[0001] Die Erfindung betrifft eine Patrone mit einer Treibladungshülse und einer elektrothermischen
Zündvorrichtung, wobei die Treibladungshülse mit einem aus Metall bestehenden Hülsenboden
verbunden ist.
[0002] Bei diesen an sich bekannten Patronen erfolgt die Anzündung des Treibladungspulvers
durch Ausbildung von Lichtbogenentladungen im Inneren des Treibladungspulvers. Hierzu
befindet sich innerhalb des Treibladungspulvers der jeweiligen Patrone mindestens
ein drahtförmiger Leiter, der zur Anzündung des Pulvers von einem derart hohen Strom
durchflossen wird, daß der entsprechende Draht explosionsartig verdampft. Der sich
bei diesem Vorgang ausbildende Lichtbogen zündet dann das umgebende Treibladungspulver
an.
[0003] Eine derartige Patrone ist beispielsweise aus der DE 199 36 649 A1 bekannt, wobei
durch den aus Metall bestehenden Hülsenboden ein gut isoliertes elektrisches Kontaktstück
geführt ist, welches außenseitig wesentlich über das Bodenstück des Hülsenbodens hervorsteht
und von einer waffenseitigen Hochspannungselektrode kontaktierbar ist. Innerhalb des
Hülsenbodens wird das Kontaktstück durch ein relativ massives Isolierformteil seitlich
abgestützt und ist mit einer Kontaktscheibe verbunden, an der mehrere durch das Treibladungspulver
geführte drahtförmige Leiter befestigt sind.
[0004] Nachteilig bei dieser bekannten Patrone ist unter anderem, daß durch das außenseitig
hervorstehende Kontaktstück ein automatischer Betrieb der entsprechenden Waffenanlage,
insbesondere mit Keilverschlüssen, nicht zu realisieren ist. Außerdem nimmt das zur
Abstützung des Kontaktstückes massiv ausgebildete Isolierformteil relativ viel Platz
innerhalb der Patrone ein, was der Forderung nach einer hohen Ladedichte des Treibladungspulvers
entgegensteht.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine einfach herstellbare Patrone anzugeben,
die einen automatischen Betrieb von Waffenanlagen erlaubt, wie er im wesentlichen
auch bei Verwendung herkömmlicher Patronen möglich ist.
[0006] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst. Weitere,
besonders vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung offenbaren die Unteransprüche.
[0007] Die Erfindung beruht im wesentlichen auf dem Gedanken, das Kontaktstück derart auszugestalten,
daß es außenseitig nicht über die Vorderfläche des Bodenstückes ragt und daß es innenseitig
die Kontaktscheibe bildet, welche sich über einen hülsenbodenförmigen Isolator relativ
geringer Wandstärke großflächig an der Treibladungshülse abstützt, so daß ein entsprechend
massives Isolatorformteil entfallen kann.
[0008] Die erfindungsgemäße Patrone, bei der also die Isolierung der hochspannungsführenden
Teile voll in den Hülsenboden integriert sind, eignet sich insbesondere für moderne
Panzerkanonen mit Keilverschluß.
[0009] Während bei der Patrone, wie sie in der DE 199 36 649 A1 offenbart ist, zur Abstützung
der Elektrode und des Isolators unter Gasdruck (d.h. bei Schußabgabe) auch Teile des
Verschlusses der Waffenanlage benötigt werden, erfolgt bei der erfindungsgemäßen Patrone
die Abstützung der Elektrode und des Isolators vollständig über den Hülsenboden der
Patrone.
[0010] Als vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn die Kontaktscheibe an ihrem äußeren Rand
als Dichtlippe ausgebildet ist, so daß beim Schuß vermieden wird, daß Pulvergase zwischen
den Isolator und die Kontaktscheibe geraten.
[0011] Zur Befestigung der Kontaktscheibe kann diese mit dem Isolator und dieser mit dem
Hülsenboden verklebt werden.
[0012] Bei einer weiteren vorteilhaften Ausführungsform der Erfindung ist die Dichtlippe
des Hülsenbodens einteilig mit dem Isolator ausgebildet. Über die Vulkanisation der
Isolierschicht wird in diesem Falle gleichzeitig die Verbindung (Anhaftung) zum Hülsenboden
und zur Kontaktscheibe hergestellt. Wie sich gezeigt hat, eignet sich dieses Verfahren
hervorragend für eine Serienproduktion erfindungsgemäßer Patronen.
[0013] Weitere Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den folgenden anhand
von Figuren erläuterten Ausführungsbeispielen. Es zeigen:
Fig.1 den Längsquerschnitt eines hülsenbodenseitigen Bereiches einer erfindungsgemäßen
Patrone;
Fig.2 und 3 die Anordnung der in Fig. dargestellten Patrone in einer Waffe mit Keilverschluß
vor und nach der Kontaktierung des elektrischen Kontaktes der Patrone;
[0014] In Fig.1 ist mit 1 eine großkalibrige Patrone (z.B. zum Verschießen aus einer Panzerwaffe)
bezeichnet, die eine verbrennbare Treibladungshülse 2 und einen aus Stahl bestehenden
Hülsenboden 3 mit vorderseitig daran befestigter Dichtlippe 3' umfaßt.
[0015] Die Patrone 1 ist mit einer elektrothermischen Zündvorrichtung 4 versehen. Diese
besteht im wesentlichen aus einem elektrischen Kontaktstück 5, welches einerseits
in eine Ausnehmung 6 des Bodenstückes 7 des Hülsenbodens 3 ragt und andererseits mit
einer großflächigen, sich über die gesamte Innenseite 8 des Bodenstückes 7 erstreckenden
Kontaktscheibe 9 verbunden ist. Die Kontaktscheibe 9 weist an ihrem äußeren Rand eine
Dichtlippe 10 auf. Außerdem sind an der Kontaktscheibe 9 jeweils ein Ende 11 zweier
zur Zündung von Lichtbögen dienender Drähte 12 befestigt. Das jeweils andere Ende
13 der beiden Drähte 12 ist an einem Kontaktring 14 der Treibladungshülse 2 befestigt.
[0016] Die Kontaktscheibe 9 und der Hülsenboden 3 sind durch einen hülsenbodenförmig ausgebildeten
hochspannungsfesten Isolator 15 elektrisch voneinander isoliert. Dieser bildet innerhalb
der Ausnehmung 6 des Bodenstückes 7 einen ringförmigen Bereich 15' und stützt sich
außenseitig an der Innenwand 16 der Ausnehmung 6 ab. Außerdem umschließt der ringförmige
Bereich 15' des Isolators 15 das in die Ausnehmung 6 ragende Kontaktstück 5.
[0017] Wie der Fig.1 zu entnehmen ist, befinden sich sowohl das außenseitige Ende 25 des
Kontaktstückes 5 als auch das außenseitige Ende 26 des ringförmigen Bereiches 15'
des Isolators 15 etwas gegenüber der Außenfläche 27 des Bodenstückes 7 zurückgesetzt
in der Ausnehmung 6.
[0018] In den Fig.2 und 3 ist der verschlußseitige Bereich einer Panzerkanone 17 mit geladener
Patrone 1 dargestellt. Dabei ist mit 18 ein Waffenrohr und mit 19 ein Bodenstück bezeichnet,
in dem sich ein Keilverschluß mit Verschlußkeil 20 befindet. In dem Verschlußkeil
20 befindet sich eine von einer Isolierung 21 umgebende, axial verschiebbar angeordnete
Hochspannungselektrode 22. Diese ist über eine Zuleitung 23 mit einer nicht dargestellten
Stromquelle verbunden.
[0019] Nach dem Schließen des Verschlußkeiles 20 (Fig.2) wird die Hochspannungselektrode
22 automatisch in Richtung auf das Kontaktstück 5 der Patrone 1 verschoben und vorderseitig
in eine Ausnehmung 24 des Kontaktstückes 5 gedrückt (Fig.3). Dabei drückt gleichzeitig
die Isolierung 21 der Hochspannungselektrode 22 auf den ringförmigen Bereich 15' des
Isolators 15 der Patrone 1, so daß die elektrische Verbindung zwischen der Hochspannungselektrode
22 und dem Kontaktstück 5 vollständig isoliert ist.
[0020] Die Erfindung ist selbstverständlich nicht auf das dargestellte Ausführungsbeispiel
beschränkt. So können beispielsweise sowohl das außenseitige Ende des Kontaktstückes
als auch das außenseitige Ende des ringförmigen Bereiches des Isolators bündig mit
der Außenfläche des Bodenstückes abschließen.
[0021] Als besonders vorteilhaft hat es sich erwiesen, wenn die Dichtlippe 3' des Hülsenbodens
3 einteilig mit dem Isolator 15 verbunden ist. Dadurch kann auf einfache Weise erreicht
werden, daß mit dem Aufvulkanisieren der Dichtlippe 3' und damit auch des Isolators
15 gleichzeitig eine Verbindung (Anhaftung) zum Hülsenboden 3 und zur Kontaktscheibe
9 hergestellt wird.
Bezugszeichenliste
[0022]
- 1
- Patrone
- 2
- Treibladungshülse
- 3
- Hülsenboden
- 3'
- Dichtlippe (Hülsenboden)
- 4
- elektrothermische Zündvorrichtung
- 5
- Kontaktstück
- 6
- Ausnehmung (Bodenstück)
- 7
- Bodenstück
- 8
- Innenseite
- 9
- Kontaktscheibe
- 10
- Dichtlippe (Kontaktscheibe)
- 11
- Ende
- 12
- Draht
- 13
- Ende
- 14
- Kontaktring
- 15
- Isolator
- 15'
- ringförmiger Bereich
- 16
- Innenwand
- 17
- Panzerkanone
- 18
- Waffenrohr
- 19
- Bodenstück
- 20
- Verschlußkeil
- 21
- Isolierung
- 22
- Hochspannungselektrode
- 23
- Zuleitung
- 24
- Ausnehmung (Kontaktstück)
- 25
- außenseitige Ende (Kontaktstück)
- 26
- außenseitige Ende (ringförmiger Bereich)
- 27
- Außenfläche
1. Patrone mit einer Treibladungshülse (2) und einer elektrothermischen Zündvorrichtung
(4), wobei die Treibladungshülse (2) mit einem aus Metall bestehenden Hülsenboden
(3) verbunden ist, mit den Merkmalen:
a) in dem Hülsenboden (3) ist innenseitig ein hülsenbodenförmig ausgebildeter Isolator
(15) angeordnet, der formschlüssig an der Innenseite (8) des Hülsenbodens (3) anliegt
und in eine durch das Bodenstück (7) des Hülsenbodens (3) hindurchgeführte Ausnehmung
(6) hineinragt;
b) der Isolator (15) ist im Bereich der Ausnehmung (6) ringförmig ausgebildet und
stützt sich außenseitig an der Innenwand (16) der Ausnehmung (6) ab und umschließt
ein ebenfalls von der Innenseite (8) des Hülsenbodens (3) aus in die Ausnehmung (6)
des Bodenstückes (7) ragendes elektrisches Kontaktstück (5), das von der Außenseite
des Hülsenbodens (3) von einer Hochspannungselektrode (22) elektrisch kontaktierbar
ist;
c) das elektrische Kontaktstück (5) ist einstückig mit einer Kontaktscheibe (9) verbunden,
welche formschlüssig an dem hülsenbodenförmig ausgebildeten Isolator (15) anliegt.
2. Patrone nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß sich die Kontaktscheibe (9) über die gesamte Innenseite (8) des Bodenstückes (7)
des Hülsenbodens (3) erstreckt.
3. Patrone nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Kontaktscheibe (9) an ihrem äußeren Rand eine Dichtlippe (10) aufweist.
4. Patrone nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß das elektrische Kontaktstück (5) eine Ausnehmung (24) aufweist, in welche die Hochspannungselektrode
(22) einführbar ist.
5. Patrone nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausnehmung (6) in dem Bodenstück (7) des Hülsenbodens (3) und der ringförmige
Bereich (15') des Isolators (15) derart gewählt sind, daß bei Kontaktierung des elektrischen
Kontaktstückes (5) durch die Hochspannungselektrode (22) der ringförmige Bereich (15')
von einer die Hochspannungselektrode (22) umgebenden Isolierung (21) kontaktierbar
ist.
6. Patrone nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß sowohl das außenseitige Ende (25) des Kontaktstückes (5) als auch das außenseitige
Ende (26) des ringförmigen Bereiches (15') des Isolators (15) bündig mit der Außenfläche
(27) des Bodenstückes (7) abschließen oder etwas gegenüber der Außenfläche (27) des
Bodenstückes (7) zurückgesetzt in der Ausnehmung (6) angeordnet sind.
7. Patrone nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Ausnehmung (6) des Bodenstückes (7) mittig durch dieses hindurchgeführt ist.
8. Patrone nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß die Dichtlippe (3') des Hülsenbodens (3) und der Isolator (15) einteilig ausgebildet
sind.