[0001] Die Erfindung betrifft ein Beschattungssystem gemäß dem Oberbegriff von Anspruch
1.
[0002] In der Bau- und Fassadentechnik werden zunehmend Verglasungssysteme eingesetzt, die
über die reine Verglasungsfunktion hinaus anspruchsvolle Aufgaben übernehmen. Es sind
Systeme bekannt, mit denen das natürliche Sonnenlicht abgewiesen werden kann (Beschattung).
Dies ist hauptsächlich in den Sommermonaten relevant. Daneben wurde auch in zunehmendem
Umfang der Versuch unternommen, Verglasungssysteme in den Wintermonaten und in der
Übergangszeit (Übergangsheizperiode) für die Raumheizung zu nutzen.
[0003] Für die Beschattung eignen sich Lamellenjalousien, wie sie z.B. in der deutschen
Offenlegungsschrift DE 39 04 763 A1 und in der europäischen Patentanmeldung EP 0 948
131 A1 beschrieben sind.
[0004] Es ist die Aufgabe der Erfindung, ein Verglasungssystem zur Verfügung zu stellen,
mit dem sowohl die Beschattung als auch die Beheizung eines Raumes möglich ist.
[0005] Diese Aufgabe wird gelöst mit einem Beschattungssystem gemäß Anspruch 1. Vorteilhafte
Weiterbildungen des erfindungsgemäßen Systems sind in den Unteransprüchen beschrieben.
[0006] Ein erfindungsgemäßes Beschattungssystem weist eine innere Scheibe und eine äußere
Scheibe auf, die einen ersten Scheibenzwischenraum bilden, und eine im ersten Scheibenzwischenraum
angeordnete Lamellenjalousie mit um ihre Längsachse verschwenkbaren und wahlweise
zusätzlich heb- und senkbaren Lamellen, mit der das Innere eines Raumes beschattbar
ist. Mindestens eine der Scheiben - bevorzugt die innere Scheibe - ist elektrisch
beheizbar.
[0007] Erfindungsgemäß sind die Lamellen verschwenkbar und wahlweise zusätzlich heb- und
senkbar. Diese Ausgestaltung trägt der Erfahrung Rechnung, daß sich in der Praxis
praktisch jeder Benutzer einer Jalousie verschwenkbare Lamellen wünscht, deren Heb-
und Senkbarkeit jedoch nur in etwa 70 bis 80 % der Anwendungsfälle gefordert wird.
Bei einer Jalousie ergibt sich ein Zustand maximaler Beschattung, wenn deren Lamellenpaket
nach unten ausgefahren und die einzelnen Lamellen gegen die Sonne gedreht sind. Durch
schrittweises Drehen der Lamellen kann die Beschattung wahlweise verringert werden,
bis die Lamellen waagrecht stehen. Ausgehend von diesem Zustand ergibt ein Hochfahren
der Lamellen nur noch eine geringfügige weitere Abnahme der Beschattung, die in der
Praxis meist keine Rolle spielt. Ein Hochfahren der Lamellen hat meist nur den ästhetischen
Gewinn, daß die waagrecht stehenden Lamellen aus dem Gesichtsfeld verschwinden.
[0008] Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform ist die innere Scheibe aus zwei Einzelscheiben
aufgebaut, wobei eine Einzelscheibe an den beschattbaren Raum und die andere Einzelscheibe
an den ersten Scheibenzwischenraum angrenzt und die Einzelscheiben mit einer zwischen
ihnen angeordneten Verbindungsschicht zu einer Verbundglaseinheit verbunden sind.
Die Beheizung erfolgt bei dieser Ausführungsform durch in die Verbindungsschicht eingelassene
elektrische Heizdrähte. Bei auf dem Markt befindlichen Produkten dieser Art sind die
Einzelscheiben mit der Verbindungsschicht und den Heizdrähten so miteinander verbunden,
daß sie mit dem bloßen Auge praktisch nicht zu erkennen sind. Die Herstellung erfolgt
durch Aufeinanderlegen von elastischen Folien, bevorzugt aus PVB (Polyvinylbutyral),
in die Heizdrähte eingebettet sind, und Scheiben aus Floatglas und einer nachfolgenden
thermischen Behandlung dieses Verbundes unter Druck in einem Autoklaven.
[0009] Dieser Aufbau gibt dem Beschattungssystem die Eigenschaften von Verbundsicherheitsglas.
Sicherheitsrelevant ist die Eigenschaft von Verbundglas, bei Schlageinwirkung nicht
in kleine Stücke zu zerspringen. Zwar laufen entstehende Sprünge über die betroffene
Einzelscheibe, die innere Scheibe wird jedoch durch die Verbindungsschicht weiter
zusammengehalten und bleibt in ihrer Gesamtstruktur erhalten. Zwischen den Einzelscheiben
kann ein Stabilisierungselement angeordnet sein, bevorzugt in Gestalt einer Schicht
aus transparentem gehärteten Gießharz oder aus transparentem Kunststoff, beispielsweise
aus PVB (Polyvinylbutyral). Diese Schicht verbindet die beiden Einzelscheiben und
erweitert das System des Verbundsicherheitsglases.
[0010] Ausgehend von dem beschriebenen Aufbau mit aus zwei Einzelscheiben aufgebauter innerer
Scheibe können die Einzelscheiben bei einer anderen bevorzugten Ausführungsform auch
voneinander beabstandet sein und einen zweiten Scheibenzwischenraum bilden. Die Beheizung
erfolgt bei dieser Ausführungsform durch eine elektrisch leitende Flächenbeschichtung,
die auf derjenigen Oberfläche der an den beschattbaren Raum angrenzenden Einzelscheibe
aufgebracht ist, die an den zweiten Scheibenzwischenraum angrenzt. Dadurch strahlt
die durch die Beheizung erzeugte Wärme in Richtung auf das Innere des beschattbaren
Raumes ab. Bevorzugt ist die Flächenbeschichtung eine Hartbeschichtung aus mit Fluor
oder Indium dotiertem Zinnoxid.
[0011] Auch bei dieser Ausführungsform kann zwischen den Einzelscheiben ein Stabilisierungselement
angeordnet sein, wobei ein ganz oder teilweise umlaufender Abstandhalter bevorzugt
ist.
[0012] Bei allen beschriebenen Ausführungsformen kann die an den ersten Scheibenzwischenraum
angrenzende Oberfläche der äußeren Scheibe eine wärmereflektierende Schicht tragen.
Diese Ausführungsform ist besonders bevorzugt, weil dadurch Wärmeverluste durch Abstrahlung
nach außen vermieden werden. Insbesondere wird auf diese Weise die durch die elektrische
Heizung erzeugte Energie weitgehend vollständig dem beschattbaren Raum zugeführt.
Die Nutzung dieser Energie beträgt 90 % oder mehr. Bevorzugt sind Weichbeschichtungen
auf Edelmetallbasis, die mit dem Magnetronsputterverfahren hergestellt sind.
[0013] Die Begriffe "gas" und "gasdicht" sollen sich im Rahmen dieser Beschreibung und auch
in den Schutzansprüchen sowohl auf normale atmosphärische Luft als auch auf Schutzgase
beziehen, die in der Verglasungstechnik zum Wärme- und/oder Schallschutz eingesetzt
werden. Solche Schutzgase sind Edelgase wie Argon (Ar), Krypton (Kr) und Xenon (Xe)
sowie Schwefelhexafluorid (SF
6) oder Gemische davon.
[0014] Nachfolgend werden die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile des erfindungsgemäßen Beschattungs-
und Lichtlenksystems (kurz
"System" genannt") weiter beschrieben.
[0015] Der grundsätzliche Vorteil einer elektrischen Heizung mit Fensterscheiben liegt in
der schnellen Verfügbarkeit der Wärmeenergie. Das System hat - im Gegensatz zu allen
anderen Heizungsarten - praktisch keine Verzögerungszeit. Die Wärme ist nicht nur
schnell verfügbar, sondern entsteht auch in einer Weise, die herkömmliche Heizkörper
(Radiatoren) überflüssig macht. Beides dient dem Wohlgefühl und der Lebensqualität
des Bewohners.
[0016] Ein weitere Vorteil besteht in der Möglichkeit, durch den Einbau eines erfindungsgemäßen
Systems als Fenster oder in eine Fassade die klimatischen Bedingungen beeinflussen
zu können. In den Sommermonaten kann mit der innenliegenden Lamellenjalousie der Wärme-
und Lichtfluß gesteuert werden. In den Wintermonaten und in der Übergangsheizperiode
kann mit der beheizbaren Scheibe Wärme erzeugt werden, wobei deren schnelle Verfügbarkeit
bereits erwähnt wurde. In der Übergangsheizperiode kommt besonders eine Zusatzheizung
in Frage. Diese Wärme steht dort im Bauwerk zur Verfügung, wo klassischerweise die
größten Wärmeverluste auftreten.
[0017] Durch die Scheibenbeheizung wird die Kondensation von Feuchtigkeit und das Beschlagen
der Glasflächen verhindert. Die erzeugte Wärmeenergie entsteht als reine Wärmestrahlung
und ereicht den Raum entweder auf direktem Wege oder nach Reflexion an der bevorzugt
eingesetzten wärmereflektierenden Schicht der äußeren Scheibe. Auf Konvektion wird
also weitgehend verzichtet. Die Beheizung erfolgt deshalb praktisch ohne Zugluft und
ohne Transport von Staubpartikeln und leistet einen Beitrag zur Raumhygiene. Dieser
Effekt ist besonders im Bereich der Medizin bedeutsam, beispielsweise in Operationssälen,
Sterilräumen und Arztpraxen. Er spielt außerdem eine Rolle in Reinsträumen, in denen
mikroelektronische Produkte hergestellt werden.
[0018] Weitere Merkmale, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der vorliegenden Erfindung
ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung von bevorzugten Ausführungsformen
in Verbindung mit den Zeichnungen; es zeigen:
- Fig. 1:
- einen Querschnitt durch eine Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Beschattungssystems;
- Fig. 2:
- eine schematische Darstellung der Heizung bei einer ersten Ausführungsform der Erfindung
und
- Fig. 3:
- eine schematische Darstellung der Heizung bei einer zweiten Ausführungsform der Erfindung.
[0019] Fig. 1 zeigt den grundsätzlichen Aufbau des erfindungsgemäßen Beschattungssystems
1 im Schnitt (nachfolgend kurz "System"). Dargestellt sind die Lamellenjalousie 12
mit den Lamellen13, die zwischen zwei Scheiben 2, 3 angeordnet ist. Scheibe 2 bildet
die innere, Scheibe 3 die äußere Scheibe. Die Lamellenjalousie 12 ist durch einen
Abstandhalter 4 gefaßt, der aus vier Stücken besteht. Diese bilden einen ersten Scheibenzwischenraum
22. Gezeigt ist in Fig. 1 auch eine Versiegelung 23, die um alle vier Seiten der Scheiben
2, 3 verläuft und das System gasdicht abschließt.
[0020] Fig. 2 zeigt eine schematische Darstellung der Beheizung des erfindungsgemäßen Beschattungssystems
gemäß einer ersten Ausführungsform. Es ist zu erkennen, dass die innere Scheibe 2
aus zwei Einzelscheiben 30, 31 aufgebaut ist, wobei die Einzelscheibe 30 an den beschattbaren
Raum und die andere Einzelscheibe 31 an den ersten Scheibenzwischenraum 22 angrenzt.
Der beschattbare Raum befindet sich links von der inneren Scheibe 2. Die Einzelscheiben
30, 31 sind mit einer zwischen ihnen angeordneten Verbindungsschicht 33 zu einer Verbundglaseinheit
verbunden. Zur Vereinfachung der Zeichnung sind weitere Einzelheiten wie die Lamellenjalousie
12, Lamellen 13 und dgl. nicht gezeigt. Die Beheizung erfolgt durch elektrische Heizdrähte
32, die in die Verbindungsschicht 33 eingelassen sind. Es ist also die innere Scheibe
2 beheizt.
[0021] Fig. 3 zeigt eine schematische Darstellung der Beheizung des erfindungsgemäßen Beschattungssystems
gemäß einer zweiten Ausführungsform des erfindungsgemäßen Beschattungssystems. Auch
hier ist die innere Scheibe 2 aus zwei Einzelscheiben 30, 31 aufgebaut. Eine Einzelscheibe
30 grenzt wiederum an den beschattbaren Raum und die andere Einzelscheibe 31 an den
ersten Scheibenzwischenraum 22 an. Der beschattbare Raum befindet sich ebenfalls links
von der inneren Scheibe 2. Die Einzelscheiben 30, 31 sind hier voneinander beabstandet
und bilden einen zweiten Scheibenzwischenraum 35.
[0022] Die Beheizung erfolgt durch eine elektrisch leitende Flächenbeschichtung 34. Diese
ist auf einer Oberfläche der an den beschattbaren Raum angrenzenden Einzelscheibe
30 aufgebracht, und zwar auf der Oberfläche, die an den zweiten Scheibenzwischenraum
35 angrenzt. Es befindet sich also zwischen der Flächenbeschichtung 34 und der anderen
Einzelscheibe 31 noch eine Schicht in Gestalt des zweiten Scheibenzwischenraums 35,
die aus dem eingesetzten Füllgas besteht. Diese Anordnung führt dazu, dass die durch
die Beheizung erzeugte Wärme weitgehend vollständig in Richtung auf das Innere des
beschattbaren Raumes - in der Zeichnung also in Richtung nach links - abgestrahlt
wird.
[0023] Wie bereits erwähnt und ausführlich beschrieben, kann die an den ersten Scheibenzwischenraum
22 angrenzende Oberfläche der äußeren Scheibe 3 eine wärmereflektierende Schicht tragen.
[0024] Gezeigt sind in Fig. 2 und 3 auch Elektroden 36 zur Spannungsversorgung bzw. zum
Anschluß der Spannung. Möglich sind quasi punktförmige Elektroden mit relativ kleiner
Fläche oder mehr bandförmige Elektroden, mit denen die Spannung über eine entsprechend
größere Fläche angelegt werden kann. Mit der Größe der Elektroden (Randsschluß oder
Flächenanschluß) läßt sich die Stromverteilung über die beheizte Scheibe steuern.
Bezugszeichenliste
[0025]
- 1
- Beschattungssystem
- 2
- innere Scheibe
- 3
- äußere Scheibe
- 4
- Abstandhalter
- 12
- Lamellenjalousie
- 13
- Lamellen
- 22
- erster Scheibenzwischenraum
- 23
- Versiegelung
- 30, 31
- Einzelscheiben
- 32
- Heizdrähte
- 33
- Verbindungsschicht
- 34
- Flächenbeschichtung
- 35
- zweiter Scheibenzwischenraum
- 36
- Elektrode
1. Beschattungssystem (1), aufweisend
eine innere Scheibe (2) und eine äußere Scheibe (3), die einen ersten Scheibenzwischenraum
(22) bilden und eine
im ersten Scheibenzwischenraum (22) angeordnete Lamellenjalousie (12) mit um ihre
Längsachse verschwenkbaren und wahlweise zusätzlich hebund senkbaren Lamellen (13),
mit der das Innere eines Raumes beschattbar ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
mindestens eine der Scheiben (2, 3) elektrisch beheizbar ist.
2. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die innere Scheibe (2) beheizbar ist.
3. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die innere Scheibe (2) aus zwei Einzelscheiben (30, 31) aufgebaut ist, wobei eine
Einzelscheibe (30) an den beschattbaren Raum und die andere Einzelscheibe (31) an
den ersten Scheibenzwischenraum (22) angrenzt und die Einzelscheiben (30, 31) mit
einer zwischen ihnen angeordneten Verbindungsschicht (33) zu einer Verbundglaseinheit
verbunden sind, und daß die Beheizung durch in die Verbindungsschicht (33) eingelassene
elektrische Heizdrähte (32) erfolgt.
4. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
die innere Scheibe (2) aus zwei Einzelscheiben (30, 31) aufgebaut ist, wobei eine
Einzelscheibe (30) an den beschattbaren Raum und die andere Einzelscheibe (31) an
den ersten Scheibenzwischenraum (22) angrenzt und die Einzelscheiben (30, 31) voneinander
beabstandet sind und einen zweiten Scheinzwischenraum (35) bilden und
die Beheizung durch eine elektrisch leitende Flächenbeschichtung (34) erfolgt, die
auf derjenigen Oberfläche der an den beschattbaren Raum angrenzenden Einzelscheibe
(30) aufgebracht ist, die an den zweiten Scheinzwischenraum (35) angrenzt, wobei die
durch die Beheizung erzeugte Wärme in Richtung auf das Innere des beschattbaren Raumes
abstrahlt
5. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Flächenbeschichtung (34) eine Hartbeschichtung aus mit Fluor oder Indium dotiertem
Zinnoxid.
6. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 3 oder 4, gekennzeichnet durch ein zwischen den Einzelscheiben (30, 31) angeordnetes Stabilisierungselement.
7. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 6 in Verbindung mit Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, daß das Stabilisierungselement von einer Schicht (35) aus transparentem gehärteten Gießharz
oder aus transparentem Kunststoff gebildet wird.
8. Beschattungssystem (1) nach Anspruch 6 in Verbindung mit Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, daß das Stabilisierungselement von einem Abstandhalter gebildet wird.
9. Beschattungssystem (1) nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die an den ersten Scheibenzwischenraum (22) angrenzende Oberfläche der äußeren Scheibe
(3) eine wärmereflektierende Schicht trägt.