[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung für den Schusseintrag bei
einer Düsenwebmaschine gemäss dem Oberbegriff des unabhängigen Anspruchs der jeweiligen
Kategorie.
[0002] Bei Düsenwebmaschinen erfolgt der Schusseintrag mittels eines Transportmediums, welches
den jeweiligen Schussfaden durch das geöffnete Webfach einträgt. Bei Luftdüsenwebmaschinen
ist dieses Transportmedium Luft.
[0003] Für den Schusseintrag wird jeweils eine definierte und vorgebbare Fadenlänge, die
natürlich von der Webbreite abhängig ist, von der stationären Wickeltrommel einer
Fadenzuliefervorrichtung abgezogen und einer Hauptdüse zugeführt. Die Hauptdüse wird
mit Druckluft gespeist und beschleunigt den Schussfaden in das geöffnete Webfach.
Insbesondere bei hochtourig laufenden Luftdüsenwebmaschinen ist typischerweise die
Hauptdüse ortsfest bezüglich der Weblade angeordnet, so dass die Hauptdüse synchron
die oszillierende Bewegung mit der Weblade ausführt. Auch ist es bekannt, insbesondere
bei grossen Webbreiten, zwischen der Fadenzuliefervorrichtung und der Hauptdüse noch
eine mit Luft gespeiste Vordüse vorzusehen, um die Beschleunigungsstrecke für den
Schussfaden zu vergrösseren. Entlang der Schusseintragsstrecke sind üblicherweise
mehrere Hilfs- oder Stafettendüsen vorgesehen, die ebenfalls mit Druckluft gespeist
werden. Nach erfolgreichem Schusseintrag wird das vordere Ende des Schussfadens z.
B. von einer Streckdüse erfasst und gehalten und der Schussfaden wird durch die Weblade
an das Gewebe angeschlagen. Dann erfolgt der Fachwechsel, wodurch der Schussfaden
über die gesamte Webbreite eingebunden wird. Anschliessend muss schussseitig zwischen
der Hauptdüse und der ihr zugewandten Warenkante der Faden geschnitten werden, um
für den nächsten Schusseintrag bereit zu sein.
[0004] Insbesondere beim Weben mit relativ elastischen Schussgarnen und/oder beim Weben
über grosse Webbreiten von beispielsweise vier bis fünf Metern oder mehr, treten spezielle
Probleme auf. Ein Problem ist es, dass durch die hohen Zugkräfte starke Spannungen
im Faden herrschen. Wird nun der Faden nach dem Fachwechsel schussseitig geschnitten,
so kommt es vielfach dazu, dass das geschnittene Fadenende rückwärts, das heisst entgegen
der Schusseintragsrichtung, nach hinten aus der Hauptdüse heraus springt. Dies macht
ein Anhalten der Webmaschine erforderlich, damit das Ende des Fadens wieder in die
Hauptdüse eingeführt werden kann. Es wird zwar versucht, dieses Problem zu lösen,
indem die Hauptdüse während und nach dem Schneiden mit einem Halteluftstrom gespeist
wird, welcher das Fadenende in der Hauptdüse halten soll. Das Ergebnis ist jedoch
nicht befriedigend. Eine Verlängerung der Düse führt ebensowenig zu einem befriedigenden
Resultat.
[0005] Ein weiteres Problem tritt insbesondere durch die hohen Beschleunigungskräfte auf,
die mittels der Luft auf den Schussfaden ausgeübt werden müssen. Beim Beginn des Schusseintrags
besteht die Gefahr, dass der Anfang des aus der Hauptdüse heraus beschleunigten Schussfadens
nicht den Eingang des Eintragskanals trifft. Dies führt zur Bildung von Krangeln,
die in der Regel einen Stopp der Webmaschine zur Folge haben. Am Ende des Schusseintrags
muss der Schussfaden stark abgebremst werden. Die dafür notwendigen hohen Verzögerungskräfte
können zu sogenannten Stopp- oder Streckschlägen führen, das heisst durch das starke
Abbremsen kommt es zu einem eintragsseitigen Reissen des Schussfadens. Die Webmaschine
muss angehalten werden. Um dies zu vermeiden, sind Massnahmen bekannt, um den Schussfaden
sanfter abzubremsen. Es ist bekannt, den Schussfaden vor Beendigung des Schusseintrags
mit Hilfe eines Stifts quer zur Lauf- bzw. Schussrichtung auszulenken, so dass er
eine Schlaufe bildet und folglich eine zusätzliche Wegstrecke durchläuft. Diese Auslenkung
erfolgt beispielsweise zwischen Vor- und Hauptdüse. Wird durch Zurückschwenken oder
Zurückziehen des Stifts die Auslenkung zum Verschwinden gebracht, so kann dadurch
die elastische Spannung im Faden reduziert werden. Das Auslenken des Schussfadens
stellt aber eine hohe Reibbelastung für das Schussgarn dar. Bei elastischen Schussgarnen
und/oder beim Weben über grosse Breiten ist der erzielbare Effekt häufig nicht ausreichend.
[0006] Es ist daher eine Aufgabe der Erfindung, diesen Problemen Abhilfe zu schaffen. Durch
die Erfindung soll ein Verfahren und eine Vorrichtung für den Schusseintrag bei einer
Düsenwebmaschine vorgeschlagen werden, welche insbesondere bei relativ elastischen
Schussgarnen und/oder grossen Webbreiten, einen guten Schusseintrag ermöglichen und
solche Probleme, die zu einem Maschinenstopp führen, weitgehend vermeiden, beispielsweise
ein ungewolltes Herausspringen des Schussfadens aus der Hauptdüse.
[0007] Die diese Aufgabe in verfahrenstechnischer und apparativer Hinsicht lösenden Gegenstände
der Erfindung sind durch die Merkmale des unabhängigen Anspruchs der jeweiligen Kategorie
gekennzeichnet.
[0008] Erfindungsgemäss wird also ein Verfahren für den Schusseintrag bei einer Düsenwebmaschine
vorgeschlagen, bei welchem in jedem Arbeitszyklus ein einzutragender Schussfaden vorgebbarer
Länge von einer Wickeltrommel einer Fadenzuliefervorrichtung abgezogen wird, der Schussfaden
mittels einer Hauptdüse, die mit einem Transportmedium gespeist wird, in ein geöffnetes
Webfach eingetragen wird, durch den Fachwechsel in das Gewebe eingebunden wird, und
an der der Hauptdüse zugewandten Warenkante geschnitten wird. In jedem Arbeitszyklus
wird das Abziehen des einzutragenden Schussfadens mindestens einmal unterbrochen,
derart, dass zunächst eine erste vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel
freigegeben wird und anschliessend mindestens noch eine weitere vorgebbare Fadenlänge
zum Abziehen von der Wickeltrommel freigegeben wird.
[0009] Erfindungsgemäss erfolgt somit das Abziehen des Schussfadens von der Wickeltrommel
der Fadenliefervorrichtung in jedem Arbeitszyklus in mindestens zwei Schritten. Zunächst
wird die erste Fadenlänge zum Abzug freigegeben. Anschliessend wird mindestens noch
eine weitere Fadenlänge zum Abzug freigegeben. Durch diese Massnahme lassen sich viele
Probleme lösen, die insbesondere beim Weben mit elastischen Schussgarnen und/oder
bei grossen Webbreiten auftreten. Durch das Freigeben mindestens einer weiteren -
also einer zweiten- Fadenlänge kann beispielsweise der Schussfaden gezielt entspannt
werden. Auch ist es möglich, den Schussfaden nach seinem Eintrag sanfter abzubremsen
oder den Schussfaden sicherer an den Beginn des Schusseintragkanals zu befördern.
Das erfindungsgemässe Unterbrechen des Abziehens des einzutragenden Schussfadens kann
zu mehreren Zeitpunkten im Arbeitszyklus vorteilhaft eingesetzt werden, wie weiter
hinten noch näher erläutert wird.
[0010] Besonders vorteilhaft ist es, wenn das Freigeben der weiteren Fadenlänge in einer
Phase erfolgt, welche beginnt, bevor das Eintragen des Schussfadens beendet ist, und
welche Phase endet, nachdem das Eintragen des folgenden Schussfadens begonnen hat.
[0011] So kann das Abziehen des Schussfadens unterbrochen werden, bevor das Eintragen des
Schussfadens beendet ist. Es wird dann zunächst eine erste Fadenlänge freigegeben
und in das Webfach eingetragen. Die erste Fadenlänge ist so bemessen, dass sie nicht
für einen vollständigen Schusseintrag bzw. für das Erreichen der Halte- oder Streckdüse
ausreicht. Folglich wird der Schussfaden gegen Ende des Schusseintrags bereits abgebremst.
Dann wird die zweite Fadenlänge freigegeben, die so bemessen ist, dass der Schusseintrag
vervollständigt werden kann. Aus dieser Massnahme resultiert ein sanfteres Abbremsen
des Schussfadens, so dass Stoppschläge oder Streckschläge vermieden werden.
[0012] Auch ist es möglich, dass zum Entspannen des eingetragenen Schussfadens eine der
Fadenlängen freigegeben wird, nachdem das Eintragen des Schussfadens beendet ist und
bevor der Schussfaden durch den Fachwechsel in des Gewebe eingebunden ist. Durch diese
Massnahme wird die Spannung, bzw. die Querspannung im Gewebe reduziert, weil der Schussfaden
jeweils vor seiner Einbindung wenigstens teilweise entspannt wird.
[0013] Eine weitere bevorzugte Massnahme ist es, dass der zwischen Hauptdüse und Warenkante
befindliche Teil des eingetragenen Schussfadens nach dem Fachwechsel und vor dem Schneiden
durch Freigeben einer der Fadenlängen entspannt wird. Durch die Massnahme, jeweils
nach dem Fachwechsel, der das Einbinden des Schussfadens in das Gewebe zur Folge hat,
und vor dem Schneiden des eingetragenen Schussfadens eine zusätzliche Fadenlänge bereitzustellen,
wird der Faden vor seinem Schneiden wenigstens teilweise entspannt, das heisst die
inneren Spannungen im Faden werden abgebaut und damit seine elastische Dehnung zumindest
reduziert. Nun kann der derart entspannte Schussfaden zwischen der Hauptdüse und der
ihr zugewandten Warenkante geschnitten werden, ohne dass die Gefahr eines rückwärtigen
Herausspringens des Fadens aus der Hauptdüse besteht, welches ein Anhalten der Webmaschine
zur Folge hätte.
[0014] Ferner ist es möglich, dass eine der Fadenlängen nach dem Schneiden des eingetragenen
Schussfadens und vor dem Beginn des Eintragens des folgenden Schussfadens freigegeben
wird, um den Anfang des Schussfadens von der Hauptdüse zum Beginn des Eintragkanals
zu transportieren. Hierdurch lässt es sich vermeiden, dass der Anfang des Schussfadens
den Eintragskanal verpasst und Krangel bildet.
[0015] Vorzugsweise wird die erste Fadenlänge für den einzutragenden Schussfaden durch einen
ersten Fadenstopper und die weitere Fadenlänge durch einen zweiten Fadenstopper begrenzt,
indem nach dem Abziehen der ersten Fadenlänge der erste Fadenstopper mit der Wickeltrommel
in Wirkverbindung gebracht wird, so dass ein weiteres Abziehen verhindert wird und
für die weitere Fadenlänge die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper und
der Wickeltrommel gelöst wird, so dass die weitere Fadenlänge von der Wickeltrommel
abgezogen wird, bis ein weiteres Abziehen durch die Wirkverbindung zwischen dem zweiten
Fadenstopper und der Wickeltrommel verhindert wird.
[0016] Falls mehr als eine weitere Fadenlänge pro Zyklus abgezogen werden soll, sind vorzugsweise
in sinngemäss gleicher Weise mehr als zwei Fadenstopper vorgesehen.
[0017] Eine Fadenliefervorrichtung, die eine Wickeltrommel und zwei Fadenstopper aufweist,
ist beispielsweise aus der EP-A-0 561 218 bzw. des US-A-5,322,090 bekannt. Hier dient
der zweite Fadenstopper dazu, bei einem durch fehlerhaften Schusseintrag bedingten
Webstopp eine definierte Schussfadenreserve freizugeben, um ein Reissen des Schussfadens
zwischen der Hauptdüse und der eintragsseitigen Webkante zu vermeiden. Im Unterschied
dazu wird durch die vorliegende Erfindung vorgeschlagen, bei jedem Arbeitszyklus das
Abziehen des Schussfadens von der Wickeltrommel mindestens einmal zu unterbrechen.
Dies ermöglicht es insbesondere, die elastischen Eigenschaften des Schussfadens zu
berücksichtigen.
[0018] Vorzugsweise wird die weitere Fadenlänge durch den Winkelabstand bemessen, den die
beiden Fadenstopper bezüglich der Umfangsrichtung der Wickeltrommel zueinander aufweisen.
Dies hat den Vorteil, dass die weitere Fadenlänge in einfacher Weise an die elastischen
Eigenschaften des jeweiligen Schussgarns angepasst werden kann. Die beiden Fadenstopper
sind in der Nähe der äusseren Umfangsfläche der Wickeltrommel angeordnet und weisen
bezüglich der Umfangsrichtung der Wickeltrommel einen einstellbaren Winkelabstand
zueinander auf. Bei gegebenem Radius der Wickeltrommel lässt sich dann die weitere
Fadenlänge auf den gewünschten bzw. benötigten Wert einstellen, in dem der zweite
Fadenstopper relativ zum ersten Fadenstopper entlang der Umfangsrichtung verschoben
wird.
[0019] Apparativ wird durch die Erfindung eine Vorrichtung für den Schusseintrag bei einer
Düsenwebmaschine vorgeschlagen, mit einer Fadenzuliefervorrichtung, die eine Wickeltrommel
aufweist, von welcher in jedem Arbeitszyklus ein einzutragender Schussfaden vorgebbarer
Länge abziehbar ist, mit einer Hauptdüse zum Eintragen des Schussfadens in ein geöffnetes
Webfach, welche Hauptdüse mit einem Transportmedium gespeist werden kann, sowie mit
einer Schneideinrichtung zum Schneiden des Schussfadens an der der Hauptdüse zugewandten
Warenkante. Es sind Mittel vorgesehen, um in jedem Arbeitszyklus das Abziehen des
einzutragenden Schussfadens mindestens einmal zu unterbrechen, derart, dass zunächst
eine erste vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel freigegeben wird
und anschliessend mindestens noch eine weitere vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen
von der Wickeltrommel freigegeben wird.
[0020] Vorzugsweise umfassen die Mittel einen ersten und einen zweiten Fadenstopper zum
Zusammenwirken mit der Wickeltrommel und eine Steuereinheit, wobei die Steuereinheit
nach dem Abziehen der ersten Fadenlänge den ersten Fadenstopper mit der Wickeltrommel
in Wirkverbindung bringt, so dass ein weiteres Abziehen verhindert wird, und zum Bereitstellen
der weiteren Fadenlänge die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper und der
Wickeltrommel löst, so dass die weitere Fadenlänge von der Wickeltrommel abgezogen
wird, bis die Wirkverbindung zwischen dem zweiten Fadenstopper und der Wickeltrommel
ein weiteres Abziehen verhindert.
[0021] Es ist vorteilhaft, wenn die Fadenstopper (41,42) in der Nähe der äusseren Umfangsfläche
der Wickeltrommel (3) angeordnet sind und bezüglich der Umfangsrichtung einen einstellbaren
Winkelabstand zueinander aufweisen. Durch diese Massnahme lässt sich die Fadenlänge
in einfacher Weise einstellen und z. B. an die Eigenschaften des Schussgarns anpassen
[0022] Die Erfindung eignet sich insbesondere für das Weben mit relativ elastischen Schussgarnen.
Damit ist gemeint, dass der Schussfaden beim Eintragen eine relative Dehnung von mindestens
einem Prozent erfährt. Die relative Dehnung kann aber durchaus auch mehr betragen.
Durch die Möglichkeit des Entspannens des Schussfadens beispielsweise vor dem Schneiden
besteht keine Gefahr eines Herausspringens des Schussfadens aus der Hauptdüse.
[0023] Insbesondere eignet sich die Erfindung für das Weben von Teppichgrundgewebe. Hier
wird als Schussfaden üblicherweise ein Polypropylen-Material verwendet.
[0024] Ferner ist die Erfindung besonders gut für sehr grosse Webbreiten von beispielsweise
mehr als vier Meter, insbesondere mehr als fünf Meter geeignet. Beim Eintragen mit
Luft über solch grosse Breiten muss eine erhebliche Zugkraft auf den Schussfaden ausgeübt
werden, so dass dieser eine sehr grosse elastische Dehnung erfährt. Durch die Möglichkeit
des jeweiligen Entspannenn des Schussfadens z .B. vor dem Eintragsende und/oder vor
dem Schneiden lassen sich auch hier ungewollte Maschinenstopps vermeiden.
[0025] Weitere vorteilhafte Massnahmen und bevorzugte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben
sich aus den abhängigen Ansprüchen.
[0026] Im Folgenden wird die Erfindung sowohl in apparativer als auch in verfahrenstechnischer
Hinsicht anhand von Ausführungsbeispielen und anhand der Zeichnung näher erläutert.
In der schematischen, nicht massstäblichen Zeichnung zeigen:
- Fig. 1:
- eine schematische Darstellung wesentlicher Teile einer Düsenwebmaschine mit einem
Ausführungsbeispiel der Erfindung,
- Fig. 2:
- eine Ansicht der Fadenliefervorrichtung,
- Fig. 3:
- ein Diagramm zur Veranschaulichung des Arbeitszyklus
- Fig. 4:
- ein Detail aus Fig. 1,
- Fig. 5:
- eine Detaildarstellung des vorderen Endes der Wickeltrommel, und
- Fig. 6:
- eine schematische Darstellung eines anderen Ausführungsbeispiels einer Fadenliefervorrichtung.
[0027] Fig. 1 zeigt in einer schematischen Darstellung wesentliche Teile einer Düsenwebmaschine,
speziell einer Luftdüsenwebmaschine, die gesamthaft mit dem Bezugszeichen 1 bezeichnet
ist, und ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen Vorrichtung für den Schusseintrag
umfasst. An sich hinreichend bekannte Komponenten der Luftdüsenmaschine wie Antrieb,
Kettbaum, Warenabzug, Schussfadenspulen sind aus Gründen der besseren Übersicht nicht
dargestellt.
[0028] Die erfindungsgemässe Vorrichtung für den Schusseintrag umfasst eine Fadenliefervorrichtung
2 mit einer Wickeltrommel 3. Fig. 2 zeigt eine Vorderansicht der Fadenliefervorrichtung
2. Die Wickeltrommel 3 ist stationär angeordnet. Eine in dieser Darstellung nicht
zu erkennende Wickelvorrichtung zieht den Faden von einer Fadenspule (nicht dargestellt)
ab und legt ihn in Form von mehreren Wicklungen als Fadenvorrat F auf der äusseren
Mantelfläche der Wickeltrommel 3 ab. Vom darstellungsgemäss vorderen Ende der Wickeltrommel
3 ist der Fadenvorrat F als Schussfaden S1 abziehbar und gelangt durch ein Führungselement
5 zu den Düsen für den Schusseintrag.
[0029] Bei der Luftdüsenwebmaschine 1 erfolgt der Schusseintrag mittels Luft. Bei dem hier
dargestellten Ausführungsbeispiel sind für das Beschleunigen des einzutragenden Schussfadens
zwei in Serie angeordnete Düsen vorgesehen, nämlich eine Vordüse 10 und eine Hauptdüse
11 (diese ist in Fig. 1 in zwei unterschiedlichen Positionen A, B dargestellt, was
weiter hinten noch erläutert wird). Beide Düsen werden mit Luft gespeist. Insbesondere
bei grossen Webbreiten hat es sich bewährt, schussseitig zwei hintereinander angeordneten
Düsen 10 und 11 vorzusehen, denn durch diese Massnahme lässt sich die Strecke, über
die der einzutragende Schussfaden S1 beschleunigt werden kann, vergrössern.
[0030] Von der Hauptdüse 11 wird der Schussfaden S1 durch das geöffnete Webfach 17 eingetragen.
Das Webfach 17 wird in bekannter Weise durch eine Vielzahl von Kettfäden K gebildet.
Entlang der Schusseintragsstrecke sind üblicherweise noch mehrere Hilfs- oder Stafettendüsen
(nicht dargestellt) angeordnet, welche den Eintrag des Schussfaden S1 durch das Webfach
17 unterstützen. Nach erfolgtem Schusseintrag schlägt eine Weblade 12 den Schussfaden
an das Gewebe G an, wie dies der Doppelpfeil 14 in Fig. 1 andeutet. Dann erfolgt ein
Fachwechsel, das heisst die Kettfäden K werden verkreuzt, wie dies die Pfeile 15 andeuten.
Dadurch wird der eingetragene Schussfaden S1 über die gesamte Webbreite in das Gewebe
G eingebunden. Anschliessend wird der soeben eingetragene Schussfaden S1 mit einer
Schneideinrichtung 16 an der der Hauptdüse 11 zugewandten Warenkante geschnitten,
so dass ein neuer Fadenanfang für den nächsten Schusseintrag bereit ist.
[0031] Auf diese Weise wird das aus Schussfäden S und Kettfäden K gewobene Gewebe G hergestellt.
[0032] Bei dem hier dargestellten Ausführungsbeispiel der Luftdüsenwebmaschine 1, ist die
Vordüse 10 stationär bezüglich der Maschine angeordnet, während die Hauptdüse 11 so
angeordnet ist, dass sie sich synchron mit der Weblade 12 bewegt. Beispielsweise kann
die Hauptdüse 11 direkt an der Weblade 12 befestigt sein. Natürlich sind auch andere
Anordnungen möglich, beispielsweise können beide Düsen 10 und 11 stationär bezüglich
der Maschine 1 angeordnet sein oder beide mit der Weblade bewegbar montiert sein.
Auch ist es möglich auf die Vordüse 10 zu verzichten und/oder eine längere Hauptdüse
11 vorzusehen.
[0033] In Fig. 1 sind der einzutragende Schussfaden S1, die Hauptdüse 11 und die Weblade
12 in zwei Positionen A und B dargestellt, welche den Umkehrpunkten der oszillierenden
Bewegung der Weblade 12 entsprechen. In der mit A bezeichneten Position ist die Weblade
in ihrer entferntesten Stellung vom Gewebe G. Zu dieser Position A gehört die durchgezogenen
Darstellung des Schussfadens S1. Bei der mit B bezeichneten Position, zu der die punkt-strichlierte
Darstellung des Schussfadens S1 gehört, schlägt die Weblade 12 den soeben eingetragenen
Schuss an den Warenrand des Gewebes G an. Zu erkennen ist das Mitbewegen der Hauptdüse
11 mit der Weblade 12 zwischen den Positionen A und B.
[0034] Die Fadenzuliefervorrichtung 2 umfasst einen ersten Fadenstopper 41 sowie einen zweiten
Fadenstopper 42. Beide Fadenstopper 41,42 sind jeweils derart ausgestaltet, dass sie
ein weiteres Abziehen des Fadens von der Wickeltrommel 3 verhindern, sobald sie in
Wirkverbindung mit der Wickeltrommel 3 gebracht werden. Vorzugsweise sind die Fadenstopper
41, 42 in der Nähe der äusseren Umfangsfläche der Wickeltrommel 3 angeordnet und elektromagnetisch
betätigbar. Bei der in Fig. 1 bzw. Fig. 2 dargestellten Ausführungsform der Fadenzuliefervorrichtung
2 ist eine ringförmige Halterung 6 vorgesehen, welche das darstellungsgemäss vordere
Ende (Abzugsseite) der Wickeltrommel 3 konzentrisch umgibt. An der der Wickeltrommel
3 zugewandten Innenfläche der Halterung 6 sind die Fadenstopper 41,42 montiert. Sie
können beispielsweise - wie in Fig. 1 angedeutet - mittels Schrauben an der Halterung
6 befestigt sein, oder in einer Schiene fixiert und geführt sein. Die Fadenstopper
41 und 42 sind relativ zur äusseren Umfangsfläche der Wickeltrommel 3 in verschiedenen
Winkelpositionen fixierbar. Somit ist der Winkelabstand der beiden Fadenstopper 41,42
- in der Zeichnung dargestellt durch die Bogenlänge X - relativ zueinander einstellbar.
Der zweite Fadenstopper 42 ist in Fadenabzugsrichtung vor dem ersten Fadenstopper
41 angeordnet. Es versteht sich, dass natürlich auch mehr als zwei Fadenstopper 41,42
an der Halterung vorgesehen sein können. Ein solches Ausführungsbeispiel wird im Zusammenhang
mit Fig. 6 erläutert.
[0035] Jeder Fadenstopper 41,42 umfasst einen elektromagnetisch betätigbaren Pin 411 bzw.
421 der in radialer Richtung der Wickeltrommel 3 bewegbar ist. Entlang des Umfangs
der Wickeltrommel 3 und den Pins 411,421 gegenüberliegend angeordnet sind mehrere
Bohrungen 31 in der Umfangsfläche der Wickeltrommel 3 vorgesehen, die jeweils zum
Zusammenwirken mit einem Pin 411,421 ausgestaltet sind. Anstelle der Bohrungen 31
kann auch eine Ringnut vorgesehen sein, um eine stufenlose Verschiebung der Fadenstopper
41,42 zu ermöglichen. Um die Wirkverbindung zwischen dem jeweiligen Fadenstopper 41,
42 und der Wickeltrommel 3 herzustellen, wird der zugehörige Pin 411,421 elektromagnetisch
betätigt, so dass er in die ihm gegenüberliegende Bohrung 31 der Wickeltrommel eindringt
und so ein weiteres Abziehen des Fadenvorrats F verhindert. Zum Lösen der Wirkverbindung
wird der Pin 411 bzw. 421 aus der Bohrung 31 zurückgezogen, so dass der Fadenvorrat
von der Wickeltrommel 3 abziehbar ist.
[0036] Zur Ansteuerung der Fadenstopper 41, 42 ist eine Steuereinheit 20 vorgesehen, welche
über Signalleitungen 21, 22 mit den Fadenstoppern 41, 42 zu deren Betätigung verbunden
ist. Die Steuereinheit 20 kann in der Gesamtsteuerung der Webmaschine 1 integriert
sein oder in der Steuerung der Fadenzuliefervorrichtung 2. Die Steuereinheit 20 erhält
Eingangssignale, die in Fig. 1 summarisch durch die Signalleitung 23 angedeutet sind.
Die Eingangssignale umfassen beispielsweise Signale, welche die richtige Ankunft des
Schussfadens S1 anzeigen oder andere Sensorsignale. Mit Hilfe der Eingangssignale
ermittelt die Steuereinheit 20 für jeden Fadenstopper die Zeiten, zu denen die Wirkverbindung
mit der Wickeltrommel 3 hergestellt bzw. gelöst werden soll, und übermittelt die entsprechenden
Steuersignale über die Signalleitungen 21 und 22 an die Fadenstopper 41,42.
[0037] Erfindungsgemäss wird nun vorgeschlagen, dass in jedem Arbeitszyklus das Abziehen
des einzutragenden Schussfadens S1 mindestens einmal unterbrochen wird, derart, dass
zunächst eine erste vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel 3 freigegeben
wird und anschliessend mindestens noch eine weitere vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen
von der Wickeltrommel 3 freigegeben wird. In jedem Arbeitszyklus wird also der Schussfaden
in mindestens zwei Schritten von der Wickeltrommel abgezogen. Dieses quasi etappenweise
Abziehen des Schussfadens ermöglicht es zum Beispiel, an einem oder mehreren Zeitpunkten
des Arbeitszyklus jeweils eine gezielte Entspannung des Schussfadens zu realisieren.
[0038] Dies wird nun anhand eines Ausführungsbeispiels erläutert, bei welchem der Schussfaden
in jedem Arbeitszyklus in zwei Schritten von der Wickeltrommel 3 abgezogen wird. Zunächst
wird eine erste Fadenlänge von der Wickeltrommel abgezogen und anschliessend wird
eine weitere - also eine zweite - Fadenlänge zum Abzug freigegeben, um den eingetragenen
Schussfaden vor dem eintragsseitigen Schneiden zu entspannen.
[0039] Im Betrieb wird für den Eintrag eines Schussfadens zunächst eine vorgebbare erste
Fadenlänge, die von der Webbreite abhängig ist, von der Wickeltrommel 3 abgezogen
und mittels der Düsen 10,11 in das geöffnete Webfach 17 eingetragen. Bei Vollendung
des Schusseintrags, das heisst, wenn die vorgebbare erste Fadenlänge von der Wickeltrommel
3 abgezogen ist, was in an sich bekannter Weise mittels nicht dargestellter Sensoren
ermittelt werden kann, werden beide Fadenstopper 41 und 42 durch ein entsprechendes
Signal der Steuereinheit 20 in Wirkverbindung mit der Wickeltrommel 3 gebracht. Die
Pins 411 und 421 dringen in die ihnen jeweils gegenüberliegenden Bohrungen 31 der
Wickeltrommel 3 ein. Der von der Wickeltrommel 3 kommende Faden liegt dann am Pin
411 des ersten Fadenstoppers 41 an und kann nicht weiter abgezogen werden. In Fig.
1 ist dies durch die durchgezogenen Darstellung des Fadens an der Wickeltrommel 3
veranschaulicht. Nachdem der soeben eingetragene Schuss an das Gewebe angeschlagen
ist (Position B der Weblade 12) und durch den Fachwechsel in das Gewebe G eingebunden
ist, löst die Steuereinheit 20 die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper
41 und der Wickeltrommel 3. Nun kann wieder Faden von der Wickeltrommel 3 abgezogen
werden, nämlich solange, bis der Faden an dem Pin 421 des zweiten Fadenstoppers 42
anliegt (gestrichelte Darstellung), der sich noch in Wirkverbbindung mit der Wickeltrommel
3 befindet. Durch diese Massnahme wird die zweite Fadenlänge freigegeben, deren Länge
durch die Bogenlänge X bestimmt ist. Diese zweite Fadenlänge dient dazu, den Schussfaden
vor dem Schneiden zu entspannen und seine elastische Dehnung zumindest zu reduzieren.
Nachdem die zweite Fadenlänge freigegeben worden ist und dadurch der eingetragene
Schussfaden S1 entspannt ist, wird der Schussfaden S1 mittels der Schneideinrichtung
16 an der der Hauptdüse benachbarten Warenkante geschnitten, so dass wieder ein neuer
Fadenanfang für den nächsten Schusseintrag bereit ist. Für den folgenden Schusseintrag
wird im anschliessenden Webzyklus die Wirkverbindung zwischen dem zweiten Fadenstopper
42 und der Wickeltrommel 3 gelöst.
[0040] Es ist nicht notwendig, den ersten und den zweiten Fadenstopper 41 bzw. 42 zum gleichen
Zeitpunkt mit der Wickeltrommel 3 in Wirkverbindung zu bringen, wesentlich ist, dass
sie Wirkverbindung zwischen zweitem Fadenstopper 42 und Wickeltrommel 3 dann besteht,
wenn die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper 41 und der Wickeltrommel
3 gelöst wird.
[0041] Die Länge der zweiten Fadenlänge, die nach jedem Schusseintrag und vor jedem Schneiden
zur Entspannung des Fadens freigegen wird, wird über den relativen Winkelabstand der
beiden Fadenstopper 41 und 42 zueinander, also über die Bogenlänge X bemessen bzw.
eingestellt und an die jeweiligen Gegebenheiten, z. B. E-Modul des Schussfadens, Dehnung
des Schussfadens, auf den Schussfaden wirkende Kraft usw. angepasst.
[0042] Wird mit verschiedenen Schussgarnen gearbeitet (Mehrschusseintrag), so kann an jeder
Fadenzuliefervorrichtung 2 die zusätzliche Fadenlänge individuell für das zugehörige
Schussgarn eingestellt werden.
[0043] Dieses Ausführungsbeispiel eignet sich insbesondere für das Weben mit sehr elastischen
Schussfäden, beispielsweise für die Herstellung von Teppichgrundgewebe, wo typischerweise
Schussgarn aus Polypropylen verwendet wird, und/oder für sehr grosse Webbreiten von
vier Metern und mehr, bei denen starke Zugkräfte durch das Transportmedium auf den
Schussfaden ausgeübt werden. Durch das jeweilige Entspannen jedes eingetragenen Schussfadens
nach dem Fachwechsel und vor dem Schneiden, wird ein unbeabsichtigtes Herausschnellen
des Fadens aus der Düse wirkungsvoll verhindert und somit ein unwirtschaftlicher Webstopp
verhindert.
[0044] Die Freigabe der mindestens einen weiteren Fadenlänge kann je nach dem gewünschten
Effekt zu verschiedenen Zeipunkten des Arbeitszyklus der Webmaschine 1 erfolgen. Zum
besseren Verständnis zeigt Fig. 3 eine schematische Darstellung des Arbeitszyklus
einer Luftdüsenwebmaschine 1. Wie allgemein üblich wird der Arbeitszyklus durch den
Drehwinkel der Hauptwelle der Maschine beschrieben. Dieser Winkel ist in Fig. 3 auf
der Achse MW abgetragen. Es sind zwei Arbeitszyklen dargestellt, die sich jeweils
von 0° bis 360° erstrecken. Im vorliegenden Beispiel ist der Nullpunkt, also 0° bzw.
360°, der Zeitpunkt bzw. der Winkel, bei dem die Weblade 12 den Schussfaden S1 an
das Gewebe anschlägt. Die Kurve E zeigt stark vereinfacht den Druckluftverlauf in
der Hauptdüse 11. Der Druck wechselt zwischen dem Einblasdruck ED, der während des
Schusseintrags anliegt und dem deutlich niedrigeren Haltedruck HD, der zwischen zwei
aufeinanderfolgenden Schüssen anliegt und den Anfang des Schussfadens nach dem Schneiden
hält und streckt. Bei einem Winkel W1 beginnt der Schusseintrag, die Hauptdüse 11
wird mit dem Einblasdruck ED beaufschlagt und beschleunigt den einzutragenden Schussfaden
in das geöffnete Webfach 17. Beim Winkel W2 ist der Schusseintrag beendet, die Hauptdüse
11 wird mit dem niedrigeren Haltedruck HD beaufschlagt. Bei 0° bzw. 360° wird der
eingetragene Schussfaden an das Gewebe G angeschlagen. Dies erfolgt üblicherweise
überlappend mit dem Fachwechsel. Beim Winkel C erfolgt das eintragsseitige Schneiden
des Schussfadens mit der Schneideinrichtung 16.
[0045] Vorzugsweise erfolgt das Freigeben der weiteren Fadenlänge innerhalb einer Phase,
welche beginnt, bevor das Eintragen des Schussfadens beendet ist, und welche Phase
endet, nachdem das Eintragen des folgenden Schussfadens begonnen hat. Diese Phase
P ist in Fig. 3 eingezeichnet.
[0046] Bei der vorne beschriebenen Variante, bei welcher der Schussfaden jeweils nach dem
Einbinden in das Gewebe und vor dem eintragsseitigen Schneiden entspannt wird, erfolgt
die Freigabe der weiteren Fadenlänge bei einem Winkel, der zwischen 0° und C liegt.
[0047] Im Folgenden werden weitere vorteilhafte Varianten erläutert: Die weitere Fadenlänge
kann beispielsweise vor dem Ende des Schusseintrags freigegeben werden, z. B. bei
dem Winkel D. Zunächst wird die erste Fadenlänge von der Wickeltrommel 3 abgezogen.
Vor Erreichen des Winkels D werden dann die beiden Fadenstopper 41 und 42 in Wirkverbindung
mit der Wickeltrommel 3 gebracht, wodurch die erste Fadenlänge begrenzt wird. Beim
Winkel D wird dann der erste Fadenstopper 41 gelöst, wodurch eine weitere Fadenlänge
zum Abziehen von der Wickeltrommel freigegeben wird. Die weitere Fadenlänge ist dabei
durch die Position des zweiten Fadenstoppers 42 so bemessen, dass sie für die Vervollständigung
des Schusseintrags ausreichend ist. Die Massnahme hat den Vorteil, dass der Schussfaden
sanfter abgebremst wird, wodurch Stoppschläge bzw. Streckschläge vermieden werden.
Vor dem endgültigen Abbremsen des Schussfadens erfolgt nämlich eine Entspannung des
Schussfadens. Bevor dessen Masse durch das Anliegen am ersten Fadenstopper 41 unter
hohem Spannungsanstieg vollends abgebremst wird, erfolgt das Lösen des ersten Fadenstoppers
41. Der Rest der Bremsung des Schussfadens erfolgt dann erst durch den zweiten Fadenstopper
42. Bei dieser Variante wird also eine zusätzliche Fadenlänge bereitgestellt, um den
Schussfaden durch eine Entspannung sanfter zu bremsen.
[0048] Eine andere Variante besteht darin, eine oder die weitere Fadenlänge freizugeben,
nachdem das Eintragen des Schussfadens beendet ist und bevor der Schussfaden durch
den Fachwechsel vollständig in das Gewebe eingebunden ist, also etwa im Bereich von
0°. Der eingetragene Schussfaden wird während des Anschlagens entspannt, jedoch noch
vor seiner vollständigen Einbindung durch die Verkreuzung der Kettfäden. Durch diese
generelle, gezielte Entspannung des Schussfadens vor seiner Einbindung ins Gewebe
lässt sich die Querspannung des Gewebes und damit sein Einsprung reduzieren.
[0049] Ferner ist die Variante möglich, eine oder die weitere Fadenlänge nach dem Schneiden
des eingetragenen Schussfadens und vor dem Beginn des Eintragens des folgenden Schussfadens
freizugeben, um den Anfang des Schussfadens von der Hauptdüse zum Beginn des Eintragkanals
zu transportieren. Die Freigabe der weiteren Fadenlänge erfolgt also zwischen C und
W1. Diese Variante wird anhand der Fig. 4 erläutert, die ein Detail aus Fig. 1 darstellt.
Zu erkennen sind die Vor- und die Hauptdüse 10, 11, der einzutragende Schussfaden
S1, der Anfang der Weblade 12 sowie der Beginn des Eintragkanals 18. Nachdem der vorangehende
Schussfaden eintragsseitig geschnitten wurde, wird der Anfang des neuen Schussfadens
durch den Halteluftstrom (Haltedruck HD) in der Hauptdüse 11 gehalten. Typischerweise
befindet sich der Fadenanfang im Bereich des der Warenkante zugewandten Ausgangs der
Hauptdüse 11. Wird nun die weitere Fadenlänge freigegeben, so wird der Anfang des
Schussfadens in die in Fig. 4 gezeigte Position, nämlich zum Beginn des Eintragskanals
18 transportiert und gestreckt. Eventuell kann es vorteilhaft oder notwendig sein,
den Haltedruck etwas zu erhöhen. Wenn nun die Hauptdüse mit dem deutlich höheren Einblasdruck
ED beaufschlagt wird, befindet sich der Anfang des einzutragenden Schussfadens bereits
am Beginn des Eintragskanals 18 und kann diesen nicht mehr verfehlen.
[0050] Häufig befindet sich zwischen der Warenkante und dem ihr zugewandten Ende der Hauptdüse
11 eine Einlegevorrichtung zur Bildung der Warenkante. Dies hat zur Folge, dass die
Hauptdüse 11 nicht unmittelbar am Beginn des Eintragkanals vorgesehen sein kann. Somit
muss der Schussfaden zunächst die relativ grosse Distanz L zwischen Ausgang der Hauptdüse
11 und Beginn des Eintragkanals 18 überwinden, wo zudem Turbulenzen auftreten können.
Wird der Schussfaden aus der Hauptdüse heraus mit dem hohen Einblasdruck ED beschleunigt,
so besteht die Gefahr, dass der Anfang des Schussfadens den Eintragskanal 18 verfehlt.
Dies führt zur Bildung von Krangeln im Schussfaden, die üblicherweise einen Maschinenstopp
zur Folge haben. Durch die vorangehend beschriebene Variante, lässt sich dieses Problem
lösen, weil durch die Freigabe der Fadenlänge vor dem Einschalten des hohen Einblasdrucks
der Anfang des Schussfadens bereits durch den wesentlich niedrigeren Haltedruck HD
bzw. ein gegenüber dem Haltedruck leicht erhöhten Druck zum Beginn des Eintragkanals
18 transportiert wird.
[0051] Auch durch diese Variante lassen sich unerwünschte Stopps der Webmaschine vermeiden.
[0052] Ein weiterer vorteilhafter Effekt, der sich mit der Entspannung des Schussfadens
durch Freigeben einer weiteren Fadenlänge erzielen lässt, wird anhand von Fig. 5 erläutert.
Fig. 5 zeigt in einer Seitenansicht das vordere Ende der Wickeltrommel 3, von welchem
der Schussfaden S1 abgezogen wird. Der Fadenvorrat ist in Form von mehreren Wicklungen
F1, F2, F3, F4 auf die Wickeltrommel 3 aufgewickelt. Die in Fig. 5 dargestellte Situation
entspricht beispielsweise dem Zustand nach Beendigung des Schusseintrags. Der Schussfaden
S1 wurde in Richtung des Pfeils von der Wickeltrommel 3 abgezogen und liegt nun an
einem Fadenstopper, hier am Pin 411 des ersten Fadenstoppers 41 an. Aus zeichnerischen
Gründen nicht dargestellt ist der zweite Fadenstopper 42 dessen Pin in die dargestellte
Bohrung 31 eingreift. Durch das üblicherweise sehr starke Abbremsen des Schussfadens
beim Beenden des Eintrags kommt es vor, dass sich die erste oder die ersten der Wicklungen
F1-F4 festziehen. Sie werden durch die Zugkraft beim Abbremsen des Schussfadens sehr
stark gegen die Wickeltrommel gezogen und sind quasi verzurrt. Dies kann zu erheblichen
Problemen beim Beginn des nächsten Schusseintrags führen. Wird der Fadenstopper 41
für den nächsten Schusseintrag gelöst, so dauert es zu lange, bis mittels des Einblasdrucks
der Faden vom Umfang der Wickeltrommel gelöst werden kann. Dies führt zu Schussfehlern
und somit zum Maschinenstopp. Auch zur Lösung dieses Problems kann die Erfindung vorteilhaft
genutzt werden. Nach Beendigung des Schusseintrags, wenn der Schussfaden S1 wie in
Fig. 5 durchgezogen dargestellt, am Pin 411 anliegt, wird die Wirkverbindung zwischen
dem ersten Fadenstopper 41 und der Wickeltrommel 3 durch Zurückziehen des Pins 411
gelöst. Dadurch wird mittels des Haltedrucks HD oder gegebenenfalls eines etwas erhöhten
Haltedrucks bereits mit dem Lösen bzw. mit dem Lockern des Fadens auf der Wickeltrommel
begonnen. Falls sich der Faden durch Beaufschlagung mit dem Haltedruck schon vollkommen
von der Wickeltrommel löst, kommt er zum Anliegen an den Pin des in Fig. 5 nicht dargestellten
zweiten Fadenstoppers 42, der in die Bohrung 31 eingreift. Der Faden befindet sich
dann in der in Fig. 5 gestrichelt dargestellten Position. Ein weiteres Abziehen des
Fadens wird durch den zweiten Fadenstopper vermieden. Jedenfalls ist gewährleistet,
dass der Schussfaden und insbesondere die erste Wicklung F1 bei Beginn des nächsten
Schusseintrags problemlos von der Wickeltrommel abgezogen werden kann.
[0053] Das Problem des Festziehens der Wicklungen F1-F4 tritt insbesondere auch bei bandförmigen
Schussmaterialien auf. Beispielsweise wird bei der Herstellung von manchen Teppichgrundgeweben
als Schussfaden ein Polypropylen-Band mit einer Fadenbreite FB (Fig. 5) von einigen
Millimetern, beispielsweise 3 mm, verwendet. Hier kann durch das beschriebene Freigeben
der weiteren Fadenlänge wirkungsvoll vermieden werden, dass durch ein Sich-Festziehen
der Wicklungen Probleme beim folgenden Schusseintrag auftreten.
[0054] Der Effekt des Lösens des Schussfadens von der Wickeltrommel tritt bei einigen der
vorangehend beschriebenen Varianten automatisch als positive Begleiterscheinung auf,
beispielsweise, wenn eine weitere Fadenlänge nach Beendigung des Schussfadeneintrags
und vor dem schussseitigen Schneiden des Fadens freigegeben wird.
[0055] Es versteht sich, dass die verschiedenen Varianten beliebig miteinander kombiniert
werden können. So ist es möglich, in jedem Arbeitszyklus zwei oder mehr weitere Fadenlängen
zum Abziehen freizugeben. Beispielsweise kann zunächst -wie bereits beschrieben- vor
Beendigung des Schusseintrags eine weitere Fadenlänge freigegeben werden, um den Schussfaden
sanfter zu bremsen und dann kann nach dem Einbinden des Schussfadens noch eine weitere
Fadenlänge freigegeben werden, um den Schussfaden vor dem Schneiden zwischen Hauptdüse
11 und der Warenkante zu entspannen.
[0056] Insbesondere wenn mehrere weitere Fadenlängen pro Arbeitszyklus freigegeben werden
sollen, ist es vorteilhaft wenn mehr als zwei Fadenstopper vorgesehen sind.
[0057] Fig. 6 zeigt in einer schematischen Darstellung Teile eines anderen Ausführungsbeispiel
einer Fadenliefervorrichtung 2. Hier sind insgesamt vier Fadenstopper 41, 42, 43,
44 zum Zusammenwirken mit der Wickeltrommel 3 vorgesehen. Der Winkelabstand bezüglich
der Umfangsrichtung zwischen benachbarten Fadenstoppern ist vorzugsweise einstellbar,
in sinngemäss gleicher Weise wie vorne erläutert. Mit der in Fig. 6 gezeigten Ausgestaltung
ist es möglich, in jedem Arbeitszyklus mehr als eine zusätzliche Fadenlänge freizugeben.
Dazu wird beispielsweise sukzessive die Wirkverbindung zwischen den Fadenstoppern
41-44 gelöst, um nacheinander weitere Fadenlängen zum Abzug freizugeben.
[0058] Das in Fig. 6 dargestellten Ausführungsbeispiel eignet sich insbesondere auch für
solche Anwendungen, bei denen mit unterschiedlichen Schussfadenlängen gearbeitet wird.
Beispielsweise gibt es Gewebe, bei denen nur jeder zweite Schuss nach seinem Eintragen
in die Gewebekante eingelegt wird. Dementsprechend erfolgt immer abwechselnd ein Eintrag
mit grösserer Schussfadenlänge (langer Schuss) und ein Eintrag mit kleinerer Schussfadenlänge
(kurzer Schuss). Bei solchen Anwendungen können beispielsweise die Fadenstopper 41
und 43 wie vorne beschrieben für die kurzen Schüsse eingesetzt werden und in analoger
Weise die Fadenstopper 42 und 44 für die langen Schüsse. Somit kann auch beim Arbeiten
mit unterschiedlichen Schussfadenlängen in jedem Arbeitszyklus mindestens eine weitere
Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel freigegeben werden.
1. Verfahren für den Schusseintrag bei einer Düsenwebmaschine, bei welchem in jedem Arbeitszyklus
ein einzutragender Schussfaden (S1) vorgebbarer Länge von einer Wickeltrommel (3)
einer Fadenzuliefervorrichtung (2) abgezogen wird, der Schussfaden (S1) mittels einer
Hauptdüse (11), die mit einem Transportmedium gespeist wird, in ein geöffnetes Webfach
(17) eingetragen wird, durch den Fachwechsel in das Gewebe (G) eingebunden wird, und
an der der Hauptdüse (11) zugewandten Warenkante geschnitten wird, dadurch gekennzeichnet, dass in jedem Arbeitszyklus das Abziehen des einzutragenden Schussfadens (S1) mindestens
einmal unterbrochen wird, derart, dass zunächst eine erste vorgebbare Fadenlänge zum
Abziehen von der Wickeltrommel (3) freigegeben wird und anschliessend mindestens noch
eine weitere vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel (3) freigegeben
wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei welchem das Abziehen des Schussfadens (S1) unterbrochen
wird, bevor das Eintragen des Schussfadens (S1) beendet ist.
3. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welchem zum wenigstens teilweisen
Entspannen des eingetragenen Schussfadens (S1) eine der Fadenlängen freigegeben wird,
nachdem das Eintragen des Schussfadens (S1) beendet ist und bevor der Schussfaden
durch den Fachwechsel in des Gewebe (G) eingebunden ist.
4. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche wobei der zwischen Hauptdüse (11)
und Warenkante befindliche Teil des eingetragenen Schussfadens (S1) nach dem Fachwechsel
und vor dem Schneiden durch Freigeben einer der Fadenlängen wenigstens teilweise entspannt
wird.
5. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche, bei welchem eine der Fadenlängen
nach dem Schneiden des eingetragenen Schussfadens (S1) und vor dem Beginn des Eintragens
des folgenden Schussfadens freigegeben wird, um den Anfang des Schussfadens von der
Hauptdüse (11) zum Beginn des Eintragkanals (18) zu transportieren.
6. Verfahren nach einem der vorangehenden Ansprüche wobei die erste Fadenlänge für den
einzutragenden Schussfaden durch einen ersten Fadenstopper (41) und die weitere Fadenlänge
durch einen zweiten Fadenstopper (42) begrenzt wird, indem nach dem Abziehen der ersten
Fadenlänge der erste Fadenstopper (41) mit der Wickeltrommel (3) in Wirkverbindung
gebracht wird, so dass ein weiteres Abziehen verhindert wird und für die weitere Fadenlänge
die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper (41) und der Wickeltrommel (3)
gelöst wird, so dass die weitere Fadenlänge von der Wickeltrommel (3) abgezogen wird,
bis ein weiteres Abziehen durch die Wirkverbindung zwischen dem zweiten Fadenstopper
(42) und der Wickeltrommel (3) verhindert wird.
7. Vorrichtung für den Schusseintrag bei einer Düsenwebmaschine, mit einer Fadenzuliefervorrichtung
(2), die eine Wickeltrommel (3) aufweist, von welcher in jedem Arbeitszyklus ein einzutragender
Schussfaden (S1) vorgebbarer Länge abziehbar ist, mit einer Hauptdüse (11) zum Eintragen
des Schussfadens in ein geöffnetes Webfach (17), welche Hauptdüse (11) mit einem Transportmedium
gespeist werden kann, sowie mit einer Schneideinrichtung (16) zum Schneiden des Schussfadens
an der der Hauptdüse (11) zugewandten Warenkante, dadurch gekennzeichnet, dass Mittel vorgesehen sind, um in jedem Arbeitszyklus das Abziehen des einzutragenden
Schussfadens (S1) mindestens einmal zu unterbrechen, derart, dass zunächst eine erste
vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von der Wickeltrommel (3) freigegeben wird und
anschliessend mindestens noch eine weitere vorgebbare Fadenlänge zum Abziehen von
der Wickeltrommel (3) freigegeben wird.
8. Vorrichtung nach Anspruch 9 wobei die Mittel einen ersten und einen zweiten Fadenstopper
(41,42,43,44) zum Zusammenwirken mit der Wickeltrommel (3) und eine Steuereinheit
(20) umfassen, wobei die Steuereinheit (20) nach dem Abziehen der ersten Fadenlänge
den ersten Fadenstopper (41) mit der Wickeltrommel (3) in Wirkverbindung bringt, so
dass ein weiteres Abziehen verhindert wird, und zum Bereitstellen der weiteren Fadenlänge
die Wirkverbindung zwischen dem ersten Fadenstopper (41) und der Wickeltrommel (3)
löst, so dass die weitere Fadenlänge von der Wickeltrommel (3) abgezogen wird, bis
die Wirkverbindung zwischen dem zweiten Fadenstopper (42) und der Wickeltrommel (3)
ein weiteres Abziehen verhindert.
9. Vorrichtung nach Anspruch 7 oder 8, wobei die Fadenstopper (41,42,43,44) in der Nähe
der äusseren Umfangsfläche der Wickeltrommel (3) angeordnet sind und bezüglich der
Umfangsrichtung einen einstellbaren Winkelabstand zueinander aufweisen.
10. Düsenwebmaschine, insbesondere Luftdüsenwebmaschine, betrieben mit einem Verfahren
gemäss einem der Ansprüche 1-6, und/oder umfassend eine Vorrichtung gemäss einem der
Ansprüche 7-9.