[0001] Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Reduzierung des Kontaktabbrandes
eines Schaltgerätes, insbesondere eines Schütz. Sie bezieht sich weiter auf eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens.
[0002] Bei einem mit Wechselstrom angesteuerten und elektromagnetisch betätigten Schaltgerät,
dessen nachfolgend als Hauptkontakte bezeichneten Hauptkontaktanordnungen ein Drehstromsystem
schalten, besteht das Bestreben, durch geeignete Betriebsführung den Kontaktabbrand
zu reduzieren und damit die Funktionsdauer des Schaltgerätes zu erhöhen. So kann durch
Vermeidung des sogenannten Schaltsynchronisationseffektes ein gleichmäßiger Abbrand
in den üblicherweise drei Hauptkontakten erreicht werden, wodurch die Funktionsdauer
erhöht wird. Dazu ist bereits die Beschaltung der Schaltgeräte- bzw. Schützspule mit
einer Kapazität vorgeschlagen worden. Darüber hinaus kann eine angestrebte Vergleichmäßigung
des Kontaktabbrandes durch Vermeidung der sogenannten Autosynchronisation des Schaltgerätes
erhöht werden. Dazu können beispielsweise Schaltbefehle nach bestimmten Methoden derart
verzögert werden, dass eine gleichmäßige Verteilung der Schaltwinkel hervorgerufen
wird.
[0003] Um sowohl den Autosynchronisationseffekt als auch den z.B. durch Fertigungstoleranzen
hervorgerufen mechanischen Synchronisationseffekt auszugleichen, könnte durch geeignete
Wahl des Schaltzeitpunktes die vom aktuellen Abbrand am stärksten betroffene Hauptkontaktanordnung
bezüglich des Abbrandes entlastet werden. Dadurch würden die beiden anderen Hauptkontaktanordnungen
stärker belastet, wodurch ebenfalls eine Nivellierung herbeigeführt wird.
[0004] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Reduzierung des Kontaktabbrandes
eines Schaltgerätes, insbesondere eines Schützes, anzugeben, mit dem einerseits ein,
insbesondere durch den Schaltsynchronismus hervorgerufener, divergierender Abbrand
der Hauptkontakte und andererseits der summarische Abbrand aller drei Hauptkontaktanordnungen
des Schaltgerätes reduziert wird. Des Weiteren soll eine zur Durchführung des Verfahrens
besonders geeignete Vorrichtung angegeben werden.
[0005] Bezüglich des Verfahrens wird diese Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch die Merkmale
des Anspruches 1. Dazu wird bei einem Schaltgerät nach Erhalt eines Einschaltbefehles
dieser bis zum Erreichen eines bevorzugten Phasen- oder Kommandowinkels verzögert,
der demjenigen Hauptkontakt mit dem aktuell stärksten Abbrand zugeordnet ist. Der
Kommando- oder Einschaltkommandowinkel ist dabei ein bestimmter, auf die Phasenlage
der Steuer- oder Spulenspannung zum elektromagnetischen Betätigen der Hauptkontakte
bezogener Zeitpunkt. Der Einschaltkommandowinkel berücksichtigt dabei die von diesem
abhängige Kontaktschließzeit zwischen dem Anlegen der Spulen- oder Steuerspannung
des mit den Hauptkontakten gekoppelten Magnetsystems des Schaltgerätes und der Berührung
der Kontaktelemente der jeweiligen Hauptkontakte.
[0006] Die Erfindung geht dabei von der Überlegung aus, dass in jeder halben Netzperiode
drei bevorzugte Zeitpunkte oder Kommandowinkel existieren, zu denen ein Schaltvorgang
einen im statistischen Mittel geringeren summarischen Abbrand aller drei Hauptkontakte
verursacht als ein beliebiger anderer Zeitpunkt oder ein beliebiger anderer gleich
verteilter Kommandowinkel. Dabei kann jedem der bevorzugten Zeitpunkte oder Kommandowinkel
genau ein Hauptkontakt zugeordnet werden, der einem zu diesem Zeitpunkt bzw. zu diesem
Kommandowinkel eingeleiteten Schaltvorgang im statistischen Mittel einen gegenüber
den anderen beiden Hauptkontakten geringeren Abbrand aufweist. Diese Zuordnung zwischen
den bevorzugten Zeitpunkten oder Kommandowinkeln und den Hauptkontakten ist eineindeutig,
so dass jedem Hauptkontakt oder jeder Hauptkontaktanordnung auch exakt ein bevorzugter
Kommandowinkel zugeordnet ist. Jedem bevorzugten Kommandowinkel sind dabei zwei wesentliche
Eigenschaften, nämlich einerseits ein minimaler Abbrand für einen bestimmten Hauptkontakt.
Andererseits ist bei Wahl dieses bevorzugten und nur einem der Hauptkontakte zugeordneten
Kommandowinkels für alle Hauptkontakte der Abbrand im statistischen Mittel kleiner
als bei einem beliebigen anderen Kommandowinkel.
[0007] Die Verzögerung kann beispielsweise durch ein diskret realisiertes Verzögerungsglied
oder durch einen Mikrokontroller bewerkstelligt werden. Da insgesamt drei bevorzugte
Kommandowinkel oder Zeitpunkte für jede halbe Netzperiode existieren, beträgt die
Verzögerung höchstens 180°, was bei einer Netzfrequenz von 50 Hz einer Verzögerungszeit
von 10 ms entspricht. Auf diese Weise ist einerseits die Vermeidung jeglicher Schaltsynchronisation
sichergestellt. Andererseits wird eine Reduzierung des kumulierten Kontaktabbrandes
in allen drei Hauptkontakten oder Hauptkontaktanordnungen erreicht.
[0008] Der aktuelle Abbrand der drei Hauptkontakte wird vorzugsweise durch eine Zeitintervallmessung
während des Ausschaltvorgangs bestimmt. Hierbei wird die Zeitspanne zwischen einer
Trennung des zur elektromagnetischen Betätigung der Hauptkontakte vorgesehenen Magnetsystems
und der Trennung der Hauptkontakte erfasst. Die Trennung des Magnetsystems kann hierbei
durch einen charakteristischen Spannungsimpuls an der zugeordneten Magnetspule detektiert
werden. Die Trennung der Hauptkontakte resultiert ebenfalls in einem Spannungsimpuls,
dessen Höhe mindestens der Anoden-Kathoden-Spannung eines entstehenden Lichtbogens
entspricht. Eine derartige Zeitintervallmessung ist beispielsweise beschrieben in
der DE 196 03 310 A1 und der DE 196 03 319 A1. Die Zeitintervallmessung nutzt die
Erkenntnis, dass sich der Abbrand der Hauptkontakte primär in einer Verringerung der
Dicke der Kontaktauflage und damit in einem verkürzten Weg äußert.
[0009] Dokument US-A-5440180 offenbart ein Verfahren zur Reduzierung des Kontaktabbrandes
eines Schaltgerätes, bei dem ein zum elektromagnetischen Betätigen dessen Hauptkontakte
anstehender Einschaltbefehl zur Einleitung eines Schaltvorgangs verzögert wird.
[0010] Bezüglich der Vorrichtung wird die genannte Aufgabe erfindungsgemäß gelöst durch
die Merkmale des Anspruches 5. Vorteilhafte Ausgestaltungen sind Gegenstand der auf
diesen rückbezogenen Unteransprüche.
[0011] So umfasst die Vorrichtung eine Anzahl von Auswertegliedern zur Bestimmung des Abbrandes
jedes Hauptkontaktes des Schaltgerätes. Dazu führt jedes Auswerteglied anhand der
Spannung über dem jeweiligen Hauptkontakt und der Spannung der Magnetspule des Magnetsystems
eine Zeitintervallmessung durch. Die drei bevorzugten Kommandowinkel, die den drei
Phasen des Drehstromnetzes zugeordnete Phasenwinkel der Spulen- oder Steuerspannung
für das Magnetsystem des Schaltgerätes sind, sind zweckmäßigerweise als Tabelle in
einem Speicherbaustein hinterlegt.
[0012] Ein Phasenkomparator erzeugt anhand eines Vergleichs des dem Hauptkontakt mit dem
aktuell stärksten Abbrand zugeordneten Kommando- oder Phasenwinkels mit dem Phasenwinkel
der aktuell erfaßten Steuerspannung des Magnetsystems einen Impuls zur Einleitung
des Schaltvorgangs. Dabei entspricht die Impulsfolge des erzeugten Impulses zweckmäßigerweise
einer halben Netzperiode. Eine dem Phasenkomparator nachgeschaltete Kippstufe, vorzugsweise
ein Flipflop, übergibt mit dem vom Phasenkomparator erzeugten Impuls den Einschaltbefehl
an einen Schalter zum Anlegen der Steuer- oder Spulenspannung an das Magnetsystem.
Zur Ermittlung des Phasenwinkels der vorzugsweise kontinuierlich erfassten Steuerspannung
ist der Phasenkomparator mit einem Phasenausgang des Schaltgerätes verbunden, an den
eine der Phasen des Drehstromnetzes angeschlossen ist.
[0013] Die mit der Erfindung erzielten Vorteile bestehen insbesondere darin, dass durch
Verzögerung und damit durch gezielte
[0014] Beeinflussung des Einschaltvorgangs eines mit Wechselstrom angesteuerten, elektromagnetisch
betätigten Schaltgerätes, insbesondere eines Schützes, unter Nutzung dessen spezifischer
Eigenschaften einerseits der Synchronisationseffekt vermieden und andererseits der
Abbrand der Hauptkontakte insgesamt reduziert wird. Dabei wird eine Veränderung sowohl
des durch die Hauptkontakte zu schaltenden Hauptstromkreises als auch des Schaltgerätes
selbst vermieden.
[0015] Nachfolgend wird ein Ausführungsbeispiel der Erfindung anhand einer Zeichnung näher
erläutert. Darin zeigen:
- FIG 1
- ein Prinzipschaltbild eines Schaltgerätes mit einer Anordnung zur Reduzierung des
Kontaktabbrandes,
- FIG 2
- in einem Winkel/Zeit-Diagramm die vom Einschaltkommandowinkel abhängige Schließzeit,
- FIG 3
- in einem Winkel/Geschwindigkeits-Diagramm die vom Einschaltkommandowinkel abhängige
Schließgeschwindigkeit,
- FIG 4
- in einem Winkel/Zeit-Diagramm die vom Einschaltkommandowinkel abhängige Abhebedauer
von Hauptkontakten des Schaltgerätes,
- FIG 5
- in einem Winkel/Winkel-Diagramm die vom Einschaltkommandowinkel abhängigen Schließwinkel
der Hauptkontakte, und
- FIG 6
- in einem weiteren Diagramm die vom Einschaltkommandowinkel abhängige relative Prellladung.
[0016] Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen Bezugszeichen
versehen.
[0017] FIG 1 zeigt ein Schütz als Schaltgerät 1 mit drei nachfolgend als Hauptkontakte K1
bis K3 bezeichneten Hauptkontaktanordnungen, deren unbeweglichen Kontaktelemente K1a,K2a
bzw. K3a einerseits mit Phasenanschlüssen 2 eines Drehstromnetzes L1, L2, L3, N und
andererseits mit einer Last 3 verbunden sind. Die beweglichen Kontaktelemente K1b,K2b
und K3b der Hauptkontakte K1 bis K3 werden von einem gemeinsamen Magnetsystem mit
einer Magnetspule 4 betätigt. Die Magnetspule 4, mit der die Hauptkontakte K1 bis
K3 mechanisch gekoppelt sind, ist über eine Steuerleitung 5 einerseits mit dem Phasenanschluss
2 des Phasenleiters L3 und andererseits mit dem Anschluss 2 des Neutralleiters N verbunden.
In der Steuerleitung 5 liegt ein Schalter 6 zum Ansteuern der Magnetspule 4 und somit
zum Betätigen, d. h. zum Ein- und Ausschalten des Magnetsystems des Schaltgerätes
1.
[0018] Jedem Hauptkontakt K1 bis K3 ist ein Auswerteglied A
L3,A
L2,A
L1 zur Ermittlung des Kontaktabbrandes des jeweiligen Hauptkontaktes K1 bis K3 zugeordnet.
Jedem dieser Auswerteglieder A
L3,A
L2,A
L1 wird einerseits über eine Messleitung 7 die Spannung U
1,U
2,U
3 über dem jeweiligen Hauptkontakt K1 bis K3 und andererseits über Messleitungen 8
die Steuer- oder Spulenspannung U
s an der Magnetspule 4 zugeführt. Anhand dieser Spannungen U
1, U
2, U
3 und U
S führen die Auswerteglieder A
L3,A
L2, A
L1 eine Zeitintervallmessung durch und bestimmen damit die aktuellen Abbrandwerte Δm
1,Δm
2,Δm
3 der Hauptkontakte K1 bis K3, d. h. die jeweilige Dicke der verbleibenden Kontaktauflagen
der Hauptkontakte K1 bis K3.
[0019] Aus den dadurch ermittelten aktuellen Abbrandwerten Δm
1,Δm
2, Δm
3 wird in einem Funktionsbaustein 9 nach einem vorgegebenen funktionalen Zusammenhang,
z. B. nach einer sogenannten maxindex-Funktion, der Hauptkontakt K1,K2 oder K3 mit
dem größten Abbrand bestimmt. Mittels eines Speicherbausteins 10, in dem tabellarisch
drei bevorzugte Einschaltkommandowinkel Ψ
K1, Ψ
K2,Ψ
K3 hinterlegt sind, wird der für den folgenden Schaltvorgang maßgebliche Kommandowinkel
Ψ
KV entnommen und an einen Phasenkomparator 11 weitergeleitet.
[0020] Der Phasenkomparator 11 vergleicht kontinuierlich den Phasenwinkel Ψ der Spulen-
oder Steuerspannung U
s mit dem bevorzugten Kommandowinkel Ψ
KV und gibt bei Übereinstimmung einen kurzen Impuls S aus, der beispielsweise etwa 100
µs lang ist.
[0021] Dazu ist der Phasenkomparator 11 über eine Steuerleitung 12 mit dem Anschluß 2 des
Nullleiters N und einem der Phasenanschlüsse 2, im Ausführungsbeispiel der Phase L3,
des Drehstromnetzes verbunden. Im Phasenkomparator 11 bleibt dabei die Polarität der
Spulenspannung U
s unberücksichtigt, so dass die Impulse S im Abstand von einer halben Netzperiode T/2
ausgegeben werden. Der Impuls S wird an einen Eingang E
1 eines Flipflops 13 geführt, an dessen weiteren Eingang E
2 ein externer Schaltbefehl, d.h. der externe Einschaltbefehl ES, ansteht. Das ausgangsseitig
mit dem Schalter 6 verbundene Flipflop 13 übernimmt mit dem am Eingang E
1 anstehenden Impuls S den am Eingang E
2 anstehenden Schaltbefehl ES und leitet somit über den verzögerungsfreien Schalter
6 den Einschaltvorgang ein.
[0022] Die Ableitung der bevorzugten Kommandowinkel Ψ
KV aus dem Schaltverhalten des elektromagnetisch betätigten Schaltgerätes oder Schützes
1 wird nachfolgend anhand der FIG 2 bis 6 näher beschrieben. Beispielhaft wird hierzu
der durch Messungen verifizierte Einschaltvorgang eines 37kW-Schützes herangezogen.
[0023] FIG 2 zeigt die vom Einschaltkommandowinkel Ψ
K abhängige Schließzeit t
s. Diese gibt die Zeit vom Anlegen der Steuer- oder Spulenspannung U
s bis zur Berührung der Kontaktelemente K1a bis K3b der Hauptkontakte K1 bis K3 an.
Der Einschaltkommandowinkel Ψ
K ist hierbei der auf die Phasenlage der sinusförmigen Steuer- bzw. Schutzspulenspannung
U
s bezogene Phasenwinkel. Aus dem Verlauf ist ersichtlich, dass die vom Einschaltkommandowinkel
Ψ
K abhängige Schließzeit t
s nicht konstant, sondern einer Schwankung von mehr als 10 ms unterworfen ist. Dies
entspricht bei einer Netzfrequenz von 50 Hz einem Winkel Ψ
K von mehr als 180°.
[0024] Für Ψ
K ≈ n · 180°, mit n ∈ N, ist die Schaltzeit t
s minimal. Grund hierfür ist, dass dort bei Einschaltung der fast ausschließlich induktiven
Schütz- oder Magnetspule 4 ein maximales transientes Gleichstromglied hervorgerufen
wird, was insgesamt eine höhere Anzugskraft zur Folge hat. Bei konstantem Einschaltkommandowinkel
Ψ
K ist die Schließzeit t
s nahezu keinen statistischen Schwankungen unterworfen. Somit kann in Kenntnis des
Kommandowinkels Ψ
K die Schließzeit t
s und damit auch der Schließzeitpunkt der Hauptkontakte K1,K2,K3 sehr genau bestimmt
werden. Wesentlich dabei ist, dass zwar die Schließzeit t
s aller drei Hauptkontakte K1,K2,K3 konstant ist, der auf die jeweilige Netzspannung
bezogene Schließwinkel jedoch in den drei Hauptkontakten K1,K2,K3 bei einem Schaltvorgang
aufgrund der Phasenverschiebung im Drehstromsystem jeweils um 120° versetzt ist.
[0025] FIG 3 zeigt die vom Einschaltkommandowinkel Ψ
K abhängige Schließgeschwindigkeit v
s, d.h. die Geschwindigkeit, mit der die Hauptkontakte K1,K2,K3 aufeinander treffen.
Ebenso wie die Schließzeit t
s ist auch die Schließgeschwindigkeit v
s abhängig vom Einschaltkommandowinkel Ψ
K. Im Gegensatz zur Schließzeit t
s ist jedoch der Verlauf der Schließgeschwindigkeit v
s erheblich von den konstruktiven Gegebenheiten des jeweiligen Schützes oder Schaltgerätes
1 abhängig, so dass allgemein gültige Aussagen praktisch nicht gemacht werden können.
Darüber hinaus ist die Schließgeschwindigkeit v
s bei konstantem Einschaltkommandowinkel Ψ
K einer statistischen Streuung unterworfen, was aus dem entsprechend der gemessenen
Standardabweichung ermittelten Fehlerband hervorgeht. Dennoch ist die Schließgeschwindigkeit
v
s aller drei Hauptkontakte K1,K2,K3 näherungsweise gleich, was sich in dem einzigen
Graphen widerspiegelt.
[0026] FIG 4 zeigt die vom Einschaltkommandowinkel Ψ
K abhängige Abhebedauer t
ab aller drei Hauptkontakte K1,K2,K3 während des sogenannten Einschaltprellens. Die
Abhebedauer t
ab ist hierbei die kumulierte Zeit, während derer die Hauptkontakte K1, K2,K3 nach der
ersten Berührung erneut voneinander getrennt sind. Hierbei wird ein für den Abbrand
maßgeblicher Lichtbogen zwischen den Kontaktelementen 1a bis 3b der Hauptkontakte
K1 bis K3 hervorgerufen.
[0027] Aus einem Vergleich der Graphen gemäß den FIG 3 und 4 ist ein deutlicher Zusammenhang
zwischen der Schließzeit t
s und der Abhebedauer t
ab ersichtlich. Demnach ruft eine hohe Schließgeschwindigkeit v
s auch eine vergleichsweise lange Abhebedauer t
ab hervor. Daher sowie auch aus einfachen Überlegungen zum elastischen Stoß und zu Feder-Masse-Systemen
kann bei Mittlung über viele Schaltungen bei gleicher Schließgeschwindigkeit v
s für alle drei Hauptkontakte K1 bis K3 auch von etwa gleicher Abhebedauer t
ab ausgegangen werden. Dies lässt sich durch die Beziehung

audrücken, wobei C eine schaltgerätespezifische Konstante ist.
[0028] Zusätzlich zur Schließgeschwindigkeit v
s und damit zur Abhebedauer t
ab ist für den Abbrand auch die Höhe des fließenden Stromes i während der Prellabhebungen
der Hauptkontakte K1 bis K3 von Bedeutung. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass
der Abbrand proportional zum Integral des Lichtbogenstromes i über die Zeit ist. Dabei
wird zusätzlich der Lichtbogenstrom i in der Regel mit einer kontaktspezifischen Konstante
k potenziert gemäß der Beziehung:

[0029] Dabei sind Δm der Kontaktabbrand und C' und k insbesondere von den Eigenschaften
des Hauptkontaktes K1 bis K3, z. B. dessen Geometrie und Material, abhängige Konstanten.
[0030] Obwohl die erste Berührung der Kontaktelemente 1a bis 3b der Hauptkontakte K1 bis
K3 im absoluten, zeitlichen Maßstab nahezu gleichzeitig stattfindet, ist der auf die
jeweilige Netzspannung bezogene elektrische Schließwinkel der Hauptkontakte K1,K2,K3
nicht gleich, sondern aufgrund der um 120° versetzten Spannungen im Dreiphasen-System
ebenfalls um 120° versetzt. Dieser Zusammenhang ist in FIG 5 verdeutlicht, in der
die auf 360° normierten Schließwinkel in den drei Hauptkontaktanordnungen K1,K2,K3
in Abhängigkeit des Einschaltkommandowinkels Ψ
K gezeigt sind. Der in FIG 5 gezeigte Verlauf lässt sich unter Nutzung der Schließzeit
t
s mit Hilfe der nachfolgenden Gleichungen formulieren, wobei die Ansteuerung der Schütz-
oder Magnetspule 4 kohärent zum Außen- oder Phasenleiter L3 ist und an den Hauptkontakten
K1,K2,K3 ein rechtsdrehendes Dreileitersystem geschaltet wird:

[0031] Dabei ist T die Netzperiode mit in der Regel 20 ms Periodendauer. Ψ
s ist der auf die jeweilige Phase oder Phasenleitung L1,L2,L3 bezogene Schließwinkel.
Mod 360° bezeichnet den Modulu-Operator, dessen Anwendung den Divisionsrest bei einer
Division durch 360° ergibt. Beispielsweise würde sich bei einem Winkel von 540° =
1,5 · 360° und einer Division durch 360° der Faktor 1,5 ergeben. Aus dem numerischen
Rest von 0,5 würde sich somit eine Divisionsrest von 180° ergeben.
[0032] Daraus folgt, dass zwar die Abhebedauer t
ab der Hauptkontakte K1 bis K3 etwa gleich ist, der fließende Strom bei diesen Abhebungen
prinzipiell aber unterschiedlich ist. In Näherung kann für den fließenden Strom in
den Hauptkontaktanordnungen K1,K2,K3 während der Prellabhebung angesetzt werden:

[0033] Dabei ist C" eine von der zu schaltenden Last 3 und der Netzspannung abhängige Konstante.
[0034] Somit sind am Abbrand der Hauptkontakte K1,K2,K3 zwei Prozesse beteiligt, nämlich
einerseits die für alle Hauptkontakte K1 bis K3 jeweils gleiche Abhebedauer t
ab und andererseits die für alle Hauptkontakte K1 bis K3 jeweils unterschiedliche Höhe
des Lichtbogenstromes i. Dies wird auch anhand des in FIG 6 dargestellten experimentell
bestimmten Verlaufs der vom Einschaltkommandowinkel Ψ
K abhängigen relativen Prellladung Q der drei Hauptkontakte K1,K2,K3 deutlich. Als
relative Prellladung Q wird hierbei die auf den Effektivwert des Nennstroms bezogene
tatsächliche Prellladung bezeichnet.
[0035] Bei der in FIG 6 dargestellten Abhängigkeit der relativen Prellladung Q vom Einschaltkommmandowinkel
Ψ
K ist die Steuerspannung U
s wiederum kohärent zum Außen- oder Phasenleiter L3. Zusätzlich ist dort der Mittelwert
der drei relativen Prellladungen Q eingezeichnet in Form einer mit Kreuzen markierten
Linie. Diese mit Kreuzen markierte Linie weist im Bereich um etwa Ψ
K = 50° und Ψ
K = 85° jeweils Minima auf, die deutlich unter dem durchschnittlichen Wert der Prellladung
Q liegen. Die Bereiche um diese Minima sind demnach potenzielle Bereiche für bevorzugte
Einschaltkommandowinkel Ψ
K.
[0036] Daraus ergibt sich, dass die bevorzugten Einschaltkommandowinkel bei Ψ
K1 = 55° für den Phasenleiter L1, bei Ψ
K2 = 80° für den Phasenleiter L2 und bei Ψ
K3 = 65° für den Phasenleiter L3 liegen. Grund hierfür ist, dass zu diesen Einschaltkommandowinkeln
Ψ
K die relative Prellladung Q eines zugeordneten Hauptkontaktes K1,K2,K3 jeweils ein
lokales Minimum aufweist und auch der Mittelwert der Prellladungen Q aller drei Hauptkontakte
K1,K2,K3 niedriger als der Durchschnitt ist. Wird die Steuerphase gewechselt, so dass
die Steuer- oder Spulenspannung U
s phasensynchron z. B. zur Phasen- oder Außenleitung L1 ist, so sind auch die bevorzugten
Einschaltkommandowinkel Ψ
K entsprechend zu rotieren.
[0037] Insgesamt wird somit der Einschaltvorgang eines mit Wechselstrom angesteuerten, elektromagnetisch
betätigten Schützes 1 unter Ausnutzung seiner spezifischen Eigenschaften derart beeinflusst,
dass einerseits der Schaltsynchronisationseffekt vermieden und andererseits der Abbrand
der Hauptkontakte K1, K2,K3 insgesamt reduziert wird.
1. Verfahren zur Reduzierung des Kontaktabbrandes eines Schaltgerätes (1), bei dem ein
zum elektromagnetischen Betätigen dessen Hauptkontakte (K1 bis K3) anstehender Einschaltbefehl
(ES) zur Einleitung eines Schaltvorgangs bis zum Erreichen desjenigen auf den Phasenwinkel
(Ψ) der Steuerspannung (US) eines mit den Hauptkontakten (K1 bis K3) gekoppelten Magnetsystems (4) bezogenen
Kommandowinkels (ΨKV) verzögert wird, der dem Hauptkontakt (K1,K2,K3) mit dem aktuell stärksten Abbrand
zugeordnet ist.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem der aktuelle Abbrand jedes Hauptkontaktes (K1,K2,K3)
durch eine Zeitintervallmessung während eines Ausschaltvorgangs bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, bei dem als Zeitintervall die Zeitspanne zwischen einer
Trennung eines zur elektromagnetischen Betätigung der Hauptkontakte (K1,K2,K3) dienenden
Magnetsystems (4) und der Trennung der Hauptkontakte (K1,K2,K3) erfasst wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, bei dem bei Übereinstimmung des dem Hauptkontakt
(K1,K2,K3) mit dem aktuell stärksten Abbrand zugeordneten Kommandowinkels (ΨKV) mit dem Phasenwinkel (Ψ) der kontinuierlich erfaßten Steuerspannung (US) des Magnetsystems (4) ein Impuls (S) zur Einleitung des Schaltvorgangs erzeugt wird.
5. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
- mit einer Anzahl von Auswertegliedern (ALn) zur Bestimmung des Abbrandes jedes Hauptkontaktes (K1,K2,K3) des Schaltgerätes,
- mit einem Speicherbaustein (10), in dem ein Anzahl von auf den Phasenwinkel (Ψ)
einer Steuerspannung (US) für ein Magnetsystem (4) des Schaltgerätes (1) bezogenen Kommandowinkeln (ΨKV) hinterlegt ist, und
- mit einem Phasenkomparator (11), der anhand eines Vergleichs des dem Hauptkontakt
(K1,K2,K3) mit dem aktuell stärksten Abbrand zugeordneten Kommandowinkels (ΨKV) mit dem Phasenwinkel (Ψ) der erfaßten Steuerspannung (US) des Magnetsystems (4) einen Impuls (S) zur Einleitung des Schaltvorgangs erzeugt.
6. Vorrichtung nach Anspruch 5, mit einer dem Phasenkomparator (11) nachgeschalteten
Kippstufe (13), die mit dem vom Phasenkomparator (11) erzeugten Impuls (S) den Einschaltbefehl
(ES) an einen in einer Steuerleitung (5) des Magnetsystems (4) angeordneten Schalter
(6) übergibt.
7. Vorrichtung nach Anspruch 5 oder 6, wobei der Phasenkomparator (11) zur Ermittlung
des Phasenwinkels (Ψ) der kontinuierlich erfassten Steuerspannung (US) mit einem an eine der Phasen (L1,L2,L3) eines Drehstromnetzes angeschlossenen Phasenausgang
(2) des Schaltgerätes (1) verbunden ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 7, bei der jedes Auswerteglied (ALn) einerseits über eine Messleitung (7) zur Erfassung der Spannung (Un) über dem jeweiligen Hauptkontakt (K1,K2,K3) und andererseits mit einer Messleitung
(8) zur Erfassung der Steuerspannung (US) des Magnetsystems (4) verbunden ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, mit einem mit den Auswertegliedern (ALn) verbundenen Funktionsbaustein (9) zur Ermittlung des Hauptkontaktes (K1,K2,K3) mit
dem aktuell stärksten Abbrand.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 5 bis 8, wobei die Impulsfolge (T/2) des vom
Phasenkomparator (11) erzeugten Impulses (S) einer halben Netzperiode entspricht.
1. Method for reducing the contact arc erosion of a switching device (1), in which an
impending starting command (ES), for initiating a switching operation to electromagnetically
actuate the main contacts (K1-K3) of said device, is delayed until the command angle
(ΨKV) is reached which relates to the phase angle (Ψ) of the control voltage (Us) of a magnetic system (4) coupled to the main contacts (K1 to K3) which is assigned
to the main contact (K1, K2, K3) with the current most intense arc erosion.
2. Method according to claim 1, with which the current arc erosion of each main contact
(K1, K2, K3) is determined by a time interval measurement during a turn-off process.
3. Method according to claim 2, with which the time span between a disconnection of a
magnetic system (4) serving to electromagnetically actuate the main contacts (K1,
K2, K3) and the disconnection of the main contacts (K1, K2, K3) is recorded as a time
interval.
4. Method according to one of claims 1 to 3, with which a pulse (S) for initialising
the switching operation is generated when there is a match with the command angle
(ΨKV) assigned to the main contact (K1, K2, K3) having the current most intense arc erosion
to the phase angle (Ψ) of the continually recorded control voltage (Us) of the magnetic system (4).
5. Device for implementing the method according to one of claims 1 to 3
- comprising a number of evaluation elements (ALn) for determining the arc erosion of each main contact (K1, K2, K3) of the switching
device,
- comprising a memory chip (10), in which a number of command angles (ΨKV) relating to the phase angle (Ψ) of a control voltage (Us) for a magnetic system (4) of the switching device (1) are stored, and
- comprising a phase comparator (11) which generates a pulse (S) for initialising
the switching operation on the basis of a comparison of the command angle (ΨKV) assigned to the main contact (K1, K2, K3) having the current most intense arc erosion
with the phase angle (Ψ) of the recorded control voltage (Us) of the magnetic system (4).
6. Device according to claim 5, comprising a flip-flop (13) arranged downstream of the
phase comparator (11), said flip-flop transferring the starting command (ES) to a
switch (6) arranged in a control wire (5) of the magnetic system (4) using the pulse
(S) generated by the phase comparator (11).
7. Device according to claim 5 or 6, with the phase comparator (11) for determining the
phase angle (Ψ) of the continually recorded control voltage (Us) being connected to a phase output (2) of the switching device (1) linked to one
of the phases (L1, L2, L3) of a three-phase power system.
8. Device according to one of claims 5 to 7, with which each evaluation element (ALn) is connected on the one hand to a measuring line (7) for detecting the voltage (Un) by way of the respective main contact (K1, K2, K3) and on the other hand to a measuring
line (8) for recording the control voltage (Us) of the magnetic system (4).
9. Device according to one of claims 5 to 8, having a functional module (9) connected
to the evaluation elements (ALn) for determining the main contact (K1, K2, K3) with the current most intense arc
erosion.
10. Device according to one of claims 5 to 8, with the pulse sequence (T/2) of the pulse
(S) generated by the phase comparator (11) corresponding to a half line period.
1. Procédé de réduction de l'usure des contacts d'un appareil (1) de coupure, dans lequel
on retarde une instruction (ES) d'enclenchement pour l'actionnement électromagnétique
de ces contacts (K1 à K3) principaux pour faire débuter une opération de coupure jusqu'
à l'obtention de l'angle (Ψkv) de commande, qui se rapporte à l'angle (Ψ) de phase de la tension (Us) de commande d'un système (4) à aimant couplé aux contacts (K1 à K3) principaux et
qui est associé au contact (K1 à K3) principal ayant l'usure actuelle la plus grande.
2. Procédé suivant la revendication 1, dans lequel on détermine l'usure actuelle la plus
grande de chaque contact (K1, K2, K3) principal par une mesure dans un intervalle
de temps pendant une opération de désenclenchement.
3. Procédé suivant la revendication 2, dans lequel on détecte, comme intervalle de temps,
le laps de temps compris entre une séparation d'un système (4) à aimant servant à
l'actionnement électromagnétique des contacts (K1, K2, K3) principaux et la séparation
des contacts (K1, K2, K3) principaux.
4. Procédé suivant l'une des revendications 1 à 3, dans lequel on produit, lorsque l'
angle (ψkv) de commande associé au contact (K1, K2, K3) principal ayant l'usure actuelle la
plus grande la plus grande coïncide avec l'angle (Ψ) de phase de la tension (Us) de commande du système (4) à aimant détectée de manière continue, une impulsion
(s) pour faire commencer l'opération de coupure.
5. Dispositif pour la mise procédé suivant l'une des revendications 1 à 3,
- comprenant un certain nombre d'éléments (ALn) d'évaluation pour déterminer l'usure de chaque contact (K1, K2, K3) principal de
l'appareil de coupure.
- comprenant un module (10) de mémoire, dans lequel sont mémorisés un certain nombre
d'angle (Ψkv) de commande rapporté à l'angle (Ψ) de phase d'une tension (Us) de commande d'un système (4) à aimant de l'appareil (1) de coupure et
- comprenant un comparateur (11) de phase, qui produit au moyen d'une comparaison
entre l'angle (Ψkv) de commande associé au contact (K1, K2, K3) principal ayant l'usure actuelle la
plus grande et l'angle (Ψ) de phase de la tension (Us) de commande du système (4) à aimant détecté, une impulsion (s) pour faire commencer
l'opération de coupure.
6. Dispositif suivant la revendication 5, comprenant un étage (13) à bascule en aval
du comparateur (11) de phase, qui transmet avec l'impulsion (s) produite par le comparateur
(11) de phase l'instruction (ES) d'enclenchement a un interrupteur (6) monté dans
une ligne (5) de commande du système (4) à aimant.
7. Dispositif suivant la revendication 5 ou 6, dans lequel le comparateur (11) de phase
est relié, pour la détermination de l'angle (Ψ) de phase de la tension (Us) de commande détectée de façon continue, à une sortie (2) de phase de l'appareil
(1) de coupure raccordée à l'une des phases (L1, L2, L3) d'un réseau triphasé.
8. Dispositif suivant l'une des revendications 5 à 7, dans lequel chaque élément (ALn) d'évaluation est relié d'une part par une ligne (7) de mesure pour la détection
de la tension (Un) par le contact (K1, K2, K3) principal respectif et d'autre part à une ligne (8)
de mesure pour la détection de la tension (Us) de commande du système (4) à aimant.
9. Dispositif suivant l'une des revendications 5 à 8, comprenant un module (9) fonctionnel
relié aux éléments (ALn) d'évaluation, afin de déterminer le contact (K1, K2,K3) principal ayant l'usure
la plus grande actuellement
10. Dispositif suivant la revendication 5 à 8, dans laquelle la récurrence (T/2) de l'impulsion
(S) produit par un comparateur (11) de phase correspond à une demi-période du réseau.