[0001] Die Erfindung betrifft ein Löschsystem zur Löschung eines innerhalb eines geschlossenen
Raumes ausgebrochenen Feuers, vorzugsweise innerhalb der Kabine oder eines Frachtraumes
eines Passagierflugzeuges, wobei eine Einrichtung zur Stickstofferzeugung über ein
Rohrleitungssystem mit innerhalb des geschlossenen Raumes angeordneten Löschdüsen
in Verbindung steht zwecks Zufuhr von Stickstoff in den geschlossenen Raum, wodurch
dem Feuer der zu seiner Aufrechterhaltung erforderliche Sauerstoff entzogen und damit
das Feuer gelöscht wird.
[0002] Im Bereich der Brandbekämpfung in Luftfahrzeugen werden zum heutigen Zeitpunkt alle
Raumflutungsanlagen mit dem Löschmittel "Halon 1301" betrieben, während im Bereich
des marinen und des baulichen Brandschutzes zumeist Wassersprinkler/sprühdüsen oder
Kohlendioxid(CO
2)-Löschanlagen eingesetzt werden. Bei industriellen Anwendungen, speziell in Räumen
mit empfindlicher Technik wie z.B. Rechneranlagen, wird seit dem Verbot von Halon
mittels Kohlendioxid (CO
2) gelöscht.
[0003] Ein Löschsystem der eingangs genannten Art ist in der DE-Patentanmeldung 100 51 662.9-22
vorgeschlagen worden. Um bei dieser Anlage eine Brandunterdrückung in dem geschlossenen
Raum über einen nahezu unbegrenzten Zeitraum zu ermöglichen, wird nach Detektion eines
Feuers die Anfangskonzentration des Inertgases Stickstoff innerhalb des geschlossenen
Raumes schlagartig aufgebaut. Durch die Einbringung des Stickstoffes wird der Sauerstoffgehalt
innerhalb des geschlossenen Raumes (Raum-Sauerstoffgehalt) auf eine maximal löschwirksame
Sauerstoffkonzentration (Maximalkonzentration) herabgesetzt. Zur Aufrechterhaltung
der maximal löschwirksamen Sauerstoffkonzentration wird Stickstoff in vorgegebener
Menge in den geschlossenen Raum nachgeführt. Vorzugsweise wird der Sauerstoffgehalt
innerhalb des geschlossenen Raumes (Raum-Sauerstoffgehalt) auf etwa 12 Volumenprozent
herabgesetzt.
[0004] Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, ein Löschsystem zur Löschung eines
innerhalb eines geschlossenen Raumes ausgebrochenen Feuers zu schaffen, bei dem unterschiedliche
Löschmittel zum Einsatz gelangen.
[0005] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß ein Vorratsbehälter zur Speicherung
von druckverflüssigtem Halon vorgesehen ist, daß der Vorratsbehälter über das Rohrleitungssystem
an die Löschdüsen angeschlossen ist, daß das Halon als erstes, die löschwirksame Konzentration
in kurzer Zeit aufbauendes Löschmittel über die Löschdüsen dem geschlossenen Raum
zugeführt wird, und daß über die Löschdüsen und das Rohrleitungssystem als zweites
Löschmittel stickstoffreiche Luft, welche eine langfristige Feuerunterdrückung sicherstellt,
in den geschlossenen Raum eingebracht wird.
[0006] Ausgestaltungen der Erfindung sind in den Unteransprüchen 2 bis 11 beschrieben.
[0007] Durch den Einsatz von Halon bzw. eines adäquaten, geprüften und zugelassenen Ersatzstoffes
(z.B. FM200 / FE36) ist es vorteilhafterweise möglich, die löschwirksame Konzentration
innerhalb kürzester Zeit aufzubauen. Diese Konzentration ist gegenüber derjenigen
von Löschmitteln wie Kohlendioxid, Argon oder Stickstoff sehr gering. Daher wird -
während bzw. nachdem sich das Löschmittel gleichmäßig in dem geschlossenen Raum verteilt
bzw. verteilt hat - mit der Stickstoffeinleitung in den geschlossenen Raum begonnen
und somit vorteilhafterweise eine langfristige Feuerunterdrückung sichergestellt.
Das Gemisch im Frachtraum, bestehend aus Halon /Halonersatzstoff und stickstoffreicher
Luft, muß zu jedem Zeitpunkt der Unterdrückungsphase über einer bestimmten Minimalkonzentration
liegen, wobei das Löschsystem bei vorge-gebener Raumgröße auf diese erforderliche
Gemischkonzentration ausgelegt werden muß.
[0008] In einem Flugzeug kann beispielsweise bei einem Feuer in einem Frachtraum ein Löschvorgang
mit dem erfindungsgemäßen Löschsystem wie folgt durchgeführt werden:
- Branderkennung und Meldung mittels Branddetektionssystem;
- Alarmierung der Cockpit Crew;
- Auslösung der Löschanlage durch die Cockpit Crew;
- Füllung des betroffenen Frachtraumes bis zur festgelegten Designkonzentration mit
Halon 1301 oder einem Ersatzstoff;
- Zeitversetztes oder simultanes Auslösen der Stickstoffanlage;
- Beginn der Inertisierung des Frachtraumes mittels Luftseparationsmodul;
- Stetige Zufuhr von stickstoffreicher Luft zur Unterdrükkung bzw. zur Löschung des
Feuers bis zur Landung des Flugzeuges und dem Eintreffen der Feuerwehr.
[0009] Weitere Vorteile der Erfindung bestehen in der Verwendung von nur gasförmigen Löschmitteln,
wodurch eine gute Verteilung innerhalb eines Löschraumes ohne Rückstände und Feuchtigkeit
und damit ohne aufwendige Reinigung bei Fehlauslösung sichergestellt wird, sowie in
der Gewinnung der Löschmittel während des Betriebes, wodurch sehr lange Unterdrükkungszeiten
bei vergleichsweiser geringer Systemmasse realisierbar sind. Wesentliche erfindungsgemäße
Vorteile liegen somit in der schnellen Verfügbarkeit des ersten Löschmittels und in
der extrem langen Verfügbarkeit des zweiten Löschmittels, da dieses während des Betriebes
stetig nachgeliefert werden kann. Die Verwendung von umweltfreundlichen Löschmitteln
ist vorteilhaft.
[0010] In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel nach der Erfindung dargestellt. Die
einzige Figur zeigt ein Löschsystem zur Löschung eines innerhalb eines geschlossenen
Raumes 1 ausgebrochenen Feuers. Das System weist einen Vorratsbehälter 2 zur Speicherung
von druckverflüssigtem Halon oder eines Ersatzstoffes auf, wobei der Vorratsbehälter
2 über ein Rohrleitungssystem 3 an innerhalb des Raumes 1 angeordneten Löschdüsen
4 angeschlossen ist. Das Halon wird als erstes, die löschwirksame Konzentration in
kurzer Zeit aufbauendes Löschmittel 5 über die Löschdüsen 4 dem geschlossenen Raum
1 zugeführt. Die zur Feuerlöschung notwendige Designkonzentration wird durch das massive
Einleiten des Halons oder eines Ersatzstoffes schlagartig aufgebaut. Die Löschmittel
greifen nun je nach ihrem vorwiegenden Löscheffekt in die Verbrennungsreaktion ein.
Der maßgebliche Löscheffekt des Halons 1301 ist die Inhibition in homogener Phase
(Entzug von freien Radikalen aus der Kettenreaktion der Verbrennung). Die Halonersatzstoffe
wirken in der Regel eher sauerstoffverdrängend und kühlend auf die Verbrennungsreaktion.
[0011] Über das Rohrleitungssystem 3 ist weiterhin ein Luftseparationsmodul 7, welches stickstoffreiche
Luft als zweites Löschmittel 6 aus über eine Eingangsleitung 11 zugeführter atmosphärischer
Luft erzeugt, an die Löschdüsen 4 angeschlossen, vorzugsweise über ein Rückschlagventil
9. Hierbei kann das Luftseparationsmodul 7 als Molekularsieb ausgeführt sein, dessen
Siebfunktion über eine Membranschicht, die auf porösen Hohlfasern aufgebracht ist,
erreicht wird. Zum Betrieb des Luftseparationsmoduls 7 kann seiner Eingangsleitung
11 beispielsweise die Turbinenzapfluft von Flugzeugtriebwerken zugeführt und unter
einem vorgegebenen Druck in das Luftseparationsmodul 7 eingeleitet werden. Alternativ
kann die Eingangsleitung 11 des Luftseparationsmoduls 7 an ein Gebläse einer Flugzeugklimaanlage
zur Bereitstellung von Druckluft für das Luftseparationsmodul 7 angeschlossen sein.
Im Betrieb erzeugt das Luftseparationsmoduls 7 neben dem Löschmittel 2, das eine langfristige
Feuerunterdrückung im Raum 1 sicherstellt, sauerstoffreiche Luft, die als Abfallprodukt
über die Abfuhrleitung 8 entnommen wird.
[0012] Das erste und zweite Löschmittel 5 bzw. 6 können entweder gleichzeitig oder in vorgegebenen
zeitlichen Abstand nacheinander über die Löschdüsen 4 in den geschlossenen Raum 1
eingebracht werden. Um bei einer stetigen Zufuhr von Löschmitteln die Gefahr eines
Berstens des Raumes 1 durch einen ungewollten Druckaufbau zu vermeiden, ist in den
Wandungen des geschlossenen Raumes 1 mindestens ein Ventil 10 als Druckausgleichsvorrichtung
angeordnet.
[0013] Die Anwendung des erfindungsgemäßen Feuerlöschsystems ist nicht auf Flugzeuge beschränkt.
Vielmehr sind Anwendungsmöglichkeiten in Lade- und Maschinenräumen von Schiffen, in
industriellen Produktionsbereichen, in Versuchsräumen und Laboratorien, Firmen, Archiven,
Bibliotheken, Galerien oder auch Museen sowie im militärischen Bereich gegeben.
Bezugszeichenliste
[0014]
- 1
- geschossener Raum
- 2
- Vorratsbehälter für Löschmittel 5
- 3
- Rohrleitungssystem
- 4
- Löschdüsen
- 5
- erstes Löschmittel (Halon)
- 6
- zweites Löschmittel (stickstoffreiche Luft)
- 7
- Luftseparationsmodul
- 8
- Abfuhrleitung für sauerstoffreiche Luft (Abfallprodukt)
- 9
- Rückschlagventil
- 10
- Ventil als Druckausgleich
- 11
- Eingangsleitung des Luftseparationsmoduls 7
1. Löschsystem zur Löschung eines innerhalb eines geschlossenen Raumes ausgebrochenen
Feuers, vorzugsweise innerhalb der Kabine oder eines Frachtraumes eines Passagierflugzeuges,
wobei eine Einrichtung zur Stickstofferzeugung über ein Rohrleitungssystem mit innerhalb
des geschlossenen Raumes angeordneten Löschdüsen in Verbindung steht zwecks Zufuhr
von Stickstoff in den geschlossenen Raum, wodurch dem Feuer der zu seiner Aufrechterhaltung
erforderliche Sauerstoff entzogen und damit das Feuer gelöscht wird, dadurch gekennzeichnet, daß
ein Vorratsbehälter (2) zur Speicherung von druckverflüssigtem Halon vorgesehen ist,
daß der Vorratsbehälter (2) über das Rohrleitungssystem (3) an die Löschdüsen (4)
angeschlossen ist, daß das Halon als erstes, die löschwirksame Konzentration in kurzer
Zeit aufbauendes Löschmittel (5) über die Löschdüsen (4) dem geschlossenen Raum (1)
zugeführt wird, und daß über die Löschdüsen (4) und das Rohrleitungssystem (3) als
zweites Löschmittel (6) stickstoffreiche Luft, welche eine langfristige Feuerunterdrückung
sicherstellt, in den geschlossenen Raum (1) eingebracht wird.
2. Feuerlöschsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das erste und zweite Löschmittel (5, 6) gleichzeitig den Löschdüsen (4) zugeführt
werden.
3. Feuerlöschsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das zweite Löschmittel (6) in vorgegebenen zeitlichen Abstand nach dem ersten Löschmittel
(5) über die Löschdüsen (4) in den geschlossenen Raum eingebracht wird.
4. Feuerlöschsystem nach Anspruch 1, 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, daß ein Luftseparationsmodul (7) zur Gewinnung stickstoffreicher Luft als zweitem Löschmittel
(6) aus der atmosphärischen Luft vorgesehen ist.
5. Feuerlöschsystem nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Eingangsleitung (11) des Luftseparationsmoduls (7) die Turbinenzapfluft von Flugzeugtriebwerken
zugeführt und unter einem vorgegebenen Druck in das Luftseparationsmodul (7) eingeleitet
wird.
6. Feuerlöschsystem nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Eingangsleitung (11) des Luftseparationsmoduls (7) an ein Gebläse einer Flugzeugklimaanlage
zur Bereitstellung von Druckluft für das Luftseparationsmodul (7) angeschlossen ist.
7. Feuerlöschsystem nach Anspruch 4, 5 oder 6, dadurch gekennzeichnet, daß das Luftseparationsmoduls (7) als Molekularsieb ausgeführt ist.
8. Feuerlöschsystem nach Anspruch 4, 5, 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, daß das Luftseparationsmoduls (7) durch Separation der atmosphärischen Luft als Abfallprodukt
sauerstoffreiche Luft (8) erzeugt.
9. Feuerlöschsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß in dem Rohrleitungssystem (3) mindestens ein Rückschlagventil (9) angeordnet ist.
10. Feuerlöschsystem nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß das Rückschlagventil (9) zwischen dem Luftseparationsmodul (7) und den Löschdüsen
(4) angeordnet ist.
11. Feuerlöschsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß in den Wandungen des geschlossenen Raumes (1) mindestens ein Ventil (10) als Druckausgleichsvorrichtung
angeordnet ist.