[0001] Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Schwärzen von Bauteilen. Des weiteren betrifft
die Erfindung eine Vorrichtung, mit der das erfindungsgemäße Verfahren durchgeführt
werden kann.
[0002] Aus dem Stand der Technik sind verschiedene Verfahren zur Erzeugung schwarzer Oberflächen
bekannt. Hierbei handelt es sich um oxidative Verfahren innerhalb von gasförmigen
Atmosphären oder flüssigen Medien sowie um galvanische Behandlungen. Schwarze Oberflächen
werden erzeugt, um beispielsweise eine ansprechende Oberfläche des Bauteils zu erhalten,
die Oberfläche korrosionsbeständiger beispielsweise gegen Flugrost zu machen und eine
höhere Abriebfestigkeit zu erreichen.
[0003] Aus der EP 0 655 512 B1 ist ein Verfahren zur Herstellung einheitlicher Oxidationsschichten
auf metallischen Werkstücken im Anschluß an ein Nitrieroder Nitrocarburierverfahren
bekannt, bei dem die Werkstücke nach dem Nitrieren oder Nitrocarburieren bei gegebener
Temperatur für eine vorgegebene Zeit einer Oxidationsatmosphäre ausgesetzt werden.
Bei der Nachoxidation wird die äußere Randschicht des Werkstücks, die im wesentlichen
aus Eisennitriden bzw. Carbonitriden besteht, in eine dünne Eisenoxidschicht umgewandelt.
Angestrebt dabei ist eine Schicht aus Fe
3O
4. Diese Schicht weist eine schwarze Färbung auf. Nachteilig hierbei ist, daß die separate
Nachbehandlung einen zusätzlichen Arbeitsschritt darstellt.
[0004] Aus der DE 43 33 940 C1 ist ein Verfahren zum Behandeln von Teilen, insbesondere
Stahl- und/oder Gußteilen, bekannt, bei dem eine geschwärzte Oberfläche dadurch erzeugt
wird, daß die Teile in einem Ofen mittels Einleitung oder Verdüsung eines reduzierend
und oxidierend wirkenden Reaktionsgases bei Härtetemperaturen im Ofenraum gleichzeitig
oxidiert und gehärtet werden. Nachteilig hierbei ist, daß durch das direkte Einbringen
im heißen Zustand eine Belastung des Ofens entsteht. Des weiteren muß, um eine vorzeitige
Oxidation während der Erwärmung zu verhindern, das Teil von einem Flammenschleier
umgeben sein.
[0005] Eine weitere Möglichkeit zum Schwärzen von Oberflächen besteht darin, das Werkstück
nach dem Anlassen in einer Emulsion abzuschrecken, wodurch die oxidierte Oberfläche
geschwärzt wird. Nachteilig hierbei ist, daß ein zusätzlicher Verfahrensschritt durchgeführt
werden muß, daß die Emulsion gegen den Befall von Mikroben geschützt werden muß und
sie nur durch teure, zusätzliche Behandlungsmaßnahmen entsorgt werden kann.
[0006] Eine weitere Möglichkeit zum Schwärzen von Bauteiloberflächen stellt die Nachbehandlung
in Flüssigkeiten dar. Hierbei werden die Bauteile nach dem Härten in sogenannte Brünierbäder
oder Salzbäder getaucht. Auch bei diesem Verfahren handelt es sich um zusätzliche
Verfahrensschritte und die Bäder müssen aufwendig hergestellt, überwacht und beseitigt
werden. Insbesondere bei Salzbädern kann die Problematik bestehen, daß diese Cyanide
enthalten. Eine Entsorgung ist somit aufwendig und teuer.
[0007] Eine weitere Möglichkeit besteht im elektrolytischen Schwärzen in galvanischen Lösungen.
Hierbei handelt es sich z. B. um das Schwarzchromatieren. Aufgrund von möglichen ungleichmäßigen
Schichtdicken bei der Metallabscheidung können bei diesem Verfahren allerdings unterschiedliche
Farbverläufe entstehen. Nachteilig ist des weiteren, daß hier ein zusätzlicher Verfahrensschritt
notwendig ist und daß die galvanische Lösung aufwendig entsorgt werden muß.
[0008] Allgemein ist bei allen oxidischen Verfahren nachteilig, daß die Oxidschichten eine
Neigung zum Abplatzen aufweisen, wenn die Oxidschicht zu dick ist oder keine ausreichende
Haftfähigkeit zwischen Oxidschicht und Oberfläche vorhanden ist.
[0009] Eine höhere Schichtdicke kann allerdings notwendig sein, um eine hinreichende Schwärzung
zu erreichen.
[0010] Der Erfindung liegt somit die
Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Schwärzen von Oberflächen zu schaffen, welches ohne einen
zusätzlichen Verfahrensschritt schwarze Oberflächen schafft, die nicht zum Abplatzen
neigen. Es sollten keine in der Herstellung, Unterhaltung und Entsorgung teuren Flüssigkeiten
oder Bäder zur Anwendung kommen. Des weiteren soll eine Vorrichtung zur Durchführung
dieses Verfahrens geschaffen werden.
[0011] Die erfindugsgemäße
Lösung der Aufgabe sieht vor, daß die Oberfläche innerhalb eines Behandlungsraums einer
Wärmebehandlung bei gleichzeitigem Zuführen eines kohlenstoffabgebenden Mediums unterzogen
wird. Die Oberfläche des sich bereits im Behandlungsraum befindlichen Bauteils wird
mit Kohlenstoff in Verbindung gebracht. Dieser entsteht durch ein Aufspalten des kohlenstoffabgebenden
Mediums. Das Aufspalten erfolgt durch die Wärmezufuhr. Der Kohlenstoff reagiert mit
der Oberfläche des Bauteils und schwärzt diese.
[0012] In vorteilhafter Weise werden dabei unter Vermeidung der zuvor zitierten Nachteile
tiefschwarze Oberflächen geschaffen. Mit diesem Verfahren lassen sich insbesondere
schwarze Oberflächen auf Werkzeugen, die nach dem Härten eine unter Umständen unansehnliche
Oberfläche aufweisen, herstellen. Des weiteren kann auch die Korrosionsbeständigkeit
der Bauteile erhöht werden. Da die Oberflächen einen "satinartigen" Glanz erhalten,
können sehr gut auch sehr beständige, dekorative Oberflächen beispielsweise für Gehäuse
von Stereoanlagen oder andere Metallteile, die neben der Funktionalität noch eine
Design-Funktion haben, geschaffen werden.
[0013] Eine vorteilhafte Ausgestaltung der Erfindung sieht vor, daß die Wärmebehandlung
unter Niederdruck erfolgt. Es kann dabei ein Niederdruck von 0,01 mbar bis 100 mbar
angelegt werden. Vorzugsweise kann sich der Niederdruck in einem Bereich von 0,1 mbar
bis 15 mbar bewegen. Niederdruck ermöglicht ein günstigeres Dosieren des Kohlenstoffgehaltes
im Ofenraum, was ein Verrußen des Ofenraumes verhindert. Bei höheren Drücken, insbesondere
unter atmosphärischen Bedingungen, ist der zudosierbare Anteil des kohlenstoffabgebenden
Mediums zu hoch, was unweigerlich in nachteiliger Weise zu Verrußungen des Ofenraums
führt. Damit sind auch die Kosten für das kohlenstoffabgebende Medium höher und der
Ofen muß regelmäßig entrußt werden, um einen optimalen Prozeß zu gewährleisten.
[0014] Die Wärmebehandlung selbst kann bei einer Temperatur von 200° C bis 700° C durchgeführt
werden. In diesem Temperaturbereich wird eine gute Umsetzung des Kohlenstoffs mit
der Oberfläche des Bauteils erreicht. Vorzugsweise beträgt die Temperatur 300° C bis
570° C, besonders bevorzugt von 350° C bis 475° C. Die Dauer der Wärmebehandlung kann
dabei über eine Variation der Temperatur und/oder des Drucks geregelt werden. Der
Kohlenstoffgehalt selbst kann innerhalb des Behandlungsraums über eine Variation des
Drucks geregelt werden. Die Regelung kann notwendig sein, um eine Änderung der Atmosphäre
im Behandlungsraum über die Dauer der Behandlung zu erreichen.
[0015] Das kohlenstoffabgebende Medium kann gasförmig in den Behandlungsraum eingeleitet
werden. Des weiteren ist auch eine flüssige Zufuhr möglich. Als kohlenstoffabgebendes
Medium können Kohlenwasserstoffe, insbesondere Acetylen, Kohlenmonoxid oder eine Mischung
davon zugeführt werden. Diese Stoffe eigenen sich aufgrund ihrer guten Aufspaltbarkeit
als Kohlenstofflieferant. Allerdings sind auch andere Stoffe als kohlenstoffabgebendes
Medium denkbar.
[0016] Aus Eigenschaftsgründen sind keine Forderungen an die Geschwindigkeit des Abkühlens
zu stellen. Deshalb sollte eine Kühlung am Ende des Prozesses aus Anlagenverfügbarkeitsgründen
so schnell wie möglich durchgeführt werden.
[0017] Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens sieht die Erfindung eine Vorrichtung
mit einem beheizbaren Behandlungsraum und einer Vorrichtung zur geregelten Zufuhr
des kohlenstoffabgebenden Mediums vor. Der Behandlungsraum kann dabei evakuierbar
sein. Zur Evakuierung des Behandlungsraums kann dabei eine Vorrichtung, insbesondere
eine Vakuumpumpe vorgesehen sein. Des weiteren kann eine Überwachungsvorrichtung für
den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre des Behandlungsraums vorgesehen sein, um eine
geregelte Zufuhr des kohlenstoffabgebenden Mediums zu erhalten.
[0018] Als Behandlungsraum kann ein Ofen vorgesehen sein. Der Ofen kann eine Auskleidung
aufweisen. Diese Auskleidung kann aus Metall bestehen. Hiervon sollte abgesehen werden,
wenn katalytisch wirkende Oberflächen vorhanden sind. In solchen Fällen sollte die
Auskleidung nicht metallisch sein. Vorzugsweise kann die Auskleidung auswechselbar
ausgeführt sein, um eventuell auftretende Verrußungen beseitigen zu können.
[0019] Nachfolgend soll die Erfindung anhand einer nur eine Figur aufweisende Zeichnung
in nicht beschränkender Weise näher erläutert werden.
[0020] Die einzige Figur zeigt in diagrammartiger Darstellung eine erfindungsgemäße Vorrichtung.
[0021] In einer Ofenkammer 1 eines Vakuumofens befindet sich ein Bauteil 2, dessen Oberfläche
geschwärzt werden soll. Die zu schwärzenden Oberflächen des Bauteils 2 sind unbehandelt.
Mittels einer Heizeinheit 3 wird in der Ofenkammer 1 eine Temperatur von 450° erzeugt.
Gleichzeitig wird mit einer Vakuumpumpe 4 der Druck in der Ofenkammer 1 auf einen
Druck von 5 mbar abgesenkt.
[0022] Über eine Zuführeinheit 5 wird der Ofenkammer 1 als kohlenstoffabgebendes Medium
Acetylen (C
2H
2) zugeführt. Das Acetylen wird in der Ofenkammer 1 aufgespalten. Kohlenstoff wird
an die Atmosphäre in der Ofenkammer 1 abgegeben. Der Kohlenstoff gelangt mit der Oberfläche
des Bauteils 2 in Kontakt und bewirkt eine Schwärzung.
[0023] Über einen Überwachungssensor 6 wird der Kohlenstoffgehalt der Atmosphäre im Ofenraum
1 überwacht. Über eine Verbindung (nicht dargestellt) mit der Zuführeinheit 5 steuert
der Überwachungssensor 6 die Zufuhr des kohlenstoffabgebenden Mediums, um eine optimale
Konzentration einstellen zu können. Der Kohlenstoffgehalt wird so eingestellt, daß
ein Verrußen der Ofenkammerwände möglichst vermieden wird. Gegen Ende der Behandlungszeit
wird die Zugabe von Acetylen reduziert, um eine optimale Ausnutzung des Kohlenstoffs
zu erreichen. Nach einer Behandlungszeit von zwei Stunden wird die verbliebene Atmosphäre
abgesaugt und in der Ofenkammer wieder Umgebungsdruck hergestellt. Des weiteren werden
der Ofenraum und das Bauteil 2, damit die Vorrichtung für den nächsten Prozeß sofort
wieder zur Verfügung steht, schnellstmöglich abgekühlt, was keine Eigenschaftsänderungen
am geschwärzten Bauteil 2 zur Folge hat. Im Anschluß kann das Bauteil 2 mit geschwärzter
Oberfläche der Ofenkammer 1 entnommen werden. Die auf diese Weise erzeugte oberflächliche
Schwarzfärbung ist festhaftend, was mittels Abriebtests nachgewiesen wurde.
Bezugszeichenliste:
[0024]
- 1
- Ofenkammer
- 2
- Bauteil
- 3
- Heizeinheit
- 4
- Vakuumpumpe
- 5
- Zuführeinheit
- 6
- Überwachungssensor
1. Verfahren zum Schwärzen von Bauteilen,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Oberfläche innerhalb eines Behandlungsraumes (1) einer Wärmebehandlung bei gleichzeitigem
Zuführen eines kohlenstoffabgebenden Mediums unterzogen wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung unter Niederdruck erfolgt.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, daß ein Niederdruck von 0,01 mbar bis 100 mbar angelegt wird.
4. Verfahren nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, daß vorzugsweise ein Niederdruck von 0,1 mbar bis 15 mbar angelegt wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung bei einer Temperatur von 200° C bis 700° C durchgeführt wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß vorzugsweise die Wärmebehandlung bei einer Temperatur von 300° C bis 570° C durchgeführt
wird.
7. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß die Wärmebehandlung besonders bevorzugt bei einer Temperatur von 350° C bis 475°
C durchgeführt wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß eine Regelung der Behandlungszeit in Abhängigkeit von der Temperatur und/oder dem
Druck erfolgt.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß der Kohlenstoffgehalt innerhalb des Behandlungsraumes in Abhängigkeit vom Druck geregelt
wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß das kohlenstoffabgebende Medium gasförmig zugeführt wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß das kohlenstoffabgebende Medium flüssig zugeführt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß als kohlenstoffabgebendes Medium Kohlenwasserstoffe, insbesondere Acetylen, und/oder
Kohlenmonoxid zugeführt wird.
13. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens gemäß den Ansprüchen 1 bis 12 mit einem
beheizbaren Behandlungsraum (1) und einer Vorrichtung zur geregelten Zufuhr (5) des
kohlenstoffabgebenden Mediums.
14. Vorrichtung nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß der Behandlungsraum (1) evakuierbar ist.
15. Vorrichtung gemäß Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß zur Evakuierung eine Vakuumpumpe (4) vorgesehen ist.
16. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 12 bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß eine Überwachungsvorrichtung (6) für den Kohlenstoffgehalt in der Atmosphäre des
Behandlungsraumes (1) zur geregelten Zufuhr des kohlenstoffabgebenden Mediums vorgesehen
ist.
17. Vorrichtung gemäß einem der Ansprüche 12 bis 16, dadurch gekennzeichnet, daß der Behandlungsraum (1) ein Ofen ist.
18. Vorrichtung gemäß Anspruch 17, dadurch gekennzeichnet, daß der Ofen eine Auskleidung aufweist.
19. Vorrichtung nach Anspruch 18, dadurch gekennzeichnet, daß die Auskleidung auswechselbar ist.