Kurze Zusammenfassung der Erfindung
[0001] Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und einen Kit zur Analyse komplexer
Mischungen von Biopolymeren aus einer oder mehreren Proben.
Hintergrund der Erfindung
[0002] Während der Suche nach molekularen Ursachen für diverse Krankheiten hat die Molekularbiologie/DNA-Analyse
einen Punkt erreicht, an dem es möglich ist, die gesamte genomische Information sogar
für komplexe Organismen auszulesen. Im Einvernehmen hiermit ist der Abschluss des
Humangenom-Projektes in greifbare Nähe gerückt und die Sequenzierung der Genome anderer
Organismen ist schon abgeschlossen. Des weiteren kann die mRNA Expression für eine
immense Anzahl an Genen simultan quantifiziert werden. Mittels der DNA-Array Technologie
kann sogar der Einfluß von Umweltbedingungen auf das Expressionsniveau von Genen ermittelt
werden. Das heißt, dass qualitative und quantitative Information über Gene und Genexpression
in Organismen und Geweben zumindest theoretisch gewonnen werden kann.
[0003] Diese immense Menge an zugänglichen und vorhandenen Daten verlangt nach einem intelligenten
und leistungsstarken Management. Aus diesem Grund war die Einführung schneller und
leistungsfähiger Computer sowie die Entwicklung intelligenter Software eine Voraussetzung
für den Umgang mit derart enormen Datenmengen. In der Zwischenzeit ist der Umgang
mit enormen Datenmengen im Routinebetrieb implementiert, sowohl hinsichtlich der Strukturaufklärung,
biochemischer Wechselwirkungen, Regulation und Funktion von Genen/Proteinen. Unglücklicherweise
liegt es trotz allem in der Natur genetischer Information, dass sie keinerlei Rückschlüsse
auf Regulationsmechanismen oder das Expressionsniveau von Proteinen erlaubt.
[0004] Dem allgemein akzeptierten Dogma der Biologie folgend, sind Proteine die aktiven
Komponenten biologischer Systeme wohingegen die DNA lediglich ein Speichermedium für
die Information zur Herstellung von Proteinen darstellt. Bestimme Typen von RNA fungieren
als Bindeglied zwischen dem Informationsspeicher DNA und den funktionierenden Komponenten,
den Proteinen, sei es durch Übersetzung der in der DNA enthaltenen Information in
eine umsetzbare Form oder als Träger kleinster Einheiten von Information, gekoppelt
an die Grundbestandteile von Proteinen (Aminosäuren).
[0005] Es ist kein biologisches System bekannt in dem diese Richtung des Informationsflusses
umgekehrt würde. Aus diesem Grund ist die Analytmenge, die proteinanalytischen Verfahren
zur Verfügung steht, im allgemeinen stark limitiert. Die z.Zt. eingesetzte Methodik
zur Identifizierung und Quantifizierung aller unter bestimmten Umweltbedingungen in
einem System repräsentierten Proteine muß daher zwingend extrem sensitiv sein. Weiterhin
können Proteine posttranslational modifiziert werden, wodurch z.B. ihre Halbwertzeit,
biologische Funktion und/oder Aktivität beeinflusst werden können. Diese posttranslationalen
Modifikationen sind z.B. Phosphorylierung, Glykosylierung, Farnesylierung, die Bindung
von Nukleotiden und Metallionen, um nur einen Bruchteil der Möglichkeiten zu nennen.
Alle diese Informationen sind allein aufgrund genetischer Information nicht zugänglich.
[0006] Die erwähnte komplette Beschreibung des gesamten Proteingehaltes eines biologischen
Systems unter definierten Bedingungen inklusive Expressionsniveau, Modifikationen
und Identität der Proteine nennt sich Proteom. Die Proteomanalyse ist der kommende
Meilenstein der Lebenswissenschaften nach der kompletten Sequenzierung des humanen
Genoms und aufgrund der o.g. Gründe und Limitationen ein unvergleichlich komplexeres
und umfangreicheres Ziel. Aus diesen Gründen erscheint es unerlässlich, die Komplexität
der zu analysierenden Proben auf ein Maß zu reduzieren, das mit den verfügbaren Mitteln
handhabbar ist, ohne die enthaltene Information zu reduzieren.
[0007] Wie oben beschrieben existiert keine proteinanalytische Methodik mit einer der DNA/RNA-Analytik
vergleichbaren Empfindlichkeit und/oder einem vergleichbaren Durchsatz, da Proteine
nicht
in vitro amplifiziert werden können. Zur Zeit finden zwei grundsätzlich unterschiedliche Technologien
zur Analyse komplexer biologischer Gemische Anwendung. Dies sind zum einen die zweidimensionale
Gelelektrophorese und zum anderen die in den Anfängen befindliche mehrdimensionale
Flüssigchromatographie. Ein drittes Verfahren, das sogenannte ICAT-Verfahren, bedient
sich spezifischer chemischer Komponenten, die eine (nicht-)radioaktive Affinitätsmarkierung
in Biopolymere einführen (WO 00/11208).
[0008] Die zweidimensionale Gelelektrophorese (2DE) ist die verbreitetste Technologie zur
Proteomanalyse. Das komplexe Proteingemisch wird in zwei Dimensionen in homogenen
Polymermatrix getrennt. Hierbei wird das komplexe Gemisch der Biopolymere (Proteine)
zunächst basierend auf dem isoelektrischen Punkt der Komponenten getrennt. Die so
in der Matrix getrennten Proteine werden anschließend in einer analogen Matrix nach
ihrem scheinbaren Molekulargewicht getrennt. Die folgende Färbung resultiert nun in
einem spezifischen Punktmuster, in dem jeder Punkt idealerweise einem Protein entspricht.
[0009] Zur zweidimensionalen gelelektrophoretischen Trennung von Proteinen werden zur Zeit
zwei unterschiedlicher Verfahren eingesetzt. Dies ist die von J. Klose (Humangenetik
26(3), 231 - 243 (1975)) bzw. O'Farel publizierte NEPHGE (non-equilibrium pH gradient
electrophoresis) und die von A. Görk et. al. (Elektrophoresis 9(1), 57 - 59 (1988))
entwickelte IPG-Technik. Die beiden Verfahren unterscheiden sich hauptsächlich in
der Durchführung der ersten Dimension (isolelektrische Fokussierung). Hierbei wird
ein pH-Gradient etabliert in dem die Proteine nach Anlegen eines elektrischen Feldes
aufgrund ihrer Ladung zu dem Punkt wandern, an dem ihre Ladung Null ist. An diesem
Punkt wirkt keine elektrische Kraft auf die Proteine und diese bleiben dort in der
PAA Matrix. Der pH Gradient wird entweder durch mobile Ampholyte aufgebaut (NEPHGE)
oder bei der Herstellung der Matrix in das Gel einpolymerisiert (IPG-Technik). Die
Methode beschränkt sich aber nicht auf PAA-Matrices sondern ist mit anderen Materialien
(z.B. Agarose) kompatibel. Weiterhin existieren Systeme die eine isolelektrische Fokussierung
in Lösung erlauben.
[0010] Die Trennmatrix, welche die eindimensional getrennten Proteine enthält, wird nun
auf eine weitere Matrix transferiert, in der die weitere Trennung (2. Dimension) vorgenommen
wird. Diese besteht üblicherweise aus einer SDS-PAGE (Natriumdodecylsulfat-Polyacrylamid-Gelelektrophorese).
Die Proteine werden hierdurch in der Matrix nach ihrem scheinbaren Molekulargewicht
getrennt.
[0011] Der gesamten Prozedur schließt sich eine Färbung an, durch die die Proteine/Polymere
sichtbar gemacht werden. Es ergibt sich ein probespezifisches Punktmuster, das einer
detaillierten vergleichenden Analyse unterzogen wird.
[0012] Die Multi-Dimensionale Flüssigphasenchromatographie (MDLC) ist eine Methode, die
noch nicht routinemäßig in der Analytik eingesetzt wird, und ihre Verbreitung bleibt
weit hinter der der 2DE zurück. Sie weist allerdings diverse Vorteile gegenüber der
2DE auf. Die komplexen Protein/Biopolymer-Gemische werden auf der Grundlage spezifischer
Interaktionen mit der Oberfläche des Trennmaterials voneinander getrennt. Je nach
individueller Zusammensetzung zeigen die Biopolymere eine spezifische Retentionszeit.
[0013] Die separierten Biopolymere müssen nach erfolgter Trennung identifiziert werden (Protein-Identifizierung).
Im Fall der 2DE geht man hierbei folgendermaßen vor. Nach der Färbung werden die interessierenden
Spots aus der Matrix ausgeschnitten und mittels enzymatischer oder chemischer Reaktion
in kleinere Fragmente zerlegt. Die Fragmente können aus der Matrix diffundieren und
werden der anschließenden massenspektrometrischen Analyse zugeführt. Hierbei werden
die Massen der erzeugten Fragmente ermittelt, wodurch sich im Zusammenhang mit anderen
bekannten Daten zu dem jeweiligen Analyten eine Identifizierung (eindeutige Zuordnung
zu einem Datensatz einer Proteindatenbank) erreichen lässt. Erfolgt die Analyse in
einem MS/MS-fähigen Gerät, so kann eine Fragmentierung eines spezifischen Fragmentes
durchgeführt und so dessen Zusammensetzung genauer ermittelt werden. Durch Kenntnis
über die Zusammensetzung eines oder mehrerer vorhandener Fragmente ist es möglich,
die Identifizierung des Ausgangsanalyten mit größerer Wahrscheinlichkeit zu erreichen.
Das sequenzielle Vorgehen bei dieser Analyse ist der limitierende Schritt bei der
Identifizierung der Proteine. Massenspektrometer benötigen zur Analyse mitunter nur
wenige fmol eines Analyten. Da nun aber die größten Verluste während der Vorbereitung
des Biopolymers für die MS-Analyse auftreten, muß weit mehr Ausgangsmaterial zur Verfügung
stehen.
[0014] In jüngster Vergangenheit hat die Entwicklung von Methoden und Instrumenten zur automatischen
und datenabhängigen massenspektrometrischen Analyse im Zusammenhang mit der Mikrokapillarelektrophorese
die Sensitivität und Geschwindigkeit gel-separierter Proteine ebenso wie die Analyse
zuvor fragmentierter komplexer Biopolymergemische maßgeblich verbessert. In dieser
Hinsicht hat die Identifikation von Proteinen deutliche Fortschritte gemacht, wohingegen
die (relative) Quantifizierung nach wie vor äußerst problematisch ist.
[0015] Der zur Quantifizierung der Proteine zur Verfügung stehende dynamische Bereich der
verschiedensten Färbe- und Detektionsmethoden deckt nicht die erforderlichen Größenordnungen
ab. Proteine können in einer einzigen Zelle in Kopienzahlen von 1 bis zu Millionen
vorhanden sein, was die Problematik verdeutlicht. In der 2DE kommen im allgemeinen
folgende Färbemethoden zum Einsatz:
| Methode |
Detektionsgrenze / ng |
| Silber mit Glutardialdehyd1 |
10 |
| Silber2 |
1 |
| Zink/Imidazol |
100 |
| KCI |
100 |
| Coomassie R250 |
100 |
| kolloidales Coomassie G250 |
30 |
| Fluoreszenz |
10 |
| 1 keine weitere Verarbeitung (Identifizierung) möglich |
| 2 geeignet zur anschließenden massenspektrometrischen Analyse |
[0016] Im relevanten Technologiefeld existieren sehr wenige Patente/Patentanmeldungen:
[0017] In WO 00/11208 wird das ICAT-Verfahren beschrieben, womit ein oder mehrere Proteine
oder Proteinfunktionen in einer oder mehreren Proben identifiziert werden können,
so dass eine qualitative und quantitative Analyse von Expressionsprofilen möglich
ist. Hierzu wird ein Markierungsreagenz eingesetzt, welches für jede Probe verschieden
isotopenmarkiert ist, wodurch eine quantitative Bestimmung von relativen Mengen von
Proteinen in verschiedenen Proben möglich ist. Des weiteren weist das Markierungsreagenz
eine Affinitätsmarkierung, einen Linker und eine proteinreaktive Gruppe auf, welche
entweder mit einer funktionellen Gruppe eines Proteins oder als Substrat eines Enzyms
reagiert. Jede Probe wird mit einem Markierungsreagenz versetzt, und affinitätsmarkierte
Proteine oder Enzymprodukte werden hergestellt, die dann mit Abfangreagenzien, die
selektiv eine Affinitätsmarkierung binden, abgefangen werden. Nach Freisetzung der
affinitätsmarkierten Komponenten erfolgt die Detektion und Identifikation der freigesetzten
affinitätsmarkierten Komponenten mittels Massenspektrometrie. Ein Nachteil dieses
Verfahrens ist jedoch seine Beschränkung auf Proteine und die Isotopenmarkierung als
einzige Markierung, die eine Zuordnung des jeweiligen Proteins zur Ausgangsprobe sicherstellt
und eine quantitative Bestimmung relativer Mengen von Proteinen aus verschiedenen
Proben ermöglicht. Ferner ist durch das in WO 00/11208 offenbarte Verfahren keine
Sequenzierung d.h. die Bestimmung der Primärstruktur von Proteinen und auch keine
Reduktion des Probenaufkommens durch die Zusammenführung gleichartiger Moleküle vor
der massenspektrometrischen Untersuchung möglich.
[0018] EP-A-1106702 betrifft ein Hochdurchsatz-Screeningverfahren zum Auffinden von nichtkovalenten
Wechselwirkungen zwischen einer oder mehreren Testverbindungen und Polynukleotiden,
wobei sich die Polynukleotide in einem Gleichgewicht zwischen der einzelsträngigen
und der doppelsträngigen Form befinden. Die aufgrund nichtkovalenter Wechselwirkungen
entstehenden Komplexe aus Testverbindung und Polynukleotid in Lösung werden dann mittels
ESI-MS (electrospray ionization mass spectrometry) untersucht. Somit beschränkt sich
das Verfahren der EP-A-1106702 auf das Auffinden von Verbindungen, die mit Polynukleotiden
wechselwirken, befasst sich aber nicht mit der Strukturaufklärung der Polynukleotide
selbst und auch nicht anderer Biomoleküle. Schließlich ist auch keine Reduktion des
Probenaufkommens vor der ESI-MS-Untersuchung vorgesehen. Ein Verfahren welches die
Flüssigchromatographie mit ESI-MS (LC-ESI-MS Analyse) verbindet ist in US 6,139,734
offenbart, wobei die Trennung der zu testenden Verbindungen, insbesondere biologisch
relevanter Verbindungen, mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC) unter
Kontrolle der Fließgeschwindigkeit der mobilen Phase in der HPLC-Säule erfolgt. Das
Verfahren der US 6,139,734 ermöglicht also ebenfalls keine Identifizierung von Biomolekülen
und auch keine Reduktion des Probenaufkommens vor der ESI-MS-Untersuchung.
[0019] WO 02/29414 A2 beschreibt ein Verfahren, bei dem ein oder mehrere Biomoleküle (z.B.
Proteine, Peptide) in einer oder mehrerer Proben unterschiedlich Massen markiert werden
(mass tagging). Nach der unterschiedlichen Markierung werden die verschiedenen Proben
vereinigt, ihre Bestandteile (Biomoleküle) z.B. durch Chromatographie separiert und
die einzelnen Fraktionen im Massenspektrometer vermessen. Durch die Massemarkierung
können die Biomoleküle quantifiziert und den einzelnen Proben zugeordnet werden.
[0020] WO 00/67017 beschreibt ein Verfahren zur
in-vivo Isotopenmarkierung von Proteinen in biologischem Material. Eine Probenkultur wird
mit einem (Nähr)medium inkubiert, das ein bestimmtes Isotop enthält . Eine andere
Kultur wird mit einem anderem Isotop inkubiert. Beide Proben, die so unterschiedlich
isotopenmarkiert sind, werden zusammen gegeben, die Protein extrahiert und durch chromatographische
oder andere Verfahren fraktioniert. Die einzelnen Fraktionen können dann durch Massenspektrometrie
analysiert und relativ quantifiziert werden. Durch die Isotopenmarkierung können die
Biomoleküle ihrer Ursprungsprobe zugeordnet werden.
[0021] Darüber hinaus existieren die folgenden relevanten Publikationen:
[0022] M. B. Smolka et al., Anal. Biochem., 297(1):25-31 (2001) beschreibt die systematische
Optimierung der ICAT-Methode unter Variation der Konzentrationen verschiedener Chemikalien
(z.B. SDS, Harnstoff) und Reaktionsbedingungen (Dauer). Es wird eine spezifische und
quantitative Markierung der Analyte demonstriert.
[0023] T. J. Griffin, J. Am. Soc. Mass Spectrom., 12(12):1238-46 (2001) beschreibt eine
Verbesserung des ICAT-Verfahrens. Zur Steigerung der Effektivität werden erst die
Peptide identifiziert, welche in unterschiedlicher Quantität in den zu vergleichenden
Proben vorhanden sind. Nur die unterschiedlich repräsentierten Peptide werden einer
detaillierten massenspektrometrischen Analyse (Fragmentierung und MS/MS) zugeführt.
Vorgestellt wird in diesem Zusammenhang eine entsprechende Software, die die beschriebene
Analyse automatisiert.
[0024] D. K. Han et al., Nat. Biotechnol. Oct; 19(10):946-51 (2001) beschreiben eine spezielle
Anwendung der ICAT-Technologie. Den ersten Schritt stellt die Präparation der zu vergleichenden
mikrosomalen Fraktionen da. Diese werden anschließend mit dem isotopenmarkierten Affinitäts-Tag
versehen, vermischt und enzymatisch gespalten. Es schließt sich eine multidimensionale
chomatographische Trennung der resultierenden Peptidgemische an. Die chromatographische
Trennung muendet direkt in ein Tandem Massenspektrometer, das sowohl die Analyse der
relativen Intensitäten zweier Peptidpeaks als auch der Ermittlung von Sequenzinformation
oder dieselben gestattet. Die Autoren beschreiben die Anwendung der Methode zur Identifizierung
und relativen Quantifizierung von 491 Proteinen in nativen und
in vitro differenzierten HL-60 Zellen.
[0025] F. Turecek, J. Mass Spectrom., 37:1-14 (2002) gibt einen Überblick über Anwendungen
der ICAT-Technik als auch der verwandten ACESIMS-Technik. Beide Methoden werden detailliert
beschrieben und Beispiele für deren Anwendung zur Diagnose von beispielsweise GM1
oder Mucopolysaccharidosis Typ III (Sanfilippo Syndrom Typ A-d) gegeben.
[0026] In M. B. Goshe et al., Anal. Chem., 73(11):2578-86 (2001) wird die selektive Aufreinigung
und Anreicherung O-Phosphorylierter Peptide beschrieben. Die Methode stellt ein leicht
abgewandeltes Verfahren der ICAT-Methode dar. Nach der β-Elimination durch Hydroxid
wurde ein funktionalisiertes Linker-Reagenz in deuterierter oder undeuterierter Form
an die entstandene Doppelbindung addiert (Ethandithiol). Die hierdurch erreichte Funktionalisierung
(Thiol-Gruppe) wurde ähnlich dem ICAT-Verfahren zur Kopplung an biotinyl-iodoacetamidyl-3,6-dioxaoctanediamine
genutzt. Mit Hilfe des Biotins können nun die zuvor O-phosphorylierten Peptide selektiv
affinitätsgereinigt werden. Die massenspektrometrische Analyse nach Trennung der Peptide
erlaubt eine relative Quantifizierung anhand der Peakintensitäten ( Dm = 4 Da).
[0027] G. Cagney, A. Emili, Nature Biotech, 20(2): 163-170 (2002) beschreiben ein Verfahren
zur Markierung c-terminaler Lysine in Peptiden. Die Methode beruht auf der tryptischen
Spaltung von komplexen Proteingemischen, anschließender Markierung und Trennung mittels
Kapillar-Electrophorese. Zur Detektion und Quantifizierung wird ein Electrospray-Tandem-Massenspektrometer
eingesetzt.
[0028] In A. J. Forbes et al., Proteomics, 1(8):927-33 (2001) werden die Vorteile einer
Lys-C Spaltung gegenüber der Verwendung ungespaltener Proteine zur Analyse in der
FT Massenspektrometrie erläutert.
[0029] C. S. Spahr et al., Electrophoresis, 21(9):1635-50 (2000) schildern die selektive
Affinitätsreingung cysteinhaltiger Peptide in einer Modellmischung aus Proteinen sowie
in einem Modellsystem. Die Proteinprobe wird mittels kommerziell erhältlicher Reagenzien
an vorhandenen Cysteinen biotinyliert und anschließend tryptisch gespalten. Die biotiynlierten
Peptide werden mit Hilfe einer Streptavidin-Säule chromatoghraphisch abgetrennt. Die
so abgetrennten Peptide werden anschließend durch Zugabe von DTT wieder freigesetzt.
Es gehen sowohl die nicht-gebundenen als auch die gebundenen Peptide nach Alkylierung
in die weitere massenspektrometrische Analyse. Diese wird mittels LC-MS/MS durchgeführt.
[0030] T. J. Griffin et al., Anal. Chem. Mar 1;73(5):978-86 (2001) beschreiben die Verwendung
isotopenmarkierter Affinitäts-Tags in Kombination mit MALDI-QqTOF Massenspektrometrie
zur quantitativen Analyse komplexer Proteingemische. Die Proteingemische werden hier
initial markiert, enzymatisch gespalten und mittels einer multidimensionalen Chromatographie
getrennt, bei der die Elution direkt auf das MALDI-Target erfolgt. Die massenspektrometrische
Analyse besteht zum einen aus der Aufnahme eines Massenspektrums der Peptide zur Bestimmung
der Intensitätsrelation und anschließender Fragmentierung zur Sequenzermittlung.
[0031] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es daher, ein Verfahren bereitzustellen, wodurch
komplexe Mischungen von Biopolymeren aus einer oder mehreren Proben fragmentiert,
durch gezielte Kopplung und Entkopplung an feste Trägermaterialien selektioniert,
probenspezifisch markiert und nach Vereinigung der Proben getrennt und analysiert
(z.B. Quantifizierung und Identifizierung/Sequenzierung durch Massenspektrometrie)
werden. Diese Erfindung soll zu geringen Verlusten des Gesamtinformationsgehaltes
der Ausgangsbiopolymermischungen bei der Analyse, d.h. Identifizierung und Quantifizierung
ihrer Bestandteile im Vergleich zu den oben aufgeführten Verfahren führen. Dazu dient
eine gezielte Selektion der Biopolymer(fragment)e durch Kopplungs- und Entkopplungsreaktionen
sowie Fragmentierung, die eine deutliche Reduktion der zu analysierenden Komponenten
bewirkt, ohne den Informationsgehalt der Ausgangsproben signifikant zu verringern.
Durch probenspezifische Fluoreszenzmarkierung der Biopolymer(fragment)e ist zusätzlich
eine Vorselektion der durch Massenspektrometrie zu analysierenden Moleküle schon während
der Trennschritte möglich, wodurch eine gezielte Reduktion der zu analysierenden Komponenten
erreicht wird.
[0032] Überraschenderweise wurde nun gefunden, das insbesondere bei der differentiellen
Analyse von Protein- und Peptidgemischen im Rahmen der Proteom- und Peptidomanalyse
durch gezielte kovalente Kopplung und Entkopplung von Biopolymeren bzw. deren (chemischen
bzw. enzymatischen) Spaltprodukten an feste Trägermaterialien eine deutliche Reduktion
der zu analysierenden Komponenten bei nur geringem Verlust des Gesamtinformationsgehaltes
der Ausgangsbiopolymermischungen erzielt werden kann (Ausführungsform A). Die differentielle
Analyse von zwei oder mehr Biopolymergemischen wird durch probenspezifische Markierungen
erreicht, die geringe, aber messtechnisch nachweisbare Unterschiede (Fluoreszenzfarbstoffe
mit ähnlicher Struktur, Marker mit Masseunterschieden bspw. durch Isotopenmarkierung)
aufweisen. Nach der Trennung der zusammengegebenen Biopolymergemische (Chromatographie,
Elektrophorese etc.) in ihre Komponenten oder in Komponentengemische erfolgt die Analyse
(Quantifizierung, Identifizierung, Charakterisierung) einzelner Komponenten vornehmlich
durch Massenspektrometrie. Durch Einsatz von (Fluoreszenz-)Spektrometern ist nach
der Gemischtrennung zusätzlich aufgrund von geeigneten Markierungen wie Fluoreszenzmarkierungen
eine gezielte Vorselektion von Fraktionen möglich, in denen z. B. Intensitäts-, d.
h. Mengenunterschiede von Komponenten des Gesamtgemisches vorliegen. Dies führt zu
einer Reduktion des Zeit- und Kostenaufwandes in der massenspektrometrischen Analyse,
da nur ausgewählte Fraktionen differentiell untersucht werden.
[0033] Als Lösungsansatz sei hier vor allem die gezielte Analyse ausschließlich Lysin-freier
Peptid(fragment)e mit freiem Amino-Terminus (Ausführungsform B) genannt. Bei diesem
Verfahren werden zuerst alle Proteine/Peptide durch chemische bzw. enzymatische Reaktionen
in Fragmente zerlegt. Diese Fragmente werden über ihre N-terminalen Aminogruppen und,
wenn vorhanden, über Aminogruppen aus Lysinen mittels Isothiocyant-Derivaten an feste
Trägermaterialien gebunden. Anschließend erfolgt die Entkopplung von Biopolymeren
(Fragmenten), die nur über ihre N-terminale Aminogruppe gebunden wurden, da nur in
diesem Fall die Bildung von Anilinothiazolidinon möglich ist. Anschließend werden
die Biopolymere des so freigesetzten Biopolymergemisches markiert, z.B. mit Fluoreszenzmarkern.
Alle parallel behandelten und unterschiedlich markierten (z.B. unterschiedliche Massemarkierung,
unterschiedliche Fluoreszenzmarkierung) Probengemische werden dann für die weitere
differentielle Analyse zusammengegeben. Es folgt eine Trennung der Gemische und Analyse
mittels spektroskopischer und/oder massenspektrometrischer Verfahren, um die Probenkomponenten
zu quantifizieren sowie sie zu charakterisieren und zu identifizieren (u.a. Gewinnung
von Sequenzinformationen durch MS/MS). Vorteilhaft bei diesem Verfahren ist, dass
eine starke Verringerung der zu analysierenden Fragmente gegenüber dem gesamten Ausgangsspaltungsgemisch
erreicht wird, ohne den Informationsgehalt bezüglich der Ausgangpolymergemische (Proteome)
signifikant zu verringern.
[0034] In Ausführungsform C ist eine Variante erfunden worden, die eine selektive Analyse
aller N-Termini von Proteinen und Peptiden aus Gemischen erlaubt. Dazu werden zuerst
alle Lysine und N-terminalen Aminogruppen der Proteine/Peptide blockiert, bspw. mit
Citraconsäureanhydrid. Anschließend erfolgt eine Spaltung der Proteine/Peptide durch
chemische bzw. enzymatische Reaktionen in Fragmente. Im nächsten Schritt werden analog
zu Ausführungsform B alle Aminogruppen-haltigen Polymere an feste Träger gebunden.
Nur die ursprünglichen N-Termini der Proteine/Peptide werden nicht gebunden und können
für eine weitere Markierung, Trennung/Analyse eluiert und gesammelt werden. Gebundene
Peptide können zusätzlich sequentiell selektiv entkoppelt werden, indem eine Spaltung
der Peptide an Methioninen durch CNBr-Behandlung erfolgt oder eine Entkopplung in
Analogie zu Ausführungsform B durchgeführt wird. Wie oben beschrieben, folgen die
weiteren Analysenschritte (Trennung und spektroskopische/spektrometrische Analyse
zur Quantifizierung und Charakterisierung/Identifizierung), nachdem die verschiedenen
Peptide der unterschiedlichen Ausgangsproben probenspezifisch markierten und zusammengegeben
wurden.
[0035] Vorteil dieser Ausführungsform ist, dass pro Protein nur das N-terminale Peptid analysiert
wird und somit die maximale Reduktion der Komplexität auf ein Peptid pro Protein erreicht
wird. Dies ist mit keinem herkömmlichen Verfahren auch nur annähernd möglich.
Zusammenfassung der Erfindung
[0036] Die vorliegende Erfindung betrifft daher ein Nachweisverfahren unter Einsatz von
chemische und/oder biochemische Reagenzien, Separationsmethoden und spektrometrische
sowie massenspektrometrische Methoden, die diese Reagenzien zur Analyse von Verbindungen
und komplexe Mischungen von Verbindungen einsetzen. Es werden insbesondere Chemikalien
und/oder biologische Verbindungen (z. B. Enzyme) genutzt, die mit Biopolymeren reagieren
und diese fragmentieren. Zusätzlich kommen Verbindungen zum Einsatz, die eine selektive
Kopplung und Entkopplung dieser Biopolymere an bzw. von Trägermaterialien ermöglichen.
[0037] Die Polymere oder Teile von Polymeren (im folgenden kurz Proteine/Peptide oder Verbindungen)
werden unter Einsatz dieser Reagenzien kovalent an einen unlöslichen Träger gebunden
und ein spezifischer Teil aller gebundenen Moleküle wird unter Einsatz spezifischer
Reagenzien wieder von dem Träger freigesetzt (Lösen der Bindung). Die freigesetzten
(sowie andere ungebundene) Moleküle können im weiteren an Moleküle gekoppelt werden,
die eine Detektion, die nicht auf den Eigenschaften der freigesetzten Moleküle basiert,
gewährleisten, wie z.B. fluoreszierende oder radioaktive Verbindungen (Markierung).
Die freigesetzten Moleküle (z.B. Peptide) werden detailliert charakterisiert, insbesondere
unter Einsatz massenspektrometrischer Methoden oder anderer Methoden, die eine Aussage
über die molekulare oder atomare Zusammensetzung der Moleküle erlauben. Die beschriebene
Methode kann zur qualitativen und quantitativen Analyse von Biopolymeren in komplexen
Mischungen eingesetzt werden, um die Identität (Zusammensetzung) und die Menge von
Biopolymeren in mindestens zwei unterschiedlichen Lösungen zu quantifizieren. Die
Markierung der ungebundenen Verbindungen kann zu ihrer Detektion und Quantifizierung
herangezogen werden. Die (mindestens zwei) komplexen Mischungen ungebundener Verbindungen
können gemischt werden und die unterschiedliche Markierung erlaubt eine Zuordnung
der untersuchten Verbindung zu einer der miteinander gemischten Lösungen. Die unterschiedliche
Markierung erlaubt weiterhin eine Reduktion der zu analysierenden Verbindungen auf
diejenigen, welche in unterschiedlicher Menge in unterschiedlichen Lösungen vorhanden
waren.
[0038] Insbesondere betrifft die vorliegende Erfindung
(1) ein Verfahren zur Analyse komplexer Mischungen von Biopolymeren aus einer oder
mehreren Proben, das die folgenden Schritte umfasst:
(a) Spaltung der Biopolymere mittels eines oder mehrerer chemischer Reagenzien und/oder
eines oder mehrerer Enzyme in Fragmente;
(b) Kopplung aller oder eines Teils der in Schritt (a) erhaltenen Biopolymerfragmente
und/oder Biopolymere durch kovalente Bindung an einen Linker, der bereits an eine
Ankergruppe auf einem unlöslichen Trägermaterial gebunden ist;
(c) Waschen, wobei die im Schritt (b) nichtgekoppelten Biopolymerfragmente und/oder
Biopolymere von den im Schritt (b) an das feste Trägermaterial gekoppelten Biopolymerfragmenten
und/oder Biopolymeren durch Waschen mit einem geeigneten Lösungsmittel abgetrennt
werden;
(d) Entkopplung der an das unlösliche Trägermaterial gekoppelten Biopolymerfragmente
und/oder Biopolymere durch Spaltung der Bindung zwischen Linker und Biopolymerfragment
und/oder Biopolymer oder einer Bindung innerhalb des gekoppelten Biopolymerfragmentes
und/oder Biopolymers;
(e) kovalente Bindung einer Markierung an bestimmte oder an alle in Schritt (c) nicht
gekoppelten oder in Schritt (d) entkoppelten Biopolymerfragmente mittels Markierungsreagenzien,
wobei die Markierung eine Detektion des Biopolymerfragmentes aufgrund der chemischen
oder physikalischen Eigenschaft(en) erlaubt, die das Biopolymer oder eines oder mehrere
seiner Fragmente ohne Markierung nicht oder messbar verschieden ausgeprägt aufweisen,
und
(f) Trennung der in Schritt (e) markierten Biopolymerfragmente aufgrund ihrer charakteristischen
physikochemischen Eigenschaften und unter Detektion der Markierung, und
(2) einen Kit zur Analyse komplexer Mischungen von Biopolymeren aus einer oder mehreren
Proben, umfassend wenigstens einen der folgenden Bestandteile:
(a) ein oder mehrere chemische Reagenzien oder Enzyme zur Spaltung der Biopolymere
in Fragmente wie in (1) definiert;
(b) ein oder mehrere Reagenzien zur Ausführung der Kopplung, wie in (1) beschrieben;
(c) ein oder mehrere unlösliche Trägermaterialien gemäß (1);
(d) einen oder mehrere Linker gemäß (1);
(e) ein oder mehrere Lösungsmittel zum Waschen gemäß (1);
(f) ein oder mehrere Reagenzien zur Ausführung der Entkopplung, wie in (1) definiert;
(g) ein oder mehrere Reagenzien zur kovalenten Bindung einer Markierung, wie in (1)
definiert, und
(h) eine oder mehrere Vorrichtungen zur Trennung, wie in (1) definiert.
Beschreibung der Figuren
[0039]
- Fig. 1:
- Schematische Darstellung des Verfahrens "selektive Peptid-Exklusions-Chromatographie"
zur Proteomanalyse.
Detaillierte Beschreibung der Erfindung
[0040] Das Verfahren der vorliegenden Erfindung soll die Vorteile verschiedener proteomanalytischer
Methoden kombinieren und zudem eine (relative) Quantifizierung der Komponenten gestatten.
Weiterhin soll die Komplexität des Analytgemisches durch intelligente Auswahl einer
Kombination an Kopplungsreagenzien reduziert werden, ohne den Gesamtinformationsgehalt
zu verringern. Diese Ziele werden wie folgt erreicht:
[0041] Das komplexe Gemisch der Biopolymere wird mit Hilfe enzymatischer oder chemischer
Reaktion(en) fragmentiert. Von den resultierenden Fragmenten wird ein spezifischer
Teil durch kovalente Bindung mithilfe einer geeigneten chemischen Reaktion an ein
unlösliches Trägermaterial gebunden. Dies erlaubt die Abtrennung der gebundenen Fragmente.
Im Speziellen werden alle Fragmente, die Bindungsgruppen besitzen (>99.9%), an ein
unlösliches Trägermaterial gebunden. Spezifische Fragmente werden durch selektive
Entkopplung freigesetzt. Die gebundenen Fragmente werden von der festen Phase gelöst
und der weiteren Analyse zugeführt. Es erfolgt eine Markierung (Fluoreszenz, Isotopenmarkierung,
chirale oder magnetische Markierung). Die markierten Fragmentgemische mindestens zweier
Proben können vereinigt werden. Chromatographische Separation resultiert in der Separation
einzelner Fragmente (unabhängig von der Markierung). Diese können nun spektroskopisch
(nur quantitative Analyse) und/oder massenspektrometrisch analysiert werden (quantitative
Analyse und Fragmentierungsanalyse). Die Eigenschaften der Markierung sind so, dass
die Markierung kovalent ist und die Markierungsgruppen bzw. Markierungsverbindungen
der (mind.) zwei Proben möglichst identische physikochemische Eigenschaften zeigen,
so dass sie die chromatographische Separation in gleichem Ausmaß beeinflussen.
[0042] Als "Biopolymer" im Sinne der vorliegenden Erfindung kommen sowohl Proteine und Peptide
als auch Nukleinsäurepolymere, Lipide, Zucker und PNAs (peptide nucleic acids = Peptidnukleinsäuren)
in Frage. Die Proteine können über alle denkbaren natürlichen Modifikationen verfügen,
deren Eigenschaften auch im weiteren Verfahren ausgenutzt werden können.
[0043] Als "Komplexe Mischung von Biopolymeren" im Sinne der vorliegenden Erfindung werden
Mischungen von Biopolymeren mit mehr als drei Komponenten bezeichnet. "Spaltung" oder
"Fragmentierung" der Biopolymere der vorliegenden Erfindung umfasst die Behandlung
der Biopolymere mit "Spaltungsreagenzien", so dass "Fragmente" der Biopolymere erhalten
werden.
[0044] Die "Spaltungsreagenzien" gemäß der vorliegenden Erfindung ermöglichen es, einzelne
oder mehrere Aminosäuren und/oder Nukleotide und/oder deren Derivate (z.B. natürliche
Modifikationen infolge Glykosylierung) einzeln oder zusammenhängend (als Peptid oder
Nukleinsäure) selektiv d.h. an bestimmten Positionen der jeweiligen Sequenz oder unselektiv
von dem ursprünglichen Biopolymer abzuspalten. Im Falle der Proteine zählen zu den
Spaltungsreagenzien insbesondere Endoproteasen durch deren katalytische Wirkung Proteine
in Peptide zerlegt werden. Im Sinne der vorliegenden Erfindung geeignete Endoproteasen
sind Trypsin, Submaxillarus-Protease, Chymotrypsin, Staphylococcus-aureus-V8-protease,
Asp-N-Protease, Pepsin Lys-C, Glu-C, Arg-C-Proteinase, Asp-N-Endopeptidase, BNPS-Skatole,
Caspasen, Chymotrypsin, Clostripain, Factor Xa, Glutamylendopeptidase, GranzymeB,
Proline-Endopeptidase, Proteinase K, Staphylococcus-Peptidase I, Thermolysin, Thrombin,
Carboxypeptidasen und eine Kombination derselben. Als Reagenzien für eine chemische
Spaltung sind beispielsweise CNBr, Ameisensäure, Iodosobenzoesäure, NTCB (2-Nitro-5-thiocyanobenzoesäure),
Hydroxylamin, Säurehydrolyse usw. zu nennen, die zentraler Bestandteil bei der Erzeugung
von Fragmenten aus Biopolymeren ohne den Einsatz von Endoproteinasen sind. Zur Spaltung
von Nukleinsäuren und PNAs können z. B. folgende Endonukleasen zum Einsatz kommen:
Aat II, Acc65 I, Acc I, Aci I, Acl I, Afe I, Afl II, Afl III, Age I, Ahd I, Alu I,
Alw I, AlwN I, Apa I, ApaL I, Apo I, Asc I, Ase I, AsiS I, Ava I, Ava II, Avr II,
Bae I, BamH I, Ban I, Ban II, Bbs I, Bbv I, BbvC I, BceA I, Bcg I, BciV I, Bcl I,
Bfa I, BfrB I, BfuA I, Bgl I, Bgl II, Blp I, Bme1580 I, BmgB I, Bmr I, Bpm I, BsaA
I, BsaB I, BsaH I, Bsa I, BsaJ I, BsaW I, BsaX I, BseR I, Bsg I, BsiE I, BsiHKA I,
BsiW I, Bsl I, BsmA I, BsmB I, BsmF I, Bsm I, BsoB I, Bsp1286 I, BspCN I, BspD I,
BspE I, BspH I, BspM I, BsrB I, BsrD I, BsrF I, BsrG I, Bsr I, BssH II, BssK I, BssS
I, BstAP I, BstB I, BstE II, BstF5 I, BstN I, BstU I, BstX I, BstY I, BstZ17 I, Bsu36
I, Btg I, Bts I, Cac8 I, Cla I, Dde I, Dpn I, Dpn II, Dra I, Dra III, Drd I, Eae I,
Eag I, Ear I, Eci I, EcoN I, EcoO109 I, EcoR I, EcoR V, Fau I, Fnu4H I, Fok I, Fse
I, Fsp I, Hae II, Hae III, Hga I, Hha I, Hinc II, Hind III, Hinf I, HinP1 I, Hpa I,
Hpa II, Hpy188 I, Hpy188 III, Hpy99 I, HpyCH4III, HpyCH4IV, HpyCH4V, Hph I, Kas I,
Kpn I, Mbo I, Mbo II, Mfe I, Mlu I, Mly I, Mnl I, Msc I, Mse I, Msl I, MspA1 I, Msp
I, Mwo I, Nae I, Nar I, Nci I, Nco I, Nde I, NgoM IV, Nhe I, Nla III, Nla IV, Not
I, Nru I, Nsi I, Nsp I, Pac I, PaeR7 I, Pci I, PflF I, PflM I, Ple I, Pme I, Pml I,
PpuM I, PshA I, Psi I, PspG I, PspOM I, Pst I, Pvu I, Pvu II, Rsa I, Rsr II, Sac I,
Sac II, Sal I, Sap I, Sau3A I, Sau96 I, Sbf I, Sca I, ScrF I, SexA I, SfaN I, Sfc
I, Sfi I, Sfo I, SgrA I, Sma I, Sml I, SnaB I, Spe I, Sph I, Ssp I, Stu I, Sty I,
Swa I, Taq I, Tfi I, Tli I, Tse I, Tsp45 I, Tsp509 I, TspR I, Tth111 I, Xba I, Xcm
I, Xho I, Xma I, Xmn I, N.BstNB I, N.Alw I, I-Ceu I, I-Sce I, PI-Psp I, PI-Sce I,
McrBC-Endonuclease, McrBC etc.
[0045] Im Falle von Zuckern können Amylasen, Maltasen und Lactasen eingesetzt werden.
[0046] Unter "Fragmenten" werden im Sinne der vorliegenden Erfindung alle Verbindungen verstanden,
die aus der Spaltung eines Biopolymers mit Hilfe von Enzymen oder chemischen Reagenzien
entstehen, und die insbesondere zu einer oder mehreren Verbindungsklassen ausgewählt
aus der Gruppen der Aminosäuren, Peptide, Nukleotide, Nukleinsäuren, Lipide, Zucker
und deren Derivate gehören. Unter Derivaten werden insbesondere Fragmente verstanden,
die eine Markierung tragen oder die aus einer Blockierung resultieren. "Blockierung"
im Sinne der vorliegenden Erfindung bedeutet, dass bestimmte Monomere an der Position
n innerhalb der Sequenz des Biopolymers durch chemische Reagenzien oder Enzyme derivatisiert
werden, so dass die Verknüpfung dieses blockierten Monomers zu dem in der Sequenz
unmittelbar vorangehenden (an der Position n-1) und/oder nachfolgenden Monomeren (an
der Position n+1) bei der Fragmentierung nicht gespalten wird. Der Begriff "Blockierung"
kann weiterhin bedeuten, dass vor der Kopplung eine Derivatisierung eines oder beider
endständiger Monomeren (Termini) des Biopolymers durch chemische Reagenzien oder Enzyme
erfolgt, so dass die blockierten Termini bei der Kopplung nicht an das feste Trägermaterial
gekoppelt werden. Als chemische Reagenzien zur Blockierung eignen sich insbesondere
Säurehalogenide, Säureanhydride, Aldehyde, Isocyanat-Derivate, Isothiocyanat-Derivat,
Succinimid-Derivate, Imidazolyl-Carbamat-Derivate, Trauts-Reagenz-Derivate, Sulfonsäurechlorid-Derivate,
Oxiran-Derivate, Imidate, Hydrazide, Sufosuccinimidyl-Derivate, Diimid-Derivate, Maleimid-Derivate,
7-Sulfobenzofurazan-Derivate, insbesondere Acetylchlorid und Citraconsäureanhydrid.
[0047] Die "Kopplung" im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine chemische Reaktion, bei
der das Biopolymer oder eines oder mehrere seiner Fragmente an ein geeignetes "unlösliches
Trägermaterial" kovalent gebunden wird, wobei die Bindung an das unlösliche Trägermaterial
bevorzugt über einen Linker erfolgt, der über eine Ankergruppe an das unlösliche Trägermaterial
gebunden ist. Bei der kovalenten Kopplung werden vorzugsweise unter reduktiven Bedingungen
stabile Verbindungen erzeugt, so z. B. Amide, Ester, Kohlenstoff-Heteroatom-Bindungen
etc. (jedoch keine S-S-Bindungen).
[0048] Das "unlösliche Trägermaterial" oder die "feste Phase" im Sinne der vorliegenden
Erfindung umfassen ein geeignetes, im verwendeten Lösungsmittel unlösliches Material
(z. b. aktivierte Glasoberflächen, Magnetic Beads und Polymermaterialien mit funktionalen
Gruppen) wie es im Stand der Technik für Festphasensynthesen von Peptiden und Nukleinsäuren
bekannt ist, insbesondere ein Harz, wie z. B. Polystyrol. Das unlösliche Trägermaterial
ist bevorzugt mit einer geeigneten Ankergruppe versehen, welche eine unter den Bedingungen
des erfindungsgemäßen Verfahrens reaktive funktionelle Gruppe ist, so dass ein geeigneter
Linker an die Ankergruppe gebunden werden kann.
[0049] Als "Ankergruppe" im Sinne der vorliegenden Erfindung eignen sich alle Formen funktioneller
Gruppen, die zu einem aktivierten Trägermaterial führen, insbesondere -NH
2, -SH, -Hydrazide, Tosyl, Tresyl, Imidazolylcarbamat, 5-Thiol-2-nitrobenzoesäure-Gruppen
oder auch CNBr-aktiviertes Trägermaterial.
[0050] Der "Linker" im Sinne der vorliegenden Erfindung ist eine Verbindung mit zwei gleich-
oder verschiedenartigen, unter den Bedingungen des erfindungsgemäßen Verfahrens reaktiven
funktionellen Gruppen, wovon die eine funktionelle Gruppe X
1 die Bindung an die Ankergruppe und die andere funktionelle Gruppe X
2 die Bindung an das Biopolymer oder eines oder mehrere seiner Fragmente ermöglicht.
Als funktionelle Gruppen für den Linker eignen sich erfindungsgemäß zwei gleich- oder
verschiedenartige funktionelle Gruppen X
1 und X
2. Diese können aus -NH
2, -CN, -OH, -COOH, -COCI, -CON
3, -CHO, -NN, -SH, -SCH
3, -NNH, -CHCH
2, -NCS, -NCO, -CNO, -CNS, -SO
2Hal, -OPO
32-, Oxiran und Vinylsulfon bestehen. Geeignet sind auch gemischte Anhydride und Aktivester,
wobei X
1 und/oder X
2 ausgewählt sind aus -C(O)OR, wobei R aus R
1C(O)-, ortho-Nitrophenyl, -C(NR
1)(NHR
1), N-Oxysuccinimid und 1-Oxybenzotriazol, und R
1 aus Niederalkyl, Cycloalkyl, Aryl, Alkenyl und Alkinyl ausgewählt ist.
[0051] Der Linker kann insbesondere die Formel X
1-(A)
n-X
2 aufweisen, wobei A eine Aryl-, Heteroaryl-, Alkyl-, CH
2-Struktur Silyl, Ether, Thioether umfasst, n eine natürliche Zahl von 1 bis 20 ist,
und X
1 und X
2 wie oben definiert sind. Besonders bevorzugt als Linker ist 1,4-Diisothiocyanatobenzol
(
para-Diisothiocyanatobenzol,
pDITC).
[0052] Das gekoppelte Biopolymer im Sinne der vorliegenden Erfindung kann dabei die folgende
Formel aufweisen

wobei
X = eine feste Phase
A = eine Aminosäure oder Aminosäurederivat oder Monomer eines anderen Biopolymers
(Zucker; Lipid, Nukleosid/-tid, etc.)
Q = ein Linker
a ≥ 0
b ≥ 0
c ≥ 0
d ≥ 0
n ≥ Σd(ad+bd+cd)
ist.
[0053] Hierbei ist Q vorzugsweise ein mono- oder bifunktioneller Linker, der kovalent an
die Aminosäure (oder den jeweiligen Monomeren Baustein des Biopolymers) und/oder kovalent
an die feste Phase geknüpft ist. Die Verknüpfung von Q an A kann über eine der folgenden
chemischen Bindungen erfolgen: N-N; C-C; N-C; C-S; N-S; S-S; C-O; N-O; S-O; O-O; P-O;
P-N; P-C; P-S.
[0054] Die Verknüpfung von Q an X kann ebenfalls über eine der nachfolgend genannten chemischen
Bindungen erfolgen. Zur Bildung der chemischen Bindung werden die Eigenschaften der
jeweiligen Aminosäuren ausgenutzt. Zur Bildung der Verknüpfung verfügt der Linker
Q über mindestens eine reaktive Gruppe der Form: -NH
2; -CN; -OH;-COOH; -CHO; -NN; -SH; S-CH
3; -N=NH; -C=CH
2; -N=C=S; -N=C=O; -C=N=O; -C=N=S; -SO
2Cl; -COCI; Oxiran, Vinylsulfon.
[0055] Die obengenannte Struktur kann weiterhin mit Markern verknüpft sein ((Fluoreszenz-)Farbstoffe,
Isotopenmarkierung, u.ä.). Der Linker kann ein Oligonukleotid, ein PNA oder ein Peptid
beinhalten oder sein.
[0056] Das "Waschen" umfasst das ein- oder mehrmalige Zugeben und Entfernen von Flüssigkeit
oder das kontinuierliche Zugeben und Entfernen von Flüssigkeit, um Bestandteile der
Ausgangslösung zu entfernen. Ggf. können diese Flüssigkeiten einer weiteren Analyse
zugeführt werden.
[0057] "Entkopplung" im Sinne der vorliegenden Erfindung bedeutet, dass die an das unlösliche
Trägermaterial gekoppelten Biopolymerfragmente und/oder Biopolymere durch Spaltung
der Bindung zwischen A) Trägermaterial und Linker, B) innerhalb des Linkers, C) zwischen
Linker und Biopolymer(fragment) und/oder D) innerhalb des Biopolymer(fragment)s vom
Trägermaterial abgelöst werden. Unter "Spaltung" versteht man die Spaltung einer oder
mehrer der Bindungen 1,2,3 und/oder 4 (Schema 1, A) sowie die Spaltung einer Bindung
innerhalb des Linkers (B) und/oder innerhalb des Bioploymers oder Bioploymerfragemnts
(C). Dieses wird in dem nachfolgenden Schema 1 näher erläutert.
A: Nummerierung der Bindungen bei Kopplung des Biopolymers oder Biopolymerfragmentes
über einen Linker im Sinne der Erfindung.

B: Trennung einer Bindung innerhalb des Linkers. A sei eine beliebige der unter PUNKT
genannten Molekülgruppen, n eine ganze Zahl, n,a,b<20 und sowie a+b=m.

C: Trennung einer Bindung innerhalb des Biopolymers oder Biopolymer-Fragmentes. M seien
beliebige unter PUNKT aufgeführte Monomere des Biopolymers oder Biopolymerfragmentes;
m,c,d seien natürliche Zahlen ≥0 und c+d=m.
[0058] Die "Markierung" erfolgt durch die chemische Reaktion eines Biopolymers oder eines
oder mehrerer seiner Fragmente mit dem Markierungsreagenz, wobei das Biopolymer oder
eines oder mehrerer seiner Fragmente mit dem Markierungsreagenz gekoppelt wird. Die
Markierung versieht das Biopolymer oder eines oder mehrerer seiner Fragmente mit einer
chemischen oder physikalischen Eigenschaft, die das Biopolymer oder eines oder mehrerer
seiner Fragmente vorher nicht oder nicht so stark d.h. messbar verschieden ausgeprägt
aufwies(en) wie mit der Markierung.
[0059] Als "Markierungsreagenz" seien beispielhaft (Fluoreszenz-)Farbstoffe genannt, aber
auch insbesondere isotopenmarkierte, chirale oder magnetische Verbindungen, wobei
auch Kombinationen der genannten Markierungseigenschaften in demselben Markierungsreagenz
erfindungsgemäß möglich sind.
[0060] Unter "Trennung" wird die Trennung der einzelnen markierten Fragmente mittels elektrophoretischer
und/oder chromatographischer Methoden, bevorzugt mittels Flüssigkeitschromatographie
(LC), besonders bevorzugt mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC)
an Umkehrphasen wie C18-Reverse-Phase oder Ionenaustauschchromatographie durchgeführt.
[0061] "Charakterisierung" und "Identifizierung" umfasst die Strukturaufklärung der markierten
Fragmente mit spektroskopischen Methoden, wozu die Massenspektroskopie, NMR-, UV-,
VIS-, IR-Spektroskopie geeignet sind.
[0062] "Vorrichtung zur Trennung" bedeutet ein System zur Flüssigkeitschromatographie, Kapillareletrophorese,
Zonenelektrophorese, Gelelektrophorese, Freeflow-Elektrophorese, Extraktion.
[0063] "Vorrichtung zur Charakterisierung" bedeutet ein oder mehrere Geräte zur Detektion
der eingeführten Markierung (z. B. Fluoreszenzdetektor, Absorptionsspetrometer, Multiphotondetektor)
und/oder der Struktur eines Biopolymers oder Biopolymerfragments (Massenspektrometer,
NMR).
[0064] Die Ausführungsform A des Verfahrens der vorliegenden Erfindung setzt die "selektive
Peptid-Exklusions-Chromatographie" zur Proteomanalyse ein und umfasst die folgenden
Schritte (siehe auch die schematische Darstellung in Fig. 1):
A.1. Fraktionierung der komplexen Biopolymergemische:
Dieser Schritt erfolgt optional, je nach Komplexität des Analyten bzw. Trennkapazität
der nachfolgenden Schritte. Als Methoden kommen chromatographische Verfahren ebenso
in Frage wie physikochemische Trennmethoden.
A.2. Spaltung der Biopolymere:
Die Biopolymere der komplexen Mischung werden fragmentiert. Dies geschieht z.B. durch
den Einsatz von Enzymen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der chemischen Fragmentierung
der zu analysierenden Biopolymere, z.B. mit CNBr oder partieller saurer Hydrolyse.
Die Spaltung des Biopolymers oder Gemisches von Biopolymeren kann zum einen mit Hilfe
der katalytischen Wirkung anderer gereinigter Biopolymere geschehen oder durch Aktivierung
in der Lösung vorhandener Biopolymere.
Werden gereinigte Biopolymere verwendet, so können diese sowohl in löslicher Form
als auch an ein unlösliches Material gekoppelt eingesetzt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz chemischer Reagenzien zur Spaltung der in
der Mischung enthaltenen Biopolymere. Hierbei sei beispielhaft der
Einsatz von CNBr genannt, durch das Proteine selektiv aufgrund ihrer Primärsequenz
in Fragmente gespalten werden.
A.3. Retardierung der Biopolymerfragmente:
Aus Schritt 2 resultierende Fragmente werden kovalent an ein unlösliches Trägermaterial
gekoppelt. Hierbei kann die Natur der Kopplungsreaktion spezifisch oder unspezifisch
sein, d.h. es können alle oder nur ein Teil der aus Schritt 2 resultierenden Fragmente
an das Material gekoppelt werden. Als Kopplungsreagenz kommen homo- oder heterobifunktionelle
Reagenzien zum Einsatz. Durch die Kopplung an das unlösliche Trägermaterial ist es
möglich, die Biopolymerfragmente in unlöslicher Form zu handhaben.
Die Kopplung wird mit Hilfe chemischer Reagenzien und geeigneter Reaktionsbedingungen
erreicht. Hierbei kann die Art der Kopplung auf eine spezielle Eigenschaft des Biopolymers
abgestimmt sein oder selektiv über einen bestimmten Baustein des Biopolymers erfolgen.
Die Kopplung kann mit einem mono- oder hetereobifunktionellen Reagenz durchgeführt
werden. Hierbei sei es gleichgültig, ob die Kopplung des Linkers erst an ein unlösliches
Trägermaterial und dann an ein Biopolymer erfolgt, oder in umgekehrter Reihenfolge
durchgeführt wird. Als Kopplungsreagenz sei beispielhaft Phenylendiisothiocyanant
genannt.
Das Kopplungsreagenz kann zudem direkt eine Gruppe enthalten, die das Biopolymer in
eindeutiger Weise markiert, sei es aufgrund seiner spezifischen physikochemischen
Eigenschaften oder seiner Masse oder anderer Charakteristika. Die folgenden Verfahren
können in Schritt A.3 zum Einsatz kommen:
a) Beispiele zur Umsetzung von Aminen (-NH2)
- Umsetzung mit Anhydriden:

- Succinimidester

- Aminidierung

- (Reduktive) Alkylierung

- Halogen-Carbamate, z.B. B.

b) Beispiele zur Umsetzung von Thiolen
- Dithiole wie 5,5'-Dithiobis(2-nitrobenzoesäure) (DTNB, Ellman-Reagenz)

- Umsetzung mit Halogen-Quecksilber-Verbindungen

- Umsetzung mit 2-Nitro(hydroxy)benzylbromid

c) Beispiele zur Umsetzung von Glutamat-Resten oder Aspartat-Resten (CarboxyGruppen)
- Umsetzung mit Carbodiimiden

d) Beispiele für die Umsetzung von Argininresten
- Umsetzung mit Glyoxal (Derivaten)

e) Beispiele für die Umsetzung von Tyrosindresten
- Koshlands-Reagenz (Derivate)

- Umsetzung mit Sulfenylhalogenide

f) Beispiele für die Umsetzung von Methionin mit Iodacetamid-Derivaten (reversibel)

g) Beispiele für die Umsetzung von Histidinresten
- Umsetzung mit Diethylpyrocarbamat (Derivaten)

Ebenfalls Kopplungsreagenzien im Sinne der Erfindung sind Silicium-Verbindungen des
folgenden Typs, sofern sie zur Funktionalisierung von Glasoberflächen (Matrix) eingesetzt
werden:

a. Hierbei sind in erster Linie Verbindungen gemeint, bei denen R1=R2=R3= -O-(CH2)nH, mit n≥1 und R4 = -(CH2)mH mit m≥1. Weiterhin sei RG eine reaktive im sinne von funktionelle Gruppe wie oben
beschrieben, mit deren Hilfe entweder ein Linker oder ein Biopolymer oder Biopolymerfragment
an die Silan-Verbindung gebunden werden kann.
b. Hierbei sei R jeweils ein beliebiger Rest, der entweder weitere funktionelle Gruppen
trägt und/oder an eine Matrix im Sinne der Erfindung gekoppelt ist.
c. Sind in den Beispielen mehrere Reste vorhanden (R2, R3, etc.), so seien diese beliebig unterschiedlich oder identisch. Weiterhin entspreche
jeder der Reste den unter a) genannten Bedingungen.
A.4. Entkopplung der Biopolymere:
Die an das unlösliche Trägermaterial gekoppelten Biopolymere können selektiv oder
unspezifisch entkoppelt werden. Hierbei kommt sowohl die Natur der Kopplung als auch
die bei der Erzeugung der Fragmente eingesetzte Methode zum Tragen. Durch Auswahl
der Fragmentierungs-, Kopplungs- und Entkopplungsmethode wird die Komplexität des
Gemisches an Biopolymeren reduziert. Eine Entkopplung von Biopolymeren kann wie im
Schema 1 dargestellt zwischen Trägermaterial und Linker, innerhalb des Linkers zwischen
Linker und Bioploymer(fragment) und innerhalb des Biopolymer(fragment)s erfolgen.
Letztes ist durch Endoprotease-Spaltung oder CNBr-Spaltung möglich.
A.5. Markierung der Fragmente:
Die Fragmente der Biopolymere werden mit Markierungen versehen, die eine anschließende
Zuordnung zu der Ausgangsprobe erlauben.
A.6. Analyse der markierten Biopolymerfragmente:
Die markierten Biopolymerfragmente werden anhand charakteristischer physikochemischer
Eigenschaften voneinander getrennt. Hierbei kann zuvor eine Vermischung markierter
Biopolymerfragmente aus verschiedenen Proben erfolgen.
A.7. Analyse der getrennten Biopolymerfragmente:
Hierzu kann schon die Trennung der Biopolymerfragmente (Schritt 6) gezählt werden.
Weitere Analysemethode ist in erster Linie die Massenspektrometrie, mit Hilfe derer
eine exakte Charakterisierung der Biopolymerfragmente erfolgt. Diese erlaubt eine
Zuordnung zum ursprünglichen Biopolymer.
[0065] Die Schritte A.2, A.3, A.5 können je nach Bedarf in unterschiedlicher Reihenfolge
durchgeführt werden. So ist z.B. eine Markierung vor der Fragmentierung denkbar, durch
die eine funktionelle Gruppe zur kovalenten Bindung des Biopolymers eingeführt wird.
Die kovalente Kopplung wiederum kann sowohl vor wie auch nach der Fragmentierung durchgeführt
werden.
[0066] Auch in Schritt a.3 nicht gebundene Biomoleküle können einer weiteren Markierung
und Analyse ab Schritt A.5 zugeführt werden.
[0067] Neben der Markierung von Biopolymeren in Schritt A.5 ist zusätzlich auch eine Markierung
der Biopolymere während der Spaltung (A.2) durch Einsatz von schwerem Wasser und/oder
O 18 -Wasser möglich. Diese Variante kann bei einer Differentialanalyse zweier Ausgangsproben
ggf. anstelle einer Markierung durch A.5 eingesetzt werden, indem eine Proben in Anwesenheit
von H2O und die andere in Anwesenheit von schwerem Wasser oder O 18 -Wasser oder schwerem
O 18 -Wasser gespalten wird. Die Analyse erfolgt dann in den Schritten A.6 und A.7
durch Massenspektrometrie.
[0068] In der bevorzugten Ausführungsform B betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren
zur Isolierung von Peptiden aus komplexen Protein-, Peptid- oder anderen Gemischen,
das die nachfolgend gezeigten Schritte B.1 bis B.6 mit der Reaktionsfolge Spaltung-Kopplung-Entkopplung
der Biopolymergemische umfasst. Diese Ausführungsform ist zur Analyse von nicht lysinhaltigen
Peptiden aus fragmentierten Proteinen geeignet. Sie hat den Vorteil, dass im ersten
Schritt (B.4) blockierte N-terminale Fragmente von Proteinen isoliert und einer weiteren
differentiellen Analytik zugeführt werden können. In Schritt B.5 werden alle lysinfreien
Peptide entkoppelt und einer weiteren differentiellen Analytik zugeführt. Dies hat
den Vorteil, dass bei einer deutlich höheren Proteinabdeckung als bei dem oben beschriebenen
Verfahren ICAT nur eine reduzierte Anzahl an Peptiden pro Protein der differentiellen
Analytik zugeführt werden müssen.
B.1. Spaltung der Proteine im Proteingemisch
B.2. Aktivierung der festen Phase, die mit einer -NH2-Funktionalität versehen ist, mit pDITC:

B.3. Kopplung der Peptide an das unlösliche Trägermaterial:

B.4. Waschschritte (Auffangen der nichtgekoppelten Peptide)
B.5. Entkopplung:

B.6. Markierung:
Im weiteren Verlauf des Verfahrens werden die entkoppelten und eluierten Peptide markiert.
Dies geschieht vorzugsweise über die zwangsläufig vorhandenen freien N-Termini mit
einem Markierungsreagenz.
[0069] In Schritt B.3 werden alle Peptide mit einem freien N-Terminus an die Matrix gekoppelt.
Die in Schritt B.4 anfallenden nichtgekoppelten Peptide entsprechen also den blockierten
N-Termini derjenigen Proteine, welche in der Sequenz ein Arginin vor einem Lysin tragen.
Diese werden ebenfalls isoliert und analysiert, da sie einen Großteil der anfänglich
eingesetzten Proteine repräsentieren.
[0070] In Schritt B.4 werden zudem die nicht-gekoppelten Biopolymerfragmente isoliert und
der weiteren Analyse zugeführt.
[0071] In Schritt B.5 können nur diejenigen Peptide entkoppelt werden, die ausschließlich
über einen freien N-Terminus angekoppelt sind d.h. die Entkopplung im Schritt B.5
erfolgt unter diesen Bedingungen nur, wenn die Bildung eines ATZ (Anilinothiazolidinon)
möglich ist, sodass lediglich diejenigen Peptide freigesetzt werden, welche ausschließlich
über einen freien N-Terminus an das unlösliche Trägermaterial gekoppelt sind. Peptide,
welche über Aminosäureseitenketten mit NH
2-Funktionalität (Lys) an das unlösliche Trägermaterial gekoppelt sind, können mittels
dieser Reaktionsfolge nicht freigesetzt werden. Die geschickte Kombination von Spaltungsreagenz
und Kopplungsreagenz ermöglicht also eine selektive Reduktion des Peptidgemisches
auf eine überschaubare Menge an Peptiden.
[0073] Die so markierten Proben werden nun vereinigt und via LC getrennt, so dass idealerweise
pro Fluoreszenzpeak identische Peptide koeluieren.

[0074] Dank der Fluoreszenzmarkierung kann nun das relative Verhältnis der Peptide zueinander
bestimmt werden und nur diejenigen Fraktionen der Analyse zugeführt, welche über unterschiedliche
Fluoreszenzintensität verfügen. Hierdurch wird die Anzahl der zu analysierenden Fraktionen
erheblich reduziert.
[0075] Der Umstand, dass blockierte N-Termini mit Argininresten am C-Terminus nicht gekoppelt
werden, kann zur weiteren Spezifizierung der Analyse ausgenutzt werden. Die Mischung
der Proteine wird beispielsweise synthetisch blockiert, was z.B. durch Acetylierung
oder durch Umsetzung mit Citraconsäure oder Citraconsäureanhydrid (wie in Fig. 1 dargestellt)
geschehen kann, und anschließend tryptisch (d.h. mit Trypsin) verdaut oder auf andere
Weise enzymatisch oder chemisch gespalten. Hierdurch verfügen nur aus der Spaltung
resultierende Peptide über einen freien N-Terminus über den sie an eine Matrix gekoppelt
werden können. Die blockierten N-terminalen Peptide werden nicht an die feste Matrix
gekoppelt und können analysiert werden. Die Proteinabdeckung bei diesem Verfahren
sollte theoretisch bei 100 % liegen.
[0076] In den weiteren besonders bevorzugten Ausführungsform C des Verfahrens erfolgt die
Isolierung der N-Termini aller Proteine einer Probe gemäß der nachfolgend gezeigten
Schritte C.1 bis C.4. Charakteristisch für diese Ausführungsform C ist die Analyse
von (synthetisch) blockierten N-Termini von Proteinen und die Blockierung z.B. mit
Citraconsäureanhydrid. Diese Verfahrensvariante hat den Vorteil, dass nur die N-Termini
von Proteinen analysiert werden (d. h. es wird nur ein Peptid pro Protein analysiert
bei ca. 100 % Proteinabdeckung, während bei dem obenbeschriebenen ICAT-Verfahren nur
alle cysteinhaltigen Peptide analysiert werden). Es ist anzumerken, dass ca. 16 %
der Proteine, die in der NCBI-Proteindatenbank verzeichnet sind, kein Cystein enthalten
und somit über Cystein-selektive Verfahren nicht nachgewiesen werden können. Die anderen
84 % der Proteine in der NCBI-Proteindatenbank enthalten mindestens ein Cystein und
viele enthalten mehrere Cysteine. Dies bedeutet, dass in dem ICAT-Verfahren eine deutlich
größere Anzahl an Peptiden analysiert werden müssen, was eine deutlich höhere Komplexität
des Verfahrens zur Folge hat.
C.1 Blockierung der N-Termini und Lysinreste durch Umsetzung mit Aldehyden, Isocyanat,
Isothiocyanaten, N-hydroxy-Succinimidester-Gruppe, Sulfonsäurehalogenide, aktivierte
Ester oder Säureanhydriden, insbesondere Citraconsäureanhydrid z.B. gemäß:

C.2 Spaltung mit Trypsin (nur noch an der C-terminalen Seite von Arg)
C.3 Kopplung an unlösliches Trägermaterial/Matrix (-R-N=C=S)
[0077] Hierbei werden also zuerst alle N-Termini blockiert. Nach der Spaltung liegen alle
internen und C-terminalen Fragmente wieder mit freiem N-Terminus vor, der an die Matrix
gekoppelt werden kann. Die einzigen Peptide, die nicht an die Matrix gekoppelt werden,
sind die N-Termini. Diese werden mittels HPLC fraktioniert und im MS analysiert. Eine
vorherige Markierung und Mischen verschiedener Proben ist optional.
[0078] Es ist aber auch eine weitere Reduktion des Peptidaufkommens möglich, wobei insbesondere
die Reaktivität von Methionin ausgenutzt werden kann. So ist es denkbar, die Spaltung
der Biopolymere mit anderen Enzymen oder chemisch durchzuführen (kombinierte Spaltung).
Hierdurch sollte sich die Anzahl der anfallenden Peptide drastisch ändern. Es ist
aber auch denkbar, die analog dem beschriebenen Verfahren an die Matrix gekoppelten
Peptide chemisch mit CNBr umzusetzen, so dass in diesem Fall Peptide von der Matrix
eluiert werden, die durch Spaltung an Methionin entstehen. Hierdurch kann z.B. eine
quasi zweistufige Extraktion der matrixgekoppelten Peptide erfolgen, da nach CNBr-Spaltung
nach wie vor die nichtlysinhaltigen Peptide eluiert werden können (durch Abbau analog
der Edman-Chemie). Auf diese Weise lässt sich das Verfahren in verschieden sensitive
Teilverfahren splitten, die auf verschiedene Organismen oder Fragestellungen angewandt
werden können.
[0080] Der (Homoserin-)Lactonring stellt eine aktive Komponente dar und kann mit Aminen
umgesetzt werden; eine quantitative Umsetzung wird deshalb sichergestellt, weil hierdurch
das Lacton aus dem Gleichgewicht abgezogen wird.
[0081] Das erfindungsgemäße Verfahren weist gegenüber dem ICAT-Verfahren folgende Unterschiede
auf:
A) Der elementare Unterschied des erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber dem ICAT-Verfahren
besteht darin, dass die Biopolymere NICHT mit einem detektierbaren Affinitäts-Tag
versehen werden. Die Biopolymere werden aufgrund inhärenter Eigenschaften selektioniert.
B) Reihenfolge der Arbeitsschritte:
ICAT: Markierung - Mischen - Selektion - Analyse
Erfindungsgemäßes Verfahren: Selektion - Markierung - Mischen - Analyse
C) Das erfindungsgemäße Verfahren beruht auf einer negativ-Selektion wohingegen ICAT
auf einer positiv-Selektion beruht (markierte Peptide werden durch Affinitätschromatographie
abgetrennt und dann per LC-MS analysiert).
D) Das erfindungsgemäße Verfahren verfügt über höhere Variabilität,
die selektive Entkopplung kann chem. oder enzymatisch erfolgen.
die Kopplung kann ebenfalls selektiv erfolgen.
E) Die Selektion des erfindungsgemäßen Verfahrens erfolgt NICHT über Affinität (Biot
/ Avidin) sondern durch
Ausbildung einer kovalenten Bindung (nicht Gleichgewichtsabhängig).
F) Das erfindungsgemäße Verfahren setzt in der Peptidchemie langjährig etablierte
und validierte chemische Verfahren ein.
[0082] Aufgrund dieser Unterschiede verfügt das erfindungsgemäße Verfahren der vorliegenden
Erfindung über zahlreiche Präzisierungsmöglichkeiten bei folgenden Arbeitsschritten:
A) Vorbehandlung der Probe zur Erhöhung der Selektivität (chem. Blockierung aller
N-Termini s. bevorzugte Ausführungsform C, chem. Modifikation von Spaltstellen)
B) Generierung der Fragmente mittels enzymatischer oder chemischer Spaltung
C) kovalente Kopplung der Fragmente über andere Funktionalitäten (s. Beispiele)
D) selektive Entkopplung der Fragmente (siehe Schema 1 Matrix-X-Linker- Y-Biopolymer).
[0083] Die vorliegende Erfindung wird anhand der folgenden Beispiele näher erläutert, die
jedoch nicht so auszulegen sind, dass sie den Umfang der Erfindung einschränken.
Beispiel:
[0084]
Reagenzien: NH2-funktionalisiertes Trägermaterial (z.B. Aminopropyl-Glas, APG) Toluol, pDITC, DMF,
THF, TFA, MeOH, Schutzgas, Essigsäure, HCI, Trietylamin (TEA)
Puffer B: 0.2 M Na2HPO4, pH 9.0, 1% SDS
Kopplung des Linkers an die Matrix:
- unter Schutzgas etwa 200 mg DITC in 5 ml trockenem DMF aufnehmen.
- 2 g Aminopropylglas-Beads zugeben
- 2 h inkubieren
- Lösungsmittel absaugen und
- Glasbeads mit 100 ml Benzol waschen
- Glasbeads anschließend mit 150 ml wasserfreiem MeOH waschen,
- im Vakuum trocknen und
- bei 4°C lagern
Kopplung des Biopolymers an den Linker/Waschen:
- Biopolymer trocknen
- Biopolymer in Puffer B resuspendieren
- geignete Menge APG/DITC-Trägermaterial und TEA zugeben
- 45 Minuten auf 55°C erhitzen
- Mit Puffer B, 20% TFA und Wasser ungebundene Bestandteile auswaschen (ggf. zur Analyse
mit Trennung und MS).
Entkopplung (analog gängiger Edman-Chemie) und Markierung:
- Feste Phase (APG-DITC-BP) trocknen
- Entkopplung mit TFA
- Flüssige Phase (enthält freie BP bzw. BP-Fragmente) in SpeedVac trocknen
- umsetzen mit F-SCN (F = fluoreszierender Rest) in THF, 30 min. 52 °C, wobei jede Probe
einen anderen flureszierenden Rest erhält (z.B. unterschiedliche) Emissionsmaxima,
unterschiedliche Masse, unterschiedliche Isotopenmarkierung)
- Trocknen
- Aufnehmen in wässriger Lösung.
[0085] Zu vergleichende Proben mischen und der folgenden Trennung und Analyse zuführen.
Trennung: Im folgenden werden die vereinigten Mischungen der markierten Biopolymere oder Biopolymerfragmente
mittels chromatographischer oder elektrophoretischer Verfahren getrennt. Die Detektion
erfolgt mit geeigneten Detektoren (z.B. Fluoreszenzdetektor und Massendetektor).
1. Verfahren zur Analyse komplexer Mischungen von Biopolymeren aus einer oder mehreren
Proben, das die folgenden Schritte umfasst:
(a) Spaltung der Biopolymere mittels eines oder mehrerer chemischer Reagenzien und/oder
eines oder mehrerer Enzyme in Fragmente;
(b) Kopplung aller oder eines Teils der in Schritt (a) erhaltenen Biopolymerfragmente
und/oder Biopolymere durch kovalente Bindung an einen Linker, der bereits an eine
Ankergruppe auf einem unlöslichen Trägermaterial gebunden ist;
(c) Waschen, wobei die im Schritt (b) nichtgekoppelten Biopolymerfragmente und/oder
Biopolymere von den im Schritt (b) an das unlösliche Trägermaterial gekoppelten Biopolymerfragmenten
und/oder Biopolymeren durch Waschen mit einem geeigneten Lösungsmittel abgetrennt
werden und gegebenenfalls einer unabhängigen Analyse zugeführt werden können;
(d) Entkopplung der an das unlösliche Trägermaterial gekoppelten Biopolymerfragmente
und/oder Biopolymere durch Spaltung der Bindung zwischen Linker und Biopolymerfragment
und/oder Biopolymer oder einer Bindung innerhalb des gekoppelten Biopolymerfragmentes
und/oder Biopolymers;
(e) kovalente Bindung einer Markierung an bestimmte oder an alle in Schritt (d) nicht
gekoppelten oder in Schritt (d) entkoppelten Biopolymerfragmente mittels Markierungsreagenzien,
wobei die Markierung eine Detektion des Biopolymerfragmentes aufgrund der chemischen
oder physikalischen Eigenschaft(en) erlaubt, die das Biopolymer oder eines oder mehrere
seiner Fragmente ohne Markierung nicht oder messbar verschieden ausgeprägt aufweisen,
und
(f) Trennung der in Schritt (e) markierten Biopolymerfragmente aufgrund ihrer charakteristischen
physikochemischen Eigenschaften und unter Detektion der Markierung.
2. Verfahren nach Anspruch 1, wobei
(i) die Biopolymere ausgewählt sind aus einem oder mehreren aus der Gruppe der Peptide,
Nukleinsäuren, Peptid-Nuklein-Säuren (PNAs), Lipide, Zucker und deren Derivate und/oder
die Fragmente ausgewählt sind aus einem oder mehreren aus der Gruppe der Aminosäuren,
Peptide, Nukleotide, Nukleinsäuren, Lipide, Zucker und deren Derivate; und/oder
(ii) die kovalente Bindung des Biopolymers an den Linker eine unter reduktiven Reaktionsbedingungen
stabile kovalente Bindung ist.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, wobei
(i) vor der Spaltung (Schritt (a)) ein Schritt zur Fraktionierung der komplexen Biopolymergemische
nach der Zelllyse durch chemische und/oder physikochemische Trennmethoden, bevorzugt
durch ein oder mehrere Verfahren ausgewählt aus subzelluläre Fraktionierung, Fällung,
freie Elektrophorese und chromatographische Verfahren, insbesondere Ionenaustauschchromatographie,
Ausschlusschromatographie (Gelfiltration) und Affinitätschromatographie vorgeschaltet
ist; und/oder
(ii) vor der Spaltung (Schritt (a)) eine Blockierung bestimmter Monomere an der Position
n innerhalb der Sequenz des Biopolymers erfolgt, so dass die Verknüpfung dieses blockierten
Monomers zu dem in der Sequenz unmittelbar vorangehenden (an der Position n-1) und/oder
nachfolgenden Monomeren (an der Position n+1) in Schritt (a) nicht gespalten wird;
und/oder
(iii) vor der Kopplung (Schritt (b)) eine Blockierung von einem oder beiden endständigen
Monomeren (Termini) des Biopolymers erfolgt, so dass die blockierten Termini in Schritt
(b) nicht an das feste Trägermaterial gekoppelt werden.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 3, wobei
(i) die Kopplung in Schritt (b) zuerst an den freien Linker erfolgt, und dann die
Addukte aus Biopolymerfragmenten und Linker und/oder Addukte aus Biopolymer und Linker
über eine funktionelle Gruppe des Linkers an die Ankergruppe des unlöslichen Trägermaterials
gebunden werden; und/oder
(ii) der Linker eine Verbindung mit zwei gleich- oder verschiedenartigen, unter den
Bedingungen des erfindungsgemäßen Verfahrens reaktiven funktionellen Gruppen ist,
wovon die eine funktionelle Gruppe die Bindung an die Ankergruppe und die andere funktionelle
Gruppe die Bindung an das Biopolymer oder eines oder mehrere seiner Fragmente ermöglicht;
und/oder
(iii) der Linker über zwei gleich- oder verschiedenartige funktionelle Gruppen X1 und X2 ausgewählt aus -NH2, -CN, -OH, -COOH, -COCI, -CON3, -CHO, -NN, -SH, -SCH3, -NNH, -CHCH2, -NCS, -NCO, -CNO, -CNS, -SO2Hal, -OPO32- Oxiran und Vinylsulfon verfügt, und vorzugsweise die Formel X1-(A)n-X2 aufweist (wobei A eine Aryl-, Heteroaryl-, Alkylgruppe, CH2-Struktur, Silyl-, Etheroder Thioether-Struktur umfasst und n eine natürliche Zahl
von 1 bis 20 ist, wobei A vorzugsweise einen Aminosäure-, Peptid-, Nukleosid- Nukleinsäureoder
PNA-Rest zusätzlich beinhaltet oder A einem Aminosäure-, Peptid-, Nukleosid- oder
Nukleinsäurerest entspricht).
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 4, wobei
(i) die in Schritt (c) erhaltene Waschlösung aufgefangen wird und die in der Waschlösung
enthaltenen Biopolymerfragmente und/oder Biopolymere wiederum dem Schritt (a) und
anschließend den weiteren Verfahrensschritten unterworfen werden; und/oder
(ii) für jedes Gemisch von Biopolymerfragmenten, die einer bestimmten Probe von Biopolymeren
entstammen, in Schritt (e) eine bestimmte Markierung gewählt wird, so dass sich die
so markierten Biopolymerfragmente dieser Probe zuordnen lassen, und wobei die Markierungen
verschiedener Proben vernachlässigbar unterschiedliche oder identische Einflüsse auf
das Trennverhalten der markierten Biopolymerfragmente aufweisen, bevorzugt als Markierung
in Schritt (e) ein Fluoreszenzfarbstoff, eine isotopenmarkierte, chirale und/oder
magnetische Verbindung an das Biopolymerfragment gebunden wird; und/oder
(iii) in Schritt (f) die markierten Biopolymerfragmente zusätzlich so getrennt werden,
dass nur diejenigen Fraktionen der Charakterisierung in Schritt (g) zugeführt werden,
die über unterschiedliche Intensität des aufgrund der Markierung detektierten Signals
verfügen, und so eine Verminderung der in Schritt (g) einzusetzenden Fraktionen erreicht
wird; und/oder vor der Trennung in Schritt (f) markierte Biopolymerfragmente aus verschiedenen
Ausgangsproben vermischt werden.
6. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 5, wobei die Schritte (a) (Spaltung),
(b) (Kopplung) und (e) (Markierung) in anderer Reihenfolge durchgeführt werden, vorzugsweise
(i) der Schritt (b) vor dem Schritt (a) durchgeführt wird, so dass die Kopplung der
Biopolymere an das feste Trägermaterial vor der Spaltung erfolgt; und/oder
(ii) der Schritt (e) vor dem Schritt (a) durchgeführt wird, so dass bereits markierte
Biopolymere fragmentiert werden, besonders bevorzugt die Kopplung in Schritt (b) über
die Markierung erfolgt.
7. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 6, wobei eine Charakterisierung
der in Schritt (e) getrennten, markierten Biopolymerfragmente durch spektrometrische
Methoden, insbesondere durch Massenspektrometrie erfolgt.
8. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 7, wobei Proteine und/oder
Peptide als Biopolymere und Peptide und/oder Aminosäuren und/oder deren Derivate als
Biopolymerfragmente dem Verfahren unterworfen werden, und wobei in Schritt (a)
ein oder mehrere Enzyme, insbesondere ausgewählt aus Trypsin, Submaxillarus-Protease,
Chymotrypsin, Staphylococcus-aureus-V8-protease, Asp-N-Protease, Pepsin, Lys-C, Glu-C,
Arg-C-Proteinase, Asp-N-Endopeptidase, BNPS-Skatole, Caspasen, Chymotrypsin, Clostripain,
Factor Xa, Glutamylendopeptidase, GranzymeB, Proline-Endopeptidase, Proteinase K,
Staphylococcus-Peptidase I, Tehrmolysin, Thrombin, Carboxypeptidasen und eine Kombination
derselben verwendet werden; oder
ein oder mehrere chemische Reagenzien ausgewählt aus Säure, insbesondere Salzsäure,
TFA und Aminsäure, Phenylisothiocyanat und Bromcyan verwendet werden.
9. Verfahren nach Anspruch 8, wobei Methionin und/oder methioninhaltige Peptide nach
Umsetzung mit Bromcyan durch Reaktion des entstandenen Homoserinlactons mit einer
Amingruppe des Linkers oder mit einer Amingruppe auf dem unlöslichen Trägermaterial
gekoppelt wird.
10. Verfahren nach Anspruch 8 oder 9, wobei
(ii) die Blockierung wie in Anspruch 3 definiert durch Umsetzung des Biopolymers mit
einem Reagenz ausgewählt aus Säurehalogenide, Säureanhydriden, Aldehyde, Isocyanat-Derivate,
Isothiocyanat-Derivat, Succinimid-Derivate, Imidazolyl-Carbamat-Derivate, Trauts-Reagenz-Derivate,
Sulfonsäurechlorid-Derivate, Oxiran-Derivate, Imidate, Hydrazide, Sufosuccinimidyl-Derivate,
Diimid-Derivate, Maleimid-Derivate, 7-Sulfobenzofurazan-Derivate, insbesondere Acetylchlorid
und Citraconsäureanhydrid erfolgt; und/oder
(ii) der Linker die Formel X1-(A)n-X2 aufweist, und wobei A eine Aryl-, Heteroaryl-, Alkylgruppe, CH2-Struktur, Silyl-, Ether- oder Thioether-Struktur umfasst und n eine natürliche Zahl
von 1 bis 20 ist, und X1 und X2 gleich- oder verschiedenartige funktionelle Gruppen der Formel -C(O)OR sind, wobei
R aus R1C(O)-, ortho-Nitrophenyl, -C(NR1)(NHR1), N-Oxysuccinimid und 1-Oxybenzotriazol, und R1 aus Niederalkyl, Cycloalkyl, Aryl, Alkenyl und Alkinyl ausgewählt ist; und/oder
(iii) in Schritt (b) 1,4-Diisothiocyanatobenzol als Linker verwendet wird; und/oder
(iv) als unlösliches Trägermaterial ein Harz, insbesondere Polystyrol eingesetzt wird;
und/oder
(v) die Entkopplung durch Erniedrigung des pH-Wertes erfolgt, so dass nur N-terminal
gebundene Peptide entkoppelt werden und nach der Entkopplung ein ATZ (Anilinothiazolidinon)
gebunden an das unlösliche Trägermaterial vorliegt; und/oder
(vi) die Markierung in Schritt (e) für die Detektion in Schritt (f) geeignete Fluoreszenzeigenschaften
aufweist; und/oder
(vii) die Trennung in Schritt (f) chromatographisch, bevorzugt mittels Flüssigkeitschromatographie
(LC), besonders bevorzugt mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC)
an Umkehrphasen erfolgt.
11. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 10, das zur Bestimmung der
Sequenz eines Peptids, eines Proteins, einer Nukleinsäure oder einer PNA geeignet
ist.
12. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 11, das zur Analyse von nicht
lysinhaltigen Peptiden aus fragmentierten Proteinen geeignet ist und welches die Schritte
(a) Isolieren von blockierten N-terminalen Fragmenten von Proteinen und
(b) Entkoppel aller lysinfreien Peptide umfasst, wobei die in (a) und (b) erhaltenen
Fraktionen einer weiteren differentiellen Analytik zugeführt werden.
13. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1 bis 12, welches zur Analyse von
(synthetisch) blockierten, vorzugsweise mit Citraconsäureanhydrid blockierten N-Termini
von Proteinen geeignet ist, wobei nur die N-Termini von Proteinen analysiert werden.
14. Kit zur Analyse komplexer Mischungen von Biopolymeren aus einer oder mehreren Proben,
umfassend wenigstens einen der folgenden Bestandteile:
(a) ein oder mehrere chemische Reagenzien oder Enzyme, wie in Anspruch 1, 8 und/oder
9 definiert, zur Spaltung der Biopolymere in Fragmente;
(b) ein oder mehrere Reagenzien zur Ausführung der Kopplung, wie in Ansprüchen 1,
2, 4 und/oder 6 beschrieben;
(c) ein oder mehrere unlösliche Trägermaterialien, wie in Ansprüchen 1 und/oder 10
definiert;
(d) einen oder mehrere Linker, wie in Ansprüchen 1 und/oder 10 definiert;
(e) ein oder mehrere Lösungsmittel zum Waschen gemäß Anspruch 1 oder 5;
(f) ein oder mehrere Reagenzien zur Ausführung der Entkopplung, wie in den Ansprüchen
1 oder 10 definiert; und
(g) ein oder mehrere Reagenzien zur kovalenten Bindung einer Markierung, wie in den
Ansprüchen 1, 5 und/oder 10 definiert.
15. Kit nach Anspruch 14, wobei die Biopolymere und/oder die Fragmente ausgewählt sind,
wie in Anspruch 2 definiert, und vorzugsweise die Biopolymere Proteine und die Fragmente
Peptide, Aminosäuren und/oder deren Derivate sind, und/oder wobei das Kit zusätzlich
einen oder mehrere Behälter mit einem oder mehreren Reagenzien zur Blockierung, wie
in Anspruch 10 definiert, enthält.