[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung einer verbrennbaren Hülse für
patronierte Munition mit den im Oberbegriff des Anspruchs 1 angegebenen Merkmalen.
[0002] Bei diesem bekannten Verfahren wird die verbrennbare Hülse durch ein Verfilzungsverfahren
hergestellt, welches drei wesentliche Arbeitsschritte umfaßt: Ansetzen einer Nitrocellulose-
und Zellstofffasern enthaltenden wäßrigen Pülpe (Faserbrei), Herstellen eines Rohfilzes
durch Entwässern des Fasermaterials auf einer Siebform und Verpressen des Rohfilzes
zur weiteren Entwässerung, Verdichtung des Fasermaterials sowie zur endgültigen Formgebung,
vergl. z. B.
DE 1446889 A,
WO 8605175 A und
US 3260203 A. Bei diesem Verfahren ist es auch bekannt, der Pülpe ein Bindeharz zuzusetzen, das
den Zusammenhalt der Fasern verstärkt.
[0003] Bei einer Variante, die aus der
US 3706280 A bekannt ist, wird der Rohfilz getrocknet und mit einer organisch gelösten Harz-Vorstufe
getränkt, die sich beim anschliessenden Erhitzen des Rohfilzes mit den Fasern bindet
und als Harz ausbildet. Dazu kann die Pülpe einen Komplex aus wasserlöslichem Polyamid
und Natriumcarboximethylcellulose als weiteres Bindemittel enthalten, das dem Rohfilz
eine bessere, vorläufige Festigkeit verleihen soll.
[0004] Aus der
US 2991168 A sind faserhaltige feste Treibstoffe in Blattform bekannt, die wie ein textiles Flies
oder wie Papier mit Bindeharz hergestellt werden. Als eines von mehreren weiteren
Bindemitteln wird dabei auch Stärke genannt, aber ohne Erwähnung spezifischer Effekte.
Aus einer Vielzahl solcher Blätter sollen sich Treibladungen und verbrennbare Ladungs-Behälter
aufbauen lassen.
[0005] Nach den bekannten Verfilzungsverfahren hergestellte verbrennbare Hülsen weisen den
Nachteil auf, daß sie im Falle von Munition mit Geschossen, die ein hohes Gewicht
aufweisen, aus Festigkeitsgründen eine relativ dicke Wandstärke aufweisen müssen.
Außerdem treten bei bekannten verbrennbaren Hülsen, die hohen mechanischen Belastungen
ausgesetzt sind (wie sie beispielsweise im Falltest oder bei automatischen Ladungssystemen
auftreten), immer wieder Schäden auf, die eine Ladbarkeit der Patronen verhindern.
[0006] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren anzugeben, mit dem auf einfache
Weise verbrennbare Hülsen hergestellt werden können, die gegenüber bekannten Hülsen
vergleichbarer Abmessungen eine größere mechanische Festigkeit besitzen.
[0007] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Eine,
besonders vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung offenbart der Unteranspruch.
[0008] Die Erfindung beruht im wesentlichen auf dem Gedanken, vor dem Herstellen des Rohfilzes
in die wäßrige Pülpe ein Additiv in Form von Stärke zuzugeben, welches die Festigkeit
des aus Nitrocellulose- und Zellstoffasern bestehenden Faserverbundes nach dem Pressen
steigert, so daß sich sowohl die Bruchkraft und Bruchdehnung als auch der Weiterreißwiderstand
des Materials erhöhen.
[0009] Es handelt sich bei dem Additiv um polymeres Material mit hydrophilem Charakter,
welches einen hohen Gehalt an OH-, NH
2- und/oder ähnlichen Gruppen aufweist, mit der Fähigkeit, chemische Bindungen und
/ oder intermolekulare Wechselwirkungen (z. B. Wasserstoffbrücken) mit den Cellulose-
bzw. Nitrocellulose-Molekülen zu bilden.
[0010] Als Additiv haben sich vor allem kationische, aber auch anionische modifizierte und
native Stärken als vorteilhaft erwiesen.
[0011] Zusätzlich zu der gewünschten Erhöhung der mechanischen Festigkeit weisen die nach
dem erfindungsgemäßen Verfahren hergestellten verbrennbaren Hülsen den weiteren Vorteil
auf, daß bei laborierten Patronen weniger Sprengöle aus dem Treibladungspulver in
die Hülse migrieren als bei bekannten vergleichbaren verbrennbaren Hülsen.
[0012] Nachfolgend werden mehrere praktische Ausführungsbeispiele beschrieben:
1. Zu einer wäßrigen Pülpe, bestehend aus 51 % Nitrocellulose, 48,1 % Zellstoff und
0,9 % Akardit, wurde (bezogen auf die Trockenmasse der anderen Bestandteile der Pülpe
) 0,5 % kationische Stärke oder 0,2 % kationischer Guar oder 1,0 % Carboxmethylcellulose
(CMC) zugegeben. Aus der Pülpe wurden dann blattförmige Proben hergestellt, die alle
annähernd die gleiche Flächenmasse aufweisen. Zur Beurteilung der Festigkeit des Faserverbundes
wurden die Bruchkraft, die Bruchdehnung, die Arbeitsaufnahme sowie die Weiterreißbarkeit
bestimmt. Als Vergleich diente die Rezeptur ohne Additivzugabe. Wie die nachfolgende
Tabelle zeigt, weisen die Proben mit den Additiven bei allen Prüfungen gegenüber den
Proben ohne Zusätze deutlich bessere Werte auf.
| |
Flächenmasse [g/m<2>] |
Bruchkraft [N] |
Bruchdehnunq [%] |
Arbeitsaufnahme [Nmm] |
Weiterreißarbeit [mNm/m] |
Rohdichte [Kg/dm<3>] |
| Kein Add. |
101 |
21,1 |
1,6 |
22,6 |
769 |
0,45 |
| Kat. Stärke |
101 |
32,3 |
2,4 |
50,3 |
1299 |
0,48 |
| Kat. Guar |
100 |
27,2 |
2,0 |
32,6 |
971 |
0,46 |
| CMC |
101 |
23,1 |
1,9 |
28,4 |
883 |
0,44 |
2. Das Additiv kationische Stärke wurde zu 0,5 % einer Pülpe zugesetzt, aus der verbrennbare
Hülsen im Verfilzungsverfahren gefertigt wurden. Der Vergleich der Hülsen mit und
ohne Stärkezusatz brachte folgende Ergebnisse bei den standardmäßig durchgeführten
Qualitätstests.
| |
Zugfestigkeit [cN/dtex] |
Stauchtest [% Stauchung] |
| Kein Additiv |
22,64 |
1,70 |
| 0,5 % kationische Stärke |
29,86 |
1,63 |
[0013] Bei annähernd gleichbleibenden Stauchwerten (Elastizität des Materials) konnte die
Zugfestigkeit signifikant erhöht werden.
1. Verfahren zur Herstellung einer verbrennbaren Hülse für patronierte Munition,
bei welchem eine wässrige Pülpe hergestellt wird, die Fasermaterial aus Nitrocellullosefasem
und Zellstofffasem enthält,
bei welchem aus der Pülpe durch Entwässern des Fasermaterials auf einer Siebform ein
Rohfilz erzeugt wird,
und bei welchem der Rohfilz dann verpresst wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass vor dem Erzeugen des Rohfilzes in die wässrige Pülpe als Additiv Stärke hinzugefügt
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Additiv kationische Stärke hinzugefügt wird.
1. A process for manufacturing a combustible cartridge case for ammunition,
in which an aqueous pulp is prepared, which contains fibrous material of nitrocellulose
fibers and cellulose fibers,
in which a raw felt is produced from the pulp by dewatering the fibrous material on
a screen,
and in which the raw felt then is compressed,
characterized in
that before producing the raw felt starch is added into the aqueous pulp as additive.
2. The process according to claim 1,
characterized in
that cationic starch is added as additive.
1. Procédé pour la fabrication d'une douille combustible pour une munition en cartouche,
dans lequel on prépare une pulpe aqueuse qui contient un matériau fibreux formé de
fibres de nitrocellulose et de fibres de cellulose,
dans lequel on produit à partir de la pulpe un feutre brut par évacuation de l'eau
hors du matériau fibreux sur un crible en forme,
et dans lequel le feutre brut est alors pressé,
caractérisé en ce que, avant de produire le feutre brut, on ajoute de l'amidon à titre d'additif dans la
pulpe aqueuse.
2. Procédé selon la revendication 1,
caractérisé en ce que l'on ajoute de l'amidon cationique à titre d'additif.