[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft einen Eisenbahngüterwagen zum Transport von Sattelanhängern
sowie ein Verfahren zum Transport von Sattelanhängern auf Eisenbahngüterwagen gemäss
den Oberbegriffen der unabhängigen Patentansprüche.
[0002] Vor dem Hintergrund zunehmend strengerer gesetzlicher Auflagen und den damit verbundenen
Kosten sowie im Lichte kapazitiver Engpässe der bestehenden Strassennetze auf den
Hauptverkehrsachsen besteht heute im internationalen Güterfernverkehr, insbesondere
für grosse Distanzen und im alpenquerenden Verkehr, die Tendenz, Sattelanhänger als
unbegleitete Fracht mittels Eisenbahngüterwagen auf der Schiene zu transportieren.
Um diese Transportart konkurrenzfähig zu machen ist es jedoch von herausragender Bedeutung,
dass das Beladen am Startort und das Entladen am Zielort möglichst wenig Zeit in Anspruch
nimmt und auf möglichst einfache und sichere Art und Weise zu bewerkstelligen ist.
Auch ist es wichtig, dass möglichst alle Sattelanhängertypen mit dem gleichen Eisenbahngüterwagentyp
transportiert werden können, so dass die flexible Bereitstellung von geeigneten Zugkompositionen
logistisch unproblematisch ist.
[0003] Bei den heute bekannten Bauarten von Eisenbahngüterwagen zum Transport von Sattelanhängern
wird der Sattelanhänger mit seinen Rädern auf der dafür vorgesehenen Aufstandsfläche
des Eisenbahngüterwagens abgestellt und mit Radvorlegern, welche vor und hinter den
Rädern auf der Aufstandsfläche befestigt werden, gegen ein Verschieben beim Transport
horizontal in und entgegen der Fahrtrichtung gesichert. Der Zugsattel des Sattelanhängers
wird in vertikaler Richtung auf einem Stützbock abgestützt, welcher an der jeweiligen
durch die Sattelanhängerlänge vorgegebenen Stelle angeordnet wird.
[0004] Während auf diese Weise eine sichere Befestigung des Sattelanhängers auf dem Eisenbahngüterwagen
erzielt wird, ist jedoch der hierfür erforderliche Zeitaufwand enorm und unter heutigen
Gesichtspunkten einer gesteigerten Nutzung dieser Transportart abträglich. Zudem ist
bei modernen Sattelanhängertypen mit umfangreichen Unterbauten wie Staukisten und
Unterfahrschutz eine Anordnung von Radvorlegern vor den Rädern nur erschwert möglich
oder gar unmöglich, so dass z.B. die heute vermehrt zum Einsatz kommenden Jumbo-Anhänger
teilweise von dieser Transportart ausgeschlossen sind. Auch sei erwähnt, dass die
Radvorleger bei Nichtgebrauch am Eisenbahngüterwagen untergebracht werden müssen,
was eine automatisierte Abfertigung erschwert, und dass diese verlierbare aber funktionswesentliche
Bauteile darstellen, bei deren Verlust der Eisenbahngüterwagen nicht für den Transport
von Sattelanhängern genutzt werden kann.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, einen Eisenbahngüterwagen zum Transport
von Sattelanhängern und ein Verfahren zum Transport von Sattelanhängern mit Eisenbahngüterwagen
bereitzustellen, welche die Nachteile des Standes der Technik nicht aufweisen oder
diese zumindest teilweise vermeiden.
[0006] Diese Aufgabe wird durch den Eisenbahngüterwagen und durch das Verfahren gemäss den
unabhängigen Patentansprüchen gelöst.
[0007] In einem Aspekt der Erfindung weist der Eisenbahngüterwagen zum Transport von Sattelanhängern
eine Aufstandsfläche, welche dafür bestimmt ist, die Räder des Sattelanhängers aufzunehmen,
und einen Stützbock, welcher zur Abstützung des Zugsattels des Sattelanhängers in
vertikaler Richtung beim Transport vorgesehen ist, auf. Der Stützbock ist derartig
am Eisenbahngüterwagen befestigt und derartig konstruktiv ausgestaltet, dass er unter
normalen Betriebsbedingungen in der Lage ist, jeden für den Transport auf diesem Eisenbahngüterwagen
vorgesehenen Sattelanhänger, d.h. auch den schwersten zum Transport vorgesehenen Sattelanhänger,
ohne die Hilfe von Radvorlegern oder anderen horizontalen Befestigungsmitteln horizontal
in und/oder entgegen der bestimmungsgemässen Fahrtrichtung an seinem Zugsattelzapfen
am vorbestimmten Ort auf dem Eisenbahngüterwagen zu halten. Unter normalen Betriebsbedingungen
wird der normale Fahrtbetrieb, das An- und Abkoppeln und der normale Rangierbetrieb
verstanden, inklusive der Auflauf des Eisenbahngüterwagens mit einer Geschwindigkeit
von 7 km/h auf einen Prallbock oder einen anderen Eisenbahnwagen.
[0008] Mit dem erfindungsgemässen Eisenbahngüterwagen lässt sich das Beladen am Startort
und das Entladen am Zielort auf einfache und sichere Art und Weise in kurzer Zeit
bewerkstelligen. Auch können alle Sattelanhängertypen transportiert werden, da die
Radvorleger entfallen und damit die Bodenfreiheit vor und hinter den Rädern praktisch
egal ist. Durch den Wegfall der Radvorleger verbleibt für den Fall einer festen Stützbockposition
als einzige Einstellgrösse die Aufsattelhöhe der zu transportierenden Sattelanhänger,
welche mittels höhenverstellbarer Stützböcke oder mit Adaptern individuell angepasst
werden kann, so dass neben der deutlichen Vereinfachung und Zeitersparnis auch ein
automatisches Be- und Entladen der Eisenbahngüterwagen mit Sattelanhänger aller Bauarten
möglich wird.
[0009] In einer bevorzugten Ausführungsform des Eisenbahngüterwagens ist die Befestigung
des Stützbocks am übrigen Eisenbahngüterwagen derartig ausgestaltet, dass sich der
Stützbock bei Überschreiten einer bestimmten zulässigen, vom Sattelanhänger bzw. von
dessen Zugsattelzapfen auf diesen ausgeübten Zug- und/oder Schubkraft, welche horizontal
in bzw. entgegen der bestimmungsgemässen Fahrtrichtung gerichtet ist, horizontal in
Richtung dieser Zug- bzw. Schubkraft gegenüber dem Eisenbahngüterwagen und damit gegenüber
der Aufstandsfläche verschieben kann, ohne seine vertikale Stützfunktion zu verlieren.
Diese Verschiebung kann vorübergehend oder bleibend sein, so dass sie entweder lediglich
eine Herabsetzung der Beanspruchung des Zugsattelzapfens bewirkt oder, im Fall einer
bleibenden Verschiebung, zusätzlich anzeigt, dass eine nicht normale bzw. unzulässige
Beanspruchung beim Transport aufgetreten ist. Mit Vorteil wird die zulässige Zug-
und/oder Schubkraft, bei deren Überschreitung eine Verschiebung des Stützbocks stattfindet,
derartig bemessen, dass sie gleich oder kleiner als die Schubkraft ist, die der schwerste
mit dem Eisenbahngüterwagen zu transportierende Sattelanhänger erzeugt, wenn er in
bestimmungsgemässer Fahrtrichtung mit 0.6g, bevorzugterweise mit 0.8g verzögert wird.
Der Einfachheit halber kann diese Kraft als Produkt aus dem Gesamtgewicht des Sattelanhängers
und dem Beschleunigungswert errechnet werden, so dass sich beispielsweise für einen
Sattelanhänger mit 38 t Gesamtgewicht bei einer Verzögerung von 0.8 g eine zulässige
Zug- und/oder Schubkraft von knapp 300 kN ergibt. Da die Zugsattelzapfen der Sattelanhänger
derartige Zug- und Schubbeanspruchungen auch bei entsprechender Lastwechselzahl ohne
Beschädigung überstehen müssen, stellt dieser Wert eine sinnvolle Obergrenze für die
zulässigen Zug- und/oder Schubkräfte dar.
[0010] Bevorzugterweise ist der Stützbock bei dieser Ausführungsform derartig am übrigen
Eisenbahngüterwagen befestigt, dass er in und/oder entgegen der bestimmungsgemässen
Fahrtrichtung durch Führungsmittel, wie z.B. Gleitschienen, geführt in horizontaler
Richtung verschiebbar ist, jedoch mittels bevorzugterweise austauschbaren Stützmitteln,
wie z.B. vorgespannten Spiralfedern oder Crash-Elementen, unter normalen Betriebsbedingungen
an einer solchen Verschiebung gehindert wird und somit unter diesen normalen Betriebsbedingungen
gegenüber dem übrigen Eisenbahngüterwagen und gegenüber dessen Aufstandsfläche feststehend
ist. Dabei sind die Stützmittel derartig dimensioniert, dass sie bei Überschreitung
der zulässigen Zug- und/oder Schubkraft am Stützbock vorübergehend oder bleibend nachgeben
und so eine durch die Führungsmittel geführte Verschiebung des Stützbocks ermöglichen
unter Begrenzung bzw. Herabsetzung der auftretenden Zug- und/oder Schubkräfte.
[0011] Die Stützmittel umfassen vorteilhafterweise Dämpfungselemente, bevorzugterweise hydraulische
Dämpfer, wie z.B. hydraulische Teleskopstossdämpfer, Reibungsdämpfer, wie z.B. Scherenreibungsdämpfer,
durch Deformation wirkende Dämpfungselemente oder Kombinationen daraus, wie z.B. Crash-Elemente.
Auf diese Weise lässt sich die frei werdende Energie mindestens teilweise aufzehren
und etwaige Rückstellreaktionen begrenzen.
[0012] Werden die Dämpfungselemente bei der Ausübung ihrer Dämpfungsfunktion beim Verschieben
des Stützbocks irreversibel verändert, bevorzugterweise plastisch verformt, so kann
der Zustand derselben nach erfolgtem Transport als Kriterium dafür herangezogen werden,
ob der Zugsattelzapfen während dem Transport unzulässige Beanspruchungen erfahren
hat. Sollte dies der Fall sein, kann gezielt eine Prüfung oder ein Austausch desselben
vorgenommen werden.
[0013] Bevorzugt ist die Verwendung von Crash-Elementen als Dämfungselemente der Stützmittel,
da diese eine Dämpfungswirkung sowohl durch Reibung als auch durch Deformation entfalten
und von daher in der Lage sind, besonders viel Energie zu verzehren.
[0014] Vorteilhafterweise werden die Stützmittel ausschliesslich von Crash-Elementen gebildet,
und zwar bevorzugterweise derart, dass in Fahrtrichtung gesehen jeweils vor und hinter
dem Stützbock ein Crash-Element angeordnet ist. Hierdurch ergibt sich eine besonders
einfache und kostengünstige Konstruktion.
[0015] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Eisenbahngüterwagens ist der Stützbock
derartig ausgestaltet, dass seine Aufsattelhöhe über der Aufstandsfläche für die Räder
des zu transportierenden Sattelanhängers einstellbar ist, und zwar bevorzugterweise
in Stufen. Vorteilhafterweise kann diese Aufsattelhöhe mindestens zwischen zwei der
folgenden, in Europa typischen Aufsattelhöhen für Sattelanhänger variiert werden:
1130mm, 980 mm, 850 mm. Erfindungsgemässe Eisenbahngüterwagen dieser Bauart können
auch ohne zusätzliche Adapterelemente praktisch alle in Europa bekannten Sattelanhänger
transportieren.
[0016] In noch einer bevorzugten Ausführungsform weist der Eisenbahngüterwagen Endpuffer
auf, welche derartig dimensioniert sind, dass der Eisenbahngüterwagen bei Beladung
mit seiner halben Maximalnutzlast bei einem Auflauf mit einer Geschwindigkeit von
7 km/h auf einen Prallbock eine maximale Verzögerung von kleiner 1g, bevorzugterweise
kleiner 0.8g erfährt. Hierdurch lässt sich die Gefahr einer Überbeanspruchung des
Zugsattelzapfens eines mit dem Eisenbahngüterwagen transportierten Sattelanhängers
beim Rangier- bzw. An- und Abkoppelbetrieb deutlich herabsetzen.
[0017] In noch einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Eisenbahngüterwagens ist dieser
als Niederflurwagen mit einer Aufstandshöhe seiner Aufstandsfläche über Schienenoberkante
von kleiner als 400 mm, bevorzugterweise kleiner als 350 mm ausgestaltet, wodurch
sich auch grossvolumige Jumbo-Sattelanhänger unter Einhaltung der vorgegebenen Lichtraumprofile
transportieren lassen.
[0018] Wird der Eisenbahngüterwagen als Taschenwagen ausgestaltet, so ergeben sich besonders
stabile Konstruktionen, da die über die Aufstandsfläche hinausragenden Seitenwände
massgeblich zur Steifigkeit des Güterwagens beitragen.
[0019] Auch ist es bevorzugt, den Eisenbahngüterwagen als Doppelwagen, bevorzugterweise
als Gelenk-Doppelwagen auszugestalten, wobei er mit Vorteil mit drei Drehgestellen
ausgerüstet wird. Eine derartige Konstruktionsweise erlaubt das Zusammenstellen von
Eisenbahnwagenkompositionen mit grosser Transportkapazität bei gleichzeitig kleiner
Zuglänge.
[0020] In einer letzten bevorzugten Ausführung des Eisenbahngüterwagens ist dieser derartig
ausgestaltet, dass mindestens zwei solche Güterwagen zu einer Eisenbahnwagenkomposition
zusammengestellt werden können, welche eine in Längsrichtung mit den Rädern der mit
ihr zu transportierenden Sattelanhänger überfahrbare und von der Stirnseite her befahrbare
Fläche bildet. Eine derartige Bauweise ermöglicht das Be- und Entladen der erfindungsgemässen
Eisenbahngüterwagen auch mit nichtkranbaren Sattelanhängern mittels Portalschleppern.
[0021] Ein zweiter Aspekt der Erfindung betrifft ein Verfahren zum Transport von Sattelanhängern
auf Eisenbahngüterwagen, wobei dieser ohne Zugmaschine auf dem Eisenbahngüterwagen
angeordnet wird. Hierbei wird der Sattelanhänger während dem Transport in horizontaler
Richtung mit seinem Zugsattelzapfen mit dem Eisenbahngüterwagen verbunden, so dass
die während dem Transport zwischen dem Sattelanhänger und dem Eisenbahngüterwagen
auftretenden horizontal gerichteten Zug- und/oder Schubkräfte im wesentlichen über
den Zugsattelzapfen auf den Sattelanhänger übertragen werden.
[0022] Mit dem erfindungsgemässen Verfahren lässt sich das Be- und Entladen von allen gängigen
Sattelanhängern auf Eisenbahngüterwagen auf besonders kosten- und zeitsparende Weise
bewerkstelligen und bei Bedarf auch automatisieren.
[0023] In einer bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird der Zugsattelzapfen an einem
vom Eisenbahngüterwagen bereitgestellten Stützbock befestigt und dieser Stützbock
derartig am Eisenbahngüterwagen gehalten, dass er sich zusammen mit dem Sattelanhänger
bei Überschreitung einer bestimmten, vom zu transportierenden Sattelanhänger bzw.
von dessen Zugsattelzapfen horizontal in bestimmungsgemässer Fahrtrichtung auf den
Stützbock ausgeübten Zug- und/oder Schubkraft vorübergehend oder bleibend in horizontaler
Richtung gegenüber dem Eisenbahngüterwagen verschiebt. Hierdurch kann die Beanspruchung
des Zugsattelzapfens herabgesetzt und in gewissen Grenzen auch eine unzulässige Beanspruchung
desselben verhindert werden. Zudem kann eine bleibende Verschiebung als Indikator
für eine unzulässige Beanspruchung dienen. Bevorzugterweise wird der Stützbock derartig
am Eisenbahngüterwagen gehalten, dass er sich bei einer horizontalen Zug- und/oder
Schubkraft von 260 kN, bevorzugterweise von 300 kN zu verschieben beginnt, da eine
grössere Zahl von Lastwechseln mit grösseren als diesen Kräften zu einer Beschädigung
des Zugsattelzapfens führen könnte.
[0024] In einer weiteren bevorzugten Ausführungsform des Verfahrens wird der Eisenbahngüterwagen
mit Endpuffern ausgerüstet, welche die maximale Verzögerung, die der Eisenbahngüterwagen
bei einer Beladung mit seiner halben Maximalnutzlast und bei einem Auflauf mit 7 km/h
auf einen Prallbock in horizontaler Richtung erfährt, auf einen Wert von 1g, bevorzugterweise
0.8g begrenzen. Hierdurch lässt sich die Gefahr einer Überbeanspruchung des Zugsattelzapfens
während dem Rangier- bzw. An- und Abkoppelbetrieb deutlich herabsetzen.
[0025] Weitere bevorzugte Ausführungen der Erfindung ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen
und aus der nun folgenden Beschreibung anhand der Figuren. Dabei zeigen:
Fig. 1 eine Seitenansicht der vorderen Hälfte eines erfindungsgemässen Gelenk-Doppelwagens;
Fig. 2 eine Seitenansicht wie in Fig. 1 mit einem auf der dargestellten Wagenhälfte
angeordneten Sattelanhänger;
Fig. 3 einen Vertikalschnitt in Längsrichtung durch den Stützbock der in den Figuren
1 und 2 dargestellten vorderen Wagenhälfte und durch dessen Befestigung am Wagen:
und
Fig. 4 einen Längsschnitt durch eines der in Fig. 3 dargestellten Crash-Elemente.
[0026] Der Grundaufbau eines erfindungsgemässen Eisenbahngüterwagens zum Transport von Sattelanhängern
3 wird aus den Figuren 1 und 2 ersichtlich, welche die vordere Hälfte eines niederflurigen
Gelenk-Doppelwagens mit insgesamt drei zweiachsigen Drehgestellen in der Seitenansicht
zeigen, und zwar einmal mit (Fig. 2) und einmal ohne (Fig. 1) einen Sattelanhänger
3 bestimmungsgemäss angeordnet darauf.
[0027] Wie in Fig. 2 deutlich zu erkennen ist, weist der dargestellte Teil des Gelenk-Doppelwagens
eine Aufstandsfläche 1 für die Räder des Sattelanhängers 3 auf und verfügt zudem über
einen stufenlos über einen Scherenmechanismus in der Höhe verstellbaren Stützbock
2, welcher unveränderbar an einer Position oberhalb des vordersten Drehgestells angeordnet
ist und auf welchem der Zugsattel des Sattelanhängers 3 in vertikaler Richtung abgestützt
ist. Der Zugsattelbolzen des Sattelanhängers 3 ist in horizontaler Richtung formschlüssig
mit dem Stützbock 2 verbunden und stellt die einzige Verbindung in horizontaler Richtung
zwischen dem Sattelanhänger 3 und dem Gelenk-Doppelwagen dar, so dass sämtliche in
horizontaler Richtung zwischen Sattelanhänger 3 und Gelenk-Doppelwagen auftretenden
Kräfte ausschliesslich über den Stützbock 2 und den Zugsattelzapfen übertragen werden.
Die beim Stand der Technik üblichen Radvorleger sind nicht vorhanden. Um diese Befestigungsweise
zu ermöglichen, ist der Stützbock 2 konstruktiv derartig ausgestaltet und derartig
am Gelenk-Doppelwagen befestigt, dass er die unter normalen Betriebsbedingungen zwischen
dem Sattelanhänger 3 und dem Gelenk-Doppelwagen horizontal in und entgegen der Fahrtrichtung
F wirkenden Zug- und Schubkräften sicher auf den Zugsattelzapfen des Sattelanhängers
3 übertragen kann, ohne dass es zu einer Positionsveränderung des Sattelanhängers
auf dem Gelenk-Doppelwagen kommt.
[0028] Wie aus Fig. 3 hervorgeht, welche einen Vertikalschnitt in Längsrichtung durch den
Stützbock 2 und durch dessen Befestigung am Gelenk-Doppelwagen zeigt, wird der Scherenmechanismus
des Stützbocks 2 von einer Basisplatte 7 getragen, welche mit Führungsmitteln 4, die
als Führungsschienen 4 ausgestaltet sind, in und entgegen der bestimmungsgemässen
Fahrtrichtung F geführt verschiebbar wäre, wenn diese Verschiebebewegung nicht durch
je ein in Fahrtrichtung F gesehen vor und nach dem Stützbock 2 angeordnetes Stützmittel
5, welches aus einem einzelnen Crash-Element 5 besteht, unterbunden würde. Solche
Crash-Elemente sind kommerziell erhältlich, z.B. von der Firma Schwab Verkehrstechnik
AG, Schaffhausen, Schweiz. Die Crash-Elemente 5 sind austauschbar und spielfrei in
Fahrtrichtung F eingebaut, so dass der Stützbock 2 in der dargestellten Situation
in allen Richtungen fest mit dem übrigen Gelenk-Doppelwagen verbunden ist. Die Crash-Elemente
5 sind im vorliegenden Fall derartig dimensioniert, dass beim Auftreten von horizontalen
Zug- oder Schubkräften am Stützbock 2 von mehr als 260 kN das jeweils mit Druckkraft
beaufschlagte Crash-Element 5 von der Basisplatte 7 mit dem darauf angeordneten Stützbock
2, welche sich entlang der Führungsschienen 4 verschiebt, zusammengeschoben wird.
Dieser Wert von 260 kN entspricht in etwa einer Verzögerung eines 38 t schweren Sattelanhängers
mit 0.7g.
[0029] Wie aus Fig. 4 ersichtlich wird, welches einen Längsschnitt durch eines der Crash-Elemente
5 zeigt, schiebt hierbei das innere Rohr 8 des Crash-Elements 5 eine Spreizhülse 9
in das Aussenrohr 10 des Crash-Elements 5, unter plastischer Aufweitung desselben.
Hierdurch wird die bei der Verschiebung auftretende Energie in Reibungs- und Deformationsenergie
umgewandelt und dadurch verzehrt, wobei jedoch das Crash-Element 5 zerstört wird und
ausgetauscht werden muss.
[0030] Wird beim Zusammenschieben nicht der gesamte konstruktiv vorgesehene Schiebeweg des
Crash-Elements 5 aufgebraucht, so kann davon ausgegangen werden, dass es trotz nicht
normaler Betriebsbedinungen nicht zu einer Überbeanspruchung des Zugsattelzapfens
des transportierten Sattelanhängers 3 gekommen ist. Wird das Crash-Element 5 hingegen
vollständig zusammengeschoben, so muss angenommen werden, dass der Zugsattelzapfen
möglicherweise beschädigt wurde.
[0031] Dadurch, dass bei Überschreitung der zulässigen Zug- bzw. Schubkraft mindestens eines
der Crash-Elemente 5 mindestens teilweise zusammengeschoben wird, können diese zusätzlich
auch der Kontrolle vorschriftsmässiger Betriebsbedingungen dienen, derart, dass nach
jedem Transport überprüft wird, ob eines der Crash-Elemente 5 teilweise zusammengeschoben
wurde oder nicht. Im letztgenannten Fall darf davon ausgegangen werden, dass beim
letzten Transport keine abnormen Betriebsbedingungen mit Überbeanspruchungen des Zugsattelzapfens
des transportierten Sattelanhängers 3 aufgetreten sind.
1. Eisenbahngüterwagen zum Transport von Sattelanhängern (3), mit einer Aufstandsfläche
(1) für die Räder des Sattelanhängers (3) und mit einem Stützbock (2) zur Abstützung
des Zugsattels des Sattelanhängers (3), dadurch gekennzeichnet, dass der Stützbock (2) konstruktiv derartig ausgestaltet und am Eisenbahngüterwagen befestigt
ist, dass die während dem Transport unter normalen Betriebsbedingungen zwischen dem
Sattelanhänger (3) und dem Eisenbahngüterwagen wirkenden horizontal gerichteten Zug-
und/oder Schubkräfte gesamthaft über den Stützbock (2) auf den Zugsattelzapfen des
Sattelanhängers (3) übertragbar sind.
2. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützbock (2) derartig am Eisenbahngüterwagen befestigt ist, dass er sich bei
Überschreitung einer bestimmten, vom Zugsattelzapfen des zu transportierenden Sattelanhängers
(3) horizontal in oder entgegen bestimmungsgemässer Fahrtrichtung (F) auf diesen ausgeübten
zulässigen Zug- und/oder Schubkraft vorübergehend oder bleibend horizontal in Richtung
der Zug- und/oder Schubkraft gegenüber der Aufstandsfläche (1) verschieben kann, zur
Verringerung der Beanspruchung des Zugsattelzapfens und/oder zur Anzeige einer unzulässigen
Beanspruchung desselben, und insbesondere, dass diese zulässige Zug- und/oder Schubkraft
kleiner oder gleich derjenigen Schubkraft ist, die ein schwerster mit dem Eisenbahngüterwagen
zu transportierender Sattelanhänger (3) erzeugt, wenn er in bestimmungsgemässer Fahrtrichtung
(F) mit 0.6g, insbesondere mit 0.8g verzögert wird.
3. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass der Stützbock (2) mit Führungsmitteln (4) horizontal in und/oder entgegen der bestimmungsgemässen
Fahrtrichtung (F) verschiebbar am Eisenbahngüterwagen angeordnet ist und durch Stützmittel
(5) gegen ein Verschieben entlang der Führungsmittel (4) bei normalen Betriebsbedingungen
gesichert ist, wobei die Stützmittel (5) derartig ausgelegt sind, dass sie bei Überschreitung
der zulässigen Zug- und/oder Schubkraft nachgeben und dadurch eine Verschiebung des
Stützbocks (2) entlang der Führungsmittel (4) ermöglichen.
4. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützmittel (5) Federn, insbesondere vorgespannte Spiralfedern umfassen.
5. Eisenbahngüterwagen nach einem der Ansprüche 3 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützmittel (5) Dämpfungselemente umfassen, insbesondere hydraulische Dämpfer,
Reibungsdämpfer, durch Deformation wirkende Dämfungselemente und/oder Kombinationen
daraus.
6. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass die Dämpfungselemente derartig ausgestaltet sind, dass sie bei Ausübung ihrer Dämpfungsfunktion
irreversibel verändert, insbesondere plastisch verformt werden.
7. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Dämpfungselemente Crash-Elemente (5) sind, welche bei Ausübung ihrer Dämpfungsfunktion
eine Dämpfung sowohl durch Reibung als auch durch plastische Verformung bewirken.
8. Eisenbahngüterwagen nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, dass die Stützmittel (5) ausschliesslich von Crash-Elementen (5) gebildet sind und insbesondere,
dass in Fahrtrichtung (F) gesehen vor und hinter dem Stützbock (2) jeweils genau ein
Crash-Element (5) angeordnet ist.
9. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Aufsattelhöhe des Stützbocks (2) über der Aufstandsfläche (1) einstellbar ist,
insbesondere in mehreren Stufen einstellbar ist, und insbesondere, dass die Aufsattelhöhe
stufenweise auf 1130 mm, 980 mm und/oder 850 mm über der Aufstandsfläche (1) einstellbar
ist.
10. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen mit Puffern (6) ausgerüstet ist, welche die maximale Verzögerung
des mit halber Maximalnutzlast beladenen Eisenbahngüterwagens bei Auflauf mit einer
Geschwindigkeit von 7 km/h auf einen Prallbock auf einen Wert kleiner 1g, insbesondere
kleiner 0.8g beschränken.
11. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen als Niederflurwagen ausgestaltet ist, derart, dass die Aufstandshöhe
für die Räder des Sattelanhängers (3) über Schienenoberkante (S) kleiner ist als 400
mm, insbesondere kleiner als 350 mm.
12. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen als Taschenwagen ausgestaltet ist.
13. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen als Doppelwagen, insbesondere als Gelenk-Doppelwagen ausgestaltet
ist, und insbesondere, dass dieser mit drei Drehgestellen ausgerüstet ist.
14. Eisenbahngüterwagen nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen derartig ausgestaltet ist, dass eine aus mehreren solchen
Eisenbahngüterwagen gebildete Eisenbahnwagenkomposition eine in Längsrichtung mit
den Rädern der zu transportierenden Sattelanhänger (3) überfahrbare und von der Stirnseite
her befahrbare Fläche aufweist.
15. Verfahren zum Transport von Sattelanhängern (3) auf Eisenbahngüterwagen, wobei der
Sattelanhänger ohne Zugmaschine auf dem Eisenbahngüterwagen angeordnet wird, dadurch gekennzeichnet, dass der Sattelanhänger (3) zur im wesentlichen vollständigen Übertragung der während
dem Transport zwischen dem Sattelanhänger (3) und dem Eisenbahngüterwagen wirkenden
horizontal gerichteten Zug- und/oder Schubkräften über seinen Zugsattelzapfen mit
dem Eisenbahngüterwagen verbunden wird.
16. Verfahren nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, dass der Zugsattelzapfen an einem Stützbock (2) des Eisenbahngüterwagens befestigt wird
und der Stützbock (2) zusammen mit dem Sattelanhänger (3) bei Überschreitung einer
bestimmten, vom zu transportierenden Sattelanhänger (3) horizontal in bestimmungsgemässer
Fahrtrichtung (F) auf den Stützbock (2) ausgeübten Zugund/oder Schubkraft vorübergehend
oder bleibend in horizontaler Richtung gegenüber dem Eisenbahngüterwagen verschoben
wird zur Herabsetzung der Beanspruchung des Zugsattelzapfens und/oder zur Anzeige
einer unzulässigen Beanspruchung desselben, und insbesondere, dass dieses Verschieben
bei Überschreiten einer horizontalen Zugund/oder Schubkraft von 260 kN, insbesondere
300 kN erfolgt.
17. Verfahren nach einem der Ansprüche 15 oder 16, dadurch gekennzeichnet, dass der Eisenbahngüterwagen mit Puffern (6) ausgerüstet wird, welche die max. Verzögerung
des mit halber Maximallast beladenen Eisenbahngüterwagens bei einem Auflaufstoss mit
7 km/h auf einen Prallbock auf einen Wert kleiner 1g, insbesondere kleiner 0.8g beschränken.