[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Eingießen eines metallischen Halbzeugs in
ein Gussbauteil nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
[0002] Gussbauteile, insbesondere Leichtmetallgussbauteile werden häufig durch Einlegeteile,
die durch Eingießen in das Bauteil integriert werden, verstärkt. Diese Einlegeteile
stellen lokale Werkstoffverbesserungen dar wie z. B. bessere Verschleißbeständigkeit,
höhere mechanische Festigkeit oder thermische Beständigkeit.
[0003] Die technische Schwierigkeit beim Eingießen derartiger Einlegeteile besteht oftmals
in der unbefriedigenden Haftung zwischen der relativ glatten Oberfläche des Einlegeteils
und dem erstarrten Gießmetall. Die kurze Berührungszeit zwischen der metallischen
Schmelze und dem Einlegeteil sowie geringe Benetzung, wie sie in verschieden Materialpaarungen
besteht, verhindert in den meisten Fällen eine chemische Verbindung bzw. ein Legieren
des Gießmetalls und des Einlegeteils an deren Grenzflächen. Ein Spalt an der Grenzfläche
kann den Wärmeübergang beeinträchtigen oder eine mechanische Schwachstelle darstellen.
[0004] Diesem Problem wird derzeit durch ein Aufrauen der Oberfläche des Einlegeteils begegnet.
Das Aufrauen erfolgt zuweilen durch Sandstrahlen oder wie in der DE 197 50 687 A1
am Beispiel einer Zylinderläufbuchse beschrieben wird, durch spanabhebendes Bearbeiten
der Oberfläche und anschließenden Sandstrahlen. Hierdurch werden an der Oberfläche
des Halbzeuges mikroskopische Hinterschnitte erzeugt, die eine Verklammerung zwischen
dem Gießmetall und dem Einlegeteil bewirken.
[0005] Reines Sandstrahlen führt jedoch nicht zu gewünschten Hinterschnitten, sondern im
Wesentlichen zu Vertiefungen an der Oberfläche. Das Verfahren nach der DE 197 50 687
A1 erzeugt die gewünschten Hinterschnitte ist jedoch in seiner Gesamtheit sehr teuer.
[0006] Hiervon ausgehend besteht die Aufgabe der Erfindung darin, die Haftung von Einlegeteilen
gegenüber dem Stand der Technik zu verbessern und kostengünstiger zu gestalten.
[0007] Die Lösung der Aufgabe besteht in einem Verfahren nach den Merkmalen des Anspruchs
1.
[0008] Das erfindungsgemäße Verfahren nach Anspruch 1 besteht darin, dass ein Einlegeteil
vor dem Einlegen in ein Gießwerkzeug durch Hochdruckwasserstrahlen aufgeraut wird.
Durch das Hochdruckwasserstrahlen wird die Oberfläche gereinigt und es werden vorteilhafte
Hinterschnitte auf der Oberfläche des Einlegeteils erzeugt, die zu einer guten Verklammerung
des Gießmetalls nach dessen Erstarrung führen.
[0009] Das Einlegeteil ist bevorzugt ein metallisches Einlegeteil. Unter bestimmten Vorraussetzungen
und Oberflächeneigenschaften können auch intermetallische Bauteile; Hartmetall, Metall-Keramik-Composites,
Metall-Matrix-Composites (MMC), Intermetallik-Keramik-Composites, Keramiken oder anorganische
Naturmaterialien als Einlegeteile eingesetzt werden
[0010] Es hat sich herausgestellt, dass der optimale Druckbereich eines Wasserstrahls zwischen
1500 bar und 2000 bar liegt. Über 2000 bar wird die Oberfläche zu sehr beschädigt,
unter 1500 bar ist die Ausbildung von Hinterschnitten zu gering. Zudem ist es möglich
für diese relativ geringen Drücke Pumpen bestehender Druckanlagen wie zum Beispiel
für das Bauteilentgraten zu nutzen, wodurch die Investitionskosten verringert werden.
[0011] Das erfindungsgemäße Aufrauen der Oberfläche erfolgt bevorzugt durch einen oder mehrere
Flachstrahldüsen, die eine elliptische Öffnung aufweist. Derartige Düsen liefern im
Gegensatz zu Vollstrahldüsen mit kreisförmiger Öffnung zu einen aufgeweiteten Oberflächenstrahl
und zu einer rillenfreien Oberfläche. Die Anwendung mehrerer Düsen gleichzeitig verringert
die Bearbeitungszeit.
[0012] Zu Erzielung einer besonders rillenfreien Oberfläche liegt ein Austrittswinkel des
Hochdruckwasserstrahls zwischen 20 und 34°.
[0013] Eine besonders zweckmäßige Art die Oberfläche wirtschaftlich und schnell aufzurauen
ist die Anwendung eines Feldes von Düsen, die bevorzugt senkrecht zur Oberfläche angeordnet
sind.
[0014] Sehr gut geeignet zur Aufrauung der Oberfläche nach dem erfindungsgemäßen Verfahren
sind übereutektische Aluminium-Siliziumlegierungen. Halbzeuge aus derartigen Werkstoffen
weisen an der Oberfläche harte siliziumreiche Phasen und relativ weiche aluminiumreiche
Phasen auf. Die harten, siliziumreichen Phasen werden durch das Wasserstrahlen herausgerissen
und hinterlassen die gewünschten Hinterschnitte an der Oberfläche.
[0015] Im Folgenden wird das erfindungsgemäße Verfahren an Hand von einem Beispiel und zwei
Figuren näher erläutert.
[0016] Es zeigen:
- Fig. 1
- eine Anordnung von drei Wasserstrahldüsen und einem Halbzeug,
- Fig. 2
- Schnitt durch eine wassergestrahlte Oberfläche.
Beispiel
[0017] Eine Feld 1 von 3 Flachstrahldüsen 3 -wie in
Fig. 1 dargestellt- mit hier nicht erkennbaren elliptischen Öffnungen vom Durchmesser 2,5
mm, wird senkrecht zu einer rotierenden Zylinderlaufbuchse 5 aus einer übereutektischen
Aluminium-Silizium-Legierung positioniert. Der Abstand 9 zwischen Düsenöffnung und
der Zylinderlaufbuchse 5 beträgt 12 mm. Die Rotationsgeschwindigkeit der Zylinderlaufbuchse
5 beträgt 600 Umdrehungen pro Minute. Gleichzeit beschreibt das Düsenfeld 1 eine Längsbewegung
entlang der Längsachse der Zylinderlaufbuchse mit einer Geschwindigkeit von 10 mm/s.
[0018] Das Strahlmedium Wasser enthält einen Neutralreiniger mit einer Konzentration von
ca. 1,5 %. Das Strahlmedium tritt in Form eines Wasserstrahls 7 aus der Düse 3 aus
und beschreibt dabei einen Öffnungswinkel α von 30°. Der Wasserstrahl 7 weist beim
Austritt aus der Düsenöffnung einen Druck von 1900 bar auf. Durch den Wasserstrahl
wird eine Oberfläche 11 erzeugt, wie sie in
Fig. 2 dargestellt ist. Die Oberfläche 11 weist Hinterschneidungen 13 auf, die durch das
Herausbrechen von hier nicht dargestellten silziumreichen Phasen herrührt. Der Mittenrauwert
Ra der so erzeugten Oberfläche beträgt 8,4 um, die gemittelte Rautiefe Rz beträgt
55,3 um.
[0019] Die so vorbehandelte Zylinderlaufbuchse wird in einem Druckgusswerkzeug auf Pinolen
positioniert, das Werkzeug wird geschlossen und ein so entstandener Formhohlraum,
der ein Zylinderkurbelgehäuse abbildet, wird unter Druck (ca. 800 bar) mit einer flüssigen
Aluminiumlegierung (AlSi9Cu3) gefüllt. Während des Füllens umströmt das Aluminium
die Zylinderlaufbuchse und dringt in die Bereiche der Hinterschneidungen 13 ein. Nach
dem Erstarren des Aluminiums entsteht eine feste Verklammerung zwischen dem erstarrten
Aluminium und der Oberfläche der Zylinderlaufbuchse (Grenzfläche). Die Haftfestigkeit
dieser Grenzfläche ist zweimal so hoch wie die einer Grenzfläche mit sandgestrahlter
Oberfläche des Einlegeteils.
[0020] Im Gegensatz zu anderen Strahlverfahren wird bei der Anwendung auf aluminiumreichen
Oberflächen eine Adsorbtionsschicht und eine sich auf Grund der hohen Sauerstoffaffinität
bildende Oxidschicht entfernt. Es wird durch das erfindungsgemäße Verfahren bezüglich
des Anschmelzens der Oberfläche und einer daraus resultierenden metallischen Bindung
eine hochaktive Oberfläche des Halbzeugs geschaffen.
[0021] Das erfindungsgemäße Verfahren kann auf alle gängige Gießverfahren, bei denen Einlegeteile
eingießbar sind, angewendet werden. Dazu gehören insbesondere der konventionelle Druckguss,
das Squeeze Casting, Thixocasting, Thixomolding, Kokillenguss, Sandguss, Feinguss
und bei entsprechend temperaturbeständigen Einlegeteilen alle Arten des Eisengusses.
[0022] Die im vorangegangenen Beispiel genannten Parameter sind auf einen bestimmten Anwendungsfall
optimiert. Je nach Anwendungsfall können die Parameter wie folgt variieren. Der Abstand
zwischen der Düsenöffnung und der Oberfläche des Einlegeteils kann zwischen 10 mm
und 30 mm betragen. Der Druck des Wasserstrahls liegt zwischen 1500 bar und 2000 bar,
der Austrittswinkel zwischen 25° und 34°. Die Rotationsgeschwindigkeit des Einlegeteils
liegt zwischen 100 und 1000/min, wobei die Vorschubgeschwindigkeit der Düse oder des
Düsenfeldes zwischen 2 mm/s und 50 mm/s variiert.
[0023] Die beiden letzt genannten Parameter sind besonders wichtig für die Beschaffenheit
der Oberfläche, nämlich die Form und Häufigkeit der Hinterschneidungen, die mikroskopische
Oberflächenrauigkeit und die makroskopische Ebenheit (Vermeidung von Rillenbildung).
Bei nicht rotationssymmetrischen Einlegeteilen wird auf eine Rotation des Einlegeteils
während des Wasserstrahlens verzichtet.
[0024] Das Düsenfeld oder die einzelne Düse ist bei herkömmlichen Anlagen zum Hochdruckwasserstrahlen
mit dicken und schwer beweglichen Versorgungsleitungen verbunden. Die freie Bewegung
der Düsen ist demnach eingeschränkt. In vielen Fällen ist es zweckmäßig, das zu bestrahlende
Einlegteil relativ zum Düsenfeld oder zur Düse zu bewegen. In einem einfachen Fall
erfolgt dies, wie im Beispiel beschrieben, durch Rotation. In anderen Fällen erfolgt
die Relativbewegung durch eine geeignete Mimik bzw. durch Roboter.
1. Verfahren zum Eingießen eines Halbzeugs in ein Gussbauteil, wobei das Halbzeug an
einer dem Gussteil zugewanden Oberfläche aufgeraut wird, anschließend in ein Gießwerkzeug
lagedefiniert positioniert wird, mit Gießmetall umgossen wird, wonach eine feste Verbindung
zwischen dem Halbzeug und dem erstarrten Gießmetall an der aufgerauten Oberfläche
erfolgt,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Oberfläche des Halbzeugs durch Hochdruck-Wasserstrahlen aufgeraut wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Wasserdruck zwischen 1500 bar und 2000 bar beträgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Aufrauen durch mindestens eine Düse mit einer elliptischer Öffnung erfolgt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Austrittswinkel eines Wasserstrahls aus der mindestens einen Düse zwischen 25°
und 34° beträgt.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein Feld von mindestens zwei Düsen, senkrecht zur Oberfläche gerichtet wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Halbzeug aus einer übereutektischen Aluminium-Silizium-Legierung besteht.