[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Hörervorrichtung, die in einen Gehörgang
einführbar ist, mit einer Lautsprechereinrichtung, die eine Schallaustrittsöffnung
aufweist. Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung eine derartige Hörervorrichtung
mit einem Cerumenschutzsystem, das sie vor eindringendem Cerumen schützt.
[0002] Auf Grund der Cerumenentwicklung im Ohrkanal kommt es bei Hörgeräteträgern teilweise
zu Ausfällen der Hörgeräte durch Verstopfen des akustischen Kanals beziehungsweise
sogar zur Schädigung der elektroakustischen Wandler. Dabei besteht das chemisch aggressive
Cerumen typischerweise aus gasförmigen, flüssigen und nahezu festen Anteilen. Daher
ist ein sogenannter Cerumenschutz wünschenswert, der sowohl ein Eindringen von Cerumen
in den Schallkanal größtenteils verhindert als auch im Falle einer trotzdem eingetretenen
Verschmutzung leicht zu reinigen ist.
[0003] Auf dem Hörgerätemarkt ist eine Vielzahl von Cerumenschutzlösungen verfügbar. Einerseits
gibt es eine Reihe von Lösungen, die mechanisch ein Eindringen von Cerumen verhindern
beziehungsweise eine gute Reinigbarkeit des Schallkanals gewährleisten. Andererseits
werden offenporige Membrane eingesetzt, die die akustischen Eigenschaften des Hörgeräts
nahezu unbeeinflusst lassen müssen. Allerdings haben diese den Nachteil, dass gasförmige
und flüssige Anteile eindringen oder zumindest das Cerumenschutzsystem verstopfen
können. Dies hat zur Folge, dass eine unmittelbare Reinigung beziehungsweise ein Ersatz
erforderlich wird.
[0004] Andere Cerumenschutzsysteme verwenden absolut dichte Membrane, die typischerweise
an der Spitze der Hörgeräteschale an der dem Trommelfell zugewandeten Seite angeordnet
sind und die zur Sicherstellung geringster akustischer Dämpfung eine weniger gute
mechanische Stabilität und nicht zu vernachlässigende Baugröße aufweisen, die bei
kleinen Kanalgeräten zu Problemen bei der Handhabung und in der Versorgungsrate führen
können. Für gute akustische Transmissionseigenschaften der Membran sollte diese nahezu
masselos sein, d.h. eine sehr geringe Wandstärke aufweisen, und daneben über eine
große Fläche verfügen.
[0005] In diesem Zusammenhang ist aus der deutschen Patentschrift DE 199 08 854 C1 ein Gehörgangseinsatz
für Hörhilfegeräte bekannt. Der Gehörgangseinsatz besitzt einen Schallkanal, vor dessen
zum Trommelfell gerichteter Schallkanalöffnung ein Cerumenschutz vorgesehen ist. Der
Cerumenschutz besteht aus einer in einen Kern des Gehörgangseinsatzes eingespritzten
schalldurchlässigen Membran. Dieses Cerumenschutzsystem ist im Gebrauch jedoch unkomfortabel.
[0006] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, ein verbessertes Cerumenschutzsystem
für Hörgeräte beziehungsweise Hörer vorzuschlagen.
[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Hörervorrichtung die in einen
Gehörgang einführbar ist, mit einer Lautsprechereinrichtung, die eine Schallaustrittsöffnung
aufweist, sowie einer Binde, die über der Lautsprechereinrichtung derart angebracht
ist, dass sie die Schallaustrittsöffnung zumindest teilweise bedeckt.
[0008] Günstigerweise besteht die Binde aus einem elastischen Material, so dass sie sich
über die Schallaustrittsöffnung der Lautsprechereinrichtung spannen lässt. Ist die
Binde als Schlauchstück ausgeführt, so kann dieses über die Lautsprechereinrichtung
gezogen werden und lässt sich so ohne größeren Aufwand funktionsgerecht montieren.
[0009] Damit die Binde eine möglichst geringe akustische Dämpfung aufweist, sollte sie im
Bereich der Schallaustrittsöffnung nahezu masselos sein. Binden mit einer Wandstärke
von kleiner als 0,1 mm genügen diesen Anforderungen im wesentlichen.
[0010] Die Binde besteht vorzugsweise aus einem chemischen resistenten Material wie etwa
Teflon. Wenn die Binde aus einem offenporigen Material besteht, hätte dies den Vorteil,
dass die Binde, ohne eine spezielle Öffnung für einen statischen Druckausgleich vorzusehen,
vollständig über die Schallaustrittsöffnung gezogen werden könnte.
[0011] Üblicherweise besitzen Hörer in Hörgeräten eine längliche Bauform, wobei an einer
der Stirnseiten ein Schallaustrittsstutzen zur Leitung des Schalls zum Trommelfell
vorgesehen ist. Erfindungsgemäß wird jedoch an dem Hörer eine Schallaustrittsöffnung
verwendet, über die eine Binde gezogen wird. Wenn die Fläche der Schallaustrittsöffnung
zu gering ist, besitzt die über die Schallaustrittsöffnung gespannte Binde beziehungsweise
Membran eine zu hohe Steifigkeit, was zu hohen Schalldämpfungen führt. Es hat sich
herausgestellt, dass bei geschlossenporigen Membranen Schallaustrittsöffnungen zu
bevorzugen sind, deren Fläche größer als 4 mm
2 ist. Derartig große Schallaustrittsöffnungen lassen sich in der Regel nur an einer
der Längsseiten der Hörer- beziehungsweise Lautsprechereinrichtungen realisieren.
[0012] Der Hörer beziehungsweise Lautsprecher schwingt bei der Schallerzeugung. Daher ist
es sinnvoll, den Hörer in einem Gehäuse, insbesondere in dem Hörgerätegehäuse, gedämpft
zu lagern. Dies kann durch Dämpfungsglieder an den Ecken des Hörers oder aber auch
durch die Binde, die zwischen dem Hörer und dem Gehäuse angeordnet ist, erfolgen.
[0013] Um den Cerumenschutz weiter zu erhöhen kann der Hörer in einer speziellen Kapselung
untergebracht sein, die wiederum eine Auslassöffnung für den Schallaustritt besitzt,
welcher mechanisch gegen eindringendes Cerumen geschützt wird. Hierzu kann die Kapselung
aus einem Behältnis bestehen, in das der Hörer eingeschoben wird und das durch einen
Deckel verschlossen wird. Der Deckel kann dabei aus einem Kunststoffmaterial bestehen
und die genannte Auslassöffnung aufweisen.
[0014] Der mechanische Schutz der Auslassöffnung gegen eindringendes Cerumen lässt sich
vorzugsweise durch einen Stempel realisieren, der in der Öffnung bewegbar untergebracht
ist. Somit lässt sich das in die Auslassöffnung eingedrungene Cerumen durch Anheben
beziehungsweise Drücken des Stempels entfernen.
[0015] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert,
die eine Teilschnittansicht eines erfindungsgemäßen gekapselten Hörers zeigt.
[0016] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen stellen lediglich bevorzugte Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung dar.
[0017] Das in der Figur dargestellte Cerumenschutzsystem besteht im wesentlichen aus zwei
Komponenten. Ein Hörgerätehörer 1 ist in einer separaten Kapsel 2 vibrationshemmend
mit Dämpfungselementen 3 aufgehängt. Dabei kann diese Kapsel 2 sowohl ein separates
Teil als auch als Teil der Hörgeräteschale bei der Schalenherstellung vorgesehen sein.
[0018] Der Hörer 1 besitzt an Stelle des Austrittsstutzens, der üblicherweise verwendet
wird, eine seitliche Schallauslassöffnung 4. Über den Hörer 1 wird eine Binde 5 aus
hochelastischem und nahezu masselosem Material gezogen. Beispielsweise besteht die
Binde aus einem sehr dünnen Schlauch aus einem Teflonfilm. Dadurch dass der Schlauch
über den gesamten Hörer 1 gezogen wird, ist die Cerumenschutzabdeckung leicht an dem
Hörer 1 zu montieren. Vorteilhaft ist insbesondere, dass auf diese Weise eine Membran
ohne Rahmen vor die Öffnung 4 gespannt werden kann.
[0019] Das Innere des Hörers 4 wird durch die Membran beziehungsweise durch den Schlauch
fast luftdicht abgeschlossen, so dass ein Eindringen von Cerumenanteilen in den empfindlichen
Hörer verhindert wird. Falls die Membran nicht aus einem offenporigen Material besteht,
sollte die Öffnung 4 nicht komplett durch die Membran abgedeckt werden. Vielmehr sollte
eine sehr geringe Undichtigkeit erhalten bleiben, um einen statischen Ausgleich des
Luftdrucks zu ermöglichen. Dies wird in der Praxis oft durch eine kleine zusätzliche
Ausgleichsöffnung am Hörergehäuse erreicht.
[0020] Die Schallaustrittsöffnung 4 des Lautsprechers beziehungsweise des Hörers 1 ist möglichst
groß zu wählen, damit die über die Öffnung gespannte Membran nicht zu steif ist und
den austretenden Schall zu sehr dämpft. Transmissionsmessungen haben ergeben, dass
die Schallaustrittsöffnung 4 zumindest eine Größe von 4 mm
2 für die zur Verfügung stehenden Folien haben sollte. Da diese Fläche in der Regel
auf der Stirnfläche eines länglichen Hörers 1 nicht gegeben ist, ist die Schallaustrittsöffnung
4 an einer Seitenwand des Hörers 1 vorgesehen.
[0021] Die Membran beziehungsweise Binde 5 hält zwar Cerumen vom Hörer 1 ab, jedoch ist
es für einen länger wirkenden Schutz von Vorteil, wenn auch größere Cerumenbestandteile
von der Membran 5 abgehalten werden. Der Grund hierfür liegt darin, dass Cerumenbestandteile,
die an der Membran anhaften, zusätzlich für Dämpfung sorgen. Daher ist der Hörer 1,
wie bereits erwähnt, zusätzlich in eine Kapselung 2 eingebracht, in der er schwingungsdämpfend
gelagert ist. Diese Kapsel 2 wird durch einen Deckel 6, der selbst eine Schallaustrittsöffnung
7 aufweist abgeschlossen. Der Deckel 6 dient dabei auch als Auflager für die Dämpfungselemente
3.
[0022] Die Schallaustrittsöffnung 7 verhindert durch ihre mechanische Gestaltung das Eindringen
von Cerumen und gewährleistet eine einfache Reinigung der Schallaustrittsöffnung.
In der in der Figur dargestellten Schallaustrittsöffnung befindet sich ein bistabil
aufgehängter Stempel 8, der vorzugsweise aus einem dauerelastischen Kunststoff besteht.
Zur Reinigung wird der Stempel 8 nach außen gezogen und manuell abgewischt. Anschließend
wird der Stempel wieder eingedrückt. Sollte wider Erwarten Cerumen in die Hörerkapsel
2 eindringen, kann der Deckel 6 der Kapselung vom Akustiker abgenommen und eventuell
in einem Ultraschallbad oder Ähnlichem gereinigt werden. Durch die Membran 5 wird
jedenfalls verhindert, dass Cerumen direkt in den Hörer 1 eindringt.
[0023] Diese Kombination einer Membran, die den Hörer abdichtet mit einer Anordnung, die
das Eindringen grober Cerumenanteile verhindert, wie beispielsweise die genannte Kapselung,
hält sämtliche Cerumenbestandteile wirksam vom Hörer 1 ab.
[0024] Je nach Materialwahl und Wahl der Wandstärke der Binde 5 kann diese auch gleichzeitig
als Dämpfungselement zur Dämpfung des Hörers 1 gegenüber der Kapsel 2 verwendet werden.
Denkbar in diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Wandstärke des Schlauchs beziehungsweise
der Binde 5 an der Seite, die die Schallaustrittsöffnung 4 abdeckt, geringer als in
anderen Bereichen zu wählen. Somit könnte die Binde 5 mehrere Funktionen übernehmen.
1. Hörervorrichtung, die in einen Gehörgang einführbar ist, mit
einer Lautsprechereinrichtung (1), die eine Schallaustrittsöffnung (4) aufweist,
gekennzeichnet durch
eine Binde (5), die über der Lautsprechereinrichtung (1) derart angebracht ist, dass
sie die Schallaustrittsöffnung (4) zumindest teilweise bedeckt.
2. Hörervorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Binde (5) aus einem elastischen Material
besteht.
3. Hörervorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Binde (5) ein Schlauchstück ist.
4. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die Wandstärke der Binde
(5) kleiner als 0,1 mm ist.
5. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Binde (5) als Membran,
insbesondere aus Teflonmaterial, ausgeführt ist.
6. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Binde (5) aus einem offenporigen
Material gefertigt ist.
7. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Schallaustrittsöffnung
(4) bei Verwendung einer geschlossenenporigen Membran eine Fläche größer als 4 mm2 besitzt.
8. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, die ein Gehäuse (2) und eine Dämpfungseinrichtung
(3) zur schwingungsgedämpften Lagerung des Lautsprechers (1) in dem Gehäuse (2) aufweist.
9. Hörervorrichtung nach Anspruch 8, wobei die Binde (5) gleichzeitig auch die Dämpfungseinrichtung
ist.
10. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, die einen Deckel (6) mit Auslassöffnung
(7), in und/oder über der eine Cerumenschutzabdeckung (8) angebracht ist, aufweist,
so dass Schall durch die Auslassöffnung (7) und die Cerumenschutzabdeckung (8) nach
außen, aber Cerumen im wesentlichen nicht nach innen dringen kann.
11. Hörervorrichtung nach Anspruch 10, wobei die Cerumenschutzabdeckung (8) einen Stempel
umfasst, der senkrecht zur Auslassöffnung (4) bewegbar ist.