[0001] Die Erfindung bezeichnet ein Sicherheitsmodul sowie ein zugeordnetes Steuerverfahren
für eine multifunktionale Handwerkzeugmaschine, insbesondere einen Kombihammer mit
Meisselfunktion.
[0002] Bei drehenden Handwerkzeugmaschinen besteht bei sich im Werkstück verklemmenden Werkzeugen
die Möglichkeit einer unerwünschten Verdrehung des Gehäuses, welches der Nutzer in
seiner Hand führt. Zur Verhinderung dieses Effekts werden vielfältige Sicherheitsmodule
eingesetzt, um auf ein bspw. der Winkelbeschleunigung basierendes Verdrehsensorsignal
hin den Kraftfluss zwischen dem Elektromotor und dem Werkzeug sicher zu unterbrechen.
Bei rein schlagenden Betriebsmodi, wie dem Meisseln hingegen sind starke Bewegungen
des Gehäuses, wie sie bspw. beim Abrutschen des Meissels auftreten, zulässig und eine
Unterbrechung des Kraftflusses bei derartigen Situationen vom Nutzer unerwünscht.
[0003] Nach der DE19628945A1 weist eine drehende Handwerkzeugmaschine ein ATC-Sicherheitsmodul
mit einer doppelten Integration einer Verdrehbewegung auf. Der hiermit in den Offenbarungsgehalt
aufgenommene Inhalt dieser Schrift dient dem Fachmann zum Verständnis eines ATC-Sicherheitsmoduls.
[0004] Nach der DE4334933C weist eine drehende Handwerkzeugmaschine für ein rotierendes
Werkzeug ein Anti-Torque-Control (ATC)-Sicherheitsmodul auf, welches bei unzulässigen
Verdrehungen des Gehäuses den Antriebsstrang unterbricht, wobei zulässige räumliche
Bewegungen von mehrachsigen Beschleunigungsaufnehmern detektiert und von einer Fuzzy-Logik
ausgewertet werden, welche in diesem zulässigen Bewegungsfall das ATC-Sicherheitsmodul
deaktiviert. Unterschiedliche Betriebsmodi werden vom ATC-Sicherheitsmodul nicht erfasst.
[0005] Nach der DE19942156A1 weist ein drehender und schlagender Kombihammer mit Meisselfunktion
ein ATC-Sicherheitsmodul mit einem auf eine Winkelbeschleunigung empfindlichen Verdrehsensor
auf. Dabei wird vom ATC-Sicherheitsmodul der Betriebmodi des Kombihammers über einen
Hall-Sensor am Modiwahlschalter abgefragt und das ATC-Sicherheitsmodul nur beim exklusiv
schlagenden Mode abgeschaltet. Insbesondere ist im rein schlagenden Meisselmode das
ATC-Sicherheitsmodul deaktiviert, hingegen im Schlagbohrmode oder Drehbohrmode aktiv.
Wegen der Schaltverzögerung folgt der reale Mode nicht unmittelbar der Stellung des
Modiwahlschalters, wodurch das ATC-Sicherheitsmodul in einer kurzen Zwischenspanne
einen falschen Mode detektiert und im schutzbeauftragten Mode bei drehender Bewegung
inaktiv ist, was insbesondere beim Umschalten von einem noch laufenden drehenden Mode
in den exklusiv schlagenden Mode nachteilig ist.
[0006] Die Aufgabe der Erfindung besteht in der Realisierung eines im schutzbeauftragten
Mode stets aktiven ATC-Sicherheitsmoduls für eine multifunktionale Handwerkzeugmaschine.
[0007] Die Aufgabe wird im Wesentlichen durch die Merkmale der unabhängigen Ansprüche gelöst.
Vorteilhafte Weiterbildungen ergeben sich aus den Unteransprüchen.
[0008] Im Wesentlichen weist eine multifunktionale Handwerkzeugmaschine mit einer zumindest
teilweise axial schlagenden Werkzeugaufnahme und einem handgeführten Gehäuse ein ATC-Sicherheitsmodul
mit einem für eine Winkelbewegung empfindlichen Verdrehsensor auf, wobei das ATC-Sicherheitsmodul
mit einem Axialbewegungssensor verbunden ist.
[0009] Durch die Kombination des ATC-Sicherheitsmoduls mit dem Axialbewegungssensor steht
dem ATC-Sicherheitsmodul auch die axiale Bewegungsinformation zur Verfügung, wodurch
ein mit grossen Axialbewegungen verbundener schutzfreier Mode unmittelbar vom ATC-Sicherheitsmodul
erkannt werden kann.
[0010] Im für ein ATC-Sicherheitsmodul zugeordneten Steuerverfahren erfolgt im ersten Schritt
die Ermittlung einer Verdrehbewegung des Gehäuses, wobei im zweiten Schritt bei Überschreitung
eines Verdrehgrenzwertes durch die Verdrehbewegung ein binäres Steuersignal erzeugt
wird, welches im letzten Schritt den Kraftfluss zwischen dem Elektromotor und dem
Werkzeug sicher unterbricht, wobei im ersten Schritt zusätzlich eine Axialbewegung
des Gehäuses ermittelt wird, die im zweiten Schritt bei Überschreitung eines Axialgrenzwertes
durch die Axialbewegung das binäre Steuersignal unterdrückt.
[0011] Durch die Unterdrückung des Steuersignals für die Unterbrechung des Kraftflusses
wird ein stets aktives ATC-Sicherheitsmodul im tatsächlichen exklusiven Schlagmode
bei grossen Axialbewegungen wirkungslos.
[0012] Vorteilhaft werden im zweiten Schritt ein binäres Verdrehsteuersignal und ein binäres
Axialsteuersignal erzeugt, welche über eine logische UND-Verknüpfung das binäre Steuersignal
erzeugen, wodurch die beiden Vergleichsoperationen voneinander separierbar sind.
[0013] Vorteilhaft wird die ermittelte Axialbewegung zweifach in der Zeit integriert, wodurch
ein ermittelter Axialbeschleunigungswert in einen Axialweg überführt und mit einer
Axialamplitude als Axialgrenzwert vergleichbar ist.
[0014] Die Erfindung wird bezüglich eines vorteilhaften Ausführungsbeispiels näher erläutert
mit einem Blockschaltbild des Steuerverfahrens.
[0015] Nach der Darstellung wird bei einer wahlweise kombiniert bezüglich einer Werkzeugachse
A drehenden und schlagenden Handwerkzeugmaschine mit einem ATC-Sicherheitsmodul 1
ein im Blockschaltbild dargestelltes Steuerverfahren als Steueralgorithmus innerhalb
eines Mikrocontrollers 2 realisiert, welcher eingangsseitig mit einem Verdrehbewegungssensor
3 in Form eines bezüglich der Werkzeugachse A orientierten Winkelbeschleunigungssensors
und mit einem Axialbewegungssensor 4 in Form eines bezüglich der Werkzeugachse A axial
angeordneten Beschleunigungssensors verbunden ist und ausgangsseitig ein binäres Steuersignal
5 zur Steuerung einer zwischen einem Elektromotor 6 und einer Werkzeugaufnahme 7 im
Kraftfluss angeordneten Sicherheitskupplung 8 erzeugt. Nach dem Blockschaltbild werden
die ermittelte Verdrehbewegung bzw. Axialbewegung jeweils teilweise zweistufig in
Integratoren 9 integriert sowie in Multiplikatoren 10 mit Faktoren multipliziert und
schliesslich in einem Addierer 11 addiert in Form einer allgemeinen Bewegungsgleichung
zweiten Grades zu je einem Vergleicher 12a, 12b, an welchem sie mit je einem Verdrehgrenzwert
13a bzw. einem Axialgrenzwert 13b verglichen werden. Ein binäres Verdrehsteuersignal
14a des Vergleichers 12a sowie ein binäres Axialsteuersignal 14b des Vergleichers
12b werden in einem nachgeordneten UND-Glied 15 zu dem binären Steuersignal 5 verknüpft.
1. Multifunktionale Handwerkzeugmaschine mit einer zumindest teilweise axial schlagenden
Werkzeugaufnahme (7), einer zwischen dieser und einem Elektromotor (6) im Kraftfluss
angeordneten Sicherheitskupplung (8), einem handgeführten Gehäuse und einem ATC-Sicherheitsmodul
(1) mit einem für eine Winkelbewegung empfindlichen Verdrehsensor (3), dadurch gekennzeichnet, dass das ATC-Sicherheitsmodul (1) mit einem Axialbewegungssensor (4) verbunden ist.
2. Steuerverfahren für ein ATC-Sicherheitsmodul (1) nach Anspruch 1, wobei im ersten
Schritt die Ermittlung einer Verdrehbewegung des Gehäuses erfolgt, wobei im zweiten
Schritt bei Überschreitung eines Verdrehgrenzwertes (13a) durch die Verdrehbewegung
ein binäres Steuersignal (5) erzeugt wird, welches im letzten Schritt den Kraftfluss
zwischen dem Elektromotor (6) und der Werkzeugaufnahme (7) sicher unterbricht, dadurch gekennzeichnet, dass im ersten Schritt zusätzlich eine Axialbewegung des Gehäuses ermittelt wird, und
dass im zweiten Schritt bei Überschreitung eines Axialgrenzwertes (13b) durch die
Axialbewegung das binäre Steuersignal (5) unterdrückt wird.
3. Steuerverfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass im zweiten Schritt ein binäres Verdrehsteuersignal (14a) und ein binäres Axialsteuersignal
(14b) erzeugt werden, welche über eine logische UND-Verknüpfung das binäre Steuersignal
(5) erzeugen.
4. Steuerverfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet, dass die im ersten Schritt ermittelte Axialbewegung zweifach in der Zeit integriert wird.