[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Bearbeitung, insbesondere zum Polieren der
Oberfläche eines mindestens zwei Komponenten aufweisenden Materials.
[0002] Ein typisches Beispiel für einen zwei Komponenten aufweisenden Werkstoff stellt die
Glaskeramik Zerodur® dar, die eine Kristallphase mit einem negativen Wärmeausdehnungskoeffizienten
sowie eine Glasphase mit einem positiven Wärmeausdehnungskoeffizienten aufweist. Beide
Phasen weisen zudem unterschiedliche Abtragseigenschaften auf.
[0003] Bei den bekannten Bearbeitungsverfahren treten während bzw. nach der Bearbeitung
die nachfolgend beschriebenen Effekte auf. Zunächst wird die Oberfläche während des
Poliervorgangs bei einer definierten Bearbeitungstemperatur bis zu einer minimalen
Polierrauhigkeit poliert. Die Polierrauhigkeit resultiert maßgeblich aus den unterschiedlichen
Abtragseigenschaften der beiden Komponenten. Da meistens die Anwendungstemperatur
des Materials von der Bearbeitungstemperatur abweicht, kann es zusätzlich zu der Polierrauhigkeit
aufgrund der unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten noch zu einer Vergrößerung
der Rauhigkeit durch eine unterschiedliche Ausdehnung der beiden Komponenten kommen,
so daß die Qualität der Oberfläche des Materials nicht mehr den geforderten Ansprüchen
entspricht.
[0004] Kommt das Material beispielsweise für die Herstellung von Wafern zum Einsatz werden
Oberflächenrauhigkeiten von < 2 Å gefordert. Dies ist bislang durch die bekannten
Verfahren nicht zu erreichen.
[0005] Folglich ist es die Aufgabe der Erfindung, die Oberflächenqualität des mindestens
zwei Komponenten aufweisenden Werkstoffs bei der Anwendungstemperatur zu verbessern.
[0006] Die Aufgabe wird mit einem Verfahren zur Bearbeitung gelöst, insbesondere zum Polieren
der Oberfläche eines mindestens zwei Komponenten aufweisenden Materials mit mindestens
einer Polierscheibe und einer Suspension bei einer vorgebbaren Bearbeitungstemperatur,
bei der sich die Komponenten aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten
einen unterschiedlichen Ausdehnungszustand und aufgrund unterschiedlicher Abtragseigenschaften
unterschiedliche Abtragsraten aufweisen, wobei die Bearbeitungstemperatur so gewählt
wird, daß der unterschiedliche Abtrag der Komponenten aufgrund deren unterschiedlicher
Ausdehnung einander so kompensiert wird, daß die Rauhigkeit der Oberfläche des bearbeiteten
Materials bei der Anwendungstemperatur minimal ist.
[0007] Hierbei wird ausgehend von einer bereits zum Fertigungsprozeß bekannten späteren
Anwendungstemperatur in Abhängigkeit der jeweiligen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und der jeweiligen Abtragseigenschaften der Komponenten die Bearbeitungstemperatur
oberhalb oder unterhalb der Anwendungstemperatur eingestellt, und zwar so, daß sich
die Vertiefungen in der Oberfläche im Bereich der Komponente mit höherem Abtrag bei
der Anwendungstemperatur entsprechend ihres Wärmeausdehnungskoeffizienten ausdehnen
und gleichzeitig Erhöhungen im Bereich der anderen Komponente mit niedrigerem Abtrag
bei Anwendungstemperatur schrumpfen oder sich zumindest weniger stark ausdehnen. Durch
diese Vorgehensweise gelingt es, bei Kenntnis der späteren Anwendungstemperatur unter
Berücksichtigung der materialspezifischen Eigenschaften Abtragseigenschaften und Wärmeausdehnungskoeffizienten
ein weitgehendes Einebnen der Materialoberfläche bei der Anwendungstemperatur zu,
erzielen.
[0008] Bei einem anderen Werkstoff ist es auch möglich, daß die mindestens zwei Komponenten
unterschiedliche Wärmeausdehnungskoeffizienten bei jedoch gleichen Abtragseigenschaften
aufweisen.
Hierbei wird die Aufgabe mit einem Verfahren bei einer vorgebbaren Bearbeitungstemperatur
und einer bekannten Anwendungstemperatur gelöst, wobei die Bearbeitungstemperatur
gleich der Anwendungstemperatur gewählt wird.
[0009] Während der Bearbeitung stellt sich bei gleichen Abtragsverhalten der Komponenten
eine optimierte Oberflächenrauhigkeit ein, die bei einer anderen Anwendungstemperatur
als der Bearbeitungstemperatur durch die unterschiedlichen Wärmeausdehnungskoeffizienten
und die damit verbundenen unterschiedlichen Ausdehnungen der Komponenten zu einer
Verschlechterung der Oberflächenrauhigkeit führt.
[0010] In einer besonderen Ausgestaltung wird die Temperatur der Polierscheibe, günstigerweise
auch der Suspension, gemessen.
[0011] Mit Hilfe dieser Vorgehensweise kann die Bearbeitungstemperatur, welche in einer
vorteilhaften Ausführungsform über die Suspension und/oder die Polierscheibe eingestellt
werden kann, kontrolliert und gegebenenfalls angeglichen werden.
[0012] In der nachfolgenden einzigen Figur wird die Erfindung beispielhaft näher erläutert.
[0013] Dabei zeigt die Figur schematisch die zu bearbeitende Oberfläche 3 während der Bearbeitung
bei einer Bearbeitungstemperatur sowie nach der Bearbeitung bei der bereits vorher
bekannten Anwendungstemperatur. In der vorliegenden Figur wurde die Bearbeitungstemperatur
kleiner als die Anwendungstemperatur gewählt. Außerdem weist die Glasphase 2 gegenüber
der Keramikphase 1 einen größeren Abtrag und einen positiven Wärmeausdehnungskoeffizienten
auf. Die Keramikphase hat einen negativen Wärmeausdehnungskoeffizienten.
[0014] Während der Bearbeitung bilden sich im Bereich der Glasphase 2 Vertiefungen 4 aus,
die aus einem größeren Abtrag während des Poliervorgangs resultieren. Gleichzeitig
sind Erhöhungen 5 der Keramikphase 1 zu erkennen.
[0015] Nach der Bearbeitung steigt die Temperatur auf die endgültige Anwendungstemperatur
an, so daß die Glasphase 2 mit einem positiven Wärmeausdehnungskoeffizienten entsprechend
dem Ausdehnungsweg 8 expandiert und sich die Keramikphase 1, die einen negativen Wärmeausdehnungskoeffizienten
aufweist, entsprechend dem Schrumpfweg 6 bis zur Oberfläche 7 der Keramikphase zusammenzieht.
[0016] Der Verlauf der Oberfläche 7, 9 bei Anwendungstemperatur ergibt sich in der Figur
aus der Oberfläche 7 der Keramikphase bei Anwendungstemperatur und der Oberfläche
9 der Glasphase bei Anwendungstemperatur.
Bezugszeichenliste
[0017]
- 1
- Keramikphase
- 2
- Glasphase
- 3
- Oberfläche bei Bearbeitungstemperatur
- 4
- Vertiefung Glasphase bei Bearbeitungstemperatur
- 5
- Erhöhung Keramikphase bei Bearbeitungstemperatur
- 6
- Schrumpfweg Keramikphase nach Bearbeitungstemperatur bei Anwendungstemperatur
- 7
- Oberfläche Keramikphase bei Anwendungstemperatur
- 8
- Ausdehnungsweg Glasphase nach Bearbeitungstemperatur bei Anwendungstemperatur
- 9
- Oberfläche Glasphase bei Anwendungstemperatur
1. Verfahren zum Polieren der Oberfläche eines mindestens zwei Komponenten aufweisenden
Materials, wobei jede Komponente in Verbindung mit der zu bearbeitenden Oberfläche
steht, mit mindestens einer Polierscheibe und einer Suspension bei einer vorgebbaren
Bearbeitungstemperatur, bei der die Komponenten aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten
einen unterschiedlichen Ausdehnungszustand und aufgrund unterschiedlicher Abtragseigenschaften
unterschiedliche Abtragsraten aufweisen, wobei die Bearbeitungstemperatur so gewählt
wird, daß der Abtrag der Komponenten aufgrund deren unterschiedlicher Ausdehnung einander
so kompensiert wird, daß die Rauhigkeit der Oberfläche des bearbeiteten Materials
bei der Anwendungstemperatur minimal ist.
2. Verfahren zum Polieren, der Oberfläche eines mindestens zwei Komponenten aufweisenden
Materials, wobei jede Komponente in Verbindung mit der zu bearbeitenden Oberfläche
steht, mit mindestens einer Polierscheibe und einer Suspension bei einer vorgebbaren
Bearbeitungstemperatur, bei der die Komponenten aufgrund unterschiedlicher Wärmeausdehnungskoeffizienten
einen unterschiedlichen Ausdehnungszustand und aufgrund identischer Abtragseigenschaften
identische Abtragsraten aufweisen, und einer bekannten Anwendungstemperatur, wobei
die Bearbeitungstemperatur gleich der Anwendungstemperatur gewählt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem die Temperatur der Polierscheibe kontrolliert
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem die Temperatur der Suspension
kontrolliert wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei dem die Bearbeitungstemperatur über
die Suspension eingestellt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei dem die Bearbeitungstemperatur über
die Polierscheibe eingestellt wird.