(57) Es wird ein Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften und/oder vereisten
Verdampfers, insbesondere eines Kühlmöbel-Verdampfers, bei dem die Temperaturen der
Verdampfer-Rückluft (T
RL) und der Verdampfer-Zuluft (T
ZL) sowie die Verdampfungstemperatur erfasst werden, beschrieben.
Erfindungsgemäß wird bzw. werden
a) die relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft erfasst,
b) die relative Feuchte (ϕZL) der Verdampfer-Zuluft mit 1 angenommen, da diese nach dem Durchgang durch den Verdampfer
im gesättigten Zustand vorliegt,
c) der Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers ermittelt,
d) mittels der Zustandsgleichung für feuchte Luft die Wasserbeladung am Verdampferein-
(xRL) und -austritt (xZL) bestimmt und die am Verdampfer angelagerte Wassermenge (Δx = xRL - xZL) ermittelt,
e) mittels der Gleichung mW = ρL*VL*Δx*Δt für ein Zeitintervall (Δt) die am Verdampfer angelagerte Wassermasse ermittelt,
wobei der Parameter ρL für die Dichte der Luft steht,
f) zwischen zwei Abtauprozessen die derart ermittelten Wassermassenwerte (mw) aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen, und
g) bei Erreichen des Wassermassen-Sollwertes ein Abtauprozess eingeleitet.
[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften
und/oder vereisten Verdampfers, insbesondere eines Kühlmöbel-Verdampfers, bei dem
die Temperaturen der Verdampfer-Rückluft (T
RL) und der Verdampfer-Zuluft (T
ZL) sowie die Verdampfungstemperatur erfasst werden.
[0002] Bisher wird ein Abtauprozess bei Verdampfern von Kühlmöbeln in der Regel in fest
vorgegebenen Intervallen - beispielsweise zwei mal pro Tag - durchgeführt. Dazu werden
mittels einer Abtauuhr feste Abtauzeiten - z. B. 6.00 und 18.00 Uhr-festgelegt. Zu
diesen Zeiten wird dann ein Abtauprozess eingeleitet, der erst dann beendet wird,
wenn ein an dem abzutauenden Verdampfer angeordneter Temperaturfühler einen vorgegebenen
Sollwert erreicht hat.
[0003] Bei einem sog. Bedarfsabtauprozess wird die für den Abtauprozess tatsächlich benötigte
Abtaudauer - also das Zeitintervall zwischen Abtaubeginn und -ende - von der Abtausteuerung
ermittelt und gespeichert. Anhand dieser gespeicherten Abtaudauer wird anschließend
festgelegt, ob aufgrund eines geringen Reifaufbaus am Verdampfer der nächste bzw.
die nächsten regulären, fest vorgegebenen Abtauprozesse übersprungen werden können.
[0004] Nachteilig bei dieser Verfahrensweise ist jedoch, dass auf Basis des letzten Abtauprozesses
Vorhersagen über zukünftige Abtauprozesse getroffen werden. Alle aktuellen Belastungsänderungen
des abzutauenden Verdampfers können somit nicht berücksichtigt werden.
[0005] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein gattungsgemäßes Verfahren zum Steuern
des Abtauprozesses eines bereiften und/oder vereisten Verdampfers anzugeben, das den
vorbeschriebenen Nachteil vermeidet.
[0006] Dies wird erfindungsgemäß dadurch erreicht, dass
a) die relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft erfasst wird,
b) die relative Feuchte (ϕZL) der Verdampfer-Zuluft mit 1 angenommen wird, da diese nach dem Durchgang durch den
Verdampfer im gesättigten Zustand vorliegt,
c) der Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers ermittelt wird,
d) mittels der Zustandsgleichung für feuchte Luft die Wasserbeladung am Verdampferein-
(xRL) und -austritt (xZL) bestimmt und die am Verdampfer angelagerte Wassermenge (Δx = xRL - xZL) ermittelt wird,
e) mittels der Gleichung mw = ρL * VL * Δx * Δt für ein Zeitintervall (Δt) die am Verdampfer angelagerte Wassermasse ermittelt
wird, wobei der Parameter ρL für die Dichte der Luft steht,
f) zwischen zwei Abtauprozessen die derart ermittelten Wassermassenwerte (mw) aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen werden,
und
g) bei Erreichen des Wassermassen-Sollwertes ein Abtauprozess eingeleitet wird.
[0007] Eine dazu alternative Verfahrensweise zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften
und/oder vereisten Verdampfers ist dadurch gekennzeichnet, dass
a) die relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft erfasst wird,
b) die relative Feuchte (ϕZL) der Verdampfer-Zuluft mit 1 angenommen wird, da diese nach dem Durchgang durch den
Verdampfer im gesättigten Zustand vorliegt,
c) der Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers ermittelt wird,
d) mittels der Zustandsgleichung für feuchte Luft die Wasserbeladung am Verdampferein-
(xRL) und -austritt (xZL) bestimmt und die am Verdampfer angelagerte Wassermenge (Δx = xRL - xZL) ermittelt wird,
e) mittels der Gleichung mw = ρL* VL * Δx * Δt für ein Zeitintervall (Δt) die am Verdampfer angelagerte Wassermasse ermittelt
wird, wobei der Parameter ρL für die Dichte der Luft steht,
f) zwischen zwei Abtauprozessen die derart ermittelten Wassermassenwerte (mw) aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen werden,
g) bei Erreichen oder unmittelbar vor dem Erreichen eines einstellbaren Abtauprozess-Zeitpunktes
ein Vergleich zwischen dem Wassermassen-Sollwert und dem aktuellen Wassermassenwert
erfolgt,
h) mittels des aktuellen Wassermassenwertes und der durchschnittlichen Entfeuchtungsrate
seit dem letzten Abtauprozess der voraussichtliche Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes
ermittelt wird und
i) sofem der Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes nach dem eingestellten
Abtauprozess-Zeitpunkt eintritt, der nächstfolgende Abtauprozess übersprungen oder
verzögert wird, während
j) sofem der Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes vor dem eingestellten
Abtauprozess-Zeitpunkt eintritt, der nächstfolgende Abtauprozess eingeleitet wird.
[0008] Lediglich zur Klarstellung sei angemerkt, dass die Begriffe "Verdampfer-Rückluft"
bzw. "Verdampfer-Zuluft" jeweils den Luftstrom bezeichnen, der in den Verdampfer eintritt
bzw. aus dem Verdampfer austritt.
[0009] Die vorbeschriebenen beiden Alternativen sind nun hinsichtlich der Merkmale a) bis
f) identisch. Erst dann folgt eine unterschiedliche Verfahrensführung, der zufolge
bei der ersten Variante immer dann, wenn der vorgegebene Wassermassen-Sollwert erreicht
wird, zwangsläufig ein Abtauprozess eingeleitet wird.
[0010] Im Falle der zweiten Alternative findet beim Erreichen oder unmittelbar vor dem Erreichen
eines einstellbaren Abtauprozess-Zeitpunktes - also beispielsweise um 6.00 und 18.00
Uhr - ein Vergleich zwischen dem eingestellten Wassermassen-Sollwert und dem aktuellen
Wassermassenwert statt. In Abhängigkeit davon, ob der eingestellte Wassermassen-Sollwert
bereits erreicht ist oder nicht, wird dann entweder ein Abtauprozess zu dem festgelegten
Abtauprozess-Zeitpunkt eingeleitet oder nicht.
[0011] Die für die Erfassung der vorgenannten Parameter erforderlichen Messgeräte bzw. -fühler
sind dem Fachmann hinlänglich bekannt, so dass auf deren Funktionsweisen und Anordnung
relativ zu dem Verdampfer im Folgenden nicht näher eingegangen wird.
[0012] Im Regelfall ist es ausreichend, dass - entsprechend einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen
Verfahrens - der Parameter Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers lediglich einmal
ermittelt wird, da dieser Parameter für die Kühlbetriebsphase als konstant angenommen
werden kann. Die Begründung hierfür ist darin zu sehen, dass während einer stabilen
Kühlphase der Umluftvolumenstrom nur geringfügig absinkt. Bei einem starken Absinken
dieses Stromes liegt ein instabiler Betriebszustand vor, der aber wiederum durch ein
rechtzeitiges Einleiten eines Abtauprozesses verhindert werden kann.
[0013] Die Luft tritt somit mit einer Temperatur T
RL und der relativen Feuchte ϕ
RL in den Verdampfer ein und verlässt diesen mit der Temperatur T
ZL in gesättigtem Zustand. Die relative Feuchte ϕ
ZL der Verdampfer-Zuluft ist daher mit 1 anzunehmen.
[0014] Gemäß Merkmal f) werden die zwischen zwei Abtauprozessen ermittelten Wassermassenwerte
aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen. Unter dem
Begriff "zwischen zwei Abtauprozessen" sei auch der Zeitraum zwischen einer (Wieder)Inbetriebnahme
des Verdampfers bzw. des Kühlmöbels und dem ersten darauf folgenden Abtauprozess zu
verstehen.
[0015] Die zweite Alternative des erfindungsgemäßen Verfahrens kann nun dahingehend ausgestaltet
werden, dass spätestens bei Erreichen des Wassermassen-Sollwertes ein Abtauprozess
eingeleitet wird.
[0016] Mittels dieser Ausgestaltung wird sichergestellt, dass unabhängig davon, wie lange
der Zeitraum bis zum nächstfolgenden Abtauprozess-Zeitpunkt noch dauert, immer dann
zwangsläufig ein Abtauprozess eingeleitet wird, wenn der eingestellte Wassermassen-Sollwert
erreicht ist. Dies kann beispielsweise dann erforderlich werden, wenn der Verdampfer
einer außergewöhnlich großen Belastung ausgesetzt ist.
[0017] Vorzugsweise werden die vorgenannten Parameter relative Feuchte (ϕ
RL) der Verdampfer-Rückluft, Wasserbeladung am Verdampfereintrit (x
RL) und Wasserbeladung am Verdampferaustritt (x
ZL) im Wesentlichen kontinuierlich erfasst.
[0018] Das erfindungsgemäße Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften und/oder
vereisten Verdampfers ermöglicht nunmehr eine kontinuierliche Erfassung der realen
Wasserbeladung am Verdampfer, was zur Folge hat, dass der jeweils optimale Zeitpunkt
für einen tatsächlich erforderlichen Abtauprozess bestimmt werden kann. Daraus resultiert
eine Optimierung des Energieverbrauchs des den oder die Verdampfer aufweisenden Kühlmöbels
sowie eine Erhöhung der Betriebssicherheit, insbesondere eine Erhöhung der Temperatursicherheit
für die in dem Kühlmöbel gelagerte Ware.
[0019] Es sei nochmals betont, dass das erfindungsgemäße Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses
eines bereiften und/oder vereisten Verdampfers unabhängig von dem jeweiligen Verwendungszweck
eines Verdampfers zur Anwendung kommen kann.
1. Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften und/oder vereisten Verdampfers,
insbesondere eines Kühlmöbel-Verdampfers, bei dem die Temperaturen der Verdampfer-Rückluft
(T
RL) und der Verdampfer-Zuluft (T
ZL) sowie die Verdampfungstemperatur erfasst werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
a) die relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft erfasst wird,
b) die relative Feuchte (ϕZL) der Verdampfer-Zuluft mit 1 angenommen wird, da diese nach dem Durchgang durch den
Verdampfer im gesättigten Zustand vorliegt,
c) der Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers ermittelt wird,
d) mittels der Zustandsgleichung für feuchte Luft die Wasserbeladung am Verdampferein-
(XRL) und -austritt (XZL) bestimmt und die am Verdampfer angelagerte Wassermenge (ΔX = XRL - XZL) ermittelt wird,
e) mittels der Gleichung mw = ρL * VL * Δx * Δt für ein Zeitintervall (Δt) die am Verdampfer angelagerte Wassermasse ermittelt
wird, wobei der Parameter ρL für die Dichte der Luft steht,
f) zwischen zwei Abtauprozessen die derart ermittelten Wassermassenwerte (mw) aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen werden,
und
g) bei Erreichen des Wassermassen-Sollwertes ein Abtauprozess eingeleitet wird.
2. Verfahren zum Steuern des Abtauprozesses eines bereiften und/oder vereisten Verdampfers,
insbesondere eines Kühlmöbel-Verdampfers, bei dem die Temperaturen der Verdampfer-Rückluft
(T
RL) und der Verdampfer-Zuluft (T
ZL) sowie die Verdampfungstemperatur erfasst werden,
dadurch gekennzeichnet, dass
a) die relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft erfasst wird,
b) die relative Feuchte (ϕZL) der Verdampfer-Zuluft mit 1 angenommen wird, da diese nach dem Durchgang durch den
Verdampfer im gesättigten Zustand vorliegt,
c) der Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers ermittelt wird,
d) mittels der Zustandsgleichung für feuchte Luft die Wasserbeladung am Verdampferein-
(xRL) und -austritt (xZL) bestimmt und die am Verdampfer angelagerte Wassermenge (Δx = xRL - xZL) ermittelt wird,
e) mittels der Gleichung mw = ρL * VL * Δx * Δt für ein Zeitintervall (Δt) die am Verdampfer angelagerte Wassermasse ermittelt
wird, wobei der Parameter ρL für die Dichte der Luft steht,
f) zwischen zwei Abtauprozessen die derart ermittelten Wassermassenwerte (mw) aufsummiert und mit einem einstellbaren Wassermassen-Sollwert verglichen werden,
g) bei Erreichen oder unmittelbar vor dem Erreichen eines einstellbaren Abtauprozess-Zeitpunktes
ein Vergleich zwischen dem Wassermassen-Sollwert und dem aktuellen Wassermassenwert
erfolgt,
h) mittels des aktuellen Wassermassenwertes und der durchschnittlichen Entfeuchtungsrate
seit dem letzten Abtauprozess der voraussichtliche Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes
ermittelt wird und
i) sofern der Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes nach dem eingestellten
Abtauprozess-Zeitpunkt eintritt, der nächstfolgende Abtauprozess übersprungen oder
verzögert wird, während
j) sofern der Zeitpunkt des Erreichens des Wassermassen-Sollwertes vor dem eingestellten
Abtauprozess-Zeitpunkt eintritt, der nächstfolgende Abtauprozess eingeleitet wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass zumindest die Parameter relative Feuchte (ϕRL) der Verdampfer-Rückluft, Wasserbeladung am Verdampfereintrit (xRL) und Wasserbeladung am Verdampferaustritt (xZL) im Wesentlichen kontinuierlich erfasst werden.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, dass der Parameter Umluftvolumenstrom (VL) des Verdampfers lediglich einmal ermittelt wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche 2 bis 4, dadurch gekennzeichnet, dass spätestens bei Erreichen des Wassermassen-Sollwertes ein Abtauprozess eingeleitet
wird.