[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur endkonturnahen Fertigung von Bauteilen bzw.
Halbzeugen aus schwer zerspanbaren Leichtmetalllegierungen und ein durch das Verfahren
hergestelltes Bauteil bzw. Halbzeug.
[0002] Herkömmlicherweise wird bei der pulvermetallurgischen Herstellung von hochverschleißfesten
Bauteilen der Werkstoff als Pulver angeliefert, im klassischen Pulverpressverfahren
verarbeitet, gesintert, wärmebehandelt und kalibriert. Die Eigenart eines solchen
hochverschleißfesten Werkstoffes ist jedoch ein starker Verzug beim Sintern, der durch
die notwendige Flüssigphasensinterung hervorgerufen wird. Die geforderte Form- und
Maßgenauigkeit beim anschließenden Kalibrieren ist hier eingeschränkt.
[0003] Um diesen Nachteil der oben genannten Werkstoffe im Punkt Genauigkeit zu beheben,
wird erfindungsgemäß ein Verfahren gemäß dem Anspruch 1 und ein Bauteil bzw. Halbzeug
gemäß dem Anspruch 11 zur Verfügung gestellt. Die Unteransprüche richten sich auf
bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung.
[0004] Mit anderen Worten und in einer Ausführungsvariante kann die Erfindung auch bezeichnet
werden als Verfahren zur Herstellung eines Sinterteiles aus Sinterleichtmetall mit
veränderlichen Anteilen an Verschleißschutzpartikeln als Legierungsanteil.
[0005] Gemäß einer Ausführungsform der Erfindung ist diese ein Verfahren zur Herstellung
von Sinterformteilen aus Leichtmetallen, vorzugsweise Aluminium mit 10 - 30 % Siliziumanteilen,
Mg 0 - 3 %, Cu 0 - 5 %, Zn und Fe 0 - 7 %. Auch andere Leichtmetalle mit veränderten
Si-Anteilen sind so herstellbar. Alternativ zu Si als Verschleißträger können auch
Hartstoffpartikelzusätze wie Oxide, Carbide und Silikate mit Anteilen von 0 - 30 %
eingesetzt werden.
[0006] Das Verfahren vereinigt vorteilhafterweise die Verfahren Kalt- oder Heißisostatpressen,
Strangpressen, Sägen und Kalibrieren mit vorzugsweise integriertem Facettieren, gegebenenfalls
Warmbehandeln und Schmieden zu einer neuartigen Gesamtheit.
[0007] Ausgangspunkt der Erfindung ist bei einer Ausführungsform der pulvermetallurgische
Werkstoff Aluminium mit Si-Anteilen von ca. 14 % der unter anderem in einer Anwendung
als Kettenrad gegen eine Stahlkette, als Rotor und Stator in einem Nockenwellenverstellersystem
oder einer Ölpumpe hervorragende, bisher nicht gekannte, gute Verschleißeigenschaften
besitzt.
[0008] In bevorzugter Ausführung wird die Erfindung mit folgenden Verfahrensschritten umgesetzt:
- Verpressen des Rohpulvers in einer Kalt- oder Heißisostatpresse zu einem Bolzen oder
einer Form, die zum späteren Strangpressen geeignet ist. Vorteilhaft ist hier der
Einsatz eines gepressten Bolzens aus Leichtmetallpulver, um im Gegensatz zu schmelzmetallurgisch
hergestellten Bolzen ein gleichmäßigeres Gefüge ohne Lunker und Seigerungen etc. (mit
gleichmäßig guter Si-Verteilung und damit guten Verschleißeigenschaften) zu erhalten;
- Strangpressen des Bolzens nahe der Sintertemperatur des Leichtmetalls. Dabei Rekristallisation
des Gefüges und Temperaturerhöhung bis zur optimalen Temperatur. Der Strangpressbolzen
hat nun schon eine sehr gute Maßtoleranz, die für manche Bauteile schon genügen kann;
- wenn die Maßtoleranz noch nicht ausreichend ist, um hochpräzise, einbaufertige Konturen
zu erhalten, wird der stranggepresste Bolzen noch weiter nachkalibriert;
- der Strangpressbolzen wird in das für das Bauteil später notwendige Maß in geeigneter
Weise getrennt. Gegebenenfalls wird er dann noch warmbehandelt, einem Nachkalibrierarbeitsgang
unterzogen und an definierten Kanten facettiert. Denkbar ist auch, den Strang als
Ganzes in einer Art Ziehprozess auf genaue Maße zu bringen und danach zu trennen.
[0009] Erfindungsgemäß wird die bei Sinterteilen übliche Präzision erzeugt. Die großen Verzüge
wie im oben beschriebenen klassischen Sinterverfahren treten hier nicht mehr auf.
Der hochverschleißfeste Werkstoff ist in engen Maßtoleranzen herstellbar.
1. Verfahren zur endkonturnahen Fertigung von Bauteilen bzw. Halbzeugen aus schwer zerspanbaren
Leichtmetalllegierungen mit den folgenden Schritten:
- ein Pulvermaterial, welches Leichtmetall und Legierungsbestandteile, insbesondere
Verschleißträger aufweist, wird bereitgestellt;
- das Pulvermaterial wird isostatisch zu einem Formkörper gepresst; und
- der Formkörper wird einem Strangpressvorgang nahe der Sintertemperatur des Leichtmetalls
unterzogen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem als Leichtmetall Aluminium verwendet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Legierungsbestandteile Silizium, vorzugsweise
10 - 30 % Si, Magnesium, vorzugsweise 0 - 3 % Mg, Kupfer, vorzugsweise 0 - 5 % Cu,
Zink, vorzugsweise 0 - 7 % Zn, Eisen, vorzugsweise 0 - 7 % Fe umfassen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem als Verschleißträger Silizium
und/oder Hartstoffpartikelzusätze, insbesondere Oxide, Carbide und Silikate, bevorzugt
mit Anteilen von 0-30% eingesetzt werden.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei dem das Pulvermaterial heiß- bzw.
kaltisostatisch zu dem Formkörper gepresst wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem das Strangpressen so durchgeführt
wird, dass eine Rekristallisation des Gefüges und Temperaturerhöhung bis zur optimalen
Temperatur eintritt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei dem der gepresste Strang nach dem
Strangpressen vereinzelt wird, insbesondere durch einen Schneidvorgang zu einhöhigen
Bauteilen bzw. Halbzeugen vereinzelt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem nach der Vereinzelung eine Weiterverarbeitung
bzw. Kalibrierung des Bauteils bzw. Halbzeuges durchgeführt wird, wenn vorgegebene
Eigenschaften bzw. Maßtoleranzen noch nicht erreicht sind, insbesondere durch eine
Nachkalibrierung und/oder eine Facettierung.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei dem das Strangpressprodukt durch einen
Ziehvorgang weiterverarbeitet wird, wenn vorgegebene Eigenschaften bzw. Maßtoleranzen
noch nicht erreicht sind, worauf dann eine Vereinzelung erfolgt.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, bei dem das Strangpressprodukt wärmebehandelt
wird.
11. Bauteil bzw. Halbzeug, dadurch gekennzeichnet, dass es durch ein Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10 hergestellt ist.