[0001] Die Erfindung bezieht sich auf das Gebiet der Steuerungstechnik und auf eine Steuervorrichtung
zum Antrieb und Bremsen eines Fahrzeugs, vorzugsweise eines Schienenfahrzeugs.
[0002] Derartige Vorrichtungen sind allgemein bekannt. Beispielsweise in Schienenfahrzeugen
werden Sollwerte für einen Antrieb durch Bedienungshebel manuell vorgegeben, durch
eine Messeinheit in elektrische Signale umgewandelt und einer Antriebsregelung übermittelt.
Die Antriebsregelung bildet zusammen mit einem Antrieb ein Regelsystem, welches beispielsweise
nach Maßgabe des vorgegebenen Sollwerts eine Geschwindigkeit oder eine Antriebskraft
des Fahrzeugs oder eine Bremskraft einstellt. Unter bestimmten Umständen ist es möglich
und wünschenswert, optimale Sollwerte zu berechnen und dem Antrieb vorzugeben. Beispielsweise
kann bei einem Schienenfahrzeug anhand von Fahrplan-, Fahrzeug- und Streckeninformationen
eine optimale Fahrgeschwindigkeit oder Zugkraft errechnet werden, mit welcher der
Fahrplan bei minimalem Energieverbrauch eingehalten wird oder mit welcher lagegenau
angehalten werden kann. Aus Sicherheitsgründen ist es jedoch nicht wünschenswert,
die optimale Fahrgeschwindigkeit ohne weiteres dem Antrieb vorzugeben, da der Fahrer
die Geschwindigkeit damit nicht mehr vollständig und dauernd unter Kontrolle hat.
[0003] Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Aufbau einer Steuervorrichtung eines
Fahrzeugs in Modulbauweise zu entwickeln, um eine einfache und preisgünstige Anpassung
an den jeweiligen individuellen Einsatzfall zu ermöglichen.
[0004] Diese Aufgabe wir durch eine Steuervorrichtung gemäß Patentanspruch 1 gelöst. Die
Erfindung ist gekennzeichnet durch zwei vorzugsweise parallel, dicht nebeneinander
angeordnete Bedienungshebel (Schiebesollwertgeber) mit gleicher oder unterschiedlicher
Weglänge (z. Bsp. 200/120mm) für eine Einhandbedienung.
[0005] Die Griffe der beiden Bedienungshebel können ergonomisch aus handfreundlichem Material
sein.
[0006] Folgende Funktionen können in den Griffen vorgesehen werden:
- Eine mechanische oder elektrische Verriegelung der beiden Griffe miteinander für Einhandbedienung;
- Eine mechanische oder elektrische Entriegelung der vorgenannten Funktion;
- Signaltasten, wie SiFa-Taster, als Drucktaste (elektrischer Kontakt);
- Signaltaster oder Schalter (elektrischer Kontakt für Lok auslösen);
- Ein Signaltaster oder Schalter für weitere Funktionen (elektrischer Kontakt und Entriegelung);
- Ein Signaltaster für elektrische Verriegelung des jeweiligen Hebels in einer bestimmten
Position, z.B. Nullstellung;
- Eine mechanisch betätigbare Klinke für Verriegelung und Entriegelung des jeweiligen
Hebels in einer bestimmten Position;
- Ein Vibrator, um über mechanische Schwingungen des Griffes der Bedienperson ein Signal
zukommen zu lassen;
- Optische Signale über LED;
- Scroll-Elemente;
[0007] Die Griffe können unterschiedliche geometrische Formen haben, um bei Dunkelheit die
Bedienperson durch Fühlen erkennen zu lassen, welche Funktion gerade betätigt wird.
[0008] Die Anordnung der beiden Griffe muss so sein, dass eine bequeme Einhandbedienung
möglich ist, dass aber ein Einklemmen der Finger in jedem Fall verhindert wird.
[0009] Jeder Bedienungshebel kann über den Stellbereich mit Raststellungen oder Taststellungen
ausgerüstet sein. Diese Rast- oder Taststellungen können über den Stellweg gleichmäßig
oder ungleichmäßig verteilt sein.
[0010] Die Rast- oder Taststellungen können mit unterschiedlichen Rast- /Tastmomenten vorgesehen
sein.
[0011] Rast- / Taststellungen können wahlweise auch von Klinken oder Signalgebern in den
Griffen ausgelöst oder aufgehoben werden (Ratschenrastung).
[0012] Jeder Bedienungshebel kann mit einer mechanisch oder elektrisch wirksamen Bremse
in Verbindung stehen sein. Die Bremsen können über den ganzen Stellbereich oder über
Teilbereiche wirksam sein. Die Bremsen können über unterschiedliche Bereiche unterschiedliche
Bremskräfte haben. Die elektrisch wirksame Bremse kann z.B. magneto-liquid mit Feedback-Einrichtung
ausgebildet sein.
[0013] Jeder Bedienungshebel kann mit einer mechanischen wirksamen Rückstelleinrichtung,
z.B. Rückzugfeder ausgerüstet sein. Die Rückstelleinrichtung kann über den ganzen
Stellbereich oder nur über Teilbereiche wirksam sein. Die Rückstellkräfte können über
unterschiedliche Bereiche unterschiedliche Rückstellkräfte aufweisen. Die Rückstellfunktion
kann auch über Servomotoren, fremdgesteuert, erfolgen.
[0014] Jeder Bedienungshebel ist mit einer linearen Wegerfassung versehen. Die Wegerfassung
kann redundant ausgeführt sein. Folgende Erfassungsmöglichkeiten können vorhanden
sein:
- Opto-elektronische Wegerfassung über opto-elektronische Codierer Absolutgeber, z.
Bsp. 8bit-Gray-Code, Binär-Code oder Analogausgang;
- Laser-basierende Geber;
- Potentiometer (Leitplastik- oder Drahtpräzisionspotentiometer);
- Induktiv wirksame Systeme;
- Elektrische Schaltelemente (zwangsgeführte Kontakte) an definierten Positionen des
Stellbereiches. Zum Beispiel Stufenkontakte, Null-Stellungskontakte, SB-Stellung,
Füll-Stellung usw.
[0015] Am Endansschlag in Richtung Bremsen kann ein Kontakt (zwangsgeführt) angebracht sein,
der den Schnellbremsvorgang über pneumatische oder hydraulische Weggeber (Ventile)
einleitet.
[0016] Die über die Hebelauslenkung erzeugten elektrischen Signale können über ein Bussystem
weiterverarbeitet sein.
[0017] Die Ansteuerung der vorgenannten Wegerfassungselemente kann linear erfolgen oder
über geeignete Umsetzung einer linearen Bewegung in eine Rotation.
[0018] Es kann eine Abdeckung der Führungen für die lineare Bewegung der Bedienungshebel
vorgesehen sein (Teflon-Folie, Rolle, Zahnriemen). Die Abdeckung ist als Modul vorzusehen,
sodass diese ohne Demontage der Steuervorrichtung ausgewechselt werden kann.
[0019] Beleuchtung von Skalen oder Gravuren mit unterschiedlichen, je nach Bedienart der
einzelnen Bedienungshebel wechselnden Farben, z. Bsp.
[0020] LED's, können ausgebildet sein. Diese wechselnde Farben und Leuchtzeichen beinhalten
auch diese Gravuren.
[0021] Die Linearführung kann geschehen durch:
- Spindelantrieb
- Kugelgewinde
- Flachführung
- Schwalbenschwanzführung
- Prismenführung
- Kugelhülse
- Zahnstangenführung
[0022] Die Umsetzung der linearen Bewegung der Bedienungshebel in eine Rotation weiterer
Komponenten kann geschehen mit Hilfe von:
- Zahnriemen
- Ketten
- Zahnstange-Zahnrädern
[0023] Dies hat den Vorteil der kleineren Bauweise. Über eine Spannrolle kann jeweils die
Lose kleingehalten werden. Mit einem an der Spannrolle angebrachten elektrischen Kontakt,
auch redundant, ist eine Sicherheitsüberwachung der Funktion des Zahnriemens oder
der Kette gewährleistet.
[0024] Der elektrische Anschluss der elektrischen Komponenten erfolgt über Steckverbinder.
Der Druckluftanschluss erfolgt über Steckverbinder. Der Hydraulikanschluss erfolgt
über Steckverbinder. Der Fahr-Bremshebel oder Zugkraft-Bremssteller kann mechanisch
mit einem weiteren Gerät, z.B. Fahrtrichtungsschalter, Schlüsselschalter und oder
Geschwindigkeitssoll-Steller, verriegelt sein.
[0025] Weitere Vorteile der Erfindung ergeben sich aus der Beschreibung und der Zeichnung.
Ebenso können die vorstehend genannten und die noch weiter ausgeführten Merkmale erfindungsgemäß
jeweils einzeln für sich oder zu mehreren in beliebigen Kombinationen Verwendung finden.
Die gezeigte und beschriebene Ausführungsform ist nicht als abschließende Aufzählung
zu verstehen, sondern hat vielmehr beispielhaften Charakter für die Schilderung der
Erfindung.
[0026] Ein bevorzugtes Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung schematisch
dargestellt und wird anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt:
- Fig. 1 bis Fig.10
- Positionen zweier zusammenwirkender Bedienungshebel zum Fahren und Bremsen eines Schienenfahrzeugs.
[0027] Aus der
Figur 1 ist die Nullstellung zweier Bedienungshebel
1 und
2 ersichtlich, welche im Führerstand eines Schienenfahrzeugs (Lok) am Führertisch angeordnet
sind, um das Schienenfahrzeug in Bewegung zu setzen und zu bremsen. Eine lineare Bewegung
des Bedienungshebels 1 in Pfeilrichtung
3 führt zur Einstellung der Zugkraft, d.h. der Beschleunigung des Schienenfahrzeugs.
Eine lineare Bewegung des Bedienungshebels 1 in Pfeilrichtung
4 führt zur Einstellung einer E-Bremse zur Erzeugung einer Bremswirkung auf elektrodynamischer
Basis. Eine lineare Bewegung des Bedienungshebels 2 in Pfeilrichtung 5 führt zur Erzeugung
einer Bremswirkung mit Hilfe einer indirekt wirkenden Druckluftbremse. Ausgehend von
der Nullstellung ist die Zunahme der eingestellten Zugkraft sowie der Bremskräfte
durch die Balken
6 bis
7 angedeutet. Schienen
9 und
10 für die Bedienungshebel 1 und 2 weisen Rastpunkte zur Einstellung vorgegebener Zug-
und Bremskräfte auf. Der Bedienungshebel 1 ist mit einer sog. SiFa-Taste, und der
Bedienungshebel 2 ist mit einer Lok-Auslösetaste ausgerüstet. Die Bedienungshebel
1 und 2 weisen eine Kopplung
8 auf. Die SiFa (Sicherheitsfahrschaltung) bremst den Zug bzw. die Lok bei Dienstunfähigkeit
des Lokführers, damit keine Gefährdung des anderen Bahnverkehrs geschieht. Das Grundprinzip
der SiFa ist denkbar einfach: Der Lokführer muss aller 30 Sekunden (je nach Fahrzeug
bzw. SiFa-Art unterschiedlich) eine Taste betätigen, damit die Lok weiß, dass der
Lokführer noch bei Bewusstsein ist.
Aus der
Fig. 2 ist eine Zugkraftwertevorwahl mit Hilfe des Bedienungshebels 1 bei Betätigung der
SiFa-Taste ersichtlich. Bedienungshebel 1 und 2 sind entkoppelt.
[0028] Fig. 3 veranschaulicht ein gekoppeltes Bremsen mit Hilfe beider Bedienungshebel 1 und 2.
[0029] Neben dem gekoppelten Bremsen ist auch ein individuelles Bremsen möglich, wie in
Fig. 4 dargestellt, wobei die Bedienungshebel 1 und 2 entkoppelt sind (siehe Kopplungseinrichtungen
8a und
8b).
[0030] Fig. 5 zeigt eine alleinige Bremseinstellung der indirekt wirkenden Druckluftbremse über
den vom Bedienungshebel 1 entkoppelten Bedienungshebel 2. Bedienungshebel 1 befindet
sich in der Nullstellung (keine Zugkraftwertvorgabe).
[0031] Fig. 6 demonstriert, dass die Bedienungshebel 1 und 2 auch einen sog. Füllstoß erlauben.
Durch Betätigung eines Führerbremsventil mit Hilfe des Bedienungshebels 2 wird ein
Magnetventil erregt und nun zusätzlich Druckluft freigegeben. Darin öffnet sich nun
ein größerer Querschnitt in der Verbindung Hauptdruckluftleitung - Hauptbremsleitung,
und der Druck steigt für die Dauer der Betätigung an. Nach Beendigung des Füllstoßes
wird der Druck wieder abgebaut.
[0032] Gemäß
Fig. 7 kann auch die E-Bremse allein betätigt werden (Bedienungshebel 1).
[0033] Ein entkoppeltes Bremsen mit E-Bremse und Druckluftbremse über die Betätigung beider
entkoppelter Bedienungshebel 1 und 2 zeigt
Fig. 8.
[0034] Auch ein Anfahren (Bedienungshebel 1) gegen die indirekt wirkende Druckluftbremse
(Bedienungshebel 2) ist denkbar (siehe
Fig. 9).
[0035] Bei Entkopplung der Bedienungshebel 1 und 2 (Fahren) ist eine Schnellbremsung durchführbar,
wie die Hebelstellungen gemäß
Fig. 10 zeigen.
BEZUGSZEICHENLISTE
[0036]
- 1
- Bedienungshebel
- 2
- Bedienungshebel
- 3
- Pfeilrichtung
- 4
- Pfeilrichtung
- 5
- Pfeilrichtung
- 6
- Balken
- 7
- Balken
- 8
- Balken
- 9
- Schiene
- 10
- Schiene
1. Steuervorrichtung zum Antrieb und Bremsen eines Fahrzeugs, vorzugsweise eines Schienenfahrzeugs,
mit einem ersten (1) und einem zweiten (2) neben einander angeordneten, miteinander
koppelbaren linear beweglichen Bedienungshebel.
2. Steuervorrichtung nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass der erste Bedienungshebel (1) zur Einstellung einer Beschleunigung oder Zugkraft
und einer Betätigung einer E-Bremse und der zweite Bedienungshebel (2) zur Betätigung
einer indirekt wirkenden Druckluftbremse vorgesehen ist.
3. Steuervorrichtung nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Bedienungshebel (1, 2) Schalter oder Taster aufweisen.