[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Optimieren der Regulierungseinstellungen
einer Spinnereimaschine mit einem regulierten Streckwerk, insbesondere einer Regulierstrecke,
einer Karde oder einer Kämmmaschine. Gleichfalls betrifft die Erfindung ein entsprechendes
Verfahren sowie eine Spinnereimaschine.
[0002] Eine Spinnereimaschine mit einem regulierten Streckwerk ist beispielsweise die Regulierstrecke
RSB-D 30 der Firma Rieter, bei der am Eingang die Dikkenschwankungen der einlaufenden
Faserbänder mittels einer mechanischen Abtastung (Nutwalze/Tastwalze) kontinuierlich
gemessen und in elektrische Signale umgewandelt wird. Die Meßwerte werden einem elektronischen
Gedächtnis mit variabler Verzögerung zugeführt. Durch die Veränderung der Verzögerung
wird erreicht, daß der Verzug zwischen Mittelwalze und Lieferwalze des Streckwerks
genau in dem Augenblick erfolgt, zu dem sich das zuvor vom Tastwalzenpaar gemessene
Bandstück im Verzugspunkt befindet. Die Verzögerung bewirkt demnach, daß das entsprechende
Bandstück die Distanz zwischen Tastwalzenpaar und Verzugsort durchlaufen kann. Wenn
das Bandstück den fiktiven Verzugspunkt im Verzugsfeld erreicht, wird der entsprechende
Meßwert durch das elektronische Gedächtnis freigegeben. Dieser Abstand zwischen Meßort
des Tastwalzenpaares und Verzugsort wird Regeleinsatzpunkt genannt. Ist der Regeleinsatzpunkt
erreicht, erfolgt in Abhängigkeit vom Meßwert eine Stellhandlung des Regelmotors.
[0003] Insbesondere beim Wechsel auf andere Fasermaterialien bzw. Partien sind bei Regulierstrecken
und allgemein bei textilverarbeitenden Spinnereimaschinen in der Regel umfangreiche
Optimierungen notwendig. Bei Strecken müssen beispielsweise die mechanischen Einstellungen
optimiert werden, d.h. die Verzugsfeldlängen, die Anspannungen, die Oberwalzenbelastungen,
die Liefergeschwindigkeit usw.. Aber auch die prozeßgesteuerten Parameter müssen erneut
optimal eingestellt werden, so insbesondere der Regeleinsatzpunkt, die Regulierintensität
(Verstärkung der Regelmotorsteuerung), die geforderte Soll-Bandfeinheit , d.h. die
längenbezogene Banddicke (im eigentlichen Sinne messen die Sensoren die Banddicke;
umgangssprachlich werden die Begriffe Bandfeinheit und Banddicke als Synonyme verwendet)
und die Korrekturwerte bei Langsamlauf der Maschine.
[0004] Eine Möglichkeit zum Ermitteln zumindest der optimalen Regulierintensität stellt
der sog. Bändertest dar. Hiermit sollen maschineninterne Einflüsse und materialspezifische
Besonderheiten unabhängig von der Regulierung sicher erfaßt werden. Der Bändertest
wird stichprobenartig und manuell zur Bestimmung der richtigen Ausregulierung von
Dickenschwankungen des oder der Faserbänder durchgeführt. Hierbei wird zunächst die
normale Anzahl vorgelegter Faserbänder (beispielsweise sechs Bänder) verstreckt und
gleichzeitig deren Schwankungen ausreguliert. Danach wird eines der Vorlagebänder
weggenommen und die restlichen Bänder derart ausreguliert, daß die geforderte Bandfeinheit
(in der Einheit "ktex"; umgangssprachlich wird auch der Ausdruck Bandgewicht verwendet)
der normalen Anzahl Vorlagebänder erreicht wird. In einem weiteren Schritt wird zu
der ursprünglichen Zahl der vorgelegten Faserbänder (in dem Beispiel vorher also 6
Bänder) ein zusätzliches Band hinzugefügt. Die Bänder werden wiederum so ausreguliert,
daß ebenfalls die Bandfeinheit der ursprünglichen Bänderanzahl eingehalten wird. Von
jedem der drei Schritte werden Probenstücke in definierter Länge, z.B. jeweils 25
m, entnommen und ausgewogen. Diese Vorgehensweise wird zur Erreichung statistisch
gesicherter Werte mehrfach wiederholt. Aus den gewonnenen Mittelwerten, die eine Dreipunktmessung
repräsentieren, werden die Abweichungen der A%-Werte (A% = prozentuale Bandfeinheit-Abweichung)
des verstreckten, ausregulierten Bandes bestimmt. Der beschriebene Bändertest wird
solange wiederholt, bis akzeptable A%-Abweichungen (z.B. <0.1 %) erreicht werden.
Die Vorgehensweise und die Berechnungsgrundlagen sind für die Strecke RSB-D 30 der
Firma Rieter in der Kurzanleitung unter Punkt 2.31, Abschnitt 3C/100 bis 3C-102 beschrieben.
[0005] Der vorbeschriebene Bändertest ist sehr material- und zeitaufwendig. Beim Wechsel
auf kleinen Partien ist zudem die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gewährleistet. Hinzu
kommt, daß bei kritischen Fasermaterialien die Prüfbedingungen genau eingehalten werden
müssen. Beispielsweise kann es bei veränderlicher Raumfeuchtigkeit dazu kommen, daß
das Fasermaterial in unterschiedlicher Maße Feuchtigkeit aufnimmt, was die Vergleichbarkeit
der Prüfwerte verfälschen kann. In der DE 42 15 682 A1 ist zwar eine Lösung für einen
automatischen Bändertest beschrieben, bei der ein transientes Signal wie beispielsweise
eine Dickstelle zur online-Durchführung eines Bändertests vorgestellt wird. Dieses
Verfahren hat jedoch insbesondere den Nachteil, daß in einer dauernden Regelbewegung
die Regulierparameter, also insbesondere der Regeleinsatzpunkt und die Regulierintensität,
aufgrund der Meßwerte am Ausgang des Streckwerks beeinflußt werden und somit auch
eine ununterbrochene und damit nicht notwendigerweise gewünschte Regelbewegung erfolgt,
die für Unruhe sorgt. In einer alternativen Variante der DE 42 15 682 wird das transiente
Signal durch zeitweilige Zufuhr eines Reservebandes erzeugt, wobei auch dieses Verfahren
entsprechend aufwendig ist.
[0006] Eine weitere aufwendige Anpassung der Regulierungsparameter ist notwendig, wenn die
Meßwerte des Bandmassesensors bzw. Banddickensensors am Streckwerkseinlauf bei definiertem
Langsamlauf der Maschine gegenüber normaler Liefergeschwindigkeit (im Bereich von
heute 800- 1000 m/min) in Abhängigkeit der Materialeigenschaften korrigiert werden
müssen. Bei dem zuvor beschriebenen mechanischen Tastwalzensystem am Streckwerkseinlauf
hat sich nämlich herausgestellt, daß die Auslenkung der Tastwalze geschwindigkeitsabhängig
unterschiedlich ist. Außerdem ist die Eindringtiefe der Tastwalze von der Faserart
abhängig, auch wenn diese die gleiche Feinheit aufweisen. Deshalb wird bisher bei
der erwähnten Rieter-Maschine die sog. "Anpassung Faserart" durchgeführt (s. Kurzanleitung
für die oben genannte Strecke RSB-D 30 der Firma Rieter unter Punkt 2.30, Abschnitt
3C/99), bei der die Ist-Bandfeinheit am Streckwerksauslauf (auch Auslaufbandfeinheit
genannt) im Langsamlauf der Maschine mit der Ist-Bandfeinheit bei normaler Liefergeschwindigkeit
verglichen wird. Hierzu werden die Auswirkungen auf das das Streckwerk verlassende
Faserband anhand von gravimetrischen Sortierungen überprüft, d.h. es wird jeweils
eine Bandprobe von z.B. 10 m Länge bei normaler Liefergeschwindigkeit und bei anschließendem
Langsamlauf (z.B. bei 1/6 der normalen Liefergeschwindigkeit) produziert. Aus dem
Ergebnis des Gewichtsvergleiches kann der Bediener anhand von vorgegebenen Richtwerten
("x% Unterschied zwischen den beiden Ist-Bandfeinheiten entspricht in etwa einer Änderung
bei "Anpassung Faserart" von y%) an einem Bedienerpanel die Korrektur des Meßfehlers
im Langsamlauf eingeben. Auch dieses Vorgehen ist äußerst zeitaufwendig und damit
produktionshemmend und kostenintensiv.
[0007] Es ist Aufgabe der vorliegenden Erfindung, eine Vorrichtung bzw. ein Verfahren der
eingangs genannten Art derart weiterzubilden, daß eine schnelle Optimierung von Regulierungsparametern
von Spinnereimaschinen und insbesondere von Regulierstrecken durchführbar ist.
[0008] Diese Aufgabe wird bei einer Vorrichtung bzw. einem Verfahren der eingangs genannten
Art durch die Merkmale des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs 17 gelöst.
[0009] Die Erfindung bietet den Vorteil, daß eine schnellere Optimierung der Parameter für
die Regulierung - wie insbesondere die Regulierintensität - und des dynamischen Verhaltens
der Regulierstrecken, insbesondere beim Partienwechsel und Materialwechsel, ermöglicht
wird. Gleichfalls ist es möglich, fehlerhafte Meßwerte beim Anfahren der Maschine
durch Berechnung schnell zu erkennen und mittels der Steuer- und/oder Regeleinheit
zu korrigieren. Die hierfür erforderliche Recheneinheit bzw. der notwendige Mikroprozessor
kann hierbei eine separate Einheit bilden oder in einer anderen, beispielsweise einer
zentralen Recheneinheit in oder auch der Sensoranordnung integriert sein.
[0010] Vorteilhafterweise wird als erster Streckwerksbetrieb der Normalbetrieb des Streckwerks
herangezogen. Durch Vergleich der am Auslauf gemessenen Banddicken bzw. Banddickenschwankungen
bzw. Bandfeinheitsschwankungen im Normalbetrieb zu denjenigen im zweiten, Nicht-Normalbetrieb
kann extrapoliert werden, wie groß materialinhärente und/oder maschineninterne Einflüsse
auf die Regulierung sind. Wenn genauere Korrekturen erwünscht sind, können auch dritte
und vierte usw. Streckwerksbetriebe mit in die Auswertung aufgenommen werden, wobei
der Betrieb bei diesen Vorgängen ebenfalls jeweils einem Nicht-Normalbetrieb entspricht
(der entsprechende Meßpunkt zum Normalbetrieb wurde im ersten Streckwerksbetrieb erhalten).
[0011] Zu bemerken ist, daß es auch möglich ist, nicht den Normalbetrieb als ersten Streckwerksbetrieb
heranzuziehen, sondern einen von dem mindestens zweiten Streckwerksbetrieb verschiedenen
Betrieb, um beispielsweise Regulierungsoptimierungen bei besonderen Bedingungen zu
finden.
[0012] Die erfindungsgemäße Vorrichtung bzw. das Verfahren läßt sich mit Vorteil insbesondere
dann einsetzen, wenn der mindestens eine Sensor am Auslauf des Streckwerks sehr hohe
Meßgenauigkeiten liefert. Am geeignetsten ist hier ein nahezu ideal messender Sensor,
der die Banddicke bzw. deren Schwankungen am Streckwerksauslauf mit geringem Fehler
mißt, beispielsweise mit einem Fehler von nicht größer als 0,9%. Auf Grundlage der
sehr genauen Meßwerte am Streckwerksauslauf lassen sich dann die Regulierparameter
für das Streckwerk einstellen. Für derartige Meßanforderungen kann insbesondere und
bevorzugt ein Mikrowellensensor (s. z.B. WO 00/12974) mit Hohlraumresonator am Streckwerksausgang
eingesetzt werden. Im Falle eines Mikrowellensensors spricht man von der Messung der
Bandmasse, anstelle der Banddicke. Wenn im Rahmen dieser Erfindung daher von "Banddicke"
die Rede ist, fällt hierunter im Falle eines Mikrowellensensors auch der Begriff "Bandmasse".
[0013] In einer besonders bevorzugten Ausführungsvariante der Erfindung wird das Hinzufügen
bzw. das Wegnehmen eines einzelnen Vorlagebandes oder eines prinzipiell beliebigen
Anteils eines oder mehrerer Vorlagebänder simuliert. Dies bedeutet, daß für die Optimierung
der Reguliergüte das aktive (reale) Hinzufügen bzw. Wegnehmen eines einzelnen Vorlagebandes
zu den normal vorgelegten Faserbändern entfallen kann. Konkret wird somit - im Sprachgebrauch
der Erfindung - als mindestens zweiter Streckwerksbetrieb die Vorlage von einem oder
mehreren Faserbändern oder nicht-ganzzahligen Faserbandanteilen zusätzlich oder abzüglich
zu dem oder den real vorgelegten Faserbändern simuliert.
[0014] Die vorgenannte Simulation des Bändertests hat den Vorteil, daß - im Gegensatz beispielsweise
zur oben erwähnten DE 42 15 682 A1 - die tatsächliche Bandcharakteristik nicht von
Bedeutung ist. Es muß also nicht ein transientes Signal in den Vorlagebändern oder
ein Reserveband herangezogen werden, um den Bändertest durchzuführen. Statt dessen
reicht eine zu jedem beliebigen Zeitpunkt durchzuführende Simulation.
[0015] Bei einer solchen Simulation werden vorteilhafterweise an den Regelantrieb des Streckwerks
Steuersignale gegeben, welche die elektrische Spannung der tatsächlichen Banddickenschwankungen
- ermittelt aus den Signalen des mindestens einen am Einlauf angeordneten Sensors
- um den Spannungsbetrag entsprechend der simulierten, hinzu- oder weggenommenen Faserbandanteile
erhöhen oder erniedrigen. Wenn also beispielsweise simuliert wird, daß sieben Bänder
dem Streckwerk vorgelegt werden und es in Wirklichkeit nur sechs Bänder sind, werden
die entsprechenden Streckwerkswalzen derart angesteuert, als ob sieben Bänder vorhanden
wären. Das das Streckwerk verlassende und am Streckwerksauslauf in seinem Querschnitt
gemessene Band ist dünner als das - ohne Simulation - normal ausregulierte, bei dem
das Steuersignal der tatsächlichen Zahl der Bänder entspricht. Wenn beispielsweise
die Soll-Bandfeinheit 5 ktex bei sechs vorgelegten Bändern betragen soll, wäre die
Soll-Bandfeinheit bei einer Simulation von sieben vorgelegten Bändern 5 ktex ∗ 5/6.
Wird die Vorlage von fünf Bändern simuliert, beträgt die Soll-Bandfeinheit 5 ktex
∗ 7/6. Die gemessenen Ist-Bandfeinheiten werden nun mit den Soll-Bandfeinheiten bevorzugt
durch iteratives Verändern der Regulierintensität derart abgeglichen, bis die Ist-Bandfeinheiten
mit den Soll-Bandfeinheiten im wesentlichen übereinstimmen. Dies bedeutet, daß die
Ist-Bandfeinheit-Abweichung sehr klein ist; wie weiter unten ausgeführt ist, wird
die Ist-Bandfeinheit-Abweichung als Berechnungsgröße herangezogen. Um hier sicher
zu gehen, kann daher der simulierte Bändertest entsprechend oft wiederholt werden,
bis eine hinreichend genaue Übereinstimmung von Ist- und Soll-Werten zu den Auslauf-Bandfeinheiten
vorliegt. Es können hier z.B. Grenzwerte bzw. Genauigkeitswerte vorgegeben werden,
bei deren Unterschreiten keine weitere Simulationen mehr vorgenommen werden.
[0016] Mit der korrigierten Regulierungsintensität, die einen Faktor darstellt, kann dann
die Kennlinie des Regelantriebs korrigiert werden, insbesondere deren Neigung. Angemerkt
sei, daß sich die Kennlinie zudem je nach an der Maschine eingestellter Liefergeschwindigkeit
verändert und vorteilhafterweise für die jeweilige Liefergeschwindigkeit berechnet
wird bzw. abgespeichert ist.
[0017] Das Verfahren der Simulation des Bändertests soll anhand eines Beispieles expliziter
verdeutlicht werden.
[0018] Bei der Vorlage von - angenommen - mehreren Faserbändern werden die von einem Sensor
am Streckwerkseinlauf gemessenen Banddickenschwankungen m
i, die sich aus der mittleren Bandmasse m
Doublierung und deren Schwankungen Δm
i zusammensetzen, ermittelt und in elektrische Meßsignale U
i (zusammengesetzt aus U
Doublierung und ΔU
i) umgewandelt. Die Meßsignalanteile, welche die dynamischen Anteile ΔU
i wiedergeben, werden für die Regulierung herangezogen. Das Meßsignal der mittleren
Bandmasse m
Doublierung entspricht dem sog. 0%-Abgleich (Betriebspunkt).
[0019] Für die Simulation des Hinzufügens eines Vorlagebandes wird die elektrische Spannung
U
Doublierung, die der mittleren Bandmasse entspricht, beispielsweise um den Gleichspannungsbetrag
ΔU
+1Band erhöht, die der Hinzunahme um ein Faserband entspricht. Es kann sich jedoch vorteilhafterweise
anbieten, diese Erhöhung beispielsweise auf lediglich die maximal auftretenden Banddickenschwankungen,
z.B. +10%, zu beschränken. Falls sechs Bänder vorgelegt würden, würde die Hinzunahme
eines Bandes eine entsprechende Banddikkenschwankung von 16,7% bedeuten. Bei Beschränkung
auf die genannten 10% wird also nicht die Vorlage eines vollständigen Bandes simuliert,
sondern nur von etwa 10/16,7 eines Faserbandes. Der Einfachheit halber wird jedoch
im folgenden von der Simulation der Hinzunahme (und der Wegnahme, s.u.) eines ganzen
Bandes ausgegangen.
[0020] Bei simulierter Hinzunahme eines Bandes erhält der Regelantrieb Steuersignale, die
der Spannung ΔU
i der tatsächlichen Banddickenschwankungen plus dem simulierten zusätzlichen Gleichspannungsbetrag
von ΔU
+1Band entsprechen. Daraus resultiert eine reale Verdünnung des verstreckten Faserbandes
gegenüber der Soll-Bandfeinheit um einen proportionalen Betrag ΔU
+1Band zu dem Gleichspannungsbetrag.
[0021] Für die Bestimmung der prozentualen tatsächlichen Bandfeinheit-Abweichungen (A%
Ist) gemäß der Berechnungsgrundlage für den Bändertest gibt es zumindest zwei voneinander
unabhängige Berechnungsmöglichkeiten. Die erste Möglichkeit beruht auf der Bildung
eines Soll-Quotienten, der sich aus der folgenden Gleichung ergibt:

[0022] Für die Bestimmung des tatsächlichen A%
Ist-Wertes wird eine zweite Gleichung aufgestellt:

[0023] Darin bedeuten:
- TSoll,ΔU+1Band :
- Soll-Bandfeinheit infolge des simulierten hinzugenom. Bandes;
- TIst,ΔU+1Band :
- Ist-Bandfeinheit infolge des simulierten hinzugenom. Bandes;
- TN,D :
- Ist-Bandfeinheit der normal verstreckten Faserbänder.
[0024] Bevorzugt werden mehrere Werte zur Ist-Bandfeinheit pro Streckwerksbetrieb gemittelt,
beispielsweise jeweils drei Werte über eine Faserbandlänge von jeweils 20 m. In dem
konkret genannten Beispiel heißt dies, daß drei Werte für sechs Faserbänder (ohne
Simulation) und drei Werte für sieben Faserbänder (sechs real vorgelegte und ein zusätzlich
simuliertes) gemessen und jeweils der arithmetische Mittelwert gebildet wird.
[0025] Mit Hilfe der Gleichung (2) kann dann der Ist-Wert des zugehörigen A%-Wertes berechnet
werden. Falls dieser Ist-Wert oberhalb eines Grenzwertes liegt, wird bevorzugt die
Regulierintensität verändert und vorzugsweise der simulierte Bändertest erneut durchgeführt.
Zusätzlich können noch eine oder mehrere andere Bandvorlagen simuliert werden, beispielsweise
die Wegnahme eines Bandes, um den zugehörigen A%
Ist-Wert zu berechnen. Prinzipiell ist es jedoch möglich, die Simulation lediglich für
eine Situation bzw. lediglich einen zweiten Streckwerksbetrieb (Hinzunahme oder Wegnahme
eines Faserbandes bzw. Faserbandanteils) durchzuführen und das Ergebnis vorzugsweise
mit demjenigen für die real vorgelegten Faserbänder zu vergleichen. Unabhängig davon,
bei wie vielen verschiedene Streckwerksbetrieben die Messungen durchgeführt werden,
wird bevorzugt iterativ vorgegangen, indem der A
Ist%-Wert für die mindestens zwei Streckwerksbetriebe berechnet und ggf. danach die Regulierintensität
verändert wird, um bei diesen neuen Bedingungen den entsprechenden A
Ist%-Wert zu berechnen, bis dieser einen vorgegebenen Grenzwert unterschritten hat und
somit die korrigierte Regulierintensität, d.h. die optimale Einstellung, gefunden
ist.
[0026] Eine zweite, alternative Möglichkeit zur Berechnung des tatsächlichen A
Ist%-Wertes beruht zunächst auf der Umrechnung der am Auslauf des Streckwerks gemessenen
Ist-Bandfeinheit infolge der simulierten Hinzunahme eines Bandes, d.h. T
Ist,ΔU+1Band, um den Quotienten

:

[0027] Die Bestimmung des A%-Wertes erfolgt gemäß dem folgenden Zusammenhang:

[0028] Für die Simulation der Wegnahme eines Vorlagebandes wird die elektrische Spannung
U
Doublierung, die der mittleren Bandmasse entspricht, um den Gleichspannungsbetrag ΔU
-1Band vermindert. Auf diese Weise erhält der Regelantrieb Steuersignale, die den Signalen
ΔU
i der tatsächlichen Banddikkenschwankungen sowie des simulierten Gleichspannungsbetrages
von ΔU
-1Band entsprechen. Daraus resultiert eine Verdickung des verstreckten Faserbandes gegenüber
der Soll-Bandfeinheit um einen proportionalen Betrag zu dem Gleichspannungsbetrag
ΔU
-1Band, z.B. +10%.
[0029] Die Berechnungen der tatsächlichen A%-Werte (A%
Ist) erfolgen zweckmäßigerweise gemäß Gleichung (2) oder (4), wobei die entsprechenden,
vorteilhafterweise über mehrere Messungen gemittelten, Bandfeinheiten zu berücksichtigen
sind. In einer bevorzugten Vorgehensweise wird die Bandfeinheit bei einer Simulation
eines zusätzlichen Faserbandes (zweiter Streckwerksbetrieb) und die Bandfeinheit bei
einer Simulation eines weggenommenen Faserbandes (dritter Streckwerksbetrieb) sowie
im Normalbetrieb (erster Streckwerksbetrieb) gemessen. Vorzugsweise werden hierbei
Mittelwerte über beispielsweise jeweils drei Messungen ermittelt. Anhand von beispielsweise
Gleichung (2) werden aus diesen - ggf. gemittelten - Bandfeinheiten jeweils die A
Ist%-Werte für die größere bzw. die niedrigere Anzahl von Faserbändern berechnet. Weisen
diese A
Ist%-Werte unterschiedliche Vorzeichen auf, was gleichbedeutend mit einer Überregulierung
in dem einen Fall und einer Unterregulierung in dem anderen Fall, wird vorteilhafterweise
der Mittelwert gebildet (wie dies auch beim herkömmlichen Bändertest entsprechend
der erwähnten Kurzanleitung unter Punkt 2.31, Abschnitt 3C/101 beschrieben ist). Die
Regulierintensität wird dann bevorzugt in einem iterativen Verfahren solange verändert,
bis dieser Mittelwert und/oder die beiden A
Ist%-Werte vorgegebene Grenzwerte unterschreiten.
[0030] Für die Berechnung der A%-Werte ist eine Recheneinheit erforderlich. Die Durchführung
des automatisierten bzw. automatischen Bändertests mittels Simulation erfolgt in einer
bevorzugten Variante vor einem Partienwechsel. Alternativ oder zusätzlich wird der
simulierte Bändertest in definierten Zeitabständen und/oder bei Auftreten eines bestimmten
Ereignisses, beispielsweise bei Drift des A%-Wertes oberhalb eines vorgegebenen Driftgrenzwertes,
simuliert.
[0031] In einer zweiten vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung können fehlerhafte Meßwerte
bei Langsamlauf der Maschine, d.h. insbesondere beim Anfahren und beim Stoppen, korrigiert
werden, ohne daß die eingangs beschriebene "Anpassung Faserart" durch aufwendige Laborprüfung
durchgeführt werden muß. Im allgemeinen sind die optimalen Regulierparameter als Funktion
der Liefergeschwindigkeit unterhalb einer bestimmten Liefergeschwindigkeit nicht bekannt.
Bei Verwendung beispielsweise eines Nut-/Tastwalzenpaares am Einlauf sind bei langsameren
Maschinenlauf (Anfahren und Stoppen der Maschine) Meßwertverfälschungen aufgrund des
gegenüber höheren Produktionsgeschwindigkeiten unterschiedlichen Einsinkverhaltens
der Tastwalze in das oder die vorgelegten Faserbänder die Folge. Erst bei höheren
Liefergeschwindigkeiten, im Extremfall erst bei Erreichen der End-Liefergeschwindigkeit,
kann man von einer Konstanz der Regulierparameter ausgehen. Es sind daher beim Anfahren
und Stoppen der Maschine Messungen durchzuführen, aus denen die optimalen Regulierparameter
zumindest extrapoliert bzw. abgeschätzt werden können. Hierzu sind Messungen mit Hilfe
des mindestens eines Sensors am Streckwerksauslauf bei mindestens zwei Geschwindigkeiten
erforderlich. Vorteilhafterweise wird hierbei eine Geschwindigkeit bei einem definierten
Langsamlauf der Maschine (= zweiter Streckwerksbetrieb) herangezogen, beispielsweise
1/6 der Betriebsgeschwindigkeit, und die Betriebsgeschwindigkeit (= erster Streckwerksbetrieb)
selbst. Bei beiden Geschwindigkeiten werden die vorgelegten Faserbänder verstreckt
und ausreguliert. Die jeweilig erzeugten Bandfeinheiten werden im Auslauf der Regulierstrecke
mit Hilfe des mindestens einen Sensors erfaßt und gegebenenfalls bei Abweichung der
Bandfeinheiten wird die "Anpassung Faserart" bevorzugt automatisch derart vorgenommen,
daß die Regulierung die fehlerhaften Meßergebnisse des mindestens einen Sensors am
Streckwerkseinlauf beim Langsamlauf im Vergleich zum Normalbetrieb (= Schnellauf)
ausgleicht. Hierzu wird beispielsweise ein Korrekturfaktor durch den Prozessor ermittelt
und mit diesem Faktor der Meßfehler im gegenüber dem Normalbetrieb reduzierten Geschwindigkeitsbetrieb
korrigiert.
[0032] Statt der vorgenannten Zweipunkt-Messung, d.h. Messung in einem definierten Langsamlauf
und im Normalbetrieb, ist es selbstverständlich auch möglich, Meßwerte bei mehreren
anderen, gegenüber dem Normalbetrieb vorteilhafterweise reduzierten Geschwindigkeiten
zu verwenden, um somit die Genauigkeit der Korrelation bzw. Funktion zwischen optimalen
Regulierparametern und Liefergeschwindigkeit zu erhöhen. Beispielsweise können hierzu
mehrere Betriebszustände des Streckwerks beim Hochfahren und/oder beim Stoppen der
Spinnereimaschine mit gegenüber dem Normalbetrieb langsamerer Liefergeschwindigkeit
herangezogen werden. Die heutige Schnelligkeit der Prozessoren macht es ggf. möglich,
beim Hochfahren oder Stoppen der Maschine den genannten Funktionsverlauf durch Aufnahme
vieler Meßpunkte sehr genau anzunähern.
[0033] Die Ergebnisse aus dem simulierten Bändertest und der "Anpassung Faserart" können
elektronisch gespeichert werden, um bei Wiederholung ähnlicher Bedingungen auf sie
zurückzugreifen. Allerdings macht die Einfachheit und Schnelligkeit der erfindungsgemäßen
Lösung ein solches Vorgehen nicht unbedingt notwendig. In diesem Fall wird beispielsweise
lediglich eine Plausibilitätskontrolle durchgeführt.
[0034] Statt einer automatischen Einstellung der optimalen Regulierparameter ist auch eine
manuelle Anpassung bzw. Korrektur dieser oder einzelner Parameter möglich. In diesem
Fall schlägt die Maschine bevorzugt diese Einstellwerte vor und der Bediener kann
sie dann beispielsweise an einem entsprechenden Bedienerpanel einstellen, das vorzugsweise
mit einer Anzeigeeinrichtung kombiniert ist. In einer weiteren Alternative wird zunächst
von der Maschine eine Plausibilitätskontrolle durchgeführt und bei positivem Ergebnis
die Optimierung des oder der Regulierparameter automatisch vorgenommen. Alternativ
wird nach positiver Plausibilitätskontrolle dem Bediener eine solche optimierte Maschineneinstellung
vorgeschlagen. Der Bediener kann auch selbst - zusätzlich oder alternativ - eine solche
Plausibilitätskontrolle durchführen, sei es aufgrund seiner Erfahrungen und/oder mit
Hilfe eines Kontrollblattes o.ä..
[0035] Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind durch die Merkmale der Unteransprüche
gekennzeichnet.
[0036] Im folgenden wird die Erfindung anhand der Figuren näher erläutert. Es zeigen:
- Figur 1
- eine Schaltungsanordnung einer Regulierstrecke gemäß der Erfindung;
- Figur 2a, 2b
- eine Veranschaulichung des Bändertests gemäß dem Stand der Technik und gemäß der Erfindung,
wobei die jeweiligen Spannungssignale am Einlaufsensor und am Auslaufsensor dargestellt
sind;
- Figur 3a, 3b
- die Simulation der Hinzunahme bzw. der Wegnahme eines Faserbandes, durch Anlegen einer
entsprechenden Spannung einerseits am Eingang des FIFO-Speichers und andererseits
hinter dem FIFO-Speicher sowie die daraus resultierenden, mit einem Auslaufsensor
gemessenen Ist-Bandfeinheiten;
- Figur 4
- einen Graphen mit den Soll-Bandfeinheiten mit und ohne simuierte Faserbandanteile
in Abhängigkeit der Soll-Bandfeinheit-Abweichungen (A%Soll);
- Figur 5
- eine Darstellung der zu korrigierenden Fehler am Einlaufsensor bei langsamen Liefergeschwindigkeiten,
und
- Figur 6
- eine Korrektur der genannten Fehler durch eine automatische "Anpassung Faserart".
[0037] In Figur 1 ist schematisch ein beispielhaftes Steuerungsprinzip einer Regulierstrecke
1 dargestellt. Am Eingang der Strecke 1 wird die Banddicke der einlaufenden Faserbänder
2- in diesem Fall sechs Faserbänder 2 - mechanisch mit einem Nut-/Tastwalzenpaar 3
erfaßt, welchem ein Trichter 18 zur Zusammenführung der Faserbänder 2 vorgeschaltet
ist. Nach Passieren des Nut-/Tastwalzenpaares 3 werden die Faserbänder 2 wieder ausgebreitet,
um in das Streckwerk einzulaufen. Die Meßwerte des als Einlaufsensor dienenden Nut-/Tastwalzenpaares
3 werden von einem Signalwandler 4 in elektrische Spannungswerte umgewandelt, die
einem als FIFO (First-In-First-Out) ausgebildeten Speicher 5 zugeführt werden. Der
FIFO-Speicher 5 gibt die Meßspannung - mit Unterstützung eines Impulsgebers 6 - mit
definierter zeitlicher Verzögerung an eine Sollwertstufe 7 weiter. Der FIFO-Speicher
5 und die Sollwertstufe 7 sind hierbei Teil eines Regulierungsrechners 17 (in gepunkteter
Umrandung dargestellt). Die Sollwertstufe 7 erhält außerdem von einem Leittacho 9
eine Leitspannung, die ein Maß für die Drehzahl der unteren, von einem Hauptmotor
8 angetriebenen Walze eines Lieferwalzenpaares 22 ist. Anschließend wird in der Sollwertstufe
7 eine Sollspannung errechnet und an eine Steuer- und/oder Regeleinheit 10 weitergegeben.
In der Steuer- und/oder Regeleinheit 10 findet ein Soll-lstwert-Vergleich statt. Die
zugehörigen Istwerte stammen hierbei von einem Regelmotor 11, der sie an einen Istwert-Tacho
12 übermittelt, welcher wiederum die entsprechende Ist-Spannung an die Steuer- und/oder
Regeleinheit 10 weitergibt. Der Soll-Istwert-Vergleich in der Steuer- und/oder Regeleinheit
10 wird dazu benutzt, dem Regelmotor 11 eine ganz bestimmte, der gewünschten Verzugsänderung
entsprechende Drehzahl zu erteilen. Der Regelmotor 11 ist mit einem Planetengetriebe
13 verbunden, in das ebenfalls der Hauptmotor 8 treibt. Mittels des Planetengetriebes
13 wird die Drehzahl der unteren Walze eines Eingangswalzenpaares 20 und der unteren
Walze eines Mittelwalzenpaares 21 so verändert, daß eine Bandvergleichmäßigung bei
konstanten Drehzahlen des Lieferwalzenpaares 22 (konstante Liefergeschwindigkeit)
stattfindet. Das Faservlies bzw. die Faserbänder werden demnach einerseits im Vorverzugsfeld
zwischen dem Eingangswalzenpaar 20 und dem Mittelwalzenpaar 21 und andererseits im
Hauptverzugsfeld (und zwar im Regeleinsatzpunkt) zwischen dem Mittelwalzenpaar 21
und dem Lieferwalzenpaar 22 verzogen. Auch das Nut-/Tastwalzenpaar 3 wird mit Hilfe
der Motoren 8, 11 angetrieben.
[0038] Als Regelgröße dient die am Nut-/Tastwalzenpaar 3 (Einlaufsensor) gemessene Banddicke.
Aufgrund des Faserbandtransports vom Nut/Tastwalzenpaar 3 zum Streckwerk - bestehend
aus dem Eingangs-, Mittelund Lieferwalzenpaar 20, 21, 22 - wird eine Totzeit errechnet,
welche der Verzögerungszeit im FIFO-Speicher 5 entspricht. Die theoretisch errechnete
Totzeit wird unter Berücksichtigung des dynamischen Antriebs des Regelmotors 11 und
des dazugehörigen Antriebsstranges stets korrigiert. Die Drehzahl für den Regelmotor
11 als Stellgröße wird von der Steuer- und/oder Regeleinheit 10 ermittelt, wobei hierbei
die Ist-Banddicke des Faserbandes, der Sollwert der Banddicke (als Führungsgröße)
und die Drehzahlen des Hauptmotors 8 und des Regelmotors 11 verarbeitet werden. Durch
die proportionale Überlagerung der Drehzahlen des Hauptmotors 8 und des Regelmotors
11 und unter Berücksichtigung der genannten Totzeit wird die Banddicke im Streckwerk
im Regeleinsatzpunkt, der zwischen dem Mittel- und Lieferwalzenpaar 21, 22 liegt,
geregelt.
[0039] Erfindungsgemäßer Bestandteil der beispielhaften, vorgestellten Regulierstrecke ist
mindestens ein sehr präzise messender Banddickensensor 30 am Auslauf des Streckwerks,
der in dem gezeigten Ausführungsbeispiel einem Bandtrichter 19 nachgeschaltet ist.
Ein solcher Sensor 30 kann beispielsweise mittels Mikrowellen sehr genau die Banddickenschwankungen
bzw. Bandmasseschwankungen des das Streckwerk verlassenden Faserbandes 2' messen.
Andere Meßprinzipien mit hoher Meßpräzision sind ebenfalls möglich, beispielsweise
basierend auf kapazitiven, optischen, akustischen und/oder mechanischen Meßmethoden.
Der mindestens eine Sensor 30 ist gemäß einem Ausführungsbeispiel der Figur 1 (durchgezogene
Verbindungslinien) unter Zwischenschaltung eines Meßwertspeichers 15 mit einer in
dem Regulierungsrechner 17 angeordneten Recheneinheit 14 (bzw. Mikroprozessor) verbunden,
welche wiederum mit der Sollwertstufe 7 verbunden ist. In einer weiteren, ebenfalls
in Figur 1 dargestellten Alternative (gestrichelte Verbindungslinien) ist der Sensor
30 unter Zwischenschaltung eines Meßwertspeichers 15' mit einer separaten Recheneinheit
14' (bzw. Mikroprozessor) verbunden, die ihrerseits mit dem Regulierungsrechner 17
und hierbei insbesondere mit der Sollwertstufe 7 in Verbindung steht. Die Recheneinheit
14' und der Speicher 15' können in einem Rechner 17' für die Bandüberwachung integriert
sein, der in der Figur 1 in gepunkteter Umrandung dargestellt ist. Alternativ kann
in dem mindestens einen Sensor 30 selbst eine Recheneinheit mit einem Meßwertspeicher
(nicht dargestellt) integriert sein.
[0040] Mittels des mindestens einen Sensors 30 ist insbesondere ein simulierter Bändertest
möglich. Hierbei wird der Steuer- und/oder Regeleinheit 10 kurzzeitig eine Spannung
- beispielsweise über die Recheneinheit 14 bzw. die Recheneinheit 14, durch die Sollwertstufe
7 oder durch einen bei der gezeigten Ausführungsform nicht vorgesehenen Zentralrechner
- vorgegeben, die der Hinzunahme oder der Wegnahme eines Bandes oder eines Anteils
eines oder mehrerer dem Streckwerk vorgelegter Faserbänder 2 entspricht. Diese Spannungssignale
werden denjenigen realen Spannungssignalen überlagert, die beispielsweise in dem Signalwandler
4 aus den mechanischen Signalen des Nut-/Tastwalzenpaares 3 umgewandelt sind. Die
Steuerund/oder Regeleinheit 10 gibt ein den überlagerten Spannungssignalen entsprechendes
Stellsignal an den Regelmotor 11, so daß dieser einen entsprechenden Verzug der nunmehr
in Form eines ausgebreiteten Faservlieses vorliegenden Faserbänder 2 veranlaßt.
[0041] Mittels des mindestens eines Sensors 30, der gemäß der oben genannten Anforderung
sehr präzise zu messen vermag, kann nun überprüft werden, ob und wie die Hinzunahme
und/oder die Wegnahme von Faserbandanteilen ihren Niederschlag in dem entsprechend
ausregulierten Faservlies bzw. Faserband 2' gefunden hat. Diese Auswertung wird gemäß
den beiden in Figur 1 dargestellten Alternativen mittels der Recheneinheit 14 oder
der Recheneinheit 14' vorgenommen. Falls die Überprüfung ergibt, daß die Regulierintensität,
also die Verstärkung der Regelmotorsteuerung, nicht optimal eingestellt ist, wird
diese verändert, vorzugsweise aufgrund des Rechenergebnisses durch einen entsprechenden
Befehl von der Recheneinheit 14 bzw. der Recheneinheit 14' an die Steuer- und/oder
Regeleinheit 10 veranlaßt. Bevorzugt wird anschließend dieser automatische bzw. simulierte
Bändertest mindestens noch einmal durchgeführt, um die angepaßte Regulierintensität
zu überprüfen und ggf. weiter (iterativ) zu optimieren. Die Zwischenergebnisse können
in einem Speicher 16 bzw. 16' geschrieben und wieder ausgelesen werden, der mit der
Recheneinheit 14 bzw. 14' in Verbindung steht. Ebenfalls können in dem Speicher 16
bzw. 16' die verschiedenen ermittelten Faktoren zur Regulierintensität bei den ggf.
verschiedenen simulierten Streckwerksbetrieben abgespeichert und anschließend hieraus
ein - ggf. gewichteter - Mittelwert bzw. Durchschnittswert ermittelt werden, vorzugsweise
mit Hilfe der Recheneinheit 14 bzw. 14'.
[0042] Somit kann der bisher durch aufwendige Laborprüfung durchgeführte Bändertest durch
die Hinzunahme und/oder die Wegnahme von Faserbandanteilen simuliert werden. Präziser
werden die Simulationen bzw. die Anpassungen der Regulierintensität, wenn sowohl die
Hinzunahme als auch die Wegnahme von Faserbandanteilen simuliert wird und ggf. jeweils
mehrere Meßpunkte (Simulation von jeweils unterschiedlichen Faserbandanteilen) aufgenommen
werden.
[0043] Im Rahmen der Terminologie dieser Erfindung wird beim hier als "simulierter Bändertest"
bezeichneten Modus bevorzugt der normale Streckwerksbetrieb als erster Streckwerksbetrieb
bezeichnet und die zusätzliche Überlagerung durch Spannungssignale von simulierten
hinzugenommenen und/oder weggenommenen Faserbandanteilen als zweiter, dritter, vierter
usw. Streckwerksbetrieb. Wird nur eine zusätzliche positive oder negative Spannung
entsprechend einem simulierten Faserbandanteil durchgeführt, wird neben dem ersten
Streckwerksbetrieb lediglich der zweite Streckwerksbetrieb zur Optimierung der Regulierintensität
herangezogen. Vorteilhafterweise werden jedoch sowohl die Hinzunahme als auch die
Wegnahme eines Faserbandes oder eines Faserbandanteils simuliert.
[0044] In den Figuren 2a und 2b sind das bisherige Vorgehen beim Bändertest und der simulierte
Bändertest gemäß der Erfindung noch einmal gegenübergestellt. In der Figur 2 ist bei
"A" in der linken Bildhälfte die Vorlage von sechs Faserbändern 2 - entsprechend dem
Normalbetrieb - als auch die Vorlage von fünf bzw. sieben realen Faserbändern 2 und
die entsprechenden am Einlaufsensor 3 gemessenen Spannungssignale wiedergegeben. Die
Regulierung des Streckwerks ist derart eingestellt, daß das gemessene Spannungssignal
am Auslaufsensor 30 - wiedergegeben bei "B" in der rechten Bildhälfte - und damit
die Bandfeinheit des resultierenden Faserbandes 2' idealerweise immer gleich ist.
[0045] Demgegenüber ist beim simulierten Bändertest gemäß der Erfindung (Figur 2b) die real
vorgelegte Anzahl an Faserbändern 2 konstant, beispielsweise sechs Faserbänder mit
ca. jeweils 5 ktex, so daß auch die Meßspannung am Einlaufsensor 3 um einen entsprechend
engen Meßbereich schwankt, s. "A" in der linken Bildhälfte. Mit dem Auslaufsensor
30 hingegen werden unterschiedliche Bandfeinheiten entsprechend der real vorgelegten
Faserbandanzahl zu- oder abzüglich der simulierten Faserbandanteile erhalten, s. "B"
in der rechten Bildhälfte. Der mittlere Graph gehört zu den sechs vorgelegten Faserbändern
2 ohne Simulationsanteilen, die beiden darüber liegenden Graphen zu einer zusätzlichen
Simulation von 10/16,7 bzw. einem vollständig weggenommenen Faserband (entsprechend
10% bzw. 16,7% Soll-Bandgewicht-Abweichung). Die beiden unteren Meßverläufe entsprechen
einer zusätzlichen Simulation von 10/16,7 bzw. einem vollständig hinzugenommenen Faserband
(entsprechend -10% bzw. -16,7% Soll-Bandgewicht-Abweichung). Insgesamt werden demnach
vorliegend Simulationen bei fünf verschiedenen Streckwerksbetrieben durchgeführt,
wobei vorteilhafterweise pro Streckwerksbetrieb Mittelungen aus mehreren Messungen
vorgenommen werden. Beispielsweise werden pro Streckwerksbetrieb drei- oder viermal
20 m Band vermessen und die Resultate gemittelt. Die Meßwerte zu den jeweiligen Messungen
werden vorzugsweise in dem Speicher 15 bzw. 15' zwischengespeichert und dann für die
Mittelung und Weiterverarbeitung der Recheneinheit 14 bzw. 14' zur Verfügung gestellt.
[0046] In Figur 3a ist die simulierte Hinzunahme und in Figur 3b die simulierte Wegnahme
eines Faserbandes zu der real vorgelegten Faserbandanzahl dargestellt, und zwar in
jeweils zwei Alternativen. Die linke, gestrichelt dargestellte y-Achse repräsentiert
hierbei die dem Regelmotor 11 vorgegebene Steuerspannung und die rechte, durchgezogene
y-Achse die mit dem Auslaufsensor 30 gemessene Ist-Bandfeinheit. Die Steuerspannung
beträgt im normalen Regelbetrieb ca. 0 V (bei der nicht dargestellten Verwendung von
Einzelantrieben wäre die Steuerspannung im Normalbetrieb hingegen ungleich 0 V). Die
jeweilig zugehörigen Graphen sind ebenfalls gestrichelt bzw. durchgezogen dargestellt.
Bei der einen der beiden Alternativen kann das zusätzliche oder weggenommene Faserband
durch Anlegen eines entsprechenden Steuerspannungspulses in Höhe von ca. zusätzlichen
+0,7 V bzw. -0,7 V am Eingang des FIFO-Speichers 5 realisiert werden, s. Spannungssprung
bei "1". Wegen der erwähnten Tot- bzw. Verzögerungszeit im Speicher 5 ("FIFO-Länge")
wird der Abfall bei einem simulierten zusätzlichen Faserband (Figur 3a) bzw. der entsprechende
Anstieg bei einem simulierten weggenommenen Faserband (Figur 3b) erst mit der entsprechenden
Verzögerung (zurückgelegte Wegstrecke der Bänder 2 vom Sensor 3 zum Regeleinsatzpunkt
entsprechend der FIFO-Länge plus der zurückgelegten Wegstrecke vom Regeleinsatzpunkt
zum Auslaufsensor 30) vom Sensor 30 registriert.
[0047] Anders ist dies beim gleichfalls möglichen Anlegen der Simulationsspannungen am Ausgang
des FIFO-Speichers 5 (oder am Ein- oder Ausgang der Sollwertstufe 7 oder am Eingang
der Steuer- und/oder Regeleinheit 10) - s. jeweiligen Spannungssprung bei "2" -, wobei
aufgrund des kurzen Weges zwischen dem Streckwerk und dem Auslaufsensor 30 das entsprechende
Signal mit nur kurzer Verzögerung am Ausgang des Auslaufsensors 30 erhalten wird.
[0048] In der jeweils mit "Auswertung" bezeichneten Zeitdauer werden Meßpunkte am Sensor
30 aufgenommen, beispielsweise jeden cm ein Meßpunkt über eine Bandstrecke von 20
m. Der gemittelte Wert ergibt die Ist-Bandfeinheit T
Ist,ΔU+1Band bzw. T
Ist,ΔU-1Band, vgl. Gleichung (2). Wie oben ausgeführt, werden vorteilhafterweise aufgrund von
Streuung der Meßergebnisse die Messungen bei jedem Betriebspunkt bzw. jedem Streckwerksbetrieb
wiederholt und anschließend ein Mittelwert für die Ist-Bandfeinheiten weiterverarbeitet.
[0049] Anhand der Figur 4 wird im folgenden unter Hinzuziehung der obigen Gleichungen (1)
und (2) das Prinzip des simulierten Bändertests am Beispiel einer sechsfachen Doublierung
weiter erläutert. Es sei hierbei angenommen, daß fünf, ggf. gemittelte, Meßwerte entsprechend
fünf verschiedenen Streckwerksbetrieben zur Erstellung einer Funktion aufgenommen
werden, welche die Soll-Bandfeinheiten in Abhängigkeit der Soll-Bandfeinheit-Abweichungen
(A%
Soll) repräsentiert. Die Ist-Bandfeinheit des resultierenden Faserbandes 2' bei der Verstreckung
von sechs Faserbändern 2 ohne Simulation (T
N,D) soll vorliegend idealerweise 5 ktex betragen. Die Soll-Bandfeinheit A%
Soll infolge von einem simulierten zusätzlichen Faserband (T
Soll,ΔU+1 Band) berechnet sich zu 5 * 5/6 = 4,167, so daß nach Gleichung (1) A%
Soll = -16,7%. Gemäß dem Beispiel der Figur 4 werden zusätzlich noch die Wegnahme eines
Faserbandes (A%
Soll = 16,7%), sowie die Hinzunahme von einem Faserbandanteil entsprechend A%
Soll = -10% und die Wegnahme eines Faserbandanteils entsprechend A%
Soll = 10% simuliert. Entsprechend sind in Figur 4 die Soll-Bandfeinheiten T
Soll gegen die Soll-Bandfeinheit-Abweichungen (A%
Soll) aufgetragen.
[0050] Im Prinzip werden nun die Soll-Bandfeinheiten T
Soll gemäß der Figur 4 mit den Ist-Bandfeinheiten T
Ist gemäß der Figur 2b miteinander verglichen. Rechnerisch werden hierzu unter Verwendung
von Gleichung (2) mit Hilfe der A%
Soll-Werte aus der Figur 4 die A%
Ist-Werte für den zweiten, dritten usw. Streckwerksbetrieb und hieraus ein Mittelwert
berechnet. Anschließend wird die Regulierintensität des Streckwerks verändert und
wiederum die Messungen der entsprechenden Ist-Bandfeinheiten (proportional zu den
Meßspannungen am Auslaufsensor) durchgeführt, bis der zugehörige A%
Ist-Wert einen bestimmten vorgegebenen Grenzwert unterschreitet.
[0051] Mittels der erfindungsgemäßen Vorrichtung ist gleichfalls bevorzugt eine Korrektur
der Meßwertverfälschung des Einlaufsensors 3, d.h. dem Streckwerk vorgelagerten Sensor,
bei langsamen Liefergeschwindigkeiten, insbesondere also beim Anfahren und beim Stoppen
der Maschine, möglich. Der erste Streckwerksbetrieb entspricht hierbei dem Normalbetrieb
der Maschine bei den üblichen hohen Liefergeschwindigkeiten (im Bereich von heute
800 - 1000 m/min), der zweite Streckwerksbetrieb hingegen dem Langsamlauf. Insbesondere
bei mechanisch abtastenden Einlaufsensoren, wie dem in der Figur dargestellten Nut-/Tastwalzenpaar
3, ist die Eindringtiefe des Tastelements in das oder die vorgelegten Faserbänder
2 von der Geschwindigkeit dieser Bänder abhängig, so daß sich Meßverfälschungen ergeben,
die für den Langsamlauf zu korrigieren sind.
[0052] In Figur 5 ist dieser Sachverhalt näher dargestellt. Die am Einlaufsensor 3 gemessene
Bandfeinheit (durchgezogener Graph) und die am Auslaufsensor 30 gemessene Bandfeinheit
(gestrichelter Graph) sind für das Anfahren, den Normalbetrieb und das Stoppen der
Maschine dargestellt. Die gesamte Bandfeinheit von hier sechs vorgelegten Faserbändern
soll konstant 30 ktex betragen, wobei dieser Wert im Normalbetrieb der Maschine gemessen
wird. Beim Anfahren und Stoppen der Maschine können die Walzen des Nut/Tastwalzenpaares
3 tiefer in diese sechs Bänder eindringen, so daß eine geringere gemessene Bandfeinheit
resultiert als im Normalbetrieb. Diese Situation kommt der Registrierung einer Dünnstelle
gleich. Dementsprechend wird mehr Bandmaterial dem Streckwerk angeliefert, um ein
gleichmäßiges Faserband zu erhalten. Als Konsequenz wird am Auslaufsensor 30 ein dickeres
Faserband gemessen. Diesen Fehler gilt es gemäß der Erfindung zu korrigieren, ohne
das Laborprüfungen notwendig wären.
[0053] Diese Korrektur kann entsprechend der Erfindung vorgenommen werden, indem bei einem
oder mehreren, gegenüber dem auch als Schnelllauf bezeichneten Normalbetrieb der Maschine
langsameren Streckwerksbetrieben die jeweilig erzeugten Bandfeinheiten mittels des
mindestens einen Auslaufsensors 30 erfaßt werden. Beim Ausführungsbeispiel gemäß der
Figur 6 sind drei Meßpunkte bei unterschiedlichen langsamen Liefergeschwindigkeiten
sowie ein Meßpunkt bei einer Liefergeschwindigkeit, ab welcher kein Meßfehler am Einlaufsensor
4 mehr auftritt, aufgenommen worden. Vorzugsweise werden auch hier Mittelwerte über
mehrere Messungen bei gleichen Bedingungen durchgeführt. Die gestrichelte Linie verdeutlicht
den Kurvenverlauf, wenn bei jeder Liefergeschwindigkeit Meßpunkte aufgenommen würden.
[0054] Mit Hilfe der Recheneinheit 14 bzw. der Recheneinheit 14' gemäß den Ausführungsalternativen
in Figur 1 werden die Meßwerte dahingehend ausgewertet, welche Abweichungen die am
Auslaufsensor 30 gemessenen Bandfeinheiten bei den unterschiedlichen Liefergeschwindigkeiten
aufweisen. Bei Abweichung der Bandfeinheiten wird die sog. "Anpassung Faserart" erfindungsgemäß
bevorzugt automatisch derart vorgenommen, daß der Regulierungsrechner 17 die verfälschenden
Meßergebnisse des mindestens einen Einlaufsensors 3 bei dem oder den Langsamläufen
im Vergleich zum Normalbetrieb (= Schnelllauf) ausgleicht, indem die registrierten
Meßsignale korrigiert und somit der Regelmotor 11 entsprechend angesteuert wird. Hierzu
wird vorteilhafterweise ein Korrekturfaktor oder eine Korrekturfunktion ermittelt,
beispielsweise durch die Recheneinheit 14 bzw. durch die Recheneinheit 14', und damit
der Meßfehler im gegenüber dem Normalbetrieb reduzierten Geschwindigkeitsbetrieb korrigiert.
Der Korrekturfaktor bzw. die Korrekturfunktion können in dem Speicher 16 bzw. 16'
abgelegt sein bzw. werden.
[0055] In der Figur 6 ist beispielhaft dargestellt, wie eine derartige Korrekturfunktion
ermittelt werden kann. Die vier genannten Meßpunkte sind jeweils mit Geraden verbunden,
woraus sich eine (nicht-stetige) Funktion ergibt. Die Werte der Korrekturfunktion
können dann beim Hochfahren oder Stoppen der Maschine der momentanen Liefergeschwindigkeit
zugeordnet werden, um den Regelmotor 11 entsprechend anzusteuern. In einer einfachen
Alternative wird lediglich ein Meßpunkt bei einer niedrigen Liefergeschwindigkeit
aufgenommen (entsprechend dem Stand der Technik, in dem allerdings gravimetrische
Laborwägungen an dem verstreckten Faserband durchgeführt werden) und dieser Meßpunkt
mit dem Meßpunkt bei derjenigen Liefergeschwindigkeit, ab welcher kein Meßfehler am
Einlaufsensor mehr auftritt, durch eine einzige Gerade angenähert. Diese Gerade liefert
dann einen Korrekturfaktor. Statt derartigen linearen Approximationen ist es auch
möglich, die Meßpunkte mit einer stetigen Funktion zu verbinden, wodurch die Genauigkeit
der Korrektur gesteigert werden kann. In der Figur 6 ist ebenfalls dargestellt, daß
das resultierende Faserband mit der erfindungsgemäßen Korrektur eine im wesentlichen
konstante Bandfeinheit von 5 ktex besitzt (durchgezogener Graph).
[0056] Bei einem alternativen Reguliersystem (nicht dargestellt) wird auf ein Planetengetriebe
verzichtet. Vielmehr werden Einzelantriebe eingesetzt. Der Antrieb der unteren Einlauf-
und der unteren Mittelwalze erfolgt hierbei vorzugsweise direkt durch einen separaten
Regelmotor. Für die genaue Synchronisation des Hauptmotors, der für den Lieferwalzenantrieb
mit einer festen Drehzahl betrieben wird, und des Regelmotors sorgt ein Verzugsrechner.
Das Drehzahlverhältnis der beiden Motoren bestimmt den Verzug. Auch bei diesem Reguliersystem
läßt sich die beschriebene Erfindung entsprechend einsetzen.
[0057] Vor und/oder nach Ausführung jeder Optimierungsstufe oder auch am Schluß der Optimierung
der Regulierungseinstellungen können die erzielten Ergebnisse durch den Anwender bestätigt
werden, z.B. an einem Maschinendisplay bzw. einer Anzeigeeinrichtung 25, die gemäß
dem in Figur 1 dargestellten Ausführungsbeispiel mit dem Regulierungsrechner 17 verbunden
ist. Der Doppelpfeil zwischen dem Regulierungsrechner 17 und der Anzeigeeinrichtung
25 verdeutlicht, daß einerseits Daten von dem Regulierungsrechner 17 zur Anzeigeeinrichtung
25 übermittelt werden können und daß andererseits an der Anzeigeieinnrichtung 25 bspw.
ein Touch Panel angeordnet ist, um Befehle an den Regulierungsrechner 17 zu übermitteln.
Demnach können die ermittelten Werte insbesondere einer Plausibilitätskontrolle durch
den Anwender unterzogen werden. In einer Alternative sind die Anzeigeeinrichtung und
ein Eingabeeinrichtung getrennt voneinander angeordnet.
[0058] Nach den Optimierungen wird bevorzugt ein automatischer Kannenwechsel am Auslauf
eingeleitet, damit in den anschließend zu befüllenden Kannen nur ein optimal über
seine gesamte Länge gleichmäßig verstrecktes Faserband abgelegt wird. Darüber hinaus
soll am Maschinendisplay bevorzugt ein Hinweis gegeben werden, daß das Testmaterial
zu entfernen ist.
[0059] Zusammengefaßt ermöglicht somit die Erfindung insbesondere, daß zum einen der Bändertest
weitgehend automatisiert werden kann. Zum anderen wird eine Methode zur Korrektur
des Bandfehlers beim Anfahren und Stoppen sowie im definierten Langsamlauf einer Regulierstrecke
gegenüber der Betriebsgeschwindigkeit in Abhängigkeit von den zu verarbeitenden Fasermaterialien
vorgeschlagen. Dabei erfolgen die Prozesse in einer bevorzugten Variante vollautomatisch.
Insbesondere nach einem Partienwechsel werden zunächst die mechanischen Parameter
optimiert sowie das Erreichen der gewünschten Bandfeinheit abgewartet, bevor - vorzugsweise
in dieser Reihenfolge - die "Anpassung Faserart" und der simulierte Bändertest vorgenommen
wird. Der Regeleinsatzpunkt kann - vorzugsweise anschließend - über die CV-Werte bestimmt
werden, wie dies beispielsweise in der EP 803 596 B1 beschrieben ist.
[0060] Die Erfindung wurde anhand einer Regulierstrecke beschrieben. Sie läßt sich gleichfalls
jedoch ebenso an einer Karde oder einer Kämmmaschine mit einem Regulierstreckwerk
einsetzen. Ebenso kann die Erfindung bei einer Karde oder einer Kämmmaschine mit einer
nachgeordneten Strecke mit einem Regulierstreckwerk Verwendung finden.
1. Vorrichtung zum Optimieren der Regulierungseinstellungen einer Spinnereimaschine (1)
mit einem regulierten Streckwerk, insbesondere einer Regulierstrecke (1), einer Karde
oder einer Kämmmaschine, dem ein oder mehrere Faserbänder (2) kontinuierlich zugeführt
werden, mit mindestens einem dem Streckwerk vorgelagerten Sensor (3) zum Erfassen
von Werten zur Banddicke des oder der einlaufenden Faserbänder (2), mit mindestens
einem am Auslauf des Streckwerks angeordneten Auslaufsensor (30) zum Erfassen von
Werten zur Banddicke des resultierenden Faserbandes (2') in einem ersten Streckwerksbetrieb
sowie in mindestens einem zweiten, definierten Streckwerksbetrieb, wobei der zweite
Streckwerksbetrieb nicht dem Normalbetrieb des Streckwerks entspricht, mit einer Recheneinheit
(14; 14') zum Vergleichen der mit dem mindestens einen Auslaufsensor (30) erfaßten
Werte zu den mindestens zwei Streckwerksbetrieben, und mit einer Steuer- und/oder
Regeleinheit (10) zum Anpassen der Regulierungseinstellungen aufgrund von die Meßwerte
beeinflussenden Maschineneigenschaften und/oder Faserband-Materialeigenschaften.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als erster Streckwerksbetrieb der Normalbetrieb des Streckwerks mit bei der Faserbandpoduktion
üblich hohen Liefergeschwindigkeiten heranziehbar ist.
3. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der mindestens eine Auslaufsensor (30) ein Mikrowellensensor ist.
4. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß als mindestens zweiter Streckwerksbetrieb eine kurzzeitige Vorlage von einem oder
mehreren Faserbändern oder nicht ganzzahligen Faserbandanteilen zusätzlich oder abzüglich
zu dem oder den real vorgelegten Faserbändern (2) simulierbar ist ("simulierter Bändertest"),
um insbesondere den Verstärkungsfaktor für die Streckwerksregulierung (Regulierintensität)
zu korrigieren.
5. Vorrichtung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß mittels der Steuer- und/oder Regeleinheit (10) an den Regelantrieb (11) des Streckwerks
Spannungssteuersignale gebbar sind, die den simulierten hinzu- bzw. weggenommenen
Faserbandanteilen entsprechen und zu denjenigen elektrischen Spannungssignalen (Ui) addiert bzw. von diesen subtrahiert werden, welche den tatsächlichen, von dem mindestens
einen dem Streckwerk vorgelagerten Einlaufsensor (3) ermittelten Banddickenschwankungen
entsprechen.
6. Vorrichtung nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß eine Recheneinheit (14; 14') aus der Soll-Bandfeinheit und der gemessenen Ist-Bandfeinheit
im Falle der Simulation der Hinzunahme und/oder Wegnahme von Faserbandanteilen (=
zweiter Streckwerksbetrieb) sowie der Ist-Bandfeinheit bei der Verstreckung der realen
Anzahl Faserbänder (= erster Streckwerksbetrieb ohne Simulation) den Ist-Wert des
A%-Wertes zu berechnen vermag.
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei Messungen lediglich in einem ersten und in einem zweiten Streckwerksbetrieb die
Regulierintensität solange automatisch oder manuell nachregelbar ist, bis der Ist-Wert
des A%-Wertes einen minimalen Wert erreicht hat oder einen vorgegebenen Wert unterschreitet.
8. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß bei Messungen in mehr als zwei Streckwerksbetrieben die Regulierintensität solange
automatisch oder manuell nachregelbar ist, bis die Ist-Werte der A%-Werte oder ein
Mittelwert aus diesen Ist-Werten einen minimalen Wert erreicht hat oder einen vorgegebenen
Wert unterschreitet.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß als mindestens zweiter Streckwerksbetrieb ein Langsamlaufbetrieb mit gegenüber dem
Normalbetrieb (= erster Streckwerksbetrieb) langsamerer Liefergeschwindigkeit heranziehbar
ist ("Anpassung Faserart").
10. Vorrichtung nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, daß Abweichungen zwischen der gemessenen Ist-Bandfeinheit am Streckwerksauslauf im mindestens
zweiten Streckwerksbetrieb gegenüber dem ersten Streckwerksbetrieb in eine entsprechende
Ansteuerung des Regelantriebs (11) im zweiten Streckwerksbetrieb umsetzbar sind, so
daß die gemessenen Ist-Bandfeinheiten am Streckwerksauslauf für den ersten und den
zweiten Streckwerksbetrieb im wesentlichen gleich groß sind oder deren Differenz unterhalb
einem vorgegebenen Grenzwert liegen.
11. Vorrichtung nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß in einem oder mehreren Testläufen von einer Recheneinheit (14; 14') ein oder mehrere
Korrekturfaktoren und/oder eine Korrekturfunktion ermittelbar und in einem Speicher
(16; 16') abspeicherbar sind, die in darauf folgenden Langsamlaufbetrieben, insbesondere
beim Hochfahren und Stoppen der Spinnereimaschine, zur Ansteuerung des Regelantriebs
(11) abrufbar sind.
12. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der Vergleich von dem mindestens ersten und zweiten Streckwerksbetrieb bei einem
Partienwechsel, in vorgegebenen Zeitabständen und/oder beim Auftreten vordefinierter
Ereignisse durchführbar ist.
13. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß nach den optimierten Maschinenanpassungen gemäß den vorstehenden Ansprüchen ein Kannenwechsel
am Maschinenauslauf veranlaßbar ist.
14. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Anpassung der Regulierungseinstellungen automatisch oder seitens eines Bedieners
durch manuelles Einstellen an der Maschine vornehmbar ist.
15. Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß an der Maschine eine Anzeigeeinrichtung (25) zur Anzeige vorgesehen ist, ob und/oder
welche Anpassungen der Regulierungseinstellungen aufgrund von die Meßwerte beeinflussenden
Maschineneigenschaften und/oder Faserband-Materialeigenschaften vorgenommen werden
sollten.
16. Spinnereimaschine, insbesondere Regulierstrecke (1), Karde oder Kämmmaschine, mit
einer Vorrichtung nach einem der vorhergehenden Ansprüche.
17. Verfahren zum Optimieren der Regulierungseinstellungen einer Spinnereimaschine (1)
mit einem regulierten Streckwerk, insbesondere einer Regulierstrecke (1), einer Karde
oder einer Kämmmaschine, umfassend folgende Schritte:
- ein oder mehrere Faserbänder (2) werden dem Streckwerk kontinuierlich zugeführt;
- am Einlauf des Streckwerks werden mit Hilfe mindestens eines Sensor (3) Werte zur
Banddicke des oder der Faserbänder (2) erfaßt;
- am Auslauf des Streckwerks werden mit Hilfe mindestens eines Auslaufsensors (30)
Werte zur Banddicke des resultierenden Faserbandes (2') in einem ersten Streckwerksbetrieb
und in mindestens einem zweiten, definierten Streckwerksbetrieb erfaßt, wobei der
zweite Streckwerksbetrieb nicht dem Normalbetrieb des Streckwerks entspricht, und
- die erfaßten Werte zu den mindestens zwei Streckwerksbetrieben werden mit Hilfe
einer Recheneinheit (14; 14') miteinander verglichen, um Anpassungen der Regulierungseinstellungen
aufgrund von die Meßwerte beeinflussenden Maschineneigenschaften und/oder Faserband-Materialeigenschaften
vorzunehmen.
18. Verfahren nach Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß als mindestens zweiter Streckwerksbetrieb eine kurzzeitige Vorlage von einem oder
mehreren Faserbändern oder nicht ganzzahligen Faserbandanteilen zusätzlich oder abzüglich
zu dem oder den real vorgelegten Faserbändern (2) simuliert wird ("simulierter Bändertest"),
um insbesondere den Verstärkungsfaktor für die Streckwerksregulierung (Regulierintensität)
zu korrigieren.
19. Verfahren nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, daß an den Regelantrieb (11) des Streckwerks kurzzeitig Spannungssteuersignale gegeben
werden, die den simulierten hinzu- bzw. weggenommenen Faserbandanteilen entsprechen
und zu denjenigen elektrischen Spannungssignalen (Ui) addiert bzw. von diesen subtrahiert werden, welche den tatsächlichen Banddickenschwankungen
entsprechen und die von dem mindestens einem am Einlauf angeordneten Sensor (3) ermittelt
werden.
20. Verfahren nach Anspruch 18 oder 19, dadurch gekennzeichnet, daß aus der Soll-Bandfeinheit und der gemessenen Ist-Bandfeinheit im Falle der Simulation
der Hinzunahme bzw. Wegnahme von Faserbandanteilen (= zweiter Streckwerksbetrieb)
sowie der Ist-Bandfeinheit bei der Verstrekkung der realen Anzahl Faserbänder (= erster
Streckwerksbetrieb ohne Simulation) der Ist-Wert des A%-Wertes von einer Recheneinheit
(14; 14') berechnet wird.
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß die Regulierintensität solange automatisch oder manuell nachgeregelt wird, bis der
Ist-Wert des A%-Wertes (bei Messungen lediglich im ersten und im zweiten Streckwerksbetrieb)
oder die Ist-Werte der A%-Werte oder ein Mittelwert aus diesen Ist-Werten (bei Messungen
in mehr als zwei Streckwerksbetrieben) einen minimalen Wert erreicht hat oder einen
vorgegebenen Wert unterschreitet.
22. Verfahren nach einem der Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß der mindestens zweite Streckwerksbetrieb ein Betrieb mit gegenüber dem Normalbetrieb
(= erster Streckwerksbetrieb) langsamerer Liefergeschwindigkeit ist und daß die Meßwerte
zur Ist-Bandfeinheit für den mindestens zweiten Streckwerksbetrieb durch entsprechende
Ansteuerung des Regelantriebs (11) derart korrigiert werden, daß die gemessenen Ist-Bandfeinheiten
für den ersten und den zweiten Streckwerksbetrieb im wesentlichen gleich groß sind
oder deren Differenz unterhalb eines vorgegebenen Grenzwerts liegen ("Anpassung Faserart").
23. Verfahren nach Anspruch 22, dadurch gekennzeichnet, daß die Korrektur für verschiedene, gegenüber dem Normalbetrieb langsamere Liefergeschwindigkeiten
durchgeführt wird.
24. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 17 bis 23, dadurch gekennzeichnet, daß der Vergleich von dem mindestens ersten und zweiten Streckwerksbetrieb bei einem
Partienwechsel, in vorgegebenen Zeitabständen und/oder beim Auftreten vordefinierter
Ereignisse durchgeführt wird.
25. Verfahren nach einem der Ansprüche 17 bis 24, dadurch gekennzeichnet, daß nach den optimierten Maschinenanpassungen gemäß den vorstehenden Ansprüchen ein Kannenwechsel
am Maschinenauslauf veranlaßt wird.