(19)
(11) EP 1 298 083 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
02.04.2003  Patentblatt  2003/14

(21) Anmeldenummer: 02020343.6

(22) Anmeldetag:  12.09.2002
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7B66B 5/18
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(30) Priorität: 28.09.2001 EP 01810946

(71) Anmelder: INVENTIO AG
CH-6052 Hergiswil (CH)

(72) Erfinder:
  • Maury, Julien, Dipl.-Ing., ETH.
    6003 Luzern (CH)
  • Hugel, Stefan, Dipl.-Ing., BA
    6043 Adligenswil (CH)

   


(54) Einrichtung zum Sperren einer Fangvorrichtung für eine Aufzugseinrichtung


(57) Bei dieser Aufzugseinrichtung ist eine Aufzugskabine (2) auf dem Weg nach unten, wobei ein Halt auf dem untersten Stockwerk vorgesehen ist. Falls die Aufzugskabine (2) auf dem untersten Stockwerk nicht planmässig anhält, wird die Aufzugskabine (2) auf ihrer Weiterfahrt nach unten von Puffern (26) aufgefangen. Dabei kann eine Fangvorrichtung (16) bedingt durch die Trägheitskraft eines Geschwindigkeitsbegrenzers (13) und eines Begrenzerseils (19) ausgelöst werden. Damit die unerwünschte Auslösung der Fangvorrichtung (16) bei Pufferfahrt vermieden werden kann, ist im Aufzugsschacht (1) ein Sperrelement (27) vorgesehen, das die Bewegung eines Sperrhebels (25) blockiert sobald die Aufzugskabine (2) das unterste Stockwerk nach unten verlassen hat. Der blockierte Sperrhebel (25) blockiert den einen Doppelhebel (14) und über ein Gestänge (18) den anderen Doppelhebel (14). Die Auslösung der Fangvorrichtung (16) wird somit unterbunden.




Beschreibung


[0001] Die Erfindung betrifft eine Aufzugseinrichtung mit einer in einem Aufzugsschacht verfahrbaren Aufzugskabine und mit einem im Aufzugsschacht verfahrbaren Gegengewicht, wobei die Geschwindigkeit der Aufzugskabine bzw. des Gegengewichtes mittels einer Geschwindigkeitsbegrenzereinrichtung überwacht wird und die Geschwindigkeitsbegrenzereinrichtung bei Übergeschwindigkeit der Aufzugskabine oder des Gegengewichtes die Aufzugskabine bzw. das Gegengewicht mittels einer Fangvorrichtung stillsetzt.

[0002] Bei Aufzugseinrichtungen mit in einem Schacht verfahrbarer Aufzugskabine und Gegengewicht wird die Geschwindigkeit der Aufzugskabine bzw. des Gegengewichts überwacht. Bei Übergeschwindigkeit wird die Aufzugskabine bzw. das Gegengewicht mittels einer Fangvorrichtung stillgesetzt. Falls beispielsweise die Aufzugskabine das unterste Stockwerk in Abwärtsrichtung mit weniger als Übergeschwindigkeit überfährt, wird die Aufzugskabine auf ihrer Weiterfahrt von Puffern aufgefangen. Dabei kann die Fangvorrichtung bedingt durch die Trägheitskraft des Geschwindigkeitsbegrenzers und des Begrenzerseils ausgelöst werden, wobei die Fangelemente der Fangvorrichtung mit den Führungsschienen verkeilen.

[0003] Ein Nachteil der bekannten Einrichtung liegt darin, dass die Aufzugskabine aus dem Fang gelöst werden muss. Die Fangvorrichtung muss zurückgesetzt werden und die Führungsschienen an der Fangstelle überprüft und die Oberfläche bearbeitet werden. Die Evakuation der Aufzugspassagiere kann nur durch Fachpersonal durchgeführt werden.

[0004] Hier will die Erfindung Abhilfe schaffen. Die Erfindung, wie sie in Anspruch 1 gekennzeichnet ist, löst die Aufgabe, die Nachteile der bekannten Einrichtung zu vermeiden und eine Einrichtung zu schaffen, mittels der Fehlauslösungen der Fangvorrichtung vermieden werden.

[0005] Die durch die Erfindung erreichten Vorteile sind im wesentlichen darin zu sehen, dass bei einer Pufferfahrt die Fangvorrichtung nicht ausgelöst wird. Die Aufzugspassagiere werden dadurch keinen extremen Verzögerungen der Aufzugskabine ausgesetzt. Zudem ist zur Durchführung der Evakuation der Aufzugspassagiere kein Fachpersonal notwendig. Die Aufzugskabine kann nach der Pufferfahrt manuell auf das benachbarte Stockwerk gefahren werden, damit die Aufzugspassagiere die Aufzugskabine verlassen können. Ausserdem wird die Mechanik der Fangvorrichtung und des Geschwindigkeitsbegrenzers und die Führungsschienen geschont. Bei Puffertests wird die Fangvorrichtung nicht ausgelöst, der erhebliche Aufwand zum Lösen des Fangs bleibt erspart. Bei Abnahmetests wird die Fangvorrichtung üblicherweise blockiert, damit bei aussergewöhnlichen Testfahrten keine Fangfälle in den Schachtendbereichen auftreten können. Mit der erfindungsgemässen Einrichtung ist die Sicherheit auch bei Abnahmetests über die gesamte Schachthöhe gewährleistet.

[0006] Anhand der beiliegenden Figuren wird die vorliegende Erfindung näher erläutert.

[0007] Es zeigen:

Fig. 1
eine Aufzugseinrichtung mit einer Fangvorrichtung zum Stillsetzen einer Aufzugskabine und

Fig. 2
Einzelheiten einer Sperreinrichtung zum Sperren der Fangvorrichtung.



[0008] Fig. 1 zeigt eine Aufzugseinrichtung mit einer in einem Aufzugsschacht 1 verfahrbaren Aufzugskabine 2, die über ein Seil 3 mit einem Gegengewicht 4 verbunden ist. Das Seil 3 wird im Betriebsfall mittels einer Treibscheibe 5 einer Antriebseinheit 6 angetrieben. Aufzugskabine 2 und Gegengewicht 4 werden mittels sich über die Schachthöhe erstreckender Führungsschienen 7 geführt. Die Aufzugseinrichtung weist ein oberstes Stockwerk mit einer obersten Stockwerktür 8, ein zweitoberstes Stockwerk mit einer zweitobersten Stockwerktür 9, weitere Stockwerke mit weiteren Stockwerktüren 10 und ein unterstes Stockwerk mit einer untersten Stockwerktür 11 auf. In einem Schachtkopf 12 ist die Antriebseinheit 6 und ein Geschwindigkeitsbegrenzer 13 angeordnet, der die Geschwindigkeit der Aufzugskabine 2 überwacht und bei Übergeschwindigkeit die Aufzugskabine 2 stillsetzt. Je Seite der Aufzugskabine 2 ist ein Doppelhebel 14 vorgesehen, der an einem Drehpunkt 15 der Aufzugskabine 2 angelenkt ist. Eine zur Stillsetzung der Aufzugskabine 2 vorgesehene Fangvorrichtung 16 ist mittels eines Gestänges 17 mit der einen Seite 14.1 des Doppelhebels 14 verbunden, welche Seite 14.1 auch mit einem Begrenzerseil 19 des Geschwindigkeitsbegrenzers 13 verbunden ist. Die andere Seite 14.2 des einen Doppelhebels 14 ist mittels eines Gestänges 18 mit dem anderen Doppelhebel verbunden. Wird die eine Seite 14.1 des Doppelhebels 14 nach oben bewegt, so wird die Fangvorrichtung 16 eingerückt, wobei sich mit der Führungsschiene 7 verkeilende Fangelemente die Aufzugskabine 2 im Notfall stillsetzen. Im Betriebsfall treibt die Aufzugskabine 2 das Begrenzerseil 19 mittels der einen Seite 14.1 des Doppelhebels 14 an. Bei Übergeschwindigkeit der Aufzugskabine 2 blockiert der Geschwindigkeitsbegrenzer 13 das Begrenzerseil 19. Dadurch wird die eine Seite 14.1 des Doppelhebels 14 nach oben ausgelenkt und die Fangvorrichtung 16 beidseitig der Aufzugskabine 2 eingerückt.

[0009] Das endlose Begrenzerseil 19 wird mittels einer in einer Schachtgrube 20 angeordneten Umlenkrolle 21 gespannt, wobei eine Rollenachse 22 einenends an einem Drehpunkt 23 angelenkt ist und anderenends ein Spanngewicht 24 trägt.

[0010] Ein Sperrhebel 25 ist am Drehpunkt 15 mit dem einen Doppelhebel 14 verbunden. Im Auslösefall wird wie oben erwähnt, die eine Seite 14.1 des einen Doppelhebels 14 nach oben ausgelenkt. Gleichzeitig wird auch der Sperrhebel 25 im Gegenuhrzeigersinn ausgelenkt.

[0011] Fig. 1 zeigt die auf dem obersten Stockwerk losgefahrene Aufzugskabine 2 auf dem Weg nach unten, wobei ein Halt auf dem zweituntersten Stockwerk und anschliessend auf dem untersten Stockwerk vorgesehen ist. Falls beispielsweise die Fahrt vom zweituntersten Stockwerk auf das unterste Stockwerk mit weniger als Übergeschwindigkeit verläuft und die Aufzugskabine 2 auf dem untersten Stockwerk nicht anhält, wird die Aufzugskabine 2 auf ihrer Weiterfahrt nach unten von Puffern 26 aufgefangen. Dabei kann die Fangvorrichtung 16 bedingt durch die Trägheitskraft des Geschwindigkeitsbegrenzers 13 und des Begrenzerseils 19 ausgelöst werden, wobei die Fangelemente der Fangvorrichtung 16 mit den Führungsschienen 7 verkeilen. Damit die unerwünschte Auslösung der Fangvorrichtung 16 bei Pufferfahrt der Aufzugskabine 2 oder des Gegengewichtes 4 vermieden werden kann, ist im Aufzugsschacht 1 oben und unten ein Sperrelement 27 vorgesehen, das die Bewegung des Sperrhebels 25 blockiert, sobald die Aufzugskabine 2 oder das Gegengewicht 4 das unterste Stockwerk nach unten überfährt. Beim Auftreffen des Gegengewichtes 4 auf dem nicht dargestellten Puffer fällt die Aufzugskabine 2 ins Seil 3. Das obere Sperrelement 27 verhindert eine Auslösung der Fangvorrichtung 16 am oberen Schachtende. Der blockierte Sperrhebel 25 blockiert den einen Doppelhebel 14 und über das Gestänge 18 den anderen Doppelhebel 14. Die Auslösung der Fangvorrichtung 16 wird somit unterbunden.

[0012] Falls das Gegengewicht 4 mittels einer Fangvorrichtung überwacht wird, ist ein Sperrhebel und ein Sperrelement mit der oben dargestellten Wirkung vorgesehen.

[0013] Mindestens ein Sperrelement 27 ist auch am oberen Schachtende vorgesehen, falls das obere Schachtende auch Puffer aufweist.

[0014] Fig. 1 zeigt eine maschinenraumlose Aufzugseinrichtung. Die erfindungsgemässe Einrichtung zur Evakuation von Aufzugspassagieren kann auch auf eine Aufzugseinrichtung mit Maschinenraum angewendet werden.

[0015] Fig. 2 zeigt Einzelheiten der aus Sperrhebel 25 und Sperrelement 27 gebildeten Sperreinrichtung zum Sperren der Fangvorrichtung 16 bei Pufferfahrt. Der mit ausgezogener Linie dargestellte Sperrhebel 25 ist in der Lage gezeigt, bei der die Aufzugskabine auf dem untersten Stockwerk steht. Der mit strichpunktierter Linie dargestellte Sperrhebel 25 ist in der Lage gezeigt, bei der die Fangvorrichtung 16 eingerückt ist. Die Bewegung des Sperrhebels 25 wird durch das Sperrelement 27 nicht blockiert. Der mit unterbrochener Linie dargestellte Sperrhebel 25 ist in der Lage gezeigt, bei der die Aufzugskabine 2 das unterste Stockwerk nach unten überfahren hat. Die Bewegung des Sperrhebels 25 wird mittels des Sperrelementes 27 blockiert. Die Bewegung des mit dem Sperrhebel 25 am Drehpunkt 15 verbundenen Doppelhebels 14 wird damit auch blockiert. Die Auslösung der Fangvorrichtung 16 wird somit unterbunden.


Ansprüche

1. Aufzugseinrichtung mit einer in einem Aufzugsschacht verfahrbaren Aufzugskabine und mit einem im Aufzugsschacht verfahrbaren Gegengewicht, wobei die Geschwindigkeit der Aufzugskabine bzw. des Gegengewichtes mittels einer Geschwindigkeitsbegrenzereinrichtung überwacht wird und die Geschwindigkeitsbegrenzereinrichtung bei Übergeschwindigkeit der Aufzugskabine oder des Gegengewichtes die Aufzugskabine bzw. das Gegengewicht mittels einer Fangvorrichtung stillsetzt,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Sperreinrichtung (25,27) vorgesehen ist, die bei einer Pufferfahrt der Aufzugskabine (2) oder des Gegengewichtes (4) die Fangvorrichtung (16) sperrt.
 
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass mindestens ein im Aufzugsschacht (1) angeordnetes Sperrelement (27) vorgesehen ist, das die Bewegung eines mit einem Auslösehebelwerk (14,15,17,18) der Fangvorrichtung (16) in Verbindung stehenden Sperrhebels (25) blockiert.
 
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Sperrelement (27) eine kurvenförmige Bahn aufweist, die einenends die Bewegung des Sperrhebels (25) ermöglicht und anderenends die Bewegung des Sperrhebels (25) blockiert.
 




Zeichnung










Recherchenbericht