[0001] Die Erfindung betrifft eine Anzündhilfe zum Anzünden von festen Brennstoffen gemäß
Oberbegriff des Anspruchs 1 sowie ein Verfahren zur dessen Herstellung.
[0002] Es sind flüssige und auch als Festkörper ausgebildete Anzündhilfen bekannt, die zum
Anzünden von festen Brennstoffen, wie Holz, Holzkohle und Kohle, verwendet werden
können. Zum Anzünden des Brennstoffs eines Holzkohle-Gartengrills kann beispielsweise
eine handelsübliche Anzündhilfe zwischen den Brennstoff gesetzt und angezündet werden.
Bis eine solche Anzündhilfe gut brennt, dauert es oft eine gewisse Zeit, so dass erst
dann weitere Brennstoffe aufgelegt werden können. Bei einer Anwendung im Freien ist
es auch durch störende Windbeeinflussung oft schwierig, eine solche Anzündhilfe zu
entflammen.
[0003] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Anzündhilfe zum Anzünden von festen
Brennstoffen zu schaffen, die sich problemlos anzünden lässt und möglichst schnell
eine hinreichende große und standfeste Flamme erzeugt.
[0004] Die Lösung dieser Aufgabe erhält man durch die im Anspruch 1 angegebenen Merkmale.
Die Anzündhilfe ist ein mit Paraffin getränkter naturbelassener Holzwolle-Seilabschnitt
mit einer definierten Restfeuchte, bei dem das Paraffin einen festen, wachsartigen
Paraffinkern bildet. An dem Holzwolle-Seilabschnitt stehen einzelne Holzwollespäne
ab, die ebenfalls mit Paraffin benetzt sind und somit einfach und sicher entzündet
werden können. Die Anzündhilfe hat den großen Vorteil, dass sich die Flamme nach dem
Anzünden auf Grund der abstehenden Holzwollespäne sehr schnell über ihre gesamte Oberfläche
verteilt und somit schnell eine sichere und standfeste Flamme entsteht.
[0005] Sehr vorteilhaft ist es, dass die Anzündhilfe eine im Inneren höhere Paraffindichte
hat, als in ihrem äußeren Bereich. Diese Maßnahme trägt dazu bei, dass die Anzündhilfe
schnell eine verhältnismäßig große Flamme nach dem Anzünden entwickelt, wobei die
hohe Paraffindichte im Innern der Anzündhilfe dafür sorgt, dass diese eine lange Brenndauer
von mehreren Minuten hat.
[0006] Vorzugsweise wird zur Herstellung der Anzündhilfe ein hoch raffiniertes Paraffin
verwendet, welches einen Reinheitsgrad besitzt, wie er auch in der Lebensmittelindustrie
gefordert wird. Zuschlagstoffe, wie Farbpigmente, Duftstoffe oder andere chemische,
brandbeschleunigende Zusätze, finden keine Verwendung. Die Schadstoff-Emission beim
Abbrand ist somit äußerst gering.
[0007] Das verwendete Paraffin ist vorzugsweise ein Hartparaffin, dessen Schmelzpunkt über
60 C liegt. Dadurch wird sichergestellt, dass das Paraffin auch bei hohen Umgebungstemperaturen
während der Lagerhaltung sich nicht verflüssigt. Die Anzündhilfe ist bei normalen
Lagerbedingungen unbegrenzt lagerbar ohne Verlust ihrer Eigenschaften und Brennfähigkeit.
Flüchtige brennbare Stoffe, wie in anderen Anzündhilfen, sind nicht vorhanden.
[0008] Bedingt durch den Verzicht auf Zuschlagstoffe, wie Farbpigmente, Duftstoffe oder
andere chemische, brandbeschleunigende Zusätze, ist die Anzündhilfe weitgehend geruchsneutral.
Bei der Handhabung überträgt sich kein unangenehmer Geruch auf die Haut und die Umgebung.
[0009] Zum Anzünden von Holz- und Holzkohlefeuem haben sich Anzündhilfen mit einer Länge
von ca. 50 mm und einem Durchmesser von ca. 25 - 30 mm bewährt, wobei je nach Anwendungsfall
auch andere Abmessungen sinnvoll sein können. Der Paraffingehalt liegt hier zwischen
10 - 14 Gramm, je nach gewünschter Abbranddauer der Anzündhilfe.
[0010] Der naturbelassene Holzwollespan erhält durch die Paraffinierung eine Konservierung.
Der natürlich bedingte bakterielle Zerfall der Holzstruktur und der Holzfasern wird
durch den Ausschluss von Sauerstoff unterbrochen. Der Befall von Schädlingen ist ausgeschlossen.
Hierdurch ist die Anzündhilfe zeitlich unbegrenzt lagerbar.
[0011] Der Erfindung liegt weiterhin die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur Herstellung
einer Anzündhilfe anzugeben, welches eine möglichst einfache und damit kostengünstige
Herstellung zulässt.
[0012] Die Lösung dieser Aufgabe erhält man durch die im Anspruch 7 angegebenen Verfahrensschritte.
Demnach wird zur Herstellung ein aus Holzwolle gefertigtes Seilstück in verflüssigtes
Paraffin eingetaucht, wobei sich das Holzwolle-Seilstück je nach Eintauchdauer mehr
oder weniger stark mit Paraffin tränkt. Der Paraffingehalt wird durch die Eintauchtemperatur
maßgeblich beeinflusst. Nach dem Tauchvorgang wird der getauchte Seilabschnitt einer
definierten Abkühlkurve ausgesetzt, die auch auf die beschriebenen Produkteigenschaften
Einfluss hat. Der endgültig erstarrte Holzwollseil-Abschnitt wird anschließend in
entsprechend kleine Teilstücke geschnitten, welche den Feueranzünder bzw. die Anzündhilfe
bilden. Die Herstellung erfordert somit keinen hohen technischen Aurwand und kann
problemlos maschinell oder in Handarbeit erfolgen. Dies hat den Vorteil, dass sowohl
eine Großserienfertigung, aber eben auch eine Kleinstserienfertigung problemlos möglich
ist.
[0013] Mittels eines Tauchkorbs können mehrere Seilabschnitte gleichzeitig paraffiniert
werden, was eine Zeitersparnis bei der Fertigung ergibt. Die Abtrennung der Teilstücke
von dem paraffinierten Seilabschnitt kann mittels Band-, Kreis-, Dekupier-, Gattersäge
oder mittels Scheiben- und Portionsschneider erfolgen.
[0014] Vorzugsweise wird zur Herstellung der Anzündhilfe ein langes, auf einer Rolle aufgewickeltes
Holzwolleseil verwendet. Die Länge der Seilabschnitte werden der Größe des Tauchkorbes
der Tauchanlage bzw. der nachfolgenden Sägeeinheit oder Schneideinheit angepasst.
[0015] Die Erfindung wird nachfolgend anhand eines in der Zeichnung dargestellten Ausführungsbeispiels
näher erläutert.
[0016] Es zeigen:
Figur 1 eine perspektivische Seitenansicht der erfindungsgemäßen Anzündhilfe,
Figur 2 die Schnittdarstellung der in Fig. 1 dargestellten Anzündhilfe,
Figur 3 eine schematische Darstellung des Paraffiniervorganges und
Figur 4 das fertig paraffinierte Seilstück mit mehreren Schnittpositionen zum Abschneiden
in Teilabschnitte, welche dann als Anzündhilfe Verwendung finden.
[0017] Bei der in Figur 1 dargestellten Anzündhilfe ist insbesondere ersichtlich, dass an
seiner Umfangsfläche mehrere Holzwollespäne 1, 2 abstehen, die mittels eines Streichholzes
oder Feuerzeugs sehr leicht entzündet werden können. Der gesamte Körper der Anzündhilfe,
der ein naturbelassener Holzwolle-Seilabschnitt ist, und auch die nach außen abstehenden
Holzwollespäne 1, 2 sind mit Paraffin überzogen, wobei im Inneren der Anzündhilfe
die Paraffindichte besonders hoch ist.
[0018] Die Ansicht des Schnittbildes von Figur 2 veranschaulicht die höhere Paraffindichte
im Innern 3 der Anzündhilfe. Zur Mittelachse der Anzündhilfe kann auch die Spandichte
zunehmen, so dass sich insgesamt ein mittlerer Kern ergibt, der eine höhere Materialdichte
und somit eine lange Brenndauer hat.
[0019] Figur 3 zeigt nun das Prinzip, wie ein längeres, aus Holzwollespänen gedrehtes Seilstück
4, paraffinert wird. Das Seilstück 4 wird zu diesem Zweck gerade ausgerichtet in einen
Tauchkorb 5 gelegt, dann in Pfeilrichtung 6 in ein Tauchbecken 7 so weit abgesenkt,
dass das Seilstück 4 vollständig in das im Tauchbecken 7 befindliche flüssige Paraffin
8 eintaucht. Nach einer gewissen Tauchzeit wird der Tauchkorb 5 wieder in die dargestellte
Position angehoben Das anschließende Abtropfen und der Abkühlprozess sind für die
beschriebenen Eigenschaften der Anzündhilfe entscheidend. Nach dem Abkühlen ist der
Seilabschnitt hart.
[0020] Das Seilstück 4 lässt sich nun aus dem Tauchkorb 5 entnehmen und kann dann gemäß
Figur 4 in mehrere Teilstücke 9 bis 11 entlang mehrerer Schnittebenen 12 zerschnitten
werden. Jedes der so abgeschnittenen Teilstücke 9 bis 11 bildet dann eine erfindungsgemäße
Anzündhilfe, wie sie in den Figuren 1 und 2 dargestellt ist.
1. Anzündhilfe zum Anzünden von festen Brennstoffen, wie Holz oder Holzkohle, insbesondere
für Feuerstätten für feste Brennstoffe, jede Bauart von Kachelöfen und Holzkohle-Grillgeräte,
die als ein mit Paraffin getränkter naturbelassener Holzwolle-Seilabschnitt ausgebildet
ist, dadurch gekennzeichnet, dass am Umfang des Holzwolle-Seilabschnitts eine Vielzahl von mit Paraffin überzogene
Holzwollespäne (1, 2) abstehen, und dass die Paraffindichte im Innern (3) der Anzündhilfe
höher ist als im äußeren Bereich.
2. Anzündhilfe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der mit Paraffin getränkte Holzwolle-Seilabschnitt eine definierten Restfeuchte hat
und das Paraffin einen festen, wachsartigen Paraffinkern bildet.
3. Anzündhilfe nach einem der Ansprüche 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Paraffindichte und/oder die Holzwolledichte von außen zur Mittelachse der Anzündhilfe
radial zunimmt.
4. Anzündhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Paraffin einem Reinheitsgrad entspricht, wie er von der Lebensmittelgesetzgebung
verlangt wird, und dass die Anzündhilfe geruchsneutral ist.
5. Anzündhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Paraffin ein Hart-Paraffin ist, dessen Schmelzpunkt über 60° C liegt.
6. Anzündhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Anzündhilfe bei einer Länge von 50 mm ungefähr einen Durchmesser von 25 - 30
mm hat.
7. Anzündhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass das Paraffin für die Holzwollespäne der Anzündhilfe als Konservierungsmittel dient.
8. Verfahren zur Herstellung einer Anzündhilfe nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
bei dem ein oder mehrere aus Holzwolle gefertigtes Seilstücke (4) in durch Erwärmung
verflüssigtes Paraffin (8), welches sich in einem Tauchbecken (7) befindet, eingetaucht
werden, dadurch gekennzeichnet, dass die Seilstücke (4) nach einer vorgegebenen Tauchzeit aus dem flüssigen Paraffin (8)
entnommen und in langgestreckter Form wieder abgekühlt werden, dass dann jedes zu
einem Stab erstarrte Seilstück (4) in kleine, Anzündhilfen bildende Teilstücke (9
bis 11) geschnitten wird.
9. Verfahren nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, dass mehrere Seilstücke (4) mittels eines Tauchkorbs (5) gleichzeitig in das flüssige
Paraffin (8) eingetaucht und nach der Tauchzeit wieder aus dem Tauchbecken (7) entnommen
werden und so lange im Tauchkorb (5) verbleiben, bis die mit Paraffin getränkten Seilstücke
(4) einen definierten Abkühlungsgrad aufweisen und erstarrt sind.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 oder 9, dadurch gekennzeichnet, dass die Teilstücke (9 bis 11), welche die Holzwolle-Seilabschnitte und damit die fertigen
Anzündhilfen darstellen, mittels einer Band-, Kreis-, Dekupier-, Gattersäge oder mittels
Scheiben- und Portionsschneider von den erstarrten Seilstücken (4) abgeschnitten werden.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch gekennzeichnet, dass die Seilstücke (4) von einer Seilrolle mit mehreren Metern Holzwolleseil abgeschnitten
werden.