| (19) |
 |
|
(11) |
EP 1 314 775 B1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
|
19.01.2005 Patentblatt 2005/03 |
| (22) |
Anmeldetag: 12.11.2002 |
|
|
| (54) |
Verfahren zur Entsäuerung von natürlichen Fetten und Ölen
Process for the deacidification of natural fats and oils
Procédé pour la désacidification de graisses et d'huiles naturelles
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE SK TR |
| (30) |
Priorität: |
21.11.2001 DE 10157067
|
| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
|
28.05.2003 Patentblatt 2003/22 |
| (73) |
Patentinhaber: Cognis Deutschland GmbH & Co. KG |
|
40589 Düsseldorf (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- Gutsche, Bernhard, Dr.
40724 Hilden (DE)
- Weiss, Albrecht, Dr.
40764 Langenfeld (DE)
- Ralf, Otto, Dr.
74177 Bad Friedrichshall (DE)
- Tycho, Michel, Dr.
40764 Langenfeld (DE)
|
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
WO-A-91/14784 US-A- 4 678 580 US-B1- 6 398 707
|
DE-A- 19 956 599 US-A- 5 713 965
|
|
| |
|
|
|
|
| |
|
| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
Gebiet der Erfindung
[0001] Die Erfindung befindet sich auf dem Gebiet der oleochemischen Grundstoffe und betrifft
ein biotechnologisches Verfahren zur Entsäuerung von Fetten und Ölen.
Stand der Technik
[0002] Natürliche Fette und Öle enthalten infolge enzymatischer Zersetzungsprozesse, die
unmittelbar nach dem Ernten der Ölfrüchte einsetzen, stets einen Anteil an freien
Fettsäuren, der in der Literatur als FFA-Wert ("Free Fatty Acids") oder Säurezahl
bezeichnet wird. Der FFA-Wert gilt als eines der Qualitätskriterien für Fette und
Öle, da kleine Säurezahlen für vergleichsweise reine und nicht etwa alte, ranzige
Ware steht. Für die weitere Verarbeitung der Fette und Öle sind darin enthaltene Fettsäuren
unerwünscht, da diese mit basischen Katalysatoren, wie sie beispielsweise in der Umesterung
eingesetzt werden, Seifen bilden, welche nicht weiter reagieren und später als Abfallstoffe
entsorgt werden müssen. Man umgeht dieses Problem in der Praxis durch eine sogenannte
"Entsäuerung", bei der es sich um eine vorgelagerte Veresterung vorzugsweise mit Methanol
handelt. Auf diese Weise wird die Säurezahl praktisch auf Null gebracht, während die
resultierenden Methylester in der weiteren Verarbeitung der Fette und Öle analog den
Glycerinester abreagieren und somit nicht stören.
[0003] Üblicherweise wird diese Vorveresterung mit heterogenen Katalysatoren, beispielsweise
Zink oder Zinnverbindungen durchgeführt, wie sie etwa in den Druckschriften
DE 19956599 A1, DE 19600025 C2 und EP 0192035 B1 beschrieben werden. Wie schon oben erläutert, ist das Verfahren im Hinblick auf die
angestrebte Säurezahlerniedrigung durchaus effektiv, von Nachteil ist aber, dass die
Katalysatoren mit hohem technischen Aufwand abgetrennt werden müssen, in der Regel
nicht zu regenerieren sind und damit den Prozess von der ökonomischen Seite her betrachtet
erheblich belasten. Des weiteren ist ein kontinuierlicher Betrieb nicht möglich und
vielfach beobachtet man, dass die Methylester zurückgespalten werden, d.h. die Erniedrigung
der Säurezahl nicht von Dauer ist.
[0004] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung hat somit darin bestanden, ein verbessertes
kontinuierliches Verfahren zur dauerhaften Entsäuerung von Fetten und Ölen zur Verfügung
zu stellen, welches sich gleichzeitig dadurch auszeichnet, dass eine dauerhafte Säurezahlsenkung
bis unter einen Wert von 1 erreicht wird, hohe Durchsätze erzielt werden und die Katalysatorkosten
durch Wiederverwertung gegenüber dem Stand der Technik nachhaltig gesenkt werden
Beschreibung der Erfindung
[0005] Gegenstand der Erfindung sind Verfahren zur Entsäuerung von natürlichen Fetten und
Ölen, bei dem man Glyceride mit Säurezahlen im Bereich von 5 bis 20 mit niederen Alkoholen
behandelt und so freie Fettsäuren in Ester überführt, das sich dadurch auszeichnet,
dass man die Reaktion in Gegenwart von Enzymen durchführt, die auf Trägern immobilisiert
sind, die einen Durchmesser im Bereich von 1 bis 5 mm aufweisen.
[0006] Überraschenderweise wurde gefunden, dass Enzyme, die auf Trägern mit definierten
Durchmessern immobilisiert vorliegen, nicht nur vorzüglich für die Vorveresterung
von sauren Fetten und Ölen geeignet sind, sondern dabei vor allem auch hohe Strömungsgeschwindigkeiten
und damit hohe Durchsätze im kontinuierlichen Betrieb ermöglichen. Die dabei erhaltenen
Umsetzungsprodukte weisen vorzugsweise Säurezahlen unter 1 auf.
Natürliche Fette und Öle
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren kann grundsätzlich auf alle natürlichen Fette und
Öle angewendet werden, die infolge partieller enzymatischer Spaltung über einen Gehalt
an freien Fettsäuren verfügen, d.h. eine Säurezahl aufweisen. Insofern ist die Auswahl
der Triglyceride wenig kritisch. Dabei ist das Verfahren jedoch vorzugsweise für solche
Fette und Öle ge-eignet, die eine vergleichsweise hohe Qualität also niedrige Säurezahl,
beispielsweise von maximal 20 und vorzugsweise 10 bis 15 aufweisen. Grundsätzlich
lassen sich auch Einsatzstoffe mit höherer Säurezahl auf diese Weise entsäuern, allerdings
kann es sein, dass letztlich nur Säurezahlen von 5 bis 10 erreicht werden oder zur
weiteren Absenkung hohe Enzymkonzentrationen und/oder lange Reaktionszeiten erforderlich
sind. Vorzugsweise kommen als Rohstoffe jedoch Kokosöl, Palmöl, Palmkernöl, Sonnenblumenöl
und Rapsöl sowie deren Gemische in Frage, welche Säurezahlen im Bereich von 5 bis
20 und vorzugsweise 10 bis 15 aufweisen.
Alkohole
[0008] Das Prinzip der Säurezahlreduktion besteht in einer Veresterung der freien Fettsäuren
mit Hilfe von Alkoholen, vorzugsweise niederen Alkoholen, die der Formel
(I) folgen,
ROH (I)
in der R für einen linearen oder verzweigten Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen
steht. Typische Beispiele sind Ethanol sowie die isomeren Propanole und Butanole,
vorzugsweise wird natürlich Methanol eingesetzt. Üblicherweise werden die Alkohole
dabei in Mengen von 1 bis 10 und vorzugsweise 2 bis 5 Gew.-% - bezogen auf die Triglyceridmenge
- eingesetzt.
Enzyme und Träger
[0009] Im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens kommen als Enzyme vorzugsweise Lipasen
in Betracht. Typische Beispiele für geeignete Lipasen sind die Handelsprodukte Novozym
388 L, Novozym SP 525 L, Lipozym TL 100 und Amano G. Die Enzyme werden in der Regel
als verdünnte Suspensionen oder wässrige Konzentrate eingesetzt, wobei die Einsatzkonzentration
in der Regel 0,5 bis 10, vorzugsweise 1 bis 2 Gew.-% - bezogen auf die Triglyceridmenge
- beträgt. Um eine kontinuierliche Fahrweise und hohe Durchsätze zu erzielen, ist
es erforderlich, die Enzyme auf geeigneten Trägern zu immobilisieren. Entscheidend
für die Auswahl der Träger ist dabei weniger ihre chemische Natur, sondern ihr Durchmesser.
Dieser muss klein genug sein, um eine hohe Oberfläche zu gewährleisten, auf der anderen
Seite aber auch grob genug, um eine Reaktion bei hohen Strömungsgeschwindigkeiten
der Einsatzstoffe zu gewährleisten. Vorzugsweise handelt es sich dabei um Polyolefingranulate
und insbesondere Polypropylengranulate mit einem mittleren Durchmesser von 1 bis 5
und vorzugsweise ungefähr 3 mm. Enzyme und die Träger werden dabei vorzugsweise im
Gewichtsverhältnis 1 : 1 bis 100 : 1 und insbesondere 1 : 5 bis 1 : 10 eingesetzt.
Entsäuerung
[0010] Die Entsäuerung der Fette und Öle kann in der für die kontinuierliche enzymatische
Veresterung von Fettsäuren an sich bekannten Art und Weise durchgeführt werden. Die
Reaktionstemperatur richtet sich dabei natürlich nach dem Aktivitätsoptimum der eingesetzten
Enzyme und liegt daher im Bereich von 20 bis 50 und vorzugsweise 25 bis 35 °C. Die
immobilisierten Enzyme werden als Schüttung in einen Rohrreaktor gegeben und das zu
entsäuernde Einsatzprodukt aufgeströmt, wobei die Verweilzeit im kontinuierlichen
Betrieb in der Regel 1 bis 20 und vorzugsweise 5 bis 8 h beträgt. Das Verfahren kann
einstufig betrieben werden, im Hinblick auf eine Verminderung der Menge an einzusetzendem
Methanol hat es sich jedoch als vorteilhaft erwiesen, zwei bis fünf Reaktoren in Reihe
zu schalten und die Reaktion mehrstufig durchzuführen.
Beispiele
[0011] Beispiel 1. 6 g des Enzymkatalysators, bestehen aus einer 1:1-Mischung SP 525 I und Poly-propylengranulat,
wurden in ein Glasrohr gegeben. Aus einem mechanisch gerührten Vorratsgefäß wurde
eine Mischung aus 250 g entschleimten Kokosöl und 5 Gew.-% Methanol bei 30 °C mittels
einer peristaltischen Pumpe kontinuierlich über die Schüttung gepumpt (Aufstrom) und
die Abnahme der Säurezahl durch Probennahme verfolgt. Die Ergebnisse sind in Tabelle
1 zusammengefasst:
Tabelle 1
| Abnahme der Säurezahl |
| Zeit [h] |
0 |
2 |
4 |
6 |
8 |
| Säurezahl |
8,3 |
3,9 |
2,5 |
1,7 |
0,9 |
[0012] Beispiel 2. Der Biokatalysator wurde abfiltriert und wie oben beschrieben drei weitere Male wiederverwendet.
Bei jedem der drei Läufe wurde 1 kg Kokosöl vorverestert. In Tabelle 2 ist der zeitliche
Verlauf der Abnahme der Säurezahl im dritten Durchlauf wiedergegeben. Es zeigt sich,
dass die Aktivität des Katalysators im Prinzip konstant hoch bleibt.
Tabelle 2
| Abnahme der Säurezahl |
| Zeit [h] |
0 |
2 |
4 |
6 |
8 |
| Säurezahl |
8,3 |
5,7 |
4,0 |
2,7 |
0,9 |
1. Verfahren zur Entsäuerung von natürlichen Fetten und Ölen, bei dem man Glyceride mit
Säurezahlen im Bereich von 5 bis 20 mit niederen Alkoholen behandelt und so freie
Fettsäuren in Ester überführt, dadurch gekennzeichnet, dass man die Reaktion in Gegenwart von Enzymen durchführt, die auf Trägern immobilisiert
sind, die einen Durchmesser im Bereich von 1 bis 5 mm aufweisen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass man Glyceride einsetzt, die ausgewählt sind aus der Gruppe, die gebildet wird von
Kokosöl, Palmöl, Palmkernöl, Sonnenblumenöl und Rapsöl sowie deren Gemischen.
3. Verfahren nach den Ansprüchen 1 und/oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass man Alkohole der Formel (I) einsetzt,
ROH (I)
in der R für einen linearen oder verzweigten Alkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen
steht.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass man Methanol einsetzt.
5. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass man die Alkohole in Mengen von 1 bis 10 Gew.-% - bezogen auf die Triglyceridmenge
- einsetzt.
6. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, dass man Enzyme aus der Gruppe der Lipasen einsetzt.
7. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, dass man die Enzyme in Mengen von 0,5 bis 10 Gew.-% - bezogen auf die Triglyceridmenge
- einsetzt.
8. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, dass man als Träger Polyolefingranulate einsetzt.
9. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass man die Enzyme und die Träger im Gewichtsverhältnis 1 : 1 bis 100 : 1 einsetzt.
10. Verfahren nach mindestens einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, dass man die Reaktion ein- oder mehrstufig durchführt.
1. A process for the deacidification of natural fats and oils in which glycerides with
acid values of 5 to 20 are treated with lower alcohols and free fatty acids are thus
converted into esters, characterized in that the reaction is carried out in the presence of enzymes immobilized on supports with
a diameter of 1 to 5 mm.
2. A process as claimed in claim 1, characterized in that glycerides selected from the group consisting of coconut oil, palm oil, palm kernel
oil, sunflower oil and rapeseed oil and mixtures thereof are used.
3. A process as claimed in claims 1 and/or 2, characterized in that alcohols corresponding to formula (I):
ROH (I)
in which R is a linear or branched alkyl group containing 1 to 4 carbon atoms, are
used.
4. A process as claimed in claim 3, characterized in that methanol is used.
5. A process as claimed in at least one of claims 1 to 4, characterized in that the alcohols are used in quantities of 1 to 10% by weight, based on the quantity
of triglycerides.
6. A process as claimed in at least one of claims 1 to 5, characterized in that enzymes from the group of lipases are used.
7. A process as claimed in at least one of claims 1 to 6, characterized in that the enzymes are used in quantities of 0.5 to 10% by weight, based on the quantity
of triglycerides.
8. A process as claimed in at least one of claims 1 to 7, characterized in that polyolefin granules are used as the support.
9. A process as claimed in at least one of claims 1 to 8, characterized in that the enzymes and the supports are used in a ratio by weight of 1:1 to 100:1.
10. A process as claimed in at least one of claims 1 to 9, characterized in that the reaction is carried out in one or more stages.
1. Procédé de désacidification de matières grasses et d'huiles naturelles, selon lequel
on traite des glycérides ayant des indices d'acide situés dans un intervalle allant
de 5 à 20 avec des alcools inférieurs, et ainsi on transforme les acides gras libres
en esters,
caractérisé en ce qu'
on conduit la réaction en présence d'enzymes immobilisées sur des supports présentant
un diamètre allant de 1 à 5 mm.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce qu'
on utilise des glycérides choisis dans le groupe formé par l'huile de coprah, l'huile
de palme, l'huile de palmiste, l'huile de tournesol et l'huile de colza ainsi que
leurs mélanges.
3. Procédé selon les revendications 1 et/ou 2,
caractérisé en ce qu'
on utilise des alcools de formule (I)
ROH (I)
dans laquelle R représente un radical alkyle linéaire ou ramifié comportant de 1 à
4 atomes de carbone.
4. Procédé selon la revendication 3,
caractérisé en ce qu'
on utilise du méthanol.
5. Procédé selon au moins une des revendications 1 à 4,
caractérisé en ce qu'
on utilise les alcools en quantités de 1 à 10 % en poids rapporté à la quantité de
triglycérides.
6. Procédé selon au moins une des revendications 1 à 5,
caractérisé en ce qu'
on utilise des enzymes du groupe des lipases.
7. Procédé selon au moins une des revendications 1 à 6,
caractérisé en ce qu'
on utilise les enzymes en quantités de 0,5 à 10 % en poids rapporté à la quantité
de triglycérides.
8. Procédé selon au moins une des revendications là 7,
caractérisé en ce que
comme support on utilise des granulés de polyoléfine.
9. Procédé selon au moins une des revendications 1 à 8,
caractérisé en ce qu'
on utilise les enzymes et les supports dans un rapport pondéral de 1 : 1 à 100 : 1.
10. Procédé selon au moins une des revendications 1 à 9,
caractérisé en ce qu'
on conduit la réaction en une ou plusieurs étapes.