[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen breitbandigen Richtkoppler in Microstrip-Technik.
[0002] Derartige Richtkoppler kommen in Hoch- und Höchstfrequenzanwendungen zum Einsatz,
um von einem auf einer ersten Leitung geführten Signal einen definierten, im allgemeinen
kleinen Anteil auf eine zweite Leitung überzukoppeln und so insbesondere zu Steuer-
oder Überwachungszwecken abzugreifen.
[0003] Ein solcher Richtkoppler umfaßt im allgemeinen ein Substrat, auf dem die zwei Leitungen
galvanisch getrennt durch eine Kopplungszone geführt sind, in der sie sich kapazitiv
und magnetisch gegenseitig beeinflussen.
[0004] Auf der ersten Leitung können Signale im allgemeinen den Koppler in entgegengesetzten
Richtungen durchlaufen.
[0005] Es ist für viele Anwendungen wichtig, selektiv nur diejenigen Signale abgreifen zu
können, die sich in einer der zwei entgegengesetzten Richtungen der ersten Leitung
ausbreiten, oder sich in entgegengesetzten Richtungen ausbreitende Signale voneinander
unterscheiden zu können, so z.B., um mit Hilfe eines zwischen einer Senderendstufe
und einer Antenne angeordneten Richtkopplers das Ausgangssignal der Endstufe von einem
eventuell von der Antenne reflektierten Signal unterscheiden zu können. Hierfür ist
es notwendig, daß der Richtkoppler ein hohes Maß an Gerichtetheit aufweist, d.h. wenn
ein Eingangssignal auf der ersten Leitung den Richtkoppler in einer Richtung durchläuft,
so soll das dadurch auf der zweiten Leitung hervorgerufene Signal sich in dieser mit
ganz überwiegender Intensität auch nur in eine Richtung ausbreiten.
[0006] Die Gerichtetheit wird erzielt durch die kombinierte Ausnutzung von kapazitiver und
magnetischer Kopplung. Wenn ein Punkt der zweiten Leitung von einem auf der ersten
Leitung geführten Signal kapazitiv beeinflußt wird, so gehen von ihm Signale mit gleicher
Phase in beide Richtungen der zweiten Leitung aus. Bei magnetischer Kopplung eines
Punktes unterscheiden sich die von ihm in verschiedenen Richtungen ausgehenden Signale
um 180° in der Phase. Diese Eigenschaft wird bei Richtkopplern genutzt, indem kapazitive
und magnetische Kopplung so miteinander kombiniert werden, daß beide gleich starke
Beiträge zum in der zweiten Leitung erzeugten Signal liefern, wobei sich aber die
Beiträge für ein in eine erste Richtung der zweiten Leitung propagierendes Signal
konstruktiv überlagern und für ein in entgegengesetzter Richtung propagierendes Signal
destruktiv überlagern.
[0007] Eine solche Wirkung ist durch einfache Parallelführung der ersten und zweiten Leitungen
in der Kopplungszone nicht zu erzielen, da in einem solchen Fall die Kopplung ganz
überwiegend magnetischer Natur ist.
[0008] Es ist daher notwendig, eine Geometrie für die verschiedenen Leitungen des Richtkopplers
zu finden, die die kapazitive Kopplung im Vergleich zur magnetischen begünstigt. Eine
bekannte Lösung dieses Problems ist in Fig. 1 gezeigt. Die zwei Leitungen umfassen
zwischen Ein-/Ausgangsanschlüssen 1, 2, 3, 4 des Richtkopplers zwei Kopplungsleitungen
5, 6, die sich in einem vorgegebenen Abstand parallel zueinander erstrecken und einander
in einem von ihrem Abstand abhängigen Ausmaß überwiegend magnetisch beeinflussen.
Jeweils an den Enden der parallelen Kopplungsleitungen 5, 6 befinden sich Bereiche
starker kapazitiver Kopplung in Form von zur jeweils anderen Kopplungsleitung hin
vorspringenden Leiterabschnitten 7, die lokal eine überwiegend kapazitive Kopplung
liefern.
[0009] Eine ähnliche Konstruktion ist aus US-5 767 763 A1 bekannt. Hier bestehen die Kopplungsleitungen
jeweils aus zwei zueinander senkrecht orientierten Abschnitten, deren Enden einander
zugewandt sind und die Bereiche starker kapazitiver Kopplung bilden.
[0010] Mit einem nach dem bekannten Schema der Fig. 1 aufgebauten Koppler ist eine gute
Gerichtetheit für Frequenzen erreichbar, deren Wellenlänge in den Leitungen der vierfachen
Länge der Kopplungsleitungen 5 bzw. 6 entspricht. Wird von dieser Frequenz abgewichen,
so verändert sich die relative Phasenlage der kapazitiven Beiträge der vorspringenden
Leiterabschnitte 7, eine befriedigende Gerichtetheit ist daher bedingt durch das Konstruktionsprinzip
nur innerhalb eines schmalen Bandes um diese eine Frequenz herum erreichbar.
[0011] Um einen breitbandigeren Richtkoppler zu bauen, wäre es an sich wünschenswert, die
Länge der Kopplungszone zu reduzieren. Dies stößt jedoch bei dem herkömmlichen Bauprinzip
auf Schwierigkeiten, denn die Realisierung einer Kopplungskapazität zwischen den ersten
und zweiten Leitungen impliziert stets auch das Auftreten einer parasitären Kapazität
zwischen den Leitungen und einer Masseebene, die auf einer den Leitungen gegenüberliegenden
Seite des Substrats aufgebracht ist. Das Vorhandensein der parasitären Kapazität bewirkt
Störungen im Verhalten der Kopplungszone. Herkömmlicherweise werden diese Störungen
dadurch kompensiert, dass die Kopplungskapazitäten jeweils paarweise in einem Abstand
von λ/4 angeordnet werden, wobei λ die Wellenlänge ist, die der Mittenfrequenz des
Frequenzbandes entspricht, in dem der Koppler wirksam ist. Dieser Abstand λ/4 legt
daher eine Mindestgröße fest, die die Kopplungszone haben muss. Wollte man die Kopplungszone
unter dieses Maß verkleinern, so müsste man die durch das Vorhandensein der Kopplungskapazität
bedingten Störungen mit Hilfe von induktiven oder kapazitiven Hilfsstrukturen ausgleichen,
die außerhalb der Kopplungszone angeordnet sind. Da diese aber wiederum einen wellenlängenabhängigen
Abstand von der Kopplungszone haben müssen, resultiert, daß der Ausgleich nur für
ein begrenztes Frequenzband wirksam ist. Daher läßt sich die Bandbreite, in der ein
Richtkoppler eine befriedigende Gerichtetheit aufweist, mit dem herkömmlichen Konstruktionsprinzip
nur in engen Grenzen verbessern, und auch eine Verkleinerung des Richtkopplers ist
kaum möglich.
[0012] Ein weiterer Nachteil des bekannten Konstruktionsprinzip ist, dass die Kopplungsleitungen
5, 6 jeweils ein bei der Arbeitsfrequenz des Richtkopplers resonanzfähiges System
bilden. Die resonante Überhöhung der Ströme auf den Kopplungsleitungen führt zu einer
im Vergleich zu nicht resonanten Leistungsabschnitten verstärkten Abstrahlung und
damit einerseits zu Verlusten und andererseits zu einer starken Beeinflussung der
Ströme im Richtkoppler durch an der Metallisierung der gegenüberliegenden Substratseite
reflektierte und phasenverzögert die Kopplungszone erreichende Felder. Da es bislang
an Techniken zum Verhindern oder Reduzieren der Abstrahlung fehlt, versucht man, deren
Störeinfluss durch Verwendung möglichst dünner Substrate zu minimieren, die nur einen
relativ geringen Phasenversatz zwischen den Strömen in der Kopplungszone und den in
diese zurückreflektierten Feldern herbeiführen. Die mechanische Empfindlichkeit dieser
dünnen Substrate beeinträchtigt die Haltbarkeit der auf ihnen gefertigten Koppler
und die Ausbeute bei ihrer Fertigung.
[0013] Eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist, einen Richtkoppler mit einem neuartigen
Konstruktionsprinzip anzugeben, der bei geringem Verbrauch an Substratfläche eine
sehr große Bandbreite aufweist.
[0014] Eine weitere Aufgabe der Erfindung ist, einen Richtkoppler mit reduzierter Abstrahlung
zu schaffen.
[0015] Diese Aufgaben werden gelöst durch einen Richtkoppler mit den Merkmalen des Anspruches
1 bzw. 2.
[0016] Beim Richtkoppler gemäß Anspruch 1 hat die in der Kopplungszone zwischen den Leitungen
angeordnete, unverbundene Leiterfläche vereinfacht gesagt die Funktion einer Reihenschaltung
von zwei Kondensatoren, wobei ein erster Kondensator durch die erste Leitung und einen
dieser zugewandten Rand der unverbundenen Leiterfläche und der zweite durch die zweite
Leitung und einen dieser zugewandten Rand der Leiterfläche gebildet ist. Diese Konstruktion
erlaubt es, durch Variieren der Gestalt der Leiterfläche die Kopplungskapazität zwischen
erster und zweiter Leitung in weitem Umfang zu variieren, ohne daß hiermit Änderungen
der parasitären Kapazitäten in entsprechendem Umfang verbunden sind. Das heißt, wenn
die Geometrie der ersten und zweiten Leitung und damit ihre magnetische Kopplung festgelegt
worden ist, ist es möglich, durch geeignete Auswahl der Gestalt der unverbundenen
Leiterfläche die effektive Kopplungskapazität zwischen der ersten und zweiten Leitung
in weitem Umfang zu variieren, ohne daß deren Gestalt oder Anordnung hierfür verändert
werden muß. Dies vereinfacht erheblich die Optimierung der Leitergeometrie des Richtkopplers.
[0017] Vorzugsweise verlaufen die zwei Leitungen des Richtkopplers außerhalb der Kopplungszone
in zwei zueinander senkrechten Richtungen. Dadurch wird eine gegenseitige magnetische
Beeinflussung der Leitungen außerhalb der Kopplungszone weitestgehend ausgeschlossen.
[0018] Besonders bevorzugt ist, daß jede Leitung aus zwei geradlinigen Abschnitten besteht,
die in der Kopplungszone unter Bildung eines Winkels unmittelbar aufeinandertreffen,
wobei die so aufgespannten Winkel eine gemeinsame Winkelhalbierende haben. Parallele
Kopplungsleitungen zwischen Eingangs- und Ausgangsleitungen, wie in Fig. 1 gezeigt,
werden bei einem solchen erfindungsgemäßen Richtkoppler vermieden. So wird die Ausdehnung
der Kopplungszone und damit auch die Abhängigkeit des Verhaltens des Richtkopplers
von der Eingangsfrequenz minimiert.
[0019] Die Abschnitte der Leitungen des Richtkopplers sind jeweils vorzugsweise streifenförmig
mit einer zu den Rändern des Streifens senkrechten Endkante. Dies ermöglicht eine
Anordnung, bei der sich die zwei Abschnitte jeder Leitung jeweils mit einer Ekke ihrer
Endkante überschneiden. Durch geeignete Wahl der Breite dieses Überschneidungsbereiches
kann ein schwach induktives Verhalten der ersten bzw. zweiten Leitung erzielt werden.
Ein solches Verhalten ist wünschenswert, um den kapazitiven Einfluß der unverbundenen
Leiterfläche auf das Reflexionsverhalten der Leitungen auszugleichen.
[0020] Die unverbundene Leiterfläche hat vorzugsweise einen quadratischen Umriß, insbesondere
mit den Endkanten der streifenförmigen Leitungsabschnitte zugewandten Kanten.
[0021] Es ist an sich bekannt, einen Richtkoppler symmetrisch in Bezug auf eine erste Symmetrieachse
auszubilden, wobei eine Spiegelung an der ersten Symmetrieachse jede der zwei Leitungen
in sich überführt, um so ein symmetrisches, von der Ausbreitungsrichtung eines Signals
auf der ersten bzw. zweiten Leitung unabhängiges Verhalten des Richtkopplers zu erzielen.
Erfindungsgemäß ist bevorzugt, daß die Leiterfläche aus zwei jeweils den ersten bzw.
zweiten Leitungen zugewandten, durch ein sich entlang der ersten Symmetrieachse erstreckendes
stegförmiges Leiterstück verbundenen Abschnitten aufgebaut ist. Dieses stegförmige
Leiterstück gewährleistet, daß das Vorhandensein der unverbundenen Leiterfläche lediglich
die kapazitive Kopplung zwischen ersten und zweiten Leitungen, nicht aber die induktive
Kopplung beeinflußt. Es verläuft vorzugsweise entlang der Symmetrieachse.
[0022] Die der ersten bzw. zweiten Leitung zugewandten Abschnitte sind vorzugsweise L-förmig,
insbesondere mit jeweils einem einer Endkante eines geradlinigen Leitungsabschnitts
gegenüberliegenden Schenkel.
[0023] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
von Ausführungsbeispielen mit Bezug auf die beigefügten Figuren. Es zeigen:
- Fig. 1,
- bereits diskutiert, eine Draufsicht auf einen herkömmlichen Richtkoppler;
- Figs. 2 bis 4
- jeweils Draufsichten auf Richtkoppler nach einem ersten bis dritten Ausführungsbeispiel
der vorliegenden Erfindung;
- Fig. 5
- ein Smith-Diagramm der Reflexion einer einzelnen Leitung des Richtkopplers aus Fig.
4;
- Fig. 6
- Signalstärken an der zweiten Ausgangsleitung und der zweiten Eingangsleitung des Richtkopplers
aus Fig. 4 bei Anregung über die erste Eingangsleitung für verschiedene Frequenzen
des Anregungssignals; und
- Fig. 7
- ein Smith-Diagramm der erwünschten und der unerwünschten Kopplung des Richtkopplers
aus Fig. 4.
[0024] Fig. 2 veranschaulicht das Grundprinzip der vorliegenden Erfindung anhand einer Draufsicht
auf ein erstes Beispiel eines erfindungsgemäßen Richtkopplers. Der Richtkoppler ist
aufgebaut aus einem Substrat 10, z.B. aus Al
2O
3, das an seiner in der Fig. nicht gezeigten Unterseite eine Metallisierungsschicht
aufweist und an seiner Oberseite zwei in Microstrip-Technik erzeugte Leitungen 11,
12 und zwischen diesen eine mit beiden Leitungen 11, 12 unverbundene Leiterfläche
20 trägt. Zueinander parallele, beiderseits der unverbundenen Leiterfläche 20 verlaufende
Abschnitte der ersten und zweiten Leitung 11, 12 sind als erste bzw. zweite Kopplungsleitung
15 bzw. 16 bezeichnet; sie bilden zusammen mit der Leiterfläche 20 die Kopplungszone
des Richtkopplers.
[0025] Die Leitungen 11, 12 und die unverbundene Leiterfläche 20 sind in einem gleichen
Arbeitsgang, durch lokales Aufbringen von Metall oder lokales Abtragen einer durchgehenden
Metallisierung, gebildet und haben daher gleiche Zusammensetzung und Schichtdikke.
[0026] Geradlinige Leitungsabschnitte 13-1, 13-2, 13-3, 13-4 erstrecken sich jeweils von
Punkten 1, 2, 3, 4 der Leitungen 11, 12 zu einem Ende der Kopplungsleitung 15 bzw.
16.
[0027] Die Punkte 1 bis 4 werden im folgenden der Reihe nach als erster Eingangsanschluss,
erster Ausgangsanschluss, zweiter Ausgangsanschluss bzw. zweiter Eingangsanschluss
bezeichnet, wobei die Unterscheidung zwischen Ein- und Ausgangsanschlüssen rein terminologischer
Natur ist und keine technischen Unterschiede impliziert. Die Bezeichnungen sind auf
eine willkürlich gewählte Ausbreitungsrichtung eines Signals auf der ersten Leitung
bezogen: wenn dieses über den ersten Eingangsanschluss 1 in den Koppler eintritt und
über den ersten Ausgangsanschluss 2 austritt, so soll der ausgekoppelte Signalanteil
am zweiten Ausgangsanschluss 3 erscheinen; ein eventuell am zweiten Eingangsanschluss
4 erscheinender Signalanteil ist unerwünscht.
[0028] Die Anschlüsse 1 bis 4 können, wenn der Richtkoppler für sich allein auf dem Substrat
10 ausgebildet ist, tatsächliche Enden der Leitungen 11, 12 auf dem Substrat sein;
wenn er mit anderen Komponenten zusammen auf einem Substrat integriert ist, kann es
sich um beliebige Punkte einer Leiterbahn zwischen dem Richtkoppler und einer anderen
Komponente handeln.
[0029] Der Leitungsabschnitt 13-1 ist rechtwinklig zu den Abschnitten 13-2 und 13-3 sowie
parallel zum Abschnitt 13-4 orientiert, um eine magnetische Kopplung des Abschnitts
13-1 an 13-2 und 13-3 zu verhindern. Die Leitungen 11, 12 gehen durch Spiegelung an
einer ersten Symmetrielinie 18 in sich selbst über.
[0030] Die zweite Leitung 12 ist bezogen auf eine zweite Symmetrielinie 19, die rechtwinklig
zur ersten Symmetrielinie 18 verläuft, spiegelbildlich zur ersten Leitung 11 ausgebildet.
[0031] Zwischen einander zugewandten, parallelen Kanten der Kopplungsleitungen 15, 16 erstreckt
sich, mit diesen unverbunden, die Leiterfläche 20. Diese koppelt kapazitiv sowohl
an die erste als auch an die zweite Leitung, wobei die Stärke der kapazitiven Kopplung
wesentlich durch die Breite der Spalte 21 zwischen der Leiterfläche 20 und den Kopplungsleitungen
15, 16 bestimmt ist. Diese Konstruktion erlaubt es, bei gegebener Geometrie der ersten
und zweiten Kopplungsleitungen 15, 16 und damit bei gegebener magnetischer Kopplung
die kapazitive Kopplung zwischen den Leitungen durch Variieren der Breite der Spalte
21 in weitem Umfang zu verändern, ohne daß hiermit eine Veränderung der Gestalt und
Lage der ersten und zweiten Leitungen 11 bis 16 verbunden sein muß, und folglich ohne
eine wesentliche Änderung der auf diese Leitung wirkenden parasitären Kapazitäten.
[0032] Um zu verhindern, dass in der unverbundenen Leiterfläche 20 in deren Längsrichtung
bzw. entlang der zweiten Symmetrielinie 19 induzierte Ströme auch die magnetische
Kopplung zwischen Kopplungsleitungen 15, 16 fördern, kann es gemäß einer nicht in
einer Fig. dargestellten Weiterentwicklung sinnvoll sein, die Leiterfläche 20 in eine
Mehrzahl von untereinander unverbundenen, in der Längsrichtung aufeinanderfolgenden
Einzelflächen zu unterteilen.
[0033] Die kapazitive Kopplung ist bei der Konstruktion der Fig. 2 über die gesamte Länge
der zueinander parallelen Kopplungsleiter 15, 16 gleichmäßig verteilt und genauso
stark wie die magnetische Kopplung. Um mit einer solchen Anordnung eine effiziente
kapazitive Kopplung zu erzielen, in der sich nicht die Beiträge unterschiedlicher
Abschnitte der Kopplungsleitungen gegenseitig auslöschen, ist es wünschenswert, die
Länge der Kopplungsleitungen so weit wie möglich zu reduzieren. Die Länge der Kopplungsleitungen
15, 16 ist daher in jedem Falle deutlich kleiner als λ1/4, wenn λ1 die kürzere von
zwei Wellenlängen λ1, λ2 ist, die jeweils der oberen und unteren Grenzfrequenz eines
Frequenzbandes entsprechen, in dem der Koppler wirksam ist.
[0034] Einerseits die Kürze der Kopplungszone und andererseits die gleiche Stärke der magnetischen
und der kapazitiven Kopplung sorgen dafür, dass sich innerhalb des Frequenzbandes,
in dem der Koppler wirksam ist, keine Resonanzen in der Kopplungszone aufbauen können.
Es kommt daher zu keiner resonanten Stromüberhöhung in der Kopplungszone, und infolgedessen
ist die Abstrahlung gering. Das Verhalten des Richtkopplers wird daher nur wenig durch
abgestrahlte und an der Metallisierung auf der gegenüberliegenden Substratseite reflektierte
Felder beeinflusst. Deshalb kann eine größere Phasenverschiebung zwischen dem in die
Kopplungszone auf einer der Leitungen 11 oder 12 eingespeisten Signal und diesen reflektierten
Feldern in der Kopplungszone hingenommen werden, als bei dem eingangs beschriebenen
herkömmlichen Konstruktionsprinzip.
[0035] Dies erlaubt den Einsatz des erfindungsgemäßen Richtkopplers auf vergleichsweise
dicken, stabilen Substraten, die einfach und mit guter Ausbeute hergestellt werden
können, bzw. bei gegebener Substratdicke einen Betrieb der Richtkoppler bei vergleichsweise
hohen Frequenzen.
[0036] Eine weiterentwickelte Ausgestaltung, die die Vorteile der oben dargestellten Ausgestaltung
und weitere aufweist, ist in Fig. 3 gezeigt. Hier ist die Länge der Kopplungsleitungen
auf Null reduziert. Die geradlinigen Abschnitte 13-1 und 13-2 der ersten Leitung 11
und 13-3, 13-4 der zweiten Leitung 12 treffen jeweils unmittelbar unter rechtem Winkel
an der ersten Symmetrielinie 18 aufeinander. Die Leitungen 13-1 bis 13-4 haben jeweils
die Form von Streifen mit parallelen Längskanten und einer zu den Längskanten senkrechten
Endkante 14, und sie überschneiden einander jeweils im Bereich einer Ekke der Endkante,
wie am Beispiel der ersten Leitung 11 als gestricheltes Quadrat 22 dargestellt. Die
unverbundene Leiterfläche 20' hat hier die Gestalt eines Quadrates mit jeweils zu
den Endkanten 14 parallelen Kanten.
[0037] Da bei dieser Ausgestaltung die Länge der Kopplungszone minimiert ist, ist hier von
einer Aufteilung der Leiterfläche 20' in mehrere Teilflächen entlang der Symmetrielinie
19 keine zusätzliche Unterdrückung von magnetischer Kopplung über die Leiterfläche
20' zu erwarten; vielmehr ist anzunehmen, dass eine solche Unterteilung hier die magnetische
Kopplung fördert.
[0038] Eine weitere Verbesserung ist auf der Draufsicht der Fig. 4 gezeigt. Hier ist die
quadratische Leiterfläche 20' durch eine Leiterfläche 20" ersetzt, die zwar im wesentlichen
quadratischen Umriß hat, die sich aber aus drei Abschnitten 23", 24", 25" zusammensetzt.
Die Abschnitte 23", 24" sind jeweils im wesentlichen L-förmig, mit gleich langen Schenkeln,
die den Endkanten 14 der geradlinigen Leitungsabschnitte 13-1, 13-2, 13-3, 13-4 zugewandt
sind. Der Abschnitt 25" hat die Form eines langgestreckten Steges und verbindet die
Scheitelpunkte der L-förmigen Abschnitte 23", 24" entlang der ersten Symmetrielinie
18. Durch ein sich auf der ersten Leitung 11 ausbreitendes Signal im zugewandten L-förmigen
Abschnitt 23" induzierte Ladungen breiten sich so über den Steg 25" entlang der Symmetrielinie
18 zum zweiten L-förmigen Abschnitt 24" aus und koppeln so kapazitiv an die zweite
Leitung 12. Jegliche Stromflüsse auf der Leiterfläche 20" quer zur Symmetrielinie
18, die einer magnetischen Kopplung zwischen den ersten und zweiten Leitungen 11,
12 über die Leiterfläche 20" entsprechen könnten, sind durch deren Gestalt unterdrückt.
[0039] Um einen Richtkoppler mit der in Fig. 4 gezeigten Geometrie für ein vorgegebenes
Frequenzband zu konstruieren, können z.B. die folgenden Parameter optimiert werden:
- Substratmaterial und Dicke.
Diese Parameter sind im wesentlichen für die maximale Arbeitsfrequenz relevant, bei
der der Koppler eingesetzt werden soll. Generell sind zur Verringerung von Abstrahlung
geringe Substratdicken bevorzugt. Bei Arbeitsfrequenzen bis zu 30 GHz ist ein Aluminiumoxidsubstrat
mit einer Dicke von 381 µm geeignet. Bei Frequenzen oberhalb 30 GHz ist eine Dicke
von 254 µm bevorzugt.
- Breite der Leitungen.
Die Breite a der Leitungen 11 bis 14 ist im wesentlichen relevant für die Leitungsimpedanz
des Systems. Für eine Impedanz der Leitungen 11 bis 14 von 50 Ω ist eine Breite a
von 340 µm optimal.
- Breite b der Überschneidungszone 22.
Dieser Parameter beeinflußt das Reflexionsverhalten der Leitungen. Je kleiner b ist,
um so stärker induktiv ist das Reflexionsverhalten. Es ist wünschenswert, wenn die
zwei Leitungen 11, 12, betrachtet ohne die Leiterfläche 20 und die jeweils andere
Leitung 12 bzw. 11, schwach induktives Verhalten aufweisen, wie im Smith-Diagramm
von Fig. 5 für die erste Eingangsleitung dargestellt. Die Reflexion S(1,1) am Eingang
der ersten Leitung ist im betrachteten Frequenzbereich von 19 bis 27 GHz praktisch
unveränderlich. Das schwach induktive Verhalten der Reflexion S(1,1) wird beim vollständigen
Richtkoppler durch den kapazitiven Beitrag der Leiterfläche 20 im wesentlichen kompensiert,
so daß insgesamt minimale Reflexion erreicht wird.
- minimaler Abstand zwischen ersten und zweiten Leitungen.
Der Abstand c zwischen einander zugewandten Ecken der Endkanten 22 der ersten und
zweiten Leitungen 11, 12 hat offensichtlich Einfluß auf die Stärke der Kopplung zwischen
diesen Leitungen. Er wird vorzugsweise so gewählt, daß die rechnerische Simulation
eines Richtkopplers, der nur aus erster und zweiter Leitung 11, 12, ohne die unverbundene
Leiterfläche 20, besteht, eine Kopplung zwischen der ersten und zweiten Leitung ergibt,
die um ca. 5 dB geringer als die gewünschte Kopplung ist. Fügt man die unverbundene
Leiterfläche 20" ein, um gleich starke magnetische und kapazitive Kopplungen zu erhalten,
so erhöht sich die Kopplung insgesamt um etwa 5dB.
[0040] Eine Feinanpassung der kapazitiven Kopplung kann durch Optimieren der Breite e der
Schenkel der L-förmigen Abschnitte sowie der Breite d der Spalte zwischen den L-förmigen
Abschnitten 23", 24" und den Endkanten 22 der Leitungen erreicht werden.
[0041] Ein Beispiel für einen günstigen Satz der diversen geometrischen Parameter ist:
a = 340 µm
b = 31 µm
c = 116 µm
d = 30 µm
e = 30 µm
[0042] Figs. 6 und 7 zeigen jeweils für verschiedene Signalfrequenzen die Stärke S(1,3)
des gewünschten, vom ersten Eingangsanschluss 1 an den zweiten Ausgangsanschluss 3
übertragenen Signals und S(1,4) des unerwünschten, an dem zweiten Eingangsanschluss
4 erscheinenden Signals für einen Richtkoppler mit den angegebenen Werten der Parameter
a bis e. Man erkennt eine ausgezeichnete Gerichtetheit mit einem Pegelunterschied
von über 20 dB zwischen den zwei Signalen S(1,3) und S(1,4) im gesamten untersuchten
Frequenzbereich von 19 bis 27 GHz. Die Phasendrift des Signals an dem zweiten Ausgangsanschluss
3 in Abhängigkeit von der Frequenz ist gering, wie das Smith-Diagramm von Fig. 7 zeigt.
[0043] Zusammenfassend schafft die vorliegende Erfindung einen extrem kompakten Richtkoppler
mit großer Bandbreite und ausgezeichneter Gerichtetheit. Während bei herkömmlichen
Richtkopplern extrem dünne Substrate verwendet werden müssen, um auch bei hohen Arbeitsfrequenzen
befriedigende Gerichtetheit zu erzielen, können im Rahmen der vorliegenden Erfindung
relativ dicke Substrate verwendet werden, was die Haltbarkeit der Koppler und auch
die Ausbeute bei der Serienfertigung verbessert und dadurch Kosten reduziert.
1. Richtkoppler mit einem Substrat und, angeordnet auf dem Substrat, zwei durch eine
erste Leitung (11) verbundenen ersten Anschlüssen (1, 2) und zwei durch eine zweite
Leitung (12) verbundenen zweiten Anschlüssen (3, 4), wobei die Leitungen (11, 12)
durch eine Kopplungszone verlaufen, dadurch gekennzeichnet, dass die Leitungen (11, 12) in der Kopplungszone durch eine mit den Leitungen unverbundene
Leiterfläche (20, 20', 20") beabstandet sind.
2. Richtkoppler mit einem Substrat und, angeordnet auf dem Substrat, zwei durch eine
erste Leitung (11) verbundenen ersten Anschlüssen (1, 2) und zwei durch eine zweite
Leitung (12) verbundenen zweiten Anschlüssen (3, 4), wobei die Leitungen (11, 12)
durch eine Kopplungszone verlaufen, zum gerichteten Überkoppeln eines Signals mit
einer Wellenlänge innerhalb eines Bandes [λ1, λ2] von einer der zwei Leitungen (11,
12) auf die andere Leitung (12, 11), dadurch gekennzeichnet, dass die Kopplungszone kürzer als ein Viertel der kürzesten Wellenlänge λ1 des Bandes
ist und dass an jedem Ort der Kopplungszone magnetische und kapazitive Kopplung gleich
stark sind.
3. Richtkoppler nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Leitungen (11, 12) außerhalb der Kopplungszone in zwei zueinander senkrechten
Richtungen verlaufen.
4. Richtkoppler nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass jede Leitung (11; 12) zwei geradlinige Abschnitte (13-1, 13-2; 13-3, 13-4) umfasst,
die in der Kopplungszone unter Bildung eines Winkels unmittelbar aufeinander treffen,
wobei die Winkelhalbierende (18) für die Winkel beider Leitungen (11, 12) die gleiche
ist.
5. Richtkoppler nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschnitte (13-1, 13-2, 13-3, 13-4) streifenförmig mit einer zu den Rändern des
Streifens senkrechten Endkante (14) sind, und dass sich die zwei Abschnitte (13-1,
13-2; 13-3, 13-4) jeder Leitung (11, 12) jeweils mit einer Ecke ihrer Endkante (14)
überschneiden.
6. Richtkoppler nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Leiterfläche (20', 20") einen quadratischen Umriss hat.
7. Richtkoppler nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Leiterfläche (20") aus zwei jeweils der ersten bzw. zweiten Leitung zugewandten,
durch ein stegförmiges Leiterstück (25") verbundenen Abschnitten (23", 24") aufgebaut
ist.
8. Richtkoppler nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass er eine erste Symmetrieachse (18) aufweist, wobei eine Spiegelung an der ersten Symmetrieachse
(18) jede Leitung (11, 12) in sich überführt, und dass das stegförmige Leiterstück
(25") entlang der Symmetrieachse verläuft.
9. Richtkoppler nach Anspruch 7 oder 8, dadurch gekennzeichnet, dass die Abschnitte (23", 24") L-förmig sind.
10. Richtkoppler nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Leitungen (11, 12) in der Kopplungszone jeweils ein schwach induktives Verhalten
aufweisen.
11. Richtkoppler nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die unverbundene Leiterfläche (20, 20', 20") einen Beitrag von ca. 5 dB zur kapazitiven
Kopplung zwischen den ersten und den zweiten Leitungen leistet.