[0001] Die Erfindung betrifft ein Holzbauteil, das zur sichtbaren Verwendung für Holzkonstruktionen,
insbesondere für Fensteroder Türprofile, Holzbalken, Möbel, u.Ä. verwendbar ist. Die
Erfindung betrifft ferner ein Fenster- oder Türkantel, ein Fenster- oder Türprofil
sowie ein Herstellungsverfahren hierfür.
[0002] Aus dem bekannten Stand der Technik sind Holzbauteile bekannt, die eine sehr dünne
Furnierschicht aufweisen. Derartige Holzbauteile haben den Vorteil, dass das Trägermaterial
kostengünstig sein kann und lediglich das Furnier ein hochwertiges Holz ist. Bevor
das Furnier auf das Trägermaterial aufgebracht wird, ist das Trägermaterial zu bearbeiten.
Ein Bearbeiten des Holzbauteils samt Furnier ist deshalb nicht möglich, da dann das
Furnier beschädigt wird. Bekannte Holzbauteile haben folglich den Nachteil, dass das
Trägermaterial ohne das Furnier zu bearbeiten ist, und erst in einem letzten Arbeitsschritt,
wenn das Trägermaterial seine vorgesehene Geometrie aufweist, das Furnier auf das
Trägermaterial aufgebracht wird.
[0003] Aus der DE 200 11 080 U1 ist eine Kantel mit mindestens zwei Decklagen aus Massivholz
bekannt geworden.
[0004] Aus der EP 0 445 663 A1 ist ein verleimtes Holzprofil zur Herstellung von beispielsweise
Fensterlelementen bekannt geworden, das aus mehreren miteinander verleimten, im Querschnitt
rechteckigen, aus massivem Holz hergestellten Holzlamellen besteht.
[0005] Aus der DE 299 00 623 U1 sind Fenster- / Türrahmen bekannt geworden, die aus Profilelementen
mit mehreren Schichten zur Aufnahme einer Verglasung bestehen. Dabei ist an wenigstens
einer Seitenfläche der Profilelemente eine Holzleiste vorgesehen.
[0006] Die bekannten Holzbauteile haben den Nachteil, dass der Holzverbrauch an hochwertigem,
im verbauten Zustand sichtbaren Holz sehr hoch ist.
[0007] Der vorliegenden Erfindung liegt deshalb die Aufgabe zugrunde, ein Holzbauteil, insbesondere
eine Fenster- oder Türkantel bzw. Fenster oder Türprofil , sowie ein Verfahren zur
Herstellung von Holzbauteilen bzw. von Fenster- oder Türkanteln bereitzustellen, das
optimale Eigenschaften aufweist, das ggf. optisch hochwertig aussieht, das dennoch
kostengünstig ist und dessen Herstellung mit geringem Arbeitsaufwand verbunden ist.
Dabei soll insbesondere auch eine Bearbeitung vor Ort, ohne dass das Holzbauteils
unbrauchbar wird, möglich sein.
[0008] Diese Aufgabe wird mit einem Holzbauteil gemäß des Anspruchs 1 gelöst. Das erfindungsgemäße
Holzbauteil hat den Vorteil, dass es als zu bearbeitendes oder als zu verbauendes
Holzbauteil bereitstellbar ist. Die Seite des Holzbauteils, die nach dessen Bearbeitung
bzw. nach dessen Verbauen sichtbar ist, weist das Sichtholz auf. Das Sichtholz hat
eine solche Stärke, dass es je nach späterem Verwendungszweck spanabhebend bearbeitbar
ist. Dies hat den Vorteil, dass an den später, d.h. nach der Bearbeitung und Montage
des Holzbauteils, sichtbaren Oberflächenabschnitten des Holzbauteils ausschließlich
das Sichtholz sichtbar ist. An diesen Abschnitten kommt folglich der Kern trotz spanabhebender
Bearbeitung nicht zum Vorschein; das Sichtholz ist auch nach dessen Verarbeitung als
einheitliche Oberfläche für den Betrachter sichtbar. Hierdurch wird der Eindruck erweckt,
dass das Holzbauteil massiv aus einem Holz gebildet wird, wie es das Sichtholz wiedergibt.
Ein Beschädigen des Holzbauteils, derart, dass es unbrauchbar wird, ist aufgrund der
vorgesehenen Stärke des Sichtholzes nicht möglich. An Stellen, die nach der Montage
des Holzbauteils nicht sichtbar sind, ist es unschädlich wenn der Holzkern aufgrund
einer Bearbeitung des Holzbauteils zum Vorschein kommt. Diese Stellen beeinträchtigen
die einheitliche optische Wahrnehmung des des Holzbauteils nicht.
[0009] Dabei ist vorgesehen, dass die besonderen Umweltbedingungen zugewandten Seiten des
Holzbauteils den Umweltbedingungen gerecht werdendes Sichtholz aufweisen. Ist beispielsweise
eine Seite des Holzbauteils einer Witterung ausgesetzt, so kann das Sichtholz an dieser
Seite des Holzbauteils derart ausgebildet sein, dass es diesen Witterungen gerecht
wird. Der Kern kann hierbei aus einem Holz sein, das an und für sich nicht den jeweiligen
Umweltbedingungen gerecht wird. Durch Vorsehen des Sichtholzes auf dem Kern schirmt
das Sichtholz den Kern vor den Umweltbedingungen ab.
[0010] Als sehr geeignetes und dauerhaft beständiges Sichtholz hat sich Riftholz und/oder
thermisch veredeltes Holz bewährt.
[0011] Besonders vorteilhaft ist, wenn die Sichthölzer aus Riftsichtholz sind und dass die
gegenüberliegenden Längsseiten von zwei gegenüberliegenden Sichthölzern von den beiden
anderen Sichthölzern abgedeckt werden, wobei die Stärke dieser beiden Sichthölzer
näherungsweise dem Abstand der Jahresringe der Sichthölzern entspricht, deren Längsseiten
abgedeckt sind. Die Nahtstelle zwischen den Sichthölzern ist dabei so gut wie nicht
sichtbar. Außerdem kann beispielsweise keine Feuchtigkeit in das Holz eindringen und
es beschädigen.
[0012] Vorzugsweise ist der Kern ein Holzkern. Der Kern kann allerdings auch aus Kunststoff,
wie beispielsweise aus PU, Syrodur oder einem ähnlich hochdämmendem Material sein.
[0013] Besonders vorteilhaft ist, wenn das unbearbeitete Sichtholz eine Stärke zwischen
1 mm und 50 mm, insbesondere zwischen 3 mm und 15 mm, aufweist. Durch derartige Stärken
wird gewährleistet, dass eine spanabhebende Bearbeitung des Holzbauteils möglich ist,
ohne dass der Kern zum Vorschein kommt. Das Verhältnis Stärke Kern zu Stärke Sichtholz
ist vorzugsweise größer als 2:1, 5:1 oder 12:1. Durch das Vorsehen eines derartigen
Verhältnisses wird gewährleistet, dass vor allem der Kern auf das Holzbauteil wirkende
Kräfte aufnimmt.
[0014] Bei einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung weist der Kern einen weitgehend
rechteckigen Querschnitt auf, wobei das Sichtholz an sämtlichen Längsseiten des Holzbauteils
vorgesehen ist. Derartige Holzbauteile eignen sich besonders vorteilhaft zur Bearbeitung
bzw. zu einem Verbauen in Holzkonstruktionen. Die Holzbauteile können beispielsweise
im Handel als Bauteile in Normgrößen erhältlich sein und wie bisherige Massivholzbauteile,
aus einem Holzstück, gehandhabt und verarbeitet werden. Aufgrund des relativ starken
Sichtholzes kann einem Verziehen oder einem Aufreißen des Holzbauteils bzw. des Kerns
entgegengewirkt werden. Im Vergleich zu Vollholzbauteilen sind die erfindungsgemäßen
Holzbauteile formstabiler.
[0015] Dabei kann der Kern aus qualitativ minderwertigerem und/oder optisch unschönem Holz
sein, insbesondere aus Bauholz, Kantholz, Brettschichtholz od.dgl.. Vorteilhaft ist,
wenn der Kern so ausgestaltet ist, dass er die auf das Holzbauteil wirkenden äußeren
Kräfte aufnimmt.
[0016] Das Sichtholz kann im Gegensatz zu dem Kern aus qualitativ hochwertigem und/oder
optisch schönem Holz sein.
[0017] Vorteilhafterweise wirken auf das Holzbauteil einwirkende äußere Kräfte nicht auf
das Sichtholz. Je nach Verwendungszweck des Holzbauteils kann verschiedenartiges Sichtholz
Verwendung finden.
[0018] Als sehr beständiges Sichtholz hat sich Riftholz und/oder thermisch veredeltes Holz
bewährt. Riftholz oder thermisch veredeltes Holz ist insbesondere witterungsbeständig.
Riftholz ist solches Holz, dessen Jahresringe senkrecht zu der der Witterung ausgesetzten
Seite verlaufen. Thermisch veredeltes Holz ist solches Holz, das einer thermischen
Behandlung von insbesondere über 100°C ausgesetzt wird. Durch eine solche Behandlung
verändern sich die physikalischen Eigenschaften des Holzes, was beispielsweise zum
Setzen (Abbau) von in dem Holz vorhandenen Spannungen führen kann. Ferner werden durch
die thermische Behandlung im Holz befindliche Mikroben, Bakterien, Viren, Pilze usw.
abgetötet, so dass das Holz gegen Witterung und Umweltbelastungen besser resistent
ist. Die thermische Behandlung kann in einem Bereich von ca. 100°C bis 300°C, ohne
dass das Holz verbrennt, stattfinden. Insbesondere bei Temperaturen oberhalb von 150°C
verändern sich die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Zellwände des Holzes,
wodurch das Holz resistenter wird.
[0019] Erfindungsgemäße Holzbauteile können auch derart aufgebaut sein, dass der Kern mehrere,
miteinander gefügte Kernteile umfasst. Ein Fügen der Kernteile findet insbesondere
stoffschlüssig, vorzugsweise durch Leimen, statt.
[0020] Das unlösbare Verbinden des Holzbauteils mit dem Sichtholz erfolgt vorteilhafterweise
ebenfalls stoffschlüssig, insbesondere durch Verleimen.
[0021] Um qualitativ hochwertige Holzbauteile aus sortenreinen Materialien zu erhalten,
ist insbesondere erfindungsgemäß vorgesehen, dass das Holzbauteil und das Sichtholz
jeweils aus entsprechendem Massivholz sind.
[0022] Die eingangs genannte Aufgabe wird ferner durch Fenster- oder Türkanteln zur Herstellung
von Fenster- oder Türprofilen gelöst, die ein erfindungsgemäßes Holzbauteil aufweisen
oder aus erfindungsgemäßen Holzbauteilen bestehen. Derartige Fenster- oder Türkanteln
haben den entscheidenden Vorteil, dass sie spanabhebend zur Herstellung von beliebigen
Fensteroder Türprofilen Verwendung finden können. Je nach Art der Profile ist die
Dicke des Sichtholzes vorzusehen. Erfindungsgemäße Fenster- oder Türkanteln sind kostengünstig
herzustellen. Das teure, witterungsbeständige Holz, insbesondere Riftholz, kann sehr
sparsam als Sichtholz Verwendung finden. Der Kern kann im Gegensatz hierzu aus einem
relativ kostengünstigen Holz sein. Dennoch handelt es sich bei derart hergestellten
Fenster- oder Türprofilen um Vollholzfensterprofile.
[0023] Derartige Fenster- oder Türkanteln sind vorteilhafterweise so ausgebildet, dass wenigstens
die dem Witterungsbereich zugewandte Seite der Kantel ein thermisch veredeltes Sichtholz
und/oder ein Riftsichtholz aufweist.
[0024] Ferner ist vorteilhaft, wenn die dem Innenbereich zugewandte Seite der Kantel ein
optisch schönes Sichtholz, beispielsweise ein astfreies Sichtholz, aufweist.
[0025] Die genannte Aufgabe wird außerdem durch Fenster- oder Türprofile gelöst, die aus
erfindungsgemäßen Fenster- oder Türkanteln hergestellt werden. Derartige Fenster-
oder Türprofile sind Vollholzprofile, die weitaus preisgünstiger hergestellt werden
können als Fenster- oder Türprofile, die vollständig aus der Holzart des Sichtholzes
bestehen.
[0026] Ferner wird die genannte Aufgabe gelöst durch ein Verfahren zur Herstellung von erfindungsgemäßen
Holzbauteilen und/oder erfindungsgemäßen Fenster- oder Türkanteln, wobei in einem
ersten Arbeitsschritt wenigstens zwei Kerne mit einem Sichtholz verleimt werden und
in einem zweiten Arbeitsschritt die beiden Kerne durch einen Schnitt durch das Sichtholz
voneinander getrennt werden, so dass zwei Holzbauteile entstehen. Ein solches Verfahren
hat den Vorteil, dass erfindungsgemäße Holzbauteile bzw. Kanteln auf einfache Art
und Weise bereitstellbar sind. Aus zunächst drei Holzgrundkörpern, nämlich zwei Kernen
und einem Sichtholz, werden zwei teilfertige Holzbauteile hergestellt. Die Dicke des
vorzusehenden Sichtholzes hängt von der vorzusehenden Stärke des Sichtholzes der entstehenden
Holzbauteile ab. Das zu verwendende Sichtholz weist vorzugsweise eine Dicke auf, die
den beiden vorzusehenden Stärken plus der Schnittzugabe entspricht.
[0027] Das erfindungsgemäße Verfahren kann derart weitergebildet werden, dass in einem dritten
Arbeitsschritt ein weiteres Sichtholz mit noch freien Seiten der beiden Kerne verleimt
wird und dass in einem vierten Arbeitsschritt die Kerne durch einen Schnitt durch
das Sichtholz wieder voneinander getrennt werden, so dass wieder zwei teilfertige
Holzbauteile entstehen. Folglich werden aus den Arbeitsschritten 1 und 2 resultierenden
Holzbauteilen durch Verleimen eines weiteren Sichtholzes wieder zwei Holzbauteile
bereitgestellt. Die Dicke des zu verwendenden Sichtholzes hängt wiederum von der Stärke
des Sichtholzes ab, wie es weiterverarbeitet werden soll.
[0028] Vorteilhafterweise können die Arbeitsschritte 3 und 4 mehrfach wiederholt werden,
und zwar gegebenenfalls so häufig, bis sämtliche Seiten der Kerne Sichtholz aufweisen.
[0029] Ein besonders vorteilhaftes Verfahren ergibt sich dann, wenn das Sichtholz vor dem
Verleimen mit dem Kern thermisch veredelt wird. Entsprechend ergibt sich ein vorteilhaftes
Verfahren, wenn das Sichtholz in Riftlage mit den jeweiligen Kernen verleimt wird.
[0030] Weitere vorteilhafte Ausgestaltungen und Einzelheiten der Erfindung sind der folgenden
Beschreibung zu entnehmen, in der die Erfindung anhand der in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispiele näher beschrieben und erläutert ist.
[0031] In der Zeichnung zeigen:
- Fig. 1:
- ein Fensterprofil im Querschnitt gemäß dem bekannten Stand der Technik;
- Fig. 2:
- ein weiteres Fensterprofil im Querschnitt gemäß dem bekannten Stand der Technik;
- Fig. 3:
- ein erfindungsgemäßes Fensterprofil im Querschnitt;
- Fig. 4:
- ein erfindungsgemäßes Holzbauteil im Querschnitt;
- Fig. 5:
- eine perspektivische Ansicht auf ein erfindungsgemäßes Holzbauteil; und
- Fig. 6.1 - 6.5:
- verschiedene Arbeitsschritte zur Herstellung eines erfindungsgemäßen Holzbauteils.
[0032] In der Fig. 1 ist eine als Fensterprofil 10 verarbeitete Fensterkantel 12 dargestellt.
Die Fensterkantel 12 ist aus einem massiven Holzbauteil. Die eine Schmalseite 14 der
Fensterkantel 12 grenzt an Mauerwerk 16 an. Die andere Schmalseite 18 weist eine Längsnut
20 auf, die zur Aufnahme von Dichtungsmittel 22 sowie einer Glasscheibe 24 vorgesehen
ist.
[0033] Die der Außenseite 26 und der Innenseite 28 zugewandten Längsseiten 30 und 32 sind
so gewählt, dass die Jahresringe 34 der Fensterkantel 12 senkrecht zu den Längsseiten
30 bzw. 32 verlaufen. Die Seite des Holzes, die senkrecht zu den Jahresringen 34 verläuft,
ist die sogenannte Riftseite. Sie hat den Vorteil, dass sie witterungsbeständig ist.
Feuchtigkeit kann nur schlecht in das Holz eindringen, insbesondere auch dann, wenn
es sich bei dem Holz um Spätholz handelt.
[0034] Derartige bekannte Fensterkanteln 12 werden aus äußerlich schönen und gesunden Bäumen
erzeugt, wobei Holzabschnitte, die nach außen auftretende Fehler aufweisen, ausgekappt
werden. Dies führt zu einer sehr geringen Ausbeute des Holzstamms, da je größer der
Querschnitt der Fensterkantel ist, umso geringer die Wahrscheinlichkeit ist, ein fehlerfreies
und damit geeignetes Holzstück zu erhalten.
[0035] Gemäß der Fig. 2 ist ferner bekannt, sogenannte Dreischichtkanteln 42 vorzusehen.
Die beiden äußeren Schichten 44 und 46 sind als Riftholz ausgebildet. Die mittlere
Schicht 48, die eine der Längsnut 20 entsprechende Stärke aufweist, ist beispielsweise
aus teilgezinktem Holz, das nicht fehlerfrei sein muss.
[0036] Durch Verwendung einer Dreischichtkantel 42 erhöht sich die Ausbeute gegenüber einer
Fensterkantel 12 gemäß Fig. 1.
[0037] Insgesamt ist die Ausbeute immer noch relativ gering, da die mittlere Schicht 48
die Breite der Glasscheibe 24 bzw. der Längsnut 20 aufweist. Ferner nachteilig ist,
dass die der Glasscheibe 24 zugewandten Schmalseiten der beiden äußeren Schichten
44 und 46 witterungsanfällig sind.
[0038] Die in der Fig. 3 dargestellte, zu einem erfindungsgemäßen Fensterprofil 50 verarbeitete
erfindungsgemäße Fensterkantel 52 weist an ihren Schmalseiten 14 und 18 sowie an ihren
Längsseiten 30 und 32 lamellenartige Sichthölzer 54, 56, 58 und 60 auf. Die Sichthölzer
54, 56, 58, 60 sind um einen Kern, 62, der als Holzkern ausgebildet ist, verleimt.
Der Holzkern 62 kann aus günstigen teilgezinkten Holzstücken bzw. aus Bauholz, Kantholz,
Brettschichtholz, sägerauhem Holz, Konstruktionsvollholz oder ähnlichem Holz sein.
Die Lage der Jahresringe des Holzkerns 62 ist unerheblich.
[0039] Die Sichthölzer 54, 56, 58 und 60 sind hingegen qualitativ hochwertigere, insbesondere
witterungsbeständige Hölzer. Vorzugsweise handelt es sich um Rifthölzer, bei denen
die Jahresringe 64 senkrecht zu der jeweils äußeren Oberfläche der Sichthölzer 54,
56, 58, 60 verlaufen. Hierdurch ergibt sich eine Witterungsbeständigkeit. Die Sichthölzer
54, 56, 58, 60 können außerdem aus schutzbehandeltem, insbesondere aus veredeltem
Holz sein. Besonders vorteilhaft ist eine thermische Veredelung. Die Sichthölzer können
ferner je nach Wunsch auch verschiedene Farben aufweisen.
[0040] Aufgrund der vollständigen Ummantelung des Holzkerns 62 ergibt sich erfindungsgemäß
eine Fensterkantel 52, deren Oberfläche aus zum einen witterungsbeständigem Sichtholz
und zum anderen aus ausgewähltem, optisch schön anzuschauendem Sichtholz ist.
[0041] Die Stärke der Sichthölzer 54 bis 60 ist hierbei so zu wählen, dass eine Bearbeitung
der Fensterkantel 52 zur Erstellung eines geeigneten Fensterprofils 50 möglich ist.
Beispielsweise ist die Stärke des Sichtholzes 58 so ausgelegt, dass der Nutgrund der
Nut 20 im Sichtholz 58, und nicht im Holzkern 62 liegt. Dies muss allerdings nicht
zwingend der Fall sein, da der die Nut 20 aufweisende Abschnitt nach der Montage nicht
sichtbar ist. Ein teilweises Bearbeiten des Holzkerns ist in diesem Bereich unschädlich.
Durch Vorsehen von geeignetem Dichtmittel zwischen Glasscheibe 24 und Sichtholz 58
kann auch keine Feuchtigkeit in den Holzkern 62 eindringen.
[0042] Die Fensterkantel 52 gemäß Fig. 3 hat gegenüber den bekannten Fensterkanteln 12,
42 den Vorteil, dass insgesamt nur sehr wenig qualitativ hochwertiges Holz für die
Sichthölzer 54 bis 60 zu verwenden ist. Der Hauptbestandteil der Fensterkantel 52
ist der Holzkern 62, der aus minderwertigerem Holz bestehen kann.
[0043] Durch das Aufleimen der Sichthölzer 54 bis 60 auf den Holzkern 62 wird der Verzug
der Fensterkantel 52 gesperrt. Dazu trägt auch die Stärke der Sichthölzer 54 bis 60
bei, die normalerweise zwischen 1 mm und 50 mm, insbesondere zwischen 3 mm und 15
mm, ist.
[0044] Besonders vorteilhaft bei der Ausführungsform nach Fig. 3 ist, dass die Sichthölzer
54, 56, 58, 60 aus Riftsichtholz sind und dass die gegenüberliegenden Längsseiten
der beiden gegenüberliegenden Sichthölzern 58, 60 von den beiden anderen Sichthölzern
54, 56 abgedeckt werden, wobei die Stärke dieser beiden Sichthölzer 54, 56 näherungsweise
dem Abstand der benachbarten Jahresringe 64 der Sichthölzer 58, 60 entspricht. Die
Nahtstellen zwischen den Sichthölzern sind dabei so gut wie nicht sichtbar. Außerdem
kann beispielsweise keine Feuchtigkeit in das Holz eindringen und es beschädigen.
[0045] In der Fig. 4 ist ein erfindungsgemäßes Holzbauteil 70 in Form eines Trägers für
eine Deckenkonstruktion dargestellt. Das Holzbauteil 70 ist hierbei abschnittsweise
in eine Decke 72 eingefasst. Sämtliche Längsseiten des Holzbauteils 70 sind von lamellenartigen
Sichthölzern 74 umgeben. Die auf das Holzbauteil wirkenden Lasten werden von dem Holzkern
76 aufgenommen. Der Holzkern 76 besteht vorteilhafterweise aus einem unschönen, minderwertigen
Holz. Die Sichthölzer 74 hingegen sind aus qualitativ hochwertigerem, insbesondere
schön anzuschauendem Holz. Eine Bearbeitung des Holzbauteils 70 beim Verbauen mit
der Decke 72 ist aufgrund der Schichtdecken der Sichthölzer 74 möglich, ohne dass
der Holzkern 76 im verbauten Zustand zum Vorschein kommt. An das Holzbauteil 70 kann
beispielsweise, wie in Fig. 4 gestrichelt angedeutet, ein weiteres Bauteil 78, beispielsweise
ein Wandsegment o.Ä., angeordnet werden. Auch hierfür kann das Holzbauteil 70 spanabhebend
bearbeitet werden.
[0046] Fig. 5 zeigt ein erfindungsgemäßes Holzbauteil 80, wie es beispielsweise im Handel
erhältlich sein kann. Die Außenmaße des Holzbauteils 80 entsprechen bekannten, erhältlichen
Maßen. Die Sichthölzer 74 sind je nach Anforderungen an das Holzbauteil 80 mit unterschiedlichen
Eigenschaften versehen. Sie können beispielsweise thermisch veredelt sein, eine Riftoberfläche
aufweisen, farblich behandelt sein und/oder aus optisch schönem Holz sein. Die Stärke
der Sichthölzer 74 ist hierbei so gewählt, dass eine spanabhebende Bearbeitung möglich
ist. Insbesondere beträgt die Stärke zwischen 1 mm und 5 mm. Das Verhältnis Stärke
Holzkern zu Stärke Sichtholz ist vorteilhafterweise größer als 5:1 und insbesondere
größer als 12:1. Dabei können die gegenüberliegenden Sichthölzer 74 vorteilhafterweise
jeweils eine gleiche Stärke aufweisen.
[0047] Fig. 6.1 bis Fig. 6.5 zeigt verschiedene Verfahrensschritte zur Herstellung eines
erfindungsgemäßen Holzbauteils.
[0048] Gemäß Fig. 6.1 sind Holzkerne 10 und Sichthölzer 92' bereitzustellen. Die Sichthölzer
92' weisen eine Stärke auf, die doppelt so groß ist wie die des herzustellenden Holzbauteils
plus Schnittzugabe. Die Holzkerne 90 werden mit den Sichthölzern 92', die eine gleiche
Breite wie die Holzkerne 90 aufweisen, bündig verleimt. Dies zeigt Fig. 6.2. In einem
nächsten Arbeitsschritt werden die Sichthölzer 92' entlang den strichpunktiert angedeuteten
Linien 82 mittig durchtrennt. Die getrennten Holzbauteile sind in Fig. 6.3 dargestellt.
[0049] In einem nächsten Arbeitsschritt werden die Holzbauteile um 90° verdreht und werden
mit weiteren Sichthölzern 96 an den noch freien Seiten des Holzkerns 90 verleimt.
Die Sichthölzer 96' erstrecken sich hierbei auch über die freien Schmalseiten der
Sichthölzer 92. Danach erfolgt eine Trennung der Sichthölzer 96 entlang den Sägelinien
98.
[0050] Letztlich erhält man, wie in Fig. 6.5 im Querschnitt dargestellt, erfindungsgemäße
Holzbauteile 100. Die Sichthölzer 92' und 96' sind hierbei vorteilhafterweise so.
gewählt, dass es sich um Rifthölzer handelt.
[0051] Bei den in den Figuren beschriebenen Kernen muss es sich erfindungsgemäß nicht um
Holzkerne handeln. Es können auch Kerne aus Kunststoff, wie beispielsweise PU, Syrodur
oder ähnliche Stoffe Verwendung finden.
[0052] Alle in der Beschreibung, den nachfolgenden Ansprüchen und der Zeichnung dargestellten
Merkmale können sowohl einzeln als auch in beliebiger Kombination miteinander erfindungswesentlich
sein.
1. Holzbauteil (52, 70, 80, 100), insbesondere Fenster- oder Türkantel (52), mit einem
Kern (62, 76, 90) und mit an sämtlichen Längsseiten des Kerns (62, 76, 90) unlösbar
mit dem Kern (62, 76, 90) verbundenen, lammellenartigen Sichthölzern (54, 56, 58,
60, 74, 92, 96) aus Vollholz, wobei die Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) eine
Stärke aufweisen, die eine spanabhebende Bearbeitung ermöglichen und wobei die besonderen
Umweltbedingungen zugewandten Seiten des Holzbauteils (52, 70, 80, 100) den Umweltbedingungen
gerecht werdendes Sichtholz (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) aufweisen.
2. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach Anspruch 1 dadurch gekennzeichnet, dass die Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) aus Riftsichtholz und/oder aus thermisch
veredeltem Sichtholz sind.
3. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) aus Riftsichtholz sind und dass die
sich gegenüberliegenden Längsseiten der beiden sich gegenüberliegenden Sichthölzer
(58, 60) von den beiden anderen Sichthölzern (54, 60) abgedeckt werden, wobei die
Stärke dieser beiden Sichthölzer (54, 60) näherungsweise dem Abstand der Jahresringe
(64) der Sichthölzer (58, 60) entspricht, deren Längsseiten abgedeckt sind.
4. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Riftsichtholz thermisch veredelt ist.
5. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern ein Vollholzkern ist.
6. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die unbearbeiteten Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) eine Stärke zwischen
1 mm und 50 mm, insbesondere zwischen 3 mm und 15 mm, aufweisen.
7. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Verhältnis Stärke Kern (62, 76, 90) zu Stärke Sichtholz (54, 56, 58, 60, 74,
92, 96) größer 2:1, 5:1 oder 12:1 ist.
8. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (62, 76, 90) einen weitgehend rechteckigen Querschnitt aufweist und die
jeweils gegenüberliegenden Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) vorzugsweise eine
gleiche Stärke aufweisen.
9. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern (62, 76, 90) aus qualitativ minderwertigem und/oder optisch unschönem Holz
ist, insbesondere aus Bauholz, Kantholz, Brettschichtholz od.dgl., ist.
10. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Sichthölzer (54, 56, 58, 60, 74, 92, 96) aus qualitativ hochwertigem und/oder
optisch schönem Holz sind.
11. Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass der Kern mehrere, miteinander gefügte Kernteile umfasst.
12. Fenster- oder Türkantel (52) zur Herstellung von Fensteroder Türprofilen (50), umfassend
ein Holzbauteil oder bestehend aus einem Holzbauteil (52, 70, 80, 100) nach einem
der vorhergehenden Ansprüche.
13. Fenster- oder Türkantel (52) nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens die dem Witterungsbereich zugewandte Seite der Kantel (52) ein thermisch
veredeltes Sichtholz und/oder ein Riftsichtholz (54, 56, 58, 60) aufweist.
14. Fenster- oder Türkantel (52) nach Anspruch 12 oder 14, dadurch gekennzeichnet, dass wenigstens die dem Innenbereich (28) zugewandte Seite der Kantel (52) ein optisch
schönes Sichtholz (56) aufweist.
15. Fenster- oder Türprofile ((50), hergestellt aus Fensteroder Türkanteln (52) nach einem
der Ansprüche 12 bis 14.
16. Verfahren zur Herstellung von Holzbauteilen (70, 80, 100) und/oder von Fenster- oder
Türkanteln (52) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass in einem ersten Arbeitsschritt wenigstens zwei Kerne (62, 76, 90) mit einem Sichtholz
(92') gefügt, insbesondere verleimt werden und dass in einem zweiten Arbeitsschritt
die beiden Kerne (62, 76, 90) durch einen Schnitt durch das Sichtholz (92') getrennt
werden, so dass zwei Bauteile entstehen.
17. Verfahren nach Anspruch 16, dadurch gekennzeichnet, dass in einem dritten Arbeitsschritt ein weiteres Sichtholz (96') mit noch freien Seiten
der beiden Kerne (62, 76, 90) gefügt, insbesondere verleimt wird und dass in einem
vierten Arbeitsschritt die Kerne (62, 76, 90) durch einen Schnitt durch das Sichtholz
(96') getrennt werden, so dass wieder zwei Bauteile entstehen.
18. Verfahren nach Anspruch 16 und 17, dadurch gekennzeichnet, dass die Arbeitsschritte drei und vier mehrfach wiederholt werden.
19. Verfahren nach einem der Ansprüche 16 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Sichtholz (92', 96') vor dem Fügen mit dem Kern (90) thermisch veredelt wird.
20. Verfahren nach einem der Ansprüche 15 bis 18, dadurch gekennzeichnet, dass das Sichtholz (92', 96') in Riftlage mit den jeweiligen Kernen (90) verleimt wird.