[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren und Systeme zur digitalen Übertragung,
bei der die Übertragung durch Modulation einer Trägerfrequenz erfolgt, wie z.B. beim
Mobilfunksystem GSM (Global System for Mobile Communication). Sie betrifft insbesondere
ein Verfahren und ein System zur Frequenzoffsetschätzung für TDMA-(Time-Division Multiple
Access) und/oder FDMA- (Frequency-Division Multiple Access) Übertragung, die zumindest
näherungsweise durch Pulsamplitudenmodulation beschreibbar ist.
[0002] Bei der trägerfrequenzbasierten digitalen Übertragung über dispersive Kanäle, z.B.
über einen Mobilfunkkanal oder Zweidrahtleitungen, treten bei realen Systemen unvermeidliche
Abweichungen zwischen der Trägerfrequenz des empfangenen Signals und der im Empfänger
wirksamen Referenzfrequenz auf. Ursache dafür sind sowohl Toleranzen in den Frequenznormalen
(Oszillatoren) des Senders bzw. Empfängers als auch Frequenzverschiebungen durch örtliche
Bewegung von Sender und/oder Empfänger. Der dabei auftretende Effekt wird als Doppler-Effekt
bezeichnet und kann sowohl eine einfache Verschiebung der gesendeten Frequenz als
auch eine Überlagerung unendlich vieler, infinitesimal kleiner Empfangssignal-Anteile
mit unterschiedlichen Frequenzverschiebungen bewirken (Doppler-Spread). Liegt ein
solcher Frequenzoffset vor, so nimmt - ohne entsprechende Gegenmaßnahmen - die Leistungsfähigkeit
des Empfängers bzgl. der Rückgewinnung der gesendeten Datenfolge deutlich ab. Dies
drückt sich in einem Anstieg der Bit- bzw. Blockfehlerrate aus. Bei Kenntnis des Frequenzoffsets
können im Empfänger wirksame Maßnahmen zu dessen Kompensation ergriffen und somit
die Leistungsfähigkeit des Empfängers deutlich verbessert werden. Hierzu sind einige
Verfahren bekannt.
[0003] Eine Übersicht zum gegenwärtigen Stand der Technik wird z.B. in U. Mengali and A.N.
D'Andrea, "Synchronisation Techniques for Digital Receivers", Plenum Press, New York,
1997 gegeben. Das theoretisch leistungsfähigste Verfahren ("Data Aided Maximum Likelihood
Frequency Estimation") erfordert einen zweistufigen Suchalgorithmus und ist sehr rechenaufwendig.
Daher kommt dieses Verfahren in der Praxis nicht zum Einsatz. Vereinfachte Varianten
davon, die ebenfalls auf datengestützter Schätzung des Frequenzoffsets basieren, wie
zum Beispiel offenbart in S. Kay, "A Fast and Accurate Single Frequency Estimator",
IEEE Trans. Acoust. Speech, Signal Processing, ASSP-37, pp. 1987-1990, Dec. 1989, in M.P. Fitz, "Further Results in the Fast Estimation
of a Single Frequency",
IEEE Trans. Comm., COM-42, pp. 862-864, March 1994, und in M. Luise and R. Reggiannini, "Carrier Frequency
Recovery in All-Digital Modems for Burst-Mode Transmission",
IEEE Trans. Comm., COM-43, pp. 1169-1178, March 1995 zeigen gute Leistungsfähigkeit bei akzeptabler
Komplexität. Allerdings ist ihre Anwendbarkeit u.a. den folgenden erheblichen Einschränkungen
unterworfen:
- Für das Gesamtübertragungssystem wird Intersymbolinterferenz-Freiheit vorausgesetzt
(Erfüllung des ersten "Nyquist-Kriteriums")
- Es wird eine reine Phasenmodulation (PSK, Phase-Shift Keying) vorausgesetzt.
[0004] Insbesondere die erste Bedingung der Intersymbolinterferenz-Freiheit kann in vielen
praktischen Anwendungsfällen (z.B. bei frequenzselektiven Fadingkanälen wie im GSM-
Mobilfunk) nicht einmal näherungsweise als erfüllt gelten.
[0005] Verzerrende Übertragungskanäle und beliebige lineare Modulation sind in einem in
U. Dettmar, "Combined Channel Estimation and Frequency Correction for Packet Oriented
Mobile Communication Systems",
Proceedings of IEEE international Symposium on Personal, Indoor and Mobile Radio Communication
(PIMRC'96), Taipeh, Taiwan, pp. 334-338, Oct. 1996, beschriebenen Verfahren zugelassen, welches
eine gemeinsame Least-Squares-Schätzung von Kanalimpulsantwort und Frequenzoffset
durchführt. Dabei wird die Übertragung einer empfangsseitig bekannten Trainingssequenz
vorausgesetzt. Bei relativ kleinen Frequenzoffsets und kurzen Trainingssequenzen,
wie z.B. beim GSM-Standard der Fall, kann mit diesem Verfahren jedoch keine hinreichend
genaue Schätzung des Frequenzoffsets vorgenommen werden.
[0006] Ein weiterer entscheidender Nachteil der genannten Verfahren ist, daß diese für den
Fall einer Störung des Übertragungskanals durch additives, in der Regel, d.h. im betrachteten
Übertragungsspektrum weißes Rauschen (AWGN: Additive White Gaussian Noise) optimiert
sind. Diese Annahme trifft in vielen praktischen Übertragungssystemen nicht einmal
näherungsweise zu.
[0007] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht deshalb darin, ein System und ein
Verfahren für eine möglichst zuverlässige Schätzung des Frequenzoffsets in einem trägerfrequenzbasierten
digitalen Übertragungssystem (z.B. GSM-Mobilfunksystem) unter folgenden Randbedingungen
bereitzustellen:
- es kommt ein (näherungsweise) lineares Modulationsverfahren zum Einsatz wie z.B. QAM
(Quadrature Amplitude Modulation), PSK (Phase-Shift Keying) oder GMSK (Gaussian Minimum-Shift
Keying), wobei letzteres Modulationsverfahren durch gefilterte BPSK (Binary Phase-Shift
Keying) approximiert werden kann,
- das Empfangssignal steht als sogenanntes äquivalentes komplexes Basisbandsignal zur
Verfügung,
- die erste Nyquistbedingung ist nicht notwendigerweise erfüllt (d.h. es liegen möglicherweise
Intersymbolinterferenzen vor),
- es ist kein besonderes Vorwissen über den Übertragungskanal nötig; es wird nur das
Senden einer Trainingssequenz zur empfangsseitigen Schätzung der Kanalimpulsantwort
vorausgesetzt,
- die auf dem Übertragungskanal vorliegende Art der Störung (z.B. Rauschen, Nachbar-
oder Gleichkanalinterferenz) muss nicht a-priori bekannt sein,
- der Bereich des zu erwartenden Frequenzoffsets, insbesondere der maximal auftretende
Frequenzoffset, muss näherungsweise bekannt sein.
[0008] Diese Aufgabe wird gelöst durch ein Verfahren mit den Merkmalen von Patentanspruch
1 und durch ein System mit den Merkmalen von Patentanspruch 8.
[0009] Das Prinzip der Erfindung ist,
(1) aus dem Empfangssignal eine Anzahl von N weiteren Varianten des Empfangssignals
(Empfangssignal-Derivate) abzuleiten, welche durch N geeignete unterschiedliche diskrete Frequenzverschiebungen
des ursprünglichen Empfangssignals gewonnen werden,
(2) jedes dieser N Empfangssignal-Derivate für eine Rückgewinnung der Sendesymbolfolge
durch Entzerrung geeignet aufzubereiten,
(3) eine (zweckmässigerweise aufwandsgünstige) Entzerrung der N Empfangssignal-Derivate
durchzuführen,
(4) im Zuge der Entzerrung der N Empfangssignal-Derivate N geeignete Metriken zu bestimmen,
welche die Qualität der entzerrten Sendesymbole genau oder näherungsweise widerspiegeln,
(5) durch Auswertung der N Metriken in Verbindung mit den zugehörigen N angewandten
Frequenzverschiebungen einen Schätzwert für den Frequenzoffset in geeigneter Weise
zu ermitteln.
[0010] Im Gegensatz zu einigen der oben erwähnten, aus dem Stand der Technik bekannten Verfahren
findet bei der vorliegenden Erfindung keine Schätzung auf der Basis eines Phasenvergleichs
statt.
[0011] Die Hauptanwendung der vorliegenden Erfindung liegt in der Schätzung des Frequenzoffsets
zwischen der Trägerfrequenz des empfangenen Signals und der Referenzfrequenz eines
kohärenten Empfängers. Die Erfindung ermöglicht unter bestimmten, noch näher zu erläuternden
Randbedingungen eine wesentlich genauere Schätzung des Frequenzoffsets unter Verwendung
des Basisbandsignals in trägermodulierten digitalen Übertragungssystemen (z.B. GSM-Standard)
als nach dem bisherigen Stand der Technik und ermöglicht in Verbindung mit geeigneten
Maßnahmen zur Kompensation des Frequenzoffsets eine erhebliche Steigerung der Leistungsfähigkeit
des Empfängers bezüglich der Rückgewinnung der gesendeten Daten. Dies gilt insbesondere
für die Übertragung in Anwesenheit eines starken Gleichoder Nachbarkanalstörers, da
hier zum Teil spezielle Datenrückgewinnungsverfahren (z.B. Interference Cancellation,
Multi-User-Detection) eingesetzt werden, die bereits bei schwach zeitvarianten Kanälen
(z.B. durch Vorliegen eines Frequenzoffsets) eine starke Degradation ihrer Leistungsfähigkeit
aufweisen können. Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt eine Frequenzoffsetschätzung
nicht nur bei Übertragung über einen AWGN-Kanal, sondern auch bei verzerrenden Kanälen,
wobei allgemeine lineare Modulationsverfahren zugelassen sind, d.h. keine Einschränkung
auf reine Phasenmodulation gegeben ist. Eine hohe Leistungsfähigkeit wird nicht nur
bei Störung durch additives weißes Rauschen erreicht, sondern auch bei Interferenzstörungen,
sofern die restlichen Komponenten des Empfängers für diesen Fall ausgelegt sind. Zur
Gewinnung von Schätzwerten hoher Güte sind für das erfindungsgemäße Verfahren die
bei praktischen Mobilfunksystemen wie GSM vorliegenden Trainingssequenzlängen völlig
ausreichend.
[0012] Weiterhin eignet sich das Verfahren besonders bei blockweiser Datenübertragung, die
bei den meisten Mobilfunkstandards (z.B. GSM) eingesetzt wird. Hier ist aufgrund der
sich innerhalb weniger Blöcke stark ändernden Eigenschaften des Übertragungskanals
(z.B. bei hoher Bewegungsgeschwindigkeit oder dem Einsatz von Frequenzsprungverfahren,
frequency hopping) eine blockbasierte Schätzung des Frequenzoffsets von Vorteil.
[0013] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden die Empfangssignal-Derivate unmittelbar aus dem zeitkontinuierlichen Empfangssignal
gebildet. In diesem Fall resultiert eine bestmögliche Güte des nachfolgend bestimmten
Schätzwertes für den Frequenzoffset.
[0014] Alternativ kann die Bildung von Empfangssignal-Derivaten erst nach der Abtastung
des zeitkontinuierlichen Empfangssignals erfolgen. In diesem Fall genügt eine einzige
zeitkontinuierliche Filterung, was einen verminderten Aufwand in einer Realisierung
im Vergleich zur ersten Ausführungsform zur Folge hat.
[0015] Bevorzugt erfolgt die letztgenannte Variante erst nach einer zeitdiskreten Vorverarbeitung
nach der Abtastung zum Zwecke der Unterdrückung von Störungen, wobei hier insbesondere
an Interferenzen zu denken ist. Somit ist eine zeitdiskrete Vorverarbeitung nur für
ein einziges Signal durchzuführen, wodurch sich eine weitere Verringerung der Komplexität
ergibt.
[0016] Besonders bevorzugt ist eine Ausführungsform, bei der der Schätzwert für den Frequenzoffset
mittels des Extremwerts einer Kurve gebildet wird, die anhand der mit den N Entzerrungen
gewonnenen Metriken und der zugehörigen Frequenzverschiebungen bestimmt wird. Bei
dem Extremwert kann es sich beispielsweise um den Scheitelpunkt einer Parabel handeln.
Dadurch läßt sich eine Steigerung der Genauigkeit des Schätzwertes für den Frequenzoffset
erreichen.
[0017] Die Erfindung ermöglicht in einer weiteren Ausführungsform, daß die Bildung und die
Entzerrung der Empfangssignal-Derivate nur in einem Teilbereich des empfangenen Signalblocks
erfolgt. Somit müssen weniger Signalwerte entzerrt werden, wodurch die für die Entzerrung
benötigte Komplexität verringert wird.
[0018] Weitere vorteilhafte Ausführungsformen können den Unteransprüchen entnommen werden.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung wird im folgenden unter Hinweis auf die beigefügten
Zeichnungen näher beschrieben. Es stellen dar:
Figur 1 ein Blockschaltbild zur Erzeugung von zeitkontinuierlichen Empfangssignalderivaten,
deren Vorverarbeitung einschließlich Abtastung und Entzerrung zur Gewinnung von Metriken
zur Schätzung des Frequenzoffsets;
Figur 2 ein Blockschaltbild zur Erzeugung von zeitdiskreten Empfangssignalderivaten,
deren Vorverarbeitung und Entzerrung zur Gewinnung von Metriken zur Schätzung des
Frequenzoffsets;
Figur 3 ein Blockschaltbild zur Vorverarbeitung des zeitdiskreten Empfangssignals,
Erzeugung von Empfangssignalderivaten und Entzerrung zur Gewinnung von Metriken zur
Schätzung des Frequenzoffsets;
Figur 4 ein Blockschaltbild zur Gewinnung eines Schätzwertes für den Frequenzoffset
aus den Metriken Mv;
Figur 5 eine Kennlinie zur Bestimmung eines Schätzwertes für den Frequenzoffset aus
den Metriken Mv; und
Figur 6 in schematischer Darstellung ein Blockschaltbild für ein Ausführungsbeispiel
eines erfindungsgemäßen Systems.
[0020] Im folgenden wird ohne Einschränkung der Allgemeinheit angenommen, daß das Empfangssignal
in der sogenannten Basisbanddarstellung entweder in zeitkontinuierlicher Form y(t)
oder in zeitdiskreter Form als Folge y[k] vorliegt. Für die zeitdiskrete Darstellung
als Folge y[k] wird äquidistante Abtastung im Sendesymboltakt 1/T angenommen, d.h.
y[k] = y(t=kT). Weiterhin wird angenommen, daß der Betrag des maximal zu erwartenden
Frequenzoffsets Δf
max bekannt sei. Somit ergibt sich der Bereich des zu erwartenden Frequenzoffsets zu
Δ
f ∈[-Δ
fmax,+Δ
fmax].
1.) Erzeugung der Empfangssignal-Derivate
[0021] Zunächst werden N diskrete Frequenzverschiebungen
fv ∈{
f0,
f1,....,
fN-1} bestimmt, welche den oben genannten Bereich in geeigneter Weise abdecken. Für einen
Frequenzoffset, der z.B. im Bereich Δ
f ∈ [-Δ
fmax,+Δ
fmax] gleichverteilt ist, bietet sich eine Wahl der Frequenzverschiebungen f
v zu

an. Ansonsten kann die Auswahl der f
v auf der Basis der Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion des zu erwartenden Frequenzoffsets
erfolgen, womit die Stützstellen auch beliebig nichtäquidistant gewählt werden können.
Die Wahl der Größe N erfolgt gemäß der zur Verfügung stehenden Signalverarbeitungsresourcen
des Empfängers sowie der gewünschten Genauigkeit des Schätzwertes für den Frequenzoffset.
[0022] Mittels dieser Werte werden aus dem Empfangssignal N Signale y
v(t) abgeleitet, siehe Figur 1, welche durch Aufbringen der Frequenzverschiebungen
f
v auf das ursprüngliche Signal y(t) gewonnen werden:

[0023] Für Δf
max<< 1/
T kann diese Frequenzverschiebung mit vergleichbarer Wirkung auch auf das Signal in
zeitdiskreter Form y[k] angewendet werden:

vgl. Figur 2. Alternativ kann die entsprechende Operation der Frequenzverschiebung
auch direkt auf das trägerfrequente Signal angewandt werden, was jedoch aus praktischen
Gründen (N-facher Aufwand bei der Abmischung des Signals in das Basisband) sehr ineffizient
ist.
2.) Vorbereitung für die Entzerrung der Emgfangssignal-Derivate
[0024] Nun wird für jedes dieser Signale eine geeignete Vorverarbeitung gemäß dem eingesetzten
Entzerrungsverfahren (siehe Punkt 3: Entzerrung) durchgeführt. Diese Vorverarbeitung,
z.B. Matched-Filterung, Abtastung, Kanalschätzung, vor allem aber digitale Filterung
zur Unterdrückung von Störsignalen, z.B. Interferenzen, wird entsprechend dem Stand
der Technik durchgeführt und ist nicht Gegenstand der Erfindung.
[0025] Die nach der Vorverarbeitung vorliegenden Folgen seien mit z
v[k] bezeichnet.
[0026] Abhängig von der Größe des zu erwartenden Frequenzoffsets Δf und der Anzahl der zur
Schätzung verwendeten Abtastwerte kann die Vorverarbeitung (z.B. digitale Vorfilterung
des Signals) vorteilhafterweise vor dem Aufbringen der Frequenzverschiebungen durchgeführt
werden, siehe Figur 3, was je nach Anwendungsfall zu einer signifikanten Aufwandsreduktion
bei kaum beeinträchtigter Schätzgenauigkeit führen kann. Als Beispiel ist hierbei
eine digitale Vorfilterung zum Zwecke der Interferenzunterdrückung zu nennen.
3.) Entzerrung der Empfangssignal-Derivate
[0027] Nunmehr erfolgt die Entzerrung der zeitdiskreten Empfangssignal-Derivate z
v[k]. Hierzu können prinzipiell alle bekannten Verfahren zum Einsatz kommen, wie z.B.
lineare Entzerrung, beschrieben zum Beispiel in J.G. Proakis, "Digital Communications",
McGraw-Hill, New York, 1989, entscheidungsrückgekoppelte Entzerrung (Decision-Feedback
Equalization, DFE), beschrieben zum Beispiel in P. Monsen, "Feedback Equalization
for Fading Dispersive Channels",
IEEE Trans. Information Theory, IT -17, pp. 56-64, Jan. 1971, oder Maximum-Likelihood Sequenzschätzung (Maximum-Likelihood
Sequence Estimation, MLSE), beschrieben zum Beispiel in G.D. Forney, Jr., "Maximum-Likelihood
Sequence Estimation of Digital Sequences in the Presence of Intersymbol Interference",
IEEE Trans. Information Theory, IT -18, pp. 363-378, May 1972, sowie zustands- bzw. aufwandsreduzierte Varianten
davon (z.B. Reduced-State Sequence Estimation (RSSE), beschrieben beispielsweise in
M.V. Eyuboglu and S.U. Qureshi, "Reduced-State Sequence Estimation with Set Partitioning
and Decision-Feedback",
IEEE Trans. Comm., COM-36, pp. 13-20, Januar 1988, Decision-Feedback Sequence Estimation (DFSE), beschrieben
beispielsweise in A. Duel-Hallen and C. Heegard, "Delayed Decision-Feedback Sequence
Esti-mation",
IEEE Trans. Comm., COM-37, p. 428-436, May 1989).
[0028] Die Auswahl des Verfahrens erfolgt gemäß der zur Verfügung stehenden Signalverarbeitungsresourcen
des Empfängers sowie der gewünschten Schätzgenauigkeit für den Frequenzoffset. Vorteilhafterweise
ist im allgemeinen ein aufwandsgünstiges Verfahren (z.B. DFE oder RSSE) einzusetzen.
4.) Metrik zur Schätzung der Zuverlässigkeit der entzerrten Sendesymbole
[0029] Das Ziel der Entzerrung ist primär die Gewinnung einer skalaren Metrik M
v pro Folge z
v[k], welche es erlaubt, die Zuverlässigkeit der entzerrten Sendesymbolsequenz (oder
eines Teiles davon) zu schätzen. Es findet somit eine Zuordnung der angewandten Frequenzverschiebungen
f
v zu den entsprechenden Metriken M
v statt.
[0030] Für die Metrik ist zu fordern, daß sie in einem (zumindest näherungsweise) streng
monotonen Zusammenhang zur Zuverlässigkeit der (gesamten oder partiellen) Sequenz
der entzerrten Sendesymbole steht. Der absolute Wert der Metriken M
v ist dabei ohne Bedeutung, da lediglich die Position des Minimums zu bestimmen ist,
welche den negativen Schätzwert für den Frequenzoffset darstellt (siehe unten).
Im folgenden werden 2 Beispiele für geeignete Metriken angeführt:
Soft-Output Entzerrung:
[0031] Bei Soft-Output Entzerrung werden zusätzlich zu Schätzwerten für die Datensymbole
noch Schätzwerte für deren Zuverlässigkeit berechnet. Dazu kann z.B. der Maximum A
Posteriori Symbol-by-Symbol Estimation (MAPSSE) Algorithmus oder der Soft Output Viterbi
Algorithmus (SOVA) verwendet werden.
[0032] Schätzung einer mittleren Bitfehlerwahrscheinlichkeit P
v pro Signalfolge z
v[k] der Länge K, mit
- pv[k]:
- geschätzte Fehlerwahrscheinlichkeit für das k-te Symbol der Datensequenz
Soft-Output oder Hard-Output Entzerrung:
[0033] Bei Hard-Output Entzerrung werden nur Schätzwerte für die Datensymbole berechnet.
Durch Auswahl der Datensymbole mit den höchsten Wahrscheinlichkeiten kann auch bei
Soft-Output Entzerrung Hard Output gebildet werden.
[0034] Schätzung der mittleren Störvarianz V
v pro Signalfolge z
v[k] durch Differenzbildung zwischen Signalfolge z
v[k] und zugehörigem rekonstruierten Nutzsignal-Anteil
ûv [
k]. Unter Voraussetzung eines linearen Übertragungssystems gilt:

mit
- âv[k]:
- geschätztes k-tes Sendesymbol der Folge zv[k] (entweder hard-decision oder soft-decision),
- ĥv[k]:
- geschätzte zeitdiskrete Gesamtimpulsantwort zur Folge zv[k],
- Lv :
- Anzahl der Koeffizienten der Impulsantwort ĥv[k]
[0035] Diese Größe fällt mit Ausnahme des Skalierungsfaktors 1/K bei Entzerrung mittels
MLSE, RSSE, DFSE bzw. DFE automatisch als akkumulierte Metrik des geschätzten Pfades
durch das Trellisdiagramm des Entzerralgorithmus ab und bietet sich daher als relativ
aufwandsgünstige Lösung an.
[0036] Die oben beschriebenen Metriken sind nur als Beispiele aufzufassen; prinzipiell kann
eine Vielzahl von weiteren Metriken konstruiert werden, die den gewünschten monotonen
Zusammenhang zur Zuverlässigkeit der geschätzten Datensequenz aufweisen.
[0037] Bezüglich der Anzahl der entzerrten Sendesymbole ist nicht notwendigerweise die gesamte
Symbolsequenz innerhalb eines Blockes auszuwerten. In Abhängigkeit von den Parametern
des jeweiligen Anwendungsfalles genügt somit unter Umständen die Entzerrung nur eines
Teils eines jeden Signalblockes zur Erzielung einer hinreichend hohen Genauigkeit
des Schätzwertes für den Frequenzoffset (bzw. niedrigen Fehlervarianz). Zum Beispiel
kann bei Anwendung des Verfahrens in einem Empfänger für das GSM-System eine Auswertung
innerhalb eines Teilblockes, welcher unter anderem die Trainingssequenz enthält, genügen.
5.) Bestimmung eines Schätzwertes für den Frequenzoffset durch Auswertung der Metriken
[0038] Nach Durchführung von Schritt 4 liegen für die N Frequenzverschiebungen f
v jeweils skalare Metriken M
v vor, aus denen nun ein Schätzwert für den Frequenzoffset bestimmt wird, vgl. Figur
4. Für ΔfT « 1 gilt für das Ausgangssignal der Vorverarbeitungsstufe näherungsweise

wobei

z[
k] das Signal nach der Vorverarbeitungsstufe bei idealer Frequenzsynchronisation darstellt.
Somit ergibt sich für das v-te Empfangssignalderivat

womit für das Empfangssignalderivat
zv[
k] ein effektiver Frequenzoffset
Δf + fv wirksam ist. Da sich ein Frequenzoffset degradierend auf die Zuverlässigkeit der
Entzerrung auswirkt, kann bei kontinuierlicher Variation der Frequenzverschiebung
f erwartet werden, daß sich das Minimum der zugehörigen Metriken M(f) für f ≈ -Δf
ergibt. Somit läßt in diesem Fall die Lage des Minimums der Kurve M(f) direkt einen
Rückschluß auf den vorliegenden Frequenzoffset zu. Werden, wie in der Praxis unvermeidlich,
nur diskrete Frequenzen f
v betrachtet, so kann durch die Bestimmung des Arguments des Minimums der Folge M
v=M(f
v) ebenfalls ein zuverlässiger Schätzwert für den Frequenzoffset gewonnen werden, sofern
eine hinreichend große Anzahl N von diskreten Frequenzverschiebungen gewählt wird.
Ein Schätzwert noch höherer Güte kann im diskreten Fall gewonnen werden, wenn anhand
der Wertepaare (f
v, M
v) eine Kurve G(f) berechnet und das zu deren Minimum gehörige Argument als Schätzwert
für den (negativen) Frequenzoffset gewählt wird.
[0039] Zur Herleitung einer günstigen Kurve G(f) wird zuerst wieder eine kontinuierliche
Variation der Frequenzverschiebung
f angenommen. Somit werden nun Folgen

betrachtet, vgl. Gl. (7). Wird die Pfadmetrik des besten Pfades eines Viterbi-Entzerrers
als Metrik M(f) gewählt, so kann M(f) bei korrekter Detektion der gesendeten Datensymbole
durch

genähert werden, wobei

[
k] den rauschfreien Anteil des Signals

[
k] bezeichnet und
n[
k] den Störanteil nach der Vorverarbeitung. Dabei wurde

angenommen, was für
K>>1 gerechtfertigt ist (•*bedeutet komplexe Konjugation). Unter Verwendung der Näherung
ex =1+
x für |
x|<<1 kann (9) zu

umgeformt werden. Somit hat sich ein Ausdruck der Form

ergeben, mit geeigneten Konstanten a>0, b,c > 0 und damit die Gleichung einer nach
oben geöffneten Parabel. Somit bietet sich für eine feinere Schätzung des Frequenzoffsets
an, anhand der Wertepaare (f
v, M
v) eine geeignete Parabel zu bestimmen, wobei deren Scheitelpunkt (d.h. das Argument
für das G(f) minimiert wird) -
b/(2
a) direkt als Schätzwert -Δ
f̂ für -Δ
f dienen kann. Als Kriterium zur Ermittlung der Parabel kann beispielsweise die Summe
der Fehlerquadrate

herangezogen werden. Die Minimierung dieses Kriteriums mit Regressionsrechnung führt
auf ein lineares Gleichungssystem zur Ermittlung der Parameter
a,b,c.
[0040] Alternativ kann die Kennlinie
G(
f)auch als Polynom höheren Grades, transzendente Funktion etc. angesetzt werden, was
Vorteile bietet, falls die Metriken
Mv nicht einem Viterbi-Entzerrer entnommen werden, sondern gemäß Gl. (4) als mittlere
Bitfehlerwahrscheinlichkeiten oder gemäß einer anderen Vorschrift gewählt werden,
da sich der tatsächliche Metrikverlauf dann besser approximieren läßt. Zur Bestimmung
der Parameter der Funktion
G(
f) können prinzipiell beliebige Verfahren zur Kurveninterpolation verwendet werden.
Die generelle Vorgehensweise zur Schätzung des Frequenzoffsets anhand der Kurve
G(
f) ist in Figur 5 veranschaulicht.
[0041] Mit Bezug auf Figur 6 wird als Ausführungsbeispiel eines erfindungsgemäßen Systems
eine Frequenzoffsetschätzung für eine Übertragung über einen verzerrenden Kanal bei
Vorliegen einer Interferenzstörung betrachtet. Es wird eine Frequenzoffsetschätzung
nach dem vorgeschlagenen Verfahren vorgenommen, wobei zur Vorverarbeitung vor N verschiedenen
trellisbasierten Entzerrungen und Kanalschätzungen jeweils eine Interferenzunterdrückung
nach der Lehre der EP 00128664.0 derselben Anmelder wie der vorliegenden Erfindung
mit dem Titel "Verfahren zur Interferenzunterdrückung für TDMA- und/oder FDMA-Übertragung"
stattfindet. Den N Entzerrungen und Kanalschätzungen werden die Ausgangssignale der
Interferenzunterdrückungsverfahren
zv[
k],v ∈ {0,1,...,
N - 1}, zugeführt. Zur Erreichung einer hohen Leistungsfähigkeit bei moderater Systemkomplexität
kann z.B. N zu 3 gewählt werden, wobei zur Gewinnung des Schätzwertes für den Frequenzoffset
eine Nachbearbeitung der Wertepaare (
f0,
M0), (
f1,
M1), (
f2,
M2) gemäß einer Parabelkennlinie erfolgt, die anhand der drei Wertepaare eindeutig festgelegt
ist. Nach der Offsetschätzung wird eine Offsetkompensation vorgenommen. Das um den
Frequenzoffset bereinigte Signal wird einer herkömmlichen trellisbasierten Entzerrung
zugeführt.
[0042] Liste der verwendeten Formelzeichen:
f: Frequenz
Δf: Frequenzoffset
Δ
f̂: geschätzter Frequenzoffset
Δf
max: maximal auftretender Frequenzoffset
f
v: diskrete Frequenzverschiebung
N: Anzahl der Frequenzverschiebungen
y(t): zeitkontinuierliches Empfangssignal
y[k]: zeitdiskretes Empfangssignal

[
k]: Empfangssignal bei Frequenzoffsetfreiheit

[
k]: zugehöriges rauschfreies Signal
y
v(t): zeitkontinuierliches Empfangssignalderivat
y
v[k]: zeitdiskretes Empfangssignalderivat
z[k]: Empfangssignal nach Interferenzunterdrückung

[
k]: Empfangssignal nach Interferenzunterdrückung bei Frequenzoffsetfreiheit

[
k]: zugehöriger rauschfreier Signalanteil
n[k]: Störanteil
z
v[k]: Signalderivat nach Interferenzunterdrückung
zf[
k]: Signalderivat nach Interferenzunterdrückung bei kontinuierlicher Variation der
Frequenzverschiebung
M
v: Metrik
M(f): Metrik bei kontinuierlicher Variation der Frequenzverschiebung
T: Symbolintervall
G(f): Funktion zur Interpolation
K: Länge der ausgewerteten Sequenz
âv [
k]: geschätztes k-tes Sendesymbol der Folge
zv [
k]
ĥ
v [
k]: geschätzte zeitdiskrete Gesamtimpulsantwort zur Folge
zv [
k]
Lv : Anzahl der Koeffizienten der Impulsantwort ĥ
v [
k]
1. Verfahren zur Frequenzoffsetschätzung für TDMA- (Time-Division Multiple Access) und/oder
FDMA- (Frequency-Division Multiple Access) Übertragung, die zumindest näherungsweise
durch Pulsamplitudenmodulation beschreibbar ist, folgende Schritte umfassend:
• Bildung einer Anzahl N von weiteren Varianten des Empfangssignals, sogenannte Empfangssignal-Derivate,
durch N unterschiedliche diskrete Frequenzverschiebungen des ursprünglichen Empfangssignals;
• Aufbereitung der Empfangssignal-Derivate für eine Rückgewinnung der Sendesymbolfolge
durch Entzerrung und/oder Detektion;
• Durchführung einer Entzerrung und/oder Detektion der N Empfangssignal-Derivate;
• Bestimmung von N Metriken für die N Empfangssignal-Derivate im Zuge der Entzerrung
und/oder Detektion, welche die Zuverlässigkeit der geschätzten Sendesymbole zumindest
näherungsweise widerspiegeln; und
• Bestimmung eines Schätzwerts für den Frequenzoffset durch Auswertung der N Metriken
in Verbindung mit den zugehörigen Frequenzverschiebungen.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Empfangssignal-Derivate unmittelbar aus dem zeitkontinuierlichen Empfangssignal
gebildet werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bildung von Empfangssignal-Derivaten erst nach der Abtastung des zeitkontinuierlichen
Empfangssignals erfolgt.
4. Verfahren nach Anspruch 1 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bildung von Empfangssignal-Derivaten erst nach einer zeitdiskreten Vorverarbeitung
nach der Abtastung zum Zwecke der Unterdrückung von Störungen, insbesondere von Interferenzen,
erfolgt.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Schätzwert für den Frequenzoffset mittels des Extremwerts einer Kurve gebildet
wird, die anhand der mit den N Entzerrungen gewonnenen Metriken und der zugehörigen
Frequenzverschiebungen bestimmt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Extremwert vom Scheitelpunkt einer Parabel gebildet wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Bildung und die Entzerrung der Empfangssignal-Derivate nur in einem Teilbereich
des empfangenen Signalblocks erfolgt.
8. System zur Frequenzoffsetschätzung für TDMA und/oder FDMA-Übertragung, die zumindest
näherungsweise durch Pulsamplitudenmodulation beschreibbar ist, mit:
• einer Vorrichtung zur Bildung einer Anzahl N von weiteren Varianten des Empfangssignals,
sogenannte Empfangssignal-Derivate, durch N unterschiedliche diskrete Frequenzverschiebungen
des ursprünglichen Empfangssignals;
• einer Vorrichtung zur Aufbereitung der Empfangssignal-Derivate für eine Rückgewinnung
der Sendesymbolfolge durch Entzerrung und/oder Detektion;
• einer Vorrichtung zur Durchführung einer Entzerrung und/oder Detektion der N Empfangssignal-Derivate;
• eine Vorrichtung zur Bestimmung von N Metriken für die N Empfangssignal-Derivate
im Zuge der Entzerrung und/oder Detektion, welche die Zuverlässigkeit der geschätzten
Sendesymbole zumindest näherungsweise widerspiegeln; und
• einer Vorrichtung zur Bestimmung eines Schätzwerts für den Frequenzoffset durch
Auswertung der N Metriken in Verbindung mit den zugehörigen Frequenzverschiebungen.