[0001] Die Erfindung betrifft ein Ansteuerverfahren für eine Schalteinrichtung mit wenigstens
einem Relais, Schütz oder dergleichen, welche zumindest einen elektrischen Verbraucher
mit einem versorgenden Netz wahlweise verbindet, bei welchem Ansteuerverfahren einer
Ansteuerschaltung der Schalteinrichtung ein eine Schaltspannung auslösendes Schaltsignal
eingegeben wird und in Reaktion auf das Schaltsignal nach Ablauf einer Schaltzeit
ein durch eine Induktionseinrichtung betätigbarer Kontakt der Schalteinrichtung schließt,
wobei ein durch die Induktionseinrichtung fließender Schaltstrom in zeitlicher Abhängigkeit
des an der Induktionseinrichtung in Reaktion auf das Schaltsignal angelegten Schaltspannung
bis auf zumindest einen Schaltwert ansteigt.
[0002] Weiterhin betrifft die Erfindung eine entsprechende Ansteuerschaltung zur Durchführung
des vorangehend genannten Ansteuerverfahrens.
[0003] Ein solches Ansteuerverfahren dient beispielsweise in der Praxis dazu, Glühlampen
oder Leuchtstofflampen mit elektronischen Vorschaltgeräten als elektrische Verbraucher
über Relaiskontakte an das versorgende Netz zu schalten. Glühlampen weisen einen kleinen
Kaltwiderstand und die Vorschaltgeräte entsprechen einer kapazitiven Last auf, so
dass bei Schließen des Relaiskontaktes im ungünstigen Fall im Spannungsmaximum des
versorgenden Netzes Einschaltströme auftreten, die mindestens das 20 bis 80-fache
des Nennstroms des entsprechenden elektrischen Verbrauchers betragen.
[0004] Zur Zeit sind Schalteinrichtungen mit Relais, Schützen oder dergleichen verfügbar,
die in der Lage sind, einen Einschaltstrom vom 8 bis 10-fachen des Nennstroms zu bewältigen.
[0005] Aufgabe der Erfindung ist, hohe Einschaltströme in einfacher und kostengünstiger
Weise zu verhindern.
[0006] Diese Aufgabe wird durch die kennzeichnenden Merkmale des Patentanspruchs 1 bzw.
die Merkmale des Patentanspruchs 10 gelöst.
[0007] Gemäß Erfindung wird die entsprechende Schalteinrichtung so angesteuert, dass der
Kontakt zur Begrenzung der Einschaltströme im Spannungsnulldurchgang oder zumindest
nahe des Spannungsnulldurchganges der Spannung des versorgenden Netzes geschlossen
wird. Dies wird dadurch erreicht, dass ein entsprechendes Schaltsignal zum Schließen
des Kontaktes zu einem Zeitpunkt der Schalteinrichtung übermittelt wird, zu dem sichergestellt
ist, dass nach Ablauf der Schaltzeit, das heißt der Zeitspanne zwischen dem logischen
Befehl "Schalteinrichtung betätigen" durch das entsprechende Schaltsignal und dem
Schließen des Kontaktes, gerade ein Spannungsnulldurchgang der Netzspannung auf der
zu schaltenden Leitung zwischen versorgendem Netz und elektrischem Verbraucher vorliegt.
In diesem Fall ist der Einschaltstrom äußerst gering und es können Schalteinrichtungen
mit kleinen Relais verwenden werden, die kostengünstiger als größere Relais sind.
[0008] Die oben genannte Zeitspanne, die zwischen Anlegen der Schaltspannung und Erreichen
des Schaltwertes des Schaltstromes abläuft, ist durch die vorgegebene Funktion bestimmt,
die die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom und Schaltspannung wiedergibt. Daher
kann unter Berücksichtigung dieser Funktion die Schaltspannung vorangehend genannten
Zeitpunkt angelegt werden, zu dem sichergestellt ist, dass der Schaltstrom gerade
dann seinen Schaltwert erreicht, wenn im wesentlichen ein Spannungsnulldurchgang der
Netzspannung vorliegt.
[0009] Leider ist in diesem Zusammenhang zu beachten, dass die Schaltzeit durch sie beeinflussende
Parameter und deren Variationen oder Toleranzen variieren kann.
[0010] Um Ansteuerverfahren bzw. entsprechende Ansteuerschaltung gemäß Erfindung dahingehend
zu verbessern, dass die Schaltzeit unabhängig von Toleranzen der sie beeinflussenden
Parameter reproduzierbar genau bestimmt werden kann, so dass der Kontakt der Schalteinrichtung
zur Begrenzung der Einschaltströme auch b ei Vorliegen solcher Toleranzen im Spannungsnulldurchgang
oder zumindest sehr nahe zum Spannungsnulldurchgang der Netzspannung geschlossen wird,
werden vorgegebene oder bei Anwendung der Schalteinrichtung auftretende Variationen
wenigstens eines Parameters, wie Temperatur, Induktivität, Widerstand oder Spannung
erfasst, wobei dieser Parameter die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom und Schaltspannung
bestimmt. Ist die Variation des entsprechenden Parameters erfasst, kann die von diesem
Parameter abhängige Funktion für die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom und Schaltspannung
zum Erreichen einer genaueren Schaltzeit vorgegeben oder bestimmt werden. Diese Funktion
wird dann verwendet, um die Schaltspannung in einem solchen Zeitpunkt anzulegen, damit
noch zeitgenauer ein Schaltwert des Schaltstroms zum Schließen des Kontakts im wesentlichen
beim Spannungsnulldurchgang der Netzspannung erreicht wird.
[0011] Auf diese Weise ist durch das erfindungsgemäße Verfahren gewährleistet, dass nur
äußerst geringe Einschaltströme bei Schließen des Kontaktes auftreten. Die Schaltzeit
ist aufgrund der Berücksichtigung der Variationen des zumindest einen sie beeinflussenden
Parameters in ihrer Genauigkeit und in ihrer Reproduzierbarkeit verbessert.
[0012] Erfindungsgemäß sind daher kleine und kostengünstige Relais oder Schütze für die
Schalteinrichtung verwendbar.
[0013] Da das Schalten des Kontaktes durch eine Induktionseinrichtung erfolgt, kann es als
günstig angesehen werden, wenn die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom und Schaltspannung
durch eine Exponentialfunktion gegeben ist. Eine solche Exponentialfunktion hat in
der Regel folgende Form:

τ entspricht der Zeitkonstanten der e-Funktion und ist bei einer Spule als Induktionseinrichtung
durch L
Spule/R
Spule gegeben. L
Spule entspricht dabei der Induktivität der Spule und R
Spule entspricht dem Widerstand der Spule bzw. der entsprechenden Induktionseinrichtung.
Bei einer solchen Exponentialfunktion ergibt sich der Schaltwert des Schaltstroms
bzw. dessen Endwert als I
Spule = U
Spule/R
Spule mit U
Spule als Schaltspannung. Weiterhin ist zu beachten, dass der Spulenwiderstand R
Spule auch abhängig von der Spulentemperatur δ
Spule ist. Entsprechend den Variationen dieser vorangehend genannten vier Parameter kann
sich die Schaltzeit verändern.
[0014] Es ergibt sich, dass die Schaltzeit t proportional nur Induktivität L, zum Widerstand
R und auch zur Spulentemperatur δ ist. Allerdings ist die Schaltzeit t umgekehrt proportional
zur Spulenspannung bzw. Schaltspannung.
[0015] Die Variationen der vorangehenden Parameter sind in der Regel nicht beliebig, sondern
weisen nur Variationen bestimmter Größen auf. Daher kann für jede Abhängigkeit der
Schaltzeit vom entsprechenden Parameter in der Exponentialfunktion ein maximaler oder
ein minimaler Wert des Parameters innerhalb seiner Variationen in dem Exponenten angegeben
werden. Das heißt, beispielsweise für Temperatur, Widerstand und Induktivität wird
der innerhalb der Variationen dieser Größen maximal auftretende Wert im Exponenten
berücksichtigt, während für die Spulspannung der minimale Wert verwendet wird.
[0016] Um die entsprechenden Variationen oder Toleranzen dieser Parameter zu bestimmen,
ist je nach Parameter ein unterschiedliches Verfahren anzuwenden. Beispielsweise sind
Variationen oder Toleranzen für Spulenwiderstand und Spuleninduktivität einem entsprechenden
Datenblatt für die Spule bzw. das Relais zu entnehmen. Spulenspannung bzw. Schaltspannung
und Spulentemperatur sind allerdings je nach Anwendung der Schalteinrichtung variabel.
Die Spulenspannung kann beispielsweise durch den Anwender ausgewählt werden, um entsprechend
einen Spulen- oder Schaltstrom zu bestimmen. Die Spulentemperatur ist einerseits durch
den Schaltstrom und andererseits durch die Umgebungstemperatur bestimmt. Allerdings
zeigt sich auch bei diesen Parametern, dass nur bestimmte Variationen vorliegen, so
dass auch hier rnaximale bzw. minimale Werte der Parameter auswählbar sind.
[0017] Erfindungsgemäß wird die Exponentialfunktion für den Schaltstrom so unter Berücksichtigung
der entsprechenden Toleranzen bzw. Variationen der Parameter ausgewählt, dass die
Schaltzeitabweichungen relativ zum Spannungsnulldurchgang der Netzspannung weniger
als +/- 2 ms und vorzugsweise weniger als +/- 1 ms betragen. Bei solchen geringfügigen
Abweichungen der Schaltzeit vom Spannungsnulldurchgang ist der Einschaltstrom immer
noch klein genug, um kleine und kostengünstige Relais verwenden zu können.
[0018] Eine im wesentlichen optimale Exponentialfunktion ergibt sich durch eine e-Funktion
des Schaltstroms, bei der im Exponenten die größte innerhalb der Variationen der Induktivität
auftretende Spuleninduktivität, der größte innerhalb der Variationen auftretende Widerstand,
die größt mögliche auftretende Temperatur und gleichzeitig die kleinstmögliche auftretende
Spulenspannung angegeben ist.
[0019] Erfindungsgemäß wird weiterhin eine Ansteuerschaltung zur Durchführung des vorangehend
geschilderten Ansteuerverfahrens der Schalteinrichtung beschrieben mit einem Ansteuereingang
zur Eingabe des Schaltsignals, einer Schaltstrombestimmungsschaltung zur Bestimmung
eines Schalt- oder Endwertes des Schaltstroms, einer Zeitkonstantenschaltung zur Bestimmung
der Exponentialfunktion zur Wiedergabe der zeitlichen Abhängigkeit von Schaltstrom
und Schaltspannung sowie einem Regler zur Regelung der Schaltspannung zur Berücksichtigung
der Exponentialfunktion derart, dass der Schaltstrom bei im wesentlichen Spannungsnulldurchgang
der Netzspannung einen zum Schalten des Kontaktes ausreichenden großen Wert, vorzugsweise
den Schaltwert, aufweist.
[0020] Eine einfache Möglichkeit zur Ansteuerung der Schalteinrichtung bzw. der Ansteuerschaltung
kann darin gesehen werden, wenn das Schaltsignal ein digitales Signal insbesondere
von einem Prozessor ist.
[0021] Auf diese Weise ist das Schaltsignal leicht in der Größe variierbar.
[0022] Die Schaltstrombestimmungsschaltung kann direkt aus dem Schaltsignal einen Endwert
bzw. Schaltwert des Spulenstroms festlegen. Eine einfache Möglichkeit zur Variation
des Endwertes des Spulenstroms kann darin gesehen werden, wenn die Schaltstrombestimmungsschaltung
einen Spannungsteiler aufweist. Je nach Größe der entsprechenden Widerstände in den
verschiedenen Zweigen des Spannungsteilers wird aus dem Schaltsignal ein entsprechender
Spannungsteilwert bestimmt, der je nach dessen Größe einen unterschiedlichen Endwert
des Spulenstroms festlegt.
[0023] Um in einfacher Weise mittels der Zeitkonstantenschaltung die Zeitkonstante τ der
e-Funktion und dabei die zeitliche Abhängigkeit des Schaltstroms zu bestimmen, kann
die Zeitkonstantenschaltung eine CR-Schaltung aufweisen.
[0024] Zur Vereinfachung der Ansteuerschaltung kann weiterhin der Spannungsteiler Teil der
CR-Schaltung sein.
[0025] Durch die Konduktivität der CR-Schaltung und die Widerstände des Spannungsteilers
wird die Zeitkonstante τ der e-Funktion bestimmt, wobei der an der Konduktivität entstehende
Spannungsverlauf den Sollwert des Schalt- oder Spulenstroms darstellt.
[0026] Um den entsprechenden Sollwert des Spulenstroms, der durch den Spannungsverlauf an
der Kapazität der CR-Schaltung dargestellt ist, dafür zu verwenden, dass entsprechend
die der Induktionseinrichtung der Schalteinrichtung zugeführte Schaltspannung der
Spannung an der Kapazität folgt, kann dieser Sollwert einem Pl-Regler zugeführt werden.
[0027] Um entsprechend die Schaltspannung in einfacher Weise zu steuern und mit entsprechender
Größe zu erzeugen, kann der Induktionseinrichtung der Schalteinrichtung ein Transistor
mit einem Source-Widerstand vorgeschaltet sein, wobei die am Source-Widerstand anliegende
Schaltspannung gesteuert durch den Regler der Spannung an der Kapazität bzw. dem C-Glied
der CR-Schaltung folgt, wobei durch diese Schaltspannung der Schaltstrom in der Induktionseinrichtung
bzw. Spule bestimmt ist.
[0028] Erfindungsgemäß kann mit einer einfachen Ansteuerschaltung mit geringen Kosten ein
Ansteuerverfahren für eine Schalteinrichtung durchgeführt werden, bei dem die Schaltzeit
reproduzierbar genau ist und eventuelle Toleranzen oder Variationen bei einer Reihe
von Parametern, die die Schaltzeit beeinflussen, in der Weise berücksichtigt werden,
dass der Kontakt der Schalteinrichtung immer im Spannungsnulldurchgang oder nahe des
Spannungsnulldurchgangs der versorgenden Netzspannung geschlossen wird.
[0029] Im folgenden wird ein vorteilhaftes Ausführungsbeispiel für eine Ansteuerschaltung
zur Durchführung des erfindungsgemäßen Ansteuerverfahrens anhand der einzigen Figur
erläutert.
[0030] Es zeigt:
- Figur 1
- eine Prinzipdarstellung eine Ansteuerschaltung zur Durchführung eines Ansteuerverfahrens
für eine Schalteinrichtung,
[0031] Nach Figur 1 umfasst eine Schalteinrichtung 1 ein Relais oder Schütz 2 mit wahlweise
schaltbaren Kontakten und einer Spule 20 als Induktionseinrichtung 8. Mittels der
Kontakte 9 ist ein elektrischer Verbraucher 3 mit einem versorgenden Netz 4 verbindbar.
Das Netz 4 ist ein Wechselspannungsnetz, so dass bei Betätigen der Kontakte 9 die
Verbindung zwischen elektrischen Verbraucher und versorgendem Netz 4 prinzipiell bei
jedem Wert der Versorgungsspannung zwischen derem maximalen und minimalen Wert erfolgen
kann.
[0032] Dabei ist zu beachten, dass der elektrische Verbraucher beispielsweise eine Glühlampe
oder eine Leuchtstofflampe mit elektronischem Vorschaltgerät sein kann. Eine Glühlampe
weist einen kleinen Kaltwiderstand auf und das Vorschaltgerät kann als kapazitive
Last betrachtet werden, so dass beim Schließen der Kontakte 9 beispielsweise im Spannungsmaximum
der Versorgungsspannung Einschaltströme für den elektrischen Verbraucher auftreten,
die zumindest das 20 bis 80-fache des Nennstromes des elektrischen Verbrauchers betragen.
Dies kann sowohl zur Zerstörung der Schalteinrichtung als auch zur Zerstörung des
elektrischen Verbrauchers führen.
[0033] Dies wird erfindungsgemäß verhindert, indem im Spannungsnulldurchgang der Versorgungsspannung
bzw. nahe des Spannungsnulldurchgangs die Kontakte 9 geschlossen werden. In diesem
Zusammenhang wird es als ausreichend betrachtet, wenn das Schließen der Kontakte 2
ms, vorzugsweise 1 ms oder weniger vor und nach dem Spannungsnulldurchgang erfolgt.
[0034] Zum Schalten der Kontakte 9 muss die Spule 20 von einem Schaltstrom 10 mit entsprechender
Größe durchflossen werden, um ein ausreichend großes Magnetfeld der Spule zu erzeugen,
welches eine Federkräften innerhalb des Relais 2 entgegenwirkende Kraft zum Schließen
der Kontakte erzeugt. Diese Kraft ist proportional zur magnetischen Durchflutung der
Spule und damit auch proportional zum Schaltstrom 10.
[0035] Der Schaltstrom 10 steigt bei Anlegen einer entsprechenden Schaltspannung 6 an der
Spule gemäß einer Exponentialfunktion mit Zeitkonstanten τ an τ entspricht dem Quotienten
aus L
Spule und R
Spule. L
Spule ist die Induktivität der Spule 20 und R
Spule ist der Spulenwiderstand. Das heißt, der Schaltstrom erreicht erst nach einer gewissen
Zeit einen Wert (Schaltwert), der groß genug zum Schließen der Kontakte ist. Diese
zeitliche Verzögerung von Schaltstrom und Schaltspannung wird erfindungsgemäß berücksichtigt,
um im oder nahe bei dem Spannungsnulldurchgang der Versorgungsspannung die Kontakte
9 zu schließen.
[0036] Die Zeit, die zwischen einem entsprechenden Befehl zum Schließen der Kontakte und
dem tatsächlichen Schließen der Kontakte durch Erreichen des Schaltwertes des Schaltstromes
verstreicht, wird allgemein als Schaltzeit bezeichnet. Bei dieser Schaltzeit ist we
iterhin zu beachten, dass sie von einer Reihe von Parametern abhängt und diese Parameter
keinen konstanten Wert aufweisen, sondern mit bestimmten Toleranzen behaftet sind
oder zeitlich variieren können. Beispiele für diese Parameter sind Temperatur δ der
Spule, Spulenwiderstand, Spuleninduktivität und Spulenspannung. Die Temperatur der
Spule wirkt sich beispielsweise in einer Änderung des Spulenwiderstandes aus.
[0037] Folglich ergibt sich, dass die Schaltzeit zumindest von den folgenden vier physikalischen
Größen bzw. Parametern der Spule abhängt:
Temperatur δ, Widerstand R, Spannung U und Induktivität L.
[0038] Bei Betrachtung der Abhängigkeit von Schaltzeit und Parametern ergibt sich, dass
die Schaltzeit t proportional zur Induktivität L, proportional zum Widerstand R, proportional
zur Temperatur δ und umgekehrt proportional zur Spulenspannung U ist. Auch bei Variationen
dieser Parameter ändert sich qualitativ nichts am Verlauf des Schaltstroms bzw. seiner
zeitlichen Verzögerung relativ zur Schaltspannung, welcher Verlauf und zeitliche Verzögerung
durch die entsprechende Exponentialfunktion beschrieben ist.
[0039] Die Variationen bzw. Toleranzen der verschiedenen Parameter sind auf unterschiedliche
Ursachen zurückzuführen. Die Toleranzen bzw. Variationen von Spulenwiderstand und
Spuleninduktivität sind herstellungsbedingt und ergeben sich beispielsweise aus einem
entsprechenden Datenblatt des Relais oder Schützes 2 der Schalteinrichtung 1. Spulenspannung
und Spulentemperatur sind durch äußere Bedingungen oder durch Vorgabe entsprechender
Bedingungen durch einen Anwender der Schalteinrichtung 1 bestimmt. Auch für Spulenspannung
und Spulentemperatur lassen sich die Toleranzen bestimmen.
[0040] Durch die Ansteuerschaltung 5 gemäß der Erfindung und das entsprechende erfindungsgemäße
Ansteuerverfahren, wird eine Exponentialfunktion für den Schaltstrom bestimmt, die
unter Berücksichtigung aller Toleranzen der vorangehend genannten Parameter eine reproduzierbar
genaue Schaltzeit sicherstellt. Auf diese Weise ist ein Schalten im oder nahe des
Spannungsnulldurchgangs unabhängig von den jeweiligen Toleranzen der Parameter möglich.
Dies erfolgt erfindungsgemäß dadurch, dass diejenige Exponentialfunktion zur Bestimmung
des Schaltstroms in Abhängigkeit der Schaltspannung verwendet wird, die die maximalen
Schaltzeitänderungen verursacht durch die Toleranzen der Parameter berücksichtigt.
Dies bedeutet, dass die größt mögliche Spulinduktivität, der größt mögliche Spulenwiderstand,
die größt mögliche Spulentemperatur und gleichzeitig die kleinst mögliche Spulenspannung
in der Exponentialfunktion berücksichtigt werden.
[0041] Schaltungstechnisch folgt die Umsetzung der Exponentialfunktion nach Figur 1 durch
die Ansteuerschaltung 5. Diese weist Ansteuereingänge 11 auf, an denen ein entsprechendes
Schaltsignal 7 von einem Prozessor 15 anlegbar ist, durch das ein Schließen der Kontakte
9 mittels Relais oder Schütz 2 hervorgerufen werden soll. Das Schaltsignal 7 ist dabei
ein digitales Signal. Das Schaltsignal 7 wird einem Spannungsteiler 16 als Schaltstrombestimmungsschaltung
12 zugeführt. Der Spannungsteiler 16 legt einen Endwert oder Schaltwert des Spulen-
oder Schaltstromes fest. Die Schaltstrombestimmungsschaltung 12 bildet einen Teil
einer als CR-Schaltung 17 ausgebildeten Zeitkonstantenschaltung 13. Diese enthält
neben dem Spannungsteiler 16 noch eine Kapazität bzw. ein C-Glied 21. Durch die Zeitkonstantenschaltung
13 wird die Zeitkonstante τ der Exponentialfunktion bestimmt, die die zeitliche Abhängigkeit
von Schaltstrom und Schaltspannung wiedergibt. Der am Kondensator 21 entstehende Spannungsverlauf
stellt den Sollwert des Schaltstromes dar. Dieser Sollwert wird einem PI-Regler 14
mit Operationsverstärker 32 zugeführt. Durch den Operationsverstärker 32 und diesem
vorgeschaltete Widerstände 22, 23 sowie weiteren Widerständen 26, 27, 28, Kondensatoren
25 und 30 sowie Diode 29 wird erreicht, dass die Schaltspannung 6 am Widerstand 19
der Spannung am C-Glied 21 folgt. Hierbei ist noch zu beachten, dass der Widerstand
19 als Source-Widerstand 1 9 eines Transistors 18 verschaltet ist, über welchen Transistor
die Spule 20 der Schaltstrom zugeführt wird. Mit der Schaltspannung 6 am Source-Widerstand
19 ist auch der Spulenstrom 10 für die Spule 20 festgelegt.
[0042] Die entsprechenden Toleranzen der Parameter, die bei der Exponentialfunktion in der
oben beschriebenen Weise berücksichtigt werden, sind durch die Zeitkonstantenschaltung
13 und damit durch die Bestimmung der Zeitkonstante τ der Exponentialfunktion berücksichtigt.
[0043] Durch den Prozessor 15 kann beispielsweise noch der zeitliche Verlauf der versorgenden
Spannung festgestellt werden, um das entsprechende Schaltsignal 7 zum korrekten Zeitpunkt
der Schalteinrichtung 1 zuzuführen, wobei dieser Zeitpunkt so gewählt ist, dass das
Schließen der Kontakte 9 im oder nahe des Spannungsnulldurchgangs der versorgenden
Spannung erfolgt, wobei die Schaltzeit durch die Ansteuerschaltung 5 der Schalteinrichtung
1 mit den entsprechenden Toleranzen der die Schaltzeit beeinflussenden Parametern
berücksichtigt ist und dadurch eine reproduziergenaue Schaltzeit sichergestellt ist.
[0044] Erfindungsgemäß erfolgt folglich ein Schalten der Kontakte 9 der Schalteinrichtung
1 im Spannungsnulldurchgang oder nahe beim Spannungsnulldurchgang der versorgenden
Netzspannung, so dass die auftretenden Einschaltströme relativ gering sind. Dadurch
ist es möglich, auch kleine und kostengünstigere Relais zu verwenden und auf den Einsatz
größerer und teurerer Relais zu verzichten.
1. Ansteuerverfahren für eine Schalteinrichtung (1) mit wenigstens einem Relais (2),
Schütz oder dergleichen, welche zumindest einen elektrischen Verbraucher (3) mit einem
versorgenden Netz (4) wahlweise verbindet, bei welchem Ansteuerverfahren eine Ansteuerschaltung
(5) der Schalteinrichtung (1) ein eine Schaltspannung (6) auslösendes Schaltsignal
(7) eingegeben wird und in Reaktion auf das Schaltsignal (7) nach Ablauf einer Schaltzeit
ein durch eine Induktionseinrichtung (8) betätigter Kontakt (9) der Schalteinrichtung
(1) schließt, wobei ein durch die Induktionseinrichtung (8) fließender Schaltstrom
(10) in zeitlicher Abhängigkeit von der an der Induktionseinrichtung (8) in Reaktion
auf das Schaltsignal (7) angelegten Schaltspannung (6) bis auf zumindest einen Schaltwert
ansteigt,
gekennzeichnet durch die folgenden Verfahrensschritte:
i) Vorgeben einer von wenigstens einem die Schaltzeit beeinflussenden Parameter abhängigen
Funktion, welche die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom (10) und Schaltspannung
(6) wiedergibt, und
ii) Anlegen der Schaltspannung (6) im wesentlichen zum durch die Funktion bestimmten zeitgenauen Erreichen des Schaltwertes des Schaltstroms (10)
zum Schließen des Kontakts (9) im wesentlichen bei Spahnuhgsnulldurchgang der Netzspannung.
2. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch
Bestimmen von vorgegebenen oder bei der Anwendung der Schalteinrichtung (1) auftretenden
Variationen wenigstens eines die zeitliche Abhängigkeit von Schaltstrom (10) und Schaltspannung
(6) bestimmenden Parameters, wie Temperatur der Induktionseinrichtung und/oder Widerstand
der Induktionseinrichtung und/oder Schaltspannung und/oder Induktivität der Induktionseinrichtung
und Berücksichtigen des Parameters mit Variation in der Funktion, die die zeitliche
Abhängigkeit von Schaltstrom (10) und Schaltspannung (6) wiedergibt.
3. Ansteuerverfahren nach Anspruch 1,
gekennzeichnet durch
Vorgeben der zeitlichen Abhängigkeit von Schaltstrom (10) und Schaltspannung (6) durch eine Exponentialfunktion.
4. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schaltzeit sich proportional jeweils zur Induktivität der Induktionseinrichtung,
zur Temperatur der Induktionseinrichtung und zum Widerstand der Induktionseinrichtung
ändert.
5. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schaltzeit sich umgekehrt proportional zur Schaltspannung ändert.
6. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass je nach Abhängigkeit der Schaltzeit vom entsprechenden Parameter in der Exponentialfunktion
ein maximaler oder minimaler Wert des Parameters innerhalb seiner Variationen im Exponenten
der Exponentialfunktion angegeben wird.
7. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass Schaltzeitabweichungen relativ zum Spannungsnulldurchgang der Netzspannung weniger
als +/- 2 ms und vorzugsweise weniger als +/- 1 ms betragen.
8. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch
Bestimmen von Variationen von Widerstand und Induktivität der Induktionseinrichtung
(8) aus vorgegebenen Daten für diese Parametervariation.
9. Ansteuerverfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche,
gekennzeichnet durch
Vorgeben der Temperatur und Schaltspannung der Induktionseinrichtung durch die Temperatur der Umgebung bzw. durch einen Anwender.
10. Ansteuerschaltung (5) zur Durchführung des Ansteuerverfahrens der Schalteinrichtung
(1) nach einem der vorangehenden Ansprüche mit einem Ansteuereingang (11) zur Eingabe
des Schaltsignals (7), einer Schaltstrombestimmungsschaltung (12) zur Bestimmung eines
Schaltwertes des Schaltstroms (10), einer Zeitkonstantenschaltung (13) zur Bestimmung
der Exponentialfunktion zur Wiedergabe der zeitlichen Abhängigkeit von Schaltstrom
(10) und Schaltspannung (6) sowie einem Regler (14) zur Regelung der Schaltspannung
(6) unter Berücksichtigung der Exponentialfunktion derart, dass der Schaltstrom (10)
bei im wesentlichen Spannungsnulldurchgang der Netzspannung den zum Schalten des Kontaktes
(9) ausreichend großen Schaltwert aufweist.
11. Ansteuerschaltung nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Schaltsignal (7) ein digitales Signal insbesondere von einem Prozessor (5) ist.
12. Ansteuerschaltung nach Anspruch 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Schaltstrombestimmungsschaltung (12) einen Spannungsteiler (16) aufweist.
13. Ansteuerschaltung nach einem der vorangehenden Ansprüche 10 bis 12,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Zeitkonstantenschaltung (13) eine CR-Schaltung (17) aufweist.
14. Ansteuerschaltung nach einem der vorangehenden Ansprüche 10 bis 13,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Spannungsteiler (16) Teil der CR-Schaltung (17) ist.
15. Ansteuerschaltung nach einem der vorangehenden Ansprüche 10 bis 14,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Regler (14) ein PI-Regler ist.
16. Ansteuerschaltung nach einem der vorangehenden Ansprüche 10 bis 15,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Induktionseinrichtung (8) der Schalteinrichtung (1) ein Transistor (18) mit einem
Source-Widerstand (19) vorgeschaltet ist, wobei die am Source-Widerstand (19) anliegende
Schaltspannung (6) gesteuert durch den Regler (14) der Spannung am C-Glied (21) der
CR-Schaltung (17) folgt, wobei durch diese Schaltspannung (6) der Schaltstrom (10)
bestimmt ist.
17. Ansteuerschaltung nach einem der vorangehenden Ansprüche 10 bis 16,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Induktionseinrichtung (8) wenigstens eine Spule (20) aufweist.