[0001] Die Erfindung betrifft ein pulvermetallurgisch hergestelltes Bauteil aus einer Hartmetalllegierung
mit einem Bindergehalt von 0,1 bis 20 Gew.%, die zumindest einen kornwachstumshemmenden
Zusatz enthält und ein Verfahren zu dessen Herstellung.
[0002] Unter Hartmetall versteht man einen Verbundwerkstoff, der im wesentlichen aus einer
karbidischen Komponente und einem Binder besteht. Zu den wichtigsten karbidischen
Komponenten zählen die Karbide bzw. Mischkarbide der Metalle W, Ti, Zr, Hf, V, Nb,
Ta, Mo und Cr. Typische Bindermetalle sind Co, Ni und Fe. Auch Zusätze von weiteren
Hartstoffen, wie beispielsweise Karbonitride, kommen zur Anwendung.
[0003] Die Eigenschaften von Hartmetallen sind vom Verhältnis Karbidgehalt zu Bindergehalt,
von der chemischen Zusammensetzung, der Karbidkorngröße und der Karbidkorngrößenverteilung
bestimmt. Damit eröffnen sich viele Möglichkeiten, die Eigenschaften von Hartmetall
auf das jeweilige Anwendungsgebiet anzupassen.
So bewirkt eine Erhöhung des Bindergehaltes eine Verbesserung der Bruchzähigkeit und
Biegefestigkeit, bei gleichzeitiger Verringerung der Härte, Steifigkeit und Druckfestigkeit.
Eine Verringerung der Karbidkorngröße führt zu einer Erhöhung der Härte, der Druck-
und Biegefestigkeit, bei reduzierter Schlag- und Bruchzähigkeit.
[0004] Angepasst an den jeweiligen Verwendungszweck kommen heute für die Herstellung von
Hartmetallbauteilen karbidische Pulver im Korngrößenbereich 0,2 µm bis 15 µm zum Einsatz.
Um bei Verwendung von feinkörnigem Karbidpulver die Kornvergröberung während des Sintervorganges
zu verringern, werden Kornwachstumshemmer beigefügt. Die wirksamsten kornwachstumshemmenden
Zusätze sind Vanadiumkarbid, Chromkarbid, Titankarbid, Tantalkarbid und Niobkarbid.
Vielfach werden auch zwei oder mehrere Zusätze verwendet, wie beispielsweise Mischungen
aus VC und Cr
3C
2 oder TaC, NbC und TiC. Der kornwachstumshemmende Zusatz kann dabei bereits vor bzw.
während der Karburierung feinst in der Hauptkomponente verteilt werden. Die Wirksamkeit
ist jedoch auch gegeben, wenn der Kornwachstumshemmer dem Hartmetallpulver oder einzelnen
Bestandteilen des Hartmetallpulvers vor, während oder nach der Mahlung beigemengt
wird.
[0005] Hartmetallbauteile können örtlich sehr unterschiedlich belastet sein. Daher sind
schon früh Lösungen bekannt bzw. auch umgesetzt worden, die auf einem Werkstoffverbund
aus zwei oder mehreren Hartmetalllegierungen beruhen. So beschreibt die US 5 543 235
einen Hartmetallwerkstoffverbund, der durch pulvermetallurgisches Verbundpressen hergestellt
wird, wobei sich die einzelnen Werkstoffbereiche durch ihre Zusammensetzung oder Mikrostruktur
unterscheiden. Ein rotierendes Verbundwerkzeug, das aus zwei Hartmetalllegierungen
aufgebaut ist, ist auch in der PCT/US00/33644 beschrieben. Die Herstellung erfolgt
ebenfalls bevorzugt über Verbundpressen.
[0006] Eine weitere Verfahrenstechnik zur Herstellung eines Hartmetallverbundkörpers geht
aus der US 5 594 931 hervor. Auf einen Grünling wird ein Schlicker aufgebracht, der
aus einer Pulvermischung, einem Lösungsmittel, einem Binder und einem Plastifizierungsmittel
besteht. Der so hergestellte Verbundgrünling wird durch Sintern verdichtet.
[0007] Nachteilig bei den hier beschriebenen Werkstoffverbunden ist jedoch, dass in den
Bereichen des Verbundkörpers, wo Werkstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften aufeinandertreffen,
Spannungskonzentrationen entstehen. Weiters ist zu berücksichtigen, dass jede Werkstoffkomponente
ihr eigenes Sinterverhalten aufweist. Dies kann einen Verzug des Bauteils während
des Sintern auslösen.
[0008] Führt man den Übergang zwischen zwei Werkstoffbereichen jedoch in der Zusammensetzung
gradiert aus, so können Spannungsspitzen weitgehendst vermieden werden. Unter einem,
in der Zusammensetzung, gradierten Aufbau versteht man, dass sich die Zusammensetzung
über einen Bereich graduell - kontinuierlich ändert. Speziell bei beschichtetem Hartmetall
sind gradierte Ausführungen im Bereich der Schicht, im Bereich des Überganges Schicht/Grundmaterial
und im benachbarten Grundmaterial seit langem bekannt. Diese Gradierung erreicht man
beispielweise durch den Zusatz von Karbonitriden. Während des Sinterns kommt es zu
einem Abbau des Stickstoffs in der Randzone des Hartmetallkörpers. Die metallischen
karbid-, bzw. nitridbildenden Elemente diffundieren in Richtung Zentrum des Hartmetallkörpers.
Damit erreicht man eine Binderanreicherung im Bereich der Randzone und einen gradierten
Übergang zur Matrixzusammensetzung. So werden Wendeschneidplatten mit einer binderreichen
Randzone, benachbart der Hartstoffschicht, seit langem für die Stahlzerspanung eingesetzt.
Die Gradierung ist jedoch auf einen kleinen, oberflächennahen Bereich beschränkt.
[0009] Für hoch belastete Bauteile ist es vorteilhaft, einen, über einen weiten Bereich,
gradierten Aufbau einzustellen. Es können damit deutliche Standzeitverbesserungen
erreicht werden, und zwar speziell dann, wenn sich die mechanischen Anforderungen
an das Hartmetall im Rand- und Kernbereich unterscheiden.
[0010] Da die üblichen Bindermetalle, wie beispielsweise Kobalt, bei Sintertemperatur eine
hohe Diffusivität zeigen, ist es möglich, einen Konzentrationsausgleich in der Übergangszone
zwischen zwei Hartmetalllegierungen, die einen unterschiedlichen Kobaltgehalt aufweisen,
über Diffusionsprozesse zu erreichen. Dadurch kann ein kontinuierlicher Übergang eingestellt
werden. Ein Verfahren dazu ist beispielsweise in der EP 0 871 556 beschrieben. Ein
Verbundkörper, der zumindest aus zwei Bereichen, die sich im Bindergehalt unterscheiden,
wird durch Verbundpressen hergestellt. Beim Sintern ist die Temperatur so einzustellen,
dass das Bindermetall aus dem Verbundbereich mit dem höheren Bindergehalt in den Verbundbereich
mit niedrigerem Bindergehalt diffundiert. Nachteilig dabei ist, dass die Sintertemperatur
sehr exakt einzustellen ist, um nicht einen vollständigen Konzentrationsausgleich
und damit Verlust der unterschiedlichen Werkstoffeigenschaften zu erreichen. Ein weiterer
Nachteil ist, dass das Verbundpressen mit höheren Fertigungskosten verbunden ist,
als dies bei der Herstellung eines monolithischen Grünlings der Fall ist.
[0011] In der EP 0 247 985 und der EP 0498 781 sind ebenfalls Hartmetallkörper mit einem
Gradienten der Binderphase und ein Verfahren zur Herstellung beschrieben. Dabei wird
zunächst unter Einsatz einer unterkohlten Ausgangspulvermischung mittels üblicher
Prozessschritte ein Sinterkörper mit gleichmäßig verteilter η-Phase hergestellt. Über
eine anschließende Behandlung in aufkohlender Atmosphäre erreicht man eine Auflösung
der η-Phase im Bereich der Randzone. In Richtung Zentrum des Hartmetallkörpers nimmt
der Anteil η-Phase graduell zu, der Bindermetallgehalt graduell ab. Nachteilig jedoch
ist, dass die η-Phase versprödend wirkt. Zudem ist der zusätzliche Karburierschritt
zeit- und energieaufwendig.
[0012] In der EP 0 111 600 ist ein hoch beanspruchtes Werkzeug für die Gesteinsbearbeitung
beschrieben. Dieses besteht aus einem inneren und einem äußeren Bereich, mit einem
kontinuierlichen Übergang der mechanischen Eigenschaften zwischen diesen Bereichen.
Als Verfahrenstechnik ist eine aufwendige Pulverzuführung vorgeschlagen, mit der es
möglich ist, während des Füllvorganges die Konzentration des Pulvers kontinuierlich
zu ändern. Eine solche Pulverzuführung ist apparativ aufwendig und prozesstechnisch
schwierig zu beherrschen.
[0013] Es ist somit Aufgabe dieser Erfindung, ein Hartmetallbauteil mit gradiertem Aufbau
bereitzustellen, das die Nachteile des Standes der Technik nicht aufweist. Es ist
weiters Aufgabe der Erfindung, ein Verfahren zu dessen Herstellung anzugeben.
[0014] Gelöst wird diese Aufgabe durch ein Bauteil aus einer Hartmetalllegierung und ein
Verfahren zu dessen Herstellung, wobei die Hartmetalllegierung zumindest ein Karbid,
Mischkarbid oder Karbonitrid der Metalle der Gruppe W, Ti, Ta, Mo, Zr, Hf, V, Nb,
Cr und V, zumindest einen kornwachstumshemmenden Zusatz der Gruppe V, Cr, Ti, Ta und
Nb oder eine Verbindung dieser Metalle und zumindest einen metallischen Binder der
Gruppe Co, Ni und Fe enthält, wobei zumindest einer der kornwachstumshemmenden Zusätze
zumindest lokal einen gradierten Konzentrationsverlauf aufweist.
[0015] Der gradierte Konzentrationsverlauf des kornwachstumshemmenden Zusatzes führt zu
einem gradierten Verlauf der Karbidkorngröße. In weiterer Folge zeigen auch die mechanischen
Eigenschaften einen gradierten Verlauf. Dies ist beispielsweise dort vorteilhaft,
wo eine hohe Verschleißbeständigkeit und Biegebruchfestigkeit an der Oberfläche und
gleichzeitig eine hohe Zähigkeit im Kern gefordert ist, wie beispielsweise bei Umformwerkzeugen
oder Werkzeugen für die Diamantherstellung. Wird nun der Konzentrationsverlauf des
kornwachstumshemmenden Zusatzes so eingestellt, dass im Bereich der Randzone die Konzentrationswerte
höher liegen und diese in Richtung des Zentrums des Bauteils abnehmen, liegt die Randzone
feinkörnig vor, mit einem gradierten Übergang zum grobkörnigeren Zentrum. Dadurch
können Bauteile mit einer ausgezeichneten Verschleißbeständigkeit und Biegebruchfestigkeit
im Bereich der Randzone, verbunden mit einer hohen Zähigkeit des Zentrums hergestellt
werden. Diese weisen eine verbesserte Werkzeugstandzeit auf. Bei hoher zyklischer
oder schlagender Beanspruchung kann wiederum eine hohe Risszähigkeit im Bereich der
Randzone vorteilhaft sein. Dies wird durch einen verringerten Gehalt an kornwachstumshemmenden
Zusatz im Bereich der Randzone erreicht. Durch einen gradierten Verlauf der Korngröße
und ein feinkörnigeres Zentrum werden die Druck- und Biegefestigkeitseigenschaften
im Kern des Bauteiles verbessert. Diese Ausführung ist auch bei beschichteten Teilen
günstig. Der erfindungsgemäße Wirkung ist auch dann gegeben, wenn die Hartmetalllegierung
weitere nicht karbidische Hartstoffphasen enthält, solange dadurch die mechanischen
Eigenschaften nicht nennenswert ungünstig beeinflusst werden.
Als vorteilhafte kornwachstumshemmende Zusätze sind Vanadium- und Chromverbindungen
zu nennen, wobei die maximale Konzentration 2 Gew.% beträgt. Höhere Gehalte führen
zu Versprödungseffekten. Als besonders vorteilhaftes Verfahren ist das oberflächliche
Aufbringen einer Dispersion oder Lösung auf einem Grünling zu nennen. Die Dispersion
enthält dabei den kornwachstumshemmenden Zusatz in feinst verteilter Form. Der Grünling
kann im wie-gepressten Zustand vorliegen. Enthält der Grünling Wachs-, bzw. Plastifizierungsmittelzusätze,
kann dieser, entsprechend einer vorteilhaften Ausgestaltung der vorliegenden Erfindung,
auch im entwachsten oder teilentwachsten Zustand vorliegen. Das Aufbringen der Dispersion
bzw. Lösung kann beispielsweise durch Tauchen, Aufsprühen oder Aufpinseln erfolgen.
In weiterer Folge dringt die Dispersion bzw. Lösung entlang offener Porenkanäle in
das Innere des Grünlings ein. Die Einwirkzeit und der Gehalt der Dispersion bzw. Lösung
an kornwachstumshemmendem Zusatz bestimmen im wesentlichen die eingebrachte Menge
bzw. die Eindringtiefe. Es kann daher, je nach Anforderungsprofil, eine Gradierung
eingestellt werden, die sich nur im Mikrometermassstab erstreckt. Es ist jedoch auch
möglich, die Gradierung so auszuführen, dass diese bis zum Zentrum des Bauteils reicht.
Des weiteren kann der Prozess auch so durchgeführt werden, dass zunächst der Grünling
vollständig mit der Dispersion getränkt wird. Diese wird dann durch entsprechende
Lösungsmittel oder durch thermische Verfahren wieder aus den oberflächennahen Bereichen
entfernt. Weiters kann die Dispersion auf der gesamten Oberfläche oder auch nur örtlich
aufgebracht werden. Speziell das örtliche Aufbringen ermöglicht die Herstellung von
Bauteilen bzw. Werkzeugen, die nur dort eine hohe Härte aufweisen, wo Verschleißbeständigkeit
erforderlich ist. Die restlichen Bereiche weisen ein gröberes Gefüge mit hoher Risszähigkeit
auf. Weiters erweist es sich als vorteilhaft, wenn die karbidische Komponente des
Grünlings eine mittlere Korngröße von kleiner 2 µm aufweist.
Im folgenden sind Herstellbeispiele angeführt, die exemplarisch die erfindungsgemäße
Ausführung erläutern sollen. Zur Veranschaulichung der Ergebnisse der Beispiele 1
bis 3 dienen Fig. 1 bis Fig. 5.
Fig. 1 zeigt den Vanadium-Gehalt über den Probenquerschnitt. In Fig.2 ist neben dem
Vanadium-Gehalt auch die Karbidkorngröße angegeben. Fig.3 und Fig. 5 zeigen jeweils
den Härteverlauf über den Probenquerschnitt. Fig. 4 zeigt schematisch den Querschnitt
eines Ziehwerkzeuges. Fig. 1 und Fig. 2 beziehen sich dabei auf Beispiel 1, Fig. 3
auf Beispiel 2, Fig. 4 und Fig. 5 auf Beispiel 3.
Beispiel 1
[0016] Ein Hartmetallansatz mit 94 Gew.% WC einer mittleren Korngröße von 1 µm, Rest Co,
wurde nach den in der Hartmetallindustrie üblichen Verfahren hergestellt. Durch Matrizenpressen
mit einem Pressdruck von 50 kN wurden dabei Grünlinge in Form von Wendeschneidplatten
hergestellt. Die Grünlinge wurden einem üblichen Entwachungsprozess unterzogen. Weiters
wurde eine Dispersion aus destilliertem Wasser und V
2O
5 zubereitet, wobei der Feststoffanteil 2 Gew.% und die mittlere V
2O
5 Teilchengröße weniger als 50 nm betrug. In weiterer Folge wurden die Grünlinge für
5 Sekunden in die oben beschriebene Dispersion getaucht und anschließend an Luft bei
50°C getrocknet. Diese Proben wurden mit Referenzgrünlingen, die nicht nachbehandelt
wurden, bei einer Temperatur von 1400°C unter Vakuum gesintert. Die Analyse der Proben
erfolgte mittels Elektronenstrahl-Mikrosonde, die mikrostrukturelle und mechanische
Charakterisierung durch eine lichtmikroskopische Untersuchung bzw. Härteprüfung, jeweils
an Querschliffen. Fig. 1 zeigt, dass der Vanadium-Gehalt im Bereich der Randzone 0,24
Gew.% beträgt und dieser Wert graduell über den Querschnitt der Probe nach innen hin
abnimmt. Der Vanadium-Gehalt in einem Abstand von 3,8 mm vom Probenrand beträgt 0,08
Gew.%. Bei der Referenzprobe lagen die entsprechenden Vanadium-Konzentrationen unter
der Nachweisgrenze der Mikrosonde. Die gradierte Vanadium-Verteilung führt zu einem
gradierten Kornstabilisierungseffekt, wie dies die WC-Korngrößenwerte in Fig. 2 dokumentieren.
Während die mittlere Korngröße von der Randzone in Richtung Zentrum zunimmt, nehmen
die entsprechenden Härtewerte ab, wie dies in Fig. 3 gezeigt ist.
Beispiel 2
[0017] Ein Hartmetallansatz mit 89,5 Gew.% WC einer mittleren Korngröße von 0,8 µm, 0,5
Gew.% Cr
3C
2, Rest Co wurde nach den in der Hartmetallindustrie üblichen Verfahren hergestellt.
Durch Matrizenpressen mit einem Pressdruck von 50 kN wurden Grünlinge in Form von
Wendeschneidplatten hergestellt. Die Grünlinge wurden einem üblichen Entwachungsprozess
unterzogen. Weiters wurde eine Dispersion aus destilliertem Wasser und V
2O
5 zubereitet, wobei der Feststoffanteil 2 Gew.% und die mittlere V
2O
5 Teilchengröße weniger als 50 nm betrug. In weiterer Folge wurden die Grünlinge für
5 Sekunden in die oben beschriebene Dispersion getaucht und anschließend an Luft bei
50°C getrocknet. Diese Proben wurden mit Referenzgrünlingen, die nicht nachbehandelt
wurden, bei einer Temperatur von 1400°C unter Vakuum gesintert. Die Analyse der Proben
erfolgte mittels Elektronenstrahl-Mikrosonde, die mikrostrukturelle und mechanische
Charakterisierung durch eine lichtmikroskopische Untersuchung bzw. Härteprüfung. Die
erfindungsgemäßen Proben zeigen wiederum einen gradierten Vanadium-Konzentrationsverlauf,
mit einem Randzonenwert von 0,21 Gew.% V und einem Zentrumswert von 0,03 Gew.% V.
Die entsprechenden Härtewerte liegen bei 1698 HV30 bzw. bei 1648 HV30. Der Härteverlauf
ist in Fig.3 wiedergegeben. Die Referenzprobe zeigt einen über den Querschnitt gleichmäßigen
Härteverlauf mit einem Mittelwert bei 1605 HV30. Die erfindungsgemäßen Proben und
die Referenzproben wurden auch einem Biegeversuch unterzogen. Der Mittelwert aus zehn
Messungen beträgt bei den erfindungsgemäßen Proben 3950 MPa, bei den Vergleichsproben
3500 MPa.
Beispiel 3
[0018] Ein Hartmetallansatz mit 93,4 Gew.% WC mit einer mittleren Korngröße von 2,0 µm,
0,2 Gew.% TiC, 0,4 Gew.% TaC/NbC, Rest Co wurde nach den in der Hartmetallindustrie
üblichen Verfahren hergestellt. Durch isostatisches Pressen mit einem Pressdruck von
100 MPa wurden zylindrische Grünlinge hergestellt, die durch mechanische Bearbeitung
zu einem Hartmetallziehwerkzeug geformt wurden. Die Grünlinge wurden einem üblichen
Entwachungsprozess unterzogen. Es wurde wiederum eine Dispersion aus destilliertem
Wasser und V
2O
5 hergestellt, wobei der Feststoffanteil 2 Gew.% betrug, bei einer Partikelgröße der
dispergierten V
2O
5 Teilchen von kleiner 50 nm. In weiterer Folge wurde selektiv die Dispersion im Einlauf-
und Bohrungsbereich aufgetragen. Die Trocknung erfolgte wiederum bei 50°C an Luft.
Diese Proben wurden bei einer Temperatur von 1400°C in Vakuum gesintert. Durch metallographische
Probenpräparation wurde eine Querschliff angefertigt, wie in Fig. 4 dargestellt. Fig.
4 zeigt auch den Bereich, wo die Charakterisierung mittels Elektronenstrahl-Mikrosonde
und Härteprüfung vorgenommen wurde. Der Vanadium-Gehalt beträgt in der Randzone 0,18
Gew.%, in einem Abstand von 2 mm vom Probenrand nur noch 0,11 Gew.%. Fig. 5 zeigt
den graduellen Härteverlauf.
1. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung, enthaltend zumindest ein Karbid, Mischkarbid
oder Karbonitrid der Metalle der Gruppe W, Ti, Ta, Mo, Zr, Hf, V, Nb, Cr und V, zumindest
einen kornwachstumshemmenden Zusatz der Gruppe V, Cr, Ti, Ta und Nb oder eine Verbindung
dieser Metalle, und zumindest einen metallischen Binder der Gruppe Co, Ni und Fe,
wobei der Bindergehalt 0,1 - 20 Gewichtsprozent beträgt, dadurch gekennzeichnet,
dass zumindest einer der kornwachstumshemmenden Zusätze zumindest lokal einen gradierten
Konzentrationsverlauf aufweist.
2. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass dieses zumindest örtlich einen gradierten Verlauf der Korngröße aufweist.
3. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
dass dieses zumindest örtlich einen gradierten Härteverlauf aufweist.
4. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass der kornwachstumshemmende Zusatz von der Randzone des Bauteils in Richtung Zentrum
des Bauteils gradiert abnimmt.
5. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass die Karbidkorngröße von der Randzone des Bauteils in Richtung des Zentrums des Bauteils
gradiert zunimmt.
6. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet,
dass der kornwachstumshemmende Zusatz von der Randzone des Bauteils in Richtung Zentrum
des Bauteils gradiert zunimmt.
7. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass die Karbidkorngröße von der Randzone des Bauteils in Richtung Zentrum des Bauteils
gradiert abnimmt.
8. Bauteil aus einer Hartmetalllegierung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet,
dass der kornwachstumshemmendem Zusatz aus Cr und/oder V oder einer Verbindung dieser
Metalle besteht und der maximale Gehalt bezogen auf die Hartmetalllegierung 2 Gew.%
beträgt und dieser graduell auf einen Wert x absinkt, mit 0 < x < 1.0 Gew.%.
9. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass dessen Herstellung zumindest folgende Verfahrensschritte umfasst:
- Herstellen eines Grünlings aus einer Hartmetalllegierung, enthaltend zumindest ein
Karbid, Mischkarbid oder Karbonitrid der Metalle der Gruppe W, Ti, Ta, Mo, Zr, Hf,
V, Nb, Cr und V, zumindest einen metallischen Binder aus der Gruppe Co, Ni und Fe
und optional einen Wachszusatz oder ein Plastifizierungsmittel, nach den üblichen
pulvermetallurgischen Kompaktierungs- bzw. Formgebungsverfahren;
- Herstellen einer Dispersion oder Lösung, die zumindest einen kornwachstumshemmenden
Zusatz aus der Gruppe V, Cr, Ti, Ta und Nb oder einer Verbindung dieser Metalle in
fein verteilter oder gelöster Form enthält;
- Aufbringen und dieser Dispersion oder Lösung auf die Oberfläche des Grünlings durch
beispielsweise Tauchen, Aufsprühen oder Aufpinseln;
- Gezieltes Einwirkenlassen zur Einstellung des Konzentrationsgradienten
- Warmkonsolidierung.
10. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass dessen Herstellung zumindest folgende Verfahrensschritte umfasst:
- Herstellen eines Grünlings aus einer Hartmetalllegierung, enthaltend zumindest ein
Karbid, Mischkarbid oder Karbonitrid der Metalle der Gruppe W, Ti, Ta, Mo, Zr, Hf,
V, Nb, Cr und V, zumindest einen metallischen Binder aus der Gruppe Co, Ni und Fe
und optional einen Wachszusatz oder ein Plastifizierungsmittel, nach den üblichen
pulvermetallurgischen Kompaktierungs- bzw. Formgebungsverfahren;
- Herstellen einer Lösung, die zumindest einen kornwachstumshemmenden Zusatz aus der
Gruppe V, Cr, Ti, Ta und Nb oder eine Verbindung dieser Metalle enthält;
- Aufbringen dieser Lösung auf die Oberfläche des Grünlings durch beispielsweise Tauchen,
Aufsprühen oder Aufpinseln;
- Gezieltes Einwirkenlassen zur Einstellung eines Konzentrationsgradienten oder vollständiger
Durchdringung;
- Gradueller Abbau des Kornwachstumshemmers aus oberflächennahen Bereichen durch eine
thermische Behandlung und/oder ein Lösungsmittel;
- Warmkonsolidierung.
11. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Dispersion oder Lösung nur auf einen Teilbereich der Bauteiloberfläche aufgebracht
wird.
12. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass die karbidische Pulverkomponente des Grünlings eine mittlere Korngröße von < 2 µm
aufweist.
13. Verfahren zur Herstellung eines Bauteils nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, dass der Grünling durch einen Wärmebehandlungsschritt zumindest teilentwachst wird.