[0001] Laut Oberbegriff des Patentanspruchs 1 betrifft die Erfindung einen hydraulischen
und/oder pneumatischen Druckspeicher in Blasenspeicherbauart, d. h. einen starren
Behälter mit einem innenliegenden flaschenförmigen Trennelement aus elastomerem Material,
wobei sowohl der Behälter als auch das flaschenförmige Trennelement einen externen
Anschluss aufweisen.
[0002] Ein aus der deutschen Patentschrift DE 28 01 224 C2 bekannter Druckspeicher besteht
aus einem drucksteifen zylindrischen Behälter aus Metall, der an seinem oberen Ende
mit einer deckelförmigen Kappe und an seinem unteren Ende mit einem Boden abgeschlossen
ist. Im Innern des Behälters befindet sich ein sackartiges Trennelement (Blase) aus
Natur- oder Synthetikgummi. Das sackartige Trennelement ist nach unten offen. Der
Rand der Öffnung bildet eine dichte Verbindung zu dem Bodenrand des zylindrischen
Behälters. Auf diese Weise werden zwei voneinander getrennte Volumen gebildet, und
zwar ein erstes Volumen innerhalb des sackartigen Trennelements und ein zweites Volumen
außerhalb des sackartigen Trennelements aber innerhalb des zylindrischen Behälters.
Das erste Volumen ist über eine in der Bodenkappe befindliche Öffnung zugänglich.
Das zweite Volumen ist über ein im oberen Deckel des Behälters befindliches Ventil
mit Druck beaufschlagbar. Ist dieser auf das Ventil am oberen Deckel des Behälters
wirkende Druck größer als der an der Bodenöffnung wirkende Druck, so schrumpft das
erste, in dem sackartigen Trennelement befindliche Volumen auf Null, während das sackartige
Trennelement bei einem internen Überdruck den Innenraum des Behälters praktisch gänzlich
ausfüllt. D. h.: Bei der Ausbildung des jeweiligen Volumens kommen ausschließlich
die Kräfte aus Blasen-Innendruck und Blasen-Außendruck (=Behälter-Innendruck) zur
Wirkung.
[0003] Die elastischen Rückstellkräfte der sackartigen Blase sind vernachlässigbar gering.
Dies hat zur Folge, dass die Blase bei einem Blasen-internen Überdruck an der BehälterInnenwand
anliegt und damit praktisch den gesamten Behälter ausfüllt. Ist hingegen der Blasenaußendruck
größer als der Blasen-Innendruck, so schrumpft das Volumen der Blase auf Null zusammen.
D. h.: Die Blase kennt praktisch nur zwei Zustände: V(Blase) = Null und V(Blase) =
V(Behälter). Die Wirkung ist vergleichbar einem mittels Ventil zuschaltbaren festen
Zusatzvolumen.
[0004] Angestrebt wird aber nicht ein für eine Luft- oder Hydraulikfeder verwendbares Zusatzvolumen
konstanter Größe sondern ein variables Zusatzvolumen. Bei Speicherfunktion bis zum
Atmosphärendruck soll eine Stufigkeit der p/V-Kennlinie vermieden werden.
[0005] Gemäß Anspruch 1 ist dies realisierbar mit Hilfe einer in einen Druckbehälter integrierten
Blase. Vergleichbar dem Trennelement des vorbekannten Druckspeichers besteht die membranartige
Wandung der Blase aus einem Elastomermaterial. Erfindungsgemäß ist die neue Membran
aber nicht beliebig dehn- und beliebig verformbar sondern die Wandstärke und die sonstigen
Materialeigenschaften der Blase sind so gewählt, dass eine gewisse elastische Rückstellkraft
bei einer Volumenvergrößerung durch inneren Überdruck zur Wirkung gelangt. Diese elastische
Rückstellkraft ist umso größer, je stärker die Volumenvergrößerung ist, d. h. je stärker
das Volumen von dem ohne Drucküberschuss gegebenen Ausgangsvolumen abweicht. Aufgrund
der elastischen Rückstellkraft der unter Druck gedehnten und/oder gescherten Wandung
wird eine Stufigkeit der p/V-Kennlinie vermieden (Fig. 4).
[0006] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die Blase mit einer Verstärkungseinlage
versehen. Diese Verstärkungseinlage besteht aus praktisch undehnbaren Corden oder
aus Corden mit einer Dehnfähigkeit, die deutlich geringer ist als die Dehnfähigkeit
des elastomeren Materials der Blasen-Wandung, wobei die Corde diagonal in der Wandung
der Blase auf- oder einvulkanisiert sein können. Aufgrund der Diagonalität ergibt
sich bei einem Blasen-internen Überdruck eine
graduelle Volumenvergrößerung durch
Scherwirkung. D. h.: Die Dehnung der Blase ist abhängig vom Gewebewinkel und der Dehnung
(Dehnbarkeit) des Festigkeitsträgers. Beide Faktoren beeinflussen die Volumenänderung
bei schon kleinen Druckdifferenzen. Der interessante Bereich dieser Anwendung liegt
im Ansprechverhalten des Blasenvolumens bei geringen bis zum Atmosphärenruck. Herkömmliche
Speicher, bei denen die Blase an der Behälterwand anliegt, sprechen erst an, wenn
der vorher eingestellte Vordruck erreicht wird (siehe Fig. 4).
[0007] Um eine schraubenförmige Verwerfung der Blase zu vermeiden, können die diagonal anoder
einvulkanisierten Verstärkungscorde vorzugsweise kreuzweise angeordnet sein. Wird
eine so verstärkte Blase einem inneren Überdruck ausgesetzt, so kommen ebenfalls Scherkräfte
zur Geltung. Die Scherkräfte heben sich aber links/rechts-symmetrisch auf, woraus
je nach Anordnung der Corde (flach gekreuzt oder steil gekreuzt) eine unverdrillte
Längung oder eine unverdrillte Verbreiterung der Blase resultiert. Anstelle von diagonal
oder kreuzweise angeordneten Corden kann auch eine Gewebe-Verstärkung zur Anwendung
gelangen.
[0008] Durch geeignete Auswahl der Elastomermischung, der Wandstärke und der Festigkeitsträger
kann das p/V-Diagramm in gewünschter Weise beeinflusst werden.
[0009] Eine unverdrillte Verbreiterung bei einem Grundzustand mit steil gekreuzten Corden
kann in Längsrichtung durch einen undehnbaren, axial angeordneten Zuganker stabilisiert
werden.
[0010] Gemäß einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Druckspeichers kann auch eine Steuerung
des Membraninnendruckes vorgenommen werden. Bei Verwendung einer Membrane mit Rollfalte
kann die Gestaltung der Bauhöhe in vorteilhafter Weise beeinflusst werden.
[0011] Der erfindungsgemäße Druckspeicher ist nicht nur als Zusatzspeicher für Luft- und
Hydraulik-Federn geeignet. Auch andere hydraulische Einsätze sind denkbar. Dabei ermöglicht
der Druckspeicher einen stetigen Druck/Volumen-Verlauf von Atmosphärendruck bis zu
maximalem Druck.
[0012] Im folgenden wird der erfindungsgemäße Druckspeicher anhand eines Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0013] Es zeigt:
Fig. 1 einen Druckspeicher, teilweise im Längsschnitt, in perspektivischer Ansicht;
Fig. 2 denselben Druckspeicher, ebenfalls teilweise im Längsschnitt;
Fig. 3 denselben Druckspeicher im Längsschnitt; und
Fig. 4 ein p/V-Diagramm bei herkömmlichem Speicher und bei einem erfindungsgemäß gewebeverstärktem
Druckspeicher.
[0014] Wie aus den Abbildungen ersichtlich, besteht der erfindungsgemäße Druckspeicher 2
aus einem druckstabilen Behälter 4 mit zylindrischer Wandung 6, mit einem integrierten
Boden 8 und mit einem mittels Schraubbolzen 10 angeflanschten Deckel 12. Der Deckel
12 ist mit einem Druckanschluss 14 versehen. Zur Erzielung einer hinreichenden Druckstabilität
ist der Behälter 4 aus Metall oder einem entsprechend geeigneten Kunststoff hergestellt.
[0015] Innerhalb des druckstabilen Behälters 4 ist eine flaschenförmige Blase 16 mit membranartiger
Wandung 18 eingebracht. Diese flaschenförmige Blase 16 ist nach unten offen. Der Rand
der Öffnung ist am Boden 8 des Behälters 4 druckdicht befestigt. Über eine Druckanschlussöffnung
20 am Boden 8 des Behälters 4 ist die flaschenförmige Blase 16 mit Druck beaufschlagbar.
[0016] Die membranartige Wandung 18 der Blase 16 besteht aus Elastomer-Material und ist
mit Festigkeitsträgern 22 in Form von Corden oder Gewebe verstärkt. Die Fäden der
Corde bzw. des Gewebes sind kreuzweise diagonal angeordnet, so dass sich ein rautenförmiges
Muster 24 ergibt. Im drucklosen Zustand der Blase 16 stehen die Rauten 24 auf der
Spitze mit spitzen Winkeln oben und unten und stumpfen Winkeln an beiden Seiten. Innerhalb
der flaschenförmigen Blase 16 ist axial ein Zuganker 26 befestigt.
[0017] Bei vorgespannter Membrane 18 (Innendruck größer Atmosphärendruck) und Atmosphärendruck
im Gehäuse 4 liegt die Membrane 18 nicht an der Innenfläche der Gehäusewand 6 an.
Die Festigkeitsträger 22 der Balgwand 18 verhindern ein weiteres Ausdehnen der Membrane
18. Bei Druckbeaufschlagung des Gehäuseinnenraumes 28 des Druckspeichers 2 erfolgt
schon bei geringem Druck eine Deformation (Volumenverkleinerung) des Membrankörpers
16. Die sich verringernde Differenz zwischen Gehäuseinnendruck und Membraninnendruck
bewirkt eine Abnahme der Scherung der Festigkeitsträger 22 und eine Abnahme der Dehnung
der Balgwand 18. Bei weiterem Anstieg des Gehäuseinnendruckes werden die Festigkeitsträger
22 weiter entlastet, bis der Membraninnendruck und der Gehäuseinnendruck gleich sind.
[0018] Bei weiterer Volumenzunahme (Druckerhöhung) im Gehäuse 4 wirkt nur noch der Innendruck
der Blase 16 als federndes Element.
Bezugszeichenliste (ist Teil der Beschreibung)
[0019]
- 2
- Druckspeicher
- 4
- druckstabiler Behälter, Gehäuse
- 6
- zylindrische Wandung
- 8
- Boden
- 10
- Schraubbolzen
- 12
- Deckel
- 14
- Druckanschluss
- 16
- Blase, Membrankörper
- 18
- membranartige Wandung, Membrane, Balgwand
- 20
- Druckanschlussöffnung
- 22
- Festigkeitsträger
- 24
- rautenförmiges Muster, Rauten
- 26
- Zuganker
- 28
- Gehäuseinnenraum, Behälter-Volumen
- 30
- Innenraum der Blase
1. Hydraulischer und/oder pneumatischer Druckspeicher (2) in Blasenspeicherbauart,
- mit einem drucksteifen zylindrischen Behälter (4), und
- mit einer darin angeordneten, flaschenförmigen, aus elastomerem Material bestehenden
Blase (16),
wobei sowohl das Volumen (28) des drucksteifen Behälters (4) als auch der Innenraum
(30) der elastischen Blase (16) über jeweils einen externen Anschluss (14, 20) mit
Druck beaufschlagbar sind,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Elastomermischung und die Wandstärke der Blase (16) so ausgewählt sind, dass
in etwa Proportionalität zwischen einer zwischen den beiden Volumen (28 und 30) bestehenden
Druckdifferenz und einer Dehnung der Blase (16) besteht.
2. Druckspeicher nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Wandung (18) der Blase (16) an ihrer Oberfläche oder innerhalb des elastomeren
Materials mit Festigkeitsträgern (22) aus Corden oder Gewebe verstärkt ist.
3. Druckspeicher nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Corde in diagonaler Richtung auf oder innerhalb der Wandung (18) der Blase (16)
ausgerichtet sind.
4. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Fäden der Festigkeitsträger (22) (Corde oder Gewebe) kreuzweise diagonal, d.
h. rautenförmig (Rauten, 24), auf oder innerhalb der Wandung (18) der Blase (16) angeordnet
sind.
5. Druckspeicher nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Rauten (24) der Festigkeitsträger (22) bei druckloser Blase (16) auf der Spitze
stehen.
6. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 2 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Festigkeitsträger (22) dehnbar sind,
wobei die Dehnbarkeit der Festigkeitsträger (22) deutlich geringer ist als die Dehnbarkeit
des elastomeren Materials der Blasenwandung (18).
7. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass zur Verhinderung einer druckabhängigen Längenausdehnung ein Zuganker (26) zwischen
einem oberen und einem unteren Befestigungspunkt auf der Längsachse der Blase (16)
angebracht ist.
8. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Zuganker (26) elastisch und bei Druckbeaufschlagung des Druckspeichers (2) dehnbar
ist.
9. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
gekennzeichnet durch
eine Steuerung des Blasen-Innendrucks.
10. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Blase (16) in Form einer Rollfalte ausgebildet ist.
11. Druckspeicher nach einem der Ansprüche 1 bis 10
zur Verwendung als Zusatzvolumen in einer Luft- oder Hydrofeder.