(19)
(11) EP 1 349 423 A2

(12) EUROPÄISCHE PATENTANMELDUNG

(43) Veröffentlichungstag:
01.10.2003  Patentblatt  2003/40

(21) Anmeldenummer: 03005840.8

(22) Anmeldetag:  14.03.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC)7H04R 25/00
(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT SE SI SK TR
Benannte Erstreckungsstaaten:
AL LT LV MK RO

(30) Priorität: 27.03.2002 DE 10213844

(71) Anmelder: Siemens Audiologische Technik GmbH
91058 Erlangen (DE)

(72) Erfinder:
  • Niedertränk, Torsten, Dr.
    91056 Erlangen (DE)

(74) Vertreter: Berg, Peter, Dipl.-Ing. 
European Patent Attorney, Siemens AG, Postfach 22 16 34
80506 München
80506 München (DE)

   


(54) Cerumenschutzsystem für Hörgeräte


(57) Cerumenbestandteile sollen wirksam von dem Hörer (1) eines Hörgeräts abgehalten werden. Daher wird der Hörer mit einer großen seitlichen Schallaustrittsöffnung (4) versehen und mit einer Binde (5) überzogen, so dass die Schallaustrittsöffnung durch die schlauchförmige Binde (5) im Wesentlichen bedeckt ist. Als Material für die Binde (5) eignet sich beispielsweise ein Teflonfilm. Für größere Cerumenbestandteile kann der Hörer (1) zusätzlich durch eine Kapsel (2) mit einem Deckel (6) gekapselt werden. Hierzu wird der Hörer (1) durch Dämpfungselemente (3) schwingungsdämpfend in der Kapsel (2) gelagert.




Beschreibung


[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft eine Hörervorrichtung, die in einen Gehörgang einführbar ist, mit einer Lautsprechereinrichtung, die eine Schallaustrittsöffnung aufweist. Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung eine derartige Hörervorrichtung mit einem Cerumenschutzsystem, das sie vor eindringendem Cerumen schützt.

[0002] Auf Grund der Cerumenentwicklung im Ohrkanal kommt es bei Hörgeräteträgern teilweise zu Ausfällen der Hörgeräte durch Verstopfen des akustischen Kanals beziehungsweise sogar zur Schädigung der elektroakustischen Wandler. Dabei besteht das chemisch aggressive Cerumen typischerweise aus gasförmigen, flüssigen und nahezu festen Anteilen. Daher ist ein sogenannter Cerumenschutz wünschenswert, der sowohl ein Eindringen von Cerumen in den Schallkanal größtenteils verhindert als auch im Falle einer trotzdem eingetretenen Verschmutzung leicht zu reinigen ist.

[0003] Auf dem Hörgerätemarkt ist eine Vielzahl von Cerumenschutzlösungen verfügbar. Einerseits gibt es eine Reihe von Lösungen, die mechanisch ein Eindringen von Cerumen verhindern beziehungsweise eine gute Reinigbarkeit des Schallkanals gewährleisten. Andererseits werden offenporige Membrane eingesetzt, die die akustischen Eigenschaften des Hörgeräts nahezu unbeeinflusst lassen müssen. Allerdings haben diese den Nachteil, dass gasförmige und flüssige Anteile eindringen oder zumindest das Cerumenschutzsystem verstopfen können. Dies hat zur Folge, dass eine unmittelbare Reinigung beziehungsweise ein Ersatz erforderlich wird.

[0004] Andere Cerumenschutzsysteme verwenden absolut dichte Membrane, die typischerweise an der Spitze der Hörgeräteschale an der dem Trommelfell zugewandeten Seite angeordnet sind und die zur Sicherstellung geringster akustischer Dämpfung eine weniger gute mechanische Stabilität und nicht zu vernachlässigende Baugröße aufweisen, die bei kleinen Kanalgeräten zu Problemen bei der Handhabung und in der Versorgungsrate führen können. Für gute akustische Transmissionseigenschaften der Membran sollte diese nahezu masselos sein, d.h. eine sehr geringe Wandstärke aufweisen, und daneben über eine große Fläche verfügen.

[0005] In diesem Zusammenhang ist aus der deutschen Patentschrift DE 199 08 854 C1 ein Gehörgangseinsatz für Hörhilfegeräte bekannt. Der Gehörgangseinsatz besitzt einen Schallkanal, vor dessen zum Trommelfell gerichteter Schallkanalöffnung ein Cerumenschutz vorgesehen ist. Der Cerumenschutz besteht aus einer in einen Kern des Gehörgangseinsatzes eingespritzten schalldurchlässigen Membran. Dieses Cerumenschutzsystem ist im Gebrauch jedoch unkomfortabel.

[0006] Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht somit darin, ein verbessertes Cerumenschutzsystem für Hörgeräte beziehungsweise Hörer vorzuschlagen.

[0007] Erfindungsgemäß wird diese Aufgabe gelöst durch eine Hörervorrichtung die in einen Gehörgang einführbar ist, mit einer Lautsprechereinrichtung, die eine Schallaustrittsöffnung aufweist, sowie einer Binde, die über der Lautsprechereinrichtung derart angebracht ist, dass sie die Schallaustrittsöffnung zumindest teilweise bedeckt.

[0008] Günstigerweise besteht die Binde aus einem elastischen Material, so dass sie sich über die Schallaustrittsöffnung der Lautsprechereinrichtung spannen lässt. Ist die Binde als Schlauchstück ausgeführt, so kann dieses über die Lautsprechereinrichtung gezogen werden und lässt sich so ohne größeren Aufwand funktionsgerecht montieren.

[0009] Damit die Binde eine möglichst geringe akustische Dämpfung aufweist, sollte sie im Bereich der Schallaustrittsöffnung nahezu masselos sein. Binden mit einer Wandstärke von kleiner als 0,1 mm genügen diesen Anforderungen im wesentlichen.

[0010] Die Binde besteht vorzugsweise aus einem chemischen resistenten Material wie etwa Teflon. Wenn die Binde aus einem offenporigen Material besteht, hätte dies den Vorteil, dass die Binde, ohne eine spezielle Öffnung für einen statischen Druckausgleich vorzusehen, vollständig über die Schallaustrittsöffnung gezogen werden könnte.

[0011] Üblicherweise besitzen Hörer in Hörgeräten eine längliche Bauform, wobei an einer der Stirnseiten ein Schallaustrittsstutzen zur Leitung des Schalls zum Trommelfell vorgesehen ist. Erfindungsgemäß wird jedoch an dem Hörer eine Schallaustrittsöffnung verwendet, über die eine Binde gezogen wird. Wenn die Fläche der Schallaustrittsöffnung zu gering ist, besitzt die über die Schallaustrittsöffnung gespannte Binde beziehungsweise Membran eine zu hohe Steifigkeit, was zu hohen Schalldämpfungen führt. Es hat sich herausgestellt, dass bei geschlossenporigen Membranen Schallaustrittsöffnungen zu bevorzugen sind, deren Fläche größer als 4 mm2 ist. Derartig große Schallaustrittsöffnungen lassen sich in der Regel nur an einer der Längsseiten der Hörer- beziehungsweise Lautsprechereinrichtungen realisieren.

[0012] Der Hörer beziehungsweise Lautsprecher schwingt bei der Schallerzeugung. Daher ist es sinnvoll, den Hörer in einem Gehäuse, insbesondere in dem Hörgerätegehäuse, gedämpft zu lagern. Dies kann durch Dämpfungsglieder an den Ecken des Hörers oder aber auch durch die Binde, die zwischen dem Hörer und dem Gehäuse angeordnet ist, erfolgen.

[0013] Um den Cerumenschutz weiter zu erhöhen kann der Hörer in einer speziellen Kapselung untergebracht sein, die wiederum eine Auslassöffnung für den Schallaustritt besitzt, welcher mechanisch gegen eindringendes Cerumen geschützt wird. Hierzu kann die Kapselung aus einem Behältnis bestehen, in das der Hörer eingeschoben wird und das durch einen Deckel verschlossen wird. Der Deckel kann dabei aus einem Kunststoffmaterial bestehen und die genannte Auslassöffnung aufweisen.

[0014] Der mechanische Schutz der Auslassöffnung gegen eindringendes Cerumen lässt sich vorzugsweise durch einen Stempel realisieren, der in der Öffnung bewegbar untergebracht ist. Somit lässt sich das in die Auslassöffnung eingedrungene Cerumen durch Anheben beziehungsweise Drücken des Stempels entfernen.

[0015] Die vorliegende Erfindung wird nun anhand der beigefügten Zeichnung näher erläutert, die eine Teilschnittansicht eines erfindungsgemäßen gekapselten Hörers zeigt.

[0016] Die nachfolgend beschriebenen Ausführungsformen stellen lediglich bevorzugte Ausführungsformen der vorliegenden Erfindung dar.

[0017] Das in der Figur dargestellte Cerumenschutzsystem besteht im wesentlichen aus zwei Komponenten. Ein Hörgerätehörer 1 ist in einer separaten Kapsel 2 vibrationshemmend mit Dämpfungselementen 3 aufgehängt. Dabei kann diese Kapsel 2 sowohl ein separates Teil als auch als Teil der Hörgeräteschale bei der Schalenherstellung vorgesehen sein.

[0018] Der Hörer 1 besitzt an Stelle des Austrittsstutzens, der üblicherweise verwendet wird, eine seitliche Schallauslassöffnung 4. Über den Hörer 1 wird eine Binde 5 aus hochelastischem und nahezu masselosem Material gezogen. Beispielsweise besteht die Binde aus einem sehr dünnen Schlauch aus einem Teflonfilm. Dadurch dass der Schlauch über den gesamten Hörer 1 gezogen wird, ist die Cerumenschutzabdeckung leicht an dem Hörer 1 zu montieren. Vorteilhaft ist insbesondere, dass auf diese Weise eine Membran ohne Rahmen vor die Öffnung 4 gespannt werden kann.

[0019] Das Innere des Hörers 4 wird durch die Membran beziehungsweise durch den Schlauch fast luftdicht abgeschlossen, so dass ein Eindringen von Cerumenanteilen in den empfindlichen Hörer verhindert wird. Falls die Membran nicht aus einem offenporigen Material besteht, sollte die Öffnung 4 nicht komplett durch die Membran abgedeckt werden. Vielmehr sollte eine sehr geringe Undichtigkeit erhalten bleiben, um einen statischen Ausgleich des Luftdrucks zu ermöglichen. Dies wird in der Praxis oft durch eine kleine zusätzliche Ausgleichsöffnung am Hörergehäuse erreicht.

[0020] Die Schallaustrittsöffnung 4 des Lautsprechers beziehungsweise des Hörers 1 ist möglichst groß zu wählen, damit die über die Öffnung gespannte Membran nicht zu steif ist und den austretenden Schall zu sehr dämpft. Transmissionsmessungen haben ergeben, dass die Schallaustrittsöffnung 4 zumindest eine Größe von 4 mm2 für die zur Verfügung stehenden Folien haben sollte. Da diese Fläche in der Regel auf der Stirnfläche eines länglichen Hörers 1 nicht gegeben ist, ist die Schallaustrittsöffnung 4 an einer Seitenwand des Hörers 1 vorgesehen.

[0021] Die Membran beziehungsweise Binde 5 hält zwar Cerumen vom Hörer 1 ab, jedoch ist es für einen länger wirkenden Schutz von Vorteil, wenn auch größere Cerumenbestandteile von der Membran 5 abgehalten werden. Der Grund hierfür liegt darin, dass Cerumenbestandteile, die an der Membran anhaften, zusätzlich für Dämpfung sorgen. Daher ist der Hörer 1, wie bereits erwähnt, zusätzlich in eine Kapselung 2 eingebracht, in der er schwingungsdämpfend gelagert ist. Diese Kapsel 2 wird durch einen Deckel 6, der selbst eine Schallaustrittsöffnung 7 aufweist abgeschlossen. Der Deckel 6 dient dabei auch als Auflager für die Dämpfungselemente 3.

[0022] Die Schallaustrittsöffnung 7 verhindert durch ihre mechanische Gestaltung das Eindringen von Cerumen und gewährleistet eine einfache Reinigung der Schallaustrittsöffnung. In der in der Figur dargestellten Schallaustrittsöffnung befindet sich ein bistabil aufgehängter Stempel 8, der vorzugsweise aus einem dauerelastischen Kunststoff besteht. Zur Reinigung wird der Stempel 8 nach außen gezogen und manuell abgewischt. Anschließend wird der Stempel wieder eingedrückt. Sollte wider Erwarten Cerumen in die Hörerkapsel 2 eindringen, kann der Deckel 6 der Kapselung vom Akustiker abgenommen und eventuell in einem Ultraschallbad oder Ähnlichem gereinigt werden. Durch die Membran 5 wird jedenfalls verhindert, dass Cerumen direkt in den Hörer 1 eindringt.

[0023] Diese Kombination einer Membran, die den Hörer abdichtet mit einer Anordnung, die das Eindringen grober Cerumenanteile verhindert, wie beispielsweise die genannte Kapselung, hält sämtliche Cerumenbestandteile wirksam vom Hörer 1 ab.

[0024] Je nach Materialwahl und Wahl der Wandstärke der Binde 5 kann diese auch gleichzeitig als Dämpfungselement zur Dämpfung des Hörers 1 gegenüber der Kapsel 2 verwendet werden. Denkbar in diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Wandstärke des Schlauchs beziehungsweise der Binde 5 an der Seite, die die Schallaustrittsöffnung 4 abdeckt, geringer als in anderen Bereichen zu wählen. Somit könnte die Binde 5 mehrere Funktionen übernehmen.


Ansprüche

1. Hörervorrichtung, die in einen Gehörgang einführbar ist, mit
einer Lautsprechereinrichtung (1), die eine Schallaustrittsöffnung (4) aufweist,
gekennzeichnet durch
eine Binde (5), die über der Lautsprechereinrichtung (1) derart angebracht ist, dass sie die Schallaustrittsöffnung (4) zumindest teilweise bedeckt.
 
2. Hörervorrichtung nach Anspruch 1, wobei die Binde (5) aus einem elastischen Material besteht.
 
3. Hörervorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, wobei die Binde (5) ein Schlauchstück ist.
 
4. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die Wandstärke der Binde (5) kleiner als 0,1 mm ist.
 
5. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 4, wobei die Binde (5) als Membran, insbesondere aus Teflonmaterial, ausgeführt ist.
 
6. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Binde (5) aus einem offenporigen Material gefertigt ist.
 
7. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Schallaustrittsöffnung (4) bei Verwendung einer geschlossenenporigen Membran eine Fläche größer als 4 mm2 besitzt.
 
8. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, die ein Gehäuse (2) und eine Dämpfungseinrichtung (3) zur schwingungsgedämpften Lagerung des Lautsprechers (1) in dem Gehäuse (2) aufweist.
 
9. Hörervorrichtung nach Anspruch 8, wobei die Binde (5) gleichzeitig auch die Dämpfungseinrichtung ist.
 
10. Hörervorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 9, die einen Deckel (6) mit Auslassöffnung (7), in und/oder über der eine Cerumenschutzabdeckung (8) angebracht ist, aufweist, so dass Schall durch die Auslassöffnung (7) und die Cerumenschutzabdeckung (8) nach außen, aber Cerumen im wesentlichen nicht nach innen dringen kann.
 
11. Hörervorrichtung nach Anspruch 10, wobei die Cerumenschutzabdeckung (8) einen Stempel umfasst, der senkrecht zur Auslassöffnung (4) bewegbar ist.
 




Zeichnung