[0001] Vorrichtung einer Evacuationsröhre - Quick Evacuation Tube (QUET) - zur Verwendung
in allen Arten von Gebäuden während Notfällen.
[0002] Die Erfindung bezieht sich auf eine Vorrichtung, die in und an allen Arten von mehrstöckigen Gebäuden zur
schnellen Evakuierung von Personen in Notfällen ein-, angebaut oder nachgerüstet werden
kann. Dabei ist die Erfindung an den in vielen Feuerwehrgebäuden befindlichen Stangen
zum schnellen Abgleiten in Eilfällen zu den darunter liegenden Stockwerken angelehnt.
[0003] In fast allen Gebäuden weltweit werden im wesentlichen zwei Möglichkeiten geboten,
im Gebäude abzusteigen oder abzufahren, um so von einem Stockwerk zum darunter liegenden
Stockwerk zu gelangen und auf diesem Wege das den Ausgang beherbergende Stockwerk,
zumeist das Erdgeschoß, zu erreichen und das Gebäude zu verlassen. Zum einen handelt
es sich dabei um Treppen, welche eine Verbindung zwischen den einzelnen Stockwerken
in beiden Richtungen, auf- und absteigend, ermöglichen. Zum anderen handelt es sich
im wesentlichen um elektrisch betriebene Fahrkörbe (Aufzüge), welche entweder im oder
am Gebäude in dafür vorgesehenen Schächten fahren.
[0004] Beide bekannten Vorrichtungen können ebenfalls in Notfällen ein sicheres Absteigen
und Verlassen des jeweiligen Gebäudes bieten, jedoch stoßen beide Vorrichtungen gerade
bei Gebäuden mit einer großen Anzahl von Stockwerken in Notfällen - Feuer, Erdbeben
etc. - auf eine zeitlich begrenzte Anzahl von Evakuierungen. Dies ist bei Treppen
auf die Anzahl von zu betrettenden Treppenstufen für jedes Stockwerk, die Breite der
Treppe und die Größe der Treppenabsätze, bzw. bei den Fahrkörben (Aufzügen) auf eine
begrenzte Personenkapazität pro Fahrt zurückzuführen.
[0005] Darüber hinaus bergen Treppen das Risiko, dass in Paniksituationen Personen auf der
Treppe fallen oder über das Treppengeländer gestoßen bzw. gedrückt werden. Dadurch
kann es zu einer Stauung des nachfolgenden Personenstroms kommen, was sich nach oben
hin fortsetzt und eine schnelle und sichere Evakuierung des Gebäudes verhindert, sowie
die in Notfällen zu beobachtende Panik der Menge vergrößert. So wissen die nachfolgenden
Personen oftmals nicht, warum es staut und schieben die vorlaufenden Personen in die
Gefahrenstelle oder über die verletzt liegenden Personen.
[0006] Fahrkörbe (Aufzüge), zumeist elektrisch betrieben, verlieren jegliche Effektivität
und Beförderungsmöglichkeit, wenn in Notfällen eine Versorgung mit elektrischer Energie
entfällt und Notstromaggregate nicht anspringen oder nicht vorhanden sind. Ferner
bestehen in den meisten Gebäuden Gebrauchsanweisungen dahingehend, dass in Notfällen
von einer Benutzung der Fahrkörbe (Aufzüge) abzusehen ist.
[0007] Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, eine weitere Evakuierungsmöglichkeit zu entwickeln, welche in Notfällen einer großen
Anzahl von Personen ein sicheres und schnelles Verlassen von Gebäuden, insbesondere
von Gebäuden mit einer großen Anzahl von Stockwerken, zu gewähren, wobei ein einfacher
Einbau in neu geplanten und ein einfaches Nachrüstung in bereits bestehenden oder
gerade im Bau befindlichen Gebäuden gesichert werden soll.
[0008] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, dass zwischen den einzelnen Stockwerken senkrecht stehende Röhren (QUET) eingebaut oder
am Gebäude angebracht werden, welche im Falle des Einbaus die Decken einzelner Stockwerke
durchschneiden und eine bis zum Boden der Röhre durchgehende, vornehmlich runde Öffnung
bieten. Im Zentrum der senkrecht stehenden Röhre befindet sich ein zwischen den beiden
Enden der Röhre starr befestigter durchgehender Stab, vornehmlich aus glattem Metall,
welcher leicht umklammert und an welchem aufgrund Nutzung der Erdanziehungskraft abgegleitet
werden kann.
[0009] Die Erfindung im einzelnen: Die Verwendung von Röhren soll den Nutzern ein sicheres und gefahrloses abgleiten
im inneren ohne die Gefahr von äußeren Gegenständen bieten. Aufgrund des in Notfällen
zu bewerkstelligenden Zeitgewinns, sollten die nahtlosen Röhren möglichst ohne Unterbrechung
über mehrere Stockwerke, vornehmlich drei an der Anzahl, führen, bevor die jeweiligen
Nutzer das den Ausgang aufnehmende Stockwerk erreichen (Endlevel) oder in einen neuen
QUET umsteigen müssen (Zwischenlevel). Dadurch wird gewährleistet, dass die Nutzer
eines Stockwerkes bis zum Erreichen des End- oder Zwischenlevels ungestört durchgleiten
können, ohne durch ebenfalls benutzungswillige Dritte eines darunter liegenden Stockwerkes
beim Abgleiten behindert zu werden. Ferner bietet die Verwendung von Röhren einen
nach außen hin gewährenden Schutz, kann der Nutzer nicht beim Abgleiten herausfallen,
sondern wird vielmehr durch die Hülle in der Röhre gefahrlos nach unten geführt. Damit
wird die Verletzungsgefahr drastisch eingeschränkt. Die Führung und der Schutz wird
durch eine feste, vornehmlich aus Metall oder einem hochfesten Kunststoffe bestehende
Außenwand der Röhre gewährleistet. Darüber hinaus wird die Innenseite der Röhrenhülle
mit einer gut gleitenden aber nicht brennbaren Beschichtung versehen, welche eine
Inbrandsetzung der Röhre und damit eine Unbrauchbarmachung des Rettungsmittels verhindern
soll. Schließlich sind für den Brandfall Ventilatoren und Lichtquellen in der Röhre
anzubringen, welche einerseits Rauch aus dem QUET hinaus ventilieren und Licht bieten,
anderseits aufgrund einer autarken Stromversorgung, vornehmlich mit Batterien, ein
jederzeitige Nutzung des QUET gewährleisten.
[0010] Die Anzahl der mittels QUET zu überbrückenden Stockwerke bzw. die Länge des QUET
sollte sich an der jeweiligen vorgefunden Stockwerkhöhe orientieren, da beim Abgleiten
die Geschwindigkeit pro Meter steigen kann und der Nutzer nicht über die Kräfte verfügt,
eine längere Strecke in einem abzugleiten.
[0011] Der sich im Zentrum zwischen den beiden Enden des QUET befindliche Stab, an welchem
die Nutzer in Notfällen abgleiten, besteht vornehmlich aus einem glatten Metall mit
einer antihaftenden Oberfläche. Kurz vor Erreichen des End- oder Zwischenlevels, dem
Ende des jeweiligen QUET, vergrößert sich der vormals gleichbleibende Durchmesser
des Stabes linear. Dadurch wird der Nutzer zum einen auf das nahende Ende des Stabs,
auf das Erreichen des Boden des End- oder Zwischenlevels hingewiesen und zum anderen
verlangsamt sich das Abgeleiten durch den zunehmenden Durchmesser des Stabes automatisch,
lässt der Nutzer grundsätzlich über die gesamte Abgleitzeit die gleichen Haltekräfte
am Stab wirken, was bei zunehmenden Durchmesser des Stabes zu einem erhöhten Reibungswiderstand
und einer dadurch abnehmenden Geschwindigkeit führt. Schließlich kann der Stab derart
beschaffen sein, dass im Inneren eine Wasserzirkulation erfolgt, was eine Kühlung
des Stabes bewirkt und das Abgleiten erleichtert.
[0012] Der Boden des End- oder Zwischenlevels sollte im Bereich mindestens im Durchmesser
des QUET mit einem den Aufprall dämpfenden Material, vornehmlich Gummi, Schaumstoff
oder einem gut schwingenden Holzboden, versehen werden. Dadurch soll einer Verletzung
der Nutzer beim Aufprall auf dem Boden vorgebeugt und dem QUET-Nutzer ein sicheres
Gefühl gegeben werden.
[0013] Das Abgleiten im QUET ermöglicht einen sicheren und insbesondere schnellen Abstieg
in unter dem Ausgangsstockwerk befindliche Stockwerke. Dadurch, dass der Einstieg
derart gestaltet wird, dass er nur einer Person das Betreten des QUET ermöglicht,
ist auch bei Panik ein sicheres und geregeltes Verlassen des Stockwerks möglich. Durch
die Verbindung von drei oder mehr Stockwerken ist weiter gewährleistet, dass die Nutzer
mindestens ein Stockwerk schnell überbrücken können. Entgegen einer Evakuierung über
die Treppe, deren durchschnittliche Evakuierungszeit ca. 3 min. pro Person und Stockwerk
beträgt, reduziert sich die Zeitspanne bei Nutzung des QUET pro Stockwerk auf bis
zu 3 Sekunden, was einer 95 %igen Reduzierung entspricht. Aufgrund der allen Nutzern
einleuchtenden Nutzung des QUET, wird auch im Notfall und bei Panik ein sicheres und
schnelles Absteigen ermöglicht.
[0014] Die
Beschreibung der Erfindung wird anhand der Zeichnungen Fig. 1 und Fig. 2 grafisch erläutert. Es zeigen:
- Fig. 1:
- Einen Ausschnitt von fünf nebeneinander stehenden QUET, vorliegend der Ein-stieg in
den QUET, welche unter Ziffer 1 die Außenwand der Röhre, unter Ziffer 2 die beschichtete
Innenwand der Röhre, unter Ziffer 3 den im Zentrum der Röhre senkrecht stehenden Stab
zum Abgleiten in der Röhre und unter Ziffer 4 den in der Röhre angebrachten Ventilator
sowie die Lichtquelle bezeichnen.
- Fig. 2:
- Eine Darstellung des im Zentrum des QUET senkrecht stehenden Stabes, wel-cher kurz
vor dem Erreichen des Bodens seinen ehemals gleichmäßigen Durch-messer (Ziffer 1)
linear vergrößert (Ziffer 2). Ferner wird unter Ziffer 3 der Boden des QUET bezeichnet,
welcher aus dämpfenden Materialien besteht.
[0015] Im folgenden werden verschiedene
Ausführungsbeispiele der Erfindung anhand von Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
- Fig. 3:
- Ein mehrstöckiges Gebäude mit den zwei bekannten Alternativen Treppe und Aufzug, sowie
der ein schnelles Evakuieren sichernden, im Gebäude eingebau-ten Erfindung. Das einfache
Schema zeigte eine Verbindung je QUET über drei Stockwerke und den Boden des End-
oder Zwischenlevels.
- Fig. 4:
- Ein mehrstöckiges Gebäude mit den an der Außenwand befestigten Erfindungen und einem
Schutzschild am Endlevel zum sicheren Verlassen des QUET bei Stein- oder Glasschlag
von oben.
- Fig. 5:
- Die Animation eines mehrstöckigen Gebäudes, in dessen inneren die Erfindung eingebaut
wurde und welche einen detaillierten Aufschluß über den QUET gibt.
[0016] Die Zeichnungen zeigen nur beispielhafte Ausführungsformen der Neuerung und deren
Einsatzmöglichkeiten.
1. Evakuierungsvorrichtung (OUET), welche an die in Feuerwehrgebäuden befindlichen senkrechten
Stangen zum schnellen Abgleiten von Personen angelehnt ist, und sich aus einer senkrecht
stehenden Röhre, deren Außenhaut aus einem Wärme schlechtleitenden Metall oder einem
nichtbrennbaren Kunststoff besteht und deren Innenhaut mit einer gleitenden, nahtlosen,
nichtbrennbaren Beschichtung versehen ist, einem im Zentrum der Röhre zwischen dem
Boden und dem Deckel der Röhre fest verankerten, senkrecht laufenden Stab oder Rohrs,
bestehend aus Metall oder Kunststoff mit einer glatten Oberflächenstruktur, dessen
gleichmäßiger Durchmesser sich kurz vor Erreichen des Bodens linear vergrößert und
welcher einen Abstand von > 50 cm zur Röhre aufweist sowie einem dämpfenden Röhrenboden,
zusammensetzt, dadurch gekennzeichnet, dass die Röhre in oder an Gebäuden eingebaut oder nachgerüstet werden kann und Stockwerke
des Gebäudes miteinander verbindet, so dass der jeweilige Nutzer der Röhre durch Umklammern
des im Mittelpunkt der Röhre laufenden Stabes seinen Körper bis zum Ende der Röhre,
dem Boden, schnell und sicher nach unten abgleiten lassen kann.
2. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Röhre Lampen und Ventilatoren aufweist, welche vornehmlich über handelsüblich
Batterien betrieben werden .
3. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sich im Mittelpunkt zwischen dem Boden und dem Deckel der Röhre ein senkrecht laufendes
Rohr aus Metall oder Kunststoff befindet, in dessen Hohlraum Wasser oder eine sonstige
Kühlflüssigkeit zirkuliert.
4. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass der im Mittelpunkt zwischen dem Boden und dem Deckel der Röhre senkrecht laufenden
Stab oder Rohr bis kurz vor dem Erreichen des Bodens der Röhre einen gleichbleibenden
Durchmesser aufweist und sich der Durchmesser hiernach linear vergrößert.
5. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Boden der Röhre aus einem dämpfenden Material, Gummi, Schaumstoff oder einem
schwingenden Holzboden beschaffen ist.
6. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass diese an beliebigen Außen- oder Innenwänden von Gebäuden befestigt oder nachgerüstet
werden können.
7. Evakuierungsvorrichtung (OUET) gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass über dem Ausgang des QUET zum Freien ein massives Dach mit einer Fläche von > als
9 qm angebracht ist, welches vornehmlich aus Beton oder Metall besteht und ein vielfaches
an Eigengewicht aufnehmen.