[0001] Die Erfindung betrifft eine topische Zusammensetzung, die Rauchagglomerate enthält,
die durch Verglimmen von gewöhnlichem bedruckten Zeitungspapier erhältlich sind sowie
dessen Verwendung zur Behandlung von Hauterkrankungen, insbesondere Neurodermitis
und Schuppenflechte, Juckreiz und Ekzemen sowie als Desinfektionsmittel und Haarwaschmittel.
[0002] Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine dauerhaft juckende Entzündung der Haut.
Im Allgemeinen haben Menschen mit Neurodermitis eine trockene Haut, Juckreiz und eine
Neigung zu Infektionskrankheiten der Haut. Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische,
entzündliche und immer wiederkehrende Hautkrankheit mit erhöhter Schuppenbildung.
[0003] In der Medizin gibt es zahlreiche Mittel, die zur äußerlichen Behandlung solcher
Hauterkrankungen eingesetzt werden. Dazu gehören u.a. Steinkohlenteer, Kortison, Vitamin-A-
und Vitamin-D-Derivate.
[0004] Steinkohlenteer kann in den unterschiedlichsten Darreichungsformen auf die Haut appliziert
werden, z.B. als Fettcreme und Lotion (z.B. Poloris®), Gel (Basiter®) oder als Lösung
(z.B. Tarmed®). Der durch trockene Destillation von Steinkohle gewonnene Steinkohlenteer
ist ein komplexes Gemisch unterschiedlichster Substanzen und enthält u.a. Naphthalin,
Phenol und Phenolderivate, Anthracen sowie Benzpyrene. Wegen relativ hoher Mengen
an kanzerogener Stoffe wird empfohlen, Steinkohlenteerpräparate nur in begründeten
und vom Arzt ständig kontrollierten Fällen und nur für kurze Zeit therapeutisch einzusetzen.
Auf Hautstellen, wo verstärkt schädliche Substanzen aufgenommen werden (z.B. im Genitalbereich),
sowie während der Schwangerschaft oder der Stillzeit sollte Steinkohlenteer generell
nicht angewendet werden. Der Einsatz von Steinkohlenteer in Kosmetika ist aufgrund
der krebserregenden Inhaltsstoffe bereits verboten worden.
[0005] Auch Präparate auf Basis von Kortison, einem Hormon der Nebennierenrinde, sind problematisch,
weil bei längerer Anwendung ein Dünnerwerden der behandelten Haut (Hautatrophie) auftreten
kann. Eine Applikation von Kortisonsalben auf größeren Hautflächen und an bestimmten
Stellen (z.B. Genitalbereich) wird daher generell nicht empfohlen.
[0006] Zwar stellen Vitamin-A- und Vitamin-D-Abkömmlinge (z.B. Zorac® Silkis®) eine Alternative
zu Kortisonpräparaten dar, jedoch sollten sie wegen möglicher Reizerscheinungen der
Haut beispielsweise nicht im Gesichtsbereich angewendet werden. Außerdem sind Vitamin-A-Abkömmlinge
teratogen und kommen daher für eine therapeutische Behandlung während der Schwangerschaft
nicht in Betracht.
[0007] Daher liegt der vorliegenden Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Mittel zur Verfügung
zu stellen, die sich zur Behandlung von Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte
eignet, jedoch die Nachteile der aus dem Stand der Technik bekannten Präparate nicht
aufweist.
[0008] Diese Aufgabe wird durch eine topische Zusammensetzung gelöst, die Rauchagglomerate
enthält, die erhältlich sind durch Verglimmen von gewöhnlichem, bedrucktem Zeitungspapier.
[0009] Gegenstand der Erfindung ist auch die Verwendung der topischen Zusammensetzung zur
Behandlung von Hauterkrankungen, insbesondere Neurodermitis und Schuppenflechte, Juckreiz
oder Ekzemen.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist ferner die Verwendung der topischen Zusammensetzung
als Desinfektionsmittel und/oder Haarwaschmittel.
[0011] Die im Folgenden angegebenen Gewichtsprozentangaben beziehen sich, soweit nicht anders
angegeben, auf das Gewicht der gesamten topischen Zusammensetzung.
[0012] Unter einer topischen Zusammensetzung wird allgemein eine Zusammensetzung verstanden,
die eine Applikation auf der Haut ermöglicht und mindestens einen dermatologischen
Zweck erfüllen soll.
[0013] Die erfindungsgemäße topische Zusammensetzung enthält Rauchagglomerate. Im Allgemeinen
entstehen Rauchagglomerate dadurch, dass der durch unvollständige Verbrennung von
organischen Materialien, z.B. Zeitungspapier, entstehende Rauch, der in einem Gas,
z.B. Luft, feinteilig dispergierte Feststoffpartikel darstellt, sich bei hohen Rauchkonzentrationen
zu Teilchen mit größeren Durchmessern (Rauchagglomeraten) zusammenschließt.
[0014] Die Rauchagglomerate in der erfindungsgemäßen topischen Zusammensetzung sind erhältlich
durch Verglimmen von gewöhnlichem, bedrucktem Zeitungspapier.
[0015] Unter Verglimmen wird verstanden, dass eine langsame Verbrennung des Zeitungspapiers
unter verminderter Sauerstoffzufuhr erfolgt. Dies wird im vorliegenden Fall dadurch
erreicht, dass Zeitungspapier zu einer konisch verlaufenden Tüte (Kegel) geformt und
mit der Spitze nach oben auf einer tellerähnlichen Unterlage gestellt wird. Die Spitze
des Kegels wird angezündet. Es entsteht dabei eine kleine offene Flamme entlang des
oberen Papierrandes mit gelblicher Färbung, wobei kaum Glut entsteht.
[0016] Bei dem verwendeten Zeitungspapier handelt es sich um gewöhnliches, mit Druckerschwärze
bedrucktes Zeitungspapier, wie es von üblichen Tageszeitungen bekannt ist. Alternativ
kann auch unbedrucktes Zeitungspapier verwendet werden.
[0017] In einer bevorzugten Ausführungsform sind die Rauchagglomerate erhältlich durch
a) Formen von gewöhnlichem bedrucktem Zeitungspapier zu einem Kegel,
b) Anordnen des Kegels mit seiner Grundfläche auf einer feuerfesten Unterlage,
c) Entzünden des Kegels im Bereich seiner Spitze,
d) Verglimmen des Kegels und
e) Abscheiden des beim Verglimmen entstehenden Rauchs auf der feuerfesten Unterlage
als Rauchagglomerate.
[0018] In Schritt b) kommen als feuerfeste Unterlage beispielsweise übliche Porzellanteller,
zu Platten geformte Ton- oder Schamotterzeugnisse und dergleichen in Betracht. Besonders
bevorzugt sind Glasunterlagen.
[0019] Nach Entzünden des Kegels im Bereich seiner Spitze (Schritt c)) verglimmt das Papier
langsam in Richtung der feuerfesten Unterlage. Der dabei entstehende Rauch entweicht
in Richtung der feuerfesten Unterlage und schlägt sich darauf in Form von Rauchagglomeraten
nieder. Es wird vermutet, dass durch die erhöhte Rauchkonzentration innerhalb des
Kegels eine Agglomeration der feinteilig dispergierten Rauchpartikel zu größeren Teilchen
(Rauchagglomeraten) stattfindet, die sich auf der feuerfesten Unterlage abscheiden.
Dieser Vorgang setzt sich fort, bis etwa die Hälfte des Kegels verglimmt ist. Danach
findet keine Abscheidung mehr statt. Der Rauch kann nunmehr nach oben entweichen und
die Flamme wird durch offensichtliche Sauerstoffzufuhr größer.
[0020] Die Rauchagglomerate können in einer beliebigen wirksamen Menge in der erfindungsgemäßen
topischen Zusammensetzung enthalten sein. Deren Gehalt richtet sich nach unterschiedlichen
Faktoren, z.B. dem Anwendungszweck, der Behandlungszeit oder der Form, in der die
topische Zusammensetzung vorliegt. Somit kann die topische Zusammensetzung durch Variation
des Gehalts an Rauchagglomeraten an das jeweilige Anwendungsgebiet und therapeutische
Erfordernisse angepasst werden.
[0021] Vorzugsweise liegt die erfindungsgemäße topische Zusammensetzung als halbfeste Darreichungsform
oder als flüssige Zubereitung vor. Bevorzugte halbfeste Darreichungsformen sind ausgewählt
aus Salben, Cremes, Gelen und Pasten. Unter den flüssigen Zubereitungen sind Lösungen
und/oder Suspensionen bevorzugt. Es ist auch möglich, die erfindungsgemäße topische
Zusammensetzung in wässrige Tensidzubereitungen, z.B. Schampoos oder Duschgels, einzuarbeiten,
womit Kopfhaut und andere Hautstellen gereinigt werden können.
[0022] Die erfindungsgemäße topische Zusammensetzung kann auch lediglich aus den Rauchagglomeraten
bestehen. Da die Rauchagglomerate nach dem Verglimmen des Zeitungspapiers als zähflüssiges
Produkt anfallen, das an der Luft relativ schnell eintrocknet und einen als unangenehm
empfundenen Geruch aufweisen kann, ist eine solche Zusammensetzung jedoch weniger
bevorzugt.
[0023] Wenn die topische Zusammensetzung in einer halbfesten Darreichungsform, z.B. als
Salbe, vorliegt, enthält sie die Rauchagglomerate, vorzugsweise in einer Menge von
1 bis 20 Gew.-%, bevorzugter 5 bis 15 Gew.-%. Typische Mengen an Rauchagglomeraten
in einer flüssigen Zubereitung liegen im Bereich von 1 bis 20 Gew.-%, bevorzugter
5 bis 15 Gew.-%. Bei Konzentrationen über 5 Gew.-% tritt sowohl bei Salben als auch
bei flüssigen Zubereitungen eine deutliche Verbesserung der Wirkung ein.
[0024] Abgesehen von den Rauchagglomeraten enthalten die erfindungsgemäßen halbfesten Darreichungsformen
sowie flüssigen Zubereitungen Komponenten, wie sie üblicherweise für solche Formulierungstypen
eingesetzt werden. Beispielsweise enthalten erfindungsgemäße Salben Fette, Öle, Wachse
und/oder Fettkörper, Wasser sowie mindestens einen Emulgator. Es ist auch möglich,
dass die erfindungsgemäße Salbe ein oder mehrere der folgenden Zusatzstoffe enthält:
Antioxidantien, UV-Absorber, anorganische Pigmente.
[0025] Auch die Verfahren zur Herstellung der erfindungsgemäßen halbfesten Darreichungsformen
und flüssigen Zubereitungen sind solche, wie sie in der pharmazeutischen Technologie
für solche Formulierungstypen üblich sind. Darüber hinaus ist es für Fachleute selbstverständlich,
dass das jeweilige Herstellungsverfahren hinsichtlich der Eigenschaften und der Menge
des Wirkstoffs, der physiologischen und anatomischen Verhältnisse am Applikationsort,
der therapeutischen Anforderungen und der maschinellen Gegebenheiten optimiert werden
kann.
[0026] In überraschender Weise hat sich gezeigt, dass sich die erfindungsgemäße topische
Zusammensetzung mit einem Gehalt an den oben beschriebenen Rauchagglomeraten zur wirksamen
Behandlung von chronischen entzündlichen Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Schuppenflechte
eignet. Außerdem war es vorteilhaft, dass Ekzemen (auf verschiedensten Ursachen beruhende
Hautausschläge) entgegengewirkt werden konnte. Verschiedene Formen, in denen solche
Hautausschläge auftreten, u.A. Knötchen-, Pustel-, Bläschen-, Schuppenbildung, Schwellung
und Rötung, Juckreiz und Nesseln gingen bei Anwendung der erfindungsgemäßen topischen
Zusammensetzung teilweise oder sogar vollständig zurück. Darüber hinaus konnten Folgen
allergischer Reaktionen auf Haustiere (z.B. Katzen und Hunde) wirksam bekämpft werden.
[0027] In besonders vorteilhafter Weise kann die Zusammensetzung in Kosmetika eingesetzt
werden, da sie im Gegensatz zu z.B. Steinkohlenteer keine krebserzeugenden Verbindungen,
z.B. 4-Methoxyphenol, enthält.
[0028] Ferner verfügt die erfindungsgemäße topische Zusammensetzung über desinfizierende
Eigenschaften, so dass auch ihr Einsatz als Desinfektionsmittel in Betracht kommt.
[0029] Die nachfolgenden Beispiele sollen die vorliegende Erfindung verdeutlichen, ohne
sie einzuschränken. Die Zahlenwerte in den Beispielen bedeuten Gewichtsprozente, bezogen
auf das Gesamtgewicht der jeweiligen Zusammensetzungen.
Beispiele
[0030] Ein Blatt übliches weißes bedrucktes Zeitungspapier wurde zu einem Kegel zusammengerollt
und mit der Spitze nach oben auf einen tellerähnlichen Untersatz gestellt. Die Spitze
des Kegels wurde angezündet, woraufhin das Papier langsam nach unten verglimmte. Der
hierbei entstehende Rauch entwich nach unten und schlug sich als Rauchagglomerate
auf dem Untersatz nieder. Dieser Niederschlag wurde abgeschabt und in einen luftdichten
Behälter überführt und darin aufbewahrt. Der Vorgang wurde solange wiederholt, bis
genügend topische Zusammensetzung für Behandlungszwecke zusammengekommen waren.
[0031] Mit dieser topischen Zusammensetzung, die lediglich aus den Rauchagglomeraten bestand,
wurden die folgenden Testpersonen, die unterschiedliche Erkrankungen aufwiesen, behandelt.
[0032] Testperson 1 (männlich, 45 Jahre) hatte Schuppenflechte seit seinem 12. Lebensjahr.
Durch dreimalige Behandlung mit der topischen Zusammensetzung erfolgte eine vollständige
Heilung, ohne dass weitere Beschwerden auftraten.
[0033] Testperson 2 (weiblich, 43 Jahre) hatte über den gesamten Körper verteilt durch Katzenflöhe
verursachte Hautflechten und leidete an starkem Juckreiz. Die entsprechenden Hautstellen
wurden in einer dicken Schicht mit der topischen Zusammensetzung eingerieben. Nach
etwa 1 Tag ging die Hautflechtenbildung sichtbar zurück und der Juckreiz nahm spürbar
ab. Nach 5 Behandlungen mit der topischen Zusammensetzung innerhalb von 2 Wochen heilten
alle vormals mit Hautflechten befallenden Stellen ab und der Juckreiz war vollständig
beseitigt. Seitdem traten keine weiteren Beschwerden auf.
[0034] Testperson 3 (weiblich, 20 Jahre) wies dieselben Symptome wie Testperson 2 auf. Die
bei Testperson 2 vorgenommene Behandlung verlief hier ebenfalls positiv. Bei der Testperson
3 trat später eine durch Reinigungsmittel ausgelöste starkjuckende allergische Hautreaktion
auf, die mit der topischen Zusammensetzung behandelt wurde. Nach etwa 4 Behandlungen
innerhalb 1 Woche war eine vollständige Heilung eingetreten.
[0035] Testperson 4 (männlich, 13 Jahre) wies wie die Testpersonen 2 und 3 Hautflechten
auf. Die bei letzteren Testpersonen vorgenommene Behandlung führte hier ebenfalls
zu einem positiven Ergebnis.
[0036] Testperson 5 (weiblich, 21 Jahre) hatte seit Kindheit Neurodermitis. Sie wurde über
einen Zeitraum von 6 Wochen mehrfach mit der topischen Zusammensetzung behandelt.
Danach waren etwa 85 bis 90 % der erkrankten Flächen abgeheilt.
[0037] Testperson 6 (weiblich, 40 Jahre) wies nesselnde Schuppenflechte am ganzen Körper
auf. Bei einer Behandlung mit der topischen Zusammensetzung am Arm gingen die erkrankten
Hautstellen um etwa 50 % zurück (die Flechte wurde kleiner und vergrößerte sich nicht
mehr).
[0038] Testperson 7 (männlich, 30 Jahre) wies Schuppenflechte seit der Kindheit am ganzen
Körper auf. Dreimalige Behandlung mit der topischen Zusammensetzung über einen Zeitraum
von 6 Wochen führte zur vollständigen Heilung. Es traten keine weiteren Beschwerden
mehr auf.
[0039] Testperson 8 (weiblich, 43 Jahre) wies Neurodermitis an einer Hand mit Rissbildung
auf. Eine zweimalige Anwendung der topischen Zusammensetzung in einer Woche führte
anschließend zur vollständigen Abheilung der erkrankten Stellen.
1. Topische Zusammensetzung, enthaltend Rauchagglomerate, die erhältlich sind durch Verglimmen
von gewöhnlichem, bedrucktem Zeitungspapier.
2. Topische Zusammensetzung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass sie als halbfeste Darreichungsform oder als flüssige Zubereitung vorliegt.
3. Topische Zusammensetzung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die halbfeste Darreichungsform ausgewählt ist aus Salben, Cremes, Gels und Pasten.
4. Topische Zusammensetzung nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die flüssige Zubereitung eine Lösung oder Suspension ist.
5. Verwendung einer topischen Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 zur Behandlung
von Hauterkrankungen, Juckreiz oder Ekzemen.
6. Verwendung nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass es sich bei den Hauterkrankungen um Neurodermitis und/oder Schuppenflechte (Psoriasis)
handelt.
7. Verwendung einer topischen Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 als Desinfektionsmittel.
8. Verwendung einer topischen Zusammensetzung gemäß einem der Ansprüche 1 bis 4 als Haarwaschmittel.