[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft Verfahren zum Spinnen und Aufspulen von vororientierten
Polyester-Filamenten unter Verwendung von Spinnadditiven, die zu mindestens 90 Gew.-%
bezogen auf das Gesamtgewicht des Polyester-Filaments aus Polybutylenterephthalat
(PBT) und/oder Polytrimethylenterephthalat (PTMT), vorzugsweise aus PTMT, bestehen,
sowie die durch das Verfahren erhältlichen vororientierten Polyester-Filamente. Des
weiteren bezieht sich die vorliegende Erfindung auch auf Verfahren zur Strecktexturierung
der gesponnenen und aufgespulten Polyester-Filamente sowie die durch die Strecktexturierung
erhältlichen bauschigen Polyester-Filamente.
[0002] Die Herstellung von kontinuierlichen Polyester-Filamenten, insbesondere von Polyethylenterephthalat-(PET)-Filamenten,
in einem zweistufigen Verfahren ist bereits bekannt. Dabei werden in der ersten Stufe
glatte vororientierte Filamente gesponnen und aufgespult, die in einer zweiten Stufe
fertig verstreckt und thermofixiert oder zu bauschigen Filamenten strecktexturiert
werden.
[0003] Eine Übersicht hierüber liefert das Buch Synthetische Fasern von F. Fourné (1995),
erschienen im Hanser-Verlag München. Allerdings wird nur die Herstellung von PET-Fasern
beschrieben, wobei keine geschlossene Spinntechnologie sondern vielmehr eine Übersicht
dargelegt wird, in der die unterschiedlichsten Merkmale beschrieben werden.
[0004] Die Faserherstellung verschiedener spinnbarer Polymere, unter anderem Polypropylen,
Polyamiden, Polyester usw. ist Gegenstand der Anmeldeschrift DE-OS 38 19 913. Allerdings
wird in den Beispielen nur die Herstellung von PET-Fasern beschrieben, wie dies der
Temperatur entnommen werden kann, bei der das Polymer verarbeitet wird.
[0005] Bei der Herstellung von kontinuierlichen Polytrimethylenterephthalat-(PTMT)-oder
Polybutylenterephthalat-(PBT)-Filamenten besteht das Problem, daß vororientierte Filamente
sowohl direkt nach dem Spinnen und beim Aufspulen als auch mehrere Stunden nach dem
Aufspulen beim Lagern in Umgebungstemperatur eine beachtliche Schrumpfneigung aufweisen,
die zu einer Fadenverkürzung führt. Der Spulkörper wird dadurch zusammengepreßt, so
daß es im Extremfall zu einem Festschrumpfen des Wickelkörpers auf dem Aufspuldorn
kommt und der Wickelkörper nicht mehr abgenommen werden kann. Weiterhin bildet sich
im Wickelkörper ein sogenannter Sattel mit harten Rändern und eingelaufenem Mittelteil
aus. Dadurch werden textile Kenndaten der Filamente, wie beispielsweise der Uster
stärker ungleichmäßig und es gibt Ablaufprobleme beim Abarbeiten der Wickel. Derartige
Probleme treten bei der Verarbeitung von PET-Fasern nicht auf.
[0006] Weiterhin wird beobachtet, daß im Unterschied zu PET-Filamenten vororientierte PBT-
oder PTMT-Filamente beim Lagern verstärkt altern. Es tritt eine Strukturverhärtung
auf, die zu einem derart starken Absinken des Kochschrumpfes führt, daß eine Nachkristallisation
nachgewiesen werden kann. Derartige PBT- oder PTMT-Filamente sind für die Weiterverarbeitung
nur bedingt geeignet, sie führen zu Fehlern bei der Strecktexturierung und zu einer
signifikanten Erniedrigung der Reißfestigkeit des texturierten Garns.
[0007] Diese Unterschiede zwischen PET und PBT bzw. PTMT sind auf Struktur- und Eigenschaftsdifferenzen
zurückzuführen, wie diese beispielsweise in Chemical Fibers Int., S. 53, Bd. 50 (2000)
dargestellt sind und Thema auf dem 39. Int. Manmade Fibre Congress, vom 13. bis 15.
Sept. in Dornbirn waren. So wird angenommen, daß unterschiedliche Kettenformationen
für die Eigenschaftsdifferenzen verantwortlich sind.
[0008] Erste Ansätze zur Lösung dieser Probleme werden in der Patentanmeldung WO 99/27168
und dem europäischen Patent EP 0,731,196 B1 beschrieben. WO 99/27168 offenbart eine
Polyester-Faser, die zu mindestens 90 Gew.-% aus Polytrimethylenterephthalat besteht
und einen Kochschrumpf zwischen 5 % und 16 % sowie eine Reißdehnung von 20 % bis 60
% aufweist. Die Herstellung der in WO 99/27168 beschriebenen Polyester-Faser erfolgt
durch Spinnen und Verstrecken. Dabei werden Spinnabzugsgeschwindigkeiten von höchstens
2100 m/min angegeben. Das Verfahren ist aufgrund der niedrigen Spinngeschwindigkeit
unwirtschaftlich. Darüber hinaus sind die erhaltenen Polyester-Fasern, wie die angegebenen
Kennzahlen belegen, stark kristallin und somit für Strecktexturierverfahren nur bedingt
geeignet.
[0009] Das europäische Patent EP 0,731,196 B1 beansprucht ein Verfahren zum Spinnen, Verstrecken
und Aufspulen eines synthetischen Fadens, bei dem der Faden nach der Verstreckung
und vor dem Aufspulen zur Verminderung der Schrumpfneigung einer Wärmebehandlung unterworfen
wird. Einsetzbare synthetische Fasern umfassen auch Polytrimethylenterephthalat-Fasern.
Gemäß EP 0,731,196 B1 erfolgt die Wärmebehandlung dadurch, daß der synthetische Faden
in enger Nachbarschaft jedoch im wesentlichen ohne Berührung entlang einer langgestreckten
Heizoberfläche geführt wird. Die Anwendung einer Wärmebehandlung verteuert das Verfahren
und liefert zudem synthetische Fäden mit hoher Kristallinität, die für Strecktexturierverfahren
nur bedingt geeignet sind.
[0010] In dem Artikel von Dr. H. S. Brown und H. H. Chuah; "texturing of textile filament
yarns based on polytrimethylene terephthalate" Chemical Fibers International, Volume
47, Febr. 1997, S. 72 - 74 wird die Strecktexturierung von vororientierten Polytrimethylenterephthalat-Filamenten
bei Texturiergeschwindigkeiten von 450 m/min und 850 m/min beschrieben. Gemäß dieser
Offenbarung ist die niedrigere Texturiergeschwindigkeit von 450 m/min für Polytrimethylenterephthalat-Filamente
besser geeignet, da in diesem Fall Fasern mit besseren Materialeigenschaften erhalten
werden. Die Reißfestigkeit der Polytrimethylenterephthalat-Fasern wird mit 26,5 cN/tex
(Texturiergeschwindigkeit von 450 m/min) bzw. 29,15 cN/tex (Texturiergeschwindigkeit
von 850 m/min) und die Reißdehnung mit 38,0 % (Texturiergeschwindigkeit von 450 m/min)
bzw. 33,5 % (Texturiergeschwindigkeit von 850 m/min) angegeben.
[0011] Die Druckschrift WO 01/04393 beschreibt PTMT-Filamente, die einen Kochschrumpf im
Bereich von 3 bis 40% aufweisen. Dieser Wert wird jedoch direkt nach der Herstellung
der Filamente bestimmt. Nach einer Lagerzeit von 4 Wochen unter Normalbedingungen
nimmt dieser Wert unter 20 % ab, wie dies die beigefügte Figur 1 belegt.
[0012] Figur 1 beschreibt die Veränderung des Kochschrumpfes für drei PTMT-POY-Spulen in
Abhängigkeit von der Lagerzeit bei Normalklima-Bedingungen. Hierbei wurde die Veränderung
des POY-Kochschrumpfes für drei Spulen mit unterschiedlichem Ausgangswert über die
Lagerzeit bei normalen Klimabedingungen untersucht. Die Spulen Nr. 16 und 17 mit hohem
Ausgangswert > 40% zeigen nach 4 Wochen einen Kochschrumpf oberhalb von 30%, bevorzugt
oberhalb von 40%. Falls der Ausgangswert des Kochschrumpfs jedoch geringer als 40%
ist, so zeigt die Spule 18, daß dieser nach 4 Wochen Lagerzeit jedoch unter den kritischen
Wert von 30% fällt.
[0013] Der Kochschrumpf ist ein Maß für die Verarbeitbarkeit und den Kristallisationsgrad
der Fasern. Die in WO 01/04393 beschriebenen Fasern weisen Kunststoffe mit einem höheren
Kristallisationsgrad auf, die sich wesentlich schlechter und nur bei niedrigerem Verstreckungsverhältnis
und/oder niedrigerer Texturiergeschwindigkeit verarbeiten lassen.
[0014] In Anbetracht des Standes der Technik war es nun Aufgabe der vorliegenden Erfindung,
ein Verfahren zum Spinnen und Aufspulen von vororientierten Polyester-Filamenten,
die zu mindestens 90 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht der Filamente aus PBT und/oder
PTMT bestehen, zur Verfügung zu stellen, welches die Herstellung und das Aufspulen
von vororientierten Polyester-Filamenten auf einfache Art und Weise ermöglicht. Insbesondere
sollten die vororientierten Polyester-Filamente Reißdehnungswerte im Bereich von 90
% - 165 %, eine hohe Gleichmäßigkeit bezüglich der Filament-Kennwerte sowie einen
geringen Kristallisationsgrad aufweisen.
[0015] Eine weitere Aufgabe der vorliegenden Erfindung bestand darin, ein Verfahren zum
Spinnen und Aufspulen von vororientierten Polyester-Filamenten anzugeben, das großtechnisch
und kostengünstig durchführbar ist. Das erfindungsgemäße Verfahren sollte möglichst
hohe Abzugsgeschwindigkeiten, vorzugsweise größer 2200 m/min und hohe Fadengewichte
auf dem Spulkörper von mehr als 4 kg, erlauben.
[0016] Es war auch eine Aufgabe der vorliegenden Erfindung, die Lagerfähigkeit der durch
das erfindungsgemäße Verfahren erhältlichen vororientierten Polyester-Filamente zu
verbessern. Diese sollten auch für eine längere Zeitspanne, beispielsweise 4 Wochen,
lagerfähig sein. Ein Zusammenpreßen des Spulkörpers während der Lagerung, insbesondere
ein Festschrumpfen des Wickelkörpers auf dem Aufspuldorn sowie die Ausbildung eines
Sattels mit harten Rändern und eingelaufenem Mittelteil sollte nach Möglichkeit unterbunden
werden, so daß keine Ablaufprobleme beim Abarbeiten der Wickel auftreten.
[0017] Erfindungsgemäß sollten die vororientierten Polyester-Filamente auf einfache Art
und Weise in einem Streck- oder Strecktexturierprozeß, insbesondere bei hohen Texturiergeschwindigkeiten,
vorzugsweise größer 450 m/min, weiterverarbeitet werden können. Die durch die Strecktexturierung
erhältlichen Filamente sollten hervorragende Materialeigenschaften aufweisen, z. B.
eine hohe Reißfestigkeit von mehr als 26 cN/tex und eine hohe Reißdehnung von mehr
als 30 % für HE-Filamente bzw. mehr als 36 % für SET-Filamente.
[0018] Gelöst werden diese sowie weitere nicht explizit genannten Aufgaben, die jedoch aus
den hierin einleitend diskutierten Zusammenhängen ohne weiteres ableitbar oder erschließbar
sind, durch ein Verfahren zum Spinnen und Aufspulen mit allen Merkmalen des Patentanspruchs
1. Zweckmäßige Abwandlungen des erfindungsgemäßen Verfahrens werden in den auf Anspruch
1 rückbezogenen Unteransprüchen unter Schutz gestellt. Das durch das Spinn-Verfahren
erhältliche vororientierte Polyester-Filament wird im unabhängigen Produktanspruch
beschrieben. Die Strecktexturierung des vororientierten Polyester-Filamentes wird
im Verfahrensspruch 7 beansprucht, während sich die Produktansprüche 8 und 9 auf die
durch die Strecktexturierung erhältlichen bauschigen Filamente beziehen.
[0019] Dadurch, daß bei einem Verfahren zur Herstellung und zum Aufspulen von vororientierten
Polyester-Filamenten, die zu mindestens 90 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des
Polyester-Filaments aus Polybutylenterephthalat (PBT) und/oder Polytrimethylenterephthalat
(PTMT), vorzugsweise aus PTMT bestehen,
a) der Spinnverzug im Bereich 70 bis 500 eingestellt wird,
b) die Filamente direkt nach Austritt aus der Spinndüse eine Abkühlungsverzögerungszone
von 30 mm bis 200 mm Länge durchlaufen,
c) die Filamente unter die Erstarrungstemperatur abgekühlt werden,
d) die Filamente in einem Abstand zwischen 500 mm und 2500 mm von der Düsenunterseite
gebündelt werden,
e) die Fadenspannung vor und zwischen den Abzugsgaletten zwischen 0,05 cN/dtex bis
0,20 cN/dtex eingestellt wird,
f) der Faden mit einer Fadenspannung zwischen 0,025 cN/dtex bis 0,15 cN/dtex aufgespult
wird,
g) die Aufspulgeschwindigkeit zwischen 2200 m/min und 6000 m/min eingestellt wird,
h) und ein Polyester eingesetzt wird, welchem 0,05 Gew.-% bis 2,5 Gew.-% bezogen auf
das Gesamtgewicht des Filaments an Additiv-Polymer als Dehnungserhöhungsmittel beigemischt
sind,
gelingt es auf nicht ohne weiteres vorhersehbare Weise vororientierte Polyester-Filamente
zur Verfügung zu stellen, die auch nach einer Lagerung bei Normalbedingungen für 4
Wochen ihre hervorragenden Materialeigenschaften bewahren. Eine signifikante Verschlechterung
der Gleichmäßigkeitswerte des Fadens infolge einer Alterung bzw. ein Wickelschrumpf
der gesponnenen Faser auf der Spule ist nicht zu beobachten.
[0020] Zugleich besitzt das erfindungsgemäße Verfahren eine Reihe weiterer Vorteile. Hierzu
gehören unter anderem:
⇒ Das erfindungsgemäße Verfahren ist auf einfache Art und Weise, großtechnisch und
kostengünstig durchführbar. Insbesondere erlaubt das Verfahren das Spinnen und Aufspulen
bei hohen Abzugsgeschwindigkeiten von mindestens 2200 m/min und die Herstellung hoher
Fadengewichte auf dem Spulkörper von mehr als 4 kg.
⇒ Durch den Einsatz von Spinnadditiven können Abzugsgeschwindigkeiten von bis zu 6000
m/min erzielt werden. Hierdurch können die Anlagen besonders wirtschaftlich betrieben
werden.
⇒ Die durch das Verfahren erhältlichen vororientierten Polyester-Filamente können
somit auf einfache Art und Weise, großtechnisch und kostengünstig in einem Streck-
bzw. einem Strecktexturierprozeß weiterverarbeitet werden. Dabei kann die Texturierung
bei Geschwindigkeiten größer 450 m/min erfolgen.
⇒ Aufgrund der hohen Gleichmäßigkeit der durch das Verfahren erhältlichen vororientierten
Polyester-Filamente ist es auf einfache Art und Weise möglich, einen guten Spulenaufbau
einzustellen, der eine gleichmäßige und nahezu fehlerfreie Anfärbung und Weiterverarbeitung
des vororientierten Polyester-Filaments erlaubt.
⇒ Die durch die Strecktexturierung erhältlichen Filamente weisen eine hohe Reißfestigkeit
von mehr als 26 cN/tex und eine hohe Reißdehnung von mehr als 30 % für HE-Filamente
bzw. mehr als 36 % für SET-Filamente auf.
[0021] Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur Herstellung und zum
Aufspulen von vororientierten Polyester-Filamenten, die zu mindestens 90 Gew.-% bezogen
auf das Gesamtgewicht des Filaments aus Polybutylenterephthalat (PBT) und/oder Polytrimethylenterephthalat
(PTMT) bestehen. Polybutylenterephthalat (PBT) und/oder Polytrimethylenterephthalat
(PTMT) sind dem Fachmann bekannt. Polybutylenterephthalat (PBT) kann durch Polykondensation
von Terephthalsäure mit äquimolaren Mengen an 1,4-Butandiol, Polytrimethylenterephthalat
durch Polykondensation von Terephthalsäure mit äquimolaren Mengen an 1,3-Propandiol
erhalten werden. Auch Mischungen der beiden Polyester sind denkbar. Erfindungsgemäß
bevorzugt wird PTMT.
[0022] Die Polyester können sowohl Homo- als auch Copolymere sein. Als Copolymere kommen
insbesondere solche in Frage, die neben wiederkehrenden PTMTund/oder PBT-Einheiten
noch bis zu 15 Mol-% bezogen auf alle Wiederholungseinheiten der Polyester Wiederholungseinheiten
üblicher Comonomere, wie z. B. Ethylenglykol, Diethylenglykol, Triethylenglykol, 1,4-Cyclohexandimethanol,
Polyethylenglykol, Isophthalsäure und/oder Adipinsäure, enthalten. Im Rahmen der vorliegenden
Erfindung werden jedoch Polyester-Homopolymere bevorzugt.
[0023] Die erfindungsgemäßen Polyester können übliche Mengen weiterer Zusatzstoffe als Beimischungen,
wie Katalysatoren, Stabilisatoren, Antistatika, Antioxidantien, Flammschutzmittel,
Farbstoffe, Farbstoffaufnahme-Modifikatoren, Lichtstabilisatoren, organische Phosphite,
optische Aufheller und Mattierungsmittel enthalten. Vorzugsweise enthalten die Polyester
0 bis 5 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des Filaments an Zusatzstoffen.
[0024] Weiterhin können die Polyester auch einen geringen Anteil, vorzugsweise bis zu 0,5
Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des Filamentes, an Verzweigerkomponenten, enthalten.
Zu den erfindungsgemäß bevorzugten Verzweigerkomponenten gehören unter anderem polyfunktionelle
Säuren, wie Trimellitsäure, Pyromellitsäure, oder tri- bis hexavalente Alkohole, wie
Trimethylolpropan, Pentaerythrit, Dipentaerythrit, Glycerin, oder entsprechende Hydroxysäuren.
[0025] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung werden dem PBT und/oder PTMT 0,05 Gew.-% bis
2,5 Gew.-% bezogen auf das Gesamtgewicht des Filaments an Additiv-Polymeren als Dehnungserhöhungsmittel
beigemischt. Erfindungsgemäß besonders geeignete Additivpolymere umfassen die nachfolgend
genannten Polymere und/oder Copolymere:
1. Ein Copolymer, welches folgende Monomereinheiten enthält:
- A =
- Acrylsäure, Methacrylsäure oder CH2 = CR - COOR', wobei R ein H-Atom oder eine CH3-Gruppe und R' ein C1-15-Alkylrest oder ein C5-12-Cycloalkylrest oder ein C6-14-Arylrest ist,
- B =
- Styrol oder C1-3-alkylsubstituierte Styrole,
wobei das Copolymer aus 60 bis 98 Gew.-% A und 2 bis 40 Gew.-% B, vorzugsweise aus
83 bis 98 Gew.-% A und 2 bis 17 Gew.-% B, und besonders bevorzugt aus 90 bis 98 Gew.
-% A und 2 bis 10 Gew.-% B (Summe = 100 Gew.-%) besteht.
2. Ein Copolymer, welches folgende Monomereinheiten enthält:
- C =
- Styrol oder C1-3-alkylsubstituierte Styrole,
- D =
- eines oder mehrere Monomere der Formel I, II oder III

wobei R1, R2 und R3 jeweils ein H-Atom oder ein C1-15-Alkylrest oder ein C6-14-Arylrest oder ein C5-12-Cycloalkylrest sind,
wobei das Copolymer aus 15 bis 95 Gew.-% C und 2 bis 80 Gew.-% D, vorzugsweise aus
50 bis 90 Gew.-% C und 10 bis 50 Gew.-% D und besonders bevorzugt aus 70 bis 85 -%
C und 15 bis 30 Gew.-% D besteht, wobei die Summe aus C und D zusammen 100 Gew.-%
ergibt.
3. Ein Copolymer, welches folgende Monomereinheiten enthält:
- E =
- Acrylsäure, Methacrylsäure oder CH2 = CR - COOR', wobei R ein H-Atom oder eine CH3-Gruppe und R' ein C1-15-Alkylrest oder ein C5-12Cycloalkylrest oder ein C6-14-Arylrest ist,
- F =
- Styrol oder C1-3-alkylsubstitutierte Styrole,
- G =
- eines oder mehrere Monomere der Formel I, II oder III

wobei R1, R2 und R3 jeweils ein H-Atom oder ein C1-15-Alkylrest oder ein C5-12-Cycloalkylrest oder ein C6-14-Arylrest sind,
- H =
- eines oder mehrerer etyhlenisch ungesättigter mit E und/oder mit F und/oder G copolymerisierbarer
Monomerer aus der Gruppe, welche aus α-Methylstyrol, Vinylacetat, Acrylsäureestern,
Methacrylsäureestern, die von E verschieden sind, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid,
halogensubstituierten Styrolen, Vinylethem, Isopropenylethern und Dienen besteht,
wobei das Copolymer aus 30 bis 99 Gew.-% E, 0 bis 50 Gew.-% F, >0 bis 50 Gew.-% G
und 0 bis 50 Gew.-% H, vorzugsweise aus 45 bis 97 Gew.-% E, 0 bis 30 Gew.-% F, 3 bis
40 Gew.-% G und 0 bis 30 Gew.-% H und besonders bevorzugt aus 60 bis 94 Gew.-% E,
0 bis 20 Gew.-% F, 6 bis 30 Gew.-% G und 0 bis 20 Gew.-% H besteht, wobei die Summe
aus E, F, G und H zusammen 100 Gew.-% ergibt.
4. Ein Polymer aus folgender Monomereinheit:

wobei R1 und R2 Substituenten bestehend aus den optionalen Atomen C, H, O, S, P und Halogenatomen
sind und die Summe des Molekulargewichts von R1 und R2 mindestens 40 beträgt. Beipielhafte Monomereinheiten umfassen Acrylsäure, Methacrylsäure,
und CH2 = CR - COOR', wobei R ein H-Atom oder eine CH3-Gruppe und R' ein C1-15-Alkylrest oder ein C5-12-Cycloalkylrest oder ein C6-14-Arylrest ist, sowie Styrol und C1-3alkylsubstituierte Styrole.
[0026] Einzelheiten zur Herstellung dieser Substanzen sind in der Patentschrift WO 99/07
927 beschrieben.
[0027] Im Rahmen der Erfindung werden Additiv-Polymere und/oder Copolymere in Fonn von Perlpolymerisaten
besonders bevorzugt, deren Teilchengröße in einem besonders günstigen Bereich liegt.
Vorzugsweise liegen die erfindungsgemäß durch beispielsweise Einmischen in die Schmelze
der Faserpolymeren zu verwendenden Additiv-Polymere und/oder Copolymere in Form von
Teilchen mit einem mittleren Durchmesser von 0,1 bis 1,0 mm vor. Es sind jedoch auch
größere oder kleinere Perlen oder Granulate einsetzbar. Die Additiv-Polymere und/oder
Copolymere können auch bereits in Chips des Matrixpolymers enthalten sein, so daß
eine Zudosierung entfällt.
[0028] Weiterhin werden Additiv-Polymere und/oder Copolymere bevorzugt, die amorph und in
der Polyestermatrix unlöslich sind. Vorzugsweise besitzen sie eine Glasübergangstemperatur
von 90 bis 200°C, wobei die Glasübergangstemperatur in bekannter Weise, vorzugsweise
durch Differential-Scanning-Calorimetrie, bestimmt wird. Weitere Details können dem
Stand der Technik, beispielsweise der Druckschrift WO 99/07927 entnommen werden, auf
deren Offenbarung hiermit explizit Bezug genommen wird.
[0029] Bevorzugt wird das Additiv-Polymer und/oder Copolymer derart ausgewählt, daß das
Verhältnis der Schmelzeviskositäten des Additiv-Polymers und/oder Copolymers und des
Matrixpolymers 0,8:1 bis 10:1, vorzugsweise 1,5:1 bis 8:1 beträgt. Dabei wird die
Schmelzeviskosität in bekannter Weise mittels Oszillations-Rheometer bei einer Oszillationsfrequenz
von 2,4 Hz und einer Temperatur, die gleich der Schmelztemperatur des Matrixpolymeren
plus 28°C ist, gemessen. Für PTMT liegt die Meßtemperatur für die Schmelzeviskosität
bei 255°C. Weitere Einzelheiten können wiederum der Druckschrift WO 99/07927 entnommen
werden. Die Schmelzeviskosität des Additiv-Polymers und/oder Copolymers ist vorzugsweise
höher als die des Matrixpolymers, und es hat sich gezeigt, daß die Wahl eines spezifischen
Viskositätsbereichs für das Additiv-Polymer und/oder Copolymer und die Wahl des Viskositätsverhältnisses
zur Optimierung der Eigenschaften des erzeugten Fadens beiträgt. Bei einem optimierten
Viskositätsverhältnis ist eine Minimierung der Menge des Zusatzes an Additiv-Polymer
und/oder Copolymer möglich, wodurch unter anderem auch die Wirtschaftlichkeit des
Verfahrens verbessert wird. Die zu verspinnende Polymermischung enthält vorzugsweise
0,05 bis 2,5 Gew.-%, besonders bevorzugt 0,25 bis 2,0 Gew.-% Additiv-Polymer und/oder
Copolymer.
[0030] Durch die Wahl des günstigen Viskositätsverhältnisses erreicht man eine enge Verteilung
der Teilchengrößen des Additiv-Polymers und/oder Copolymers in der Polymer-Matrix
mit der gewünschten Fibrillenstruktur des Additiv-Polymers und/oder Copolymers im
Faden. Die im Vergleich zum Matrixpolymer hohe Glasübergangstemperatur des Additiv-Polymers
und/oder Copolymers stellt eine schnelle Verfestigung dieser Fibrillenstruktur im
Spinnfaden sicher. Die maximalen Teilchengrößen des Additiv-Polymers und/oder Copolymers
liegen dabei unmittelbar nach Austritt aus der Spinndüse bei etwa 1000 nm, während
die mittlere Teilchengröße 400 nm oder weniger beträgt. Nach dem Spinnverzug des Fadens
erreicht man die günstige Fibrillenstruktur, bei der die Fäden mindestens 60 Gew.-%
des Additiv-Polymers und/oder Copolymers in Form von Fibrillen mit Längen im Bereich
von 0,5 bis 20 µm und Durchmessern im Bereich von 0,01 bis 0,5 µm enthalten.
[0031] Die im Sinne der Erfindung einsetzbaren Polyester sind vorzugsweise thermoplastisch
formbar und können zu Filamenten gesponnen und aufspult werden. Dabei sind solche
Polyester besonders vorteilhaft, die eine Grenzviskositätszahl im Bereich von 0,70
dl/g bis 0,95 dl/g aufweisen.
[0032] Eine Polymerschmelze kann beispielsweise direkt aus dem Endreaktor einer Polykondensationsanlage
entnommen werden oder aus festen Polymerchips in einem Aufschmelzextruder hergestellt
werden,
[0033] Das Spinnadditiv kann in bekannter Weise unter anderem in schmelzflüssiger oder fester
Form dem Matrixpolymer zudosiert, in diesem homogen verteilt und zu feinen Teilchen
dispergiert werden. Vorteilhafererweise kann eine Vorrichtung gemäß DE 100 22 889
verwendet werden.
[0034] Beim erfindungsgemäßen Verfahren wird die Schmelze bzw. Schmelzemischung des Polyesters
mittels Spinnpumpen bei konstanter Drehzahl, wobei die Drehzahl nach bekannter Rechenformel
so eingestellt wird, daß der gewünschte Fadentiter erhalten wird, in Düsenpakete gepreßt
und durch die Düsenlöcher der Düsenplatte des Paketes zu schmelzflüssigen Filamenten
extrudiert.
[0035] Die Schmelze kann beispielsweise in einem Extruder aus Polymerchips hergestellt werden,
wobei es besonders günstig ist, die Chips vorher auf einen Wassergehalt ≤ 30 ppm,
insbesondere auf einen Wassergehalt ≤ 15 ppm zu trocknen.
[0036] Die Temperatur der Schmelze, die gemeinhin als Spinntemperatur bezeichnet und vor
der Spinnpumpe gemessen wird, hängt vom Schmelzpunkt des eingesetzten Polymers bzw.
der eingesetzten Polymermischuug ab. Sie liegt vorzugsweise in dem durch Formel 1
gegebenen Bereich:

mit
- Tm:
- Schmelzpunkt des Polyesters [°C]
- TSp:
- Spinntemperatur [°C].
[0037] Die spezifizierten Parameter dienen der Beschränkung des hydrolytischen und/oder
thermischen Viskositätsabbaus, der zweckmäßigerweise möglichst gering sein sollte.
Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist ein Viskositätsabbau um weniger als 0,12
dl/g, insbesondere um weniger als 0,08 dl/g, erstrebenswert.
[0038] Die Homogenität der Schmelze hat einen direkten Einfluß auf die Materialeigenschaften
der gesponnenen Filamente. Vorzugsweise verwendet man daher einen statischen Mischer
mit mindestens einem Element, der nach der Spinnpumpe installiert ist, zur Homogenisierung
der Schmelze.
[0039] Die von der Spinntemperatur abhängige Temperatur der Düsenplatte wird durch deren
sogenannte Begleitheizung geregelt. Als Begleitheizung kommen beispielsweise ein mit
"Diphyl" beheizter Spinnbalken oder zusätzliche Konvektions- oder Strahlungsheizer
in Frage. Üblicherweise liegt die Temperatur der Düsenplatten auf dem Niveau der Spinntemperatur.
[0040] Eine Temperaturerhöhung an der Düsenplatte kann durch das Druckgefälle im Düsenpaket
erreicht werden. Bekannte Ableitungen, wie beispielsweise K. Riggert "Fortschritte
in der Herstellung von Polyester-Reifenkordgarn" Chemiefasern
21, Seite 379 (1971), beschreiben eine Temperaturerhöhung von etwa 4°C pro 100 bar Druckabfall.
[0041] Weiterhin ist es möglich, den Düsendruck durch den Einsatz loser Filtermedien, insbesondere
von Stahlsand mit einer mittleren Körnung zwischen 0,10 mm und 1,2 mm, vorzugsweise
zwischen 0,12 mm und 0,75 mm und/oder Filterronden, die aus Metallgeweben oder -vliesen
mit einer Feinheit ≤ 40 µ hergestellt werden können, zu steuern.
[0042] Darüber hinaus trägt der Druckabfall im Düsenloch zum Gesamtdruck bei. Der Düsendruck
wird vorzugsweise zwischen 80 bar und 450 bar, insbesondere zwischen 100 bar und 250
bar eingestellt.
[0043] Der Spinnverzug i
Sp, d. h. der Quotient aus Abzugsgeschwindigkeit und Spritzgeschwindigkeit, wird gemäß
US 5,250,245 über Formel 2 mit der Dichte des Polymers bzw. der Polymermischung, dem
Düsenlochdurchmesser und dem Titer des Einzelfilaments berechnet:

mit
- δ:
- Dichte der Schmelze [g/cm3]; für PTMT = 1,12 g/cm3
- D:
- Düsenlochdurchmesser [cm]
- dpf:
- Titer des Einzelfilamentes [den]
[0044] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung liegt der Spinnverzug zwischen 70 und 500, vorzugsweise
zwischen 100 und 250.
[0045] Das Längen-/Durchmesserverhältnis des Düsenlochs wird vorzugsweise zwischen 1,5 und
6 gewählt, insbesondere zwischen 1,5 und 4.
[0046] Die extrudierten Filamente durchlaufen eine Abkühlungsverzögerungszone.
Direkt unterhalb des Düsenpaketes ist diese als Rücksprungzone ausgebildet, in der
die aus den Düsenlöchern austretenden Filamente vor der direkten Einwirkung des Kühlgases
bewahrt werden und in Verzug bzw. Abkühlung verzögert werden. Ein aktiver Teil des
Rücksprungs ist als Versatz des Düsenpaketes in den Spinnbalken hinein ausgeführt,
so daß die Filamente von beheizten Wandungen umgeben sind. Ein passiver Teil wird
durch Isolierungsschichten und unbeheizte Rahmen gebildet. Die Längen des aktiven
Rücksprungs liegen zwischen 0 bis 100 nun, die des passiven Teils zwischen 20 bis
120 mm, wobei eine Gesamtlänge von 30 - 200 mm, vorzugsweise 30 - 120 mm eingehalten
wird.
[0047] Alternativ zu dem aktiven Rücksprung kann unterhalb des Spinnbalkens ein Nacherhitzer
angebracht sein. Im Unterschied zum aktiven Rücksprung weist dann diese Zone mit zylindrischem
oder rechteckigem Querschnitt mindestens eine vom Spinnbalken unabhängige Beheizung
auf.
[0048] Bei radialen, den Faden konzentrisch umgebenden porösen Abkühlsystemen, kann die
Abkühlungsverzögerung mit Hilfe zylinderförmiger Abdeckungen erreicht werden.
[0049] Anschließend werden die Filamente auf Temperaturen unterhalb ihrer Erstarrungstemperatur
abgekühlt. Erfindungsgemäß bezeichnet die Erstarrungstemperatur die Temperatur, bei
der die Schmelze in den festen Aggregatzustand übergeht.
[0050] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung hat es sich als besonders zweckmäßig erwiesen,
die Filamente bis zu einer Temperatur abzukühlen, bei der sie im wesentlichen nicht
mehr klebrig sind. Besonders vorteilhaft ist eine Abkühlung der Filamente auf Temperaturen
unterhalb ihrer Kristallisationstemperatur, insbesondere auf Temperaturen, die unterhalb
ihrer Glastemperatur liegen.
[0051] Mittel zur Abkühlung der Filamente sind dem Fachmann aus dem Stand der Technik bekannt.
Erfindungsgemäß besonders bewährt hat sich die Verwendung von Kühlgasen, insbesondere
von gekühlter Luft. Die Kühlluft weist vorzugsweise eine Temperatur von 12°C bis 35°C,
insbesondere 16°C bis 26°C auf. Die Geschwindigkeit der Kühlluft liegt vorteilhafterweise
im Bereich von 0,20 m/sec bis 0,55 m/sec.
[0052] Zur Abkühlung der Filamente können beispielsweise Einzelfadensysteme verwendet werden,
die aus einzelnen Kühlrohren mit perforierter Wandung bestehen. Durch aktive Kühlluftzufuhr
oder auch durch Ausnutzung des Selbstansaugungseffekts von den Filamenten wird eine
Abkühlung jedes einzelnen Filaments erzielt. Alternativ zu den Einzelrohren sind auch
die bekannten Querstromanblasungssysteme einsetzbar.
[0053] Eine besondere Ausgestaltung des Abkühlungs- und Verzugsbereiches besteht darin,
die aus der Verzögerungszone austretenden Filamente in einer Zone der Länge im Bereich
von 10 bis 175 cm, vorzugsweise in einer Zone der Länge im Bereich von 10 - 80 cm
Kühlluft zuzuführen. Dabei ist für Filamente mit einem Titer beim Aufspulen ≤ 1,5
dtex per Filament eine Zonenlänge im Bereich von 10 - 40 cm und für Filamente mit
einem Titer zwischen 1,5 und 9,0 dtex per Filament eine Zonenlänge im Bereich von
20 - 80 cm besonders geeignet. Daran anschließend werden die Filamente und die sie
begleitende Luft durch einen querschnittsreduzierten Kanal gemeinsam geleitet, wobei
durch die Kontrolle der Querschnittsverjüngung und der Dimensionierung in Fadenlaufrichtung
ein Verhältnis der Luft- zur Fadengeschwindigkeit beim Abziehen von 0,2 bis 20 : 1,
vorzugsweise 0,4 bis 5 : 1, eingestellt wird.
[0054] Nach der Abkühlung der Filamente auf Temperaturen unterhalb der Erstarrungstemperatur
werden sie zu einem Faden gebündelt. Der erfindungsgemäß geeignete Abstand der Bündelung
von der Düsenunterseite kann durch dem Fachmann bekannte Methoden zur Online-Messung
der Fadengeschwindigkeit und/oder Fadentemperatur, beispielsweise mit einem Laser-Doppler-Anemometer
der Firma TSI/D oder einer Infrarot-Kamera des Herstellers Goratec/D Typ IRRIS 160,
ermittelt werden. Er beträgt 500 bis 2500 mm, vorzugsweise 500 bis 1800 mm. Dabei
werden Filamente mit einem Titer ≤ 3,5 dtex vorzugsweise bei einem kleineren Abstand
≤ 1500 mm, dickere Filamente vorzugsweise bei einem größeren Abstand gebündelt.
[0055] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist es zweckmäßig, daß vorzugsweise alle Oberflächen,
die mit dem gesponnenen Filament in Kontakt kommen, aus besonders reibungsarmen Materialien
gefertigt sind. Auf diese Art und Weise kann eine Flusenbildung weitgehend vermieden
werden, es werden hochwertigere Filamente erhalten. Als für diesen Zweck besonders
geeignet haben sich reibungsarme Oberflächen der Spezifikation "TriboFil" von der
Firma Ceramtec/D erwiesen.
[0056] Die Bündelung der Filamente erfolgt in einem Ölerstein, der dem Faden die gewünschte
Menge an Spinnpräparation gleichmäßig zuführt. Ein besonders geeigneter Ölerstein
ist gekennzeichnet durch einen Einlaufteil, den Fadenkanal mit Öleintrittsöffnung
und den Auslaufteil. Der Einlaufteil ist trichterförmig erweitert, so daß eine Berührung
durch die noch trockenen Filamente vermieden wird. Der Auftreffpunkt der Filamente
erfolgt innerhalb des Fadenkanals nach dem Zufluß der Präparation. Fadenkanal und
Öleintrittsöffnung werden in der Breite dem Fadentiter und der Filamentanzahl angepaßt.
Besonders gut bewährt haben sich Öffnungen und Breiten im Bereich von 1,0 mm bis 4,0
nun. Der Auslaufteil des Ölers ist als Vergleichmäßigungsstrecke ausgebildet, die
vorzugsweise Ölreservoire aufweist. Derartige Öler können beispielsweise von der Firma
Cermatec/D oder Goulston/USA bezogen werden.
[0057] Die Gleichmäßigkeit des Ölauftrags kann erfindungsgemäß von großer Bedeutung sein.
Sie kann beispielsweise mit einem Rossa-Meßgerät gemäß der in Chemiefasern/Textilindustrie,
42./94, Nov. 1992 auf Seite 896 beschriebenen Methode bestimmt werden. Vorzugsweise
werden bei einer derartigen Vorgehensweise Werte für die Standardabweichung des Ölauflrags
von weniger als 90 Digits, insbesondere von weniger als 60 Digits erhalten. Erfindungsgemäß
besonders bevorzugt werden Werte für die Standardabweichung des Ölauftrags von weniger
als 45 Digits, insbesondere von weniger als 30 Digits. Dabei entspricht ein Wert für
die Standardabweichung von 90 Digits bzw. 45 Digits ungefähr 6,2% bzw. 3,1 % des Variationskoeffizienten.
[0058] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung hat es sich als besonders vorteilhaft erwiesen,
Leitungen und Pumpen zur Vermeidung von Gasblasen selbstentgasend auszulegen, da diese
zu einer erheblichen Ölauftragsschwankung führen können.
[0059] Erfindungsgemäß besonders bevorzugt ist ein Entangling vor dem Aufspulen des Fadens.
Dabei haben sich Düsen mit geschlossenen Garnkanälen als besonders geeignet erwiesen,
da in solchen Systemen Verhakungen des Fadens im Einlegeschlitz auch bei niedriger
Fadenspannung und hohem Luftdruck vermieden werden. Die Entanglingdüsen werden vorzugsweise
zwischen Galetten angeordnet, wobei die Austrittsfadenspannung mittels unterschiedlicher
Geschwindigkeit der Einlauf- und Auslauf-Galette geregelt wird. Sie sollte 0,20 cN/dtex
nicht überschreiten und vorrangig Werte zwischen 0,05 cN/dtex und 0,15 cN/dtex aufweisen.
Der Luftdruck der Entanglingluft liegt dabei zwischen 0,5 und 5,5 bar, bei Aufspulgeschwindigkeiten
bis 3500 m/min bei maximal 3,0 bar.
[0060] Vorzugsweise werden Knotenzahlen von mindestens 10 n/m eingestellt. Dabei sind maximale
Öffnungslängen kleiner 100 cm und Werte für den Variationskoeffizienten der Knotenzahl
unterhalb von 100 % von besonderem Interesse. Vorteilhafterweise werden bei Anwendung
von Luftdrücken über 1,0 bar Knotenzahlen ≥ 15 n/m erreicht, die durch eine hohe Gleichmäßigkeit
gekennzeichnet sind, wobei der Variationskoeffizient kleiner gleich 70 % ist und die
maximale Öffnungslänge 50 cm beträgt. In der Praxis haben sich Systeme vom Typ LD
der Firma Temco/D, das Doppelsystem der Firma Slack & Parr/ USA, oder Düsen des Typs
Polyjet der Firma Heberlein als besonders geeignet erwiesen.
[0061] Die Umfangsgeschwindigkeit der ersten Galetteneinheit wird als Abzugsgeschwindigkeit
bezeichnet. Weitere Galettensysteme können angewendet werden, bevor der Faden im Wickleraggregat
zu Wickelkörpern (Spulen) auf Hülsen aufgewickelt wird.
[0062] Stabile, fehlerfreie Fadenwickelkörper sind eine Grundvoraussetzung für fehlerfreies
Abziehen des Fadens und für eine möglichst fehlerfreie Weiterverarbeitung. Daher wird
im Rahmen des vorliegenden Verfahrens eine Aufspulspannung im Bereich von 0,025 cN/dtex
- 0,15 cN/dtex, vorzugsweise im Bereich von 0,03 cN/dtex - 0,08 cN/dtex verwendet.
[0063] Ein wichtiger Parameter des erfindunsgemäßen Verfahrens ist die Einstellung der Fadenspannung
vor und zwischen den Abzugsgaletten. Bekannterweise setzt sich diese Spannung im wesentlichen
aus der eigentlichen Orientierungsspannung nach Hamana, der Reibungsspannung an den
Fadenführern und dem Öler und der Faden-Luft-Reibungsspannung zusammen. Im Rahmen
der vorliegenden Erfindung liegt die Fadenspannung vor und zwischen den Abzugsgaletten
im Bereich von 0,05 cN/dtex bis 0,20 cN/dtex, vorzugsweise zwischen 0,08 cN/dtex und
0,15 cN/dtex.
[0064] Eine zu niedrige Spannung unterhalb von 0,05 cN/dtex ergibt nicht mehr den gewünschten
Vororientierungsgrad. Überschreitet die Spannung 0,20 cN/dtex, so löst diese Spannung
beim Aufspulen und Lagern der Spulen einen Memoryeffekt aus, der zur Verschlechterung
der Fadenkenndaten führt.
[0065] Erfindungsgemäß wird die Spannung durch den Ölerabstand von der Düse, die Reibungsoberflächen
und die Länge der Strecke zwischen Öler und Abzugsgalette geregelt. Diese Streckenlänge
beträgt vorteilhafterweise nicht mehr als 6,0 m, vorzugsweise weniger als 2,0 m, wobei
die Spinnerei und die Abzugsmaschine durch Parallelbauweise derart angeordnet sind,
daß ein gerader Fadenlauf gewährleistet ist.
[0066] Durch die geometrischen Parameter wird auch die Konditionierzeit des Fadens zwischen
Bündelungspunkt und Aufspulung beschrieben. Die schnell ablaufende Relaxation während
dieser Zeit beeinflußt die Güte des Spulenaufbaus. Vorzugsweise wird die derart definierte
Konditionierzeit zwischen 50 und 200 ms gewählt.
[0067] Die Aufspulgeschwindigkeit des POYs liegt erfindungsgemäß zwischen 2200 m/min und
6000 m/min. Vorzugsweise wird eine Geschwindigkeit zwischen 2500 m/min und 6000 m/min
gewählt. Besonders bevorzugt werden die Polymermischungen bei Geschwindigkeiten im
Bereich von 3500 m/min bis 6000 m/min aufgespult.
[0068] Vorteilhafterweise wird während der Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens
in der Umgebung des Fadenwickels eine Temperatur ≤ 45°C, insbesondere zwischen 12
und 35°C, und eine relative Feuchte von 40 - 85 % eingestellt. Weiterhin ist es zweckmäßig
die POY-Spulen mindestens 4 Stunden bei 12 bis 35°C und einer relativen Feuchte von
40-85% vor der Weiterverarbeitung zu lagern.
[0069] Das erfindungsgemäße Filament weist nach 4 Wochen Lagerung bei Normalbedingungen
a) eine Reißdehnung zwischen 90 und 165 %, vorzugsweise zwischen 90 und 135 %
b) einen Kochschrumpf von mindestens 30 %, vorzugsweise ≥ 40%,
c) einen Normal-Uster unterhalb von 1,1 %, vorzugsweise kleiner 0,9 %,
d) eine Doppelbrechung zwischen 0,030 und 0,058,
e) eine Dichte kleiner 1,35 g/cm3, vorzugsweise kleiner 1,33 g/cm3,
f) einen Variationskoeffizienten der Reißlast ≤ 4,5 %, vorzugsweise ≤ 2,5 % und
g) einen Variationskoeffizienten der Reißdehnung ≤ 4,5 %, vorzugsweise ≤ 2,5 % auf.
[0070] Dabei ist der Begriff "Normalbedingungen" dem Fachmann bekannt und über die Norm
DIN 53802 definiert. Unter "Normalbedingungen" gemäß DIN 53802 beträgt die Temperatur
20 ± 2°C und die relative Feuchte 65 ± 2 %.
[0071] Im Rahmen der vorliegenden Erfindung ist es darüber hinaus besonders vorteilhaft,
daß der Kochschrumpf direkt nach dem Aufspulen gemessen zwischen 50 und 65% liegt
und nach 4 Wochen Lagerung bei Normalbedingungen mindestens 30 %, vorzugsweise ≥ 40
% beträgt. Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß derart hergestellte POY-Spulen
sich hervorragend weiterverarbeiten lassen.
[0072] Verfahren zur Bestimmung der angegebenen Materialkenngrößen sind dem Fachmann bestens
bekannt. Sie können der Fachliteratur entnommen werden. Obwohl die meisten Parameter
auf unterschiedliche Art und Weise ermittelt werden können haben sich im Rahmen der
vorliegenden Erfindung die nachfolgenden Methoden zur Bestimmung der Filament-Kenngrößen
als besonders zweckmäßig erwiesen:
[0073] Die intrinsische Viskosität wird im Kapillarviskosimeter der Firma Ubbelohde bei
25°C gemessen und nach bekannter Formel berechnet. Als Lösungsmittel wird ein Gemisch
aus Phenol/1,2-Dichlorbenzol im Gewichtsverhältnis 3:2 verwendet. Die Konzentration
der Lösung beträgt 0,5 g Polyester auf 100 ml Lösung.
[0074] Zur Ermittlung des Schmelzpunktes, der Kristallisations- und der Glastemperatur wird
ein Kalorimeter-DSC-Gerät der Firma Mettler verwendet. Dabei wird die Probe zunächst
bis 280°C erwärmt und aufgeschmolzen und danach abgeschreckt. Die DSC-Messung erfolgt
im Bereich von 20°C bis 280°C mit einer Heizrate von 10 K/min. Die Temperaturgrößen
werden durch den Prozessor ermittelt.
[0075] Die Bestimmung der Dichte von Filamenten erfolgt in einer Dichte-Gradienten-Säule
bei einer Temperatur von 23 ± 0,1°C. Als Reagenz werden n-Heptan (C
7H
16) und Tetrachlormethan (CCl
4) verwendet. Das Ergebnis der Dichtemessung kann zur Berechnung des Kristallinitätsgrades
verwendet werden, in dem man die Dichte des amorphen Polyesters D
a und die Dichte des kristallinen Polyesters D
k zugrunde legt. Die entsprechende Berechnung ist literaturbekannt, beispielsweise
gilt für PTMT D
a = 1,295 g/cm
3 und D
k = 1,429 g/cm
3.
[0076] Der Titer wird mit einer Präzisionsweife und einer Wägeeinrichtung in bekannter Weise
ermittelt. Dabei beträgt die Vorspannung zweckmäßigerweise für vororientierte Filamente
(POYs) 0,05 cN/dtex und für texturiertes Garn (DTY) 0,2 cN/dtex.
[0077] Die Reißfestigkeit und die Reißdehnung werden in einem Statimat-Meßgerät bei folgenden
Bedingungen ermittelt; die Einspannlänge beträgt 200 mm für POY bzw. 500 mm für DTY,
die Meßgeschwindigkeit beträgt 2000 mm/min für POY bzw. 1500 mm/min für DTY, die Vorspannung
beträgt 0,05 cN/dtex für POY bzw. 0,2 cN/dtex für DTY. Durch Division der Werte für
die maximale Reißlast durch den Titer wird die Reißfestigkeit bestimmt, und die Reißdehnung
wird bei maximaler Last ausgewertet.
[0078] Zur Bestimmung des Kochschrumpfes werden Stränge von Filamenten spannungslos in Wasser
bei 95 ± 1°C für 10 ± 1 min behandelt. Die Stränge werden mittels einer Weife mit
einer Vorspannung von 0,05 cN/dtex für POY bzw. 0,2 cN/dtex für DTY hergestellt; die
Längenmessung der Stränge vor und nach der Temperaturbehandlung erfolgt bei 0,2 cN/dtex.
Aus dem Längenunterschied wird in bekannter Weise der Kochschrumpf berechnet.
[0079] Die Ennittlung der Doppelbrechung erfolgt gemäß der in DE 19,519,898 beschriebenen
Vorgehensweise. Daher wird in diesem Zusammenhang explizit auf die Offenbarung von
DE 19,519,898 bezug genommen.
[0080] Die Kräuselkennwerte der texturierten Filamente werden nach DIN 53840, Teil 1 mit
dem Texturmaten der Firma Stein/D bei 120°C Entwicklungstemperatur gemessen.
[0081] Die Normal-Usterwerte werden mit dem Uster-Tester 4-CX ermittelt und als Uster-%-Werte
angegeben. Dabei beträgt bei einer Prüfgeschwindigkeit von 100 m/min die Prüfzeit
2,5 min.
[0082] Das erfindungsgemäße POY kann auf einfache Art und Weise weiterverarbeitet, insbesondere
strecktexturiert werden. Im Rahmen der vorliegenden Erfindung erfolgt die Strecktexturierung
vorzugsweise bei einer Texturiergeschwindigkeit von mindestens 500 m/min, besonders
bevorzugt bei einer Texturiergeschwindigkeit von mindestens 700 m/min. Das Verstreckverhältnis
ist vorzugsweise mindestens 1:1,35, insbesondere mindestens 1:1,40. Dabei hat sich
die Strecktexturierung auf einer Maschine vom Hochtemperatur-Heizer-Typ, wie beispielsweise
die AFK der Firma Barmag, als besonders zweckmäßig erwiesen.
[0083] Die derart hergestellten bauschigen Filamente weisen eine geringe Anzahl an Flusen
und nach dem Anfärben unter Kochbedingungen mit einem Dispersionfarbstoff ohne Carrier
eine exzellente Farbtiefe und Farbgleichmäßigkeit auf.
[0084] Erfindungsgemäß hergestellte bauschige SET-Filamente besitzen vorzugsweise eine Reißfestigkeit
von mehr als 26 cN/tex und eine Reißdehnung von mehr als 36%. Bei bauschigen HE-Filamenten,
die ohne Temperaturanwendung in einem zweiten Heizer erhältlich sind, beträgt die
Reißfestigkeit vorzugsweise mehr als 26 cN/tex und die Reißdehnung mehr als 30 %.
[0085] Das Bausch- und Elastizitätsverhalten der erfindungsgemäßen Filamente ist hervorragend.
[0086] Nachfolgend wird die Erfindung durch Beispiele eingehender erläutert, ohne daß die
Erfindung auf diese Beispiele beschränkt werden soll.
Beispiele 1 bis 3
Spinnen und Aufspulen
[0087] PTMT-Chips mit einer intrinsischen Viskosität von 0,93 dl/g, einer Schmelzeviskosität
von 325 Pa s (gemessen bei 2,4 Hz und 255°C), einem Schmelzpunkt von 227°C, einer
Kristallisationstemperatur von 72°C und einer Glasübergangstemperatur von 45°C wurden
bei einer Temperatur von 130°C in einem Taumeltrockner auf einen Wassergehalt von
11 ppm getrocknet.
[0088] Die Chips wurden in einem 3E4-Extruder der Firma Barmag aufgeschmolzen, so daß die
Temperatur der Schmelze 255°C betrug. Dieser Schmelze wurden verschiedene Mengen an
Polymethylmethacrylat des Handelstyps Plexiglas 7N der Firma Röhm GmbH / D als Dehnungserhöhungsadditiv
hinzugefügt, welches zuvor auf eine Restfeuchte von weniger als 0,1 % getrocknet wurde.
[0089] Das Additiv-Polymer wurde hierzu mittels eines Aufschmelzextruders aufgeschmolzen
und mit einer Zahnraddosierpumpe der Einspeiseeinrichtung zugeführt und dort durch
eine Injektionsdüse in Flußrichtung der Polyesterkomponente zugeführt. In einem statischen
Mischer der Fa. Sulzer, Typ SMX mit 15 Elementen und einem Innendurchmesser von 15
mm wurden beide Schmelzen homogen miteinander vermischt und fein dispergiert.
[0090] Die Schmelzeviskosität vom Typ Plexiglas 7N betrug 810 Pa s (2,4 Hz, 255°C), womit
das Verhältnis aus Additiv- und Polyesterschmelzeviskosität 2,5 : 1 betrug.
[0091] Die transportierte Schmelzemenge betrug 63 g/min bei einer Verweilzeit von 6 min,
die von der Spinnpumpe dem Düsenpaket zudosierte Menge wurde derart eingestellt, daß
der POY-Titer etwa 102 dtex betrug. Es wurden verschiedene Aufspulgeschwindigkeiten
eingestellt. Nach der Spinnpumpe vor Eintritt in das Düsenpaket war ein Element statischer
Mischer, Typ HD-CSE mit 10 mm Innendurchmesser der Firma Fluitec installiert. Die
Begleitheizungen von Produktleitung und Spinnblock, der die Pumpe und das Düsenpaket
enthielt, waren auf 255°C eingestellt. Das Düsenpaket enthielt als Filtermedien Stahlsand
der Körnung 350-500 µm mit einer Höhe von 30 mm sowie einen 20 µm Vliesund einen 40
µm Gewebefilter. Die Schmelze wurde durch eine Düsenplatte von 80 mm Durchmesser und
34 Löchern mit einem Durchmesser von 0,25 mm und einer Länge von 1,0 mm extrudiert.
Der Düsendruck betrug etwa 120-140 bar.
[0092] Die Abkühlungsverzögerungszone hatte eine Länge von 100 nun, wobei 30 mm beheizte
Wandung und 70 mm Isolation und unbeheizter Rahmen waren. Die Schmelzefäden wurden
daran anschließend in einem Blasschacht mit Querstromanblasung einer Blaslänge von
1500 mm abgekühlt. Die Kühlluft hatte eine Geschwindigkeit von 0,35 m/sec, eine Temperatur
von 18°C und eine relative Feuchte von 80%. Der Erstarrungspunkt der Filamente lag
in einem Abstand von etwa 800 mm unterhalb der Spinndüse.
[0093] Mit Hilfe eines Fadenölers in einem Abstand von 1050 mm von der Düse wurden die Fäden
mit Spinnpräparation versehen und gebündelt. Der Öler war mit einer TriboFil-Oberfläche
ausgeführt und hatte eine Zulauföffnung von 1 mm Durchmesser. Die aufgetragene Präparationsmenge
betrug 0,40 % bezogen auf das Fadengewicht.
[0094] Der gebündelte Faden wurde dann der Aufspulmaschine zugeführt. Der Abstand zwischen
Öler und erster Abzugsgalette betrug 3,2 m. Die Konditionierzeit lag zwischen 105
und 140 ms. Ein Galettenpaar wurde vom Faden S-förmig umschlungen. Zwischen den Galetten
war eine Temco-Entanglingdüse installiert, die mit einem Luftdruck von 1,5 bar betrieben
wurde. Entsprechend der Geschwindigkeitseinstellung wurde die Aufspulgeschwindigkeit
des Wicklers vom Typ SW6 der Firma Barmag derart eingestellt, daß die Aufspulfadenspannung
5 cN betrug. Das Raumklima war auf 24°C bei 60 % relative Luftfeuchtigkeit eingestellt,
so daß sich in der Umgebung des Fadenwickels eine Temperatur von etwa 34°C einstellte.
[0095] Für alle Additiv-Zugabemengen wurde eine signifikante Erhöhung der Produktivität
erzielt. Es wurden 10 kg-Spulen hergestellt, die sich problemlos vom Spuldom abnehmen
ließen. Die POY-Game zeichnen sich durch eine gute zeitliche Konstanz der Garneigenschaften
über die Lagerzeit von 4 Wochen bei Normalklima gemäß DIN 53802 aus. Der Kochschrumpf
wurde direkt nach dem Spinnen und Aufspulen im Bereich von 51-54% ermittelt. Die Texturierbarkeit
und die erzielte Anfärbegleichmäßigkeit waren hervorragend. Das anzuwendende Verstreckungsverhältnis
war überraschend hoch für die angewendeten POY-Geschwindigkeiten.
[0096] Die weiteren Parameter und Kenndaten sind in den Tabellen 1 bis 4 zusammengestellt.
Tabelle 1:
| Versuchsparameter |
| Versuchsparameter |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Beispiel 3 |
| Additivkonzentration [%] |
0,5 |
0,7 |
1,0 |
| Abzugsgeschwindigkeit [m/min] |
3011 |
3520 |
4022 |
| Aufspulgeschwindigkeit [m/min] |
3005 |
3500 |
4000 |
| Spinnverzug |
183 |
182 |
181 |
| Fadenspannungen |
|
|
|
| vor Galetten1 [cN] |
13 |
15,5 |
16 |
| zwischen Galetten1 max [cN] |
12 |
13 |
12,5 |
| vor Galetten2 [cN/dtex] |
0,13 |
0,15 |
0,16 |
| zwischen Galetten2 max [cN/dtex] |
0,11 |
0,13 |
0,12 |
| Aufspulfadenspannung1 [cN] |
6,3 |
5,9 |
6,4 |
| Aufspulfadenspannung2 [cN/dtex] |
0,062 |
0,058 |
0,062 |
| 1: absolut |
| 2: bezogen auf den Titer |
Tabelle 2:
| Materialeigenschaften der vororientierten PTMT-Filamente1 |
| Materialeigenschaften |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Beispiel 3 |
| Titer [dtex] |
102 |
102,5 |
103 |
| Reißfestigkeit [cN/tex] |
20,2 |
21,8 |
22,3 |
| Reißdehnung [%] |
132,7 |
115,4 |
98,2 |
| Normal-Uster [%] |
0,80 |
0,90 |
0,94 |
| Kochschrumpf [%] |
48 |
44 |
38 |
| Doppelbrechung•103 Δn |
36 |
47 |
51 |
| Dichte [g/cm3] |
1,315 |
1,318 |
1,320 |
| CV-Reißlast [%] |
1,7 |
1,5 |
2,1 |
| CV-Reißdehnung [%] |
1,9 |
1,9 |
3,3 |
CV: Variationskoeffizient
1: nach 4 Wochen Lagerung bei Normalbedingungen gemessen |
Strecktexturierung
[0097] Die PTMT-Filament-Spulen wurden vier Wochen in Normal-Klima gemäß DIN 53802 gelagert
und dann einer Strecktexturiermaschine der Firma Barmag, Typ FK6-S-900, vorgelegt.
Die Versuchsparameter der Strecktexturierung zur Herstellung sogenannter SET-Filamente
sind in Tabelle 3, die Materialeigenschaften der resultierenden bauschigen SET-Filamente
sind in Tabelle 4 zusammengefaßt.
[0098] Die Texturierfehler wurden mittels UNITENS der Fima Barmag erfaßt bei folgenden Grenzwerteinstellungen:
UP/LP = 3,0 cN, UM/LM = 6,0 cN.
Tabelle 3:
| Versuchsparameter der Strecktexturierung |
| Versuchsparameter |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Beispiel 3 |
| Geschwindigkeit [m/min] |
700 |
700 |
700 |
| Verstreckverhältnis |
1 : 1,70 |
1 : 1,60 |
1 : 1,44 |
| D/Y-Verhältnis |
2,1 |
2,1 |
2,1 |
| Temp.-Heizer 1 [°C] |
155 |
155 |
155 |
| Temp.-Heizer 2 [°C] |
160 |
160 |
160 |
| Texturierfehler [n/10 km] |
0 |
0 |
0 |
| Fadenspannung |
|
|
|
| F1, vor Aggregat [cN] |
17 |
18 |
19 |
| F2, nach Aggregat [cN] |
19 |
21 |
21 |
| F2-CV [%] |
0,78 |
0,93 |
0,89 |
| F2-CV: Variationskoeffizient von F2 |
Tabelle 4:
| Materialeigenschaften der strecktexturierten Filamente |
| Materialeigenschaften |
Beispiel 1 |
Beispiel 2 |
Beispiel 3 |
| Titer [dtex] |
67 |
69 |
79 |
| Reißfestigkeit [cN/tex] |
26,9 |
29,6 |
28,2 |
| Reißdehnung [%] |
38,6 |
37,8 |
38,0 |
| visuelle Anfärbungsbeurteilung |
gleichmäßig |
gleichmäßig |
gleichmäßig |
| Kräuselbeständigkeit [%] |
84 |
85 |
79 |
| Einkräuselung [%] |
25 |
24 |
23 |