(19)
(11) EP 1 347 091 A1

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
24.09.2003  Patentblatt  2003/39

(21) Anmeldenummer: 02006174.3

(22) Anmeldetag:  19.03.2002
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7D06P 1/651, D06P 1/613, C07C 69/76
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE CH CY DE DK ES FI FR GB GR IE IT LI LU MC NL PT SE TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO SI

(71) Anmelder: Dr. Th. Böhme KG Chem. Fabrik GmbH & Co.
82538 Geretsried (DE)

(72) Erfinder:
  • Runge, Andreas, Dr.
    82515 Wolfratshausen (DE)
  • Höhn, Wolfgang
    82515 Wolfratshausen (DE)
  • Weich, Gerhard
    83671 Benediktbeuern (DE)
  • Franz, Petra
    82549 Königsdorf (DE)

(74) Vertreter: Störle, Christian, Dr. et al
Geyer, Fehners & Partner, Perhamerstrasse 31
80687 München
80687 München (DE)

   


(54) Färbereihilfsmittel


(57) Es wird eine als Färbereihilfsmittel geeignete Zusammensetzung beschrieben, umfassend

(a) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und C2-C12-Diol und

(b) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, NH2 und/oder NO2 substituiertem oder unsubstituiertem Phenol, das mit 0,5 bis 6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.


Des weiteren betrifft die Anmeldung den Ester (b).


Beschreibung


[0001] Die Erfindung bezieht sich auf eine als Färbereihilfsmittel, insbesondere Egalisiermittel, geeignete Zusammensetzung, deren Verwendung dazu und eine Verbindung, die als Komponente des Färbereihilfsmittels eingesetzt werden kann.

[0002] Beim Färben insbesondere von Polyester-Fasermaterialien, wie Polyethylenterephthalat (PET), mit Dispersionsfarbstoffen werden dem Färbebad in der Regel Hilfsmittel (Färbereihilfsmittel) zugesetzt, um z.B. eine gleichmäßige Verteilung der Farbstoffe in Textilien zu fördern (Egalisiermittel). Bei solchen Färbereihilfsmitteln handelt es sich im allgemeinen um Zusammensetzungen, die nichtionogene und anionaktive Dispergiermittel, nichtionogene, emulgierende Tenside und quellende Substanzen enthalten.

[0003] Durch den Einsatz von nichtionogenen und anionaktiven Dispergiermitteln werden Farbstoffabscheidungen auf der Ware vermieden. Die emulgierenden nichtionogenen Tenside sind sowohl für das Emulgieren der wasserunlöslichen Produktanteile als auch für das gleichmäßige Aufziehen der Farbstoffe auf die Faser verantwortlich. Große Bedeutung besitzen die quellenden Substanzen insbesondere hinsichtlich Migration, Diffusionsbeschleunigung, Migrierwirkung, Synchronisierwirkung und Affinitätsdifferenzen.

[0004] Als quellende Substanzen werden unter anderem Kresotinsäuremethylester, Salicylsäuremethylester, Phthalsäurealkylester, N-Alkylphthalimide sowie Benzoesäuremethylester und Benzoesäureester mit zwei- oder mehrwertigen Alkoholen eingesetzt. Letztere Benzoesäureester sind beispielsweise in DE 32 46 383 A1 und US-A-4,516,979 beschrieben. Dabei werden aliphatische Dialkohole, Glycerin und Pentaerythrit als mehrwertige Alkohole eingesetzt. Allerdings weisen vorgenannte Produkte die gravierenden Nachteile auf, daß sie entweder potentiell teratogen (Phthalsäureester) oder aber geruchsintensiv bzw. wenig wirksam sind.

[0005] Der vorliegenden Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, eine als Färbereihilfsmittel geeignete Zusammensetzung bereitzustellen, die die vorgenannten Nachteile nicht aufweist.

[0006] Erfindungsgemäß wird dies durch eine Zusammensetzung erreicht, umfassend

(a) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, insbesondere etwa 30 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, wie F, Cl oder Br, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und C2-C12-Diol und

(b) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, insbesondere etwa 30 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, wie F, Cl oder Br, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, wie F, Cl oder Br, NH2 und/oder NO2 substituiertem oder unsubstituiertem Phenol, das mit 0,5 bis 6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.



[0007] Die vorliegende Erfindung basiert auf der vollkommen überraschenden Erkenntnis, daß der Zusatz des Benzoesäureesters (b) die Wirkung der Benzoesäureester (a) deutlich steigert und somit bei gleichzeitiger Geruchsarmut sehr starke Egalisier- und Migriereffekte ermöglicht, wie sie bisher unter den geruchsarmen Typen nur von den Phthalsäureestern bekannt waren. Im Gegensatz zu den potentiell teratogenen Phthalsäureestern weisen die Benzoesäureester (a) und (b) nach derzeitigem Kenntnisstand allerdings keine fortpflanzungsbeeinträchtigende Wirkung auf.

[0008] Die erfindungsgemäße Zusammensetzung bewirkt, daß der Farbstoff sehr gut und sehr schnell in die Faser eindringen und innerhalb der Faser diffundieren kann (Migration). Es resultiert eine sehr gute Farbstoffausbeute (Diffusionsbeschleunigung) und, bedingt durch die verstärkte intrafibrilläre Farbstoffwanderung (Migrierwirkung), eine hervorragend egale Färbung.

[0009] Weiterhin wird bereits während der Aufheiz- und Absorptionsphase das synchrone Diffundieren von Dispersfarbstoffen, auch mit unterschiedlichem Diffusionskoeffizienten, ermöglicht (Synchrononisierwirkung), was einer egalen Färbung zu Gute kommt.

[0010] Bei der Verwendung der erfindungsgemäßen Zusammensetzung mit ausgeprägten quellenden und somit auch migrationsfördernden Eigenschaften ist es insbesondere auch möglich, extrem unegal gefärbte Partien nachträglich, gewissermaßen durch eine Blindfärbung mit Produkteinsatz, auszugleichen.

[0011] Eine weitere Besonderheit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung ist der Ausgleich bzw zumindest die Abschwächung materialbedingter, d.h. fasermorphologiebedingter Anfärbeunterschiede (Affinitätsdifferenzen), auch bei großmolekularen und sogenannte "high energy" Farbstoffen.

[0012] Schließlich ermöglicht der Lösemittelcharakter der in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung vorliegenden Ester (a) und (b), insbesondere in Kombination mit der emulgierenden Wirkung von Nichtiontensiden, auch ein Rohfärben diverser Bearbeitungszustände ohne separate Zusätze.

[0013] Wie vorstehend ausgeführt, kann als Säurekomponente der vorgenannten Benzoesäureester unsubstituierte oder substituierte Benzoesäure eingesetzt werden. Dabei kann die Benzoesäure 1 oder mehrere, z.B. 2 oder 3, der vorgenannten Substituenten aufweisen. Diese können in o-, p- und m-Position, bezogen auf die Carboxylgruppe, angeordnet sein.

[0014] Die Alkoholkomponente des Benzoesäureesters (a) ist ein C2-C12-Diol. Dabei handelt es sich um aliphatische oder alicyclische Verbindungen, die zwei Hydroxy-Gruppen im Molekül enthalten. Im Sinne der vorliegenden Erfindung umfassen Diole auch Etheralkohole, also Verbindungen mit zwei Hydroxy-Gruppen, die zusätzlich 1 oder mehrere Ether-Funktion(en) aufweisen. Beispiele der C2-C12-Diole sind Glykol, Diethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol und Butandiol. Besonders bevorzugt ist Diethylenglykol, da dadurch eine besonders gute Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung hinsichtlich ihrer Eigenschaften als Färbereihilfsmittel erreicht wird.

[0015] In einer bevorzugten Ausführungsform der erfindungsgemäßen Zusammensetzung beträgt der Veresterungsgrad des Benzoesäureesters (a) 1,8-2,0 Mol Säure pro Mol Diol. Dadurch wird in günstiger Weise ein besonders hoher Aromatenanteil erhalten, der sich vorteilhaft auf die Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Färbereihilfsmittel auswirkt. Des weiteren ist, wenn überhaupt, nur noch ein sehr geringer Restgehalt an freier Säure vorhanden, wodurch die durch Säuren verursachten Gefahren minimiert werden.

[0016] Für den Ester (b) wird die vorstehend näher definierte unsubstituierte oder substituierte Benzoesäure eingesetzt. Als Alkoholkomponente für den Ester (b) wird eine durch Umsetzung von Phenol mit Alkylenoxid erhältliche Verbindung eingesetzt. Bei dieser Umsetzung reagiert das Alkylenoxid mit OH-Gruppen des Phenols, wodurch neue auf das Alkylenoxid zurückgehende OH-Gruppen entstehen. An diese erfolgt die Bindung der Benzoesäure. Das Phenol kann 1 oder mehrere, beispielsweise 2 oder 3, OH-Gruppen enthalten. Im Fall mehrerer OH-Gruppen am Phenol kann entweder nur 1 OH-Gruppe oder es können alle OH-Gruppen mit dem Alkylenoxid umgesetzt worden sein. Das Phenol kann unsubstituiert oder wie vorstehend substituiert sein. Es kann 1 oder mehrere, z.B. 2 oder 3, Substituenten aufweisen. Die Substituenten können sich in o-, p- und m-Position, bezogen auf die OH-Gruppe, befinden.

[0017] Das Phenol wurde, bevor die Esterbildung mit der substituierten oder unsubstituierten Benzoesäure erfolgt, mit 0,5-6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt. Unter einem Alkylenoxid werden Oxirane verstanden, d.h. gesättigte dreigliedrige, ein Sauerstoff-Atom enthaltende heterocyclische Verbindungen. Sie können 2 bis 6 Kohlenstoffatome aufweisen. Beispiele der Alkylenoxide sind Ethylenoxid (EO), Propylenoxid und Butylenoxid. Es können auch Gemische von 2 oder mehreren Alkylenoxiden zur Umsetzung mit dem Phenol eingesetzt werden.

[0018] Wie vorstehend ausgeführt, ist das Phenol mit 0,5-6 Mol von einem Alkylenoxid abgeleiteten Einheiten pro Mol OH belegt. Besonders bevorzugt sind 0,5-1,5 Mol Alkylenoxid, insbesondere 1,2 Mol Alkylenoxid. Durch diese Mengen des Alkylenoxids wird eine besonders gute Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Färbereihilfsmittel erreicht. Insbesondere weist das Mittel einen hohen Aromatenanteil auf, wodurch eine besonders vorteilhafte Wechselwirkung mit Polyesterfäden erreicht wird.

[0019] In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung beträgt der Veresterungsgrad des Benzoesäureesters (b) 0,3-1,0, besonders bevorzugt 0,5-0,8 Mol Säure pro Mol Alkoholkomponente. Durch diesen Veresterungsgrad wird ein hoher Aromatenanteil und dadurch eine besonders gute Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Färbereihilfsmittel erreicht. Des weiteren wird der Restgehalt an freier Säure minimiert, wodurch die durch die ätzenden Eigenschaften einer Säure resultierenden Gefahren ebenfalls vermindert werden.

[0020] Die in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung vorliegenden Ester können in üblicher Weise hergestellt werden, beispielsweise durch Umsetzen der Alkoholkomponenten mit den Benzoesäure-Komponenten, beispielsweise durch saure Katalyse bei erhöhten Temperaturen, z.B. 120-130°C. Die Herstellung der beiden Ester-Komponenten (a) und (b) für die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann in 1 Reaktionsgefäß erfolgen, in dem die Benzoesäure-Komponenten und die beiden Alkoholkomponenten in entsprechenden Mengenverhältnissen zusammengegeben werden. Auf diese Weise sind die für die erfindungsgemäße Zusammensetzung erforderlichen Benzoesäureester (a) und (b) in besonders einfacher Weise erhältlich, was hinsichtlich des kommerziellen Standpunkts vorteilhaft ist.

[0021] Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann zusätzlich zu den vorstehend beschriebenen Bestandteilen nichtionogene Emulgatoren, anionische Emulgatoren, Stellmittel und Gemische von zwei oder mehreren davon aufweisen. Als nichtionogener Emulgator können Fettsäureethoxylate und/oder ethoxylierte pflanzliche bzw. tierische Fette bzw. Öle eingesetzt werden. Bei den Fettsäureethoxylaten sind ungesättigte Fettsäuren mit Kettenlängen C12-C22, belegt mit beispielsweise 4-12 Mol Alkylenoxid, insbesondere Ethylenoxid, bevorzugt. Ein besonders bevorzugter Vertreter davon ist Ölsäure mit 4-8 Mol Ethylenoxid. Bei den Ölen wird ein ethoxyliertes Rizinusöl, belegt mit 30-60 Mol Ethylenoxid, vorzugsweise eingesetzt. Durch diese Verbindungen wird eine besonders gute Emulgierung erreicht. Als anionischer Emulgator kommen C1-C20 Alkylbenzolsulfonsäuren, insbesondere Dodecylbenzolsulfonsäure, und/oder phosphatierte Fettalkoholethoxylate (C6-C16 Alkylkettenlänge, 2-12 Mol Ethylenoxid) günstigerweise zum Einsatz. Durch diese wird eine sehr gute Emulgierung erreicht. Wird eine C1-C20 Alkylbenzolsulfonsäure eingesetzt, beträgt die Menge beispielsweise 1-5 Gew.-%, bezogen auf die erfindungsgemäße Zusammensetzung. Die sauren anionischen Emulgatoren können mit üblichen Basen, beispielsweise Alkalihydroxid und/oder Alkanolamine, insbesondere Monoethanolamin, neutralisiert werden (pH etwa 7). Durch diese Neutralisierung ist eine besonders gefahrlose und problemlose Handhabung der erfindungsgemäßen Zusammensetzung möglich.

[0022] Des weiteren kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung ein Stellmittel aufweisen. Beispiele davon sind niedere Glykole oder Alkohole, wie Ethylenglykol, Diethylenglykol, Triethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol, Butylenglykol, Butyldiglykol, Diacetonalkohol, Hexylenglykol und Isopropanol. Es können auch Gemische von 2 oder mehreren dieser eingesetzt werden. Durch die Stellmittel werden die an sich trüben Produkte klar, was hinsichtlich der Akzeptanz der Käufer solcher Färbereihilfsmittel vorteilhaft ist.

[0023] Des weiteren kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung die in Verbindung mit dem Ester (b) vorgenannten Phenole aufweisen, die mit Alkylenoxid umgesetzt wurden. Diese wirken als quellende Substanzen, wodurch eine besonders gute Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Färbereihilfsmittel erreicht wird.

[0024] Die Menge der vorgenannten Emulgatoren kann jeweils 10 Gew.-% bis 40 Gew.-%, insbesondere 15 Gew.-% bis 20 Gew.-%, bezogen auf die erfindungsgemäße Zusammensetzung, betragen. Das Stellmittel kann in einer Menge von 1 Gew.-% bis 10 Gew.-%, insbesondere 3 Gew.-% bis 5 Gew.-%, vorliegen. Die Menge des mit Alkylenoxid umgesetzten Phenols beträgt z.B. 5 Gew.-% bis 15 Gew.-%, insbesondere etwa 10 Gew.-%, bezogen auf die erfindungsgemäße Zusammensetzung.

[0025] Den Rest der erfindungsgemäßen Zusammensetzung kann Wasser bilden.

[0026] Die erfindungsgemäße Zusammensetzung kann in besonders einfacher Weise hergestellt werden, indem die einzelnen Komponenten zusammengegeben werden. Dieses Zusammengeben kann unter Rühren erfolgen, wodurch gleichzeitig ein gutes Durchmischen der Bestandteile erreicht wird.

[0027] Die erfindungsgemäße Zusammensetzung eignet sich bestens als Färbereihilfsmittel. Sie kann dem Färbebad in Mengen von 0,5 g/l bis 3,0 g/l, bevorzugt etwa 1,0 g/l, dem Ausegalisierbad in Mengen von 1 g/l bis 3,0 g/l, bevorzugt etwa 2,0 g/l, zugegeben werden. Durch diese Mengen wird im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit eine besonders gute Wirksamkeit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung als Färbereihilfsmittel erreicht.

[0028] Die erfindungsgemäße Zusammensetzung eignet sich bestens als Färbereihilfsmittel, insbesondere zum Färben von Polyester, vorzugsweise Polyethylenterephthalat. Besonders gut kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung zum Hochtemperaturfärben von PolyesterFasern eingesetzt werden. Ein solches Hochtemperaturfärben kann z.B. bei etwa 100°C im Autoklaven durchgeführt werden.

[0029] Die erfindungsmäßige Zusammensetzung kann besonders vorteilhaft bei verschiedenen Problemfällen beim Färben von PET-Fasermaterialien und deren Mischungen mit anderen Fasern, wo andere PET-Egalisiermittel versagen oder zu wenig effektiv sind, eingesetzt werden.

[0030] Im einzelnen kann die erfindungsgemäße Zusammensetzung bei folgenden Verfahren eingesetzt werden:
  • Färben unkritischer PET-Materialien jeglicher Aufmachung/Bearbeitungsform mit geringen Egalisiermittelmengen;
  • Egalfärben kritischer Aufmachungsformen/Bearbeitungszustände von PET-Fasaern, wie dicht gepackte Garn- und Stückbaumwickelkörper, hoch gedrehte und oder gereckte Zwirne/Stick- und Nähgarne sowie andere technische Garne;
  • gewisser Ausgleich von durch Texturier-, Verstreckungs- und Thermofixierungsschwankung verursachten kristallinitätsbedingten bzw. affinitätsbedingten Differenzen im PET-Fasermaterial jeglichen Bearbeitungszustandes und jeglicher Aufmachungsform;
  • gutes nachträgliches Ausegalisieren ungleichmäßiger Färbungen von PET (allein oder in Mischung mit anderen Fasern), unabhängig von Aufmachungsform und Bearbeitungszustand, und
  • simultanes Färben und Waschen von PET-Garn, Masche, Garment und Flocke, bei denen präparationsbedingte Ölauflagen vorliegen, die normalerweise ein vorgängiges Waschen oder die Mitverwendung eines separaten Wasch- und Emulgiermittels im Färbebad erfordern würden.


[0031] Die vorliegende Erfindung bezieht sich weiterhin auf einen Ester, der als Komponente (b) in der erfindungsgemäßen Zusammensetzung eingesetzt wird. Ein solcher Ester ist vorstehend näher definiert. Er ist erhältlich durch Umsetzen von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure mit einem substituierten oder unsubstituierten Phenol, das mit 0,5-6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt wurde. Dieser Ester ist im Zusammenhang mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung bereits vorstehend näher definiert.

[0032] Die vorliegende Erfindung wird anhand der nachfolgenden Beispiele näher erläutert, ohne sie jedoch darauf einzuschränken.

Herstellungsbeispiele


Beispiel 1:



[0033] In einem 4-Hals-Reaktionskolben, versehen mit Rührwerk, Kontaktthermometer, Wasserabscheider, Rückflusskühler und Gaszuleitungsrohr, werden unter Stickstoff 16 Teile eines ethoxylierten Phenols (1,2 von EO abgeleitete Einheiten), 10 Teile Diethylenglykol, 32 Teile Benzoesäure und 0,5 Teile Schwefelsäure unter Rückfluß innerhalb 3 Stunden erhitzt. Dabei spaltet sich die errechnete Menge Wasser ab.

[0034] Im Anschluss an die Reaktion werden der Lösung nacheinander 9 Teile ethoxyliertes Phenol (1,2 von EO abgeleitete Einheiten), 5 Teile eines phosphatierten Fettalkohols auf Basis Alkylkettenlänge C10, belegt mit 10 Mol Ethylenoxid, 1 Teil Dodecylbenzolsulfonsäure, 17 Teile eines Rizinusöls, belegt mit 40 Mol EO und 13 Teile Wasser zugegeben. Danach wird mit ca. 1 Teil Monoethanolamin der pH-Wert auf neutral eingestellt.

Beispiel 2:



[0035] In einem 4-Hals-Reaktionskolben, versehen mit Rührwerk, Kontaktthermometer, Wasserabscheider, Rückflusskühler und Gaszuleitungsrohr, werden unter Stickstoff 18 Teile eines ethoxylierten Phenols (vgl. vorstehendes Beispiel 1), 12 Teile Diethylenglykol, 35 Teile Benzoesäure und 0,5 Teile Schwefelsäure unter Rückfluß innerhalb 3 Stunden erhitzt. Dabei spaltet sich die errechnete Menge Wasser ab.

[0036] Im Anschluss an die Reaktion werden der Lösung nacheinander 9 Teile ethoxyliertes Phenol (vgl. vorstehend), 3 Teile Dodecylbenzolsulfonsäure, 20 Teile eines Rizinusöls, belegt mit 40 Mol EO, und 5 Teile Wasser zugegeben. Danach wird mit ca. 3 Teilen Monoethanolamin der pH-Wert auf neutral eingestellt.

Anwendungsbeispiele:


Beispiel 3:



[0037] 100 Teile eines auf perforierten Materialträgers aufgewickelten Polyesterfutterstoffgewebes, vorgängig entschlichtet, werden in einem Baumfärbeapparat mit einer kalten Flotte, die 0,2 Teile eines Entlüfters auf Basis emulgierten Polydimethylsiloxans in 800 Teilen Permutitwassers enthält, 5 min lang behandelt.

[0038] Daraufhin wird die Flotte auf 50°C mit maximalem Gradient aufgeheizt und dort 1,5 Teile der erfindungsgemäßen Zusammensetzung nach Beispiel 1, 1,0 Teile eines flüssigen Dispergiermittels auf Basis von Dodecylbenzolsulfonat und Napthalinmethansulfonat-Polykondensat sowie 1,0 Teile Natriumacetat hinzugegeben. Der pH-Wert wird daraufhin mit Essigsäure (60%ig) auf 4,5 eingestellt und nach weiteren 10 min bei 50°C der Farbstoff zugegeben:
1,2 Teile einer Dispersfarbstofftrichromie, bestehend aus
48 Teile Foron Gelbbraun SE-RL
22 Teile Foron Rot SE-RL
30 Teile Foron Blau SE-RL

[0039] Nach weiteren 10 min bei 50 °C wird mit 2 °C/min auf 100 °C und mit 1,5 °C/min auf 130°C aufgeheizt, dort 40 min verweilt und mit 2 °C/min auf 80°C abgekühlt.

[0040] Daraufhin wird abgelassen und wie dem Fachmann bekannt reduktiv nachgereinigt, Man erhält auf diese Weise eine einwandfrei egale und echte Färbung.

[0041] Verwendet man anstelle des Produktes gemäß Beispiel 1
   1,5 Teile des Produktes gemäß Beispiel 2
erhält man vergleichbar gute Resultate.

Beispiel 4:



[0042] 100 Teile einer mit den Farbstoffen Dianix Gelb HF-4G (0,15 Teil), Dianix Rot HF-G (0,2 Teile) und Dianix Blue HF-2G (0,07 Teile) vorgängig in mittlerer Nuance wolkig gefärbten Rundstrickware aus Polyester-Garn wird auf einer aerodynamischen Stückfärbemaschine mit einer Flotte, die 1,0 Teile der erfindungsgemäßen Zusammensetzung gemäß Beispiel 1 und 2,0 Teile eines Faltenihnhibitors auf Basis einer Polyacrylamidlösung in 500 Teilen Wasser mit 0,5 °dH emulgiert enthält, versetzt.

[0043] Nach dem Aufheizen mit 3 °C/min auf 135 °C wird dort 30 min verweilt und dann mit 2 °C/min auf 100 und weiter mit 1,5°C/min auf 75°C abgekühlt.

[0044] Man erhält auf diese Weise eine einwandfreie Ausegalisierung der ursprünglich wolkigen Färbung ohne signifikante Farbänderung.

[0045] Verwendet man anstelle des Produktes gemäß Beispiel 1
   2,0 Teile des Produktes gemäß Beispiel 2
erhält man vergleichbar gute Resultate.

Beispiel 5:



[0046] 100 Teile eines nicht vorgewaschenen, hochgereckten Polyester-Nähgarns mit bekannten (DSC-nachgewiesenen) Verstreckungsunterschieden und demzufolge hoher Unegalitätsgefahr wird mit einer Flotte enthaltend 0,1 Teil eines Entlüfters auf Basis von Triisobutylphosphatformulierung, 1,0 Teilen eines Penetrationsverbesserers auf Basis einer Acrylcopolymerlösung, 0,5 Teilen eines Säurepuffers auf Basis von Citronensäure-, Ameisensäure- und Napthalinmethansulfonatpolykondensatmischung sowie 2,5 Teilen der erfindungsgemäßen Zusammensetzung nach Bsp. 1 in 950 Teilen Wasser von 40°C mit 2 °dH enthält, versetzt.

[0047] Nach 10 min bei 40 °C werden 2,1 Teile einer Farbstofftrichromie, enthaltend
   25 Teille Terasil gelb 4 G
   50 Teile Terasil Rot 5 G
   25 Teile Terasil Blau 3 RL-02 150%
hinnzugegeben und nach weiteren 10 min Verweilen bei 40 °C innerhalb von 25 min auf 90°C, und dann innerhalb von 45 min auf 130°C aufgeheitzt. Dort wird 60 min verweilt.

[0048] Die Fertigstellung einschließlich Abkühlung, reduktive Nachreinigung und Nachavivage, gerade auch in Hinblick auf Oligomerenminimierung, ist dem Fachmann bekannt und bedarf hier keiner näheren Erläuterung.

[0049] Man erhält durch diese Anwendung ein einwandfrei durchgefärbtes und in sich egal gefärbtes Polyester-Nähgarn. Die originalen Präparationsauflagen sind eliminiert.

[0050] Verwendet man anstelle des Produktes gemäß Beispiel 1
   2,5 Teile des Produktes gemäß Beispiel 2
erhält man vergleichbar gute Resultate.

Beispiel 6:



[0051] 100 Teile einer Polyester-Microfaser-Kulierwirkware werden auf einem Jet des Rundspeichertyps mit einer Flotte versetzt, die 1,5 Teile eines Gleitmittels auf Basis einer Mischung aus Acrylcopolymer und ethoxiliertem Caproclactam und 1,0 Teile eines Dispergators auf Basis Naphthalinmethansulfonat, 0,9 Teile der erfindungsgemäßen Zusammensetzung nach Beispiel 1, 1,0 Teile eines Sequestriermittels auf Basis von Hydroxyethandiphosphonsäure, 1,0 Teile Natriumacetat und 0,6 Teile Essigsäure (60%-ig) in 1400 Teilen Wasser, 7 °dH enthält, bei 25°C versetzt.

[0052] Nach der Aufheizung auf 50 °C werden 0,8 Teile Dispersfarbstofftrichromie, enthaltend
   37 Teile Foron Gelbbraun RD-2RS
   58 Teile Foron Brillantrot RD-BR
   05 Teile Foron Blau RD-GLF,
hinzugefügt und mit 2 °C/min auf 130 °C aufgeheitzt. Dort wird 30 min verweilt und nach Abkühlen auf 80 °C mit 2°C/min 10 min reduktiv im Färbebad unter Anwendung eines spezifischen Sulfinsäurederivates gereinigt.

[0053] Man erhält nach diesem Schnellfärbeverfahren eine einwandfrei egale und echte Färbung.

[0054] Verwendet man anstelle des Produktes gemäß Beispiel 1
   0,9 Teile des Produktes gemäß Beispiel 2
erhält man vergleichbar gute Resultate.


Ansprüche

1. Zusammensetzung, die als Färbereihilfsmittel geeignet ist, umfassend

(a) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und C2-C12-Diol und

(b) 20 Gew.-% bis 60 Gew.-%, bezogen auf die Zusammensetzung, Ester von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure und mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, NH2 und/oder NO2 substituiertem oder unsubstituiertem Phenol, das mit 0,5 bis 6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.


 
2. Zusammensetzung nach Anspruch 1, wobei das C2-C12-Diol Glykol, Diethylenglykol, Propylenglykol, Dipropylenglykol oder Butandiol umfaßt.
 
3. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Ester (a) einen Veresterungsgrad von 1,8 bis 2,0 Mol Säure pro Mol Diol aufweist.
 
4. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei das Phenol mit 0,5 bis 1,5 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.
 
5. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei der Ester (b) einen Veresterungsgrad von 0,3 bis 1,0 Mol Säure pro Molekül Alkohol aufweist.
 
6. Zusammensetzung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, wobei sie weiterhin nichtionogene und/oder anionische Emulgatoren oder Stellmittel enthält.
 
7. Verwendung der Zusammensetzung nach einem Ansprüche 1 bis 6 als Färbereihilfsmittel.
 
8. Ester, erhältlich durch Umsetzung von mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierter oder unsubstituierter Benzoesäure mit einem mit C1-C4-Alkyl, C1-C4-Alkoxy, Halogen, OH, NH2 und/oder NO2 substituierten oder unsubstituierten Phenol, das mit 0,5 bis 6 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.
 
9. Ester nach Anspruch 8, wobei das Phenol mit 0,5 bis 1,5 Mol Alkylenoxid pro Mol OH-Gruppe des Phenols umgesetzt ist.
 
10. Ester nach einem der Ansprüche 8 oder 9, wobei er einen Veresterungsgrad von 0,3 bis 1,0 Mol Säure pro Molekül Alkohol aufweist.
 





Recherchenbericht