[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Erstellung eines langgestreckten Freiraumes
zwischen zwei Tunnelröhren. Die Tunnelröhren dienen insbesondere als U-Bahnstrecken.
Sie werden in der Regel im Schildvortrieb mit Tübbingausbau hergestellt. Der langgestreckte
Freiraum zwischen den beiden Tunnelröhren ist insbesondere für einen Mittelbahnsteig
vorgesehen. Der langgestreckte Freiraum kann aber auch Sonderbereiche wie Gleiswechselbereiche
bzw. Weichenbereiche oder Abstellanlagen aufnehmen, die zwischen den beiden Tunnelröhren
anzuordnen sind. Der Begriff Freiraum schließt im Rahmen der Erfindung nicht aus,
dass Stützeinrichtungen vorgesehen sind, die die Decke des Freiraumes abstützen.
[0002] Aus der Praxis ist ein Verfahren der eingangs genannten Art bekannt, mit dem ein
langgestreckter Freiraum für einen Bahnhof bzw. für einen Mittelbahnsteig zwischen
zwei Tunnelröhren erstellt wird. Dabei werden die beiden Tunnelröhren im Bahnhofsbereich
zunächst mit einem relativ geringen Durchmesser erstellt, der dem Durchmesser der
Tunnelröhren außerhalb der Bahnhofsbereiche und Sonderbereiche entspricht. Im Bahnhofsbereich
wird normalerweise der Durchmesser der Tunnelröhren aufgeweitet. Die beiden Tunnelröhren
mit geringem Durchmesser werden bei diesem bekannten Verfahren im Bahnhofsbereich
zunächst mit einem Tübbingausbau versehen. Anschließend erfolgt eine Vereisung der
umgebenden Bodenbereiche in Längsrichtung der Tunnelröhren. Mit anderen Worten werden
Vereisungssäulen erzeugt, die parallel zu den Tunnelröhren und in einigem Abstand
von den Tunnelröhren verlaufen, wobei diese Vereisungssäulen den Umfang der Tunnelröhren
umgeben und auch im Mittelbereich zwischen den beiden Tunnelröhren angeordnet sind.
Diese Vereisungssäulen werden in der Regel von Kopfbaugruben aus längs der äußeren
Kontur der Tunnelröhren und des geplanten Mittelbahnsteiges erzeugt. Im Schutze dieser
Vereisung werden dann die Tunnelröhren auf den im Bahnhofsbereich erforderlichen Durchmesser
aufgeweitet und zwar bis in die Nähe der Vereisungssäulen. Für diese Aufweitung muss
der zuvor erstellte Tübbingausbau wieder abgebrochen werden und der aufgeweitete Hohlraum
mit Spritzbeton gesichert werden. In jeder aufgeweiteten Tunnelröhre wird dann eine
Teilinnenschale mit Abstützung hergestellt. Schließlich wird im Schutze der Vereisung
von den beiden Tunnelröhren aus der Mittelbereich geöffnet bzw. ausgehoben. Dazu muss
die mittelbereichsseitige Spritzbetonsicherung der Einzelröhren sukzessive abgebrochen
werden. Auch die bislang noch vorhandenen Vereisungssäulen im Mittelbereich zwischen
den beiden Tunnelröhren müssen zurückgebaut werden. Im Ergebnis zeichnet sich das
bekannte Verfahren durch sehr aufwändige und kostspielige Arbeitsschritte aus. Vor
allem ist eine aufwändige Vereisung großer bzw. weiter Bodenbereiche notwendig. Im
Übrigen lässt die vorstehend beschriebene Art der Vereisung im Hinblick auf ihre Funktionssicherheit
zu wünschen übrig und nicht selten treten unerwünschte und problematische Fehlstellen
in der Vereisung auf. Deshalb ist dieses bekannte Verfahren für weniger standfestes
Gebirge eher ungeeignet.
[0003] Nach einem anderen aus der Praxis bekannten Verfahren werden im Mittelbereich zwischen
den Tunnelröhren zwei gegenüberliegende Schlitzwände erstellt, die sich von einem
oberflächennahen Bereich an den Tunnelröhren vorbei vertikal nach unten erstrecken.
Zwischen diesen Schlitzwänden wird dann eine tiefe Baugrube ausgehoben. Von der Baugrube
aus wird eine Verbindung zu den beiden Tunnelröhren hergestellt und somit der Freiraum
zwischen den beiden Tunnelröhren erstellt. Auch hierfür sind umfangreiche Vereisungsmaßnahmen
erforderlich, um den für die Verbindung zu schaffenden Hohlraum zu sichern. Auch diese
aus dem Stand der Technik bekannten Maßnahmen sind sehr aufwändig und kostspielig.
[0004] Demgegenüber liegt der Erfindung das technische Problem zugrunde, ein Verfahren der
eingangs genannten Art anzugeben, mit dem auf einfache, wenig aufwändige und kostengünstige
Weise sowie nichtsdestoweniger funktionssicher und störungsfrei ein langgestreckter
Freiraum zwischen zwei Tunnelröhren erstellt werden kann. Der Erfindung liegt insbesondere
das technische Problem zugrunde, ein solches Verfahren anzugeben, das sich vor allem
für weniger standfestes Gebirge eignet.
[0005] Zur Lösung dieses technischen Problems lehrt die Erfindung ein Verfahren zur Erstellung
eines langgestreckten Freiraumes zwischen zwei Tunnelröhren,
wobei zunächst zwei parallele durch einen Mittelbereich voneinander getrennte Tunnelröhren
aufgefahren werden,
wobei anschließend Verfestigungseinrichtungen quer zu den Tunnelröhren zwischen den
Tunnelröhren eingeführt werden,
wobei mit den Verfestigungseinrichtungen ein Dachgewölbebereich über dem noch ungeöffneten
Mittelbereich verfestigt wird
und wobei danach unter dem verfestigten Dachgewölbebereich der Mittelbereich geöffnet
wird. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass der Mittelbereich unter dem verfestigten
Dachgewölbebereich seitlich von zumindest einer Tunnelröhre aus geöffnet wird. Vorzugsweise
wird der Mittelbereich seitlich von beiden Tunnelröhren aus geöffnet. Es liegt weiterhin
im Rahmen der Erfindung, dass der Mittelbereich erst nach der weiter unten noch näher
beschriebenen Verfestigung des Sohlbereiches geöffnet wird. - Die Tunnelröhren dienen
insbesondere zur Aufnahme von U-Bahnstrecken.
[0006] Zweckmäßigerweise werden die Verfestigungseinrichtungen oberhalb des Mittelbereiches
in das Erdreich bzw. in das Gebirge zwischen den Tunnelröhren eingeführt, um anschließend
die Verfestigung des Dachgewölbebereiches herbeizuführen. Es liegt im Rahmen der Erfindung,
dass die Verfestigungseinrichtungen von zumindest einer der beiden Tunnelröhren aus
in das Erdreich bzw. in das Gebirge zwischen den Tunnelröhren eingebracht werden.
Dass die Verfestigungseinrichtungen quer zu den Tunnelröhren eingeführt werden meint
nach einer Ausführungsform der Erfindung, dass die Verfestigungseinrichtungen senkrecht
oder im Wesentlichen senkrecht zur Längsrichtung der Tunnelröhren in das Erdreich
bzw. in das Gebirge zwischen den Tunnelröhren eingeführt werden. Es liegt aber auch
im Rahmen der Erfindung, dass die Verfestigungseinrichtungen unter einem Winkel von
45° bis 90° bezüglich der Tunnellängsrichtung bzw. Tunnellängsachse von einer der
beiden Tunnelröhren aus in das Erdreich bzw. Gebirge zwischen den Tunnelröhren eingebracht
werden. - Die erfindungsgemäßen Maßnahmen, bei denen die Verfestigungseinrichtungen
quer zu den Tunnelröhren eingeführt werden und bei denen die Verfestigung eines Gewölbebereiches
erfolgt, werden nachfolgend auch als Querverfestigung bezeichnet.
[0007] Verfestigung des Dachgewölbebereiches meint im Rahmen der Erfindung insbesondere,
dass ein Bodenbereich über dem Mittelbereich verfestigt wird, der den gesamten Mittelbereich
zwischen den Tunnelröhren abdeckt. Mit anderen Worten grenzt der verfestigte Dachgewölbebereich
an die eine Tunnelröhre und überdacht dann den gesamten Mittelbereich bis zu der anderen
benachbarten Tunnelröhre. Der Dachgewölbebereich hat dabei im Querschnitt vorzugsweise
die Form eines Satteldaches oder die Form eines Gewölbes.
[0008] Grundsätzlich kann ein Abschnitt des Mittelbereiches auch von einer Kopfbaugrube
aus geöffnet werden und von dieser Kopfbaugrube aus erfolgt dann vorher eine Verfestigung,
vorzugsweise eine Vereisung, in Längsrichtung der Tunnelröhren (Längsverfestigung
bzw. Längsvereisung). Der mit der Längsverfestigung behandelte Abschnitt liegt dann
zweckmäßigerweise zwischen der Kopfbaugrube und einem mittels der erfindungsgemäßen
Querverfestigung hergestellten geöffneten Mittelbereichsabschnitt. Es ist weiterhin
grundsätzlich möglich, dass ein mit einer Längsverfestigung zu behandelnder Abschnitt
des Mittelbereiches zwischen zwei mit der erfindungsgemäßen Querverfestigung hergestellten
geöffneten Mittelbereichsabschnitten liegt und dass dieser Abschnitt nach der Längsverfestigung
von einem der erfindungsgemäß geöffneten Mittelbereichsabschnitte aus geöffnet wird.
Bei den vorstehend beschriebenen mit einer Längsverfestigung behandelten Abschnitten
handelt es sich aber stets um wesentlich kürzere Mittelbereichsabschnitte als die
Abschnitte, die nach dem eingangs beschriebenen aus dem Stand der Technik bekannten
Verfahren mit Hilfe einer Längsvereisung hergestellt werden.
[0009] Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass der langgestreckte Freiraum beide Tunnelröhren
verbindet und zu jeder der beiden Tunnelröhren hin offen ist. Der Begriff Freiraum
schließt dabei nicht aus, dass zwischen den beiden Tunnelröhren Stützeinrichtungen
vorgesehen sind, die die Decke des Freiraumes abstützen. Langgestreckter Freiraum
meint im Rahmen der Erfindung weiterhin, dass sich der Freiraum über eine größere
Strecke entlang der Tunnelröhren erstreckt und zwar, vorzugsweise über zumindest 30
m, bevorzugt über zumindest 50 m, sehr bevorzugt über zumindest 90 m entlang der beiden
Tunnelröhren. - Nach sehr bevorzugter Ausführungsform, der im Rahmen der Erfindung
ganz besondere Bedeutung zukommt, wird in dem langgestreckten Freiraum ein Mittelbahnsteig
für einen unterirdischen Bahnhof zwischen den beiden Tunnelröhren erstellt. Grundsätzlich
kann der langgestreckte Freiraum aber auch für unterschiedliche Sonderbereiche zwischen
den beiden Tunnelröhren vorgesehen werden. So können in dem Freiraum Gleiswechselbereiche
bzw. Weichenbereiche vorgesehen werden oder auch Abstellanlagen.
[0010] Zwei parallele Tunnelröhren meint im Rahmen der Erfindung auch im Wesentlichen parallele
benachbarte Tunnelröhren. Die beiden Tunnelröhren können also auch Abweichungen von
der exakt parallelen Anordnung aufweisen. - Dass der Mittelbereich zunächst noch ungeöffnet
ist meint im Rahmen der Erfindung, dass der Mittelbereich vor dem Öffnen noch aus
Bodenmaterial bzw. Gebirge besteht. Es liegt im Übrigen im Rahmen der Erfindung, dass
der Mittelbereich zwischen den beiden Tunnelröhren während der Durchführung des Verfahrens
schlitzwandfrei bleibt. In dem Mittelbereich zwischen den beiden Tunnelröhren werden
also vorzugsweise keine Schlitzwände eingebracht.
[0011] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung werden die beiden Tunnelröhren
im Bereich des Freiraumes im Schildvortrieb unmittelbar mit ihrem endgültigen Durchmesser
hergestellt. Mit anderen Worten haben die beiden Tunnelröhren nach ihrem Auffahren
bereits den im Bereich des Freiraumes, beispielsweise im Bahnhofsbereich, erforderlichen
Durchmesser. Dieser im Bereich des Freiraumes erforderliche Durchmesser ist in der
Regel größer als der Durchmesser der übrigen Bereiche der Tunnelröhren. Die beiden
Tunnelröhren werden also vorzugsweise bereits mit ihrer endgültigen Aufweitung hergestellt.
Die Erstellung der Tunnelröhren erfolgt dabei zweckmäßigerweise im Schildvortrieb
mit Tübbingausbau. Dabei wird eine Tunnelröhre von in Tunnellängsrichtung hintereinander
angeordneten Tübbingringen ausgekleidet. Jeder Tübbingring besteht aus einer Mehrzahl
von über den Umfang des Tübbingringes verteilten einzelnen Tübbings, die also gleichsam
Umfangssegmente eines Tübbingringes bilden. Die Tunnelröhren werden somit jeweils
mit einer Tübbingschale versehen und dabei wird zweckmäßigerweise die Tübbingschale
einer Tunnelröhre mit mittelbereichsseitigen Stützelementen abgestützt. Mittelbereichsseitig
meint dabei, dass die Stützelemente in der dem Mittelbereich zugewandten Hälfte der
Tunnelröhre bzw. des entsprechenden Tübbingringes angeordnet sind. Stützelement meint
insbesondere ein lineares Stützelement, das vertikal in der Tunnelröhre angeordnet
ist. Zweckmäßigerweise sind eine Mehrzahl von Stützelementen in Längsrichtung der
Tunnelröhre hintereinander angeordnet. Es kann sich hierbei um temporäre Stützelemente
handeln, die später entfernt werden oder aber um Stützelemente, die in den Tunnelröhren
verbleiben.
[0012] Nach einer sehr bevorzugten Ausführungsform der Erfindung wird in einen Tübbingring
der Tübbingschale zumindest ein Spezialtübbing eingebaut, welcher Spezialtübbing einen
zylindermantelabschnittsförmigen Basiskörper zur Einpassung in einen Tübbingring aufweist
und welcher Spezialtübbing zylindermantelinnenseitig ein Anschlusselement für den
Anschluss zumindest eines tunnelinnenseitig anzuordnenden Stützelementes zur Abstützung
der Tübbingschale aufweist. Bei diesem Stützelement handelt es sich insbesondere um
ein vorstehend beschriebenes mittelbereichsseitiges Stützelement. Es liegt im Rahmen
der Erfindung, dass das Anschlusselement zylindermantelinnenseitig aus dem Basiskörper
herausragt. Ein solcher Spezialtübbing wird in EP 1 170 461 A1 beschrieben. Nach bevorzugter
Ausführungsform der Erfindung enthält ein Tübbingring zumindest zwei solcher Spezialtübbings,
wobei ein Spezialtübbing in der oberen Ringhälfte des Tübbingringes und der zweite
Spezialtübbing in der unteren Ringhälfte des Tübbingringes vorgesehen ist, wobei beide
Spezialtübbings durch ein an ihren Anschlusselementen angeschlossenes Stützelement
miteinander verbunden sind und wobei zwischen den beiden Spezialtübbings an zumindest
einer Seite des Tübbingringes zumindest ein Temporärtübbing vorgesehen ist, welcher
nachträglich entfernbar ist. Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung wird
nämlich in einen Tübbingring der Tübbingschale mittelbereichsseitig zumindest ein
Temporärtübbing eingebaut, welcher Temporärtübbing nachträglich entfernt werden kann.
Der zumindest eine Temporärtübbing wird zweckmäßigerweise nach der Verfestigung der
Gewölbebereiche und vor dem Öffnen des Mittelbereiches ausgebaut.
[0013] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform, der im Rahmen der Erfindung ganz besondere
Bedeutung zukommt, wird der Dachgewölbebereich durch temporäre Bodenvereisung verfestigt.
Bei dieser Ausführungsform der Erfindung werden Vereisungslanzen bzw. Gefrierlanzen
als Verfestigungseinrichtungen quer zur Tunnelröhre in das Erdreich bzw. in das Gebirge
zwischen den Tunnelröhren eingebracht. Erfindungsgemäß wird hier also mit Querbohrungen
für die Vereisungslanzen bzw. mit sogenannten Quervereisungen gearbeitet, während
die aus dem Stand der Technik bekannten Mäßnahmen mit Längsvereisungen arbeiten. Längsvereisung
meint die Herstellung von Vereisungssäulen, die parallel zu den Tunnelröhren verlaufen.
Erfindungsgemäß werden dagegen Vereisungssäulen erzeugt, die quer zu den Tunnelröhren
angeordnet sind und sich zum Dachgewölbebereich ergänzen. Dabei sind in Längsrichtung
der Tunnelröhren zweckmäßigerweise eine Mehrzahl bzw. Vielzahl von Vereisungssäulen
hintereinander angeordnet. Vorzugsweise sind in dem vereisten Dachgewölbebereich in
vertikaler Richtung zumindest zwei Vereisungssäulen oder zumindest zwei Schichten
von Vereisungssäulen übereinander angeordnet. Vereisungssäule meint im Rahmen der
Erfindung im Übrigen den langgestreckten Vereisungsbereich, der mit einer Vereisungslanze
bzw. Gefrierlanze erzeugt werden kann. Die erfindungsgemäße Verfestigung durch Quervereisung
hat sich vor allem für weniger standfestes Gebirge ganz hervorragend bewährt. Die
Quervereisung kann funktionssicher und effektiv durchgeführt werden, ohne dass hierbei
störende und unerwünschte Fehlstellen entstehen. - Bei standfesterem Gebirge kann
als erfindungsgemäße Alternative auch eine Feststoffinjektion zur Verfestigung des
Dachgewölbebereiches erfolgen. Die statt der Vereisung durchgeführte Feststoffinjektion
erfolgt zweckmäßigerweise mit einem Zement. Als Verfestigungseinrichtungen werden
hier vorzugsweise Injektionslanzen eingesetzt. Auch nach dieser Ausführungsform werden
erfindungsgemäß Querbohrungen quer zu den Tunnelröhren für die Feststoffinjektionen
vorgesehen. Dabei entstehen Injektionskörper, die quer zu den Tunnelröhren orientiert
sind und sich zum Dachgewölbebereich ergänzen. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass
die Verfestigungen durch Hochdruckinjektionen verwirklicht werden können.
[0014] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung wird ein Sohlbereich unterhalb
des Mittelbereiches zwischen den beiden Tunnelröhren ebenfalls verfestigt und wird
der Mittelbereich erst nach Verfestigung dieses Sohlbereiches geöffnet. Auch nach
dieser Ausführungsform der Erfindung werden die Verfestigungseinrichtungen zweckmäßigerweise
quer zu den Tunnelröhren in das Erdreich bzw. in das Gebirge zwischen den Tunnelröhren
eingeführt. Auch hier erfolgt das Einbringen der Verfestigungseinrichtungen bevorzugt
aus zumindest einer der beiden Tunnelröhren. Die Verfestigung des Sohlbereiches wird
nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung ebenfalls durch eine temporäre
Bodenvereisung des Sohlbereiches durchgeführt. Dabei werden Vereisungslanzen quer
zu den Tunnelröhren unterhalb des Mittelbereiches in das Gebirge eingebracht. Damit
werden Vereisungssäulen erzeugt, die quer zu den Tunnelröhren orientiert sind und
sich zum vereisten Sohlbereich ergänzen. Dabei sind in Längsrichtung der Tunnelröhren
zweckmäßigerweise eine Mehrzahl bzw. eine Vielzahl von Vereisungssäulen hintereinander
angeordnet. Vorzugsweise sind im Sohlbereich in vertikaler Richtung zumindest zwei
Vereisungssäulen bzw. zumindest zwei Schichten von Vereisungssäulen übereinander angeordnet.
Der verfestigte, bevorzugt vereiste Sohlbereich hat im Querschnitt vorzugsweise eine
V-Form (umgekehrtes Satteldach) oder eine U-Form. Die Verfestigung durch Vereisung
bietet sich auch für den Sohlbereich insbesondere bei weniger standfestem Gebirge
an.
[0015] Es liegt im Übrigen im Rahmen der Erfindung, dass der langgestreckte Freiraum abschnittsweise
fertiggestellt wird, dass also die Verfestigungen bzw. Vereisungen abschnittsweise
erfolgen und der Mittelbereich abschnittsweise seitlich von zumindest einer der beiden
Tunnelröhren oder vorzugsweise von beiden Tunnelröhren aus geöffnet wird. Bei diesem
Öffnen des Mittelbereiches erfolgt zweckmäßigerweise eine Abstützung durch Stahlelemente
bzw. durch einen Stahlrahmen. Von besonderer Bedeutung ist im Rahmen des erfindungsgemäßen
Verfahrens, dass eine Dichtigkeitsprüfung von bestimmten Bereichen bzw. Abschnitten
des Mittelbereiches problemlos möglich ist. Indem nämlich sowohl der Dachgewölbebereich
als auch der Sohlbereich des zu überprüfenden Abschnittes vereist wird und weiterhin
auch ein Kopfbereich und ein Endbereich des zu überprüfenden Abschnittes vereist wird,
kann ein durch die Vereisung abgeschlossener Abschnitt erzielt werden, der funktionssicher
auf seine Dichtigkeit überprüft und aufgefahren werden kann.
[0016] Nach sehr bevorzugter Ausführungsform der Erfindung wird der geöffnete Mittelbereich
mit einer oberseitigen Spritzbetonschale abgesichert. Die Spritzbetonschale befindet
sich zweckmäßigerweise unterhalb des verfestigten Dachgewölbebereiches und erstreckt
sich vorzugsweise von der einen Tunnelröhre zu der anderen benachbarten Tunnelröhre.
Nach bevorzugter Ausführungsform wird der geöffnete Mittelbereich mit einer unterseitigen
Spritzbetonschale abgesichert, die sich vorzugsweise oberhalb des verfestigten Sohlbereiches
befindet und sich zweckmäßigerweise von der einen Tunnelröhre zu der anderen benachbarten
Tunnelröhre erstreckt. Es liegt im Rahmen der Erfindung, dass die oberseitige Spritzbetonschale
und/oder die unterseitige Spritzbetonschale nach dem Aufheben der Vereisung des Dachgewölbebereiches
und/oder des Sohlbereiches die Lasten aufnimmt, die zuvor von den vereisten Bereichen
aufgenommen wurden.
[0017] Bei schwierigen Bodenverhältnissen oder bei einem relativ breiten Mittelbereich können
auch einzelne Abschnitte des Mittelbereiches (in Bezug auf den Querschnitt des Mittelbereiches)
nacheinander geöffnet werden und jeweils mit einer zugeordneten temporären Spritzbetonschale
gesichert werden. - Bei extrem schwierigen Randbedingungen kann auch der gesamte Querschnitt
des Mittelbereiches verfestigt bzw. vereist werden. Dabei kann in Abstimmung auf die
jeweiligen Bodenverhältnisse auch ein Eis minderer Festigkeit verwendet werden.
[0018] Nach einer besonderen bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens
werden für die Erstellung einer Zugangsanlage für den langgestreckten Freiraum oberhalb
des Mittelbereiches zwei gegenüberliegende sich entlang der Tunnelröhren erstreckende
und bis zum Dachgewölbebereich ragende Schlitzwände in den Erdboden eingebracht. Zugangsanlage
meint insbesondere eine Zugangsanlage für einen Mittelbahnsteig, beispielsweise ein
Treppenhaus für einen Mittelbahnsteig. Die beiden Schlitzwände sind vorzugsweise parallel
zueinander oder im Wesentlichen parallel zueinander angeordnet. Es liegt im Rahmen
der Erfindung, dass die beiden Schlitzwände den Bereich begrenzen, der sich durch
die Verlängerung des Mittelbereiches zwischen den beiden Tunnelröhren nach oben hin
ergibt. Nach einer bevorzugten Ausführungsform der Erfindung werden die beiden Schlitzwände
vor der Verfestigung des Dachgewölbebereiches in den Erdboden eingebracht. Da die
beiden Schlitzwände erfindungsgemäß nur noch bis zum Dachgewölbebereich ragen, sind
diese Maßnahmen im Vergleich zu den eingangs erläuterten, aus dem Stand der Technik
im Zusammenhang mit Schlitzwänden bekannten Maßnahmen viel weniger aufwändig. Die
Schlitzwände müssen weniger tief in den Erdboden eingeführt werden und die aus dem
Stand der Technik bekannten tiefen Baugruben mit aufwändigen temporären Stützmaßnahmen
entfallen bei Erstellung der erfindungsgemäßen Zusatzanlage. Die hier erforderlichen
Baugruben weisen nur noch 30 % bis 40 % der Tiefe der aus dem Stand der Technik bekannten
Baugruben auf.
[0019] Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, dass mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
auf überraschend einfache und wenig aufwändige Weise ein langgestreckter Freiraum,
insbesondere für einen Mittelbahnsteig zwischen zwei Tunnelröhren herstellbar ist.
Die Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens zeichnet sich durch verhältnismäßig
kostengünstige Maßnahmen aus. Die Erstellung des Freiraumes und insbesondere die Verfestigung
oberer und unterer Bereiche für die Erstellung des Freiraumes ist überraschend funktionssicher
und störungsfrei durchführbar. Besondere Bedeutung kommt hierbei der sogenannten Quervereisung
zu. Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich vor allem für weniger standfestes Gebirge.
Die Erstellung des langgestreckten Freiraumes mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
bietet sich vor allem dann an, wenn die Erstellung in offener Bauweise nicht möglich
oder nicht erwünscht ist.
[0020] Nachfolgend wird die Erfindung anhand einer lediglich ein Ausführungsbeispiel darstellenden
Zeichnung näher erläutert. Es zeigen in schematischer Darstellung:
- Fig. 1
- einen Querschnitt durch zwei parallele Tunnelröhren in einem ersten Verfahrensstadium,
- Fig. 2
- den Gegenstand nach Fig. 1 in einem zweiten Verfahrensstadium,
- Fig. 3
- den Gegenstand gemäß Fig. 1 in einem dritten Verfahrensstadium,
- Fig. 4
- den Gegenstand nach Fig. 1 in einem vierten Verfahrensstadium,
- Fig. 5
- den Gegenstand gemäß Fig. 1 in einem fünften Verfahrensstadium, und
- Fig. 6
- einen Querschnitt durch zwei Tunnelröhren zur Verdeutlichung einer alternativen Verfahrensweise.
[0021] Die Figuren verdeutlichen schematisch verschiedene Verfahrensschritte des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur Erstellung eines langgestreckten Freiraumes 1 zwischen zwei Tunnelröhren
2, 3. Die Figuren verdeutlichen weiterhin auch die Herstellung einer Zugangsanlage
4 für den langgestreckten Freiraum 1. Im Ausführungsbeispiel nach den Figuren soll
in dem langgestreckten Freiraum 1 ein Mittelbahnsteig zwischen den beiden Tunnelröhren
2, 3 erstellt werden und bei der Zugangsanlage 4 handelt es sich um ein Treppenhaus
für diesen Mittelbahnsteig.
[0022] Fig. 1 zeigt, dass zunächst zwei parallele durch einen Mittelbereich 5 voneinander
getrennte Tunnelröhren 2, 3 aufgefahren werden. Die beiden Tunnelröhren 2, 3 nach
Fig. 1 wurden im Schildvortrieb unmittelbar mit ihrem endgültigen Durchmesser hergestellt.
Die in Fig. 1 abgebildeten Tunnelröhren 2, 3 weisen also bereits den für den Freiraum
1 bzw. für den Bahnsteigbereich erforderlichen weiteren Durchmesser auf. Die beiden
Tunnelröhren 2, 3 wurden dabei im Schildvortrieb mit Tübbingausbau hergestellt. Die
Tunnelröhren 2, 3 sind also jeweils mit einer Tübbingschale 6 versehen, wobei die
Tübbingschale 6 aus hintereinander angeordneten Tübbingringen 6a besteht, die ihrerseits
jeweils durch eine Mehrzahl über den Umfang des Tübbingringes 6a verteilten Tübbings
bestehen. Vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel wird die Tübbingschale 6 jeder Tunnelröhre
2, 3 mit mittelbereichsseitigen Stützelementen 7 jeweils abgestützt. Im Ausführungsbeispiel
handelt es sich um temporäre Stützelemente 7, die nachträglich entfernbar sind. Mittelbereichsseitige
Anordnung meint, dass die Stützelemente 7 in der dem Mittelbereich 5 zugeordneten
Hälfte der Tunnelröhre 2, 3 angeordnet sind. Es versteht sich, dass in Längsrichtung
jeder Tunnelröhre 2, 3 mehrere Stützelemente 7 hintereinander angeordnet sind. Nach
bevorzugter Ausführungsform und im Ausführungsbeispiel weist jeder Tübbingring 6a
der Tübbingschale 6 zwei Spezialtübbings 8 auf, die jeweils einen zylindermantelabschnittsförmigen
Basiskörper 9 zur Einpassung in einen Tübbingring 6a aufweisen. Die Spezialtübbings
8 weisen außerdem zylindermantelinnenseitig jeweils ein Anschlusselement 10 für den
Anschluss eines tunnelinnenseitig anzuordnenden Stützelementes 7 zur Abstützung der
Tübbingschale 6 auf. Das Anschlusselement 10 ragt im Ausführungsbeispiel tunnelinnenseitig
aus dem Basiskörper 9 heraus. Zwischen den beiden Spezialtübbings 8 eines Tübbingringes
6a einer Tunnelröhre 2, 3 sind im Ausführungsbeispiel jeweils zwei Temporärtübbings
11 vorgesehen, die nachträglich entfernbar sind. Auf diese Temporärtübbings 11 wird
weiter unten noch Bezug genommen.
[0023] In der Fig. 1 ist weiterhin erkennbar, dass für die Erstellung einer Zugangsanlage
4 oberhalb des Mittelbereiches 5 zwei gegenüberliegende sich entlang der Tunnelröhren
2, 3 erstreckende und bis zum Dachgewölbebereich 17 ragende Schlitzwände 13, 14, in
den Erdboden eingebracht sind. Die Schlitzwände 13, 14 befinden sich also oberhalb
des Mittelbereiches 5 und der Mittelbereich 5 selbst ist zweckmäßigerweise schlitzwandfrei
ausgebildet. Im Verfahrensstadium nach Fig. 1 wird der noch ungeöffnete Mittelbereich
5 von dem Gebirge gebildet. In Fig. 1 erkennt man, dass im oberen Bereich der Schlitzwände
13, 14 bereits teilweise eine Baugrube 15 ausgehoben wurde, die mit einer Abdeckung
16 versehen ist. - Im Ausführungsbeispiel nach Fig. 1 erfolgt der Einbau der Schlitzwände
13, 14 zweckmäßigerweise mit zeitlichem Vorlauf zur Schildfahrt bzw. zum Auffahren
der Tunnelröhren 2, 3.
[0024] Nach dem Auffahren der Tunnelröhren 2, 3 werden nicht dargestellte Verfestigungseinrichtungen
quer zu den Tunnelröhren 2, 3 zwischen den Tunnelröhren 2, 3 eingeführt, mit welchen
Verfestigungseinrichtungen eine Verfestigung von Bereichen oberhalb des Mittelbereiches
5 und unterhalb des Mittelbereiches 5 erfolgt. Diese Verfestigung wird vorzugsweise
im Ausführungsbeispiel durch eine Bodenvereisung dieser Bereiche durchgeführt. Bei
den nicht dargestellten Verfestigungseinrichtungen handelt es sich somit zweckmäßigerweise
um Vereisungslanzen bzw. Gefrierlanzen, die quer zu den Tunnelröhren 2, 3 in die zu
verfestigenden Bereiche eingeführt werden. Zum einen wird im Ausführungsbeispiel ein
Dachgewölbebereich 17 über dem noch ungeöffneten Mittelbereich 5 durch Vereisung verfestigt.
Die Vereisung erfolgt dabei von beiden Tunnelröhren 2, 3 aus, indem die Vereisungslanzen
durch entsprechende Querbohrungen in den zu vereisenden Bereich zwischen den Tunnelröhren
2, 3 eingeführt werden. Die Vereisungslanzen werden dabei im Ausführungsbeispiel jeweils
senkrecht zur Tunnellängsachse L der beiden Tunnelröhren 2, 3 eingeführt. Außerdem
werden die Vereisungslanzen im Ausführungsbeispiel von jeder Tunnelröhre 2, 3 aus
schräg nach oben in den zu vereisenden Dachgewölbebereich eingebracht. Das ist in
Fig. 2 durch strichpunktierte Pfeile am Dachgewölbebereich 17 verdeutlicht worden.
Mit den Vereisungslanzen werden nicht näher dargestellte Vereisungssäulen erzeugt.
Es versteht sich, dass in Tunnellängsrichtung eine Mehrzahl solcher Vereisungssäulen
hintereinander angeordnet ist. Außerdem sind zweckmäßigerweise zumindest zwei Vereisungssäulen
bzw. zumindest zwei Schichten von Vereisungssäulen in dem Dachgewölbebereich 17 in
vertikaler Richtung übereinander angeordnet. Auf diese Weise entsteht der verfestigte
Dachgewölbebereich 17 in Form eines satteldachförmigen Vereisungsmantels (Fig. 2)
über dem ungeöffneten Mittelbereich 5.
[0025] Im Ausführungsbeispiel nach den Figuren wird auch der Sohlbereich 18 unterhalb des
noch ungeöffneten Mittelbereiches 5 durch Vereisung verfestigt. Auch hier werden zweckmäßigerweise
durch benachbarte Querbohrungen Vereisungslanzen in den Bereich zwischen den Tunnelröhren
2, 3 eingeführt, wobei die Vereisungslanzen im Ausführungsbeispiel senkrecht zur Tunnellängsachse
der Tunnelröhren 2, 3 eingebracht werden. Die Vereisungslanzen werden außerdem im
Ausführungsbeispiel schräg nach unten in den zu verfestigenden Sohlbereich 18 eingeführt.
Das ist in der Fig. 2 durch entsprechende strichpunktierte Pfeile angedeutet worden.
Mit den Vereisungslanzen werden im Sohlbereich 18 nicht näher dargestellte Vereisungssäulen
erzeugt. Es versteht sich, dass in Längsrichtung der Tunnelröhren 2, 3 eine Mehrzahl
bzw. Vielzahl solcher Vereisungssäulen hintereinander angeordnet sind. Auch im Sohlbereich
18 sind in vertikaler Richtung zweckmäßigerweise zumindest zwei Vereisungssälen bzw.
zumindest zwei Schichten von Vereisungssäulen übereinander vorgesehen. Auf die beschriebene
Weise entsteht vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel ein V-förmiger durch Vereisung
verfestigter Sohlbereich 18 unterhalb des Mittelbereiches 5.
[0026] Der vereiste Dachgewölbebereich 17 überspannt vorzugsweise und im Ausführungsbeispiel
den Mittelbereich 5 vollständig. Er erstreckt sich dabei somit von der Tunnelröhre
2 bis zur Tunnelröhre 3. Ebenso unterfasst der vereiste Sohlbereich 18 den Mittelbereich
5 vollständig und dieser Sohlbereich 18 grenzt sowohl an die Tunnelröhre 2 als auch
an die Tunnelröhre 3. Es versteht sich, dass der in Fig. 2 dargestellte Dachgewölbebereich
17 und auch der Sohlbereich 18 sich in Längsrichtung der Tunnelröhren 2, 3 fortsetzt.
Die Vereisung von Dachgewölbebereich 17 und/oder Sohlbereich 18 kann abschnittsweise
erfolgen, wobei sich jeder vereiste Abschnitt längs der Tunnelröhren 2, 3 erstreckt.
Der Mittelbereich 5 wird im Ausführungsbeispiel quer zur Tunnellängsrichtung von einem
durchgehenden Eismantel bzw. Frostkörper überfasst und auch unterfasst. Mit der erfindungsgemäßen
Quervereisung von den Tunnelröhren 2, 3 aus wird eine überraschend effektive Abstützung
des Mittelbereiches 5 erzielt.
[0027] Im Anschluss an die Erstellung des vereisten Dachgewölbebereiches 17 und des vereisten
Sohlbereiches 18 kann der Mittelbereich 5 seitlich von den Tunnelröhren 2, 3 aus geöffnet
werden. Dazu werden die Temporärtübbings 11 ausgebaut, so dass von den Seiten her
ein Hohlraum zwischen dem Dachgewölbebereich 17 und dem Sohlbereich 18 gebildet werden
kann. Fig. 3 zeigt bereits den Zustand mit ausgebauten Temporärtübbings 11 und ausgehöhltem
Mittelbereich 5. Der geöffnete Mittelbereich 5 wird mit einer oberseitigen Spritzbetonschale
19 abgesichert, die sich unterhalb des Dachgewölbebereiches 17 befindet sowie mit
einer unterseitigen Spritzbetonschale 20 abgesichert, die sich oberhalb des Sohlbereiches
18 befindet.
[0028] Die Öffnung des Mittelbereiches 5 kann auch derart erfolgen, dass zunächst nur die
oberen Temporärtübbings 11 ausgebaut werden und dann zuerst ein oberer Bereich des
Mittelbereiches 5 geöffnet wird. Die in dieser Bauphase verbleibenden unteren Temporärtübbings
11 werden in diesem Fall zweckmäßigerweise durch hier nicht näher beschriebene Abfangbügel
aus Stahl oder Stahlbeton kraftschlüssig gesichert. Um das Öffnen des Mittelbereiches
5 von einer der seitlichen Tunnelröhren 2, 3 zu erleichtern und um auch größere Baugeräte
einsetzen zu können, ist es möglich die Abfangstützen bzw. Abfangbügel durch einen
entsprechenden Abfangrahmen zu ersetzen. Dieser Abfangrahmen wird bevorzugt als Stahlkonstruktion
direkt mit dem Einbau der Tübbingringe 6a installiert. Mit dieser Vorgehensweise ist
es auch möglich, den Ausbruchquerschnitt des Mittelbereiches 5 falls erforderlich
vor dem Öffnen von der seitlichen Tunnelröhre 2,3 über die gesamte Höhe zu vereisen
bzw. durch Bodeninjektionen zu sichern. Mit dieser Zusatzmaßnahme ist eine weitere
Stabilisierung der Ausbrucharbeiten möglich. Der genannte obere Bereich des Mittelbereiches
5 kann dann mit der oberseitigen Spritzbetonschale 19 und einer unteren temporären
Spritzbetonschale abgesichert werden. Anschließend können dann die unteren Temporärtübbigs
11 ausgebaut werden und der untere Bereich des Mittelbereiches 5 kann geöffnet werden.
Dieser untere Bereich wird danach mit der unterseitigen Spritzbetonschale 20 abgesichert.
[0029] Bei sehr breiten Bahnsteigen müssen die seitlichen Tunnelröhren 2, 3 weiter auseinanderliegen.
Der Mittelbereich 5 weist in diesem Fall einen entsprechend größeren Ausbruchquerschnitt
auf. Je nach Standfestigkeit der anstehenden Baugründe kann es erforderlich werden,
den Mittelbereich 5 in kleinere Arbeitsschritten (in Bezug auf den Querschnitt des
Mittelbereiches) zu öffnen. Durch die Verwendung spezieller Injektionsspieße kann
der Ausbruchrand zusätzlich jeweils gesichert werden. Diese Injektionsspieße können
wahlweise als Vereisungslanzen oder als Injektionslanzen ausgebildet werden. Die Ausbruchgeometrie
kann somit an alle Erfordernisse und Teilausbrüche angepasst werden.
[0030] Im Anschluss an die Absicherung mit den Spritzbetonschalen 19, 20 werden Teile der
Innenschale der Tunnelröhren 2, 3 und des Mittelbereiches 5 in Ortbeton eingebaut.
Dieser Zustand ist in der Fig. 4 dargestellt. Oberhalb der unterseitigen Spritzbetonschale
20 ist zunächst eine Ortbetonbasis 21 für den Mittelbahnsteig vorgesehen. Weiterhin
sind zwei gegenüberliegende obere Ortbetonbereiche 22, 23 gebildet worden, die u.a.
die oberen Spezialtübbings 8 und einen Teil der oberseitigen Spritzbetonschale 19
einkleiden bzw. ummanteln. In Fig. 4 ist ein zwischen den Ortbetonbereichen 22, 23
angeordneter Aussteifungsriegel 24 erkennbar, der unterhalb der oberseitigen Spritzbetonschale
19 angeordnet ist.
[0031] Für die Erstellung der Zugangsanlage 4 wird dann zweckmäßigerweise die Baugrube 15
zwischen den Schlitzwänden 13, 14 vollständig ausgehoben und der mittlere Bereich
der oberseitigen Spritzbetonschale 19 kann entfernt werden. Dieser Zustand ist in
Fig. 5 dargestellt. Die temporären Stützelemente wurden hier bereits entfernt. Außerdem
sind hier die Schlitzwände 13, 14 durch entsprechende Wände 25 versteift worden. Weiterhin
sind in Fig. 5 die Bahnsteigelemente 26 fertiggestellt worden und außerdem ist hier
bereits der Einbau einer Ortbetonsohle 27 in den Tunnelröhren 2, 3 erfolgt. In Fig.
5 wurde nicht dargestellt, dass anschließend zweckmäßigerweise die Abdeckung 16 entfernt
wird und die Baugrube 15 oberhalb der oberseitigen Wand 25 der Zugangsanlage 4 verfüllt
wird.
[0032] In der Fig. 6 ist eine Alternative des erfindungsgemäßen Verfahrens verdeutlicht
worden. Hier wurde zuerst der Mittelbereich 5 geöffnet und mit den Spritzbetonschalen
19, 20 abgesichert und erst danach sind die Schlitzwände 13, 14 eingeführt worden.
Zwecks Erstellung der Zugangsanlage 4 erfolgt hier vorzugsweise eine Lückenvereisung
der Lücken 28 zwischen der oberseitigen Spritzbetonschale 19 und den Schlitzwänden
13, 14.
[0033] Zweckmäßigerweise werden die dazu verwendeten Vereisungsrohre mit dem Bewehrungskorb
der Schlitzwände 13, 14 eingebaut. Das Kältemedium wird in diesem Fall von oben eingebracht.
Bis auf den Fußbereich der Schlitzwände werden zweckmäßigerweise alle zugehenden und
abgehenden Leitungen kälteisoliert. Somit erfolgt die Vereisung lediglich im Lückenbereich
zwischen Schlitzwand 13, 14 und Spritzbetonschale 19.
[0034] Als weitere Alternative besteht die Möglichkeit, die Zugangsanlage 4 nach Fertigstellung
des Bahnhofstunnels mittels Senkkästen auf dem Tunnel abzusetzen. Die Lückenvereisung
erfolgt dann analog wie oben zu den Schlitzwänden 13, 14 beschrieben.
1. Verfahren zur Erstellung eines langgestreckten Freiraumes (1) zwischen zwei Tunnelröhren
(2, 3),
wobei zunächst zwei parallele durch einen Mittelbereich (5) voneinander getrennte
Tunnelröhren (2, 3) aufgefahren werden,
wobei anschließend Verfestigungseinrichtungen quer zu den Tunnelröhren (2, 3) zwischen
den Tunnelröhren (2, 3) eingeführt werden,
wobei mit den Verfestigungseinrichtungen ein Dachgewölbebereich (17) über dem noch
ungeöffneten Mittelbereich (5) verfestigt wird
und wobei danach unter dem verfestigten Dachgewölbebereich (17) der Mittelbereich
(5) aus geöffnet wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei der Mittelbereich (5) unter dem verfestigten Dachgewölbebereich
(17) von zumindest einer Tunnelröhre (2, 3) aus geöffnet wird.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2, wobei die beiden Tunnelröhren (2, 3)
im Schildvortrieb unmittelbar mit ihrem endgültigen Durchmesser hergestellt werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, wobei die Tunnelröhren (2, 3) jeweils
mit einer Tübbingschale (6) versehen werden und wobei die Tübbingschale (6) mit mittelbereichsseitigen
Stützelementen (7) abgestützt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, wobei in einem Tübbingring (6a) der Tübbingschale (6) zumindest
ein Spezialtübbing (8) eingebaut wird, welcher Spezialtübbing (8) einen zylindermantelabschnittsförmigen
Basiskörper (9) zur Einpassung in einen Tübbingring (6a) aufweist und wobei zylindermantelinnenseitig
ein Anschlusselement (10) für den Anschluss zumindest eines tunnelinnenseitig anzuordnenden
Stützelementes (7) zur Abstützung der Tübbingschale (6) vorgesehen ist.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 4 oder 5, wobei in einem Tübbingring (6a) der Tübbingschale
(6) mittelbereichsseitig zumindest ein Temporärtübbing (11) eingebaut wird, welcher
Temporärtübbing (11) nachträglich entfernbar ist.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, wobei der Dachgewölbebereich (17) durch
Vereisung verfestigt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, wobei ein Sohlbereich (18) unterhalb des
Mittelbereiches (5) ebenfalls verfestigt wird und wobei nach Verfestigung des Sohlbereiches
(18) der Mittelbereich (5) geöffnet wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, wobei der geöffnete Mittelbereich (5)
mit einer oberseitigen Spritzbetonschale (19) abgesichert wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, wobei für die Erstellung einer Zugangsanlage
(4) oberhalb des Mittelbereiches (5) zwei gegenüberliegende sich entlang der Tunnelröhren
(2, 3) erstreckende und bis zum Dachgewölbebereich (17) ragende Schlitzwände (13,
14) in den Erdboden eingebracht werden.