[0001] Die Erfindung betrifft ein bedruckstoffkontaktierendes Element mit einer farbabweisenden
Beschichtung auf einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers. Des weiteren
betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten
Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden Elements.
[0002] Ein Bedruckstoff wird auf seinem Weg durch eine bedruckstoffverarbeitende Maschine
von diversen Elementen, wie Zylindern, Greifern, Förderbändern, Transportrollen, Übertragungstrommeln,
Anschlägen, Führungen oder dergleichen, kontaktiert. Diese Kontaktierungen finden
aus verschiedenen Gründen statt: Beispielsweise soll die Lage oder der Bewegungszustand
des Bedruckstoffes fixiert werden, oder die Geschwindigkeit des Bedruckstoffs entlang
des Weges soll beschleunigt oder verzögert werden, oder wenigstens ein Teil der Oberfläche
des Bedruckstoffes soll gegen eine Fläche gedrückt werden. Aufgrund der aufgeführten
oder aufgrund von weiteren vielfältigen Zwecken kann es erforderlich sein, den Bedruckstoff
an einer Stelle oder an einem Teil seiner Oberfläche zu kontaktieren, an der oder
an dem sich Druckfarbe, insbesondere erst vor kurzem aufgetragene Druckfarbe, befindet.
Des weiteren kann aufgrund der Geometrie oder der Funktionsweise der bedruckstoffverarbeitenden
Maschine ein bedruckstoffkontaktierendes Element an der Stelle oder an der Fläche,
mit welcher es zu einem Zeitpunkt einen Bedruckstoff berührt, zu einem anderen Zeitpunkt
mit anderen Elementen, welche Druckfarbe, insbesondere noch frische Druckfarbe, tragen,
in Kontakt kommen. Es ist daher erforderlich, dass verhindert wird, dass Druckfarbe
an der kontaktierenden Stelle oder Fläche des bedruckstoffkontaktierenden Elements
abgelegt wird.
[0003] Die dargestellte Problematik ist für Widerdruckzylinder in Druckwerken bedruckstoffverarbeitender
Maschinen besonders relevant. Durch die Kraftwirkung eines Widerdruckzylinders (auch
Gegendruckzylinder) wird der Bedruckstoff gegen einen Druckformzylinder beim direkten
Flachdruck beziehungsweise gegen einen Gummituchzylinder (auch Umdruckzylinder) beim
indirekten Flachdruck gepresst. Insbesondere kann das Flachdruckverfahren ein Offsetdruckverfahren
oder ein wasserloses Offsetdruckverfahren sein. Der Widerdruckzylinder kontaktiert
dabei den Bedruckstoff wenigstens im Druckspalt von der dem Druckformzylinder beziehungsweise
Gummituchzylinder abgewandten Seite. Diese abgewandte Seite kann bereits farbtragend
sein, beispielsweise wenn in einem entlang des Weges des Bedruckstoffes durch die
bedruckstoffverarbeitende Maschine vorgeordneten Druckwerk bedruckt worden ist. Diese
Situation tritt insbesondere beim sogenannten Widerdruck in bogenverarbeitenden Druckmaschinen
auf. Des weiteren kann auch der Widerdruckzylinder mit dem Druckformzylinder beziehungsweise
Gummituchzylinder, welcher gegebenenfalls Druckfarbe führt, in Kontakt stehen, wenn
sich kein Bedruckstoff im Druckspalt befindet.
[0004] Es sind bereits eine Reihe von Konzepten vorgestellt worden, wie Oberflächen bedruckstoffkontaktierender
Elemente ausgestaltet werden sollen, damit weder die bedruckstoffkontaktierenden Elemente
noch die Bedruckstoffe selbst mit Druckfarbe verschmieren. Im einleitenden Beschreibungsteil
des Dokumentes DE 101 15 876 A1 wird eine Vielzahl verschiedener Ansätze diskutiert.
In einer Gruppe der Ansätze, welche beispielsweise verchromte Nickelstrukturen, Kalottenstrukturen
mit konvexen oder mit konvexen und konkaven Flächenelementen oder gekörntes Aluminium
umfassen, wird eine Beeinflussung der Mikrorauhigkeit der Oberfläche des bedruckstoffkontaktierenden
Elements verfolgt. Im Ansatz gemäß der technischen Lehre des Dokumentes DE 101 15
876 A1 werden Materialien eingesetzt, die in der Herstellung von Druckformen bekannt
sind. Mittels einer fotokatalytischen Reaktion können diese Materialien in einen stark
hydrophilen und damit farbabweisenden Zustand gebracht werden. Beispiele für derartige
Materialien sind Oxide von Titan oder Oxide von Zirkonium.
[0005] Eine mikrostrukturierte Oberfläche eines bedruckstoffkontaktierenden Elementes, insbesondere
eines Widerdruckzylinders, mit geringer Oberflächenenergie, und damit geringem Haftungsvermögen
für Druckfarbe, kann auch durch eine mit einem Silikonüberzug versehenen plasmagespritzte
Aluminiumoxidschicht dargestellt werden.
[0006] Eine noch geringere Oberflächenenergie, und damit ein noch geringeres Haftungsvermögen
für Druckfarbe, weisen Perfluororganylgruppen, insbesondere Perfluoralkylgruppen,
(teflonartig) auf. Beispielsweise aus dem Dokument US 6,325,490 B1 ist bekannt, Oberflächen
von Tintenstrahldüsen mit teflonartigen Beschichtungen zu versehen, indem eine Beschichtung
mit selbstanordnenden Monolagen (Self assembling monolayers, SAM) bildenden Organylthiolen
(R-SH) vorgenommen wird. Die Thiole können dabei mit Fluoroalkylgruppen substituiert
sein.
[0007] Während für ein bedruckstoffkontaktierendes Element einerseits verhindert werden
soll, dass Druckfarbe an der kontaktierenden Stelle oder Fläche des bedruckstoffkontaktierenden
Elements abgelegt wird, muss andererseits gewährleistet sein, dass der vom Element
kontaktierte Bedruckstoff nicht verrutscht. Dieser Aspekt findet in der technischen
Lehre über die Beschichtung mit Organylthiolen gemäß dem Dokument US 6,325,490 B1
keine Berücksichtigung.
[0008] Im allgemeinen sind die beschriebenen Konzepte zur Beschichtung von bedruckstoffkontaktierenden
Elementen relativ aufwendig. Bei Verschleiß einer farbabweisenden Oberfläche ist es
erforderlich, einen Austausch der Oberfläche, d. h. eine Entnahme oder einen Ausbau
des verschlissenen bedruckstoffverarbeitenden Elementes aus der bedruckstoffverarbeitenden
Maschine und den Einsatz eines Ersatzelementes vorzunehmen.
[0009] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, ein bedruckstoffkontaktierendes Element
zu schaffen, dessen Oberfläche farbabweisend, aber rutschfest für den Bedruckstoff
ist, und ein Verfahren anzugeben, wie eine derartige Oberfläche auf einfache Weise
erzeugt werden kann.
[0010] Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein bedruckstoffkontaktierendes Element
mit den Merkmalen gemäß Anspruch 1 und ein Verfahren zum Beschichten einer Oberfläche
eines mikrostrukturierten Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß
Anspruch 9 gelöst. Vorteilhafte Weiterbildungen der Erfindung sind in den nebengeordneten
und in den abhängigen Ansprüchen charakterisiert.
[0011] Ein erfindungsgemäßes bedruckstoffkontaktierendes Element weist eine farbabweisende
Beschichtung auf einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers auf, wobei die
farbabweisende Beschichtung wenigstens ein Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung,
deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, umfasst. Das Derivat einer
amphiphilen organischen Verbindung ist in der Lage, eine Schicht auf der Oberfläche
des Trägers auszubilden, ohne die Mikrostruktur des Trägers auszufüllen oder aufzufüllen.
Anders ausgedrückt, mittels des Derivats einer amphiphilen organischen Verbindung
kann eine Nanostrukturierung der Oberfläche des mikrostrukturierten Trägers vorgenommen
werden, ohne die Mikrostruktur zu nivellieren. Der erfinderische Gedanke umfasst die
Kombination der Eigenschaften einer mikrostrukturierten Oberfläche zur Bedruckstofffixierung
mit den Eigenschaften der (nanostrukturierend wirkenden) farbabweisenden Beschichtung
durch besagte Derivate.
[0012] Das bedruckstoffkontaktierende Element kann ein Zylinder (bevorzugt), ein Greifer,
eine Greiferauflagefläche, ein Förderband, eine Transportrolle, eine Übertragungstrommel,
ein Anschlag, eine Führung oder dergleichen sein. Der mikrostrukturierte Träger, welcher
einen Teil des bedruckstoffkontaktierenden Elementes bildet, kann auf mikroskopischer
Skala (Mikrometerbereich) eine hügelige oder kalottenförmige Struktur aufweisen. Der
mikrostrukturierte Träger kann auf mikroskopischer Skala kleine Spitzen, gleichmäßig
(bevorzugt) oder ungleichmäßig verteilt in einer dazu relativ glatten Ebene, aufweisen.
Durch die Mikrostruktur wird einem auf der Oberfläche aufliegenden Bedruckstoff auf
einer glatten Unterfläche mit geringem Traganteil zur Verfügung gestellt, so dass
ein Bedruckstoff rutschfest an wenigen erhöhten Punkten aufliegen kann. Das Derivat
einer amphiphilen organischen Verbindung kann eine selbstanordnende Monolage (SAM)
auf dem mikrostrukturierten Träger ausbilden. Es können auch mehrere Derivate einer
amphiphilen organischen Verbindung oder mehrere Derivate mehrerer amphiphiler organischer
Verbindungen verwendet werden, welche auch gemeinsam eine selbstanordnende Monolage
ausbilden können.
[0013] Das Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung kann eine einfach oder mehrfach
substituierte amphiphile organische Verbindung (mit einem oder mehreren verschiedenen
Substituenten) sein. Die amphiphile organischen Verbindung kann eine tensidartige
Verbindung sein. Die amphiphile organische Verbindung kann eine mit einem aliphatischen
oder aromatischen Rest (unpolarer Bereich) substituierte anorganische oder organische
Säure sein, welche wenigstens ein Element aus der IV., V. oder VI. Hauptgruppe des
Periodensystems, insbesondere Kohlenstoff (c), Phosphor (P), Schwefel (S) oder Stickstoff
(N), aufweist. Der Rest kann ein unsubstituiertes oder ein substituiertes Aliphat
oder ein unsubstituiertes oder ein substituiertes Aromat sein. Der Rest, der unpolare
Bereich, kann insbesondere eine Kohlenstoffkette aufweisen, wobei die Anzahl der Kohlenstoffe
größer oder gleich 12 und kleiner oder gleich 25 ist. Die amphiphile organische Verbindung,
deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, kann in repräsentativen Ausführungsformen
der erfindungsgemäßen wiederverwendbaren Druckform ein Hydroxamsäurederivat {R-C(O)-NH-OH}oder
ein Phosphonsäurederivat {R-P(O)-(OH)2}, insbesondere ein Derivat der n-Heptadecan-Hydroxamsäure
{CH3-(CH2)16-C(O)-NH-OH} oder ein Derivat der n-Octadecan-Phosphonsäure {CH3-(CH2)17-P(O)-(OH)2},
sein. Die Derivate der amphiphilen organischen Verbindung können Substituenten aus
der folgenden Menge aufweisen: Fluor (F), Brom (Br), Chlor (Cl), Hydroxyl, Benzyl,
Phenyl. In vorteilhafter Ausführungsform ist das Derivat einer amphiphilen organischen
Verbindung in seinem unpolaren Bereich derart substituiert, dass es sowohl farbabweisend
(oleophob) als auch wasserabweisend (hydrophob) ist. In bevorzugter Ausführungsform
ist das Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung in seinem unpolaren Bereich
fluoriert.
[0014] Der mikrostrukturierte Träger des bedruckstoffkontaktierenden Elements ist in vorteilhafter
Ausführung metallisch mit einer nativ oxidierten Oberfläche. Bevorzugt weist der Träger
wenigstens einen Stoff aus der Gruppe Titan (Ti), Zirkonium (Zr), Molybdän (Mo), Nickel
(Ni), Kupfer (Cu), Aluminium (Al), Chrom (Cr), Eisen (Fe), Silber (Ar) und Gold (Au)
auf. Die Trägermaterialien können in geläufigen industriellen Produktionsverfahren
hergestellt und mikrostrukturiert werden. Langkettige Alkanhydroxamsäuren und Alkanphosphonsäuren
bilden auf nativ oxidierten Oberflächen selbstanordnende Monolagen aus, siehe dazu
beispielsweise J. P. Folkers et al. "Self-Assembled Monolayers of Long-Chain Hydroxamic
Acids on the Native Oxides of Metals", Langmuir 1995, vol. 11, pages 813 - 824. Im
Dokument Langmuir 1995, vol. 11, pages 813 - 824 von J. P. Folkers et al. wird unter
anderem auch die Synthese von einigen Hydroxamsäuren, die Präparation von nativ oxidierten
Oberflächen als Träger oder Substraten und die Messung von Kontaktwinkeln gegenüber
Wasser beschrieben. Der Offenbarungsgehalt dieses Dokuments Langmuir 1995, 11, 813
- 824 wird durch Bezugnahme in die hier vorliegende Darstellung des erfindungsgemäßen
bedruckstoffkontaktierenden Elements eingeschlossen.
[0015] In vorteilhafter Weise wird ein verlässlich reproduzierbares Verhalten bezüglich
der Bedruckstoffführung und des Ablegens von Druckfarbe auf der Oberfläche des bedruckstoffkontaktierenden
Elements erreicht. Mit Hilfe von Hydroxamsäurederivaten oder Phosphonsäurederivaten
ist es möglich, reproduzierbar definierte farbabweisende Metalloxidoberflächen herzustellen,
deren Kontaktwinkel, gemessen gegen Wasser größer als 90 Grad sind.
[0016] In bevorzugter Ausführungsform ist das bedruckstoffkontaktierende Element ein Widerdruckzylinder
oder bildet einen Teil der Oberfläche eines Widerdruckzylinders.
[0017] Das erfindungsgemäße bedruckstoffkontaktierende Element kann in einer bedruckstoffverarbeitende
Maschine, insbesondere in einer Druckmaschine, zum Einsatz kommen. Eine erfindungsgemäße
bedruckstoffverarbeitende Maschine zeichnet sich daher durch wenigstens ein bedruckstoffkontaktierendes
Element aus. Die bogenverarbeitende Maschine, insbesondere Druckmaschine, kann bogenverarbeitend
oder bahnverarbeitend sein. Eine bogenverarbeitende Druckmaschine, insbesondere Schön-
und Widerdruckmaschine, kann einen Anleger, eine Anzahl von Druckwerken und einen
Ausleger aufweisen. Typische Bedruckstoffe sind Papier, Karton, Pappe, organische
Polymerfolie oder dergleichen. Der Bedruckstoff kann bogenförmig oder bahnförmig sein.
Eine erfindungsgemäße Druckmaschine kann mit einem direkten oder indirekten Flachdruckverfahren
(Offsetdruckverfahren) drucken.
[0018] Im Zusammenhang des erfinderischen Gedankens steht auch ein Verfahren zur Beschichtung
einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden
Elementes. Anders ausgedrückt, der erfinderische Gedanke umfasst auch die Bereitstellung
eines Weges, wie ein bedruckstoffkontaktierendes Element mit einem mikrostrukturierten
Träger farbabweisend beschichtet werden kann.
[0019] Das erfinderische Verfahren zur Beschichtung zeichnet sich dadurch aus, dass eine
Stoffmenge, welche wenigstens ein Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung,
deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, umfasst, durch Behandeln der
Oberfläche mit einer wässrigen oder alkoholischen Lösung der Stoffmenge auf der Oberfläche
aufgebracht wird.
[0020] Im erfindungsgemäßen Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten
Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden Elements kann die behandelte Oberfläche
mit einem organischen Lösungsmittel, insbesondere einer wässrigen oder alkoholischen
Lösung, bevorzugt Ethanol, in welcher nicht-anhaftende Teile der Stoffmenge lösbar
sind, gereinigt werden. Darüber hinaus kann die behandelte Oberfläche mit einem wasserfreien
Prozessgas, beispielsweise Stickstoff oder trockener Luft, getrocknet werden.
[0021] In einer Weiterbildung des erfindungsgemäßen Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche
eines mikrostrukturierten Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden Elements wird
die Oberfläche des mikrostrukturierten Trägers vor Behandlung mit der wässrigen oder
alkoholischen Lösung der Stoffmenge durch Benetzen der Oberfläche mit einer organischen,
insbesondere alkoholischen Reinigungslösung vorgereinigt. Des weiteren kann in einer
Weiterbildung des Verfahrens die Oberfläche vor Behandlung mit der alkoholischen Lösung
der Stoffmenge durch Bestrahlen, insbesondere mit infrarotem, sichtbaren oder ultraviolettem
Licht, konditioniert werden.
[0022] In bevorzugter Ausführungsform wird das Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche
eines mikrostrukturierten Trägers eines bedruckstoffkontaktierenden Elementes in einer
bedruckstoffverarbeitenden Maschine, insbesondere einer Druckmaschine, durchgeführt.
Mit dem erfindungsgemäßen Verfahren ist ein einfacher Weg geschaffen, Verschleißerscheinungen
der farbabweisenden Oberfläche zu heilen. Die Beschichtung kann innerhalb der bedruckstoffverarbeitenden
Maschine ausgeführt werden.
[0023] In einer besonders vorteilhaften bevorzugten Ausführungsform wird im erfindungsgemäßen
Verfahren überprüft, ob die farbabweisende Eigenschaft des bedruckstoffkontaktierenden
Elementes ausreichend ist oder nicht, und es wird eine Beschichtung in Abhängigkeit
des Überprüfungsergebnisses vorgenommen. Falls Verschleißerscheinungen die Farbabweisungseigenschaften
oder die Bedruckstoffführungseigenschaften verschlechtern, kann eine neue Beschichtung
der Oberfläche des mikrostrukturierten Trägers vorgenommen werden.
[0024] Das erfindungsgemäße Verfahren ermöglicht das wiederholte Aufbringen, das Erneuern
einer Beschichtung aus wenigstens einem Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung,
deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, insbesondere Hydroxamsäurederivaten
oder Phosphonsäurederivaten, auf Oberflächem mikrostrukturierter Träger bedruckstoffkontaktierender
Elemente.
[0025] Weitere Vorteile und vorteilhafte Ausführungsformen und Weiterbildungen der Erfindung
werden anhand der nachfolgenden Figuren sowie deren Beschreibungen dargestellt. Es
zeigt im Einzelnen:
- Figur 1
- eine vorteilhafte Ausführungsform des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Beschichtung
eines bedruckstoffkontaktierenden Elements, und
- Figur 2
- eine schematische Darstellung einer Druckmaschine mit einem Widerdruckzylinder, der
mit einer farbabweisenden Beschichtung versehen ist, als vorteilhafte Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen bedruckstoffkontaktierenden Elements.
[0026] Die Figur 1 zeigt in Form eines Ablaufdiagramms eine vorteilhafte Ausführungsform
des erfindungsgemäßen Verfahrens zur Beschichtung eines bedruckstoffkontaktierenden
Elements, wie es insbesondere auch innerhalb einer bedruckstoffverarbeitenden Maschine
ablaufen kann. Die Oberfläche des mikrostrukturierten Trägers ist in dieser Ausführungsform
eine nativ oxidierte Metalloberfläche, auch in diesem Zusammenhang als Metalloxidoberfläche
bezeichnet. Ohne eine Einschränkung der Allgemeinheit hinsichtlich der Derivate amphiphiler
organischer Verbindungen und hinsichtlich der Metalloxidoberflächen wird eine vorteilhafte
Ausführungsform eines erfindungsgemäßen Verfahren zur Beschichtung anhand einer nativ
oxidierten Titanoberfläche und anhand eines Derivats der n-Octadecan-Phosphonsäure
beispielhaft erläutert.
[0027] Die Metalloxidoberfläche wird zunächst vorgereinigt. Eine Vorreinigung 10 kann den
Schritt des Abspülens mit Aceton, Ethanol, Isopropanol, Ethylacetat oder einem anderen
geeigneten organischen Lösungsmittel (auch in wässriger oder alkoholischer Lösung)
umfassen. Ein Zweck ist insbesondere die Entfettung der Oberfläche.
[0028] Die vorgereinigte Metalloxidoberfläche des bedruckstoffkontaktierenden Elements wird
anschließend konditioniert. Eine Konditionierung 12 wird durch Bestrahlung der Oberfläche
mit Licht geeigneter Wellenlänge, Intensität und Beleuchtungsdauer für den nachfolgenden
Beschichtungsschritt vorgenommen.
[0029] Die Aufbringung 14 einer Stoffmenge, welche wenigstens ein Derivat der n-Octadecan-Phosphonsäure
umfasst, wird folgendermaßen durchgeführt: Die Titanoberfläche wird mit einer Lösung
benetzt, die oben genannte Verbindungen in geeigneter Konzentration, nahe an der Sättigungsgrenze,
bevorzugt in der Konzentration 1mMol/l, enthält. Die Titanoberfläche wird einer 1mM
ethanolischen Lösung des Derivats der n-Octadecan-Phosphonsäure (Stearin-Phosphonsäure)
bei Zimmertemperatur für die Dauer von etwa 5 Minuten ausgesetzt.
[0030] Eine Reinigung 16 der behandelten Titanoberfläche wird durch Spülen mit einem organischen
Lösungsmittel, einer wässrigen oder alkoholischen Lösung, wie Aceton, Ethanol (bevorzugt),
Isopropanol, Ethylacetat oder einem anderen geeigneten organischen Lösungsmittel,
bewirkt, welches die nichtanhaftenden Teile der Stoffmenge aus der n-Octadecan-Phosphonsäurederivat
Lösung entfernt.
[0031] Eine Trocknung 18 der gereinigten, behandelten Titanoberfläche wird mit einem wasserfreien,
einem sogenannten trockenen Prozessgas, hier Stickstoff, vollständig erreicht.
[0032] Eine Überprüfung 110, ob die farbabweisende Eigenschaft des bedruckstoffkontaktierenden
Elementes ausreichend ist oder nicht, kann direkt auf der Oberfläche des mikrostrukturierten
Trägers oder indirekt durch Inspektion der Oberfläche des Bedruckstoffes vorgenommen
werden. Falls Verschleißerscheinungen der farbabweisenden Beschichtung auftreten oder
festgestellt werden, kann der Beschichtungsvorgang ganz oder teilweise für die betroffenen
Teile der Oberfläche wiederholt werden. Aufgrund der einfachen Teilschritte des erfindungsgemäßen
Verfahrens und seiner vorteilhaften Weiterbildungen kann eine Beschichtung oder eine
Wiederbeschichtung in einer bedruckstoffverarbeitenden Maschine vorgenommen werden.
[0033] Die Figur 2 ist eine schematische Darstellung einer Druckmaschine mit einem Widerdruckzylinder,
der mit einer farbabweisenden Beschichtung versehen ist, als vorteilhafte Ausführungsform
eines erfindungsgemäßen bedruckstoffkontaktierenden Elements.
[0034] Ausschnittsweise ist von einer bedruckstoffverarbeitenden Maschine, hier Druckmaschine
20 ein Druckwerk 22 mit einem Druckformzylinder 24, einem Gummituchzylinder 26 und
einem erfindungsgemäßen Widerdruckzylinder 28 gezeigt. Der Widerdruckzylinder 28 weist
eine farbabweisende Beschichtung 30 mit wenigstens einem Derivat einer amphiphilen
organischen Verbindung, deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, auf
einem mikrostrukturierten Träger 32 auf. Der Bedruckstoff 34, hier bogenförmig, wird
durch die Druckmaschine 20 (bedruckstoffverarbeitende Maschine) entlang eines Weges
36 bewegt. Der Bedruckstoff 34 passiert dabei den vom Gummituchzylinder 26 und Widerdruckzylinder
28 gebildeten Druckspalt. Der Weg 36 umschlingt teilweise einen ersten vorgeordneten
Bogenführungszylinder 38, einen zweiter nachgeordneten Bogenführungszylinder 40 und
einen dritten nachgeordneten Bogenführungszylinder 42. Die Druckmaschine 20 weist
ein dem Druckwerk 22 vorgeordnetes Druckwerk 44 und ein dem Druckwerk 46 nachgeordnetes
Druckwerk 46 auf, welche in dieser Darstellung nicht weiter detailliert sind, aber
dem Druckwerk 22 entsprechend ausgeführt sind.
[0035] Ohne Einschränkung der allgemeinen Konfiguration einer erfindungsgemäßen bedruckstoffverarbeitenden
Maschine 20 sei hier im Zusammenhang der Figur 2 das Druckwerk 22 das erste Widerdruckwerk
der Druckmaschine 20. Anders ausgedrückt, das vorgeordnete Druckwerk 46 und gegebenenfalls
weitere, hier nicht gezeigte vorgeordnete Druckwerke der Druckmaschine 20 bedrucken
diejenige Seite (Schöndruckseite) des Bedruckstoffes 34, welche mit der Oberfläche
des Widerdruckzylinders 28 in Kontakt kommt, während das Druckwerk 22 die andere Seite
(Widerdruckseite) des Bedruckstoffes 34 bedruckt. Auf dem einzelne Zylinder teilweise
umschlingenden Weg 36 liegen für benachbarte Zylinder die Schöndruckseite und die
Widerdruckseite des Bedruckstoffes 34 abwechselnd außen und innen an der Peripherie
des den Bedruckstoff tragenden oder führenden Zylinders, so dass beispielsweise am
zweiten, nachgeordneten Bogenführungszylinder 40 die Widerdruckseite des Bedruckstoffes
34 außen liegt und einer Inspektion zugänglich ist. Das Druckwerk 22 weist zum Zweck
der automatischen indirekten Überprüfung, ob die farbabweisende Eigenschaft des Widerdruckzylinders
28 ausreichend ist oder nicht, eine Detektionseinrichtung 48 auf, welche eine optische
Untersuchung, ob das Druckbild auf dem Bedruckstoff 34 verschmiert oder verschmutzt
wurde, ermöglicht. Für den Fachmann ist unmittelbar klar, dass alternativ dazu auch
ein Maschinenbediener eine indirekte Überprüfung mittels visueller Inspektion des
Druckbildes vornehmen kann. Die aufgenommenen Messdaten werden einer Überprüfungseinrichtung
50 zugeführt, in welcher ein Sollwert-Istwert-Vergleich durchgeführt wird, so dass
eine Entscheidung, ob eine vollständige oder teilweise Wiederbeschichtung vorgenommen
werden soll oder nicht, getroffen werden kann, sobald ein Schwellenwert eines Maßes
für die Abweichung von Soll- und Istwerten überschritten wird. Das Druckwerk 22 weist
eine Beschichtungseinrichtung 52 auf, mit welcher eine vollständige oder teilweise
Beschichtung des mikrostrukturierten Trägers 32 des Widerdruckzylinders 28 vorgenommen
werden kann, ohne dass der Widerdruckzylinder 28 aus dem Druckwerk 22 entnommen werden
muss. Die einzelnen Punkte oder Positionen auf der zweidimensionalen Oberfläche des
Widerdruckzylinders 28 können aufgrund der Rotation des Zylinders um seine Symmetrieachse
und durch Translation des Beschichtungseinrichtung 52 parallel zur Symmetrieachse
des Zylinders erreicht werden. Die Beschichtungseinrichtung 52 ist derart ausgeführt,
dass sie die einzelnen Schritte des erfindungsgemäßen Verfahrens oder seiner vorteilhaften
Weiterbildungen ausführen kann. Die Beschichtungseinrichtung 52 kann durch den Maschinenbediener
im Bedarfsfall betätigt werden, oder die Überprüfungseinrichtung 50 steuert die Beschichtungseinrichtung
52 und den Widerdruckzylinder 28 an Positionen, an denen eine Widerbeschichtung notwendig
erscheint.
[0036] Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass mit dem erfindungsgemäßen Verfahren
zur Beschichtung sowohl die Erzeugung einer farbabweisenden Oberfläche eines bedruckstoffkontaktierenden
Elements mit verlässlich reproduzierbarem Verhalten bezüglich der Bedruckstoffführung
als auch die Erneuerung einer verschlissenen farbabweisenden Oberfläche einfach vorgenommen
werden kann. Das Aufbringen oben näher beschriebener Derivate einer amphiphilen organischen
Verbindung, deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, innerhalb eines
Zeitraums von wenigen Minuten reicht aus, um eine genügend starke Farbabweisung einer
Widerdruckoberfläche, d. h. Oberfläche eines Widerdruckzylinders, für ein Widerdruck-Offsetdruckverfahren
zu erreichen. Der Kreisprozess in der beschriebenen Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahrens gemäß Figur 1 lässt sich innerhalb von 30 Minuten ausführen. Das erfindungsgemäße
Verfahren ermöglicht, Metalloxidoberflächen, wie sie in gängigen industriellen Produktionsverfahren
hergestellt werden, farbabweisend einzustellen. Die Erneuerung verschlissener Bereiche
der farbabweisenden Oberfläche kann mehrfach vorgenommen und, besonders vorteilhaft,
innerhalb einer bedruckstoffverarbeitenden Maschine vorgenommen werden.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0037]
- 10
- Vorreinigungsschritt
- 12
- Konditionierungsschritt
- 14
- Aufbringungsschritt
- 16
- Reinigungsschritt
- 18
- Trocknungsschritt
- 110
- Überprüfungsschritt
- 112
- Wiederholung des Beschichtungsvorgangs
- 20
- bedruckstoffverarbeitende Maschine
- 22
- Druckwerk
- 24
- Druckformzylinder
- 26
- Gummituchzylinder
- 28
- Widerdruckzylinder
- 30
- farbabweisende Beschichtung
- 32
- Träger
- 34
- Bedruckstoff
- 36
- Weg des Bedruckstoffes durch die bedruckstoffverarbeitende Maschine
- 38
- erster Bogenführungszylinder
- 40
- zweiter Bogenführungszylinder
- 42
- dritter Bogenführungszylinder
- 44
- vorgeordnetes Druckwerk
- 46
- nachgeordnetes Druckwerk
- 48
- Detektionseinrichtung
- 50
- Überprüfungseinrichtung
- 52
- Beschichtungseinrichtung
1. Bedruckstoffkontaktierendes Element mit einer farbabweisenden Beschichtung (30) auf
einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers (32),
dadurch gekennzeichnet,
dass die farbabweisende Beschichtung (30) wenigstens ein Derivat einer amphiphilen organischen
Verbindung, deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, aufweist.
2. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Träger (32) metallisch mit einer nativ oxidierten Oberfläche ist.
3. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
dass der Träger (32) wenigstens einen Stoff aus der Gruppe Titan, Zirkonium, Molybdän,
Nickel, Kupfer, Aluminium, Chrom, Eisen, Silber und Gold aufweist.
4. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß Anspruch 1, 2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung ein Hydroxamsäurederivat oder
ein Phosphonsäurederivat ist.
5. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung in seinem unpolaren Bereich
derart substituiert ist, dass es sowohl farbabweisend (oleophob) als auch wasserabweisend
(hydrophob) ist.
6. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das Derivat einer amphiphilen organischen Verbindung in seinem unpolaren Bereich
fluoriert ist.
7. Bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß einem der vorstehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
dass das bedruckstoffkontaktierende Element ein Widerdruckzylinder (28) oder ein Teil
der Oberfläche eines Widerdruckzylinders (28) ist.
8. Bedruckstoffverarbeitende Maschine (20), insbesondere Druckmaschine,
gekennzeichnet durch
wenigstens ein bedruckstoffkontaktierendes Element gemäß einem der vorstehenden Ansprüche.
9. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers (32)
eines bedruckstoffkontaktierenden Elements,
gekennzeichnet durch
Aufbringen (14) einer Stoffmenge, welche wenigstens ein Derivat einer amphiphilen
organischen Verbindung, deren polarer Bereich einen säureartigen Charakter hat, umfasst,
durch Behandeln der Oberfläche mit einer wässrigen oder alkoholischen Lösung der Stoffmenge.
10. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß Anspruch 9,
gekennzeichnet durch
Reinigen (16) der behandelten Oberfläche mit einem organischem Lösungsmittel, in welcher
nicht-anhaftende Teile der Stoffmenge lösbar sind.
11. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß Anspruch 9 oder 10,
gekennzeichnet durch
Trocknen (18) der behandelten Oberfläche mit einem wasserfreien Prozessgas.
12. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß einem der Ansprüche 9 bis 11,
gekennzeichnet durch
Vorreinigen (10) der Oberfläche des mikrostrukturierten Trägers vor Behandlung mit
der wässrigen oder alkoholischen Lösung der Stoffmenge durch Benetzen der Oberfläche mit einem organischen Lösungsmittel.
13. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß einem der Ansprüche 9 bis 12,
gekennzeichnet durch
Konditionieren (12) der Oberfläche vor Behandlung mit der alkoholischen Lösung der
Stoffmenge durch Bestrahlen.
14. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß einem der Ansprüche 9 bis 13,
gekennzeichnet durch
Durchführen des Verfahrens in einer bedruckstoffverarbeitenden Maschine (20).
15. Verfahren zur Beschichtung einer Oberfläche eines mikrostrukturierten Trägers eines
bedruckstoffkontaktierenden Elements gemäß einem der Ansprüche 9 bis 14,
gekennzeichnet durch
Überprüfen (110), ob die farbabweisende Eigenschaft des bedruckstoffkontaktierenden
Elementes ausreichend ist oder nicht, und Vornehmen der Beschichtung in Abhängigkeit
des Überprüfungsergebnisses.