[0001] Die Erfindung betrifft einen Schneidkopf, welcher in Vorrichtungen zur Bearbeitung,
vorrangig dem Zuschnitt von Gipskartonplatten, Gipsplatten, Holzwerkstoffplatten oder
dergleichen, eingesetzt werden kann.
[0002] Diese Baustoffplatten werden bekanntermaßen zur Herstellung von Trennwänden, Decken
und dergleichen in immer größerem Maße, vorrangig im Innenausbau bei der Neuerstellung
beziehungsweise Sanierung von Gebäuden, eingesetzt.
[0003] Bei der Herstellung von Trennwänden, Decken und dergleichen, wie auch für den Transport
dieser Platten, werden diese üblicherweise auf Transport- oder Einbaumaße zerteilt.
[0004] In der Fabrikation dieser Platten werden hierfür bekanntermaßen spanabhebende Trennverfahren,
wie beispielsweise Sägen, eingesetzt.
[0005] Vor der Verarbeitung am Einbauort erfolgt der Zuschnitt solcher Baustoffplatten auf
die gewünschten Abmessungen.
[0006] Hierbei kommen vorrangig zwei Techniken zur Anwendung. Zur Herstellung von geradlinigen
Trennungen werden diese Bauelemente in der Horizontalen positioniert.
[0007] Mittels eines Ritzmessers, welches entlang eines Lineals geführt wird, wird die Oberfläche
der Platte angeritzt, anschließend über eine Kante gebrochen.
[0008] Danach werden die Platten gewendet und die Unterseite der Trennschicht wird durchgeschnitten.
Bekannt ist dies Verfahren aus der DE 19937140 und der US 2952025.
Im Anschluss daran werden die Baustoffplatten bei Notwendigkeit mit einer Spachtelfase
versehen, die mittels eines Kantenhobels manuell hergestellt wird.
[0009] Anschließend wird bei Notwendigkeit mit einem Kantenhobel die Bruchfläche manuell
geglättet.
[0010] Nachteilig bei dieser Arbeitsweise ist die geringe Arbeitsgeschwindigkeit und der
hohe manuelle Arbeitsaufwand, begründet durch manuelles Brechen der Platten, anschließendes
Umdrehen und Trennen der unteren Schicht und manuelles Anbringen der Spachtelfase.
[0011] Über das reine lineare Zuschneiden und Brechen dieser Platten hinaus ist es erforderlich,
die Platten für bestimmte Einbaufälle mit Radien zu versehen.
[0012] Zur Erzeugung von Radien werden vorrangig spanabhebende Trennverfahren eingesetzt,
wie beispielsweise Bandsägen oder mit Fräsbohrern ausgerüstete motorisch betriebene
Handgeräte.
[0013] Nachteilig bei diesen Verfahren ist die hohe Staubbelastung, welche eine Absaugung
erfordert und die vergleichsweise langsame Produktionsgeschwindigkeit.
[0014] Weiterhin ist bekannt, daß Platten für den Einsatz im Baubereich mittels eines Wasserstrahles
geschnitten werden. Dieses Schneiden ist allerdings bei Gipskartonplatten nicht einsetzbar,
da sich das Plattenmaterial durch die Feuchtigkeit auflösen würde.
[0015] Es sind weiterhin Vorrichtungen zum Schneiden von Gipskartonplatten bekannt, welche
sich aus Grundkörpern mit daran angeordneten verfahrbaren Schneideinrichtungen zusammensetzen,
wie beispielsweise beschrieben in der DE 195 12 403.
[0016] Auch bekannt ist die DE 3044467, welche ein Handschneidegerät mit Tapetenklingen
als Schneiden vorschlägt.
[0017] Alle diese bekannten Vorrichtung weisen den Nachteil auf, daß die eingesetzte Klingen
entweder eine hohe Staubbelastung mit sich bringen oder aber am Material Ausbrüche
oder auch Verquetschungen erzeugen, welche eine weitere Bearbeitung erforderlich machen,
um eine ordentliche Verarbeitung der Platte zu sichern.
[0018] Die Druckschrift DE 195 12 403 A1 beschreibt eine Vorrichtung zum beidseitigen Schneiden
von Gipskartonplatten, welche aus einem Schneidkopf besteht, welcher in die Oberfläche
eingreifende Schneidräder aufweist.
Nachteilig wirkt sich bei dieser Lösung die Tatsache aus, dass bei unterschiedlichen
Materialstärken und bei Abnutzung der beidseitig wirkenden Ritzmesser ein Ein- bzw.
Nachstellen der Schneidköpfe erforderlich ist. Desweiteren werden bei dieser Lösung
immer zwei sich gegenüberstehende Schneidwerkzeuge benötigt und es werden lediglich
die Kartonschichten auf der Plattenober- und Unterseite durchtrennt, so daß die Platte
anschließend gebrochen werden muss.
[0019] Auch bekannt ist aus der JP 05154832 A eine Vorrichtung, welche auf der Oberseite
und auf der Unterseite jeweils zwei Paare von Schneidrädern aufweist, welche überlappend
das Material durchtrennen. Nachteilig ist bei dieser Vorrichtung, daß der Vortrieb
durch angetriebene Schneidräder oder durch den Rollentransport erfolgt, was nur geringe
Schnittleistungen zuläßt.
[0020] Weiterhin bekannt ist aus der DD 47327 eine Vorrichtung, welche Einritzungen auf
der Ober- und Unterseite des Werkstückes erzeugt.
Der Vorschub wird durch angetriebene Schneid-/ Ritzrädchen realisiert, die beidseitig
in Achse zueinander angeordnet sind.
Die Funktion des Widerlagers zum Aufnehmen der Schneidkräfte wird gemäß dieser technischen
Lösung durch die sich gegenüber liegenden Schneidräder übernommen.
Nachteilig ist wiederum, daß lediglich die Plattenober- und Unterseite geritzt werden,
so daß die Platte anschließend gebrochen werden muss.
[0021] Aus der DE 44 14 322 ist eine Vorrichtung bekannt, welche mit motorisch angetriebenen
Kreissägeblättern arbeitet. Die Trennung bzw. Herstellung der Spachtelfasen an den
Platten wird in spanabhebender Arbeitsweise erzeugt. Dabei wird das als Kaschierung
verwendete Material, vorzugsweise Karton, bei dieser Art der Bearbeitung beschädigt
werden und es tritt beim Trennen von Gipskartonplatten eine erhebliche Staubbelastung
durch die Verwirbelung des beim spanabhebenden Trennen erzeugten Gipsstaubes auf.
[0022] Ein weiterer Nachteil der bekannten technischen Lösungen besteht darin, daß der Verschnitt
der Platten durch das Brechen über eine Kante beschädigt wird und nicht mehr weiter
verwendbar ist.
[0023] Die Erfindung stellt sich dementsprechend die Aufgabe, eine Lösung zur Verfügung
zu stellen, welche die genannten Nachteile weitgehend vermeidet, den Bearbeitungsprozess
bei Erzeugung hoher Genauigkeiten und Kantenqualität mechanisiert, die Staubbelastung
reduziert und eine wesentliche Erhöhung der Arbeitsgeschwindigkeit ermöglicht.
[0024] Diese Aufgabe wird durch die im Patentanspruch 1 vorgeschlagene Lösung gelöst und
soll anhand eines Ausführungsbeispieles und anhand der Abbildungen 1 und 2 näher erläutert
werden.
[0025] Dabei zeigt Abbildung 1 den erfindungsgemäßen Schneidkopf, welcher aus einem Grundkörper
besteht, an welchem ein vorderes Druckrad 2, ein vorderes Antriebsrad 3, ein Schneidrad
5, ein Widerlager 6, ein hinteres Druckrad 7 sowie ein hinteres Antriebsrad 8 angeordnet
sind.
[0026] Dabei ist das vordere Druckrad 2 so angeordnet, daß es auf der Oberseite der Platte
1 läuft.
[0027] Zu dem vorderen Druckrad 2 läuft achsparallel das vordere Antriebsrad 3 auf der Unterseite
der Platte 1 zu dem vorderen Druckrad 2.
[0028] In der Schneidrichtung hinter dem vorderen Antriebsrad 3 ist ein in die Oberfläche
der Platte 1 eingreifendes Schneidrad 5 angeordnet.
Dieses Schneidrad 5 ist dabei so dimensioniert, daß es mit seiner Schneidkante die
Platte 1 soweit durchdringt, daß eine vollständige Trennung der Plattenteile erfolgt.
[0029] Zur Aufnahme der durch das Schneidrad 5 entstehenden Druckkräfte ist unterhalb der
Platte 1 ein Widerlager in Form einer Rolle 6 angeordnet.
[0030] Vorzugsweise läuft dieses Widerlager achsparallel zu dem Schneidrad 5 und ist in
einer besonderen Ausgestaltung mit einem Spalt versehen, in den das Schneidmesser
5, welches vorzugsweise als Rollmesser mit umlaufender Schneide mit einer maximalen
Dicke von 1,5 mm und in einem Schneidenwinkel ε kleiner 30°augestaltet ist, eintaucht,
wobei dieser Eintauchspalt um max. 20 % breiter als das Schneidmesser ist.
[0031] Zur Sicherung einer konstanten Führung des gesamten Schneidkopfes weist derselbe
an seiner in Schneidrichtung hinteren Seite eine Paarung aus hinterem Druckrad 7 und
hinterem Antriebsrad 8 auf, welches in seiner Lage zueinander der Paarung aus vorderem
Druckrad 2 und vorderem Antriebsrad 3 entspricht.
Der erfindungsgemäße Schneidkopf ermöglicht durch seine erfindungsgemäße konstruktive
Gestaltung, dass sämtliche Bearbeitungsvorgänge auf einer Seite, vorzugsweise der
Oberseite der Baustoffplatte, erfolgen.
[0032] Abbildung 2 zeigt einen in einer besonderen Ausgestaltung angeordneten Fasenschneidkopf
9, welcher zur Erzeugung der Spachtelfase eingesetzt wird.
[0033] Dieser Fasenschneidkopf 9 ist in Schneidrichtung zwischen dem vorderen Druckrad 2
und dem Schneidrad 5 vorzugsweise zuschaltbar angeordnet.
Der Fasenschneidkopf 9 besteht aus zwei quer zur Schneidachse symmetrisch und im zu
produzierenden Schneidwinkel α angeordnete Fasenrädern 4.
Diese Fasenräder 4 sind in einem Schneidwinkel α einstellbar zueinander und zu der
zu bearbeitenden Platte 1 zu neigen. Mittels der Neigung und des Durchmessers der
Fasenräder 4 wird die in die Platte einzubringende Fase in ihrer Breite und Tiefe
definiert
[0034] Vorzugsweise werden die Fasenräder 4 als Rollmesser mit umlaufender Schneide dergestalt
ausgebildet, daß diese Fasenräder 4 zur Außenseite der Spachtelfase, bezogen auf ihre
Achse 10 einen Winkel β
a von 90° aufweisen.
[0035] In einer besonderen Ausgestaltung der erfindungsgemäßen Lösung besteht der Grundkörper
des Schneidkopfes aus zwei gabelförmig parallel zueinander angeordneten Holmen, zwischen
welchen das Oberteil und das Unterteil des Schneidkopfes angeordnet und geführt wird.
Dabei erfolgt die Führung der Druck- und Antriebsräder so, dass die für den Schneidvorgang
notwendige Anpresskraft für die Druck- und Antriebsräder erzeugt wird.
[0036] Der Antrieb des Schneidkopfes erfolgt dabei vorzugsweise über einen Elektrogetriebemotor.
Mittels dieses Elektrogetriebemotors wird vorzugsweise über eine Antriebswelle und
eine Kupplung das hintere Antriebsrad 8 angetrieben.
Zur weiteren Kraftübertragung ist das hintere Antriebsrad 8 vorzugsweise mittels eines
Zahnriemens mit dem vorderen Antriebsrad 3 verbunden, so dass beide Antriebsräder
einen gleichmäßigen Vorschub realisieren.
Beim Beginn des Schneidvorganges wird der Schneidkopf so auf die zu schneidende Platte
1 aufgesetzt, dass sich das vordere Antriebsrad 3 und das vordere Druckrad 2 auf der
Platte 1 befinden und der Vorschub durch das vordere Antriebsrad 3 den Schneidkopf
auf die Platte 1 zieht.
Dabei taucht der optionale Fasenschneidkopf 9 mit den Fasenrädern 4 ein und es wird
die spätere Spachtelfase geschnitten.
Das nachfolgende Schneidrad 5 trennt das Material an der tiefsten Stelle der eingebrachten
Spachtelfase, wobei es in das Widerlager 6 eintaucht und von diesem seitlich geführt
wird.
[0037] Ist der Fasenschneidkopf 9 nicht installiert, wird die Platte lediglich durch das
Schneidrad 5 durchtrennt.
[0038] Das hintere Druckrad 7 und das hintere Antriebsrad 8 bewegen sich auf der Tafel so,
dass während der Hauptschneidbewegung beide Antriebsräder 3 und 8 den Vorschub des
Schneidkopfes induzieren.
Beim Austauchen der Schneideinrichtung aus der geschnittenen Platte 1 übernimmt das
hintere Antriebsrad 8 die Induzierung der Vorschubkraft allein.
[0039] Die erfindungsgemäße Vorrichtung ermöglicht vorteilhafterweise die Herstellung der
Spachtelfase und die genaue Trennung der Gipskartonplatten in einem Arbeitsgang.
Dabei wird selbst bei hohen Schnittgeschwindigkeiten nahezu kein Staub produziert.
[0040] Dabei ist es möglich, den Schneidvorgang dadurch zu realisieren, daß entweder eine
Bewegung der Baustoffplatte oder eine Bewegung des Schneidkopfes erfolgt.
1. Schneidkopf für Schneideinrichtungen zum Schneiden von Gipskartonplatten und plattenförmigen
Bauelementen aus ähnlichen Materialien, bestehend aus einem Schneidkopf, welcher aus
einem Grundkörper besteht, an welchem ein vorderes Druckrad (2), ein vorderes Antriebsrad
(3), ein Schneidrad (5), ein Widerlager (6), ein hinteres Druckrad (7) sowie ein hinteres
Antriebsrad (8) angeordnet sind, wobei das vordere Druckrad (2) so angeordnet ist,
daß es auf der Oberseite der Platte (1) und achsparallel zu dem auf der Unterseite
der Platte (1) laufenden vorderen Antriebsrad (3) läuft, daß in Schneidrichtung hinter
dem vorderen Druckrad (2) ein in die Oberfläche der Platte (1) eingreifendes Schneidrad
(5) angeordnet ist, welches so dimensioniert ist, daß es mit seiner Schneidkante die
Platte (1) soweit durchdringt, daß eine vollständige Trennung der Plattenteile erfolgt,
daß unterhalb der Platte (1) ein Widerlager (6) angeordnet ist und daß in Schneidrichtung
hinter dem Schneidrad (5) eine Paarung aus hinterem Druckrad (7) und hinterem Antriebsrad
(8) angeordnet ist, welches in seiner Lage zueinander der Paarung aus vorderem Druckrad
(2) und vorderem Antriebsrad (3) entspricht.
2. Schneidkopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Schneidmesser (5) ein Rollmesser mit umlaufender Schneide mit einer maximalen
Dicke von 1,5 mm und in einem Schneidenwinkel ε kleiner 30°augestaltet ist.
3. Schneidkopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß das Widerlager (6) eine Rolle ist, welche achsparallel zu dem Schneidrad (5) angeordnet
ist und welche mit einem Eintauchspalt für des Schneidmesser (5) versehen ist.
4. Schneidkopf nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß der Eintauchspalt um max. 20 % breiter als das Schneidmesser ist.
5. Schneidkopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Erzeugung der Spachtelfase vor dem Schneidmesser (5) ein vorweglaufender, zuschaltbarer
Fasenschneidkopf (9) angeordnet ist.
6. Schneidkopf nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß der Fasenschneidkopf (9) zwei quer zur Schneidachse symmetrisch und im zu produzierenden
Schneidwinkel α angeordnete Fasenräder (4) aufweist.
7. Schneidkopf nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasenräder (4) in einem Schneidwinkel α einstellbar zueinander und zu der zu
bearbeitenden Platte (1) zu neigen sind.
8. Schneidkopf nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß die Fasenräder (4) Rollmesser mit umlaufender Schneide sind und daß diese Messer
zur Außenseite der Spachtelfase, bezogen auf ihre Achse 10 einen Schneidenwinkel βa von 90° aufweisen.
9. Schneidkopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Grundkörper des Schneidkopfes aus zwei gabelförmig parallel zueinander angeordneten
Holmen, zwischen welchen das Oberteil und das Unterteil des Schneidkopfes angeordnet
und geführt werden, besteht.
10. Schneidkopf nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß der Antrieb des Schneidkopfes mittels eines Elektrogetriebemotors auf ein Antriebsrad
erfolgt.
11. Schneidkopf nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß das mittels des Elektrogetriebemotors angetriebene Antriebsrad mittels einer Kraftübertragung
mit dem anderen Antriebsrad verbunden ist.