[0001] Die Erfindung liegt auf dem Gebiet der Beschichtung von Oberflächen, um diese gegen
Korrosion zu schützen und/oder um sie mit einem Haftgrund für eine nachfolgende organische
Beschichtung zu versehen. Hierzu müssen die Oberflächen elektrisch leitend sein, also
beispielsweise Oberflächen von Metallen oder durch eine entsprechende Behandlung leitfähig
gemachte Oberflächen von Glas oder Kunststoffen darstellen.
[0002] Eine weit verbreitete technische Aufgabe besteht darin, metallische oder nicht metallische
Untergründe mit einer ersten Beschichtung zu versehen, die korrosionshemmend wirkt
und/oder die einen Haftgrund für eine darüber aufzubringende Beschichtung mit organischen
Polymeren darstellt. Beispielsweise werden Metalle vor einer Lackierung vorbehandelt.
Hierfür stehen in der Technik unterschiedliche Verfahren zur Verfügung. Beispielsweise
genannt seien eine schichtbildende oder nicht schichtbildende Phosphatierung, eine
Chromatierung oder eine chromfreie Konversionsbehandlung, beispielsweise mit komplexen
Fluoriden von Titan, Zirkon, Bor oder Silicium. Technisch einfacher durchführbar,
aber weniger wirkungsvoll ist ein einfacher Auftrag einer Grundierungsschicht auf
ein Metall vor dessen Lackierung. Ein Beispiel hierfür ist das Auftragen von Menninge.
Eine Alternative zu den "nassen" Verfahren stellen "trockene" Verfahren dar, bei denen
eine Korrosionsschutz- oder Haftschicht aus einer Gasphase abgeschieden wird. Solche
Verfahren sind beispielsweise als PVDoder CVD-Verfahren bekannt. Sie können elektrisch,
beispielsweise durch eine Plasmaentladung, unterstützt sein.
[0003] Eine derart erzeugte oder aufgebrachte Schicht kann zum einen als korrosionsschützender
Haftgrund für eine nachfolgende Lackierung dienen. Die Schicht kann aber auch einen
Haftgrund für eine nachfolgende Verklebung darstellen. Insbesondere metallische Untergründe,
aber auch Untergründe aus Kunststoff oder Glas werden vor einer Verklebung häufig
chemisch oder mechanisch vorbehandelt, um die Haftung des Klebstoffs auf dem Substrat
zu verbessern. Beispielsweise werden im Fahrzeug- oder Gerätebau Metall- oder Kunststoffteile
jeweils untereinander, jedoch auch miteinander verklebt. Front- und Heckscheiben von
Fahrzeugen werden heute in der Regel direkt in die Karosserie eingeklebt. Weitere
Beispiele für die Verwendung von Haftschichten findet man bei der Herstellung von
Gummi-Metall-Verbunden. Auch hierbei wird der Metalluntergrund in der Regel mechanisch
oder chemisch vorbehandelt, bevor eine Haftschicht zur Verklebung mit Gummi aufgebracht
wird.
[0004] Die herkömmlichen nassen oder trockenen Beschichtungsverfahren bringen jeweils spezielle
Nachteile mit sich. Beispielsweise sind Chromatierverfahren durch die toxischen Eigenschaften
des Chroms und der Entstehung hochgiftiger Schlämme aus ökologischen und ökonomischen
Gesichtspunkten nachteilig. Aber auch chromfreie nasse Verfahren wie beispielsweise
eine Phosphatierung sind in der Regel mit der Entstehung schwermetallhaltiger Schlämme
verbunden, die aufwendig entsorgt werden müssen. Ein weiterer Nachteil herkömmlicher
nasser Beschichtungsverfahren besteht darin, daß der eigentliche Beschichtungsschritt
häufig vor- oder nachbereitende weitere Schritte benötigt. Hierdurch erhöht sich der
Platzbedarf für die Behandlungslinie, und der Verbrauch an Chemikalien steigt. Beispielsweise
ist die im Automobilbau nahezu ausschließlich eingesetzte Phosphatierung mit mehreren
Reinigungsschritten, einem Aktivierungsschritt und in der Regel einem Nachpassivierungsschritt
verbunden. In all diesen Schritten werden Chemikalien verbraucht und zu entsorgende
Abfälle gebildet.
[0005] Trockene Beschichtungsverfahren bringen zwar weniger Abfallprobleme mit sich, haben
aber den Nachteil einer technisch aufwendigen Verfahrensführung (beispielsweise durch
das Erfordernis von Vakuum) oder sind energetisch aufwendig. Hohe Betriebskosten sind
also vor allem durch Anlagenkosten und Energieverbrauch bedingt.
[0006] Daher besteht ein Bedarf nach neuen Beschichtungsverfahren zum Herstellen von Korrosionsschutz-
oder Haftgrundschichten, die apparativ weniger aufwendig sind als trockene Verfahren
und die im Vergleich zu nassen Verfahren mit einem geringeren Chemikalienverbrauch
und einem geringeren Abfallvolumen auskommen.
[0007] Daß dünne Schichten von Metallverbindungen, beispielsweise Oxidschichten, elektrochemisch
auf einem elektrisch leitenden Untergrund erzeugt werden können, ist im Stand der
Technik bekannt. Beispielsweise beschreibt der Artikel Y. Zhou, J.A. Switzer: "Electrochemical
Deposition and Microstructure of Copper (I) Oxide Films", Scripta Materialia Vol.
38, No. 11, Seiten 1731-1738 (1998) die elektrochemische Abscheidung und Mikrostruktur
von Kupfer(I)oxidfilmen auf Edelstahl. Dabei wurde vor allem der Einfluß der Abscheidungsbedingungen
auf die Morphologie der Oxidschichten untersucht. Eine praktische Anwendung der Schichten
geht aus dieser Arbeit nicht hervor.
[0008] Der Artikel M. Yoshimura, W. Suchanek, K-S. Han: "Recent developments in soft, solution
processing: one step fabrication of functional double oxide films by hydrothermal-electrochemical
methods", J. Mater. Chem. Vol. 9, Seiten 77-82 (1999) untersucht die Herstellung von
dünnen Filmen von Doppeloxiden durch eine Kombination von hydrothermalen mit elektrochemischen
Methoden. Eine Anwendung wird in der Herstellung keramischer Materialien gesehen.
Der Artikel enthält keine Hinweise auf die Verwendbarkeit solcher Schichten als Korrosionsschutz
und als Haftgrund.
[0009] Eine elektrochemische Bildung einer Oxidschicht findet auch bei den als Anodisieren
bekannten Prozessen statt. Hiervon unterscheidet sich die vorliegende Erfindung darin,
daß auf einem Substrat Schichten von Metallverbindungen abgeschieden werden, wobei
das Metall der Metallverbindung im wesentlichen ein anderes Metall darstellt als dasjenige,
das den möglicherweise metallischen Untergrund ausmacht.
[0010] Ebenfalls ist es bekannt, die Bildung kristalliner Zinkphosphatschichten elektrochemisch
zu unterstützen. Die Nachteile einer Phosphatierung (mehrere Teilschritte wie Aktivierung,
Phosphatierung, Nachpassivierung; Anfall von Phosphatierschlamm) werden hierdurch
jedoch nicht überwunden. Die elektrochemische Unterstützung der Ausbildung von Zinkphosphatschichten
gehört nicht zum Umfang der vorliegenden Erfindung.
[0011] In US-A-2 081 121 wird ein Verfahren zur elektrolytischen Beschichtung von metallischen
Substraten wie Eisen, Stahl, Kupfer und Messing mit einer dünnen Schicht aus Kupfer(I)-oxid
beschrieben. Die hierzu eingesetzten alkalischen Bäder enthalten neben beispielsweise
Kupfersulfat eine Verbindung, die mit dem Kupfer einen löslichen Komplex bildet. Als
solche kommen beispielsweise in Frage: organische Säuren wie Milchsäure, Citronensäure,
Glykolsäure, Weinsäure, Salicylsäure ferner Zucker, Glycerin und anorganische Verbindungen
wie Pyrophosphat oder Borax. Die so gewonnenen farbigen Schichten können als Grundlage
für einen nachfolgenden Anstrich, Lackierung oder Emaillierung dienen.
[0012] Die US-A-4 094 750 offenbart die elektrolytische Abscheidung von Metalloxiden von
Al, Cu, Co und Ni auf Titan-, Magnesium-, Aluminium- oder Stahlsubstraten bei Stromdichten
von 0,02 bis 0,5 A/in
2 in 5 bis 60 Sekunden unter Verwendung entsprechender Metallsalze in alkoholischer
Lösung. Gemäß den Beispielen resultieren Metalloxid-Schichtdicken im Bereich von 700
bis 1600 A. Diese Schichten dienen als Haftschicht für ein adhäsives Verbinden von
Teilen.
[0013] Demgegenüber betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung einer
mindestens zweilagigen Beschichtung auf einer elektrisch leitenden Oberfläche, dadurch
gekennzeichnet, daß
in einem Schritt a) auf der elektrisch leitenden Oberfläche eine chromfreie Schicht
aus mindestens einer röntgenkristallinen anorganischen Verbindung mindestens eines
Metalls A mit einer flächenbezogonenen Masse von 1,1 bis 10 g/m
2 aus einer Lösung, die das Metall A in gelöster Form enthält, elektrochemisch abgeschieden
wird, wobei das Metall A ein anderes Metall darstellt als die Hauptkomponente der
elektrisch leitenden Oberfläche und ausgewählt ist aus Mg. Ca. Sr. Ba, Si, Sn, Pb,
Sb, Bi, Ti, Zr, Nb, Ta, Mn, Fe, Co, Ni, Zn, Cu und wobei die anorganische Verbindung
weniger als 20 Gew.-% Phosphationen enthält, und
in einem nachfolgenden Schritt b) auf die im Schritt a) abgeschiedene Schicht mindestens
eine Schicht eines kathodisch oder anodisch abscheidbaren Elektrotauchlacks oder eines
Pulverlacks aufgebracht wird.
[0014] Die Lösung, die das Metall A in gelöster Form enthält, wird nachstehend auch als
"Elektrolyt" bezeichnet. Stellt diese Wasser dar, in der Salz des Metalls A gelöst
ist, ist die Leitfähigkeit dieser Lösung für den erfindungsgemäßen Zweck in der Regel
ausreichend. Sollte ein nicht wäßriges Lösungsmittel verwendet werden oder die Leitfähigkeit
einer wäßrigen Lösung nicht ausreichen, kann ein Leitsalz wie beispielsweise ein Tetraalkylammoniumhalogenid
zugesetzt werden. Die Ionen des Leitsalzes werden nicht oder nur in untergeordnetem
Maße in die Schicht eingebaut, erhöhen aber die elektrische Leitfähigkeit des Elektrolyten.
[0015] Dabei kann es sich bei der elektrisch leitenden Oberfläche um eine intrinsisch leitende
Oberfläche wie beispielsweise eine metallische Oberfläche handeln. Die Schicht kann
jedoch auch auf einer Oberfläche eines elektrisch wenig oder nicht leitenden Materials
abgeschieden werden, wenn durch geeignete Maßnahmen die Oberfläche elektrisch leitfähig
gemacht wird. Bei Kunststoffen kann dies beispielsweise dadurch erfolgen, daß man
zunächst auf chemischem Wege eine elektrisch leitende Metallschicht abscheidet, die
dann die Basis für die elektrochemische Abscheidung einer Verbindung des Metalls A
darstellt. Eine Glasoberfläche kann beispielsweise dadurch elektrisch leitend gemacht
werden, daß man sie mit einem Pulver einer elektrisch leitfähigen Substanz bestäubt
oder eine leitfähige Schicht über die Gasphase aufbringt, beispielsweise als chemische
Gasphasenabscheidung (CVD). Für die erfindungsgemäße Verwendung ist es jedoch bevorzugt,
daß die elektrisch leitende Oberfläche eine Metalloberfläche darstellt.
[0016] Die Abscheidung der anorganischen Verbindung des Metalls A geschieht aus einer Lösung,
die das Metall A in gelöster Form enthält. Dabei kann es sich um eine ein- oder mehrkomponentige
wäßrige oder eine nicht wäßrige Lösung handeln. Beispiele nicht wäßriger Lösungsmittel
mit einem guten Lösungsvermögen für geeignete Metallverbindungen sind flüssiges Ammoniak,
Dimethylsulfoxid oder organische Phosphanderivate. Beispiele einer mehrkomponentigen
wäßrigen Lösung sind Wasser-Alkohol-Gemische.
[0017] Die elektrochemische Abscheidung kann kathodisch oder anodisch erfolgen, wobei eine
kathodische Abscheidung universeller einsetzbar und daher bevorzugt ist. Die Abscheidung
der anorganischen Verbindung mindestens eines Metalls A aus einer entsprechenden Lösung
kann nach 2 unterschiedlichen Mechanismen erfolgen. Zum einen kann die Abscheidung
gekoppelt sein mit einer Änderung der Oxidationsstufe des Metalls A, wobei auf der
elektrisch leitenden Oberfläche eine Schicht einer schwerlöslichen Verbindung des
Metalls A in der gegenüber der Lösung geänderten Oxidationsstufe aufwächst. Beispielsweise
läßt sich kathodisch aus einer wäßrigen Lösung, die Kupfer(II)-lonen enthält, Kupfer(I)-Oxid
abscheiden. Ein anderer Abscheidungsmechanismus beruht darauf, daß sich durch elektrochemische
Prozesse an der elektrisch leitenden Oberfläche der pH-Wert in Oberflächennähe verschiebt.
Als Folge hiervon kann auf der elektrisch leitenden Oberfläche eine anorganische Verbindung
mindestens eines Metalls A aufwachsen, die unter den lokalen pH-Bedingungen an der
Oberfläche schwer löslich ist. Hierbei ist es nicht erforderlich, daß sich die Oxidationsstufe
des Metalls A während des Abscheidungsprozesses ändert. Eine Verschiebung des pH-Werts
an der elektrisch leitenden Oberfläche kann beispielsweise dadurch erfolgen, daß Wasserstoffionen
entladen werden und hierdurch der pH-Wert lokal ansteigt.
[0018] Wenn hierbei von einer anorganischen Verbindung mindestens eines Metalls A die Rede
ist, so bedeutet dies, daß diese Verbindung auf jeden Fall das Metall A enthalten
muß. Daneben kann sie jedoch weitere Metalle B, C, ... enthalten. Diese weiteren Metalle
können zusätzlich zu dem Metall A in der Lösung vorhanden sein und mit diesem zusammen
abgeschieden werden. Diese anderen Metalle können jedoch auch Komponenten der elektrisch
leitenden Oberfläche sein und bei der Bildung der Schicht einer anorganischen Verbindung
mindestens eines Metalls A direkt in diese Verbindung mit eingebaut werden. Beispiele
anorganischer Verbindungen, die neben dem Metall A ein weiteres Metall enthalten,
sind Mischoxide, die beispielsweise dem Strukturtyp der Spinelle oder der Perovskite
angehören können. Beispielsweise genannt seien Titanate und Niobate.
[0019] Wegen der einfachen Durchführbarkeit und der Möglichkeit, Wasser als Lösungsmittel
zu verwenden, ist es bevorzugt, daß die im Schritt a) abgeschiedene Verbindung ein
Oxid darstellt. Dieses kann auch ein Mischoxid unterschiedlicher Metalle sein. Die
erfindungsgemäße Verwendung ist jedoch nicht auf Oxide beschränkt. Sie umfaßt weiterhin
nichtoxidische anorganische Verbindungen wie beispielsweise Selenide, Sulfide oder
Nitride, die aus geeigneten, ggf. wasserfreien, Lösungsmitteln abgeschieden werden
können.
[0020] Dabei ist es im Sinne der Erfindung nicht zwingend, daß die anorganische Verbindung
mindestens eines Metalls A eine lediglich binäre oder ternäre Verbindung darstellt.
Vielmehr kann diese Verbindung auch komplexer aufgebaut sein, indem beispielsweise
lonen oder Moleküle aus der Lösung in die Verbindung mit eingebaut werden. Ein Beispiel
hierfür sind Oxidhydrate oder -sulfate.
[0021] Die erfindungsgemäße Verwendung umfaßt nicht eine reine Galvanisierung, da eine Galvanisierschicht
keine "anorganische Verbindung" im Sinne dieser Erfindung darstellt. An die Schicht
aus mindestens einer anorganischen Verbindung mindestens eines Metalls A wird vielmehr
die Bedingung gestellt, daß zumindest ein Teil des Metalls A in einer Oxidationsstufe
> 0 vorliegt.
[0022] Prinzipiell kann für die erfindungsgemäße Verwendung jede Schicht aus mindestens
einer anorganischen Verbindung mindestens eines Metalls A eingesetzt werden, die sich
elektrochemisch abscheiden läßt und die hinreichend chemisch stabil ist, um als Korrosionsschutzschicht
zu wirken. Dies heißt, daß die Schicht mit oder ohne aufgebrachtem Lack einen besseren
Korrosionsschutz liefert als die unbeschichtete Metalloberfläche. Aus Gründen von
Preis und Verfügbarkeit ist das Metall A ausgewählt aus Mg, Ca, Sr, Ba, Si, Sn, Pb,
Sb, Bi, Ti, Zr, Nb, Ta, Mn, Fe, Co, Ni, Zn, Cu. Die für praktische Zwecke wichtigsten
Metall hieraus sind Si, Ti, Zr, Mn, Fe, Co, Ni, Zn und Cu.
[0023] Die elektrochemische Abscheidung kann potentiostatisch oder galvanostatisch erfolgen.
Dabei ist die galvanostatische Abscheidung technisch einfacher durchzuführen und daher
bevorzugt. Die Schichtbildung erfolgt vorzugsweise dadurch, daß die anorganische Verbindung
auf der elektrisch leitenden Oberfläche bei einem Potential gegenüber einer Standard-Wasserstoff-Elektrode
zwischen ±0,1 und ±300 V oder einer Stromdichte im Bereich von ±0,1 bis ±10000 mA
pro cm
2 elektrisch leitende Oberfläche abgeschieden wird. Vorzugsweise arbeitet man bei Potentialen
zwischen ±0,1 und ±100 V oder bei einer Stromdichte im Bereich von ±0,5 bis ±100 mA
pro cm
2. Die Vorzeichen vor Spannung und Stromdichte drücken aus, daß die Abscheidung kathodisch
oder anodisch erfolgen kann. Eine kathodische Abscheidung, d. h. ein negatives Potential
gegenüber der Standard-Wasserstoff-Elektrode, ist bevorzugt.
[0024] Aus den einleitend zitierten Literaturstellen ist es bekannt, daß die Morphologie,
die chemische Zusammensetzung und die Kristallstruktur der abgeschiedenen Schicht
von den Abscheidungsbedingungen abhängen und somit durch Wahl der Bedingungen beeinflußt
werden Konnen. Beispielsweise hangen die genannten Schichtparameter ab von der Konzentration
der Metallionen A und ggf. weiterer Bestandteile in der Lösung, der Strömungsgeschwindigkeit
der Lösung relativ zur elektrisch leitenden Oberfläche, dem eingestellten Potential
und/oder der eingestellten Stromdichte. Die Schichteigenschaften lassen sich also
durch Wahl dieser Parameter gezielt verändern. Dabei betreibt man die Abscheidung
unter solchen Bedingungen, daß sich die anorganische Verbindung in röntgenkristalliner
Form abscheidet. Dabei bedeutet röntgenkristallin, daß die anorganische Verbindung
bei einem Röntgenbeugungsexperiment scharfe Röntgenreflexe liefert. Die hierbei entstehende
stark strukturierte Oberfläche ist besonders günstig als Haftgrund für eine organische
Beschichtung.
[0025] Eine Durchmischung des Elektrolyten und/oder eine Relativbewegung des Elektrolyten
relativ zur metallisch leitenden Oberfläche kann die Schichtausbildung beschleunigen
und die Morphologie der Schicht beeinflussen. Beispielsweise kann dies dadurch erfolgen,
daß man den Elektrolyten rührt oder ihn im Elektrolysegefäß umpumpt. Weiterhin kann
der Elektrolyt durch Einblasen eines Gases, insbesondere Luft, durchmischt und bewegt
werden.
[0026] Vorstehend war von einer Abscheidung bei einem bestimmten Potential gegenüber einer
Standard-Wasserstoff-Elektrode die Rede. Eine solche Potentialangabe setzt die Verwendung
einer Bezugselektrode voraus, die sich möglichst nahe bei der elektrisch leitenden
Substratoberfläche befindet. Beim praktischen Betrieb ist es jedoch einfacher, galvanostatisch
zu arbeiten und die gewünschte Stromdichte durch Variation der Klemmenspannung von
elektrisch leitender Oberfläche als Arbeitselektrode und einer beliebigen Gegenelektrode
einzustellen. Beispielsweise sind Gegenelektroden geeignet, die unter den gewählten
Elektrolysebedingungen hinreichend lange stabil sind. Beispiele sind Edelstahl, Gold,
Silber, Platin, Graphit oder glasartiger Kohlenstoff
[0027] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung einer mindestens zweilagigen
Beschichtung kann in einer Ausführungsform im Teilschritt b) ein kathodisch oder anodisch
abscheidbarer Elektrotauchlack aufgebracht werden. Dies setzt allerdings voraus, daß
die elektrische Leitfähigkeit der Schicht groß genug ist, einen Elektrotauchlack abzuscheiden.
Bei einer Schicht aus Kupfer(I)-Oxid mit einer flächenbezogenen Masse unterhalb von
10 g/m
2 ist dies beispielsweise der Fall.
[0028] In dieser Ausführungsform wird zwischen dem Abscheiden der Schicht der anorganischen
Verbindung und dem Aufbringen des Elektrotauchlacks vorzugsweise mit Wasser gespült.
Dies kann durch Eintauchen oder Absprühen erfolgen. Dabei kann es vorteilhaft sein,
zumindest im letzten Spülschritt mit salzarmem oder vollentsalztem Wasser zu spülen.
Eine chemische Nachpassivierung der anorganischen Schicht vor der elektrischen Tauchlackierung,
wie sie beispielsweise bei einer Phosphatierung in der Regel erfolgt, ist in dem erfindungsgemäßen
Verfahren nicht notwendig.
[0029] Weiterhin kann im Teilschritt b) ein Pulverlack aufgebracht werden. Hierfür muß die
anorganische Schicht auf der elektrisch leitenden Oberfläche nicht mehr in dem Maße
elektrisch leitend sein, wie dies für eine nachfolgende Elektrotauchlackierung erforderlich
ist. Ein Pulverlack wird bevorzugt auf ausgeformte Gegenstände aufgebracht, die keiner
starken korrosiven Belastung ausgesetzt sind. Beispiele hierfür sind Gegenstände wie
Haushaltsgeräte oder elektronische Geräte, die in geschlossenen Räumen aufbewahrt
werden.
[0030] Die Vorteile des erfindungsgemäßen Verfahrens liegen insbesondere darin, daß Dicke,
Zusammensetzung sowie innere und äußere Struktur der anorganischen Schicht durch die
Wahl der Abscheidungsparameter leichter steuerbar sind als bei rein chemischer Verfahrensführung.
Für das Aufbringen der Schicht werden weniger Verfahrensstufen benötigt als bei einer
Phosphatierung und es fallen generell weniger Schlämme an als bei einer rein chemischen
Schichtbildung. Im Vergleich zu Abscheidungsverfahren aus der Gasphase ist die elektrochemische
Abscheidung schneller und mit einem geringeren apparativen Aufwand und Energieverbrauch
verbunden. Weiterhin ist es nicht erforderlich, wie der Gasphasen-Abscheidung flüchtige
Ausgangsverbindungen bereit zu stellen.
[0031] Ein weiterer Vorteil einer elektrochemischen Schichtbildung liegt darin, daß das
Schichtwachstum über den elektrischen Widerstand an der metallisch leitenden Oberfläche
steuerbar ist. Sofern die aufwachsende Schicht einen höheren elektrischen Widerstand
hat als die elektrisch leitende Oberfläche - was in der Regel der Fall ist - so verlangsamt
sich das Schichtwachstum, wenn der elektrische Widerstand aufgrund der Schichtbildung
zu hoch wird. Solange es noch unbelegte Stellen der metallisch leitenden Oberfläche
gibt oder die Schicht noch so dünn ist, daß bei der eingestellten Spannung noch ein
Strom fließt, erfolgt das Schichtwachstum an diesen Stellen. Ist die metallisch leitende
Oberfläche nahezu vollständig mit einer Schicht einer derartigen Dicke bedeckt, daß
der elektrische Widerstand deutlich ansteigt, kann der Prozeß der Schichtausbildung
beendet werden. Bei galvanostatisch kontrolliertem Schichtwachstum zeigt sich die
nahezu vollständige Schichtausbildung dadurch, daß die Klemmenspannung stark ansteigt.
Der Prozeß kann dann automatisch bei einem vorgewählten Wert der Klemmenspannung abgebrochen
werden.
Ausführungsbeispiel
Kathodische Abscheidung von Kupfer(I)-Oxid auf Stahl aus wäßriger Lösung
[0032] Auf kaltgewalztem Stahl wurde ein Pilotprozeß zum Korrosionsschutz mittels kathodischer
Abscheidung von Cu
2O ohne Aktivierungsschritt (Verkürzung der Prozeßkette) durchgführt. Folgende Prozeßparameter
wurden eingestellt :
Reinigung : schwach alkalisch (RidolineR 1559, 2.5 %, 75°C, 5-10 min.)
Spülung : Leitungswasser, entionisiertes Wasser
Aktivierung : KEINE
Konversion :
Elekrolyt: 0.4 M CuSO4 + 3 M Milchsäure, pH 10, 60°C, mit 400 Umdrehungen pro Minute Rühren
[0033] Abscheidung sowohl potentiostatisch (0.2 V vs. Standard-Wasserstoff-Elektrode) als
auch galvanostatisch (-0.8 bis -2.6 mAcm
-2)
Behandlungszeit : 10-300 Sekunden
Nachspülung : entionisiertes Wasser
Trocknung : Druckluft
Charakterisierung : Rasterelektronenmikroskopie, Röntgen-Photoelektronenspektroskopie, Korrosionstest
(Wechselklimatest)
Lackierung : kathodischer Tauchlack ED 5000
[0034] Die gebildeten Schichten sind ab einer Behandlungszeit von ca. 50 s geschlossen und
bestehen aus feinen (< 1µm) Kristallen von Cu
2O :
[0035] Die Schichteigenschaften sind aufgrund der elektrochemischen Natur des Prozesses
auch ohne Eingriffe in die Elektrolytzusammensetzung sehr einfach zu kontrollieren.
So ist z.B. die Schichtdicke bei konstantem Gesamtstrom präzise durch die geflossene
Gesamtladung kontrollierbar, z.B für i= -800
mA :
| Prozeßzeit (Sekunden) |
Schichtgewicht (gm-2) |
| 10 |
0.4 |
| 30 |
0.7 |
| 60 |
1.1 |
| 120 |
2..4 |
| 300 |
5.6 |
[0036] In Korrosionstests (10 Zyklen VDA-Wechselklimatest, kathodische Tauchlackierung)
zeigt sich eine deutliche Verbesserung des Korrosionsschutzes durch die Beschichtung
in Abhängigkeit von der applizierten Schichtdicke :
| Prozeßzeit (Sekunden) |
Wechselklimatest: Unterwanderung U/2 (mm)*) |
| 10 |
4.8 |
| 30 |
4.5 |
| 60 |
3.9 |
| 120 |
3.6 |
| 300 |
2.6 |
1. Verfahren zur Herstellung einer mindestens zweilagigen Beschichtung auf einer elektrisch
leitenden Oberfläche, dadurch gekennzeichnet, daß in einem Schritt a) auf der elektrisch leitenden Oberfläche eine chromfreie Schicht
aus mindestens einer röntgenkristallinen anorganischen Verbindung mindestens eines Metalls A mit einer flächenbezogenenen
Masse von 1,1 bis 10 g/m2 aus einer Lösung, die das Metall A in gelöster Form enthält, elektrochemisch abgeschieden
wird, wobei das Metall A ein anderes Metall darstellt als die Hauptkomponente der
elektrisch leitenden Oberfläche und ausgewählt ist aus Mg, Ca, Sr, Ba, Si, Sn, Pb,
Sb, Bi, Ti, Zr, Nb, Ta, Mn, Fe, Co, Ni, Zn, Cu und wobei die anorganische Verbindung
weniger als 20 Gew.-% Phosphationen enthält, und
in einem nachfolgenden Schritt b) auf die im Schritt a) abgeschiedene Schicht mindestens
eine Schicht eines kathodisch oder anodisch abscheidbaren Elektrotauchlacks oder eines Pulverlacks aufgebracht wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die im Schritt a) abgeschiedene Verbindung ein Oxid darstellt.
3. Verfahren nach einem oder beiden der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß die anorganische Verbindung auf der elektrisch leitenden Oberfläche bei einem Potential
gegenüber einer Standard-Wasserstoff-Elektrode zwischen ±0,1 und ±300 V oder einer
Stromdichte im Bereich von ±0,1 bis ±10000 mA pro cm2 elektrisch leitenden Oberfläche abgeschieden wird.
1. Process for producing a coating comprising at least two layers on an electrically
conductive surface, characterised in that, in a stage a), a chromium-free layer of at least one X-ray crystalline inorganic
compound of at least one metal A having a weight per unit area of 1.1 to 10 g/m2 is electrochemically deposited on the electrically conductive surface from a solution
containing the metal A in dissolved form, wherein the metal A is a different metal
from the main component of the electrically conductive surface and is selected from
Mg, Ca, Sr, Ba, Si, Sn, Pb, Sb, Bi, Ti, Zr, Nb, Ta, Mn, Fe, Co, Ni, Zn, Cu and wherein
the inorganic compound contains less than 20% by weight phosphate ions and, in a subsequent
stage b), at least one layer of a cathodically or anodically depositable electrocoating
lacquer or a powder coating is applied to the layer deposited in stage a).
2. Process according to claim 1, characterised in that the compound deposited in stage a) is an oxide.
3. Process according to one or both of claims 1 and 2, characterised in that the inorganic compound is deposited on the electrically conductive surface at a potential
relative to a standard hydrogen electrode of between ± 0.1 and ± 300 V or a current
density of from ± 0.1 to ± 10,000 mA per cm2 of electrically conductive surface.
1. Procédé de préparation d'un revêtement à au moins deux couches, sur une surface conductrice
de l'électricité, caractérisé en ce que,
dans une étape a) une couche exempte de chrome, constituée d'au moins d'un composé
inorganique cristallin d'après une diffractométrie aux rayons X d'au moins un métal A ayant une masse surfacique de 1,1 à 10 g/m2, est déposée électrochimiquement sur la surface conductrice de l'électricité en partant
d'une solution qui contient le métal A sous la forme dissoute, le métal A représentant
un métal autre que le composant principal de la surface conductrice de l'électricité,
et étant choisi parmi Mg, Ca, Sr, Ba, Si, Sn, Pb, Sb, Bi, Ti, Zr, Nb, Ta, Mn, Fe,
Co, Ni, Zn, Cu, et le composé inorganique contenant moins de 20% en poids d'ions phosphate,
et
dans une étape suivante b), au moins une couche d'une peinture électrophorétique
par immersion pouvant être déposée de façon cathodique ou anodique, ou une peinture
en poudre est appliquée sur la couche déposée dans l'étape a).
2. Procédé selon la revendication 1, caractérisé en ce que le composé déposé dans l'étape a) représente un oxyde.
3. Procédé selon l'une des revendications 1 et 2 ou les deux, caractérisé en ce que le composé inorganique est déposé sur la surface conductrice de l'électricité, à
un potentiel par rapport à une électrode d'hydrogène de référence, compris entre ±
0,1 et ± 300 V ou à une densité de courant dans la plage de ± 0,1 à ± 10 000 mA par
cm2 de surface conductrice de l'électricité.