[0001] Die Erfindung betrifft ein Messverfahren und eine Anordnung zum Erfassen der Nachgiebigkeit
eines Gleises. Sie findet Anwendung zur Gleisdiagnose im Rahmen von Gleisinspektions-
beziehungsweise Gleismessfahrten und schafft neben einer Beurteilung des geometrischen
Gleiszustandes zugleich auch die Voraussetzungen für eine qualitative und quantitative
Bewertung der Nachgiebigkeit des Gleises.
[0002] Eisenbahngleise sind keine starren Gebilde. Aufgrund ihrer Nachgiebigkeit erfahren
sie unter vertikalen wie auch horizontalen Krafteinwirkungen der auf diesen verkehrenden
Schienenfahrzeuge elastische Verformungen in vertikaler und horizontaler Richtung.
Diese Nachgiebigkeit der Gleise ist eine wichtige Eigenschaft desjenigen Systems,
das Schienenfahrzeuge und Gleise miteinander eingehen. Ein starres System würde gegenüber
einem elastischen zu unzulässig hohen dynamischen Beanspruchungen sowohl am Gleis
wie auch an den Schienenfahrzeugen führen. Schienenfahrzeuge und Gleise müssen daher
hinsichtlich ihrer elastischen Eigenschaften und Dämpfungen eng aufeinander abgestimmt
sein.
[0003] Die Nachgiebigkeit eines Gleises setzt sich aus den Nachgiebigkeiten aller Komponenten
des Gleisbaus zusammen. Das betrifft den Ober- und Unterbau ebenso wie den Untergrund.
Neben den Schienen liefern insbesondere die Schienenbefestigungen, Zwischenlagen,
Schwellen, die Bettung und das Planum Anteile zur Gleisnachgiebigkeit.
[0004] An bestimmten Orten oder Abschnitten des Gleises kann sich die Nachgiebigkeit im
Laufe der Zeit verändern. Dabei treten langsame und schnelle Änderungen auf. Langsame
Änderungen können insbesondere durch Alterungsprozesse an den Komponenten des Gleisbaus
verursacht werden, während schnelle Änderungen vorwiegend durch wechselnde klimatische
Einwirkungen oder durch bauliche Änderungen entstehen. Weiterhin existieren Variationen
in der Nachgiebigkeit entlang des Gleisverlaufes, beispielsweise infolge unterschiedlicher
Gleisbautechnologien, oder wenn im Streckenverlauf unterschiedliche geologische Untergrundverhältnisse
auftreten. Hinzu kommen Inhomogenitäten in der Nachgiebigkeit durch örtliche Störungen.
Hierzu zählen Übergänge, partielle Schwellen-Hohllagen oder auch ein Wechsel von neu
durchgearbeiteten zu gealterten Gleislage-Abschnitten und umgekehrt.
[0005] Ein sich im Gleis fortbewegendes Schienenfahrzeug ist immer zwei verschiedenartigen
Anregungsmechanismen unterworfen, die für das Auftreten von dynamischen Kräfte zwischen
den Rädern des Schienenfahrzeuges und dem Gleis verantwortlich sind. Das sind zum
einen Anregungen durch den Verlauf der Gleisgeometrie selbst einschließlich vorhandener
Gleislagefehler. Zum anderen sind dies Anregungen durch die Nachgiebigkeit der Gleise
und im Besonderen die dynamischen Effekte durch unterschiedliche aufeinanderfolgende
Nachgiebigkeiten im Gleisverlauf, die bei starken Änderungen beträchtliche und sogar
bedrohliche Ausmaße annehmen können. Im Zuge von Maßnahmen zur Gleispflege und Gleisinstandhaltung
kommt es demnach darauf an, neben dem Erkennen von geometrischen Gleislagefehlern
auch den Verlauf der Gleisnachgiebigkeit durch Messungen zu ermitteln, um diesen durch
geeignete Maßnahmen in einem vorgegebenen Toleranzbereich gewährleisten oder wiederherstellen
zu können.
[0006] Zur Lösung dieser Aufgabenstellung ist es nach dem Stand der Technik bekannt, insbesondere
auf dem Wege von Messfahrten kontinuierlich und berührungslos die Lage der Schienen
über deren Profilverlauf beidseitig des Gleises zu ermitteln und aufzuzeichnen. Anschaulich
werden Messvorrichtungen und Verfahren hierfür in den Schriften DE 24 41 092 C2 sowie
DE 195 31 336 C2 beschrieben. Als Bezugssystem kommt dabei eine kreiselstabilisierte
inertiale Plattform auf dem Messfahrzeug zum Einsatz, deren Lage in einem absoluten
Koordinatensystem bestimmbar ist. Gleichzeitig mit der Lage der inertialen Plattform
wird die vertikale und horizontale Position der Schienen relativ zu dieser mit Abstandssensoren
am Schienenkopf - durch sogenannte Messköpfe in vertikaler und horizontaler Anordnung
- möglichst nahe am Radaufstandspunkt eines Radsatzes gemessen. Nach der DE 195 31
336 C2 kommt für Messungen in der vertikalen und horizontalen Ebene das Verfahren
der optischen Triangulation zur Anwendung. Um Fehler bei den Abtastmessungen an den
naturgemäß gewölbten und geneigten Oberflächen der Schienenköpfe infolge von Translationsbewegungen
des Schienenfahrzeuges auszugleichen, wird außerdem eine orthogonale optische Nachführung
sowohl der vertikalen als auch der horizontalen Messanordnung vorgesehen. Dabei wird
ein Lichtstrahl für die vertikale Antastung der Schiene in horizontaler Richtung in
Abhängigkeit vom Ausgangssignal des horizontalen Messsystems und umgekehrt ein Lichtstrahl
für die horizontale Antastung in vertikaler Richtung mit dem Ausgangssignal des vertikalen
Messsystems angesteuert. Hierdurch wird erreicht, dass die Antastspuren für die vertikalen
und für die horizontalen Messungen stets geradlinig und beispielsweise in der Mitte
des Schienenkopfes verlaufen.
[0007] Nach einer anderen Lösung, die in DE 200 21 678 beschrieben ist, wird ein Messrahmen
als Bezugsbasis verwendet, der zur Bestimmung seiner Lage und seines Winkels in einem
absoluten Koordinatensystem eine Kombination aus dem differentiell arbeitendem Ortungssystem
DGPS mit einem inertialen Navigationssystem INS nutzt. Es werden damit Genauigkeiten
im Millimeterbereich erreicht. Relativmessungen der Schienenköpfe in Bezug zu der
Messplattform werden durch Ultraschallmessköpfe vorgenommen. Ein orthogonales Nachführen
der Messköpfe zur Gewährleistung geradliniger Antastspuren erfolgt dabei nicht.
[0008] Mit den beschriebenen Verfahren und Messanordnungen ist es bekannt, die Lage der
Schienen in unmittelbarer Nähe zum Radaufstandspunkt und somit unter der Last eines
in bestimmungsgemäßer Weise beaufschlagten Radsatzes zu messen. Verfahrenslösungen
zur Bestimmung der Nachgiebigkeit des Gleises machen es indessen erforderlich, dass
ein weiteres Mal am selben Messpunkt und unter Verwendung vergleichbarer Messanordnungen
die Lage der Schienen dann gemessen wird, wenn diese nicht durch eine Last beaufschlagt
werden. Erst so wird es möglich, über die Längendifferenz der Einsenkungen aus den
Messungen mit und ohne Last und unter Bezugnahme auf die Größe derselben die Gleisnachgiebigkeit
wertmäßig zu beschreiben. Zur Messung der dabei jeweils einwirkenden Last wird zweckmäßigerweise
auf die Verwendung von bekannten Messradsätzen nach dem Stand der Technik zurückgegriffen.
[0009] Um zusätzlich zur Lage der Schienen unmittelbar am Radaufstandspunkt und somit unter
Last auch die Lage der Schienen ohne Last ermitteln zu können, ist es bekannt, Messfahrzeuge
mit dafür speziell hergerichteten Laufachsen einzusetzen. Dabei handelt es sich um
Laufachsen, die unter dem Messfahrzeug zumeist mittig angeordnet sind und in solcher
Weise lediglich geführt werden, dass sie nur sehr geringe Lasten auf die Schienen
übermitteln. An den Laufachsen befinden sich Messanordnungen, die denjenigen an den
Rädern des belasteten Radsatzes entsprechen. Nachteilig an Messfahrzeugen dieser Art
ist indessen, dass diese einen größeren Herstellungsaufwand bedingen und aufgrund
ihrer speziellen Bauform zudem als Sonderfahrzeuge eingestuft sind, wodurch sie besonderen
betrieblichen Einschränkungen unterliegen.
[0010] Zur Lösung der Messaufgabe ist es weiterhin bekannt, zwei Messfahrzeuge für das Ausführen
von Messfahrten miteinander zu verbinden. Von diesen beiden Messfahrzeugen weist das
erstere eine hinreichend hohe, zumindest aber eisenbahntypische Masse auf, während
im zweiten Messfahrzeug spezielle Maßnahmen getroffen werden, um dessen Masse soweit
wie möglich zu reduzieren. Von dem ersten Messfahrzeug werden nun die Funktionen zur
Messung der Gleislage unter belasteten Radsätzen wahrgenommen. Das zweite Messfahrzeug
dagegen nimmt die Gleislage unter weitgehend entlasteten Radsätzen auf. Beide Messfahrzeug
weisen dazu Messanordnungen nach dem bekannten Stand der Technik auf. Nachteilig an
dieser Technologie ist dagegen, dass weiterhin spezielle Messfahrzeuge außerhalb der
Regelbauart benötigt werden. Die Masse des als leicht eingesetzten Messfahrzeuges
lässt sich darüber hinaus nur bis zu einem Mindestmaß reduzieren. Die entsprechenden
Messungen können somit nicht gänzlich ohne Last durchgeführt werden.
[0011] Der Erfindung liegt somit die Aufgabe zugrunde, ein Messverfahren und eine Anordnung
zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises zu schaffen, mit denen eine lückenlose
kontinuierliche Erfassung der Nachgiebigkeit von Gleisen in Gemeinsamkeit mit Messungen
zur geometrischen Gleislage mit hoher Messgeschwindigkeit bis hin zur Streckenhöchstgeschwindigkeit
ausführbar sind, wobei die dafür erforderlichen Messsysteme auf Messfahrzeugen nach
Regelbauart installiert sind.
[0012] Diese Aufgabe wird in Verbindung mit dem Oberbegriff des Hauptanspruches erfindungsgemäß
gelöst, indem von einem ersten Messsystem Messungen der Vertikallage sowie der Horizontallage
der Schienen beidseitig eines Gleises in unmittelbarer Nähe der Radaufstandspunkte
eines zu einem Messfahrzeug gehörenden Radsatzes unter Last erfolgen, wozu Messköpfe
in vertikaler und horizontaler Anordnung verwendet werden, die sich an einem Messrahmen
befinden, der quasistarr mit den Achslagern verbunden ist. Für die Messungen der Vertikallage
und der Horizontallage ohne eine Last wird ein zweites Messsystem vorzugsweise in
der Mitte des Messfahrzeuges verwendet, das sich an einem Systemträger befindet, der
über mechanische Ausgleichseinrichtungen verfügt, welche die dort installierten vertikal
und horizontal angeordneten Messköpfe bei Translations- und Rotationsbewegungen des
Fahrzeugrahmens während der Fahrt sowie beim Auswandern der Schienen in Bögen in entgegengesetztem
Sinn stets so verschiebt, dass ein hinreichend konstanter Abstand zu den Schienen
gewährleistet bleibt. Die Vertikallage und die Horizontallage der Schienen werden
an dem zweiten Messsystem gemessen, wenn sich das Messfahrzeug kontinuierlich jeweils
um eine halbe Länge fortbewegt hat, und die Messköpfe sich somit dann an dem vorher
unter Last bestimmten Messpunkt befinden, wenn eine Einsenkung der Schienen infolge
des Nachlassens der Last wieder abgeklungen ist.
[0013] Die Aufgabe wird erfindungsgemäß weiterhin gelöst, indem als ortsfeste Bezugsbasis
ein kreiselstabilisiertes Inertialsystem in einem absoluten Koordinatensystem verwendet
wird, und die vertikalen sowie horizontalen Positionen der Schienen zur Bezugsbasis
mittels optischer Triangulation an den vertikal und horizontal angeordneten Messköpfen
bestimmt werden.
[0014] Mit der gefundenen erfindungsgemäßen Anordnung und dem erfindungsgemäßen Verfahren
wird es ermöglicht, unabhängig voneinander die Vertikallage und die Horizontallage
der Schienen mit Last und ohne Last für jeweils denselben Messpunkt zu ermitteln,
daraus Längendifferenzen der Vertikallagen und der Horizontallagen mit und ohne Last
zu bestimmen und aus dem Verhältnis dieser Längendifferenzen zu der Größe der Last
einen Wert über die Nachgiebigkeit des Gleises abzuleiten. Die Last setzt sich dabei
in der Vertikalrichtung aus einem statischen Anteil, der der Radsatzlast entspricht,
zusammen sowie aus einem dynamischen Anteil. In der Horizontalrichtung besteht die
Last aus einem statischen Anteil, der dem Formschluss der Rad-Schiene-Kontaktfläche
entspricht und aus einem dynamischen Anteil der Horizontalkraft.
[0015] Nach einer vorteilhaften Ausgestaltungsform der Anordnung befinden sich die an beiden
Messsystemen jeweils für die Messung der Vertikallage angeordneten Messköpfe stets
oberhalb der Schienenoberkante der Schienen, während die Messköpfe für die Messung
der Horizontallage so angeordnet sind, dass diese immer im Spurkranzschatten eines
Rades bleiben. Die Messköpfe befinden sich dadurch immer nahe genug an den Schienen
und können andererseits nicht durch Anlaufen an Hindernisse zerstört werden.
[0016] Besonders nützlich für die Anwendung der Erfindung ist es, optische Nachführeinrichtungen
der bekannten Art für die vertikalen und horizontalen Messköpfe vorzusehen. So wird
der Lichtstrahl für die vertikale Antastung der Schienen in horizontaler Richtung
in Abhängigkeit vom Ausgangssignal des horizontalen Messsystems und der Lichtstrahl
für die horizontale Antastung der Schienen in vertikaler Richtung mit dem Ausgangssignal
des vertikalen Messsystems angesteuert. Dadurch verlaufen die Antastspuren für die
vertikalen und für die horizontalen Messungen immer geradlinig.
[0017] Die Erfindung sieht weiterhin vor, dass die Ausgleichseinrichtungen am zweiten Messsystem,
welches zur Messung der Schienenlagen ohne Last dient, über mechanische Einrichtungen
zum horizontalen Ausgleich und über mechanische Einrichtungen zum vertikalen Ausgleich
an den Messköpfen zur Messung der Vertikallage und an den Messköpfen zur Messung der
Horizontallage und außerdem über Einrichtungen zum Rollwinkelausgleich verfügen.
[0018] Der besondere Vorteil der Erfindung besteht darin, dass mit ihrer Anwendung die Gleisnachgiebigkeit
im Rahmen von Gleisinspektionsfahrten lückenlos und kontinuierlich erfassbar ist,
und unmittelbar mit der Beurteilung der geometrischen Gleislage einhergehen kann.
Durch eine Verwendung von Messfahrzeugen nach Regelbauart kann dabei eine hohe Messgeschwindigkeit
bis hin zur Streckenhöchstgeschwindigkeit gefahren werden.
[0019] Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in den Zeichnungen dargestellt und wird
im folgenden näher erläutert. Es zeigen
- Fig. 1
- das Messprinzip zur Messung der Nachgiebigkeit eines Gleises,
- Fig. 2
- eine schematische Anordnung des ersten und zweiten Messsystems auf einem Messfahrzeug
in der Längsansicht,
- Fig. 3
- eine schematische Darstellung des ersten Messsystems zur Messung der Gleislage unter
Last im Querschnitt und
- Fig. 4
- eine schematische Darstellung des zweiten Messsystems zur Messung der Gleislage ohne
Last im Querschnitt.
[0020] Gemäß der Fig. 1 weist ein Messfahrzeug 3 ein erstes Messsystem 1 sowie ein zweites
Messsystem 2 auf. Nach bekannten inertialen Messverfahren wird von einer inertialen
Bezugsbasis 4 aus mit dem ersten Messsystem 1 für jeden Messpunkt x
0 die Vertikallage z und die Horizontallage y von Schienen 5 unmittelbar an den Radaufstandspunkten
der beiden Räder eines Radsatzes 6 gemessen. Das erste Messsysteme 1 ist dazu mit
Messköpfen 7 zur Messung der Vertikallage z und der Horizontallage y der Schienen
5 eines Gleises ausgestattet, die die reale Lage der Schienen 5 gegenüber der inertialen
Bezugsbasis 4 ermitteln. Unter der Last der Radsätze 6 weisen die Schienen 5 dabei
vertikale Verschiebungen in Form von Einsenkungen sowie horizontale Verschiebungen
infolge des kraftbelasteten Formschlusses der Rad-Schiene-Kontaktfläche gegenüber
den unbelasteten Abschnitten des Gleises auf. Als unbelasteter Abschnitt gilt neben
den Bereichen vor und hinter dem Messfahrzeug 3 auch der Bereich der Schienen 5 etwa
in der Mitte des Messfahrzeuges 3. Dort befindet sich das zweite Messsystem 2, welches
ebenfalls mit Messköpfen 7 zur Messung der Vertikallage z und der Horizontallage y
der Schienen 5 versehen ist, die die reale Lage gegenüber der inertialen Bezugsbasis
4 ermitteln. Mit dem zweiten Messsystem 2 werden die Messungen der Vertikallagen z
und der Horizontallagen y der Schienen 5 wiederholt, wenn sich das Messfahrzeug 3
um eine halbe Fahrzeuglänge vorwärts bewegt hat, wodurch das zweite Messsystem 2 seinerseits
an dem Messpunkt x
0 angelangt ist.
[0021] Zur Erfassung und Beurteilung der vertikalen Nachgiebigkeit des Gleises wird wie
folgt vorgegangen: Man erhält zunächst aus den Messungen jeweils für beide Schienen
5 des Gleises die Größe der Vertikallage
zLast der Schienenoberkante unter dem Radaufstandspunkt. Dieser Radaufstandspunkt entspricht
dem Messpunkt x
0. Die Größe der Vertikallage
zkeineLast für denselben Messpunkt x
0 wird ermittelt, wenn die Last wieder abgeklungen ist. Die Differenzbildung der beiden
Größen führt zu einem Wert für die Längendifferenz Δ
z in der vertikalen Ebene.

[0022] Die Längendifferenz Δ
z wird weiterhin in Bezug gesetzt zu der Größe der Last
Q, die nach bekannten Messverfahren beispielsweise mit einem Messradsatz bestimmbar
ist. Es ergibt sich somit ein Maß für die Nachgiebigkeit des Gleises
NV - respektive seiner beiden Schienen 5 - in der vertikalen Ebene.

[0023] Es wird dabei berücksichtigt, dass sich die Last
Q zusammensetzt aus einer statischen Radlast
Q0 und einem dynamischen Anteil
Qdyn.

[0024] Weil der dynamische Anteil
Qdyn stets kleiner bleibt als die statische Radlast
Q0, ist die Last
Q immer größer als Null, und der Quotient für die Nachgiebigkeit des Gleises
NV ist stetig definiert.
[0025] In entsprechender Weise analog wird bei der Erfassung und Beurteilung der horizontalen
Nachgiebigkeit des Gleises, beziehungsweise der Schienen 5, verfahren. Man erhält
am Messpunkt x
0 zunächst aus den Messungen jeweils für beide Schienen 5 des Gleises die Größe für
die Horizontallage
yLast der Schienenflanken unter dem Radaufstandspunkt und sodann die Größe für die Horizontallage
ykeineLast für denselben Messpunkt x
0, wenn die Last wieder abgeklungen ist. Die Differenzbildung der beiden Größen führt
zu einem Wert für die Längendifferenz Δ
z in der horizontalen Ebene.

[0026] Die Längendifferenz Δ
y wird in Bezug gesetzt zur Größe der Querlast
Y , die ebenfalls mit einem bekannten Messradsatz bestimmbar ist, und ergibt somit
ein Maß für die Nachgiebigkeit des Gleises
NH - respektive seiner beiden Schienen 5 - in der horizontalen Ebene.

[0027] Dabei wird berücksichtigt, dass sich die in der horizontalen Ebene einstellende Querlast
Y zusammensetzt aus einem statischen Anteil, der Formschlusskraft
Y F, und einem dynamischen Anteil
Y dyn.

[0028] Die Formschlusskraft
Y F wirkt dabei wie eine Vorlast, sie muss eine endliche Größe haben, damit der Zustand
Y = 0 nicht auftreten kann.
[0029] Figur 2 zeigt die Anordnung eines ersten und eines zweiten Messsystems 1 und 2 auf
einem Messfahrzeug 3. Das Messfahrzeug 3 weist zwei Drehgestelle mit je zwei Radsätzen
6 auf. Dem ersten Messsystem 1 sind Messköpfe 7 solcherart zugeordnet, dass Messungen
der Vertikallage z und der Horizontallage y der Schienen 5 in unmittelbarer Nähe zu
den Rädern des Radsatzes 6 möglich sind. Die Messköpfe 7 sind gemäß der Figur 3 an
einem Messrahmen 14 angeordnet, der sich mit Achslagern 15 des Radsatzes 6 in einer
quasistarren Verbindung befindet. Die in einer horizontalen und in einer vertikalen
Ebene angeordneten Messköpfe 7 sind mit Abstandssensoren nach dem Messverfahren der
optischen Triangulation ausgestattet, womit Messungen der relativen Lagen der Schienen
5 gegenüber der inertialen Bezugsbasis 4 ermöglicht werden. Das Messsystem 1 verfügt
außerdem über Nachführeinrichtungen 13 an den in der vertikalen und in der horizontalen
Ebene angeordneten Messköpfen 7. Durch die Nachführeinrichtungen 13 werden Lichtstrahlen
zur Antastung der Schiene 5 in dem horizontal messenden Messkopf 7 und in dem vertikal
messenden Messkopf 7 so nachgeregelt, dass der vertikal messende Messkopf 7 stets
auf einer frei wählbaren aber dann festen Antastlinie - beispielsweise der Schienenmitte
- den vertikalen Abstand des Messkopfes 7 von der Schiene 5 erfasst, während der horizontal
messende Messkopf 7 ebenfalls auf einer frei wählbaren aber dann festen Antastlinie
- beispielsweise 14 mm unter der Schienenoberkante - den horizontalen Abstand zwischen
der Schiene 5 und dem Messkopf 7 bestimmt. Hierzu wird eine Stellgröße zur Nachregelung
des vertikal messenden Messkopfes 7 vom zugeordneten horizontal messenden Messkopf
7 und die Stellgröße zur Nachregelung des horizontal messenden Messkopfes 7 vom zugeordneten
vertikal messenden Messkopf 7 ermittelt. Die Messköpfe 7 sind so geformt, dass der
für die Messung der Vertikallage z vorgesehene Messkopf 7 stets oberhalb der Schienenoberkante
der Schiene 5 in Position bleibt, während der Messkopf 7 für die Messung der Horizontallage
y immer im Spurkranzschatten des Rades läuft.
[0030] Die für die Messungen der Vertikallage z und der Horizontallage y der Schiene 5 jeweils
maßgebenden Größen werden aus Superposition der ermittelten Abstandsmesswerte der
Messköpfe 7 zur Schienenoberkante beziehungsweise zur Schienenflanke mit denjenigen
Längenwerten gewonnen, um die die Nachführeinrichtungen 13 während der Messungen aus
ihren Neutrallagen heraus ausgelenkt werden.
[0031] Das erste Messsystem 1 und das zweite Messsystem 2 verfügen außerdem über Lichtquellen
8 sowie Kameras 9, wobei sich die Kameras 9 zusammen mit der inertialen Bezugsbasis
4 auf einer gemeinsamen Messplattform 10 befinden. Wegaufnehmer 12 überwachen dabei
den Abstand der Messplattform 10 gegenüber dem Fahrzeugrahmen 11, der beispielsweise
infolge von Schwingungen des Messfahrzeuges 3 bestimmten Variationen unterliegt.
[0032] Das zweite Messsystem 2 ist etwa in der Mitte des Messfahrzeuges 3 angeordnet. Gemäß
der Figur 4 verfügt es ebenfalls über Messköpfe 7 für die Messung der Vertikallage
z und der Horizontallage y der Schienen 5. Der wesentliche Unterschied gegenüber dem
ersten Messsystem 1 besteht nun darin, dass die Messköpfe 7 des zweiten Messsystems
2 nicht in der unmittelbaren Nähe eines Radsatzes 6 angeordnet sind, sondern frei
an den Schienen 5 entlang gleiten. Für Messungen der relativen Lage der Schienen 5
gegenüber der inertialen Bezugsbasis 4 in der vertikalen und in der horizontalen Ebene
verfügen auch diese Messköpfe 7 über Abstandssensoren nach dem Messverfahren der optischen
Triangulation. Die Messköpfe 7 des zweiten Messsystems 2 sind jedoch nicht an einem
quasistarr mit den Achslagern 15 verbundenen Messrahmen 14 befestigt, sondern befinden
sich an einem Systemträger 16, welcher beweglich mit einer Traverse 19 am Fahrzeugrahmen
11 befestigt ist. Dieser verfügt über Ausgleichseinrichtungen 17 für die in der vertikalen
und in der horizontalen Ebene angeordneten Messköpfe 7. Mit den Ausgleichseinrichtungen
17 werden die Translationsbewegungen des Fahrzeugrahmens 11 während der Fahrt sowie
Bewegungen beim Auswandern der Schienen 5 in Bögen und Weichen in entgegengesetztem
Sinn stets so ausgeglichen, dass ein hinreichend konstanter Abstand der in der vertikalen
und horizontalen Ebene angeordneten Messköpfe 7 zu den Schienen 5 gewährleistet ist.
Die Ausgleichseinrichtungen 17 werden von dem vertikal messenden Messkopf 7 in horizontaler
Richtung und von dem horizontal messenden Messkopf 7 in vertikaler Richtung gesteuert.
Der Systemträger 16 weist außerdem einen Rollwinkelausgleicher 18 auf, der Rotationsbewegungen
des Fahrzeugrahmens 11 ausgleicht.
[0033] Die für die Messungen der Vertikallagen z und der Horizontallagen y der Schienen
5 jeweils maßgebenden Größen werden aus der Superposition der ermittelten Abstandsmesswerte
der Messköpfe 7 zur Schienenoberkante beziehungsweise zur Schienenflanke und denjenigen
Längenwerten gewonnen, um die die Ausgleichseinrichtungen 17 aus ihrer Neutrallage
heraus verfahren wurden, um die Antastspuren auf der Schiene 5 konstant beizubehalten.
Bezugszeichen
[0034]
- 1
- erstes Messsystem
- 2
- zweites Messsystem
- 3
- Messfahrzeug
- 4
- inertiale Bezugsbasis
- 5
- Schiene
- 6
- Radsatz
- 7
- Messkopf
- 8
- Lichtquellen
- 9
- Kamera
- 10
- Messplattform
- 11
- Fahrzeugrahmen
- 12
- Wegaufnehmer
- 13
- Nachführeinrichtung
- 14
- Messrahmen
- 15
- Achslager
- 16
- Systemträger
- 17
- Ausgleichseinrichtung
- 18
- Rollwinkelausgleicher
- 19
- Traverse
- x0
- Messpunkt
- zLast
- Vertikallage der Schienenoberkante unter Last
- zkeineLast
- Vertikallage der Schienenoberkante ohne Last
- Δz
- Längendifferenz in der vertikalen Ebene
- Q
- Last
- Q0
- Radlast
- Qdyn
- dynamischen Anteil der Radlast
- NV
- Nachgiebigkeit des Gleises in der vertikalen Ebene
- yLast
- Horizontallage der Schienenflanken mit Querlast
- ykeineLast
- Horizontallage der Schienenflanken ohne Querlast
- Δz
- Längendifferenz in der horizontalen Ebene
- Y
- Querlast
- YF
- Formschlusskraft
- Ydyn
- dynamischer Anteil der Querlast
- NH
- Nachgiebigkeit des Gleises in der horizontalen Ebene
1. Messverfahren zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises mit einem Messfahrzeug
zum Ausführen kontinuierlicher Messungen unter Verwendung eines inertialen Messverfahrens
zur Bestimmung der vertikalen und horizontalen Lage der Schienen des Gleises, dadurch gekennzeichnet, dass von einem ersten Messsystem (1) auf dem Messfahrzeug (3) an einem Messpunkt (x0) Messungen der Vertikallage sowie der Horizontallage der Schienen (5) beidseitig
eines Gleises in unmittelbarer Nähe zu den Radaufstandspunkten eines zu dem Messfahrzeug
(3) gehörenden Radsatzes (6) unter Last erfolgen, und dass für Messungen der Vertikallage
und der Horizontallage der Schienen (5) ohne eine Last ein zweites Messsystem (2)
vorzugsweise in der Mitte des Messfahrzeuges (3) verwendet wird, wobei die Messungen
an dem Messpunkt (x0) mit dem zweiten Messsystem (2) dann erfolgen, wenn sich das Messfahrzeug (3) um
eine halbe Länge vorwärts bewegt hat, und das zweite Messsystem (2) dann an dem vorher
unter Last bestimmten Messpunkt (x0) angelangt ist, wenn dieser infolge des Abstandes zu den Radaufstandspunkten des
Radsatzes (6) als lastfrei gilt.
2. Messverfahren zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass das erste Messsystem (1) und das zweite Messsystem (2) eine gemeinsame inertiale
Bezugsbasis (4) benutzen.
3. Messverfahren zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach Anspruch 1 und 2,
dadurch gekennzeichnet, dass über Ausgleichseinrichtungen (17) an dem zweiten Messsystem (2) Translationsbewegungen
eines Fahrzeugrahmens (11) während der Messfahrt sowie beim Auswandern der Schienen
(5) in Bögen und Weichen in entgegengesetztem Sinn stets so ausgeglichen werden, dass
ein für die Messung optimaler Abstand der Messköpfe (7) zu den Schienen (5) gewährleistet
bleibt.
4. Messverfahren zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach den Ansprüchen 1
bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass über einen Rollwinkelausgleicher (18) Übertragungen von Rollbewegungen des Fahrzeugrahmens
(11) auf einen Systemträger (16) während der Messfahrt in entgegengesetztem Sinn ausgeglichen
werden.
5. Anordnung zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises unter Verwendung eines Messfahrzeuges
zum Ausführen kontinuierlicher Messungen mit einer inertialen Bezugsbasis sowie mit
Messköpfen in der Nähe der Schienen des Gleises zur Bestimmung der realen vertikalen
und horizontalen Lage der Schienen gegenüber der inertialen Bezugsbasis, dadurch gekennzeichnet, dass auf dem Messfahrzeug (3) ein erstes Messsystem (1) für Messungen der Vertikallage
sowie der Horizontallage der Schienen (5) unmittelbar an den Radaufstandspunkten eines
zu dem Messfahrzeug (3) gehörenden Radsatzes (6) angeordnet ist, dass an diesem ersten
Messsystem (1) Messköpfe (7) für eine vertikale Messebene zur Schienenoberkante und
für eine horizontale Messebene zur Schienenflanke angeordnet sind, wobei diese Messköpfe
(7) optische Nachführeinrichtungen (13) für die horizontale und für die vertikale
Ebene aufweisen, und diese Anordnung an einem Messrahmen (14) befestigt ist, der quasistarr
mit Achslagern (15) des Radsatzes (6) verbunden ist, und dass ein zweites Messsystem
(2) vorzugsweise in der Mitte des Messfahrzeuges (3) für Messungen der Vertikallage
sowie der Horizontallage der Schienen (5) angeordnet ist mit Messköpfen (7) für eine
vertikale Messebene zur Schienenoberkante und für eine horizontale Messebene zur Schienenflanke,
welche sich an einem Systemträger (16) befinden, der über mechanische Ausgleichseinrichtungen
(17) für die horizontale und für die vertikale Ebene verfügt.
6. Anordnung zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, dass der Systemträger (16) am zweiten Messsystem (2) einen Rollwinkelausgleicher (18)
aufweist.
7. Anordnung zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach den Ansprüchen 5 und
6, dadurch gekennzeichnet, dass die jeweils für die Messungen der Vertikallage der Schienen (5) angeordneten Messköpfe
(7) so geformt und geführt sind, dass sie sich stets berührungslos oberhalb der Schienenoberkante
befinden, während die Messköpfe (7) für die Messung der Horizontallage so geformt
und angeordnet sind, dass diese immer berührungslos im Spurkranzschatten eines Rades
des Radsatzes (6) liegen.
8. Anordnung zum Erfassen der Nachgiebigkeit eines Gleises nach den Ansprüchen 5 bis
7, dadurch gekennzeichnet, dass der Radsatz (6) zum Messen der Last ein Messradsatz ist.