[0001] Die Erfindung betrifft einen Preß- oder Stanzautomat mit einem Gestell, das ein Gestellunterteil
mit einer Aufspannplatte sowie ein eine Antriebseinheit aufnehmendes Gestelloberteil
aufweist, das sich über Ständer am Gestellunterteil abstützt, und mit einem von der
Antriebseinheit zu einer Hin- und Herbewegung antreibbaren Stößel, der über Führungssäulen
in vertikaler Richtung verschiebbar am Gestell gehalten ist, und mit einer Verstelleinrichtung
zur Verstellung der Stößelumkehrposition während des Betriebs des Preß- oder Stanzautomaten,
wobei der Verstelleinrichtung eine Meßeinrichtung zugeordnet ist mit einem ersten,
am bewegbaren Stößel gehaltenen Meßglied sowie einem mit diesem zusammenwirkenden,
ortsfest gehaltenen zweiten Meßglied zum berührungslosen Erfassen der Stößelumkehrposition,
und wobei die Führungssäulen sowie der Stößel und die Aufspannplatte einen Werkzeugeinbauraum
definieren zur Aufnahme von Werkzeugen.
[0002] Um bei Stanz- oder Preßautomaten den Werkzeugverschleiß zu reduzieren und damit die
Standzeiten der Werkzeuge zu verlängern, ist es günstig, wenn die Umkehrposition des
Stößels, das heißt dessen unterer Totpunkt, unabhängig von der Temperatur des Preß-
oder Stanzautomaten und unabhängig von den insbesondere in der Beschleunigungsphase
auftretenden Massenkräften möglichst konstant gehalten werden kann. Hierzu wird in
der DE-OS 27 31 074 ein Stellantrieb für eine Stößellageverstellung vorgeschlagen,
so daß im laufenden Betrieb des Preß- oder Stanzautomaten die Stößelumkehrposition
verstellt werden kann. Dies gibt die Möglichkeit, die Eintauchtiefe eines innerhalb
des Werkzeugeinbauraumes am Stößel gehaltenen Oberwerkzeugs in ein auf der Aufspannplatte
fixiertes Unterwerkzeug auch bei zunehmender Hubzahl konstant zu halten. Die DE-OS
27 31 074 schlägt in diesem Zusammenhange vor, innerhalb des Werkzeugeinbauraums im
Bereich der Werkzeuge eine induktive Eintauchtiefen-Meßeinrichtung anzuordnen, so
daß die Eintauchtiefe direkt erfaßt und an eine Regeleinrichtung weitergegeben werden
kann. Durch Vergleich zwischen IST-Wert und SOLL-Wert der Eintauchtiefe kann dann
die Stößelumkehrposition mit Hilfe des Stellantriebs entsprechend nachreguliert werden.
[0003] Statt einer direkten Messung der Eintauchtiefe des Stößels wird in der EP 0 367 035
B1 eine indirekte Messung vorgeschlagen, indem der im Werkzeug auftretende Druck erfaßt
wird. Hierzu kommt ein Druckaufnehmer zum Einsatz, der innerhalb des Werkzeugeinbauraumes
am Oberwerkzeug oder am Unterwerkzeug gehalten ist. Der beim Zusammenfahren von Oberwerkzeug
und Unterwerkzeug auf den Druckaufnehmer einwirkende Druck stellt hierbei ein Maß
für die Eintauchtiefe dar.
[0004] Ein weiterer Preß- oder Stanzautomat, bei dem die Stößelumkehrposition während des
Betriebs verstellt werden kann, ist aus der EP 0 732 194 B1 bekannt. Zur Messung der
Stößellage kommt eine Meßeinrichtung zum Einsatz mit einem ersten, mit dem Stößel
fest verbundenen Meßglied und einem zweiten, ortsfest gehaltenen Meßglied. Das erste
Meßglied ist stangen- oder bandförmig ausgebildet und weist eine vom zweiten Meßglied
erkennbare Skalenmarkierung in Form einer Vielzahl sich in Längsrichtung des ersten
Meßglieds abwechselnder Nord- und Südpolbereichen auf. Das zweite Meßglied umfaßt
einen Detektorkopf mit einer Induktionsschleife zur Bereitstellung eines von der Relativstellung
der beiden Meßglieder abhängigen Meßsignals. Die beiden Meßglieder sind bei einem
inneren Eckbereich des Werkzeugeinbauraumes angeordnet.
[0005] Werden die Meßglieder in die Werkzeuge eingebaut, so kann damit zwar die Stößellage
sehr genau erfaßt werden, die Umrüstung des Preß- oder Stanzautomaten ist allerdings
aufgrund des Einbaus der Meßglieder mit beträchtlichen Umrüstzeiten und Justierungsarbeiten
verbunden. Werden die Meßglieder außerhalb der Werkzeuge bei einem inneren Eckbereich
des Werkzeugeinbauraumes angeordnet, so können zwar die Umrüstzeiten reduziert werden,
es besteht allerdings die Gefahr einer Beschädigung und einer Verschmutzung der empfindlichen
Meßglieder.
[0006] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Preß- oder Stanzautomaten der gattungsgemäßen
Art derart weiterzubilden, daß auf konstruktiv einfache Weise eine zuverlässige Meßgröße
zur Verstellung der Stößelumkehrposition bereitgestellt werden kann, wobei praktisch
keine Gefahr einer Beschädigung der Meßglieder beim Umrüsten der Werkzeuge besteht.
[0007] Diese Aufgabe wird bei einem Preß- oder Stanzautomaten der eingangs genannten Art
erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß das erste und das zweite Meßglied außerhalb des
Werkzeugeinbauraumes in einem eine Führungssäule umgreifenden Bereich des Stößels
gehalten sind.
[0008] Wie eingangs erwähnt, ist der Stößel des erfindungsgemäßen Preßoder Stanzautomaten
mit Hilfe von Führungssäulen in vertikaler Richtung verschiebbar am Gestell gehalten.
Hierzu werden die Führungssäulen vom Stößel umgriffen. In die Erfindung fließt nun
der Gedanke ein, den die Führungssäulen umgreifenden Bereich des Stößels zur Anordnung
der ersten und zweiten Meßglieder der Meßeinrichtung heranzuziehen. In diesem Bereich
greift der Stößel über den Werkzeugeinbauraum hinaus, so daß der gesamte Werkzeugeinbauraum
zur Montage von Werkzeugen zur Verfügung steht und nicht durch die Anordnung der Meßglieder
beeinträchtigt wird. Es wird also der größtmögliche Werkzeugeinbauraum zur Verfügung
gestellt. Werden die Werkzeuge ausgetauscht, so wird deren Montage nicht durch die
Meßglieder behindert, so daß praktisch keine Gefahr besteht, daß die Meßglieder beim
Umrüsten des Preß- oder Stanzautomaten beschädigt werden. Auch die Verschmutzungsgefahr
wird deutlich reduziert.
[0009] Günstig ist es, wenn der Preß- oder Stanzautomat eine elektronische Vergleichseinheit
umfaßt, mit deren Hilfe die von den Meßgliedern bereitgestellte Meßgröße mit einem
SOLL-Wert verglichen werden kann. Letzterer ist vorzugsweise über eine Programmiereinheit
der Vergleichseinheit vorgebbar. Der SOLL-Wert kann beispielsweise von einer Bedienperson
nach erfolgter Umrüstung des Preß- oder Stanzautomaten während eines Testlaufs vorgegeben
werden, indem die Bedienperson die Qualität des mittels des Preß- oder Stanzautomaten
bearbeiteten Werkstücks beurteilt. Weicht der mittels der Meßglieder ermittelte IST-Wert
vom vorgebbaren SOLL-Wert über ein vorbestimmtes Toleranzmaß hinaus ab, so wird die
Stößelumkehrposition entsprechend korrigiert. Hierzu kommt die an sich bekannte Verstelleinrichtung
zum Einsatz, mit deren Hilfe die Stößellage, insbesondere die untere Totpunktlage
des Stößels, während des laufenden Betriebs des Preß- oder Stanzautomaten nachjustiert
werden kann.
[0010] Von Vorteil ist es, wenn im Abstand zu den Führungssäulen jeweils ein Ständer und/oder
eine seitliche Schutzwand angeordnet sind, und das erste und das zweite Meßglied im
Bereich zwischen der Führungssäule und dem zugeordneten Ständer bzw. der zugeordneten
Schutzwand positioniert sind. Die Meßglieder sind dadurch zuverlässig vor mechanischen
Einwirkungen geschützt, da sie außerhalb des Werkzeugeinbauraumes im Bereich zwischen
einer Führungssäule und dem zugeordneten Ständer bzw. der zugeordneten Schutzwand
angeordnet sind. In Richtung auf den Werkzeugeinbauraum besteht dadurch ein Schutz
aufgrund der Führungssäule, in der dem Werkzeugeinbauraum abgewandten Richtung sind
die Meßglieder durch den Ständer bzw. die Schutzwand abgedeckt.
[0011] Vorzugsweise ist das zweite Meßglied dem ersten Meßglied benachbart an einem Ständer
gehalten. Alternativ könnte vorgesehen sein, das zweite Meßglied dem ersten Meßglied
benachbart am Pressentisch zu fixieren.
[0012] Um das zweite Meßglied besonders zuverlässig vor mechanischen Einwirkungen zu schützen,
ist es günstig, wenn das zweite Meßglied an der der zugeordneten Führungssäule zugewandten
Seitenwand des Ständers gehalten ist.
[0013] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Preß- oder
Stanzautomaten ist vorgesehen, daß der Preß- oder Stanzautomat ein Dehnungsmeßglied
umfaßt zur Messung der Dehnung des Ständers, an dem das zweite Meßglied gehalten ist,
und daß der Preß- oder Stanzautomat eine dem Dehnungsmeßglied zugeordnete Korrektureinheit
aufweist zur Korrektur des von der Meßeinrichtung bereitgestellten Meßwerts in Abhängigkeit
vom Meßsignal des Dehnungsmeßgliedes. Eine derartige Ausgestaltung hat den Vorteil,
daß Meßungenauigkeiten, die sich aufgrund einer Dehnung des Ständers ergeben, kompensiert
werden können. Um die Säulendehnung zu erfassen, kommt das Dehnungsmeßglied zum Einsatz,
das ein Meßsignal bereitstellt zur Korrektur des von der Meßeinheit bereitgestellten
Meßwertes. Während des Betriebs des Preß- oder Stanzautomaten kann folglich die Stößelumkehrposition
sehr exakt bestimmt werden, ohne daß es hierzu erforderlich ist, die Meßglieder innerhalb
des Werkzeugeinbauraumes zu positionieren.
[0014] Um eine ungleichmäßige Ständerdehnung zuverlässig erfassen zu können, ist bei einer
bevorzugten Ausgestaltung vorgesehen, daß der Preß- oder Stanzautomat zumindest zwei
Druckmeßglieder aufweist, die an zwei einander diagonal gegenüberliegenden Ständern
des Gestells angeordnet sind. Die diagonale Anordnung der Druckmeßglieder am Gestell
ermöglicht es auf konstruktiv einfache Weise, ungleichmäßige Ständerdehnungen zu ermitteln,
so daß Meßungenauigkeiten bezüglich der unteren Totpunktlage des Stößels aufgrund
einer ungleichmäßigen Ständerdehnung korrigiert werden können.
[0015] Eine besonders hohe Präzision bei der Messung der Stößelumkehrposition bei von der
Messung unbeeinflußtem Werkzeugeinbauraum kann dadurch erzielt werden, daß der Preß-
oder Stanzautomat mindestens zwei Meßeinrichtungen umfaßt mit jeweils einem ersten
und einem zweiten Meßglied, wobei die Meßeinrichtungen außerhalb des Werkzeugeinbauraumes
in einander diagonal gegenüberliegenden, jeweils eine Führungssäule umgreifenden Bereichen
des Stößels angeordnet sind. Die diagonale Anordnung der Meßeinrichtungen ermöglicht
es, eventuell auftretende Führungsunsymmetrien des Stößels auszugleichen, so daß trotz
der Messung der Stößellage außerhalb des Werkzeugeinbauraums zuverlässig die Lage
des Stößels innerhalb des Werkzeugeinbauraums bestimmt werden kann.
[0016] Von besonderem Vorteil ist es hierbei, wenn der Preß- oder Stanzautomat eine Signalverarbeitungseinheit
umfaßt, die zur Berechnung eines Mittelwerts der von den beiden Meßeinrichtungen bereitgestellten
Meßsignalen mit den beiden Meßeinrichtungen verbunden ist. Die Mittelwertbildung der
beiden in diagonaler Anordnung erfaßten Meßsignale ermöglicht es auf konstruktiv besonders
einfache Weise, die innerhalb des Werkzeugeinbauraums herrschende Stößellage zu ermitteln.
[0017] Zum berührungslosen Erfassen der Stößellage können die ersten und zweiten Meßglieder
beispielsweise magnetisch zusammenwirken. So kann das zweite Meßglied zum Beispiel
einen magnetfeldempfindlichen Sensor, vorzugsweise einen Hallsensor aufweisen, wobei
die am Sensor herrschende Magnetfeldstärke von der Stellung des ersten Meßgliedes
abhängig ist. Das erste Meßglied kann hierzu ein Steuerglied aufweisen zur Beeinflussung
des am Ort des Sensors herrschenden Magnetfeldes. Das Steuerglied kann beispielsweise
konisch ausgestaltet sein, so daß durch eine Vertikalbewegung des ersten Meßgliedes
der Abstand des Steuergliedes zum Sensor des zweiten Meßgliedes verändert und dadurch
die am Sensor auftretende Magnetfeldstärke beeinflußt wird.
[0018] Bei einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Preßoder Stanzautomaten
ist vorgesehen, daß das erste und das zweite Meßglied induktiv zusammenwirken. Hierbei
ist es besonders günstig, wenn das erste oder das zweite Meßglied in das jeweils andere
Meßglied eingreift. Vorzugsweise umfaßt eines der beiden Meßglieder eine Spule, durch
die ein von der Lage des anderen Meßgliedes abhängiger Strom fließt. Eines der beiden
Meßglieder kann beispielsweise eine Vielzahl von in Reihe zueinander angeordneter,
einander abwechselnder Nord- und Südpole aufweisen. Vorzugsweise ist die Reihe der
Nord- und Südpole am ersten Meßglied angeordnet, das hierzu eine stangen- oder bandförmige
Ausgestaltung aufweist. Das zweite Meßglied weist vorzugsweise eine U-förmige Nut
auf, in die das erste Meßglied eintaucht, und umfaßt zumindest eine Induktionsspule,
so daß eine Relativverschiebung der beiden Meßglieder innerhalb der Induktionsspule
einen Strom induziert, der von einem zugeordneten Detektor erfaßt werden kann zur
Bereitstellung eines von der Lage des Stößels abhängigen Meßsignals.
[0019] Die nachfolgende Beschreibung einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung dient
im Zusammenhang mit der Zeichnung der näheren Erläuterung. Es zeigen:
Figur 1: eine schematische Darstellung eines Preß- oder Stanzautomaten und
Figur 2: eine Schnittansicht längs der Linie 2-2 in Figur 1.
[0020] Als Beispiel eines erfindungsgemäßen Preß- oder Stanzautomaten ist in der Zeichnung
in schematischer Weise ein Schnellstanzautomat dargestellt, der insgesamt mit dem
Bezugszeichen 10 belegt ist. Er umfaßt ein rahmenartiges Gestell 12 mit einem Gestellunterteil
14 und einem Gestelloberteil 15, das sich über insgesamt vier, in den Eckpunkten eines
Rechtecks angeordnete Ständer 16 am Gestellunterteil 15 abstützt. Die Ständer 16 weisen
somit eine tragende Funktion auf und sind dementsprechend massiv ausgestaltet.
[0021] Das Gestelloberteil 15 nimmt eine Antriebseinheit 18 auf zum Antrieb eines in vertikaler
Richtung hin- und herbewegbaren Stößels 20. Hierzu umfaßt die Antriebseinheit eine
Exzenterwelle 22, die mittels Rollenlager 24 drehbar am Gestell 12 gehalten ist und
mittels eines in der Zeichnung nicht dargestellten, an sich bekannten Antriebsmotors
zu einer Drehbewegung antreibbar ist. An der Exzenterwelle 22 sind zwei Pleuel 26,
27 drehbar gehalten. Beide Pleuel 26 und 27 sind mit ihrem freien Ende über eine zur
Verstellung der Umkehrposition des Stößels vorgesehene Verstelleinrichtung 29 am Stößel
20 gehalten.
[0022] Die Führung des Stößels in vertikaler Richtung erfolgt mittels insgesamt vier in
den Eckpunkten eines Rechtecks angeordneter Führungssäulen 31 bis 34, die jeweils
von einem Haltearm 35, 36, 37 bzw. 38 des Stößels 20 umgriffen sind, so daß die Führungssäulen
31 bis 34 - jeweils einem Ständer 16 benachbart - unverschieblich am Stößel 20 gehalten
sind.
[0023] Die Führungssäulen 31 bis 34 sind mit ihrer jeweiligen Längsachse 31a bis 34a vertikal
ausgerichtet und begrenzen in horizontaler Richtung einen Werkzeugeinbauraum 40, dessen
vertikale Ausdehnung durch die Unterseite des Stößels 20 sowie die Oberseite einer
Aufspannplatte 42 des Gestellunterteils 14 begrenzt ist. Innerhalb des Werkzeugeinbauraums
40 lassen sich am Stößel 20 und der Aufspannplatte 42 ein an sich bekanntes und deshalb
in der Zeichnung nicht dargestelltes Unterwerkzeug bzw. ein in der Zeichnung ebenfalls
nicht dargestelltes, an sich bekanntes Oberwerkzeug montieren zum Stanzen oder Pressen
eines Werkstückes.
[0024] Jeder Führungssäule 31 bis 34 ist endseitig oberhalb und unterhalb des Werkzeugeinbauraumes
40 ein spielfrei vorgespanntes Wälzlager 45 zugeordnet mit einer Führungsbuchse, so
daß der Stößel 20 mittels der Führungssäulen 31 bis 34 und der Wälzlager 45 in vertikaler
Richtung exakt geführt ist.
[0025] Um im Dauerbetrieb des Schnellstanzautomaten auftretende Temperatureinflüsse möglichst
gering zu halten, ist ein Öl-Kühlkreislauf 47 vorgesehen mit einem in der Zeichnung
nicht dargestellten Ölbehälter, der in das Gestellunterteil 14 integriert ist.
[0026] Der Stößel 20 ist über die Pleuel 26 und 27 mittels der Exzenterwelle 22 zu einer
Hin- und Herbewegung antreibbar. Zum Ausgleich der hierbei auftretenden Massenkräfte
umfaßt die Antriebseinheit 18 eine oberhalb der Exzenterwelle 22 angeordnete und mit
dieser über einen Pleuel 49 gekoppelte Ausgleichsmasse 51, die an vertikal ausgerichteten
Führungsstangen 53 geführt ist.
[0027] Die Aufstellung des Schnellstanzautomaten 10 auf einer Bodenfläche 55 erfolgt über
Schwingungsdämpfer 57, die eine möglichst umweltfreundliche Aufstellung des Schnellstanzautomaten
10 ermöglichen, indem auftretende Schwingungen sehr stark gedämpft werden.
[0028] Während der Anlaufphase des Schnellstanzautomaten 10 kann trotz des Einsatzes des
Kühlkreislaufes 47 eine geringfügige Temperaturerhöhung nicht vermieden werden. Diese
Temperaturerhöhung führt ebenso wie auftretende Massenkräfte dazu, daß sich der untere
Umkehrpunkt des Stößels 20 geringfügig verändert. Um dieser Veränderung entgegenzuwirken,
kann die Stößelumkehrposition des Stößels 20 während des Betriebs des Preß- oder Stanzautomaten
10 mittels der Verstelleinrichtungen 29 verstellt werden. Zur Bestimmung der Stößellage
ist im Bereich der Führungssäule 31 sowie im Bereich der der Führungssäule 31 diagonal
gegenüberliegenden Führungssäule 34 jeweils eine Meßeinrichtung 60 bzw. 62 angeordnet,
die jeweils ein erstes, außerhalb des Werkzeugeinbauraumes 40 im Bereich des jeweiligen
Haltearms 35 bzw. 38 festgelegtes erstes Meßglied 64 und ein mit dem ersten Meßglied
34 zusammenwirkendes, am jeweils benachbart angeordneten Ständer 16 gehaltenes zweites
Meßglied 66 umfassen. Die horizontale Ausdehnung des Werkzeugeinbauraumes 40 wird,
wie voranstehend erläutert, durch die Führungssäulen 31 bis 34 bestimmt. Wie insbesondere
aus Figur 2 deutlich wird, sind die beiden Meßeinrichtungen 60 und 62 außerhalb des
Werkzeugeinbauraumes 40 angeordnet, denn die jeweils eine Führungssäule 31 bis 34
umgreifenden Haltearme 35 bis 38 ragen über den Werkzeugeinbauraum 40 hinaus, und
die ersten Meßglieder 64 sind in dem über den Werkzeugeinbauraum 40 hinausragenden
Bereich an den Haltearmen 35 bzw. 38 fixiert. Die zweiten Meßglieder 66 sind, ebenfalls
außerhalb des Werkzeugeinbauraumes 40, am jeweils benachbarten Ständer 16 festgelegt.
[0029] Die ersten Meßglieder 64 sind jeweils stangenförmig ausgestaltet und weisen eine
Vielzahl von in Längsrichtung hintereinander angeordneter Nord- und Südpole auf. Die
zweiten Meßglieder 66 umfassen jeweils eine Aufnahmenut, in die die ersten Meßglieder
64 eintauchen, sowie jeweils eine Induktionsspule (nicht dargestellt), in der beim
Verschieben des Stößels 20 und der damit verbundenen Relativbewegung der ersten Meßglieder
64 ein Induktionsstrom induziert wird. Derartige Meßeinrichtungen 60 bzw. 62 mit ersten
und zweiten Meßgliedern 64 bzw. 66 sind an sich bekannt und beispielsweise in der
EP 0 732 194 B1 beschrieben. Die beiden Meßeinrichtungen 60 und 62 stehen über nicht
dargestellte elektrische Leitungen mit einer Signalverarbeitungseinheit 71 in elektrischer
Verbindung, die ihrerseits über nicht dargestellte elektrische Leitungen mit den Verstelleinrichtungen
29 gekoppelt ist. Die Signalverarbeitungseinheit 71 umfaßt eine elektronische Anzeigevorrichtung
73 sowie ein Tastenfeld 74 zur Eingabe von Steuerungsdaten und dient der Steuerung
des Schnellstanzautomaten 10 einschließlich der Verstelleinrichtungen 29. Außerdem
wird von der Signalverarbeitungseinheit 71 ein an sich bekannter, in der Zeichnung
nicht dargestellter Vorschubapparat gesteuert, mit dem dem Werkzeugeinbauraum 40 zu
bearbeitende Werkstücke zugeführt werden können.
[0030] Wie insbesondere aus Figur 2 deutlich wird, sind die beiden Meßeinrichtungen 60 und
62 außerhalb des Werkzeugeinbauraumes 40 angeordnet, und zwar in einem Bereich zwischen
der jeweiligen Führungssäule 31 bzw. 34 und einer am jeweils zugeordneten Ständer
16 fixierten seitlichen Schutzwand 68, so daß die Meßeinrichtungen 60 und 62 einerseits
durch die jeweilige Führungssäule 31 bzw. 34 und andererseits durch den jeweils zugeordneten
Ständer 16 und die Schutzwand 68 vor mechanischen Einwirkungen geschützt sind.
[0031] Mittels der ersten und zweiten Meßglieder 64 bzw. 66 der beiden Meßeinrichtungen
60 und 62 kann während des laufenden Betriebs des Schnellstanzautomaten 10 die Lage
des unteren Totpunktes des Stößels 20 erfaßt werden. Die beiden Meßeinrichtungen 60
und 62 stellen der Signalverarbeitungseinheit 71 jeweils ein Meßsignal bereit, wobei
die Signalverarbeitungseinheit 71 einen Mittelwert bildet, der zur Steuerung der Verstelleinrichtungen
29 herangezogen wird.
[0032] Die zweiten Meßglieder 66 der beiden Meßeinrichtungen 60 und 62 sind an der der jeweiligen
Führungssäule 31 bzw. 34 zugewandten Seitenwand 76 des jeweils benachbart angeordneten
Ständers 16 gehalten. Die jeweilige Seitenwand 76 nimmt zusätzlich jeweils ein Dehnungsmeßglied
78 bzw. 80 auf, beispielsweise einen Dehnungsmeßstreifen, mit dessen Hilfe eine temperaturbedingte
Dehnung des jeweiligen Ständers 16 erfaßt werden kann. Die Dehnungsmeßglieder 78 und
80 stehen über in der Zeichnung nicht dargestellte elektrische Leitungen ebenfalls
mit der Signalverarbeitungseinheit 71 in elektrischer Verbindung. Die Meßsignale der
Dehnungsmeßglieder 78 und 80 werden zur Korrektur der von den Meßeinrichtungen 60
und 62 bereitgestellten Meßsignale herangezogen. Hierzu umfaßt die Signalverarbeitungseinheit
71 eine Korrektureinheit 82, so daß aufgrund einer Ständerdehnung auftretende Meßungenauigkeiten
der Meßeinrichtungen 60 und 62 kompensiert werden können.
[0033] Kommt es während des Betriebs des Schnellstanzautomaten 10 zu einer Veränderung des
unteren Totpunktes des Stößels 20, so wird dies von den Meßeinrichtungen 60 und 62
registriert, die ein IST-Signal bereitstellen, das mit einem der Signalverarbeitungseinheit
71 vorgebbaren SOLL-Signal verglichen werden kann. Überschreitet die hierbei ermittelte
Abweichung einen ebenfalls der Signalverarbeitungseinheit 71 vorgebbaren Toleranzbereich
, so werden die Verstelleinrichtungen 29 zu einer Korrektur der Stößelumkehrposition
aktiviert, indem die effektive Länge der Pleuel 26 und 27 nachjustiert wird.
1. Preß- oder Stanzautomat (10) mit einem Gestell (12), das ein Gestellunterteil (14)
mit einer Aufspannplatte (42) sowie ein eine Antriebseinheit (18) aufnehmendes Gestelloberteil
(15) aufweist, das sich über Ständer (16) am Gestellunterteil (14) abstützt, und mit
einem von der Antriebseinheit (18) zu einer Hinund Herbewegung antreibbaren Stößel
(20), der über Führungssäulen (31, 32, 33, 34) in vertikaler Richtung verschiebbar
am Gestell (12) gehalten ist, und mit einer Verstelleinrichtung (29) zur Verstellung
der Stößelumkehrposition während des Betriebs des Preß- oder Stanzautomaten (10),
wobei der Verstelleinrichtung (29) eine Meßeinrichtung (60; 62) zugeordnet ist mit
einem ersten, am bewegbaren Stößel (20) gehaltenen Meßglied (64) sowie einem mit diesem
zusammenwirkenden, ortsfest gehaltenen zweiten Meßglied (66) zum berührungslosen Erfassen
der Stößelumkehrposition, und wobei die Führungssäulen (31, 32, 33, 34) sowie der
Stößel (20) und die Aufspannplatte (42) einen Werkzeugeinbauraum (40) definieren zur
Aufnahme von Werkzeugen, dadurch gekennzeichnet, daß das erste und das zweite Meßglied (64, 66) außerhalb des Werkzeugeinbauraums (40)
in einem eine Führungssäule (31 bzw. 34) umgreifenden Bereich (35 bzw. 38) des Stößels
(20) angeordnet sind.
2. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß im Abstand zu den Führungssäulen (31, 32, 33, 34) jeweils ein Ständer (16) und/oder
eine seitliche Schutzwand (68) angeordnet sind und daß das erste und das zweite Meßglied
(64, 66) im Bereich zwischen der Führungssäule (31, 32, 33, 34) und dem zugeordneten
Ständer (16) bzw. einer zugeordneten Schutzwand (68) positioniert sind.
3. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß das zweite Meßglied (66) dem ersten Meßglied (64) benachbart an einem Ständer (16)
gehalten ist.
4. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß das zweite Meßglied (66) an der der benachbarten Führungssäule (31, 34) zugewandten
Seite (76) des Ständers (16) gehalten ist.
5. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß der Preß- oder Stanzautomat (10) ein Dehnungsmeßglied (78) umfaßt zur Messung der
Dehnung des Ständers (16), an dem das zweite Meßglied (66) gehalten ist, und daß der
Preß- oder Stanzautomat (10) eine dem Dehnungsmeßglied (78) zugeordnete Korrektureinheit
(82) aufweist zur Korrektur des von der Meßeinheit (60, 62) bereitgestellten Meßwerts
in Abhängigkeit vom Meßsignal des Dehnungsmeßgliedes (78).
6. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Preß- oder Stanzautomat (10) zumindest zwei Dehnungsmeßglieder (78) umfaßt, die
an zwei einander diagonal gegenüberliegenden Ständern (16) des Gestells (12) angeordnet
sind.
7. Preß- oder Stanzautomat nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Preß- oder Stanzautomat (10) mindestens zwei Meßeinrichtungen (60, 62) umfaßt
mit jeweils einem ersten und einem zweiten Meßglied (64, 66), wobei die Meßeinrichtungen
(60, 62) außerhalb des Werkzeugeinbauraumes (40) in einander diagonal gegenüberliegenden,
jeweils eine Führungssäule (31, 34) umgreifenden Bereichen (35, 38) des Stößels (20)
angeordnet sind.
8. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß der Preß- oder Stanzautomat (10) eine Signalverarbeitungseinheit (71) umfaßt, die
zur Berechnung eines Mittelwertes der von den beiden Meßeinrichtungen (60, 62) bereitgestellten
Meßsignale mit den beiden Meßeinrichtungen (60, 62) verbunden ist.
9. Preß- oder Stanzautomat nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das erste und das zweite Meßglied (64, 66) magnetisch miteinander zusammenwirken.
10. Preß- oder Stanzautomat nach einem der voranstehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß das erste und das zweite Meßglied (64, 66) induktiv miteinander zusammenwirken.
11. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß eines der beiden Meßglieder (66) eine Spule umfaßt und durch die Spule ein von der
Relativstellung der beiden Meßglieder (64, 66) abhängiger Strom fließt.
12. Preß- oder Stanzautomat nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß eines der beiden Meßglieder (64) eine Vielzahl von in Reihe hintereinander angeordneter,
einander abwechselnder magnetischer Nord- und Südpolbereiche aufweist