schwebe hält unter
Verwendung einer Vorrichtung wie in den Ansprüchen definiert zur Durchführung dieses
Verfahrens. Große Zuckerkristalle über 5 mm, durch spezielle Kristallisationsverfahren
aus konzentrierten, reinen Zuckerlösungen hergestellt, werden auch Kandiszucker genannt.
[0002] Bei besonderen Anwendungen des Zuckers kommt es darauf an, dass sich der Zucker langsam
auflöst und sich erst langsam eine hohe Konzentration bzw. der süße Geschmack einstellt.
Hierfür wird nach wie vor Kandiszucker mit Kristallgrößen über 5 mm, vorzugsweise
sogar über 8 mm eingesetzt.
[0003] Die Herstellungsverfahren für Zuckerkristalle mit Kristallgrößen über 5 mm, vorzugsweise
über 8 mm, entwickelten sich aus der Kristallisation an Fäden, welche, in übersättigte
Zuckerlösungen eingebracht, ein langsames und gleichmäßiges Wachsen der Zuckerkristalle
ermöglichen. Die Fäden verbleiben dabei jedoch in den Zuckerkristallen, was von Verbrauchern
als störend empfunden wird. Für Kandis ohne Fäden sind daher seit ca. 100 Jahren verschiedene
Herstellungsverfahren entwickelt und eingesetzt worden; vgl.
AT 35 841.
[0004] Bei der Kristallisation von Zucker aus übersättigten Lösungen entstehen je nach Verfahrensbedingungen
mehr oder weniger feinkörnige Produkte und unter gewissen anderen Bedingungen feste
Agglomerate von Kristallen verschiedener Größe, die mechanisch aufgebrochen grobkörnig
anfallen. Dieses Produkte haben die unregelmäßige Form von Mahlgut und nicht die regelmäßige
monklin sphenoidale Form von Zuckerkristallen, die für den Verbraucher ein Zeichen
von Qualität und Reinheit darstellt.
[0005] Aus der Patentliteratur der Jahre 1896 bis 1910 sind eine Reihe von mehr oder weniger
aufwendigen und umständlichen Verfahren zur Herstellung von Kandis bekannt, d.h. grobkristallinem
Zucker.
Eine Zusammenfassung dieser Patentliteratur findet sich in der Zeitschrift des Vereins
der deutschen Zuckerindustrie 62, (1912) Seiten 1212 bis 1228. Später hinzugekommen ist noch das
deutsche Patent 239906, welches eine Bodenausbildung für Kristallisationsgefäße beschreibt. Hierbei wird
durch einen mechanischen Rührer am Boden des Kristallisationsgefäßes die übersättigte
Zuckerlösung von oben nach unten befördert und derartig in das Gemisch aus Zuckerlösung
und Kristallen eingeführt, dass die Zuckerkristalle aufgewirbelt beständig in Bewegung
gehalten werden und wodurch die Reibung an den Gefäßwänden verringert wird. Dieses
Verfahren wird im Prinzip noch heute zur Herstellung von Zuckerkristallen ohne Fäden
verwendet, jedoch gelingt es hiermit nur außerordentlich schwierig, Kristallgrößen
über 5 mm zu erzeugen.
[0006] Da die spezifische Oberfläche der Kristalle (Fläche/Kristallmasse) mit zunehmendem
Kristalldurchmesser abnimmt, nehmen die Schwierigkeiten der Steuerung der Kristallisation
mit der Kristallgröße zu. Der Wasserentzug aus der Lösung, durch den die Übersättigung
als Triebkraft der Kristallisation erzeugt wird, sollte nicht größer sein als die
bei der gegebenen Kristalloberfläche mögliche Kristallisationsrate. Bei den bestehenden
Verfahren wird das Gleichgewicht nicht eingehalten. Dadurch entstehen unerwünschte
Kristallkeime, die die Ausbeute an großen Kristallen verringern und deren Qualität
mindern.
[0008] Aus der
DD 294 731 ist ein Verfahren zur Herstellung von fadenlosem Kandis bekannt, bei welchem eine
außerhalb des Kristallisationsgefäßes kontinuierlich regenerierte, ständig übersättigte
heiße Saccharoselösung im Kreislauf geführt wird, wobei während des Kristallisierungsvorganges
bei konstanter Temperatur Impfkristalle im Gleich- oder Gegenstrom zugegeben werden.
Die in der im Kreislauf geführten Saccharoselösung wachsenden Saccharosekristalle
werden nach Erreichen der gewünschten Kristallgröße durch Sieben abgetrennt. Auch
dieses Verfahren führt zu einer relativ starken mechanischen Belastung der Zuckerkristalle
und somit nicht oder nur mit sehr geringen Ausbeuten zu den gewünschten großen Zuckerkristallen.
[0009] Auch das Verfahren gemäß
DE-B-1172200 führt nur zu Kristallkonglomeraten und nicht zu den gewünschten großen Kristallen.
[0010] Die Erfindung hat sich somit die Aufgabe gestellt, ein Verfahren zur Herstellung
von großen Zuckerkristallen mit Kristallgrößen über 5 mm, vorzugsweise über 8 mm zur
Verfügung zu stellen, bei dem durch Verdampfungskristallisation in einem Kristallisationsbehälter
zwischen den wachsenden Zuckerkristallen und der übersättigten Zuckerlösung eine Relativbewegung
hergestellt wird, welche die wachsenden Zuckerkristalle in der Schwebe hält, jedoch
durch weitere Maßnahmen dafür gesorgt wird, dass der Kristallisationsprozess so gesteuert
wird, dass Störungen durch Keimbildung minimiert werden, damit die eingebrachten Zuckerkristalle
sicher die Größe erreichen, die sonst nur in schlechten Ausbeuten erreichbar war.
[0011] Die Aufgabe wird jetzt dadurch gelöst, dass die Relativbewegung hergestellt wird
ohne mechanisch bewegte Teile im Kristallisationsbehälter durch einen aufwärtsgerichteten
Strom der Zuckerlösung, welcher die wachsenden Zuckerkristalle in der Schwebe hält,
wobei die durch Verdampfung aus dem System abgeführte Wassermenge gesteuert wird durch
die Wärmezufuhr in die Zuckerlösung und die Wärmezufuhr so gesteuert wird, dass die
Übersättigung der Zuckerlösung erhalten bleibt unter Verwendung einer Vorrichtung
bestehend aus
- a) einem senkrecht stehenden Kristallisationsbehälter mit
- b) einer unteren Zuführung für die übersättigte Zuckerlösung,
- c) einem beheizbaren Siebboden,
- d) einem Überlauf in ein Auffanggefäß mit größerem Durchmesser als der Kristallisationsbehälter,
welcher Einbauten zur Strömungsberuhigung aufweist,
- e) einer Rückführleitung mit Pumpe für die Zuckerlösung vom Auffanggefäß zur unteren
Zuführung des Kristallisationsbehälters,
- f) einer Abführung im oberen Teil des Auffanggefäßes für Wasserdampf
- g) einer Zuführöffnung im oberen Teil des Auffanggefäßes für Impfkristalle
- h) eine Entleerungsöffnung oberhalb des Siebbodens für die fertigen Zuckerkristalle
- i) Mess- und Steuerungseinrichtungen für Temperatur, Wärmezufuhr und Fließgeschwindigkeit
der Zuckerlösung.
[0012] Der erfindungsgemäße Kristallisationsbehälter weist am oberen Ende einen Überlauf
auf in ein Auffanggefäß mit einem größeren Durchmesser als der Kristallisationsbehälter,
was bereits zu einer Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit führt. Durch Einbauten
zur Strömungsberuhigung führt dies zu einer Sedimentation von neugebildetem Feinkorn,
welches sich am Boden des Auffanggefäßes sammeln kann und somit nicht mehr das Kristallwachstum
der großen Zuckerkristalle stören kann.
[0013] Durch Messung der Temperatur, der Wärmezufuhr und der Fließgeschwindigkeit der Zuckerlösung
ist es möglich, das gesamte System so zu steuern, dass in möglichst kurzer Zeit ungestört
große Zuckerkristalle mit Kristallgrößen über 5 mm und auch deutlich über 8 mm entstehen
können, so dass Kristallgrößen zur Verfügung gestellt werden, die sonst nur in schlechten
Ausbeuten erzielt werden konnten.
[0014] Vorzugsweise wird dabei dafür gesorgt, dass in der Zuckerlösung neugebildetes Feinkorn
abgetrennt wird und somit nicht das weitere Wachstum der großen Zuckerkristalle stören
kann.
[0015] Da die Oberfläche der wachsenden Zuckerkristalle zunehmend größer wird, wächst auch
die Menge des aus der Lösung entfernten Zuckers. Dies wird vorzugsweise dazu ausgenutzt,
die Produktionsgeschwindigkeit zu erhöhen, indem die Geschwindigkeit des aufwärtsgerichteten
Stromes der Zuckerlösung mit zunehmender Größe der wachsenden Zuckerkristalle erhöht
wird.
[0016] Um die Übersättigung in der Lösung als Triebkraft für die Kristallisation aufrecht
zu erhalten, muss Wasser aus der Lösung entfernt werden. Vorzugsweise erfolgt dies
beim erfindungsgemäßen Verfahren durch Verdampfung bei Unterdruck. Die durch die Verdampfung
verbrauchte Wärmemenge wird durch entsprechende Wärmezufuhr in die Zuckerlösung geliefert,
wobei ein geringer Teil auch durch die freiwerdende Kristallisationswärme zur Verfügung
steht. Das erfindungsgemäße Verfahren ist in der Lage, mit hoher Ausbeute große Zuckerkristalle
zu liefern mit Kristallgrößen bis 25 mm.
1. Verfahren zur chargenweisen Herstellung von großen Zuckerkristallen mit Kristallgrößen
über 5 mm, vorzugsweise über 8 mm durch Verdampfungskristallisation in einem Kristallisationsbehälter,
wobei zwischen den wachsenden Zuckerkristallen und der übersättigten Zuckerlösung
eine Relativbewegung hergestellt wird, welche die wachsenden Zuckerkristalle in der
Schwebe hält,
dadurch gekennzeichnet, dass die Relativbewegung hergestellt wird ohne mechanisch bewegte Teine im Kristallisationsbehälter
durch einen aufwärtsgerichteten Strom der Zuckerlösung, wobei die durch Verdampfung
aus dem System abgeführte Wassermenge gesteuert wird durch die Wärmezufuhr in die
Zuckerlösung und die Wärmezufuhr so gesteuert wird, dass die Übersättigung der Zuckerlösung
erhalten bleibt unter Verwendung einer Vorrichtung bestehend aus
a) einem senkrecht stehenden Kristallisationsbehälter mit
b) einer unteren Zuführung für die übersättigte Zuckerlösung,
c) einem beheizbaren Siebboden,
d) einem Überlauf in ein Auffanggefäß mit größerem Durchmesser als der Kristallisationsbehälter,
welches Einbauten zur Strömungsberuhigung aufweist,
e) einer Rückführleitung mit Pumpe für die Zuckerlösung vom Auffanggefäß zur unteren
Zuführung des Kristallisationsbehälters,
f) einer Abführung im oberen Teil des Auffanggefäßes für Wasserdampf
g) einer Zuführöffnung im oberen Teil des Auffanggefäßes für Impfkristalle
h) eine Entleerungsöffnung oberhalb des Siebbodens für die fertigen Zuckerkristalle
i) Mess- und Steuerungseinrichtungen für Temperatur, Wärmezufuhr und Fließgeschwindigkeit
der Zuckerlösung.
2. Verfahren gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass aus dem Strom der übersättigten Zuckerlösung neugebildetes Feinkorn abgetrennt wird.
3. Verfahren gemäß Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Geschwindigkeit des aufwärtsgerichteten Stroms der Zuckerlösung mit zunehmender
Größe der wachsenden Zuckerkristalle erhöht wird.
4. Verfahren gemäß einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Verdampfung des Wassers bei Unterdruck erfolgt.
1. A process for the discontinuous preparation of large sugar crystals with crystal sizes
of above 5 mm, preferably above 8 mm, by evaporation crystallization in a crystallization
tank, wherein a relative motion is created between the growing sugar crystals and
the supersaturated sugar solution, keeping the growing sugar crystals floating,
characterized in that said relative motion is created without mechanically moving parts in the crystallization
tank, by an upward stream of the sugar solution, wherein the amount of water removed
from the system by evaporation is controlled by the heat supply into the sugar solution,
and the heat supply is controlled to maintain the supersaturation of the sugar solution
using a device consisting of:
a) a vertically oriented crystallization tank comprising
b) a lower inlet for the supersaturated sugar solution,
c) a heatable perforated base,
d) a level drain leading into a collector vessel having a larger diameter than that
of the crystallization tank and having built-in structures for calming the flow,
e) a return line with a pump for the sugar solution leading from the collector vessel
to the lower inlet of the crystallization tank;
f) an exhaust for water vapor in the upper part of the collector vessel,
g) an inlet for seed crystals in the upper part of the collector vessel,
h) a discharge opening above the perforated base for the finished sugar crystals,
i) measuring and controlling means for temperature, heat supply and flow rate of the
sugar solution.
2. The process according to claim 1, characterized in that newly formed fine grains are separated from the stream of said supersaturated sugar
solution.
3. The process according to claim 1 or 2, characterized in that the velocity of the upward stream of the sugar solution is increased as the size
of the growing sugar crystals increases.
4. The process according to any of claims 1 to 3, characterized in that the evaporation of the water is effected under reduced pressure.
1. Procédé de production discontinue de gros cristaux de sucre présentant des tailles
de cristaux supérieures à 5 mm, de préférence supérieures à 8 mm au moyen d'une cristallisation
par évaporation dans un cristallisoir, dans lequel on crée un mouvement relatif entre
les cristaux de sucre en cours de croissance et la solution de sucre sursaturée, lequel
courant maintient en suspension les cristaux de sucre en cours de croissance,
caractérisé en ce que le mouvement relatif est obtenu au moyen d'un courant dirigé vers le haut de la solution
de sucre sans présence d'éléments mobiles mécaniques dans le cristallisoir, dans lequel
la quantité d'eau évacuée par évaporation du système est maîtrisée grâce à l'apport
de chaleur dans la solution de sucre et l'apport de chaleur est commandé de telle
sorte que la sursaturation de la solution de sucre est conservée grâce à l'utilisation
d'un dispositif composé de
a) un cristallisoir vertical comprenant
b) une admission inférieure pour la solution de sucre sursaturée,
c) un fond perforé chauffable,
d) un trop-plein situé dans un collecteur dont le diamètre est supérieur à celui du
cristallisoir, lequel collecteur présente des chicanes permettant de ralentir le courant,
e) une conduite de retour équipée d'une pompe pour renvoyer la solution de sucre du
collecteur vers l'admission inférieure du cristallisoir,
f) une conduite d'évacuation de la vapeur située dans la partie supérieure du collecteur,
g) une ouverture d'entrée pour les germes cristallins située dans la partie supérieure
du collecteur,
h) une ouverture de sortie pour les cristaux de sucre finis située au-dessus du fond
perforé,
i) des dispositifs de mesure et de commande pour la température, l'apport de chaleur
et la vitesse d'écoulement de la solution de sucre.
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce qu'un grain fin nouvellement formé est séparé à partir du courant de la solution de sucre
sursaturée.
3. Procédé selon la revendication 1 ou 2, caractérisé en ce que la vitesse du courant dirigé vers le haut de la solution de sucre est augmentée au
fur et à mesure que la taille des cristaux de sucre augmente.
4. Procédé selon l'une quelconque des revendications 1 à 3, caractérisé en ce que l'évaporation de l'eau est réalisée sous pression réduite.
IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE
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Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente
In der Beschreibung aufgeführte Nicht-Patentliteratur
- Eine Zusammenfassung dieser Patentliteratur findet sich in der Zeitschrift des Vereins
der deutschen Zuckerindustrie, 1912, vol. 62, 1212-1228 [0005]
- M. & H. Schaper HannoverTechnologie des Zuckers19680000491-492- [0007]