(19)
(11) EP 1 371 781 B1

(12) EUROPÄISCHE PATENTSCHRIFT

(45) Hinweis auf die Patenterteilung:
01.08.2007  Patentblatt  2007/31

(21) Anmeldenummer: 03012579.3

(22) Anmeldetag:  03.06.2003
(51) Internationale Patentklassifikation (IPC): 
E01F 1/00(2006.01)

(54)

Modulares Bahnsteigsystem

Modular station platform system

Système modulaire pour quai de gare


(84) Benannte Vertragsstaaten:
AT BE BG CH CY CZ DE DK EE ES FI FR GB GR HU IE IT LI LU MC NL PT RO SE SI SK TR

(30) Priorität: 10.06.2002 DE 10225752
10.06.2002 DE 20208899 U

(43) Veröffentlichungstag der Anmeldung:
17.12.2003  Patentblatt  2003/51

(73) Patentinhaber:
  • Winter, Karl-Heinz
    23966 Tressow (DE)
  • Kaschwich, Eberhard
    19069 Rugensee (DE)
  • Schmidt, Peter
    19071 Herren Steinfeld (DE)
  • Wischnewski, Gerd
    19067 Retgendorf (DE)

(72) Erfinder:
  • Winter, Karl-Heinz
    23966 Tressow (DE)
  • Kaschwich, Eberhard
    19069 Rugensee (DE)
  • Schmidt, Peter
    19071 Herren Steinfeld (DE)
  • Wischnewski, Gerd
    19067 Retgendorf (DE)

(74) Vertreter: Garrels, Sabine 
Schnick & Garrels Schonenfahrerstrasse 7
18057 Rostock
18057 Rostock (DE)


(56) Entgegenhaltungen: : 
DE-A- 10 140 318
DE-A- 19 854 246
DE-A- 19 640 871
   
       
    Anmerkung: Innerhalb von neun Monaten nach der Bekanntmachung des Hinweises auf die Erteilung des europäischen Patents kann jedermann beim Europäischen Patentamt gegen das erteilte europäischen Patent Einspruch einlegen. Der Einspruch ist schriftlich einzureichen und zu begründen. Er gilt erst als eingelegt, wenn die Einspruchsgebühr entrichtet worden ist. (Art. 99(1) Europäisches Patentübereinkommen).


    Beschreibung

    [Stand der Technik]



    [0001] Bahnsteige üblicher Bauart sind durch zwei grundsätzliche Systeme gekennzeichnet:
    1. 1. Die Bahnsteigkante besteht aus kleinformatigen Betonfertigteilen mit anschließender Geländeauffüllung und Plattierung.
    2. 2. Die Bahnsteigkante und Plattierung besteht aus einem zusammenhängenden großformatigen Betonfertigteil.


    [0002] Zur Erstellung von Bahnsteiganlagen werden aktuell diese Systembauarten verwendet, um im Zusammenhang mit Bahnanlagen den Übergang zwischen Gleis und befestigter Fläche für den Reisenden herzustellen.

    [0003] In der DE-OS 4316203 wird ein Bausatz zum Erstellen eines Bahnsteiges in Fertigteilbauweise vorgestellt. Dieser Bausatz besteht aus in vorgegebenen Abständen in Gleisachsenrichtung angeordneten Ortbetonfundamenten und auf den Ortbetonfundamenten unter Zwischenschaltung von Auflagerbalken befestigten Bahnsteigplatten. Dazu sind auf den Ortbetonfundamenten Querbalken und auf diesen Querbalken die Bahnsteigplatten befestigt. Die Bahnsteigplatten bilden mit an ihrer Unterseite kastenförmig angeformten Auflagerbalken einstückige Fertigteile in Kassettenbauweise.

    [0004] In der WO 98/15691 wird ein modularer Bahnsteigbausatz beschrieben, mit dem ein höhenvariabler Bahnsteig erstellt werden kann, bei welchem auf Fundamenten unter Zwischenschaltung von Distanzelementen Bahnsteigplatten aufgelegt werden, wobei unter anderem auch Glasfaserbeton genutzt wird.

    [0005] Die in beiden Veröffentlichungen dargestellte Bauweise beinhaltet einen hohen manuellen Aufwand bei der Erstellung mit starker Beeinträchtigung des Gleisbettes durch die am Gleiskörper zu erstellenden Streifenfundamente inklusive erforderlichen Verbau und den damit verbundenen Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs durch lange Sperrpausen der Bahnstrecke.

    [0006] In der DE-OS 4308748 wird ein Bahnsteig vorgestellt, der für Personenzüge, Straßenbahnen u.ä. Verkehrsmittel geeignet ist. Der Bahnsteig ist aus mehreren, gleich ausgebildeten Bahnsteigabschnitten zusammengesetzt, wobei jeder Bahnsteigabschnitt ein Fertigbauteil darstellt. Jedes dieser Fertigbauteile besteht aus einer entsprechenden Tragplatte mit daran angeformten und damit ein Bauteil darstellenden Stützfüßen sowie U-förmigen Betonschuhen, die mit den Flanken nach oben auf den Untergrund aufgebracht und ggf. mit diesem verbunden werden. Die Tragplatten werden mit Belagplatten versehen.

    [0007] Auch hier ist ein hoher technischer Aufwand bei der Erstellung durch den Einbau der bahnsteigbreiten Betonfertigteile und dem damit erforderlichen Einsatz schwerer Krantechnik (Eisenbahndrehkrane) notwendig. Damit ist ebenfalls ein hoher Zeitaufwand sowie eine Beeinträchtigung des laufenden Eisenbahnverkehrs verbunden.

    [0008] Eine Kombination anderer Funktionsteile wie Bahnsteigdächer und Bahnsteigmöblierung ist nicht Bestandteil der jeweiligen Systeme.

    [0009] DE 101 40 318 A1 betrifft einen Bahnsteig mit einer Lauffläche und einer diese tragenden Unterkonstruktion. Es wird vorgeschlagen, dass die Lauffläche aus einer Vielzahl von vorgefertigten Betonfertigplatten zusammengesetzt ist und dass die Unterkonstruktion vertikale Ständer umfasst, die in wenigstens zwei Reihen entlang den Gleisen angeordnet sind und auf denen jeweils mittelbar oder unmittelbar stählerne Lagerstege aufliegen, die sich entlang den Gleisen erstrecken und auf denen die Betonfertigplatten nebeneinander liegen. Dieser Bahnsteigbausatz ist ausschließlich aus Beton und hat die damit verbundenen Nachteile.

    [0010] In DE 196 40 871 A1 werden verschiedene Betonfertigteilelemente für einen modularen Bahnsteig genutzt. Diese haben die weiter oben beschriebenen Nachteile. Sie sind schwer zu handhaben und es ist immer schwere Technik sowie Gleisabsperrungen erforderlich.

    [Aufgabe der Erfindung]



    [0011] Aufgabe der Erfindung ist es, ein effektiveres und für die Nutzung komfortableres Bahnsteigsystem durch den Einsatz von mittelgroßen Fertigteilen als Baukastensystem zu schaffen.

    [0012] Mit der Erfindung wird ein modulares Bahnsteigsystem geschaffen, welches über ein Sortiment mittelgroßer Fertigteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) verfügt.

    [0013] Der Unterbau erfolgt mit Einzelfundamenten als Stütze-Riegel-System. Dies wird ermöglicht durch das geringere Eigengewicht der Fertigteile.

    [0014] Es wird ein komplettes System ermöglicht, welches von der Bahnsteigkante über die Bahnsteigfläche bis hin zur Bahnsteigausstattung/Möblierung und dem Bahnsteigdach reicht. Durch das System werden verschiedene (gerade oder gekrümmte) Bahnsteiggeometrien gebildet. In die Fertigteile sind Entwässerungsanlagen und Kabelführungen integriert.

    [0015] Durch das beanspruchte Material erhöht sich die Anwendungsbreite und - Variabilität bezogen auf differenzierte Anwendungsstandorte.

    [0016] Eine leichte und schnelle Handhabung mit einfachen Hebezeugen wird durch die mittelgroßen Fertigteile möglich. Dadurch ergibt sich eine geringere Beeinträchtigung des Eisenbahnbetriebes. Es kommt zu einer Minimierung des Tiefbaus in Gleisnähe und schnellen Realisierung der Bahnsteigoberfläche. Es ist keine Gleissperrung mehr notwendig, wie es z.B. beim Setzen von Bahnsteigkanten aus Beton immer zwingend erforderlich ist.

    [0017] Die Vorteile neuer Materialien wie Glasfaserverbundwerkstoff für Konstruktionsteile und Beläge des Bahnsteigkörpers, des Daches sowie der Möblierung werden genutzt. Es wird eine leichte, einfache und schnellere Montage erreicht. Außerdem sind diese Bauelemente korrosionsfrei und wartungsarm.

    [0018] Mit diesen neuen Fertigteilsystemen unter der Einbeziehung der beanspruchten neuen Materialien und Technologien lassen sich erhebliche Aufwandreduzierungen und Zeitersparnisse bei der Realisierung von Bahnsteiganlagen bei gleichzeitiger Komforterhöhung und Minimierung der Folgekosten erzielen.

    [Beispiele]



    [0019] 
    Figur 1 -
    Schemaschnitt eines Bahnsteigprofils mit glasfaserverstärktem (GFK) Oberbau
    Figur 2 -
    Systemteile
    Figur 3 -
    Ausstattungselemente


    [0020] In der Figur 1 wird ein Schemaschnitt eines Bahnsteigprofils mit glasfaserverstärktem (GFK) Oberbau dargestellt. Als Fundamente sind lediglich Betonstützen (2) notwendig, die mit Einzelfundamenten als Stütze-Riegel-System aufgebaut sind. Dies wird ermöglicht durch das geringere Eigengewicht der Fertigteile. Über eine Justierung (3) werden die GFK-Trogprofile (1) auf die Betonstützen (2) aufgesetzt. Durch die mittelgroßen Fertigteile wird eine leichte und schnelle Handhabung mit einfachen Hebezeugen möglich. Auf die GFK-Trogprofile (1) wird ein Belag (5) aus glasfaserverstärktem Kunststoff aufgebracht. Die Bahnsteigkante (4) besteht ebenfalls aus GFK-Profilen. In die Profile integriert sind Kabel- und/oder Abwasserkanäle (7) sowie Blindenleitstreifen (6) als Bahnsteigkantenmarkierung.

    [0021] Eine Auswahl der einzelnen Systemteile wird in Figur 2 noch einmal ausgeführt. Zu den GFK-Profilen gehören neben den GFK-Trogprofilen (1) die Bahnsteigkante (4), die mit dem Belag (5) verbunden ist, auf dem oberhalb ein Blindenleitstreifen (6) und unterhalb Kabel- und/oder Abwasserkanäle (7) angeordnet sind. Die Betonstützen (2) werden wiederum mit der Justierung (3) verbunden.

    [0022] Zu den Ausstattungselementen aus Figur 3 zählen neben Bahnsteigkante (4) und Bahnsteigfläche als Belag (5) mit den integrierten Blindenleitstreifen (6) auch die Bahnsteigausstattung (10) und Möblierung (11) sowie das Bahnsteigdach (12). So wird ein komplettes System ermöglicht. Durch das System werden verschiedene (gerade oder gekrümmte) Bahnsteiggeometrien gebildet.

    [0023] Die Anwendungsbreite und -Variabilität wird durch das beanspruchte Material erhöht. Durch die mittelgroßen Fertigteile wird eine leichte und schnelle Handhabung mit einfachen Hebezeugen möglich. Tiefbau- und Gleisarbeiten im Zusammenhang mit der Realisierung der Bahnsteigoberfläche werden reduziert. Durch den Einsatz der neuen beanspruchten Materialien kommt es nicht nur zu erheblichen Aufwandreduzierungen und Zeitersparnissen bei der Realisierung von Bahnsteiganlagen sondern auch zu einer erheblichen Komforterhöhung und Minimierung der Folgekosten.

    [Bezugszeichenliste]



    [0024] 
    1
    GFK-Trogprofile
    2
    Betonstützen
    3
    Justierung
    4
    Bahnsteigkante
    5
    Belag aus glasfaserverstärktem Kunststoff
    6
    Blindenleitstreifen
    7
    Kabel- und/oder Abwasserkanäle
    8
    Auflagerriegel
    10
    Bahnsteigausstattung
    11
    Möblierung
    12
    Bahnsteigdach



    Ansprüche

    1. Modulares Bahnsteigsystem bestehend aus mittelgroßen Fertigteilen und einem Unterbau,
    dadurch gekennzeichnet, dass
    die Fertigteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen, wobei sie ein komplettes System bestehend aus Bahnsteigkante (4), Bahnsteigfläche (5), Bahnsteigdach (12) sowie Bahnsteigausstattung (10) und Möblierung (11) bilden, und dass der Unterbau mit Einzelfundamenten als Stütze-Riegel-System erfolgt.
     
    2. Modulares Bahnsteigsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass
    die Fertigteile gerade oder gekrümmte Bahnsteiggeometrien bilden.
     
    3. Modulares Bahnsteigsystem nach einem der Ansprüche 1 oder 2, dadurch
    gekennzeichnet, dass
    in die Fertigteile Entwässerungsanlagen und Kabelführungen (7) integriert sind.
     


    Claims

    1. Modular station platform system comprising medium-sized prefabricated parts and a substructure, characterized in that said prefabricated parts are made of glass fibre reinforced plastic, wherein they form a complete system consisting of edge of platform (4), platform surface (5), platform roofing (12) as well as platform equipment (10) and platform furniture (11), and in that said substructure is carried out with individual foundations formed as support block and tie bar type system.
     
    2. Modular station platform system according to claim 1, characterized in that said prefabricated parts form straight or curved platform geometries.
     
    3. Modular station platform system according to any one of claims 1 or 2, characterized in that drainage systems and cable profiles (7) are integrated into said prefabricated parts.
     


    Revendications

    1. Système de quai modulaire consistant des éléments préfabriqués de taille moyenne et d'une fondation,
    caractérisé en ce que lesdites éléments préfabriqués étant composés de matière plastique renforcé à la fibre de verre, lesdites constituent un système complet consistant de bordure du quai (4), de surface du quai (5), de toit du quai (12) ainsi que d'équipement du quai (10) et de mobilier (11), et que ladite fondation est effectuée avec des fondements individuelles en qualité d'un système de support et d'ancre de poutre.
     
    2. Système de quai modulaire selon la revendication 1, caractérisé en ce que lesdites éléments préfabriqués constituent des geometries du quai rectilignes ou courbes.
     
    3. Système de quai modulaire selon l'une quelconque des revendications 1 ou 2, caractérisé en ce que des drainages et guidages de cable (7) sont intégrés dans lesdites éléments préfabriqués.
     




    Zeichnung














    Angeführte Verweise

    IN DER BESCHREIBUNG AUFGEFÜHRTE DOKUMENTE



    Diese Liste der vom Anmelder aufgeführten Dokumente wurde ausschließlich zur Information des Lesers aufgenommen und ist nicht Bestandteil des europäischen Patentdokumentes. Sie wurde mit größter Sorgfalt zusammengestellt; das EPA übernimmt jedoch keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.

    In der Beschreibung aufgeführte Patentdokumente