[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Verbrennen von Schwimmschlamm und eine Vorrichtung
zur Durchführung des Verfahrens, die mit der Klärschlammverbrennung Anwendung finden.
[0002] In einer Kläranlage werden über den Abwasserzulauf neben Fäkalien, Rechengut und
Schwerstoffen, gelöste oder emulgierte Öle und Fette kontinuierlich in schwankenden
Konzentrationen in den Abwasserreinigungsprozess eingetragen. Diese Schwimmstoffe
werden bekannterweise mittels Reduzierung der Strömungsgeschwindigkeit in der Vorklärstufe
dichteabhängig an der Wasseroberfläche abgeschieden und über Räumeinrichtungen aus
dem Abwasserreinigungsprozess entfernt.
[0003] Üblicherweise wird der Schwimmschlamm zur Gewichtsreduktion anschließend entwässert
und grundsätzlich außerhalb einer Kläranlage entsorgt oder einem Verwertungsprozess,
beispielsweise durch Herstellung von Industriefett, zugeführt.
[0004] Nach der DE 33 07 509 A1 werden Schwimmstoffe durch Zugabe von Chemikalien gelöst.
Der Anteil an schwimmfähigen Kunststoffen wird nicht aufgelöst und baut sich mit den
bekannten Nachteilen weiterhin als Schwimmdecke im Nacheindicker auf. Aufgrund des
schwankenden Anteils an löslichen Schwimmstoffen wird zur Sicherstellung des Verfahrens
immer eine Chemikalien-Überschussdosierung durchgeführt. Nach der Entwässerung des
eingedickten Schlammes gelangt der Chemikalienüberschuss über die Zentratrückführung
in den Klärprozess und führt zu einer Erhöhung des chemischen Sauerstoffbedarfs und
damit zu einer wirtschaftlichen Belastung, infolge des höheren Sauerstoffeintrages
in die Belebung oder bei Kläranlagen ohne biologische Reinigungsstufe zur Belastung
des Klarwasserablaufes.
[0005] Es ist nach der DE 199 23 108 A1 ein Verfahren zur Auftrennung von Stoffgemischen
in die einzelnen Bestandteilfraktionen bekannt, das zur Auftrennung von Stoffgemischen
in die einzelnen Bestandteilfraktionen dient. Die jeweiligen Fraktionen werden anschließend
separat den entsprechenden Verwertungsmöglichkeiten zugeführt.
[0006] Nachteilig hierbei ist, dass die Verwertungsmöglichkeiten entsprechend der abfallrechtlichen
Auflagen stark eingeschränkt sind. Es müssen ausreichend Stapelkapazitäten zur Überbrückung
von Transport- und Verwertungsengpässen vorgehalten werden. Soweit für die Organikfraktion
eine Kompostierung vorgesehen ist, entsteht eine erhebliche Belastung für die Umwelt
durch Geruchsemissionen.
[0007] Bei einem weiteren Verfahren (DE 34 40 754 C2) wird Schwimmschlamm weiteren Stoffkomponenten
zugemischt und letztendlich kompostiert. Die Minimierung von Geruchsemissionen erfordert
vom Verwerter ein zügiges Untermischen mit leicht rottbarem Material um einen Faulungsprozess
einzuschränken. Die Verwertung wird nicht beim Erzeuger durchgeführt, da dieser lediglich
einen Teil der benötigten Stoffkomponenten liefert. Die energetische Nutzung der Schwimmstoffe
wird, soweit verfahrenstechnisch überhaupt möglich, nicht beim Erzeuger stattfinden.
[0008] Weitere Verfahren (DE 100 15 441 A1, DE 37 08 079 C2) beschreiben die Aufbereitung
von Schwimmschlamm. Der aufbereitete Schwimmschlamm wird einem Verwertungsverfahren
zugeführt.
[0009] Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren und eine Vorrichtung zum Verbrennen von
Schwimmschlamm anzugeben, die eine Reduzierung von Rohrleitungsdruckverlusten und
eine Minimierung des Zusatzbrennstoffbedarfs mit der Klärschlammverbrennung ermöglichen.
[0010] Erfindungsgemäß wird die Aufgabe dadurch gelöst, dass der Schwimmschlamm über eine
Fördereinrichtung in eine Schwimmschlammleitung eingebracht wird.
Danach wird der Schwimmschlamm in eine Schlammkuchenleitung mit dem Schlammkuchen
dosiert und gemeinsam über die Schlammkuchenleitung dem Wirbelschichtverbrennungsofen
zugeführt und anschließend verbrannt.
[0011] Die Dosierung erfolgt über eine Ringdüse, die eine gleichmäßige Stoffverteilung am
Rohrleitungsumfang ermöglicht, oder einer Einpunktdosierung. Da der verdichtete, stichfeste
Schlammkuchen sich nicht mit dem fließfähigen Schwimmschlamm vermischt, bildet sich
zwischen Rohrleitungswandung und Schlammkuchen ein partieller Gleitfilm aus. Durch
den Gleitfilm werden die Rohrreibungsverluste herabgesetzt und somit der für das Pumpen
des Schlammkuchens erforderliche Energieaufwand reduziert.
[0012] Der Schwimmschlamm wird entgegen dem Schlammkuchen exotherm verbrannt und somit minimiert
sich der Bedarf an Zusatzbrennstoff bei der Verbrennung des Schlammkuchens.
[0013] Vor einer Schwimmschlammleitung ist eine Vorpresseinrichtung mit Exzenterschnecke,
in der sich der Schwimmschlamm befindet, angeordnet. Diese Schwimmschlammleitung ist
mit einer Schlammkuchenleitung verbunden und mündet über mehrere Schlammkuchenaufgabelanzen
in einem Wirbelschichtofen.
Die Schlammkuchenaufgabelanzen sind gleichmäßig auf den Umfang des Wirbelschichtverbrennungsofens
verteilt.
An der Schwimmschlammleitung und der Schlammkuchenleitung sind ein Manometer zur Messung
des Rohrleitungsdrucks und ein Induktionsmessgerät zur Messung des Volumenstroms angebracht.
[0014] Die Erfindung wird nachstehend an einem Ausführungsbeispiel in Figur 1 näher erläutert.
Die in einem Schwimmschlammvorlagebehälter 1 eingebaute Austragsschnecke 2 fördert
die Schwimmstoffe in den Übergabetrichter einer Exzenterschneckenpumpe 3 mit Vorpresseinrichtung
4. Nach Einschalten der Pumpe steigt der durch das Manometer 5 angezeigte Rohrleitungsdruck
in der Schwimmschlammleitung 6. Mit Überschreiten des vom Manometer 7 der Schlammkuchenleitung
gemessenen Rohrleitungsdruckes wird der Kugelhahn 8 geöffnet und der Förderweg in
die Schlammkuchenleitung freigegeben. Die Rückschlagklappe 9 verhindert bei einem
Pumpenausfall den Rückfluss von Schlammkuchen in die Schwimmschlammleitung 6. Der
mittels eines Induktionsmessgerätes 10 gemessene Schwimmschlammvolumenstrom wird über
die Regelung der Pumpendrehzahl, entsprechend dem beim Verbrennungsvorgang momentanen
Zusatzenergiebedarf, eingestellt.
[0015] Der von der Schlammkuchenpumpe 11 geförderte Schlammkuchen trifft an der Einbindung
der Schwimmschlammleitung mit dem Schwimmschlamm zusammen.
Der Schwimmschlamm wird mittels einer Einpunktdosierung 12 am Umfang der Schlammkuchenleitung
13 verteilt. Aufgrund der hohen Verdichtung des Schlammkuchens vermengt sich der Schwimmschlamm
nicht mit dem Schlammkuchen, sondern bildet zwischen Rohrleitungswandung und Schlammkuchen
einen partiellen Gleitfilm. Die eintretende Reduzierung der Rohrreibungsverluste erfordert
das Herunterregeln der Schlammkuchenpumpe 11 auf den ursprünglichen Schlammkuchenvolumenstrom,
der mittels eines Induktionsmessgerätes 14 kontinuierlich gemessen wird.
[0016] Die Schlammkuchenleitung 13 teilt sich im weiteren Verlauf auf und mündet in mehreren,
gleichmäßig auf den Umfang des Wirbelschichtverbrennungsofens 15 verteilten Schlammkuchenaufgabelanzen
16. Die Wirbelschicht selbst sorgt für eine schnelle und gleichmäßige Verteilung und
Vermengung von Schwimmschlamm und Schlammkuchen. Aufgrund des hohen Heizwertes des
Schwimmschlammes wird die Stützölfeuerung in Form von Heizöl entsprechend der gewünschten
Feuerungstemperaturen zurückgefahren.
Aufstellung der verwendeten Bezugszeichen
[0017]
- 1
- Schwimmschlammvorlagebehälter
- 2
- Austragsschnecke
- 3
- Exzenterschneckenpumpe
- 4
- Vorpresseinrichtung
- 5
- Manometer der Schwimmschlammleitung
- 6
- Schwimmschlammleitung
- 7
- Manometer der Schlammkuchenleitung
- 8
- Kugelhahn
- 9
- Rückschlagklappe
- 10
- Induktionsmessgerät der Schwimmschlammleitung
- 11
- Schlammkuchenpumpe
- 12
- Einpunktdosierung
- 13
- Schlammkuchenleitung
- 14
- Induktionsmessgerät der Schlammkuchenleitung
- 15
- Wirbelschichtverbrennungsofen
- 16
- Aufgabelanzen
1. Verfahren zum Verbrennen von Schwimmschlamm, das mit Klärschlammverbrennung durchgeführt
wird
dadurch gekennzeichnet, dass
der Schwimmschlamm über eine Fördereinrichtung in eine Schwimmschlammleitung (6) eingebracht,
in eine Schlammkuchenleitung (13) mit dem Schlammkuchen dosiert und gemeinsam über
die Schlammkuchenleitung (13) dem Wirbelschichtverbrennungsofen (15) zugeführt und
anschließend gemeinsam verbrannt wird.
2. Verfahren nach dem Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Dosierung des Schwimmschlammes gleichmäßig unter Bildung eines Gleitfilmes durchgeführt
wird.
3. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach dem Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass
eine Vorpresseinrichtung (4) mit einer Exzenterschnecke (3), in der sich der Schwimmschlamm
befindet, vor einer Schwimmschlammleitung (6), die mit einer Schlammkuchenleitung
(13) verbunden ist, und über mehrere vorhandene Schlammkuchenaufgabelanzen (16) in
einem Wirbelschichtverbrennungsofen (15) mündet, angeordnet ist.
4. Vorrichtung nach dem Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
an der Schwimmschlammleitung (6) und der Schlammkuchenleitung (13) jeweils ein Manometer
(5) und (7) zur Messung des Rohrleitungsdruckes sowie jeweils ein Induktionsmessgerät
(10) und (14) zur Messung des Volumenstromes angebracht sind.
5. Vorrichtung nach dem Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, dass
die Schlammkuchenaufgabelanzen (16) gleichmäßig auf den Umfang des Wirbelschichtverbrennungsofens
(15) verteilt sind.