[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum spanlosen Anformen einer zylindrischen Nabe
an einem Werkstück, bei dem eine Spaltrolle mit einer spitzwinkligen Trennkannte an
das um eine Rotationsachse rotierende Werkstück zugestellt und ein Materialbereich
abgespalten wird, wobei aus dem abgespaltenen Materialbereich durch mindestens eine
Nachformrolle die zylindrische Nabe endgeformt wird. Die Erfindung betrifft weiter
eine Rolle zur Durchführung dieses Verfahrens sowie eine Drückwalzmaschine mit mindestens
einer Spaltrolle mit einer spitzwinkligen Trennkannte und mit einem Drückfutter zum
aufnehmen und halten des Werkstücks, wobei das Drückfutter relativ zu der Spaltrolle
rotierend antreibbar ist.
[0002] Ein gattungsgemäßer Stand der Technik geht beispielsweise aus der DE 41 15 423 A1
hervor. Bei diesem bekannten Verfahren wird mittels einer Rolle mit einer spitzwinkligen
Trennkannte, welche auch als Spalt- oder Schneidrolle bezeichnet wird, an einer ebenen
Ronde ein Materialbereich im Querschnitt V-förmig abgezweigt oder abgespalten. Aufgrund
der spitzwinkligen Trennkannte kann die Rolle relativ leicht in das Werkstück eindringen,
so dass auch nur geringe Umformkräfte zum Zustellen der Spaltrolle notwendig sind.
Aufgrund der geringen Umformkräfte wird das Materialgefüge sowohl des verbliebenen
radialen Werkstückbereiches als auch des abgezweigten Werkstückbereiches nicht allzu
stark belastet. Insbesondere die Gefahr der Bildung von Gefügerissen innerhalb des
Werkstückgefüges bleibt gering. Dies gilt vor allem, wenn eine Zustellung der Spaltrolle
entsprechend der Lehre der DE 41 15 423 A1 von der Außenkante an ohne ein axiales
Eindrücken in das Werkstück ausschließlich radial erfolgt. Allerdings kann sich hierbei
ein relativ langer Materialzweig bilden, dessen Werkstoff nicht vollständig zum Ausbilden
der Nabe genutzt werden kann.
[0003] Zum spanlosen Anformen einer Nabe ist es aus der DE 44 44 526 C1 weiter bekannt,
an eine Seitenfläche einer Blechplatine eine Drückrolle mit einem relativ großen Drückradius
zuzustellen, durch welche Werkstückmaterial zum Ausbilden der Nabe in einen Aufnahmeraum
gedrückt wird. Der Aufnahmeraum ist um einen mittigen Werkzeugstift gebildet und durch
einen Anschlag an einem Vorsetzer begrenzt. In Abhängigkeit von der Größe dieses Aufnahmeraumes
soll die Wanddicke der anzuformenden Nabe bestimmt werden können.
Bei diesen bekannten Verfahren sind jedoch relativ hohe axiale und radiale Umformkräfte
auf das Werkstück auszuüben. Es sind entsprechend aufwendige Maschinen vorzusehen,
wobei das Problem besteht, dass bei einer Überbeanspruchung des Materiales die anzuformende
Nabe abreißen kann.
[0004] Ein werkstückschonendes Verfahren ist aus der DE 198 49 981 A1 bekannt, bei welchem
mittels einer speziellen Umformrolle eine Nabe spanlos angeformt wird. Die spezielle
Umformrolle umfasst eine etwa rechtwinkelige Trennkante und einen sich daran unmittelbar
anschließenden Stauchbereich, dessen Außenprofil der Außenumfangskontur der anzuformenden
Nabe angepasst ist.
[0005] Der Erfindung liegt die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren, eine Rolle und eine Drückwalzmaschine anzugeben, mit welchen
eine Nabe besonders gefügeschonend und wirtschaftlich anformbar ist.
[0006] Die Aufgabe wird durch ein Verfahren mit den Merkmalen des Anspruchs 1, einer Rolle
gemäß den Merkmalen der Ansprüche 10 oder 11 sowie durch eine Drückwalzmaschine mit
den Merkmalen des Anspruchs 13 gelöst. Bevorzugte Ausführungen der Erfindung sind
in den jeweils abhängigen Ansprüchen angegeben.
[0007] Das erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Endformen
der abgespaltene Materialbereich mit einer definierten Kurvenform versehen wird. Anders
als im Stand der Technik, bei dem die Endformrolle an dem linear abgespaltenen Materialbereich
angreift, wird nach dem erfindungsgemäßen Verfahren der abgespaltene Materialbereich
mit einer speziellen, auf die gewünschte Nabenform abgestimmten Kontur versehen. Bei
den bekannten Verfahren wurde festgestellt, dass beim Formen eines V-förmig abgespaltenen
Materialbereiches zu einer zylindrischen Nabe sich über die axiale Länge der geformten
Nabe ein unterschiedliches Materialgefüge ausbildet. Dies ist darauf zurückzuführen,
dass das Material am freien Ende der Nabe stärker umgeformt und beansprucht wird als
im Übergangsbereich der Nabe zu dem Werkstückgrundkörper. Zudem neigt das Material
beim Endformen eher dazu, in Richtung des freien Endes der Nabe zu fließen, so dass
nur mit einem relativ großen Kalibrieraufwand sich eine gleichmäßige Wanddicke der
Nabe einstellen lässt. Wird gemäß der Erfindung der Materialbereich vor dem Endformen
in einer gewünschten Weise hinsichtlich seiner Außenkontur und/oder seiner Wanddicke
eingestellt, kann eine Nabe ohne aufwendiges Kalibrieren mit einem hohen Gleichmaß
hinsichtlich Wanddicke und Materialgefüge hergestellt werden. Unter einer zylindrischen
Nabe ist im Sinne der Erfindung eine axial vorstehende Nabe zu verstehen, welche an
ihrer Außen- oder Innenkontur auch Verzahnungen, Rillen, Stufen etc. aufweisen kann.
Diese können gleichzeitig mit dem Endformen spanlos ausgeformt werden. Das Verfahren
kann als Kalt- oder Warmumformung durchgeführt werden.
[0008] Eine besonders effiziente Verfahrensdurchführung besteht nach der Erfindung darin,
dass bereits beim Abspalten der Materialbereich durch die Spaltrolle mit der Kurvenform
versehen wird. Hierzu wird eine Spaltrolle mit einer entsprechenden Außenkonturierung
zur Herstellung der Kurvenform eingesetzt.
[0009] Alternativ ist es nach der Erfindung möglich, dass nach dem Spalten und vor dem Endformen
eine Zwischenformrolle zugestellt wird, durch welche der abgespaltene Materialbereich
mit der Kurvenform versehen wird. Die Zwischenformrolle formt dabei den etwa V-förmig
abgespaltenen Materialbereich in der gewünschten Weise um, so dass im anschließenden
Endformschritt die Nabe mit den gewünschten Geometrie- und Materialeigenschaften ausgebildet
werden kann.
[0010] Unter dem Begriff Kurvenform im Sinne der Erfindung ist grundsätzlich jede von einer
geraden Außenkonturlinie abweichende Konturform zu verstehen. Als besonders zweckmäßig
hat es sich nach der Erfindung jedoch herausgestellt, dass als Kurvenform eine radial
nach außen gewölbte, konvexe Kontur vorgesehen wird. Dies können eine Kreisbogenform
oder buckelförmige Stufen oder Absätze sein, welche gegebenenfalls mit einer Wandstärkenverdickung
verknüpft sein können. Durch diese konvexe Außenkontur der Nabenzwischenform ist die
Möglichkeit geschaffen, das außenliegende Material relativ einfach noch in Richtung
des Werkstückgrundkörpers zu drücken, so dass einerseits das Gefüge am freien Ende
der Nabe entlastet und sowohl das Gefüge im Übergangsbereich der Nabe zum Grundkörper
sowohl hinsichtlich einer Gefügeverfestigung als auch hinsichtlich einer gleichmäßigen
Ausbildung der Wanddicke verbessert wird.
[0011] Eine gute Materialausnutzung des abgespaltenen Materialbereiches möglichst ohne überstehendes
Restmaterial wird nach der Erfindung dadurch erreicht, dass die Nachformrolle und/oder
die Zwischenformrolle eine axiale Anschlagfläche aufweisen, durch welche eine axiale
Erstreckung des abgespaltenen Materialbereiches begrenzt wird.
[0012] Besonders bevorzugt ist es dabei, dass die axiale Anschlagfläche an einer Ausnehmung
ausgebildet ist, durch welche eine Außenkontur und/oder eine axiale Länge der anzuformenden
Nabe vorgegeben wird. Die axiale Anschlagfläche ist dabei von dem Werkzeuggrundkörper
um einen Abstandsbetrag entfernt, welcher der Länge der anzuformenden Nabe entspricht.
[0013] Eine wirtschaftliche Verfahrensdurchführung wird erfindungsgemäß dadurch gewährleistet,
dass die Nachformrolle und/oder die Zwischenformrolle an den abgespaltenen Materialbereich
zugestellt wird, noch bevor die Spaltrolle ihre Endposition erreicht hat. Hierdurch
wird sichergestellt, dass auch beim Abspalten längerer Materialbereiche der abgespaltene
Materialbereich in axialer Richtung nicht über die axiale Länge der anzuformenden
Nabe hinaus reicht.
[0014] Erfindungsgemäß ist weiter vorgesehen, dass die Spaltrolle radial und gleichzeitig
axial zugestellt wird. Hierdurch kann zusätzlich die Dicke des abgespaltenen Materialbereiches
bereits beim Spaltvorgang beeinflusst werden. Beispielsweise kann hierdurch erreicht
werden, dass die Spaltrolle mit zunehmender radialer Zustellung axial in den Werkstückgrundkörper
eingefahren wird, so dass sich ein abgespaltener Materialbereich mit zunehmender Wanddicke
zum Werkstückgrundkörper hin ausbildet.
[0015] Eine besonders effiziente Möglichkeit zur Gestaltung der Außenkontur und/oder der
Wanddicke des abgespaltenen Materialbereichs besteht erfindungsgemäß darin, dass beim
Abspalten der abgespaltene Materialbereich entlang einer Seite der Spaltrolle fließt,
welche mindestens eine Stufe aufweist.
[0016] Weiter ist nach der Erfindung eine Spaltrolle vorgesehen, welche dadurch gekennzeichnet
ist, dass ein sich an die spitzwinklige Trennkannte anschließender Seitenbereich mit
einer definierten Kurvenform ausgebildet ist. Die Trennkante ist dabei so gestaltet,
dass diese einen Spaltwinkel von unter 45°, vorzugsweise zwischen 10° und 30°, aufweist.
Der so abgespaltene Materialsteg kann erst bei weiterer radialer Zustellung der Trennkannte
entlang den kontuierten Seitenbereich fließen, wobei sich die Außenkontur des Materialbereiches
entsprechend dem konturierten Seitenbereich der Spaltrolle anpasst.
[0017] Besonders bevorzugt ist es dabei, dass an dem Seitenbereich mindestens eine Stufe
ausgebildet ist. Durch eine derartige Spaltrolle kann das zuvor beschriebene Verfahren
in einfacher Weise ausgeführt werden. Es können insbesondere mehrere Stufen vorgesehen
sein, so dass sich eingewellter Materialbereich einstellt. Eine Stufe führt dabei
zu einer Reibungserhöhung. Es kann so mehr Material in der Nähe des Übergangs zum
Werkstückgrundkörper verbleiben.
[0018] Weiterhin ist zur Durchführung des zuvor beschriebenen Verfahrens erfindungsgemäß
eine Zwischenformrolle vorgesehen, welche dadurch gekennzeichnet ist, dass eine Ausnehmung
mit einer radial verlaufenden Anschlagfläche, durch welche eine axiale Länge der anzuformenden
Nabe vorgegeben ist, und einer in Umfangsrichtung verlaufende Formgebungsfläche vorgesehen
ist, welche eine konkave Kurvenform aufweist. Die konkave Kurvenform ist dabei korrespondierend
zu der an der Nabe auszubildenden konkaven Kurvenform ausgestaltet.
[0019] Zur Durchführung des zuvor beschriebenen Verfahrens ist erfindungsgemäß eine Drückwalzmaschine
dadurch weitergebildet, dass die zuvor beschriebene Spaltrolle und/oder die zuvor
beschriebene Zwischenformrolle vorgesehen ist. Die Rollen können radial und/oder axial
an das Werkstück zugestellt werden.
[0020] Die Erfindung wird nachfolgend anhand von bevorzugten Ausführungsbeispielen weiter
erläutert, welche schematisch in den Zeichnungen dargestellt sind. In den Zeichnungen
zeigen:
- Fig. 1a bis 1d
- schematische Querschnittsansichten zu einzelnen Verfahrensschritten einer ersten erfindungsgemäßen
Verfahrensvariante;
- Fig. 2a und 2b
- schematische Querschnittsansichten zu Verfahrensschritten einer zweiten erfindungsgemäßen
Verfahrensvariante;
- Fig. 3
- einen schematischen, vergrößerten Ausschnitt von Fig. 2a;
- Fig. 4
- eine ausschnittsweise Darstellung einer erfindungsgemäßen Spaltrolle;
- Fig. 5
- eine schematische Ausschnittsansicht zu einer weiteren Verfahrensvariante ähnlich
der Darstellung von Fig. 3;
- Fig. 6a und 6b
- schematische Querschnittsansichten zu einzelnen Verfahrensschritten einer weiteren
erfindungsgemäßen Verfahrensvariante; und
- Fig. 7a und 7b
- schematische Querschnittsansichten zu einzelnen Verfahrensschritten bei einer weiteren
erfindungsgemäßen Verfahrensvariante.
[0021] Gemäß Fig. 1a wird ein Werkstück 1, welches im vorliegenden Beispiel eine ebene Metallronde
ist, jedoch auch ein tiefgezogenes, geschmiedetes, gegossenes oder sonstig vorgeformtes
Werkstück sein kann, an einem Drückfutter 45 mittels eines Gegenhalters 43 zentrisch
zu einer Rotationsachse 14 gespannt. Mittels eines nicht dargestellten Antriebes und
einer Spindel einer bekannten Drückwalzmaschine wird das Werkstück 1 in Rotation versetzt,
wobei an den Außenrand des Werkstücks 1 eine herkömmliche Spaltrolle 10 mit einer
spitzwinkeligen Trennkannte 12 zugestellt wird.
[0022] Durch das radiale Zustellen der Spaltrolle 10 wird ein Materialbereich 3 etwa V-förmig
abgespalten, wie in Fig. 1b dargestellt ist. Noch während der radialen Zustellung
der Spaltrolle 10 wird an einer anderen Umfangsstelle des Werkstücks 1 eine Zwischenformrolle
30 an den abgespaltenen Materialbereich 3 zugestellt. Die Nachformrolle 30 weist eine
Ausnehmung 34 mit einer axialen Anschlagfläche 32 sowie einer etwa axial verlaufenden
Formgebungsfläche 36 auf. Diese hat eine definierte konvexe Kontur, mit welcher eine
gewünschte Kurvenform an einer Nabenzwischenform 4 erzeugt wird. Die Nachformrolle
30 ist mit ihrer axialen Anschlagfläche 32 zunächst so ausgebildet, dass der abgespaltene
Materialbereich 3 in seiner axialen Erstreckung begrenzt ist. Die axiale Anschlagfläche
32 weist dabei einen axialen Abstand zu dem Werkstück 1 auf, welcher bereits der axialen
Länge der anzuformenden Nabe entspricht.
[0023] Durch radiales Zustellen der Spaltrolle 10 sowie der Zwischenformrolle 30 bis zu
ihrer gemeinsamen radialen Endposition wird eine definierte Nabenzwischenform 4 gemäß
Fig. 1c ausgebildet. Diese weist an ihrer Außenseite im Querschnitt eine definierte
nicht lineare Kurvenform auf, welche im vorliegenden Beispiel ein ringförmiger Buckel
ist. Entsprechend der Außenkontur der Nabenzwischenform 4 ist auch eine entsprechende
Ausbuchtung an der Innenseite mit Bildung eines ringförmigen Hohlraumes ausgeformt.
[0024] Zum Endformen der Nabe wird eine Nachformrolle 20 radial an die Nabenzwischenform
4 zugestellt. Die Nachformrolle 20 weist dabei eine Ausnehmung 24 mit einer axialen
Anschlagfläche 22 auf, welche entsprechend der Kontur der anzuformenden Nabe 5 gestaltet
sind. Die Nabenzwischenform 4, welche in ihrer axialen Länge bereits der fertigen
Nabe 5 entspricht, jedoch nur bereichsweise an dem die Innenkontur der Nabe 5 vorgebenden
Gegenhaltung 43 anliegt, wird durch die Nachformrolle 20 unter Beibehaltung der axialen
Länge radial zusammengedrückt, wobei das Werkstückmaterial des ringförmigen Buckels
in radialer Richtung und auch in axialer Richtung auf einen Grundkörper 2 des Werkstücks
1 fließt. Dabei wird eine besonders maßhaltige Gestaltung der Nabe 5 im kritischen
Übergangsbereich zum Grundkörper 2 des Werkstücks 1 erreicht. Durch die Nachformrolle
20 wird die Nabe 5 endgeformt, wobei die Innenkontur der Nabe 5 durch die Außenkontur
des zylindrischen Gegenhalters 43 bestimmt wird. Die Nachformrolle 20 oder der Gegenhalter
43 können auch Verzahnungen, Rillen etc. aufweisen, um gewünschte Konturen auszuformen.
[0025] Eine weitere Möglichkeit für eine feste und zuverlässige Ausformung einer Nabe 5
am Übergang zum Grundkörper 2 eines Werkstückes 1 ist in den Fig. 2a und 2b dargestellt.
Eine Spaltrolle 10 mit einer spitzwinkligen Trennkante 12 wird an ein Werkstück 1
zugestellt, wobei ein etwa V-förmiger Materialbereich 3 abgespalten wird. Die Spaltrolle
10 braucht nicht am äußeren Rand des Werkstücks 1 zugestellt zu werden, sondern kann
auch in einem mittleren Bereich des Werkstückes eingefahren werden. Weiterhin kann
das Werkstück 1 mit einer unterschiedlichen Wandstärke über seine radiale Richtung
versehen werden, so dass beim abspalten des Materialbereichs 3 eine differenzierte
Materialdicke erreicht werden kann.
[0026] Bei der erfindungsgemäßen Spaltrolle 10, welche im Detail in Fig. 3 näher dargestellt
ist, ist an einem Seitenbereich 16, an welchem das abgespaltene Material entlang geführt
wird, eine Stufe 18 ausgebildet. Diese verbindet zwei im Querschnitt parallele, versetzte
Flächen, 19a, 19b miteinander. Die erste Spaltrollenfläche 19a bildet mit dem gegenüberliegenden
Seitenbereich die spitzwinklige Trennkannte 12, welche zur Verschleißminderung einen
Radius aufweist, welcher vorzugsweise zwischen 0,5 bis 2 mm liegt.
[0027] Der abgespaltene Materialbereich 3 wird zunächst an der ersten Spaltrollenfläche
19a geführt, bis dieser entsprechend der radialen Zustellung der Spaltrolle 10 die
Stufe 18, erreicht, welche vorzugsweise eine Stufenhöhe von 0,5 bis 3 mm aufweist.
Aufgrund relativ großer Radien an der Stufe 18 fließt das abgespaltene Material über
die Stufe 18 hinweg, wobei eine gestufte radiale Außenkontur des abgespaltenen Materialbereichs
3 entsteht. Abhängig vom Material und der Zustellung kann sich die Stufung auch an
der Innenseite mehr oder minder stark ausbilden. Es kann dabei auch aufgrund einer
erhöhten Reibung der Stufe 18 zu einer Wanddikkenveränderung kommen, wie in Fig. 3
dargestellt ist.
[0028] Auf diese Weise wird im Übergangsbereich zwischen der anzuformenden Nabe und dem
Grundkörper des Werkstücks eine radial nach außen gerichtete Kurvenform bzw. eine
Materialausbuchtung an dem abgespaltenen Werkstückbereich 3 geschaffen, welche beim
sich anschließenden Endformen mittels einer Nachformrolle 20 gemäß Fig. 2b zu einer
gewünschten guten Ausformung der Nabe 5 im Übergangsbereich zum Grundkörper 2 des
Werkstücks 1 führt.
[0029] Die erfindungsgemäße Spaltrolle 10 mit der Stufen ist nochmals in Fig. 4 im Detail
dargestellt.
[0030] Eine zusätzliche Beeinflussung der Materialdicke kann nach der Erfindung dadurch
erreicht werden, dass die Spaltrolle 10 während ihrer radialen Zustellung gleichzeitig
auch axial verfahren wird. Hierdurch bildet sich am radial verlaufenden Grundkörper
2 des Werkstücks 1 eine schräge Vorderseite aus, wie in Fig. 5 dargestellt ist. Hierdurch
kann auch die Wandstärke des abgespaltenen Materialbereichs 3 in einer gewünschten
Weise beeinflusst werden.
[0031] Weitere Möglichkeiten zur Ausbildung einer erfindungsgemäßen Spaltrolle 10 sind aus
den Fig. 6 und 7 zu entnehmen, wobei ein Seitenbereich 16 zur Führung des abgezweigten
Materialbereiches 3 im Querschnitt etwa bogenförmig ausgebildet ist. Durch diesen
Seitenbereich 16 kann eine nach außen gewölbte konvexe Kurvenform an der Nabenzwischenform
4 eingestellt werden. Bei der Abwandlung gemäß Fig. 7a ist an der Spaltrolle 10 mit
dem bogenförmigen Seitenbereich 16 ein Vorsprung 13 angeordnet, welcher die Wirkung
einer zuvor beschriebenen Stufe oder als eine axiale Anschlagfläche dienen kann.
[0032] Bei extrem hohem Umformvolumen, wie auch bei hochfesten Materialien, kann es von
Vorteil sein, dass die Spaltrolle mit einem relativ großen Umlenkradius versehen wird.
Durch das Umlenken des abgespaltenen Materials und nahezu 90° wird die Fließgeschwindigkeit
durch die Umlenkung und die damit verbundene erhöhte Reibung eine gewisse Wandstärkenveränderung
des abgespaltenen Materials erreicht. Auch hier können zusätzlich eine oder mehrere
Stufen an dem Seitenbereich zu einer Variantenvielfalt eingesetzt werden.
[0033] Bei dem Verfahren nach den Fig. 6 und 7 wird nach dem ersten Arbeitsschritt die gewölbte
Nabenzwischenform 4 in der zuvor beschriebenen Weise durch radiales Zustellen einer
Nachformrolle 20 zu einer zylindrischen Nabe endgeformt.
1. Verfahren zum spanlosen Anformen einer zylindrischen Nabe (5) an einem Werkstück (1),
bei dem eine Spaltrolle (10) mit einer spitzwinkeligen Trennkante (12) an das um eine
Rotationsachse (14) rotierende Werkstück (1) zugestellt und ein Materialbereich (3)
abgespalten wird, wobei aus dem abgespaltenen Materialbereich (3) durch mindestens
eine Nachformrolle (20) die zylindrische Nabe (5) endgeformt wird,
dadurch gekennzeichnet,
dass vor dem Endformen der abgespaltene Materialbereich (3) mit einer definierten Kurvenform
versehen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass bereits beim Abspalten der Materialbereich (3) durch die Spaltrolle (10) mit der
Kurvenform versehen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass nach dem Spalten und vor dem Endformen mindestens eine Zwischenformrolle (30) zugestellt
wird, durch welche der abgespaltene Materialbereich (3) mit der Kurvenform versehen
wird.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass als Kurvenform eine radial nach außen gewölbte, konvexe Kontur vorgesehen wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Nachformrolle (20) und/oder die Zwischenformrolle (30) eine axiale Anschlagfläche
(22, 32) aufweisen, durch welche eine axiale Erstreckung des abgespaltenen Materialbereiches
(3) begrenzt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet,
dass die axiale Anschlagfläche (22, 32) an einer Ausnehmung (24, 34) ausgebildet ist,
durch welche eine Außenkontur und/oder eine axiale Länge der anzuformenden Nabe (5)
vorgegeben wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Nachformrolle (20) und/oder die Zwischenformrolle (30) an den abgespaltenen Materialbereich
(3) zugestellt wird, noch bevor die Spaltrolle (10) ihre Endposition erreicht hat.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet,
dass die Spaltrolle (10) radial und gleichzeitig axial zugestellt wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet,
dass beim Abspalten das abgespaltene Material entlang einer Seite der Spaltrolle (10)
fließt, welche mindestens eine Stufe (18) aufweist.
10. Spaltrolle mit einer spitzwinkeligen Trennkante (12), insbesondere für ein Verfahren
nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass ein sich an die spitzwinkelige Trennkante (12) anschließender Seitenbereich (16)
mit einer definierten Kurvenform ausgebildet ist.
11. Spaltrolle nach Anspruch 10,
dadurch gekennzeichnet,
dass an dem Seitenbereich (16) mindestens eine Stufe (18) ausgebildet ist.
12. Zwischenformrolle, insbesondere für ein Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 9,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Ausnehmung (34) mit einer radial verlaufenden Anschlagfläche (32), durch welche
eine axiale Länge der anzuformenden Nabe (5) vorgegeben ist, und eine in Umfangsrichtung
verlaufende Formgebungsfläche (36) vorgesehen ist, welche eine konkave Kurvenform
aufweist.
13. Drückwalzmaschine, insbesondere zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche
1 bis 9,
mit mindestens einer Spaltrolle (10) mit einer spitzwinkeligen Trennkante (12) und
mit einem Drückfutter (45) zum Aufnehmen und Halten des Werkstücks (1), wobei das
Drückfutter (45) relativ zu der Spaltrolle (10) rotierend antreibbar ist,
dadurch gekennzeichnet,
dass eine Spaltrolle (10) nach einem der Ansprüche 10 oder 11 und/oder eine Zwischenformrolle
(30) nach Anspruch 12 vorgesehen ist.