[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Geräuschreduktion im Innen- und Außenbereich
von mehrmotorigen Propellerflugzeugen.
[0002] Bei Propellerflugzeugen stellen die Propeller eine Hauptlärmquelle für den Innen-
und Außengeräuschpegel dar. Die Lärmemission eines Propellers ist aufgrund der periodischen
Vorgänge sehr tonhaltig. Die Frequenz des Grundtones bestimmt sich im allgemeinen
aus dem Produkt von Blattzahl und Drehzahl eines Propellers. Bei heutigen Propellerflugzeugen
ist der Grundton sehr tieffrequent. Eine Reduzierung des Innengeräusches erfordert
daher z. B. den Einsatz einer hohen Masse zur Erhöhung der Schalldämmung der Rumpfstruktur
des Flugzeugs. Diese hohe Masse wäre schädlich für die Leistungsfähigkeit des Flugzeuges.
Zudem erhöhen hohe Pegel auf der Rumpfaußenhaut die mechanische/dynamische Belastung
der Struktur.
[0003] Der Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zu schaffen, mit
dem die Lärmimission der Propeller signifikant gesenkt werden kann, und wobei gleichzeitig
z. B. die für die Schalldämmung benötigte Masse gesenkt wird.
[0004] Diese Aufgabe wird mit dem Verfahren nach Patentanspruch 1 gelöst. Vorteilhafte Ausführungen
der Erfindung sind Gegenstand von Unteransprüchen.
[0005] Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Geräuschreduktion bei Propellerflugzeugen
werden die Kenndaten von mindestens zwei der Propeller hinsichtlich Frequenz, Amplitude
und Phase derart aufeinander abgestimmt, dass sich die Schallfelder dieser Propeller
in einem kritischen Bereich der Rumpfstruktur des Flugzeuges, an dem aufgrund der
direkten Schallabstrahlung der Propeller ein maximaler Schallpegel auftritt, durch
Interferenz abschwächen oder im Idealfall sogar völlig auslöschen.
[0006] Das erfindungsgemäße Verfahren ist prinzipiell für alle Propellerkonfigurationen
anwendbar, soweit aufgrund der Konfiguration der Propeller am Flugzeug eine Rumpfstruktur
existiert, die auf direktem Weg mit Luftschall von mindestens zwei Propellern beaufschlagt
wird. Solche Konfigurationen sind z.B.:
- zweimotorige Propellerflugzeuge bei denen zwei Propeller oberhalb der Tragflächen
angeordnet sind
- zweimotorige Propellerflugzeuge bei denen zwei Propeller oberhalb des Rumpfes angeordnet
sind
- dreimotorige Propellerflugzeuge bei denen drei Propeller oberhalb der Tragflächen
angeordnet sind
- dreimotorige Propellerflugzeuge bei denen zwei Propeller oberhalb der Tragflächen
und ein Propeller oberhalb des Rumpfes angeordnet sind
- viermotorige Propellerflugzeuge bei denen jeweils zwei Propeller unterhalb und/oder
oberhalb bzw. vor und/oder hinter jeder Tragfläche angeordnet sind
- sechsmotorige Propellerflugzeuge bei denen jeweils drei Propeller unterhalb und/oder
oberhalb bzw. vor und/oder hinter jeder Tragfläche angeordnet sind
- achtmotorige Propellerflugzeuge bei denen jeweils vier Propeller unterhalb und/oder
oberhalb bzw. vor und/oder hinter jeder Tragfläche angeordnet sind.
[0007] In einem bevorzugten Anwendungsbeispiel der Erfindung mit einem viermotorigen Propellerflugzeug
mit jeweils zwei Propellern an jeder Tragfläche werden die Kenndaten der beiden an
derselben Tragfläche angeordneten Triebwerke (inneres und äußeres Triebwerk) folgendermaßen
aufeinander abgestimmt. Die Schallemission des inneren und äußeren Propellers werden
so eingestellt, dass sich zumindest das Schallfeld des Grundtons in Amplitude und
Phase des inneren Propellers mit dem Schallfeld des Grundtons in Amplitude und Phase
des äußeren Propellers im Bereich der nächstgelegenen, kritischen Rumpfoberfläche
des Flugzeugs so überlagern, dass sie sich dort durch Interferenz deutlich abschwächen
oder im Idealfall sogar völlig auslöschen.
[0008] Dazu müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
a) Die Frequenzen der Grundtöne des inneren und äußeren Propellers müssen genau übereinstimmen.
b) Die Amplituden der Grundtöne des inneren und äußeren Propellers müssen am kritischen
Rumpfbereich annähernd gleich groß sein.
c) die Druckschwankungen der Grundtöne des inneren und äußeren Propellers müssen am
kritischen Rumpfbereich um etwa 180° phasenversetzt sein.
[0009] Diese Voraussetzungen können bei dem bevorzugten Anwendungsbeispiel der Erfindung
mit einem viermotorigen Propellerflugzeug mit jeweils zwei Propellern an jeder Tragfläche
insbesondere folgendermaßen erfüllt werden:
[0010] Da der äußere Propeller eine größere Entfernung zur Rumpfoberfläche besitzt, müssen
seine Schallabstrahlung im Grundton gegenüber der des inneren Propellers größer sein.
Dies kann z.B. dadurch erreicht werden, dass die Blattzahl des äußeren Propellers
gegenüber der des inneren Propellers verringert wird. Parallel dazu wird die Drehzahl
des äußeren Propellers gegenüber der Drehzahl des inneren Propellers erhöht, so dass
die Produkte aus Blattzahl und Drehzahl für den inneren Propeller und äußeren Propeller
gleich groß sind. Damit ist gleichzeitig sichergestellt, dass die Propeller die gleiche
Frequenz im Grundton aufweisen.
[0011] Darüber hinaus können die Amplituden der Grundtöne der Propeller u.a. durch Variation
- der Blattgeometrie (z. B. Durchmesser, Blatttiefe, Profilform, insbesondere Blattspitzengestaltung),
- des Blattanstellwinkels,
- der Anströmbedingungen (z.B. Propellerneigewinkel, Vorschalten einer strömungsbeinflussenden
Struktur),
- der Entfernung der Propeller zum kritischen Bereich der Rumpfstruktur
- der Propellerpositionen entlang der Anströmrichtung (insbesondere bei Propellern mit
einer Vorzugsrichtung in der Abstrahlcharakteristik) abgestimmt werden.
[0012] Die notwendigen Phasenlagen der Schallfelder kann in dem hier betrachteten Fall (Produkt
aus Drehzahl und Blattzahl für die Propeller konstant, d. h. konstante Blattfolgefrequenz),
durch Feineinstellung der momentanen Blattlagewinkel der Propeller zueinander eingestellt
werden (z. B. Einstellung der Blattphasenwinkel bzw. der Phasenunterschiede in der
Blattfolge der Propeller), so dass die Schallfelder wie oben erwähnt um etwa 180°
phasenversetzt im Bereich der kritischen Rumpfoberfläche überlagert werden. Diese
Einstellungen können aktiv kontrolliert und gesteuert werden.
[0013] Weitere Möglichkeiten zur Abstimmung der Phasen der Schallfelder im Bereich der kritischen
Rumpfoberfläche sind:
- Variation des Abstands zwischen innerem und äußerem Propeller,
- Variation der Propellerpositionen entlang der Anströmrichtung (insbesondere bei Propellern
mit einer Vorzugsrichtung in der Abstrahlcharakteristik)
- Variation der Propellerdrehrichtung.
[0014] Das erfindungsgemäße Verfahren ist auch unter Berücksichtigung mehrerer Propellertöne
(Grundton und Harmonische) anwendbar.
[0015] Das erfindungsgemäße Verfahren weist folgende Vorteile auf:
- deutlich geringere Schalldrücke auf der Rumpfaußenhaut und damit Erhöhung der Lebensdauer
(Acoustic Fatigue).
- hohe Innengeräuschreduktion bei z.B. deutlich geringerem Einsatz von Masse zur Schalldämmung
der Rumpfstruktur.
[0016] Anhand einer Fig. wird das erfindungsgemäße Verfahren für ein viermotoriges Propellerflugzeug
mit zwei Propellern an jedem der beiden Tragflächen näher erläutert. Sie zeigt in
der Ansicht von oben und in schematischer Darstellung die Rumpfaußenhaut 1 des Flugzeugs
sowie die Lage des inneren 5 sowie des äußeren 6 Propellers an einer der Tragflächen.
Das Schallfeld des inneren Propellers 10 sowie das Schallfeld 11 des äußeren Propellers
sind ebenfalls eingezeichnet. Erfindungsgemäß werden die beiden Triebwerke 5,6 so
aufeinander abgestimmt, dass sich am kritischen Punkt PK, dem nächstgelegenen Bereich
der Rumpfaußenhaut 1, die beiden Schallfelder so überlagern, dass sie sich möglichst
stark abschwächen.
1. Verfahren zur Geräuschreduktion bei mehrmotorigen Propellerflugzeugen, dadurch gekennzeichnet, dass die Kenndaten von mindestens zwei der Propeller (5 bis n) hinsichtlich Frequenz,
Amplitude und Phase derart aufeinander abgestimmt werden, dass sich die Schallfelder
(10 bis k) der Propeller (5 bis n) im Bereich (PK) der nächstgelegenen Rumpfstruktur
des Flugzeugs durch Interferenz abschwächen oder vollständig auslöschen.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Abstimmung der Triebwerkskenndaten zumindest der Grundton der Propeller (5
bis n) berücksichtigt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass bei der Abstimmung der Triebwerkskenndaten neben dem Grundton noch weitere Propellertöne
berücksichtigt werden.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Propeller (5 bis n) derart ausgewählt und eingestellt werden, dass das Produkt
aus Blattzahl und Drehzahl gleich groß ist.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Abstimmung der Frequenzen der Propeller (5 bis n) mittels Einstellung der Blattzahl
und/oder der Drehzahl der Propeller erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abstimmung der Phasen der Propeller (5 bis n) mittels einer oder mehrerer der
folgenden Maßnahmen erfolgt:
- Einstellung des Abstandes zwischen den Propellern,
- Einstellung der Position der Propeller entlang der Anströmrichtung,
- Einstellung des momentanen Blattlagewinkels bzw. der Phasenunterschiede in der Blattfolge
der Propeller zueinander,
- Einstellung der Propellerdrehrichtungen.
7. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Abstimmung der Amplituden der Propeller (5 bis n) mittels einer oder mehrerer
der folgenden Maßnahmen erfolgt:
- Einstellung der Blattgeometrie,
- Einstellung der Drehzahl,
- Einstellung des Blattanstellwinkels,
- Einstellung der Anströmungsbedingungen,
- Einstellung der Entfernung der Propeller zum kritischen Bereich der Rumpfstruktur.
- Einstellung der Propellerpositionen entlang der Anströmrichtung.
8. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass es an einem viermotorigen Propellerflugzeug mit jeweils zwei Propellern an jeder
Tragfläche durchgeführt wird, wobei die zwei an derselben Tragfläche angeordneten
Propeller derart hinsichtlich Frequenz, Amplitude und Phase abgestimmt werden dass
sich die Schallfelder der beiden Propeller im Bereich der nächstgelegenen, kritischen
Rumpfoberfläche des Flugzeugs so überlagern, dass sie sich dort durch Interferenz
deutlich abschwächen oder im Idealfall sogar völlig auslöschen.