[0001] Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung zum Imprägnieren einer Papier- oder Kartonbahn
mit einem Flächengewicht über 40 g/m
2, mit einem Bahnlaufpfad, in dem eine Einrichtung zum Auftragen eines Imprägniermittels,
wie einer Stärkelösung, sogenanntem Stärkeleim, oder sonstiger in der Papierveredelung
gebräuchlicher Auftragsmittel angeordnet ist. Ferner betrifft die Erfindung ein Verfahren
zum Imprägnieren einer Papier- oder Kartonbahn mit einem Imprägniermittel, wie einer
Stärkelösung, sogenanntem Stärkeleim, oder sonstiger in der Papierveredelung gebräuchlicher
Auftragsmittel, wobei das Imprägniermittel ganz oder teilweise in die Bahn hineingedrückt
wird.
[0002] Papier- oder Kartonbahnen sind überwiegend aus Zellulosefaser gebildet. Sie weisen
daher einen polaren, stark hydrophilen Charakter auf, sind also durch Wasser leicht
benetz- und quellbar. Um das unkontrollierte Eindringen von Wasser oder anderen polaren
Flüssigkeiten in die offenporige Faserstruktur zu verhindern oder zu begrenzen, werden
manche Papier- oder Kartonsorten "geleimt", also durch Zugabe eines flüssigen Imprägniermittels,
wie Stärkeleim, auch kurz "Leim" genannt, oder sonstiger in der Papierveredelung gebräuchlicher
Auftragsmittel, zumindest partiell hydrophobiert. Das Imprägnieren hat darüber hinaus
den Vorteil, daß die Festigkeit der Bahn erhöht wird.
[0003] Beim Imprägnieren mittels Leim oder sonstiger in der Papierveredelung gebräuchlicher
Auftragsmittel möchte man erreichen, daß der Leim die Bahn möglichst vollständig durchdringt,
so daß die Bahn vollständig "gefüllt" ist. Dies ist bei dünneren Papieren mit einem
Flächengewicht von bis zu 80 g/m
2 in der Regel relativ einfach dadurch möglich, daß man die Bahn durch eine sogenannte
Leimpresse mit einer Leim- oder Stärkeflotte laufen läßt und sie nach Durchtränkung
im Preßnip zusammendrückt und dadurch den Leim in die Bahn hineindrückt. Eine andere
Möglichkeit besteht darin, die Bahn eine sogenannte Filmpresse durchlaufen zu lassen.
Durch die in dem Nip wirkenden Druckspannungen dringt der Leim dann in die Bahn. Bei
dickeren Papier- oder Kartonbahnen mit einem Flächengewicht von 90 g/m
2 oder mehr führt diese Vorgehensweise bei ansonsten unveränderten Bedingungen aber
dazu, daß der Leim, insbesondere beim Filmpressen, nur in bestimmte Oberflächenbereiche
hineingedrückt wird, die Bahn also nicht vollständig durchdringt. Eine derartige Bahn,
die nicht vollständig durchdrungen ist, hat gegenüber einer vollständig beaufschlagten
Bahn beispielsweise verminderte Festigkeitseigenschaften.
[0004] Man könnte zwar theoretisch den Druck im Nip erhöhen, um den Leim auch in tiefere
Bereiche der Bahn hineinzudrücken. Ein höherer Druck hat aber den Nachteil, daß er
mit einem Volumenverlust der Bahn verbunden ist. Dies wiederum führt zu einer geringeren
Dicke der Bahn und damit einhergehend zu einer Schwächung oder Verminderung der Festigkeit.
Um diesen Nachteil auszugleichen, wäre es erforderlich, mehr Material zu verwenden,
was wiederum zu einem höheren Flächengewicht der Kartonbahn führt. Bei Kartonbahnen
möchte man einerseits eine hohe Festigkeit und andererseits ein möglichst geringes
Flächengewicht erreichen.
[0005] Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, das Imprägnieren der Papier- oder Kartonbahn
zu verbessern, ohne einen größeren Volumenverlust in Kauf nehmen zu müssen.
[0006] Diese Aufgabe wird bei einer Vörrichtung der eingangs genannten Art dadurch gelöst,
daß im Bahnlaufpfad vor der Auftragseinrichtung ein Breitnipkalander angeordnet ist,
der einen durch einen umlaufenden Mantel und ein damit zusammenwirkendes Gegendruckelement
gebildeten Breitnip aufweist, durch den der Bahnlaufpfad geführt ist.
[0007] Man geht davon aus, daß die Bahn im Breitnip etwas komprimiert wird. Wenn die Bahn
komprimiert ist und dann in die Auftragseinrichtung eingeführt wird, "saugt" sie sich
sozusagen mit Imprägniermittel voll. Man führt dies darauf zurück, daß durch das Zusammendrücken
der Fasern die Kapillarwirkung erhöht wird, so daß der Transport des flüssig aufgetragenen
Imprägniermittels in die Bahn hinein verbessert wird. Der Breitnipkalander hat den
Vorteil, daß eine elastische Kompression erreichbar ist, d.h. man kommt mit relativ
kleinen Druckspannungen aus. Die in den Breitnip eingetragenen Kräfte verteilen sich
auf eine relativ große Fläche, so daß sich eine volumenschonende Wirkung ergibt. Der
Mantel des Breitnipkalanders sollte eine gewisse Nachgiebigkeit aufweisen, damit er
sich der Form des Gegendruckelements, beispielsweise einer Gegenwalze, anpassen kann.
Diese Nachgiebigkeit hat einen weiteren Vorteil. Sie führt nämlich dazu, daß die Bahn
im Breitnip nicht gequetscht wird. Auch lokal werden also keine Strukturen zerstört.
Im Breitnip wird die Bahn gleichmäßig verdichtet, d.h. auch Flockenbereiche werden
nicht überpreßt, sondern gleichartig mit benachbarten Bereichen verdichtete an denen
sich keine derartigen Faseransammlungen gebildet haben. Da die Bahn überall gleichmäßig
verdichtet wird, ergibt sich auch überall die gleiche Kapillarwirkung, d.h. das Imprägniermittel
wird über die gesamte Fläche der Bahn gleichmäßig aufgesaugt. Damit ergibt sich eine
höhere Steifigkeit der Bahn, eine höhere Festigkeit, z.B. Reißfestigkeit, ein verbesserter
Berstdruck und ein günstiger Gleitwinkel bei Kartonbahnen, d.h. die Oberflächenrauhigkeit
ist groß genug, daß aufeinander stehende Kartons nicht rutschen. Diese Vorteile werden
ansonsten nur mit mehr Masse erreicht, d.h. einem höheren Flächengewicht, was wiederum
erhöhte Kosten mit sich bringt.
[0008] Vorzugsweise ist zwischen dem Breitnip und der Auftragseinrichtung, abgesehen von
möglicherweise vorhandenen Leiteinrichtungen, keine weitere Bearbeitungseinrichtung
angeordnet. Die Bahn kommt also aus dem Breitnip heraus und läuft unmittelbar in die
Auftragseinrichtung hinein. Dazwischen kann sie zwar umgelenkt und gegebenenfalls
auch ausgebreitet werden. Eine Bearbeitung im Sinne einer Einwirkung auf die Bahn
oder ihr Gefüge erfolgt jedoch nicht. Diese Vorgehensweise hat den Vorteil, daß die
Verdichtung, auch wenn sie nur vorübergehend ist, noch vorhanden ist, wenn die Bahn
in die Auftragseinrichtung einläuft. Dort kann sich die Bahn dann mit Imprägniermittel
vollsaugen, wobei der Auftrag natürlich nach wie vor noch durch eine gewisse Druckgebung
von außen unterstützt werden kann.
[0009] Vorzugsweise weist der Breitnip eine Heizeinrichtung auf. Die Heizeinrichtung hat
zwei Vorteile. Zum einen werden die Oberflächeneigenschaften der Bahn verbessert.
Zum anderen wird das Eindringen des flüssigen Imprägniermittels in die Bahn durch
eine erhöhte Temperatur der Bahn unterstützt. Die Kapillarwirkung wird verbessert.
[0010] Vorzugsweise ist die Heizeinrichtung durch das Gegendruckelement gebildet. Dies ist
eine relativ einfache Möglichkeit, die benötigte Wärmeenergie in den Breitnip einzutragen,
genauer gesagt, auf die Bahn zu übertragen.
[0011] Hierbei ist bevorzugt, daß die Heizeinrichtung eine den Bahnlaufpfad im Breitnip
begrenzende Oberfläche aufweist, deren Temperatur auf 200°C oder mehr einstellbar
ist. Wenn die Bahn im Breitnip mit einer derartig hohen Temperatur beheizt wird, dann
hat sie in der nachfolgenden Auftragseinrichtung noch eine Temperatur, die hoch genug
ist, um das Eindringen des Imprägniermittels in die Bahn zu unterstützen. Die Temperatur
der Bahn in der Auftragseinrichtung wird dabei in der Regel unter 100°C liegen, so
daß nicht die Gefahr besteht, daß die Imprägniermittel-Flüssigkeit zu sieden beginnt.
[0012] Vorzugsweise ist die Auftragseinrichtung als Filmpresse ausgebildet. Die Verwendung
einer Filmpresse gegenüber einer Leimpresse hat den Vorteil, daß man höhere Geschwindigkeiten
fahren kann. Die Filmpresse, die auch als "Speed Sizer" bezeichnet wird, wird mit
einem Film des flüssigen Imprägniermittels versehen und überträgt diesen Film in einem
Nip auf die Papier- oder Kartonbahn. Die Filmpresse bewirkt also einen Konturauftrag
des flüssigen Imprägniermittels auf die Oberfläche der Papier- oder Kartonbahn. Dies
ergibt ein besonders vorteilhaftes Zusammenwirken mit dem Breitnip, wo ein Konturglätten,
also eine gleichartige Bearbeitung, erfolgt. Im Breitnip wird eine gleichmäßige Dichte
der Bahn erzeugt, wohingegen die Erzeugung einer gleichmäßigen Dicke von untergeordneter
Bedeutung ist.
[0013] In einer bevorzugten Ausgestaltung ist vorgesehen, daß der Auftragseinrichtung ein
Trocknungsbereich nachgeschaltet ist, wobei die Temperatur im Breitnip höher als die
Temperatur im Trocknungsbereich ist. Insbesondere sollte die Temperatur im Trocknungsbereich
geringer sein als die Plastifizierungstemperatur der Fasern der Bahn. Die Oberfläche
der Bahn wird also im Trocknungsbereich nicht mehr nennenswert verändert.
[0014] Bevorzugterweise ist die Temperatur im Breitnip zumindest auf die Plastifizierungstemperatur
der Fasern der Papier- oder Kartonbahn einstellbar. Dies bedeutet, daß die Oberfläche
der Bahn im Breitnip geschlossen werden kann. Das Schließen schafft eine glatte Oberfläche
der Bahn, ohne das Eindringen der Imprägniermittel-Flüssigkeit zu verhindern. Das
Imprägniermittel kann aufgrund der Kapillarwirkung nach wie vor bis in das Innere
der Bahn vordringen. Dies gilt vor allem dann, wenn der Imprägniermittelauftrag durch
eine Druckwirkung von außen, beispielsweise durch die Filmpresse oder eine Leimpresse,
unterstützt wird.
[0015] Durch die höhere Temperatur im Breitnip, bei der die Fasern der Bahn zumindest an
der Oberfläche plastifiziert werden, wird erreicht, daß die Fasern sich nach dem Verlassen
des Breitnips nicht mehr aufstellen können. Es gibt also eine insgesamt glattere Oberfläche,
auf die das Imprägniermittel dementsprechend auch gleichmäßiger aufgetragen werden
kann.
[0016] Bevorzugterweise ist zwischen der Auftragseinrichtung und einer nachgeschalteten
Aufwickeleinrichtung aus den genannten Gründen keine Glätteinrichtung angeordnet.
Unter Glätteinrichtung soll hierbei sowohl ein Glättwerk mit zwei harten Walzen als
auch eine andere Zweioder Mehr-Walzenmaschine verstanden werden, bei der mindestens
eine Walze eine elastische oder nachgiebige Oberfläche aufweist. Durch die Verwendung
des Breitnipkalanders bekommt die Papier- oder Kartonbahn bereits eine so glatte Oberfläche,
daß ein nachfolgendes Glätten vielfach nicht mehr erforderlich ist.
[0017] Überraschenderweise hat sich gezeigt, daß Papiere und Kartons aus Holzschliff (stone
groundwood), Holzstoff (mechanical pulp) und TMP (thermomechanical pulp) in der erfindungsgemäßen
Vorrichtung (Breitnipsatinage, Leimauftrag, Trocknen) beim Fertigtrocknen regelrecht
"aufgehen". Mit anderen Worten, diese Papiere bzw. Kartons gewinnen, während die einmal
erzielte Oberflächenglätte erhalten bleibt, hinter der Auftragseinrichtung sogar noch
an Dicke und Volumen.
[0018] Die Aufgabe wird bei einem Verfahren der eingangs genannten Art dadurch gelöst, daß
die Bahn vor dem Auftrag des Imprägniermittels in einem Breitnip mit Druck beaufschlagt
wird, der durch einen umlaufenden Mantel und ein damit zusammenwirkendes Gegendruckelement
gebildet ist.
[0019] Im Breitnip wird die Bahn etwas komprimiert, und zwar so verdichtet, daß sie beim
Auftragen des Imprägniermittels eine hervorragende Kapillarwirkung zeigt. Die Bahn
saugt sich dann voll mit dem Imprägniermittel, wobei der Auftrag und die Penetration
von Imprägniermittel natürlich durch äußere Drücke verstärkt werden kann, wie sie
durch zusammenwirkende Walzen aufgebracht werden können. Allerdings können derartige
Drücke weitaus niedriger gehalten werden, so daß der Volumenverlust der Bahn beim
Auftrag des Imprägniermittels kleiner gehalten werden kann. Durch die Behandlung im
Breitnip nimmt man zwar einen gewissen Volumenverlust in Kauf. Dieser Volumenverlust
kann jedoch außerordentlich klein gehalten werden. Durch die große Beaufschlagungsfläche
der Bahn im Breitnip ist es möglich, die Kompression der Bahn sehr genau einzustellen.
Die Druckspannungen, die im Breitnip auf die Bahn wirken, können relativ klein gehalten
werden.
[0020] Vorzugsweise wird die Bahn im Breitnip beheizt. Das Beheizen hat, wie oben ausgeführt,
zwei Vorteile. Eine wärmere Bahn hat eine verbesserte Kapillarwirkung, d.h. das flüssige
Imprägniermittel kann leichter aufgesaugt werden und damit in das Innere der Bahn
vordringen. Zum anderen wird die Bahn im Breitnip in gewissem Umfang geglättet, so
daß das Imprägniermittel auf eine glattere Oberfläche aufgetragen werden kann, was
wiederum die Gleichmäßigkeit des Auftrags verbessert.
[0021] Vorzugsweise wird das Imprägniermittel im Konturauftrag aufgetragen. Hierfür läßt
sich beispielsweise eine Filmpresse verwenden. Da im Breitnip eine Konturglättung
erfolgt, paßt sich der Konturauftrag des Imprägniermittels der vorangehenden Behandlung
der Bahn in günstiger Weise an.
[0022] Die Erfindung wird im folgenden anhand eines bevorzugten Ausführungsbeispiels in
Verbindung mit der Zeichnung näher beschrieben. Darin zeigen:
- Fig. 1
- eine schematische Darstellung einer Papiermaschine,
- Fig. 2
- einen vergrößerten Ausschnitt mit einem Breitnipkalander und einer Filmpresse und
- Fig. 3
- eine vergrößerte Darstellung eines Ausschnitts aus einer Kartonbahn.
[0023] Fig. 1 zeigt schematisch eine Papiermaschine 100 mit einer Siebpartie 1, einer Pressenpartie
2, einer Trokkenpartie 3, die in zwei Teile 3a, 3b aufgeteilt ist und zwischen den
beiden Teilen 3a, 3b der Trockenpartie eine Auftragseinrichtung 4 für ein Imprägniermittel,
wie eine Stärkelösung, ein sogenannter Stärkeleim, oder sonstige in der Papierveredelung
gebräuchlicher Auftragsmittel, z.B. eine wäßrige Pigmentdispersion, mit einem vorgeschalteten
Breitnipkalander 5. Hinter dem zweiten Teil der Trockenpartie 3b ist eine Wickeleinrichtung
6 angeordnet, in der eine Papier- oder Kartonbahn 7 zu einer Wickelrolle 8 aufgewickelt
wird. Es ist zu beachten, daß zwischen der Auftragseinrichtung 4 und der Wickeleinrichtung
6 keine Glätteinrichtung mehr angeordnet ist, d.h. die Bahn 7 wird bereits in dem
Breitnipkalander 5 und der darauf folgenden Auftragseinrichtung mit einer solchen
Oberflächenglätte versehen, daß eine weitere Glättung nicht erforderlich ist.
[0024] Die Arbeitsweise der Papiermaschine ist an sich bekannt und soll deswegen nur kurz
erläutert werden. In der Siebpartie 1 wird flüssige Pulpe mit einem Feststoffgehalt
in der Größenordnung von 1 % auf ein Sieb 9 aufgetragen. Die Flüssigkeit fließt durch
das Sieb 9 ab, so daß die Bahn mit einem Feststoffgehalt von etwa 20% in die Pressenpartie
2 einlaufen kann. Dort sind verschiedene Pressennips ausgebildet, die die Papier-
oder Kartonbahn zusammen mit einer Filzbahn 11 durchläuft. In den Pressennips 10 wird
weiteres Wasser aus der Bahn 7 herausgedrückt und in die Filzbahnen 11 überführt.
Nach dem Durchlaufen der Pressenpartie 2 kommt die Bahn 7 in die Trockenpartie 3a,
wo sie über eine Vielzahl von Trockenzylindern 12 geführt wird. Die Trockenzylinder
12 sind beheizt, vorzugsweise mit Dampf. Damit wird weitere Feuchtigkeit aus der Bahn
7 verdampft. Nach dem ersten Teil 3a der Trockenpartie wird die Bahn 7 durch den Breitnipkalander
5 und danach durch die Auftragseinrichtung 4 geleitet. Danach wird sie im zweiten
Abschnitt 3b der Trockenpartie getrocknet, wo weitere Trockenzylinder 13 vorgesehen
sind, die ebenfalls beheizt sind, um Flüssigkeit aus der Bahn 7 zu verdampfen.
[0025] Fig. 2 zeigt nun einen vergrößerten Ausschnitt der Papiermaschine mit der Auftragseinrichtung
4 und dem Breitnipkalander 5.
[0026] Der Breitnipkalander 5 ist gebildet durch eine beheizte Gegenwalze 14, die mit Heizkanälen
15 versehen ist, durch die eine heiße Flüssigkeit oder ein anderes Heizmedium geleitet
werden kann, um die Gegenwalze 14 zu beheizen. Die Gegenwalze 14 wird so beheizt,
daß ihre Oberfläche 16 eine Temperatur von mindestens 200°C annimmt. Die Temperatur
der Oberfläche 16 sollte so groß sein, daß die Bahnfasern zumindest im Bereich ihrer
Oberfläche plastifiziert werden.
[0027] Die Gegenwalze 14 bildet einen Breitnip 17 zusammen mit einem umlaufenden Mantel
18, der unter der Wirkung eines Anpreßschuhs 19 an der Oberfläche 16 der Gegenwalze
14 anliegt und die Gegenwalze 14 über einen Teil ihres Umfangs umschlingt. Der Mantel
18 liegt nicht direkt an der Oberfläche 16 der Gegenwalze 14 an, sondern unter Zwischenlage
der Bahn 7. Der Anpreßschuh 19 weist eine Anpreßfläche 20 auf, deren Krümmung der
Krümmung der Oberfläche 16 der Gegenwalze 14 angepaßt ist. In nicht näher dargestellter,
aber an sich bekannter Weise ist die Anpreßfläche 20 geschmiert, beispielsweise hydrostatisch
oder hydrodynamisch. Der Anpreßschuh 19 kann über eine Kolben-Zylinder-Einrichtung
21 mit einer Kraft beaufschlagt werden, so daß im Breitnip 17 eine gewisse Druckspannung
erzeugt werden kann. Die Druckspannung im Breitnip 17 ist allerdings relativ klein
verglichen mit einer Druckspannung, die bei ansonsten unveränderten Kraftverhältnissen
in einem Nip zwischen zwei Walzen herrschen würde.
[0028] Der Mantel 18 kann, wie dargestellt, relativ steif sein und nach Art einer Walzenschale
umlaufen. Hierbei wird er durch Rollen 22 gestützt. Der Mantel 18 kann aber auch relativ
dünn ausgebildet sein, so daß er nach Art eines Bandes umläuft. In beiden Fällen sollte
er dennoch etwas nachgiebig sein.
[0029] Der Breitnip 17 weist in Laufrichtung der Bahn 7 eine relativ große Länge auf. Diese
beträgt vorzugsweise zwischen 50 und 700 mm. Man ist daher in der Lage, die Druckspännungen
im Breitnip 17 relativ feinfühlig einzustellen.
[0030] Die Bahn 7 wird über Leitwalzen 23, 24 der Auftragseinrichtung 4 zugeführt, die im
vorliegenden Fall als Filmpresse oder "Speed Sizer" ausgebildet ist.
[0031] Die Auftragseinrichtung 4 weist zwei Walzen 25, 26 auf, die in Richtung der Pfeile
27, 28 rotieren und in Richtung der Pfeile 29, 30 gegeneinandergedrückt werden und
einen Nip 31 bilden. Durch den Nip ist die Bahn 7 geführt. Sie wird dort mit einem
gewissen Druck beaufschlagt.
[0032] Jede Walze 25, 26 ist mit einem Imprägniermittelspender 32, 33 versehen, der einen
Imprägniermittelfilm 34, 35 auf der Oberfläche der Walzen 25, 26 aufträgt. Der Imprägniermittelfilm
34, 35 ist so eingestellt, daß das Imprägniermittel praktisch vollständig von der
Bahn 7 aufgenommen werden kann.
[0033] Im Breitnip 17 wird die Bahn 7 etwas verdichtet. Diese Verdichtung erfolgt allerdings
nicht mit dem Ziel, über die Breite der Bahn 7 eine gleichmäßige Dicke zu erzeugen.
Vielmehr ist die Druckbeaufschlagung der Bahn 7 im Breitnip 17 so, daß man eine gleichmäßige
Dichte erzeugt. Die Druckbeaufschlagung wird dabei so weit begrenzt, daß Flockenbereiche
nicht zerquetscht werden. Lokale Verdickungen der Bahn 7 bleiben also erhalten. Dies
geht aus Fig. 3 hervor, wo die Bahn 7 ausschnittsweise im Querschnitt dargestellt
ist. Es sind Erhebungen 36 erkennbar, die sich mit Tälern 37 abwechseln. Die Glättung
im Breitnip 17 ist also eine Konturglättung.
[0034] Die Verdichtung im Breitnip 17 wird so eingestellt, daß die Bahn 7 im Nip 31 der
Auftragseinrichtung 4 eine verstärkte Kapillarwirkung entfaltet. Das Imprägniermittel
aus den Imprägniermittelfilmen 34, 35 wird also nicht nur durch den Druck 29, 30 in
die Bahn 7 eingetragen. Der Imprägniermitteleintrag wird vielmehr dadurch unterstützt,
daß das Imprägniermittel durch die Kapillarwirkung der Bahn 7 aufgesaugt wird. Dadurch
kann es wesentlich schneller und tiefer in die Bahn 7 eindringen oder penetrieren,
als es lediglich mit Hilfe der Druckbeaufschlagung möglich wäre. Durch die verbesserte
Durchdringung der Bahn 7 mit Imprägniermittel kann man dickere Bahnen 7, also Bahnen
mit größeren Flächengewichten, von beispielsweise 90 g/m
2 oder mehr vollständig mit Imprägniermittel durchtränken, ohne daß man einen größeren
Volumenverlust in Kauf nehmen müßte. Ein gewisser Volumenverlust im Breitnip 17 ist
zwar unvermeidbar. Dieser Volumenverlust ist aber aufgrund der relativ geringen Druckspannungen
im Breitnip 17 relativ gering.
[0035] Zusätzlich kann die Kapillarwirkung noch durch die Beheizung der Bahn 7 mit Hilfe
der Gegenwalze 14 unterstützt werden. In gewissen Grenzen verbessert sich die Kapillarwirkung
mit der Erhöhung der Temperatur. Allerdings wird man dafür sorgen, daß die Temperatur
der Bahn 7 im Nip 31 der Auftragseinrichtung 4 unter 100°C bleibt, um ein Sieden des
flüssigen Imprägniermittels zu verhindern.
[0036] Die Temperatur der Gegenwalze 14 wird vorzugsweise so eingestellt, daß die Fasern
der Bahn 7 im Breitnip 17 plastifiziert werden. Die Fasern werden also so umgeformt,
daß sie sich gar nicht mehr aufstellen können. Dies verbessert die Fähigkeit der Bahn
7, im Nip 31 Imprägniermittel aufzunehmen, weil die Bahn dann "vollflächiger" an den
Walzen 25, 26 anliegen kann.
[0037] Die als Filmpresse ausgebildete Auftragseinrichtung 4 bewirkt einen Konturauftrag
des Imprägniermittels auf der Oberfläche der Bahn 7, was ebenfalls aus Fig. 3 zu erkennen
ist. Dort ist schematisch eine Schicht 38 dargestellt, die das aufgetragene Imprägniermittel
symbolisieren soll. Es ist erkennbar, daß diese Schicht 38 überall im wesentlichen
die gleiche Dicke aufweist.
1. Vorrichtung zum Imprägnieren einer Papier- oder Kartonbahn mit einem Flächengewicht
über 40 g/m2, mit einem Bahnlaufpfad, in dem eine Einrichtung zum Auftragen eines Imprägniermittels,
wie einer Stärkelösung, sogenanntem Stärkeleim, oder sonstiger in der Papierveredelung
gebräuchlicher Auftragsmittel angeordnet ist, dadurch gekennzeichnet, daß im Bahnlaüfpfad vor der Auftragseinrichtung (4) ein Breitnipkalander (5) angeordnet
ist, der einen durch einen umlaufenden Mantel (18) und ein damit zusammenwirkendes
Gegendruckelement (14) gebildeten Breitnip (17) aufweist, durch den der Bahnlaufpfad
geführt ist.
2. Vorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen dem Breitnip (17) und der Auftragseinrichtung (4), abgesehen von möglicherweise
vorhandenen Leiteinrichtungen (23, 24), keine weitere Bearbeitungseinrichtung angeordnet
ist.
3. Vorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß der Breitnip (17) eine Heizeinrichtung (14) aufweist.
4. Vorrichtung nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß die Heizeinrichtung durch das Gegendruckelement (14) gebildet ist.
5. Vorrichtung nach Anspruch 3 oder 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Heizeinrichtung (14) eine den Bahnlaufpfad im Breitnip (17) begrenzende Oberfläche
aufweist, deren Temperatur auf 200°C oder mehr einstellbar ist.
6. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Auftragseinrichtung (4) als Filmpresse ausgebildet ist.
7. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Auftragseinrichtung (4) ein Trocknungsbereich (36) nachgeschaltet ist, wobei
die Temperatur im Breitnip (17) höher als die Temperatur im Trocknungsbereich ist.
8. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß die Temperatur im Breitnip (17) zumindest auf die Plastifizierungstemperatur der
Fasern der Papier- oder Kartonbahn (7) einstellbar ist.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß zwischen der Auftragseinrichtung (4) und einer nachgeschalteten Aufwickeleinrichtung
(6) keine Glätteinrichtung angeordnet ist.
10. Verfahren zum Imprägnieren einer Papier- oder Kartonbahn mit einem Imprägniermittel,
wie einer Stärkelösung, sogenanntem Stärkeleim, oder sonstiger in der Papierveredelung
gebräuchlicher Auftragsmittel, wobei das Imprägniermittel ganz oder teilweise in die
Bahn hineingedrückt wird, dadurch gekennzeichnet, daß die Bahn vor dem Auftrag des Imprägniermittels in einem Breitnip mit Druck beaufschlagt
wird, der durch einen umlaufenden Mantel und ein damit zusammenwirkendes Gegendruckelement
gebildet ist.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß die Bahn im Breitnip beheizt wird.
12. Verfahren nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeichnet, daß das Imprägniermittel im Konturauftrag aufgetragen wird.