| (19) |
 |
|
(11) |
EP 1 345 696 B1 |
| (12) |
EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT |
| (45) |
Hinweis auf die Patenterteilung: |
|
08.03.2006 Patentblatt 2006/10 |
| (22) |
Anmeldetag: 12.12.2001 |
|
| (51) |
Internationale Patentklassifikation (IPC):
|
| (86) |
Internationale Anmeldenummer: |
|
PCT/EP2001/014598 |
| (87) |
Internationale Veröffentlichungsnummer: |
|
WO 2002/057014 (25.07.2002 Gazette 2002/30) |
|
| (54) |
VERFAHREN UND VORRICHTUNG ZUR MANIPULATION KLEINER FLÜSSIGKEITSMENGEN
METHOD AND DEVICE FOR MANIPULATING SMALL QUANTITIES OF LIQUID
PROCEDE ET DISPOSITIF DE MANIPULATION DE PETITES QUANTITES DE LIQUIDES
|
| (84) |
Benannte Vertragsstaaten: |
|
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR |
| (30) |
Priorität: |
14.12.2000 DE 10062246
|
| (43) |
Veröffentlichungstag der Anmeldung: |
|
24.09.2003 Patentblatt 2003/39 |
| (73) |
Patentinhaber: Advalytix AG |
|
85649 Brunnthal (DE) |
|
| (72) |
Erfinder: |
|
- WIXFORTH, Achim
80636 München (DE)
- GAUER, Christoph
81667 München (DE)
- SCRIBA, Jürgen
80469 München (DE)
|
| (74) |
Vertreter: Manitz, Finsterwald & Partner GbR |
|
Postfach 31 02 20 80102 München 80102 München (DE) |
| (56) |
Entgegenhaltungen: :
WO-A-00/22436
|
US-A- 6 130 098
|
|
| |
|
|
- BURNS M A ET AL: "MICROFABRICATED STRUCTURES FOR INTEGRATED DNA ANALYSIS" PROCEEDINGS
OF THE NATIONAL ACADEMY OF SCIENCES OF USA, NATIONAL ACADEMY OF SCIENCE. WASHINGTON,
US, Bd. 93, Mai 1996 (1996-05), Seiten 5556-5561, XP000953502 ISSN: 0027-8424
|
|
| |
|
| Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die
Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen
das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich
einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr
entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen). |
[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur Manipulation kleiner
Flüssigkeitsmengen auf einer Festkörperoberfläche und ein Verfahren zur Erzeugung
mindestens einer definierten Flüssigkeitsmenge auf einer Festkörperoberfläche.
[0002] In der Mikroanalytik und -synthese kleiner Flüssigkeitsmengen ist es notwendig, kleine
Flüssigkeitsmengen zu definieren und ihr Volumen möglichst genau zu bestimmen. Der
Begriff Flüssigkeit umfasst im vorliegenden Text u. a. reine Flüssigkeiten, Mischungen,
Dispersionen und Suspensionen, sowie Flüssigkeiten, in denen sich feste Teilchen,
z. B. biologisches Material, befinden.
[0003] So ist es bei der in jüngster Zeit im Blickpunkt stehenden "Lab-on-a-chip"-Technologie
z. B. wünschenswert, eine definierte Flüssigkeitsmenge zu einem definierten Analyse-
oder Synthesepunkt auf dem Chip zu bewegen. An diesem Punkt soll dann z. B. eine chemische
oder physikalische Analyse oder Synthese vorgenommen werden, bei der es in der Regel
wünschenswert ist, wenn die Volumina bzw. die Mengen der entsprechenden Flüssigkeiten
genau bekannt sind.
[0004] Solche Verfahren werden u. a. für anorganische Reagenzien oder organisches Material,
wie Zellen, Moleküle, Makromoleküle oder genetischen Materialien eingesetzt, wie es
z. B. von O. Müller, Laborwelt 1/2000, Seiten 36 bis 38 beschrieben ist. Der Transport
kleiner Flüssigkeitsmengen in der Analyse und Synthese wird bei bekannten Verfahren
in mikrostrukturierten Kanälen vorgenommen (Anne Y. Fu et al, Nature Biotechnology
17, Seite 1109 ff. (1999)). Dort ist die Bewegung kleiner Flüssigkeitsmengen in Mikrokanälen
einiger Mikrometer Tiefe bzw. Breite mit elektroosmotischen Verfahren beschrieben.
Eine andere bereits bekannte Technologie ist der Transport kleiner Flüssigkeitsmengen
mit mikromechanischen oder elektrostatischen Pumpen in mikrostrukturierten Kanälen,
wie sie in "Microsystem Technology in Chemistry and Life Sciences", herausgegeben
von A. Manz und H. Becker (Springer Verlag, 1999), auf den Seiten 29 bis 34 beschrieben
sind. Elektrokinetische Verfahren sind von M. Köhler et al. (Physikalische Blätter
56, Nr. 11, S. 57-61) beschrieben worden.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine verbesserte Vorrichtung und ein verbessertes
Verfahren anzugeben, mit deren Hilfe eine gezielte Manipulation kleiner Flüssigkeitsmengen
möglich ist.
[0006] Diese Aufgabe wird mit einer Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruches 1 bzw.
mit einem Verfahren mit den Merkmalen entweder des Anspruches 26 oder 27 gelöst.
[0007] Die erfindungsgemäße Vorrichtung weist mindestens einen definierten Aufenthaltsbereich
auf einer Festkörperoberfläche auf, auf dem sich die mindestens eine zu manipulierenden
Flüssigkeit bevorzugt aufhält. Dazu hat der mindestens eine definierte Aufenthaltsbereich
andere Benetzungseigenschaften als die ihn umgebende Festkörperoberfläche. Der definierte
Aufenthaltsbereich für die Flüssigkeit kann z. B. in der Form von "Leiterbahnen" auf
der Festkörperoberfläche gegeben sein, die z. B. durch eine entsprechende Beschichtung
entweder des definierten Aufenthaltsbereiches oder dessen Umgebung realisiert werden
können. Besonders vorteilhaft ist dabei, dass trotz des eingegrenzten Aufenthaltsbereiches
der Flüssigkeit, die durch die Modulation der Benetzungseigenschaften erreicht wird,
keinerlei Gräben, Ecken oder Kanten notwendig sind, an denen die Flüssigkeit in ihrer
Bewegung beeinträchtigt werden könnte.
[0008] Die Modulation der Benetzungseigenschaften kann z.B. durch die Definition hydrophiler
bzw. hydrophober Bereiche erreicht werden. Bei der Manipulation von wäßrigen Lösungen
wird der bevorzugte Aufenthaltsbereich z. B. so gewählt, daß er hydrophiler ist als
die umgebende Festkörperoberfläche. Dies kann entweder durch eine hydrophile Beschichtung
des bevorzugten Aufenthaltsbereiches oder durch eine hydrophobe Umgebung erreicht
werden. Eine hydrophobe Umgebung kann z. B. bei einer bevorzugten Ausgestaltung der
Erfindung durch eine silanisierte Oberfläche realisiert werden.
[0009] Je nach Anwendung kann die den Aufenthaltsbereich umgebende Festkörperoberfläche
auch hydrophil, lipophob oder lipophil im Vergleich zur Oberfläche des Aufenthaltsbereiches
gewählt werden. Zur Manipulation von nicht-wäßrigen Lösungen kann es zum Beispiel
vorteilhaft sein, wenn der bevorzugte Aufenthaltsbereich lipophil im Vergleich zur
Umgebung ist.
[0010] Die Definition des bevorzugten Aufenthaltsbereichs kann auch durch eine Ätzung der
Oberfläche erfolgen bzw. unterstützt werden, wobei die Ätztiefe klein gegenüber der
Breite der "Leiterbahn" ist, z. B. ein Hundertstel der Breite. So lässt sich z.B.
im Falle einer wässrigen Lösung der bevorzugte Aufenthaltsbereich dadurch definieren,
dass die den bevorzugten Aufenthaltsbereich umgebende Oberfläche hydrophob beschichtet
wird und im Bereich des Aufenthaltsbereichs selbst einige Nanometer bis einige Mikrometer
in die Oberfläche geätzt wird. Auf diese Weise ist der Kontrast bezüglich des Benetzungswinkels
erhöht. Dennoch ist die Oberfläche makroskopisch im Wesentlichen planar. Eine derartig
flache Ätzung ist fertigungstechnisch sehr einfach und definiert herstellbar, ohne
daß die bekannten Probleme einer tiefen Ätzung eines schmalen Kanals auftreten.
[0011] Die Benetzungseigenschaften können weiterhin durch Mikrostrukturierung moduliert
werden, wie es beim so genannten Lotuseffekt der Fall ist, der auf der unterschiedlichen
Rauhigkeit der Oberfläche beruht. Diese kann z. B. durch Mikrostrukturierung der entsprechenden
Oberflächenbereiche erhalten werden, z. B. durch chemische Behandlung oder Ionenbestrahlung.
[0012] Der so definierte mindestens eine bevorzugte Aufenthaltsbereich für die mindestens
eine zu manipulierende Flüssigkeitsmenge auf der Festkörperoberfläche weist erfindungsgemäß
weiterhin zumindest eine Engstelle auf, deren Breite geringer ist als die Breite der
benachbarten Teile des bevorzugten Aufenthaltsbereiches. Dabei wird die Breite so
gewählt, dass die Flüssigkeitsmenge ohne die Einwirkung einer äußeren Kraft die Engstelle
aufgrund ihrer Oberflächenspannung nicht überwinden kann.
[0013] Die zu manipulierende Flüssigkeitsmenge befindet sich auf dem bevorzugten Aufenthaltsbereich
der Festkörperoberfläche z.B. in Form eines Tröpfchens. Dabei gilt, dass für einen
benetzten Bereich auf der Oberfläche eines Festkörpers die Oberfläche des Flüssigkeitströpfchens
im Gleichgewicht überall dieselbe Krümmung aufweist, da eine unterschiedliche Krümmung
in unterschiedlichen Teilen der Flüssigkeitströpfchenoberfläche bei gegebener Oberflächenspannung
einen unterschiedlichen Innendruck hervorrufen würde. Lokal unterschiedlicher Innendruck
in einem Tröpfchen führt aber zu einem Fluß von Flüssigkeit aus Bereichen hohen Drucks
in Bereiche niedrigen Drucks. Dies geschieht wiederum so lange, bis Druckausgleich
herrscht, d. h. überall dieselbe Krümmung der Oberfläche vorliegt. Für die Grenzlinie
zwischen flüssiger und fester Materie, also zwischen dem Flüssigkeitströpfchen und
der Festkörperoberfläche, tritt anstelle der Krümmung bei dieser Betrachtung der Benetzungswinkel,
der im Gleichgewicht und in isotroper Umgebung nur von den beiden Materialien der
Festkörperoberfläche bzw. der Flüssigkeit abhängt.
[0014] Bei lateral räumlich eingeschränkter Benetzung, die durch die Definition der bevorzugten
Aufenthaltsbereiche gegeben ist, wird die Krümmung der Flüssigkeitsoberfläche durch
die Breite des bevorzugten Aufenthaltsbereiches, also der "Leiterbahn", und das Volumen
der Flüssigkeitsmenge auf diesem Aufenthaltsbereich bestimmt. Ändert sich die Breite
der "Leiterbahn" abrupt, so ist die Forderung nach einer konstanten Krümmung über
den Übergang zwischen den beiden Breiten nicht zu erfüllen, da sich auch die Höhe
des Tröpfchens, also die "Füllhöhe" hier stark ändern würde. Schmale "Leiterbahnen"
lassen sich also nicht ohne weiteres von weiten "Leiterbahnen" aus füllen, solange
keine äußere Kraft einwirkt.
[0015] Die Breite der durch die bevorzugten Aufenthaltsbereiche definierten "Leiterbahnen"
ist zum Transport von Flüssigkeitsvolumina im Bereich von Pikolitern in der Größenordnung
von einigen Mikrometern. Für Flüssigkeitsmengen in der Größenordnung von Nanolitern
sind Breiten von 10 bis zu einigen 100 Mikrometern möglich.
[0016] Wirkt nun eine äußere Kraft auf eine kleine Flüssigkeitsmenge mit einer Komponente
in Richtung der Engstelle ein, so wird diese aus dem Gleichgewicht gebracht und kann
die Engstelle überwinden. Dabei wird die Stärke der Kraft so gewählt, daß die kleine
Flüssigkeitsmenge zwar die Engstelle überwinden kann, aber sich dennoch nicht außerhalb
des bevorzugten Aufenthaltsbereichs bewegt. Als Störung des Gleichgewichts kann z.B.
eine lokale Temperaturänderung oder auch bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform
der Impulsübertrag durch eine Oberflächenwelle dienen.
[0017] Die Breite der Engstelle bestimmt wesentlich die Stärke der äußeren Kraft, die notwendig
ist, um die Engstelle zu überwinden. Je schmaler die Engstelle ist, desto höher muss
die Krafteinwirkung sein, damit eine Flüssigkeitsmenge die Engstelle passiert. Es
hat sich als vorteilhaft erwiesen, wenn die Breite der Engstellen weniger als die
Hälfte der Breite der benachbarten "Leiterbahnen" ist. So ist in der Regel sichergestellt,
dass die Oberflächenspannung verhindert, dass die Engstelle auch ohne die Einwirkung
einer äußeren Kraft überwunden wird.
[0018] Mit der erfindungsgemäßen Vorrichtung bzw. dem erfindungsgemäßen Verfahren ist es
also möglich, eine kleine Flüssigkeitsmenge zu einem definierten Zeitpunkt, nämlich
jenem Zeitpunkt an dem eine äußere Kraft auf die Flüssigkeitsmenge wirkt, über eine
sonst für die Flüssigkeitsmenge unüberwindliche Barriere zu treiben. Auf diese Weise
ist eine genaue Lokalisierung der Flüssigkeitsmenge möglich, da der bevorzugte Aufenthaltsbereich
für die Flüssigkeitsmenge hinter der entsprechenden Engstelle erst zu einem ganz definiertem
Zeitpunkt mit Flüssigkeit gefüllt wird.
[0019] Der bevorzugte Aufenthaltsbereich, der auf der Festkörperoberfläche definiert ist,
kann sich in beliebiger Form aus Engstellen und Bereichen größerer Breite, also "Leiterbahnen"
für die Flüssigkeit, zusammensetzen. Dabei kann z. B. ein Netzwerk oder Schachbrett
aus definierten Flächen und angrenzenden Engstellen gebildet werden. Mit einem solchen
Netzwerk können kleine definierte Flüssigkeitsmengen unter Einwirkung einer äußeren
Kraft von einem Teilbereich definierter Fläche über die dazwischen liegende Engstelle
in einen zweiten Teilbereich definierter Fläche getrieben werden. Insofern kann z.
B. ein Netzwerk aus Teilbereichen definierter Flächen über, dazwischen liegende Engstellen
selektiv befüllt werden. Kleine Flüssigkeitsmengen lassen sich also auf diese Weise
innerhalb eines Netzwerks gezielt positionieren.
[0020] Die Teilbereiche des Netzwerks zwischen den Engstellen können verschiedene Formen
haben. Besonders vorteilhaft ist jedoch eine runde Form. Auf diese Weise sind die
Oberflächenbenetzungseigenschaften am Rand der Fläche des bevorzugten Aufenthaltsbereiches
sehr genau definiert und die Flüssigkeitsmenge berührt bei entsprechendem "Füllgrad"
den Rand des Teilbereiches mit definierter Fläche entlang dessen gesamten Umfangs.
[0021] Die einzelnen Teilbereiche definierter Fläche können weiterhin z. B. eine funktionalisierte
Oberfläche aufweisen, so dass bestimmte Reaktionen stattfinden können. Andere Teilbereiche
definierter Fläche können zur Durchführung von chemischen oder physikalischen Analysen
eingesetzt werden, z. B. durch Anlegen eines lokalen elektrischen oder magnetischen
Feldes, einer Erwärmung oder z. B. einer lokalen mechanischen Kraft. Ebenso kann durch
eine lokale Detektion eine Fluoreszenzanalyse einer Flüssigkeitsmenge auf einem bestimmten
Teilbereich definierter Fläche vorgenommen werden. In anderen Bereichen kann eine
Synthese aus verschiedenartigen Materialien vorgenommen werden, die in oder als Flüssigkeitsmengen
auf einen Aufenthaltsbereich definierter Fläche gebracht wurden.
[0022] Die Herstellung von Bereichen unterschiedlicher Benetzungseigenschaften oder mit
unterschiedlich funktionalisierten Oberflächen ist mit Hilfe bereits bekannter lithographischer
Verfahren und Beschichtungstechnologien einfach und kostengünstig.
[0023] Die Oberflächenspannung ist von thermodynamischen Parametern wie z. B. Druck und/oder
Temperatur abhängig. Insofern wird das Flüssigkeitsvolumen, das z.B. auf einem geometrisch
definierten "Normvolumen" gespeichert werden kann, auch von den thermodynamischen
Parametern bestimmt. Die thermodynamischen Parameter bieten somit eine Möglichkeit,
das Flüssigkeitsvolumen auf mindestens einem Teil des bevorzugten Aufenthaltsbereichs
zusätzlich zu den geometrischen Abmessungen in einem gewissen Bereich zu variieren.
[0024] Zur Erzeugung der Kraft, die die Flüssigkeitsmenge durch die Engstelle treibt, können
verschiedene Verfahren eingesetzt werden. Ein besonders einfaches Verfahren ist die
Erhöhung der Temperatur, z. B. mit einer Heizeinrichtung auf der Festkörperoberfläche.
Diese Heizeinrichtung kann entweder lokal an einem Aufenthaltsbereich definierter
Fläche wirken oder die gesamte Festkörperoberfläche heizen. Bei einer einfachen Ausgestaltung
ist eine Widerstandsheizung auf der Festkörperoberfläche vorgesehen. Dadurch vergrößert
sich in der Regel das Flüssigkeitsvolumen und seine Oberflächenspannung sinkt. Es
entsteht also eine Kraft, die die Flüssigkeit über die Engstelle treiben kann.
[0025] Bei einer anderen Ausführungsform kommt eine mikromechanische oder eine piezoelektrisch
angetriebene Pumpe zum Einsatz. Schließlich kann eine Elektrode auf der Festkörperoberfläche
eingesetzt werden, um Flüssigkeiten mit geladenen Teilchen durch elektrostatische
Kräfte zu bewegen.
[0026] Bei einer besonders bevorzugten Ausführungsform weist die erfindungsgemäße Vorrichtung
mindestens eine Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung auf. Diese Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung
generiert Oberflächenwellen, die einen Impuls auf die zu manipulierenden Flüssigkeitsmengen
im bevorzugten Aufenthaltsbereich übertragen. Der Impulsübertrag wird entweder durch
die mechanische Deformation der Festkörperoberfläche oder durch die Kraftwirkung der
sie begleitenden elektrischen Felder auf geladene oder polarisierbare Materie erzielt.
[0027] Besondere Vorteile des Impulsübertrags mittels Oberflächenwellen zur Manipulation
kleiner Materiemengen sind:
- 1) Die Stärke der Kraftwirkung auf die kleine Flüssigkeitsmenge lässt sich in einem
weiten Bereich über die Amplitude der Oberflächenwelle einstellen.
- 2) Es lassen sich verschiedene zeitliche Verläufe der Kraft, wie z.B. Pulse verschiedener
Länge, elektronisch definieren.
- 3) Die Beschallung der Festkörperoberfläche mit der Oberflächenwelle bewirkt eine
automatische Reinigung der überstrichenen Bereiche.
- 4) Eine Ansteuerung über eine entsprechende Software ist einfach möglich.
[0028] Oberflächenwellen lassen sich auf piezoelektrischen Substraten oder Substraten mit
piezoelektrischen Bereichen, z. B. piezoelektrischen Beschichtungen, erzeugen. Dabei
ist es ausreichend, wenn das Substrat bzw. die entsprechende Beschichtung nur in dem
Bereich vorliegt, in dem sich die Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung befindet.
Die Oberflächenschallwelle breitet sich auch außerhalb des piezoelektrischen Bereiches
aus.
[0029] Zur Erzeugung der Oberflächenwelle wird vorteilhaft ein an sich bekannter Interdigitaltransducer
eingesetzt. Ein solcher Interdigitaltransducer hat zwei Elektroden, die fingerartig
ineinander greifen. Durch Anlegen eines hochfrequenten Wechselfeldes, z. B. in der
Größenordnung von einigen 100 MHz, wird in einem piezoelektrischen Substrat bzw. in
einem piezoelektrischen Bereich des Substrates eine Oberflächenwelle angeregt, deren
Wellenlänge sich als Quotient aus der Oberflächenschallgeschwindigkeit und der Frequenz
ergibt. Die Ausbreitungsrichtung ist senkrecht zu den ineinander greifenden Fingerelektrodenstrukturen.
Mit Hilfe eines solchen Interdigitaltransducers läßt sich auf sehr einfache Weise
eine sehr definierte Oberflächenwelle erzeugen. Die Herstellung des Interdigitaltransducers
ist mit bekannten lithographischen Verfahren und Beschichtungstechnologien kostengünstig
und einfach. Interdigitaltransducer können zudem, z. B. durch Einstrahlung eines elektromagnetischen
Wechselfeldes in eine mit dem Interdigitaltransducer verbundenen Antenneneinrichtung,
drahtlos angesteuert werden.
[0030] Einige besondere Ausführungsformen von mittels Interdigitaltransducern erzeugten
Oberflächenwellen zur Manipulation kleinster Flüssigkeitsmengen werden im folgenden
beispielhaft an einem "Netzwerk", wie es bereits oben beschrieben ist, erläutert.
Hierbei ist ein Teil des bevorzugten Aufenthaltsbereiches mit einer definierten Fläche
nur über Engstellen mit anderen Teilen des bevorzugten Aufenthaltsbereiches verbunden.
Dieser Teilbereich definierter Fläche ist also nur über die Engstellen mit Flüssigkeit
zu befüllen.
[0031] Dazu ist zu der jeweiligen Engstelle eine Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung
vorgesehen, deren Oberflächenwellenausbreitungsrichtung entlang der Engstelle ist.
Auf diese Weise kann durch Impulsübertrag mindestes ein Teil einer kleinen Flüssigkeitsmenge
von einem Teil des bevorzugten Aufenthaltsbereiches über die Engstelle in einen zweiten
Teil des bevorzugten Aufenthaltsbereiches mit einer definierten Fläche getrieben werden.
Diese Fläche definiert ein "Normvolumen" einer kleinen Flüssigkeitsmenge, das gezielt
befüllt oder entleert werden kann. Dies geschieht zu einem definierten Zeitpunkt,
zu dem die Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung tätig wird.
[0032] Mit Hilfe einer einzelnen solchen Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung läßt sich
in dieser Anordnung weiterhin ein Flüssigkeitstropfen definiert durch eine Folge von
Engstellen treiben und so das Netzwerk gezielt mit kleinen Flüssigkeitsmengen belegen.
Dabei kann man sich zu Nutze machen, dass ein Flüssigkeitstropfen, der erfindungsgemäß
mit einer Oberflächenwelle beschallt wird, diese dämpft. Ein weiter entfernt liegender
Flüssigkeitstropfen, der von der so gedämpften Oberflächenwelle getroffen wird, spürt
also deren Wirkung weniger oder gar nicht.
[0033] Mit derselben oder einer zweiten Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung, deren Ausbreitungsrichtung
z. B. parallel zu der Ausbreitungsrichtung der ersten Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung
ist, kann eine zweite Oberflächenwelle, gegebenenfalls mit schwächerer Intensität,
in Richtung eines Flüssigkeitsvolumens in einem Teil des bevorzugten Aufenthaltsbereichs
geschickt werden. Durch Messung der Dämpfung dieser zweiten Oberflächenwelle können
Menge und Volumen der Flüssigkeit bestimmt werden.
[0034] Besonders einfach und sicher zu betreiben ist eine Anordnung des Netzwerks, bei dem
die Engstellen zueinander senkrecht stehen und die Abstrahlrichtungen von mindestens
zwei Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung zur Befüllung bzw. zur Entleerung der
Aufenthaltsbereiche definierter Fläche parallel zu den Engstellen sind. Diese Anordnung
ist besonders sicher, da im wesentlichen keine Impulskomponenten vorhanden sind, die
den von der ersten bzw. zweiten Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung erzeugten Oberflächenwellen
gemeinsam sind.
[0035] Es kann auch nur eine Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung zur Beschallung der
Engstellen, die parallel angeordnet sind, vorgesehen sein. Dazu ist die Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung
als sogenannter "getaperter" Interdigitaltransducer ausgebildet. Bei einem solchen
getaperten Interdigitaltransducer ist der Fingerabstand entlang der Achse des Transducers
nicht konstant. Der Fingerabstand bestimmt die Wellenlänge der Oberflächenwelle. Bei
konstanter Oberflächenwellenschallgeschwindigkeit ist bei einer bestimmten angelegten
Frequenz also nur für einen bestimmten Fingerabstand die Resonanzbedingung erfüllt,
dass sich die Frequenz der Oberflächenwelle als Quotient aus der Oberflächenwellenschallgeschwindigkeit
und der Wellenlänge ergibt. Auf diese Weise läßt sich eine Oberflächenwelle erzeugen,
die nur eine sehr geringe seitliche Ausdehnung senkrecht zur Ausbreitungsrichtung
hat. So lassen sich einzelne Engstellen aus einer Anzahl von parallel angeordneten
Engstellen auswählen.
[0036] Darüberhinaus kann mit der Vorrichtung und dem Verfahren auch ein definiertes Flüssigkeitsvolumen
erzeugt werden. Das erfindungsgemäße Verfahren kann ferner eingesetzt werden, um die
zu manipulierenden Flüssigkeitsmengen z. B. einem Bereich auf dem Festkörpersubstrat
zuzuführen, an dem eine Analyse oder Synthese stattfindet. Eine solche Analyse oder
Synthese kann z. B. chemischer, physikalischer und/oder biologischer Natur sein. Ebenso
kann eine Flüssigkeitsmenge in einen Bereich gebracht werden, wo sie mit einer anderen
Flüssigkeitsmenge reagiert. Insofern eignen sich die erfindungsgemäße Vorrichtung
und das erfindungsgemäße Verfahren sowohl zur Analyse als auch zur Synthese der Flüssigkeitsmenge
bzw. der Flüssigkeitsmengen.
[0037] Die Einrichtungen zur Erzeugung einer äußeren Kraft können mit durch entsprechende
Software programmierbaren elektronischen Steuerungen verbunden sein.
[0038] Bevorzugte Ausführungsformen der Erfindung werden anhand der anliegenden Figuren
erläutert. Als Vorrichtungen zur Erzeugung einer äußeren Kraft werden im folgenden
beispielhaft immer Oberflächenwellenerzeugungseinrichtungen dargestellt. Dabei zeigt
- Fig. 1a
- in schematischer Draufsicht eine erfindungsgemäße Ausführungsform zur Definition kleinster
Flüssigkeitsmengen,
- Fig. 1b
- eine schematische Seitenschnittansicht der Ausführungsform der Fig. 1a, und
- Fig. 2
- eine schematische Draufsicht auf eine zweite Ausführungsform.
[0039] In Fig. 1 sind Teilbereiche 1 und 3 eines bevorzugten Aufenthaltsbereiches mit einer
Breite, die mit 2 bezeichnet ist, für die zu manipulierende Flüssigkeit vorgesehen.
Die genaue Form der Bereiche 1 und 3 und ihre Breite kann verschieden sein. An die
Bereiche 1 und 3 schließen sich Engstellen 7 und 9 an, die auf die gleiche Art und
Weise erzeugt werden wie die Bereiche 1 und 3, wie es weiter unten beschrieben ist.
Die Engstellen schließen an einen runden Bereich 5 an. Die Breite 8 der Engstellen
7 und 9 ist kleiner als die Hälfte der Breite 2 der Bereiche 1 und 3 und muss für
verschiedene Engstellen nicht notwendigerweise gleich sein. Die gesamte Anordnung
befindet sich auf der Oberfläche eines Festkörpers, z. B. eines Chips. Dieser kann
z.B. aus piezoelektrischem Material, z. B. Quarz oder LiNbO
3, bestehen oder eine zumindest teilweise piezoelektrische Oberfläche, z. B. aus ZnO,
haben.
[0040] Die bevorzugten Aufenthaltsbereiche 1, 3, 5, 7 und 9 haben andere Benetzungseigenschaften
als die umgebende Oberfläche des Festkörpers, die so gewählt sind, dass sich die zu
manipulierende Flüssigkeit bevorzugt in den Bereichen 1, 3, 5, 7 und 9 aufhält. Bei
einer wässrigen Lösung ist die Oberfläche in den bevorzugten Aufenthaltsbereichen
z. B. hydrophil im Vergleich zu der hydrophoberen Oberfläche des restlichen Festkörpers
gewählt. Dies kann z. B. dadurch erreicht werden, dass die Festkörperoberfläche in
den umgebenden Bereichen silanisiert oder mikrostrukturiert und dadurch hydrophob
wird.
[0041] Die Breite 2 beträgt z. B. einige Mikrometer und ist damit zur Manipulation von Flüssigkeitsmengen
im Pikoliter- bzw. Nanoliterbereich geeignet. 11 bzw. 17 bezeichnen Oberflächenwellenerzeugungseinrichtungen
mit einer Abstrahlrichtung 23 bzw. 25. Bei der gezeigten Ausführungsform handelt es
sich um Interdigitaltransducer mit Elektroden 13 bzw. 19, die fingerartige ineinander
greifende Fortsätze 15 bzw. 21 haben. Bei Anlegen eines Wechselfeldes an die Elektroden
des einzelnen Transducers wird eine Oberflächenwelle mit einer Wellenlänge erzeugt,
die dem Fingerabstand der Elektroden entspricht. Die Ausbreitungsrichtung ist senkrecht
zu den ineinander greifenden Fingern. Die Transducer umfassen eine große Anzahl von
Fingern, von denen nur einige schematisch und nicht maßstabsgerecht dargestellt sind.
[0042] Durch Wahl der Kristallorientierung können verschiedene Wellentypen, wie z.B. Rayleigh-Wellen
oder Scherwellen, erzeugt werden.
[0043] Die Interdigitaltransducer sind z. B. mit Hilfe lithographischer Verfahren und Beschichtungsverfahren
auf der Chipoberfläche erzeugt worden und werden über die Elektroden 13 bzw. 19 kontaktiert.
[0044] 26 bezeichnet die Richtung, in die die Flüssigkeitsmenge mit Hilfe des Interdigitaltransducers
17 getrieben werden kann. Die Fläche des Bereiches 5 ist rund und hat eine definierte
Größe.
[0045] Figur 1b zeigt eine schematische Schnittansicht durch den Bereich der Festkörperoberfläche,
in dem sich der bevorzugte Aufenthaltsbereich 5 befindet. Angedeutet ist ein Flüssigkeitstropfen
27 auf der Festkörperoberfläche 29.
[0046] Die erfindungsgemäße Vorrichtung der Figur 1 wird wie folgt eingesetzt. Die "Leiterbahn"
1 wird extern mit der zu manipulierenden Flüssigkeit befüllt, die eine "Flüssigkeitssäule"
bildet. Diese benetzt die Leiterbahn 1 bis kurz vor der Verengung 7. Die Krümmung
der Flüssigkeitsoberfläche wird durch die Breite der "Leiterbahn" 1 und das Volumen
der Flüssigkeitsmenge bestimmt. Durch die Änderung der Breite beim Übergang von der
"Leiterbahn" 1 zu der Breite 8 der Engstelle 7 kann die Forderung nach einer konstanten
Krümmung über den Übergang zwischen den beiden Breiten hinweg nicht erfüllt werden,
da sich auch die Höhe des Flüssigkeitströpfchens stark ändern würde. Die schmale Engstelle
7 lässt sich also nicht ohne weiteres ohne zusätzliche Einwirkung von der breiten
Leiterbahn 1 aus befüllen. Mit Hilfe einer Oberflächenwelle, die in Richtung 23 von
dem Transducer 11 abgestrahlt wird, kann jedoch die Flüssigkeitsmenge durch die Engstelle
7 "gepumpt" werden. Die notwendige Stärke der Oberflächenwelle kann durch vorherige
Kalibrierung bestimmt oder während des Experiments so eingestellt werden, bis sich
die Flüssigkeitsmenge über die Engstelle 7 hinweg auf die Fläche 5 bewegt. Auf diese
Weise gelangt eine definierte Flüssigkeitsmenge von der Leiterbahn 1 auf die definierte
Fläche 5.
[0047] Ist die notwendige Flüssigkeitsmenge auf der Fläche 5 vorhanden, so kann sie analysiert
werden, z. B. durch physikalische oder chemische Prozesse, oder steht zur Reaktion
mit einer anderen Substanz zur Verfügung.
[0048] Welche Menge sich jeweils in dem Aufenthaltsbereich 5 befindet, kann z. B. durch
die Messung der Dämpfung einer Oberflächenwelle gemessen werden, die über den Bereich
der Festkörperoberfläche geschickt wird, in dem sich die Fläche 5 befindet. Dazu können
(in der Figur nicht gezeigte) interdigitale Transducer vorgesehen sein, die sich gegenüber
stehen und die Fläche 5 zwischen sich haben. Wird eine Oberflächenwelle gegebenenfalls
geringerer Intensität von einem dieser Interdigitaltransducer in Richtung der Fläche
5 geschickt, so wird die Oberflächenwelle durch das Vorhandensein der Flüssigkeit
gedämpft. Je mehr Flüssigkeit vorhanden ist, desto größer ist in der Regel die Dämpfung.
Der zweite gegenüberliegende (ebenfalls nicht gezeigte) Interdigitaltransducer dient
der Detektion der Oberflächenwelle, so dass die Dämpfung bestimmt werden kann.
[0049] Andererseits kann nach Erreichen der gewünschten Flüssigkeitsmenge mit Hilfe des
zweiten gezeigten Interdigitaltransducers 17 eine Oberflächenwelle in Richtung 25
auf die Flüssigkeitsmenge zu der definierten Fläche 5 geschickt werden. Durch Impulsübertrag
dieser Oberflächenwelle wird in analoger Weise wie oben für die Engstelle 7 beschrieben
die Flüssigkeitsmenge über die Engstelle 9 hinweg getrieben. Sie erreicht die Leiterbahn
3 durch ihre Bewegung in Richtung 26. Auf diese Weise lässt sich ein definiertes Flüssigkeitsvolumen
erzeugen. Gerade wenn die gewünschte Flüssigkeitsmenge sich auf dem Bereich 5 befindet,
wird mit Hilfe der zweiten Oberflächenwelle, die mit dem Interdigitaltransducer 17
erzeugt wird, genau diese Flüssigkeitsmenge aus dem Bereich 5 getrieben.
[0050] Die Ausführungsform der Figur 1 lässt also die genaue Definition kleinster Flüssigkeitsmengen
bei gleichzeitig planarer Oberfläche des Festkörpers zu. Durch lokales Beheizen, z.
B. mit einer Widerstandsheizung, die in den Figuren nicht gezeigt ist, oder mit Hilfe
einer Infrarotheizung, kann die Oberflächenspannung der Flüssigkeit abgesenkt werden,
so dass eine geringere Stärke der Oberflächenwelle notwendig ist, um die Engstelle
zu überwinden. Auf diese Weise kann auch das "Normvolumen" der definierten Fläche
5 in gewissen Grenzen eingestellt werden.
[0051] Nicht gezeigt ist jeweils eine mögliche Ankopplung der bevorzugten Aufenthaltsbereiche
z.B. mittels einer Engstelle einer "Leiterbahn" an ein mikrofluidisches System, in
dem verschiedene Funktionen eines "Lab-on-a-chip" realisiert sein oder verschiedene
Reaktionen stattfinden können. Über diese Engstelle lassen sich die gezeigten Teile
des bevorzugten Aufenthaltsbereiches befüllen. Die Engstelle muß ebenfalls eng genug
sein, so daß sie aufgrund ihrer Oberflächenspannung von der Flüssigkeit ohne Einwirkung
einer äußeren Kraft nicht überwunden wird. Durch äußere Impulseinwirkung, z.B. auch
durch eine Oberflächenwelle, kann der Flüssigkeitstropfen diese Engstelle überwinden
und auf die gezeigten Teile des bevorzugten Aufenthaltsbereiches gelangen.
[0052] Jenseits einer solchen Engstelle kann sich ein Reservoir befinden, das durch eine
größere Fläche mit den gleichen Benetzungseigenschaften wie die gezeigten Aufenthaltsbereiche
gebildet wird. Darauf kann eine größere Menge der Flüssigkeit gelagert werden. Durch
äußere Impulseinwirkung z.B. einer Oberflächenwelle kann aus diesem Reservoir eine
Flüssigkeitsmenge über die beschriebene Engstelle in die gezeigten Teile des Aufenthaltsbereiches
getrieben werden. Alternativ können die gezeigten Aufenthaltsbereiche auch z.B. mit
einer Pipette befüllt werden.
[0053] Mit einer Ausführungsform gemäß der Figur 2 können Flüssigkeitstropfen gezielt an
bestimmte Stellen auf der Oberfläche transportiert und dort abgelegt werden. Gezeigt
ist als besondere Ausführungsform eine schachbrettartige Anordnung. Vorgesehen ist
eine Anzahl von definierten Teilbereichen entsprechend dem Bereich 5 der Fig. 1a,
von denen einige exemplarisch mit 105 gekennzeichnet sind. Diese sind über Engstellen
107 bzw. 109 miteinander verbunden. Zur Zuführung dient eine "Leiterbahn" 100 mit
größerer Breite als die Breite der Engstellen. Die Bereiche 100, 105, 107, 109 haben
wiederum andere Benetzungseigenschaften als die umgebende Festkörperoberfläche, analog
der Ausführungsform der Figur 1.
[0054] Bei der gezeigten Ausführungsform sind Gruppen 115, 117 und 119 von Interdigitaltransducern
vorgesehen, die einzeln angesteuert werden können. Die einzelnen Transducer sind dabei
derart ausgerichtet, dass sich die Ausbreitungsrichtung jeweils entlang einer Reihe
von Engstellen 107 bzw. 109 befindet. Exemplarisch ist dies an dem interdigitalen
Transducer 120 mit der Ausbreitungsrichtung 118 gezeigt. Bei der gezeigten Ausführungsform
der Figur 2 stehen sich die Gruppen von interdigitalen Transducem 119 und 117 gegenüber.
Selbstverständlich kann auch auf der anderen Seite des schachbrettartigen Musters
gegenüber der Gruppe von Interdigitaltransducern 115 eine weitere Gruppe von Interdigitaltransducern
vorgesehen sein.
[0055] Eine bestimmte Flüssigkeitsmenge wird über die "Leiterbahn" 100 auf den definierten
Aufenthaltsbereich in der Figur 2 links oben eingebracht. Selbstverständlich können
auch entsprechende Leiterbahnen zu anderen definierten Bereichen 105 führen. Durch
den beschriebenen Effekt der Oberflächenspannung wird die Flüssigkeitsmenge daran
gehindert, durch die angrenzenden Engstellen in weitere Oberflächenbereiche 105 einzutreten.
Erst durch Erzeugen einer Oberflächenwelle durch Anlegen eines Wechselfeldes z. B.
an den interdigitalen Transducer 120 wird die Flüssigkeitsmenge in beschriebener Weise
über die benachbarte Engstelle hinweg in den nächsten Oberflächenbereich 105 "gepumpt".
Dabei gibt die Richtung 118 der Oberflächenwelle die Richtung vor. Auf diese Weise
kann durch entsprechendes Schalten der Interdigitaltransducer der Flüssigkeitstropfen
von einem Bereich 105 zum nächsten transportiert werden, bis er an der gewünschten
Stelle angelangt ist. Die einzelnen Engstellen werden dabei jeweils aufgrund des dort
herrschenden höheren Innendrucks auf Kosten der Flächen 105 entleert.
[0056] Die Flüssigkeit kommt dabei z. B. aus einem Reservoir, das aus einer Fläche besteht,
die Benetzungseigenschaften hat, wie die "Leiterbahnen", so dass sich die Flüssigkeit
bevorzugt dort aufhält. Dieser Bereich kann eine größere Fläche haben, um eine entsprechende
Menge an Flüssigkeit darauf zu speichern. Sie ist z. B. über die Leiterbahn 100 und/oder
eine entsprechende Engstelle an das System angeschlossen, die wiederum nur durch Beschallung
mit einer Oberflächenwelle von der Flüssigkeit überwunden werden kann.
[0057] Auf diese Weise kann ein Teilbereich mit definierter Fläche 105 nach der dem anderen
in Richtung der Oberflächenwelle 118 befüllt werden. Ist z. B. der letzte Aufenthaltsbereich
definierter Fläche einer Reihe gefüllt, wird wieder von vorne angefangen. Die Dämpfung
der Oberflächenwelle durch davor liegende Flüssigkeitstropfen verhindert, dass weiter
von der Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung entfernt liegende Tropfen zu stark
beeinflusst werden. Mit Hilfe der Interdigitaltransducer der Gruppe 115 können in
analoger Weise die Flüssigkeitstropfen in der Figur 2 vertikaler Richtung bewegt werden.
[0058] Mit Hilfe gegenüberliegender Transducer, beispielhaft durch den Transducer 116 bezüglich
des Transducers 120 gezeigt, können die Flüssigkeitstropfen wieder zurück bewegt werden.
[0059] Zusätzlich kann durch Transmissionsmessungen der Oberflächenwelle von einem Interdigitaltransducer
zu einem gegenüberliegendenen Interdigitaltransducer, beispielhaft der Transducer
120 und 116, bei kleinerer Amplitude auch noch gemessen werden, ob die einzelnen Flächen
105 mit Flüssigkeit befüllt sind oder nicht, da die Oberflächenwelle durch das Vorhandensein
der Flüssigkeit gedämpft wird. Die kleinere Amplitude wird gewählt, damit die Tröpfchen
ihren jeweiligen Aufenthaltsbereich 105 nicht durch die benachbarte Engstelle verlassen.
[0060] Selbstverständlich können sich z. B. in der Figur 2 an die untere Reihe der Flächen
105 wiederum Engstellen anschließen, die z. B. zu einer großen Fläche führen, die
ähnlich funktionalisiert ist, wie die Bereiche 105, 107, 109. Durch Einstrahlen einer
starken Oberflächenwelle mit Hilfe der Transducer der Gruppe 115 kann dann das Netzwerk
vollständig in diese große Fläche hinein entleert werden.
[0061] Mit Hilfe der erfindungsgemäßen Ausführungsform der Figur 2 ist z. B. eine "Microtiter
Plate" für nachfolgende Fluoreszenzanalysen realisierbar. Dabei werden Flüssigkeitstropfen
auf verschiedenen Flächen 105 z.B. einer Fluoreszenzanalyse unterzogen. Ebenso kann
vorgesehen sein, dass einzelne Flächen 105 mit einer Oberflächenbeschichtung funktionalisiert
sind, die zu einer Reaktion führen. Diese Reaktion findet dann lokal nur auf diesem
einzelnen Bereich statt und kann präzise untersucht werden.
[0062] Bei einer nicht gezeigten Ausführungsform ist anstelle der Gruppen von Interdigitaltransducern
115, 117, 119, jeweils ein getaperter Interdigitaltransducer vorgesehen, dessen Fingerabstand
entlang seiner Achse nicht konstant ist. Bei derartigen getapertem Interdigitaltransducern
lässt sich der Ort der Abstrahlung mit der Frequenz einstellen, da die Frequenz sich
als Quotient aus der konstanten Oberflächenwellengeschwindigkeit und der Wellenlänge
ergibt, die dem Fingerabstand entspricht. Durch Einstellen einer entsprechenden Frequenz
kann also ausgewählt werden, welche Gruppe von Engstellen, die sich in einer Linie
befinden, angesprochen werden soll.
[0063] Die einzelnen Ausführungsformen der Erfindung lassen sich selbstverständlich auch
kombinieren, um ein Gesamtsystem zu bilden. Ebenso können die einzelnen Elemente Teil
eines größeren Gesamtsystems ggf. auf einem einzigen Chip sein, das neben den erfindungsgemäßen
Ausführungsformen noch andere Mess- und Analyse- oder Synthesestationen im Sinne eines
"Lab-on-the-chip" aufweist. Gerade zur Bewegung und Positionierung von kleinen Flüssigkeitsmengen
auf derartigen integrierten Systemen sind die erfindungsgemäßen Vorrichtungen und
Verfahren besonders vorteilhaft einsetzbar. Die gesamte Struktur lässt sich mit bekannten
lithographischen Verfahren sehr einfach herstellen und mit anderen Elementen auf einen
Chip integrieren, die z. B. zum Transport oder zur Analyse von kleinen Materiemengen
vorgesehen sind.
1. Vorrichtung zur Manipulation kleiner Flüssigkeitsmengen auf einer Festkörperoberfläche
mit
- einem Festkörpersubstrat mit einer Oberfläche (29)
- mindestens einem Aufenthaltsbereich (1, 3, 5, 7, 9, 100, 105, 107, 109) auf der
Festkörperoberfläche (29), der andere Benetzungseigenschaften aufweist als die umgebende
Festkörperoberfläche und dessen Material derart ausgewählt ist, daß sich die zu manipulierende
Flüssigkeit (27) bevorzugt auf dem Aufenthaltsbereich aufhält, wobei wenigstens einer
der Aufenthaltsbereiche zumindest eine Engstelle (7, 9, 107, 109) umfaßt, die eine
minimale Breite (8) aufweist, die kleiner ist als die Breite (2) der benachbarten
Teile des Aufenthaltsbereiches, und die von der Flüssigkeit (27) aufgrund ihrer Oberflächenspannung
ohne zusätzliche äußere Krafteinwirkung nicht überwunden werden kann ohne den Aufenthaltsbereich
(1, 3, 5, 7, 9, 100, 105, 107, 109) zumindest teilweise zu verlassen, und
- mindestens einer Einrichtung (11, 17, 116, 120) zur Erzeugung einer äu-ßeren Kraft
mit einer Komponente in Richtung der mindestens einen Engstelle, die so stark ist,
dass die Flüssigkeitsmenge die Engstelle überwinden kann.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, mit einer Einrichtung zur Ansteuerung der Einrichtung
(11, 17, 116, 120) zur Erzeugung einer äußeren Kraft, die durch Software programmiert
werden kann.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1, bei der die Modulation der Benetzungseigenschaften durch
mindestens einen hydrophoben und mindestens einen im Vergleich dazu hydrophilen bzw.
mindestens einen lipophoben und mindestens einen im Vergleich dazu lipophilen Bereich
realisiert ist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, bei der der mindestens eine hydrophile und der mindestens
eine hydrophobe bzw. der mindestens eine lipophile und der mindestens eine lipophobe
Bereich lithographisch definiert sind.
5. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, bei dem die Bereiche unterschiedlicher
Benetzungseigenschaften durch lateral mikro- oder nanostrukturierte Bereiche definiert
sind.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, bei der die Bereiche unterschiedlicher
Benetzungseigenschaften durch entsprechende Funktionalisierung und/oder Beschichtung
definiert sind.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, bei der die Breite (2) in einer Raumrichtung
des mindestens einen Aufenthaltsbereiches (1, 3, 5, 100, 105) außerhalb einer Engstelle
(7, 9, 107, 109) maximal einige Millimeter beträgt und die Breite (8) einer Engstelle
(7, 9, 107, 109) kleiner ist als die Hälfte der Breite (2) des mindestens einen Aufenthaltsbereiches
außerhalb der Engstelle.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, bei der die Breite (2) in einer Raumrichtung
des mindestens einen Aufenthaltsbereiches (1, 3, 5, 100, 105) außerhalb einer Engstelle
(7, 9, 107, 109) minimal einige Nanometer beträgt und die Breite (8) einer Engstelle
(7, 9, 107, 109) kleiner ist als die Hälfte der Breite (2) des mindestens einen Aufenthaltsbereiches
außerhalb der Engstelle.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, bei der zumindest eine Teilfläche (5,
105) des mindestens einen Aufenthaltsbereiches nur über mindestens eine Engstelle
(7, 9, 107, 109) mit anderen Teilen (1, 3) des Aufenthaltsbereiches (1, 3) verbunden
ist und eine definierte Fläche aufweist.
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, mit zumindest zwei Engstellen (7, 9, 107, 109), die mit
der definierten Teilfläche (5, 105) des Aufenthaltsbereiches verbunden sind, deren
Ausrichtung nicht parallel ist.
11. Vorrichtung nach Anspruch 10, bei der mindestens zweien der Engstellen (7, 9, 107,
109) zumindest jeweils eine Einrichtung (11, 17, 116, 120) zur Erzeugung einer äußeren
Kraft im wesentlichen in Richtung der jeweils zugeordneten Engstelle (7, 9) zugeordnet
ist.
12. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 10 oder 11, bei der die Ausrichtung der nicht-parallelen
Engstellen (7, 9, 107, 109) senkrecht zueinander ist.
13. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 9 bis 12, bei der die Teilfläche (5, 105) definierter
Fläche des Aufenthaltsbereiches im wesentlichen rund ist.
14. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 13 mit mindestens einem Aufenthaltsbereich
mit einer Vielzahl von Teilflächen (105), die über eine Vielzahl von Engstellen (107,
109) in Art eines Netzwerkes miteinander verbunden sind.
15. Vorrichtung nach Anspruch 14 mit zumindest einer ersten Einrichtung (120) zur Erzeugung
einer äußeren Kraft entlang derjenigen Engstellen, die sich entlang einer Geraden
befinden.
16. Vorrichtung nach Anspruch 15 mit zumindest einer zweiten Einrichtung (116) zur Erzeugung
einer äußeren Kraft entgegen der Richtung der äußeren Kraft, die mit der ersten Einrichtung
(120) zur Erzeugung einer äußeren Kraft erzeugt werden kann.
17. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 16, bei der die mindestens eine Einrichtung
(11, 17, 116, 120) zur Erzeugung einer äußeren Kraft eine Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung
umfaßt.
18. Vorrichtung nach Anspruch 17, die mindestens einen Interdigitaltransducer (11, 17,
116, 120) als Oberflächenwellenerzeugungseinrichtung umfasst.
19. Vorrichtung nach Anspruch 18, bei der zur Oberflächenwellenerzeugung mindestens ein
Interdigitaltransducer mit nicht-konstantem Fingerabstand vorgesehen ist.
20. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 19, die zur Oberflächenwellenerzeugung
ein piezoelektrisches Festkörpersubstrat bzw. ein Substrat mit mindestens einem piezoelektrischen
Bereich umfaßt.
21. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 20, bei der die mindestens eine Einrichtung
zur Erzeugung einer äußeren Kraft eine Heizeinrichtung, vorzugsweise eine Widerstandsheizung,
umfaßt.
22. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 21, bei der die mindestens eine Einrichtung
zur Erzeugung einer äußeren Kraft mindestens eine mikromechanische Pumpe umfaßt.
23. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 22, bei der die mindestens eine Einrichtung
zur Erzeugung einer äußeren Kraft mindestens eine piezoelektrische Pumpe umfaßt.
24. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 23, bei der die mindestens eine Einrichtung
zur Erzeugung einer äußeren Kraft mindestens eine Elektrode umfaßt.
25. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 24, mit mindestens einer Einrichtung zur
Änderung der Temperatur.
26. Verfahren zur Manipulation kleiner Flüssigkeitsmengen auf einer Festkörperoberfläche
unter Verwendung einer Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 1-25, bei dem eine Flüssigkeitsmenge
(27), die sich auf einer Teilfläche (1, 3, 5, 105) eines durch Modulation der Benetzungseigenschaften
erzeugten Aufenthaltsbereiches der Festkörperoberfläche befindet, durch Impulsübertrag
einer äußeren Kraft entlang einer Engstelle (7, 9, 107, 109) des Aufenthaltsbereiches
bewegt wird, die sich in Verbindung mit der Teilfläche befindet und ohne Impulseinwirkung
einer äußeren Kraft aufgrund der Oberflächenspannung der Flüssigkeit (27) nicht von
dieser passiert werden würde.
27. Verfahren zur Erzeugung einer definierten Flüssigkeitsmenge, bei dem unter Einsatz
eines Verfahrens nach Anspruch 26 eine Flüssigkeitsmenge in eine Teilfläche (5) eines
durch Modulation der Benetzungseigenschaften erzeugten Aufenthaltsbereiches (1, 3,
5, 7, 9) bewegt wird, die eine definierte Fläche aufweist und nur über Engstellen
(7, 9) mit dem restlichen Aufenthaltsbereich (1, 3) auf der Festkörperoberfläche verbunden
ist.
28. Verfahren nach Anspruch 27, bei dem die Menge der Flüssigkeit in der Teilfläche (5)
des Aufenthaltsbereiches mit definierter Fläche durch die Dämpfung einer Oberflächenwelle
detektiert wird, die die Festkörperoberfläche im Bereich der Teilfläche (5) definierter
Fläche durchläuft.
29. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 oder 28, bei dem die Teilfläche (5) definierter
Fläche durch Impulsübertrag einer äußeren Kraft entleert wird.
30. Verfahren nach einem der Ansprüche 27 bis 29, bei dem durch Einstellung der äußeren
thermodynamischen Parameter, vorzugsweise Druck und/oder Temperatur, das durch die
Oberflächenspannung und den Innendruck der Flüssigkeitsmenge (27) bestimmte Volumen
der Flüssigkeitsmenge auf der Teilfläche (5) des Aufenthaltsbereiches mit definierter
Fläche variiert werden kann.
31. Verfahren nach Anspruch 30, bei dem die Temperatur über eine Heizeinrichtung auf der
Festkörperoberfläche verändert wird.
32. Verfahren nach einem der Ansprüche 26 bis 31, bei dem zur Erzeugung der äußeren Kraft
Oberflächenwellen eingesetzt werden.
1. A device for manipulating small quantities of liquid on a solid body surface with
- a solid body substrate with a surface (29)
- at least one holding area (1, 3, 5, 7, 9, 100, 105, 107, 109) on the solid body
surface (29), which has wetting properties other than the surrounding solid body surface
and whose material is such that the liquid to be manipulated (27) preferably stays
on the holding area, whereby at least one of the holding areas comprises at least
one constriction zone (7, 9, 107, 109) of minimal width (8) which is less than the
width (2) of the adjacent parts of the holding area, and which cannot be overcome
by the liquid (27) due to its surface tension without the additional effect of an
external force, without at least partly leaving the holding area (1, 3, 5, 7, 9, 100,
105, 107, 109), and
- at least one device (11, 17, 116, 120) for generating an external force with a component
in the direction of the least one constriction zone which has a strength such that
the quantity of liquid can overcome the constriction zone.
2. The device as claimed in Claim 1, with a device for controlling the device (11, 17,
116, 120) for generating an external force which can be programmed by software.
3. The device as claimed in Claim 1, wherein the modulation of the wetting properties
is realised by at least one hydrophobic and at least one comparatively hydrophilic
or at least one lipophobic and at least one comparatively lipophilic area.
4. The device as claimed in Claim 3, wherein the at least one hydrophilic and the at
least one hydrophobic or the at least one lipophilic and the at least one lipophobic
area are defined lithographically.
5. The device as claimed in any one of Claims 1 to 4, wherein the areas of varying wetting
properties are defined by laterally micro- or nanostructured areas.
6. The device as claimed in any one of Claims 1 to 5, wherein the areas of varying wetting
properties are defined by corresponding functionalising and/or coating.
7. The device as claimed in any one of Claims 1 to 6, wherein the width (2) in a spatial
direction of the at least one holding area (1, 3, 5, 100, 105) outside a constriction
zone (7 ,9, 107, 109,) is a few millimetres maximum and the width (8) of a constriction
zone (7, 9, 107, 109) is less than half the width (2) of the at least one holding
area outside the constriction zone.
8. The device as claimed in any one of Claims 1 to 7, wherein the width (2) in a spatial
direction of the at least one holding area (1, 3, 5, 100, 105) outside a constriction
zone (7, 9, 107, 109) is a few nanometres minimum and the width (8) of a constriction
zone (7, 9, 107, 109) is less than half the width (2) of the at least one holding
area outside the constriction zone.
9. The device as claimed in any one of Claims 1 to 8, wherein at least one partial area
(5, 105) of the at least one holding area is connected via at least only one constriction
zone (7, 9, 107, 109) to other parts (1, 3) of the holding area (1, 3) and has a defined
surface area.
10. The device as claimed in Claim 9, with at least two constriction zones (7, 9, 107,
109) which are connected to the defined partial area (5, 105) of the holding area,
whose alignment is not parallel.
11. The device as claimed in Claim 10, wherein at least two of the constriction zones
(7, 9, 107, 109) are each assigned at least one device (11, 17, 116, 120) for generating
an external force substantially in the direction of each assigned constriction zone
(7, 9).
12. The device as claimed in any one of Claims 10 or 11, wherein the alignment of the
non-parallel constriction zones (7, 9, 107, 109) is vertical to eachother.
13. The device as claimed in any one of Claims 9 to 12, wherein the partial area (5, 105)
of defined surface area of the holding area is essentially round.
14. The device as claimed in any one of Claims 1 to 13, with at least one holding area
with a plurality of partial areas (105) which are connected to one another via a plurality
of constriction zones (107, 109) in the manner of a network.
15. The device as claimed in Claim 14, with at least one first device (120) for generating
an external force along those constriction zones which are situated along a straight
line.
16. The device as claimed in Claim 15, with at least one second device (116) for generating
an external force against the direction of the external force which can be generated
with the first device (120) for generating an external force.
17. The device as claimed in any one of Claims 1 to 16, wherein at least one device (11,
17, 116, 120) for generating an external force comprises a surface wave generation
device.
18. The device as claimed in Claim 17, which comprises at least one interdigital transducer
(11, 17, 116, 120) as a surface wave generation device.
19. The device as claimed in Claim 18, wherein at least one interdigital transducer with
non-constant finger distance is provided for surface wave generation.
20. The device as claimed in any one of Claims 1 to 19, which comprises a piezoelectric
solid body substrate or a substrate with at least one piezoelectric area for generating
surface waves.
21. The device as claimed in any one of Claims 1 to 20, wherein the at least one device
for generating an external force comprises a heating unit, preferably a resistance
heating unit,.
22. The device as claimed in any one of Claims 1 to 21, wherein the at least one device
for generating an external force comprises at least one micromechanical pump.
23. The device as claimed in any one of Claims 1 to 22, wherein the at least one device
for generating an external force comprises at least one piezoelectric pump.
24. The device as claimed in any one of Claims 1 to 23, wherein the at least one device
for generating an external force comprises at least one electrode.
25. The device as claimed in any one of Claims 1 to 24, with at least one device for altering
the temperature.
26. A method for manipulating small quantities of liquid on a solid body surface using
a device as claimed in one of Claims 1 to 25, wherein a quantity of liquid (27) which
is situated on a partial area (1, 3, 5, 105) of a holding area generated by a modulation
of the wetting properties on the solid body surface, is moved via momentum transfer
of an external force along a constriction zone (7, 9, 107, 109) of the holding area
which is connected to the partial area and which, without the momentum transfer of
an external force due to the surface tension of the liquid (27), would not be passed
through by the latter.
27. A method for generating a defined quantity of liquid, wherein by means of a method
as claimed in Claim 26 a quantity of liquid is moved into a partial area (5) of a
holding area (1, 3, 5, 7, 9) generated by modulation of the wetting properties which
has a defined surface area and is connected only via constriction zones (7, 9) to
the remaining holding area (1, 3) on the solid body surface.
28. The method as claimed in Claim 27, wherein the quantity of liquid in the partial area
(5) of the holding area of defined surface area is detected by attenuation of a surface
wave which passes through the solid body surface in the vicinity of the partial area
(5) of defined surface area.
29. The method as claimed in any one of Claims 27 or 28, wherein the partial area (5)
of defined surface area is emptied by momentum transfer of an external force.
30. The method claimed in any one of Claims 27 to 29, wherein with adjustment of the external
thermodynamic parameters, preferably pressure and/or temperature, the volume of the
quantity of liquid determined by the surface tension and the internal pressure of
the quantity of liquid (27) can be varied on the partial area (5) of the holding area
of defined surface area.
31. The method as claimed in Claim 30, wherein the temperature on the solid body surface
is changed by means of a heating unit.
32. The method as claimed in any one of Claims 26 to 31, wherein surface waves are used
for generating the external force.
1. Dispositif pour manipuler de petites quantités de liquide sur une surface de solide,
avec
- un substrat de solide avec une surface (29)
- au moins une zone de séjour (1,3, 5, 7, 9, 100, 105, 107, 109) sur la surface du
solide (29), qui présente des propriétés de mouillage autres que celles de la surface
du solide environnante et dont la matière est choisie de sorte à ce que le liquide
(27) à manipuler séjourne de préférence sur la zone de séjour, au moins l'une des
zones de séjour comprenant au moins un emplacement étroit (7, 9, 107, 109), qui présente
une largeur (8) minimale, qui est inférieure à la largeur (2) des parties voisines
de la zone de séjour, et qui ne peut être franchi par le liquide (27) du fait de sa
tension superficielle sans l'effet supplémentaire d'une force externe, sans quitter
au moins partiellement la zone de séjour (1, 3, 5, 7, 9, 100, 105, 107, 109), et
- au moins un dispositif (11, 17, 116, 120) pour produire une force externe avec une
composante dans la direction dudit au moins un emplacement étroit, qui est tellement
intense que la quantité de liquide peut franchir l'emplacement étroit.
2. Dispositif selon la revendication 1, avec un dispositif pour commander le dispositif
(11, 17, 116, 120) pour produire une force externe, qui peut être programmé au moyen
d'un logiciel.
3. Dispositif selon la revendication 1, dans lequel la modulation des propriétés de mouillage
est réalisée par au moins une zone hydrophobe et au moins une zone comparativement
hydrophile ou au moins une zone lipophobe et au moins une zone comparativement lipophile.
4. Dispositif selon la revendication 3, dans lequel ladite au moins une zone hydrophile
et ladite au moins une zone hydrophobe, ou ladite au moins une zone lipophile et ladite
au moins une zone lipophobe, sont définies par lithographie.
5. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 4, dans lequel les zones
de propriétés de mouillage différentes sont définies par des zones latéralement microstructurées
ou nanostructurées.
6. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 5, dans lequel les zones
de propriétés de mouillage différentes sont définies par une fonctionnalisation et/ou
un revêtement, appropriés.
7. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 6, dans lequel la largeur
(2) dans une direction spatiale de ladite au moins une zone de séjour (1, 3, 5, 100,
105) en dehors d'un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) est au maximum de quelques
millimètres et la largeur (8) d'un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) est inférieure
à la moitié de la largeur (2) de ladite au moins une zone de séjour en dehors de l'emplacement
étroit.
8. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 7, dans lequel la largeur
(2) dans une direction spatiale de ladite au moins une zone de séjour (1, 3, 5, 100,
105) en dehors d'un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) est au minimum de quelques
nanomètres et la largeur (8) d'un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) est inférieure
à la moitié de la largeur (2) de ladite au moins une zone de séjour en dehors de l'emplacement
étroit.
9. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 8, dans lequel au moins une
surface partielle (5, 105) de ladite au moins une zone de séjour est reliée seulement
par l'intermédiaire d'au moins un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) à d'autres parties
(1, 3) de la zone de séjour (1, 3) et présente une surface définie.
10. Dispositif selon la revendication 9, ayant au moins deux emplacements étroits (7,
9, 107, 109), qui sont reliés à la surface partielle définie (5, 105) de la zone de
séjour, dont l'orientation n'est pas parallèle.
11. Dispositif selon la revendication 10, dans lequel au moins à chaque fois un dispositif
(11, 17, 116, 120) pour produire une force externe essentiellement dans la direction
de l'emplacement étroit respectivement associé (7, 9) est associé à au moins deux
des emplacements étroits (7, 9, 107, 109).
12. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 10 ou 11, dans lequel l'orientation
des emplacements étroits non parallèles (7, 9, 107, 109) est perpendiculaire l'une
à l'autre.
13. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 9 à 12, dans lequel la surface
partielle (5, 105) de surface définie de la zone de séjour, est essentiellement ronde.
14. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 13, ayant au moins une zone
de séjour avec une pluralité de surfaces partielles (105), qui sont reliées les unes
aux autres par l'intermédiaire d'une pluralité d'emplacements étroits (107, 109) à
la façon d'un réseau.
15. Dispositif selon la revendication 14, ayant au moins un premier dispositif (120) pour
produire une force externe le long des emplacements étroits qui se trouvent le long
d'une droite.
16. Dispositif selon la revendication 15, ayant au moins un deuxième dispositif (116)
pour produire une force externe contre la direction de la force externe qui peut être
produite par le premier dispositif (120) pour produire une force externe.
17. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 16, dans lequel ledit au
moins un dispositif (11, 17, 116, 120) pour produire une force externe comprend un
dispositif de production d'ondes de surface.
18. Dispositif selon la revendication 17, qui comprend au moins un transducteur interdigité
(11, 17, 116, 120) en tant que dispositif de production d'ondes de surface.
19. Dispositif selon la revendication 18, dans lequel au moins un transducteur interdigité
ayant une distance non constante entre les doigts, est prévu pour la production d'ondes
de surface.
20. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 19, qui comprend un substrat
de solide piézoélectrique pour produire des ondes de surface, ou bien un substrat
avec au moins une zone piézoélectrique.
21. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 20, dans lequel ladite au
moins un dispositif pour produire une force externe, comprend un dispositif de chauffage,
de préférence un chauffage à résistance.
22. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 21, dans lequel ledit au
moins un dispositif pour produire une force externe comprend au moins une pompe micromécanique.
23. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 22, dans lequel ledit au
moins un dispositif pour produire une force externe comprend au moins une pompe piézoélectrique.
24. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 23, dans lequel ledit au
moins dispositif pour produire une force externe comprend au moins une électrode.
25. Dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 24, ayant au moins un dispositif
pour modifier la température.
26. Procédé pour manipuler de petites quantités de liquide sur une surface de solide,
en employant un dispositif selon l'une quelconque des revendications 1 à 25, dans
lequel une quantité de liquide (27), qui se trouve sur une surface partielle (1, 3,
5, 105) d'une zone de séjour de la surface du solide, produite par modulation des
propriétés de mouillage, est déplacée au moyen d'une transmission d'impulsion d'une
force externe le long d'un emplacement étroit (7, 9, 107, 109) de la zone de séjour,
qui se trouve en liaison avec la surface partielle et qui, sans l'effet d'impulsion
d'une force externe, du fait de la tension superficielle du liquide (27), ne serait
pas traversée par celui-ci.
27. Procédé pour produire une quantité de liquide définie, dans lequel, en mettant en
oeuvre un procédé selon la revendication 26, une quantité de liquide est déplacée
dans une surface partielle (5) d'une zone de séjour (1, 3, 5, 7, 9) produite par modulation
des propriétés de mouillage, qui présente une surface définie et qui est seulement
reliée à la zone de séjour restante (1, 3) sur la surface du solide par l'intermédiaire
d'emplacements étroits (7, 9).
28. Procédé selon la revendication 27, dans lequel la quantité du liquide dans la surface
partielle (5) de la zone de séjour ayant une surface définie, est détectée par l'amortissement
d'une onde de surface, qui traverse la surface du solide dans la zone de la surface
partielle (5) d'une surface définie.
29. Procédé selon l'une quelconque des revendications 27 ou 28, dans lequel la surface
partielle (5) de surface définie est vidée par transmission d'impulsion d'une force
externe.
30. Procédé selon l'une quelconque des revendications 27 à 29, dans lequel à l'aide d'un
ajustement des paramètres thermodynamiques externes, de préférence la pression et/ou
la température, il est possible de faire varier le volume de la quantité de liquide,
déterminé par la tension superficielle et la pression interne de la quantité de liquide
(27) sur la surface partielle (5) de la zone de séjour ayant une surface définie.
31. Procédé selon la revendication 30, dans lequel la température est modifiée par un
dispositif de chauffage sur la surface du solide.
32. Procédé selon l'une quelconque des revendications 26 à 31, dans lequel des ondes de
surface sont mises en oeuvre pour produire la force externe.

