[0001] Die Erfindung betrifft eine Baugruppe bestehend aus einem oszillierend bewegten Stößel
und einem auf dem Außenumfang des Stößels befestigten Target zur Erzeugung von Positionssignalen,
wobei das Target in einer Umfangsnut im Stößel aufgenommen und mittels einer durch
Löten oder Kleben hergestellten Verbindungsschicht mit dem Stößel verbunden ist. Ferner
betrifft die Erfindung einen die Baugruppe enthaltenden nockenwellenlosen Aktuator
zur Betätigung eines Hubventils einer Brennkraftmaschine.
[0002] Häufig sind die nockenwellenlosen Ventiltriebe elektromagnetische Aktuatoren. Damit
der Stößel exakt positioniert werden kann, ist es erforderlich, seine Lage möglichst
exakt zu bestimmen. Hierzu werden sogenannte Targets an den Stößeln vorgesehen, deren
Positionen mittels entsprechend ausgelegter Sensoren bestimmt werden können. Bislang
werden hauptsächlich sogenannte Kupfertargets verwendet. Dazu wird eine Nut im Stößel
mit Kupfer gefüllt. Anschließend wird der Stößel üblicherweise außenseitig bearbeitet,
damit der mit Kupfer gefüllte Bereich absatzlos in die angrenzende Außenfläche des
Stößels übergeht.
[0003] Aus der DE 201 15 060 U1 ist ein Aktuator bekannt, bei dem auf dem Außenumfang des
Stößels ein wenigstens einfach geschlitzter, als separates, vorgefertigtes Teil ausgebildeter
Targetring befestigt ist, der aus einem Werkstoff auf Fe-Basis oder aus einem ferritischen
Werkstoff besteht und in eine am Stößel gebildete Umfangsnut eingelegt ist. Durch
einen Targetring, der auf Fe-Basis oder aus einem ferritischen Werkstoff besteht,
kann ein Sensor verwendet werden, der mit niedrigeren Frequenzen als bei einem Target
aus Kupfer arbeitet.
[0004] Durch die Verwendung von niedrigeren Frequenzen zur Positionsbestimmung des Stößels
ist allerdings auch die Empfindlichkeit der Sensoren gegenüber Störsignalen größer.
Untersuchungen haben ergeben, daß die schnelle oszillierende Bewegung der Stößel zu
Abknickschwingungen führt, die insbesondere im dem durch die Umfangsnut ohnehin mechanisch
geschwächten Targetbereich auftreten. Durch die Abknickschwingungen werden Druck-
und Zugspannungen vom Stößel auf das Target übertragen, die die magnetischen Eigenschaften
des Targets zeitabhängig ändern und so zu Störsignalen führen.
[0005] Die Erfindung schafft einen weitgehend störsignalfrei arbeitenden Aktuator, der eine
exakte Positionsbestimmung durch den zugeordneten Sensor ermöglicht und so über eine
verbesserte Steuerung auch die Lebensdauer des Ventiltriebs erhöht. Hierzu wird erfindungsgemäß
eine Baugruppe bereitgestellt, die aus einem oszillierend bewegten Stößel und einem
auf dem Außenumfang des Stößels befestigten Target zur Erzeugung von Positionssignalen
besteht, insbesondere für einen nockenwellenlosen Aktuator einer Brennkraftmaschine,
wobei das Target in einer Umfangsnut im Stößel aufgenommen und mittels einer durch
Löten oder Kleben hergestellten Verbindungsschicht mit dem Stößel verbunden ist, und
die dadurch gekennzeichnet ist, daß die Verbindungsschicht zur mechanischen Entkopplung
des Stößels und des Targets kraftisolierend ausgebildet ist.
[0006] Herkömmliche Löt- oder Klebeverbindungen zur Verbindung des Targets und des Stößels
sind üblicherweise massive, harte und im wesentlichen unelastische Schichten, die
keine Lasten aufnehmen können. Durch die kraftisolierende Ausbildung der Verbindungsschicht
wird erreicht, daß die durch Schwingungen und sonstige äußere Einflüsse auftretenden
Kräfte nicht mehr vom Stößel auf das Target übertragen sondern bereits von der Verbindungsschicht
aufgenommen und absorbiert werden. Damit wird das Auftreten von Störsignalen durch
eine zeitabhängige Änderung der magnetischen Eigenschaften des Targets sicher verhindert
und das Target mechanisch und magnetisch vom Stößel entkoppelt.
[0007] Die kraftisolierende Ausbildung der Verbindungsschicht wird bevorzugt dadurch erreicht,
daß die Verbindungsschicht eine Porosität aufweist, wobei die Porosität, gemessen
als Verhältnis zwischen Porenvolumen und Probenvolumen, bevorzugt mindestens etwa
10 %, besonders bevorzugt mindestens etwa 30 %, beträgt. Durch die in die Verbindungsschicht
eingebrachte Porosität kann in besonders einfacher Weise die Elastizität der Schicht
erhöht und eine schwingungsdämpfende Wirkung erzielt werden. Das Einbringen einer
Porosität in die Verbindungsschicht kann beispielsweise durch die Verwendung von Treibmitteln
oder Opfermaterialien während der Herstellung der Löt- oder Klebeverbindung erfolgen,
wie dies im Prinzip bei der Herstellung von Schaumstoffen bekannt ist.
[0008] Besonders bevorzugt weist die erfindungsgemäße Baugruppe eine Verbindungsschicht
auf, die das Target gegen die Übertragung von Zug- und Druckspannungen isoliert.
[0009] Als Verbindungsschicht kann insbesondere ein bevorzugt silberhaltiges oder nickelhaltiges
Hochtemperaturlot mit in das Lot eingebrachter Porosität verwendet werden, wobei der
Lötbereich bevorzugt zwischen 900°C und 1100°C liegt. Besonders bevorzugt ist ein
Lot auf der Grundlage von Ni, mit weiteren Anteilen an Cu, Cr und P. Mit dieser Lotverbindung
wird eine besonders haltbare und haftfeste Verbindung zwischen dem Stößel und dem
Target erreicht. Alternativ dazu ist die Verwendung einer aus einem Elastomer oder
einem offen- bzw. geschlossenzelligen Schaumstoff gebildeten Klebeverbindung denkbar.
[0010] Gegenstand der Erfindung ist ferner ein nockenwellenloser Aktuator zur Betätigung
eines Hubventils einer Brennkraftmaschine, mit einem oszillierend bewegten, mit dem
Hubventil gekoppelten Stößel, der die erfindungsgemäße Baugruppe enthält. Vorzugsweise
ist der Aktuator ein elektromagnetischer Aktuator mit einer oder zwei Spulen. Der
Stößel bildet den Ankerschaft. Dieser betätigt den Ventilschaft und ist mit dem Ventilschaft
gekoppelt oder gegebenenfalls sogar einstückig verbunden.
[0011] In dem Aktuator kann nahe des bevorzugt ringförmigen Targets ein Sensor vorgesehen
sein, der die Lage, die Geschwindigkeit oder die Beschleunigung des Targetrings und
damit des Stößels erfasst.
[0012] Der Targetring kann in bekannter Weise aus zwei oder mehr aneinandergrenzenden Ringsegmenten,
vorzugsweise Kreisringsegmenten, zusammengesetzt sein, die separate, vorgefertigte
Teile bilden können. Diese Ausführungsform bietet den Vorteil, daß der Targetring
nicht beim Befestigen elastisch verformt werden muß, sondern daß die Segmente von
radial außerhalb des Sitzes am Stößel einfach in die Umfangsnut eingelegt und mittels
der Löt- oder Klebeverbindung befestigt werden können.
[0013] Das Target besteht bevorzugt aus einer ferritischen Eisenlegierung, Stahl oder einem
anderen ferritischen Material, wie dies beispielsweise aus der DE 201 15 060 U1 bekannt
ist. Der Einsatz von ferritischen Legierungen erlaubt die genaue Positionsbestimmung
und erhöht so die Signalgenauigkeit. Der Stößel bzw. Ankerschaft kann aus nicht-magnetischen,
martensitischen oder austenitischen Werkstoffen bzw. Legierungen gebildet sein. Aufgrund
ihrer Stabilität und mechanischen Belastbarkeit sind austenitische Legierungen besonders
bevorzugt.
[0014] Die Erfindung schafft, zusammenfassend gesagt, einen Aktuator mit einem durch mechanische
und magnetische Entkoppelung störsignalfreien Target, durch das die Signalqualität
und die Genauigkeit der Positionsbestimmung deutlich gesteigert werden kann.
[0015] Weitere Merkmale und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der nachfolgenden Beschreibung
und aus den nachfolgenden Zeichnungen, auf die Bezug genommen wird. In den Zeichnungen
zeigen:
Figur 1 eine Längsschnittansicht durch einen in einer Brennkraftmaschine eingebauten
nockenwellenlosen, elektromagnetischen Aktuator zur Betätigung des Hubventils der
Brennkraftmaschine,
Figur 2 eine Schnittansicht der erfindungsgemäßen Baugruppe im Detail, und
Figur 3 eine elektronenmikroskopische Aufnahme eines Querschnitts durch die erfindungsgemäße
Baugruppe im Bereich des Targetrings.
[0016] In Figur 1 ist eine Brennkraftmaschine 10 im Bereich des Zylinderkopfes dargestellt,
bei der das Hubventil 12 durch einen nockenwellenlosen Ventiltrieb in Form eines elektromagnetischen
Aktuators 14 betätigt wird. Der Aktuator 14 umfaßt zwei Elektromagnete 16, 18, durch
die sich ein Anker oder, allgemeiner gesagt, ein Stößel 20 erstreckt, der an seinem
unteren Ende mit dem Hubventilschaft 22 verbunden ist, so daß die axiale, oszillierende
Bewegung des Stößels 20 unmittelbar eine entsprechende Bewegung des Hubventils 12
hervorruft. Die Axialbewegung des Stößels 20 soll weggesteuert erfolgen, weshalb die
Lage des Stößels möglichst exakt und schnell ermittelt werden muß. Ein den Stößel
umgebender Sensor 24 ist für die Positionsbestimmung des Stößels 20 vorgesehen. Radial
einwärts des Sensors 24 ist ein Targetring 26 in einer Umfangsnut 27 im Stößel 20
spiel- und spaltfrei befestigt. Der Sensor 24 bestimmt die Lage des Targetrings 26
und damit des Stößels 20 und des Hubventils 22.
[0017] Der Targetring 26 ist bevorzugt aus einer Eisenlegierung, Stahl oder einem ferritischen
Werkstoff gebildet. Alternativ dazu können auch herkömmliche Kupfertargets verwendet
werden. Bei der gezeigten Ausführungsform ist der Targetring ein separates, vorgefertigtes
Teil, das am Stößel durch Kleben oder Löten befestigt wird. Der Stößel oder Ankerschaft
20 besteht bevorzugt aus einer austenitischen Legierung. Es können aber auch martensitische
oder nichtmagnetische Werkstoffe verwendet werden.
[0018] In Figur 1 ist noch zu erkennen, daß das Hubventil 12 durch eine an einem Federteller
28, welcher am Ventilschaft 22 befestigt ist, angreifende Druckfeder 30 in die gezeigte
Schließstellung gedrückt wird.
[0019] Die Geometrie des Targetrings 26 und der den Targetring aufnehmenden Umfangsnut 27
ist frei wählbar, wie dies beispielsweise in der DE 201 15 060 U1 beschrieben ist.
Bevorzugt besteht der Targetring 26 aus zwei oder mehr Ringsegmenten, die einfach
von radial außen auf den Stößel, genauer gesagt in die den Außenumfang abschnittsweise
bildende Umfangsnut eingesetzt werden. Die Segmente, genauer gesagt Zylinderhalbschalen,
sind in der Umfangsnut und gegebenenfalls auch aneinander durch Löten oder Kleben
befestigt. Die Abmessungen der Segmente sind auf die der Umfangsnut abgestimmt, so
daß möglichst radial und umfangsmäßig zwischen den Segmenten kein Spalt oder Stoß
auftritt.
[0020] Die Baugruppe aus Stößel bzw. Ankerschaft 20 und Targetring 26 ist in Figur 2 im
Detail dargestellt. Zu erkennen ist insbesondere, daß der Stößel 20 und der in die
Umfangsnut 27 im Stößel eingelegte Targetring 26 mittels einer durch Löten oder Kleben
hergestellten Verbindungsschicht 40 miteinander verbunden sind. Die Verbindungsschicht
40 ist zur mechanischen Entkopplung des Stößels 20 und des Targetrings 26 kraftisolierend
ausgebildet. Dies bedeutet, daß die Verbindungsschicht 40 insbesondere die durch Schwingungen
des Stößels verursachten Druck- und Zugspannungen aufnehmen kann, die somit nicht
mehr auf den Targetring 26 übertragen werden.
[0021] Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist die Verbindungsschicht 40 eine poröse Lötverbindung
mit einer Porosität von mindestens 10%, gemessen als Porenvolumen im Verhältnis zum
Volumen der Probe. Die Lötverbindung kann durch Verlöten des Stößels 20 und des Targetrings
26 mit herkömmlichen, meist silberhaltigen Hochtemperaturloten hergestellt werden,
die zusätzlich Opfermaterialien oder Treibmittel zur Erzeugung der Porosität enthalten.
Über den Anteil der Opfermaterialien bzw. der Treibmittel kann die Porosität der Verbindungsschicht
zielgerichtet eingestellt werden, wobei die Porosität mindestens 10% betragen sollte.
Unterhalb dieser Grenze ist die kraftisolierende Wirkung der Verbindungsschicht nicht
mehr gewährleistet. Bevorzugt beträgt die Porosität der Verbindungsschicht 40 jedoch
wenigstens 30%, wodurch die Elastizität der Verbindungsschicht sowie deren schwingungsdämpfende
Wirkung zusätzlich erhöht werden. Alternativ dazu kann eine durch Kleben hergestellte
Verbindungsschicht aus einem Elastomer, das heißt einem Kunststoff mit Gummielastizität,
hergestellt sein. Des weiteren ist denkbar, für das Verkleben des Stößels 20 und des
Targets 26 einen Schaumstoff zu verwenden, beispielsweise auf der Grundlage von Polyurethan,
wodurch sich eine poröse, geschlossenzellige oder offenzellige Verbindungsschicht
40 ausbilden kann.
[0022] In Figur 3 ist der Schliff eines Querschnitts durch den Stößel 20 im Bereich des
Targetrings 26 in zweihundertfacher Vergrößerung gezeigt. Zu erkennen ist, daß die
Lötverbindung zwischen Stößel und Targetring eine durch Mikroporen, Fehlstellen und
zum Teil Anrisse im Mikroporenbereich verursachte Porosität aufweist. Dennoch ist
eine sichere Verbindung zwischen Schaft und Targetring gewährleistet.
[0023] Testversuche mit der erfindungsgemäßen Baugruppe in einem nockenwellenlosen Ventiltrieb
ergaben eine wesentliche Reduzierung der Störsignale am Sensor und damit eine verbesserte
Genauigkeit der Positionsbestimmung des Stößels. Letztlich wird somit eine verbesserte
Steuerung des Ventiltriebs ermöglicht, die auch die Lebensdauer des Bauteils erhöht.
1. Baugruppe bestehend aus einem oszillierend bewegten Stößel (20) und einem auf dem
Außenumfang des Stößels (20) befestigten Target (26) zur Erzeugung von Positionssignalen,
insbesondere für einen nockenwellenlosen Aktuator (14) einer Brennkraftmaschine (10),
wobei das Target in einer Umfangsnut (27) im Stößel (20) aufgenommen und mittels einer
durch Löten oder Kleben hergestellten Verbindungsschicht (40) mit dem Stößel (20)
verbunden ist, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) zur mechanischen Entkopplung des Stößels (20) und des
Targets (26) kraftisolierend ausgebildet ist.
2. Baugruppe nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) eine Porosität aufweist.
3. Baugruppe nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Porosität, gemessen als Verhältnis zwischen Porenvolumen und Probenvolumen, mindestens
10 %, bevorzugt mindestens 30% beträgt.
4. Baugruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) das Target (26) gegen die Übertragung von Zug- und Druckspannungen
isoliert.
5. Baugruppe nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) ein Hochtemperaturlot mit in das Lot eingebrachter Porosität
ist.
6. Baugruppe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) eine aus einem Elastomer gebildete Klebeverbindung ist.
7. Baugruppe nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Verbindungsschicht (40) eine aus einem offen- oder geschlossenzelligen Schaumstoff
gebildete Klebeverbindung ist.
8. Nockenwellenloser Aktuator zur Betätigung eines Hubventils (12) einer Brennkraftmaschine
(10), mit einem oszillierend bewegten, mit dem Hubventil (12) gekoppelten Stößel (20),
dadurch gekennzeichnet, daß der Aktuator (14) eine Baugruppe gemäß einem der vorhergehenden Ansprüche enthält.
9. Aktuator nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Aktuator (14) ein elektromagnetischer Aktuator ist und der Stößel (20) den Ankerschaft
bildet, wobei der Ankerschaft mit dem Hubventil (12) gekoppelt ist.
10. Aktuator nach Anspruch 9 oder 10, dadurch gekennzeichnet, daß nahe des Targets (26) ein Sensor (24) vorgesehen ist, der die Lage, die Geschwindigkeit
oder die Beschleunigung des Targets (26) und damit des Stößels (20) erfassen kann.